Er
ECH
а
Bee
ee
HARVARD UNIVERSITY
LIBRARY
Of THE
MUSEUM OF COMPARATIVE ZOÖLOGY
CEOLOGISCHE KARTE ҮШҮ
PUBLICIRT VOM
COMITE FÜR DIE LANDESDURCHFORSCHUNG VON BÖHMEN
SECTION II.
UMGEBUNG VON TEPLITZ BIS REICHENBERG.
ENTWORFEN VON
PROF. Dr. ANT. FRIC und PROF. Dr. GUSTAV C. LAUBE.
ARCHIV DER NATURWISSENSCHAFTLICHEN LANDESDURCHFORSCHUNG VON BÖHMEN.
(X Band Nro. 1.)
PRAG.
DRUCK VON Dr. EDV. GRÉGR. — KOMMISSIONS-VERLAG VON FR. RIVNÁC.
1895.
VORWORT.
Von der von Prof. Krejčí begonnenen geologischen Karte von Böhmen
erschien das erste Blatt Section VI. Umgebung von Kuttenberg bis Böhmisch
Trübau im Jahre 1891 als Nro. 6. des VII. Bandes des Archives der naturwissen-
schaftlichen Landesdurchforschung von Böhmen und zwar nach dem Tode des Prof.
Krejčí mit Erläuterung vom Dr. A. Frič.
Als Fortsetzung des auf dem angebahnten Wege begonnenen Werkes stellten
Prof. Dr. A. Frič und Prof. Dr. Gustav C. Laube weitere zwei Blätter Section II. und
III. zusammen, und zwar der Erstere das Urgebirge und das böhmische Mittel-
gebirge, letzterer die Sedimentformationen, wobei auch Dr. Phil. Poéta behilflich
war. Die Betheiligung des Prof. Dr. O. Feistmantel an den letzteren Arbeiten,
die seiner Zeit in Aussicht stand, wurde durch dessen bedauerlichen Tod vereitelt.
Mit Rücksicht darauf, dass die Seetionen auch einzeln verlangt werden dürften,
wurden auch die Erläuterungen derart redigirt, dass sie ein selbstständiges Ganze
bilden, da sie sonst bei Berufung auf jene zu den anderen Sectionen gegebenen
lückenhaft erscheinen würden.
Dadurch wurden Wiederholungen unausweichbar, die aber der Besitzer der
sämmtlichen Seetionen wohl entschuldigen wird.
Bei Abfassung derselben glaubte man sich darauf beschrünken zu dürfen,
den Leser auf die im Archive der Landesdurchforschung veröffentlichten bezüglichen
Arbeiten hinzuweisen, und in solchen Fällen sich möglichst kurz zu fassen, während
in allen anderen, wo solehe im Archive nicht vorhanden, eine ausführlichere Schil-
derung am Platze schien.
1*
Sehr wohl wurde bei der Fertigstellung der Karten gefühlt, dass der
B 8 Д
Maasstab ein zu kleiner ist, um das Detail, welches die Arbeiter der Landerforschung
ү 3 DO
aufsammelten, darauf verwerthen zu können und es mögen desshalb diese Blätter
als vorläufige Orientations-Behelfe betrachtet werden, bis ausgiebige Mittel die Her-
ausgabe der geologischen Karte in grossem Maasstabe ermöglicheu werden, deren
Ausarbeitung aber gut situirten Kräften als alleinige Aufgabe zugewiesen werden
müsste.
l. Die krystallinisehen Randgebirge und die Inseln
älterer Gesteine im Bereiche des böhmischen Mittel-
und Elbesandsteingebirges.
Von Prof. Dr. Gustav €. Laube.
Der krystallinische Rand im Norden des böhmischen Massives, wie er sich
auf Section II. der geolog. Karte darstellt, bildet kein zusammenhängendes Ganzes,
sondern zerfällt in drei grössere, durch Zwischenschiebung jüngerer Gebilde ge-
trennte, einander wohl im Alter und Aufbau nahe verwandter, doch aber in vieler
Hinsicht verschiedener Gebiete.
| Von Osten her tritt in unser Blatt der westliche Theil des Isergebirges
“m, an welches sich südlich der Schwarzbrunnberg von Gablonz und der westliche
Theil des Eisenbro der Schiefergebirges anlehnt. Letzteres entwickelt sich am süd-
westlichen Rande des Isergebirges zwischen Liebenau und Kratzau zum Jeschken-
gebirge. Nördlich von diesem und längs der orographischen Grenze des ersteren
breitet sich bis an die Ausläufer der Tafelfichte das flache Hügelland von Grottau
und Friedland, der südliche Rand der deutschen Tiefebene bis an die sächsische
bez. preussische Landesgrenze aus, welche hier die tiefe Zittauer Bucht gegen
Süden vorschiebt.
Dieses zumeist mit jüngeren Tertiärgebilden und quartären Ablagerungen
erfüllte Gebiet trennt nicht nur geologisch sondern zugleich politisch den zweiten
krystallinischen Bezirk, das Rumburg-Hainspacher Gebirge, einen Theil des nach
Sachsen fallenden Lausitzer Gebirges, welehes nach Westen durch das dazwischen
Seschobene Elbesandsteingebirge von dem nordöstlichsten Theil des böhmischen
Erzgebirges getrennt ist, das in seiner Erstreckung von der Quadergrenze bei
Königswald-Tyssa bis Osseg-Moldau den nordwestlichen Rand der Section II. bildet.
Zu diesen ausgedehnten Gebirgstheilen treten nun noch eine Anzahl klei-
пеге, schollenartig aus jüngeren Gebirgen hervortretende krystallinische Inseln und
Inselehen hinzu, welche als mit jenen ehemals im Zusammenhange zu denken hier
besprochen werden sollen. Es sind dieses die krystallinischen Inseln, welche im
böhmischen Mittelgebirge hervortreten, an die sich die in der Elbrinne zwischen
Ober- und Niedergrund von der Quaderdecke entblóste anschliesst.
Das westlicheIsergebirge. Unter Hinweis auf die in den Erläuterungen
zu Section П. der geolog. Karte zu gebende Besprechung der orographisehen*) und
geologischen Verhältnisse des Isergebirges möge hier nur hervorgehoben werden,
dass die orographische Grenze dieses Gebirges, welche von Morchenstern nach
Gablonz Ost-West streicht, von da naeh Nordnordwest umbiegt, dem Jeschkenzuge
entlang dem Lauf der Neisse bis an ihren Durchbruch bei Hammerstein folgend,
von hier nordwärts über Einsiedel gegen Raspenau verläuft, wo sie in die steil
abfallende Ost-West streichende Haindorfer Lehne einbiegt. Der von der Bahn
zwischen Einsiedel und Raspenau benützte, die Wasserscheide zwischen der Neisse
und Wittich bildende Phillipsgrund trennt vom Isergebirge den kleinen Stock des
Hemmrich (706 m).
Der westliche Theil des Isergebirges bildet den Abschluss des flachkuppel-
fürmigen Gebirgsmassives, dessen höchster Punkt die Taubenhausfelsen (1069 m)
sind und dessen breiter im Umkreis des Jagdschlosses Neuwiese (778 m) flach
muldig eingedrückter Rücken mit weiten Moorstrecken und dichten Waldbeständen
bedeckt ist. Die nach Süden, Westen und Norden abfallenden Ränder, sind von
den hier oben entspringenden Quellbächen der Neisse und Wittig (die Gablonzer
und: weisse Neisse im Süden, die schwarze Neisse im Westen, die kleine und
schwarze Stolpich und das Schwarzwasser als Zuflüsse der Wittig im Norden) tief
eingekerbt. Das Gebirge selbst ist sehr reich an malerischen kühn aufgethürmten
Felsengruppen, namentlich in der Haindorfer Lehne, die den Thälern vielen Reiz
und der letztgenannten ein wahrhaft alpines Aussehen verleihen.
sleich dem östlichen besteht auch der westliche Theil des Isergebirges
ganz aus Granitit u. z. ist es auch hier vorwiegend ein grobkörnig ausgebildetes
Gestein, das nur stellenweise u. z. ohne alle weitere Zwischenglieder in ein fein-
körniges übergeht. Flaserartige Einlagerungen von Amphibolgranitit kommen nur
sehr vereinzelt z. B. bei Rudolfs- und Ferdinandsthal vor. Die Felsmassen lassen
allenthalben eine durch meist rechtwinklig und senkrecht auf einander stehende
O—W und N—S streichende Fugen, welche durch eine dritte mehr wagrechte ge-
schnitten werden, hervorgebrachte Ablösung in mächtige Würfelblöcke ahrnehmen,
aus welchen die vielfach eyklopischen Mauern ähnelnden Steilwände der Thalrisse
und Felsengruppen auf den Kuppen aufgebaut sind.
Mit Ausnahme einiger kleiner Nephelinbasaltküppchen, welche an der
Peripherie bei Luxdorf, Johannesberg im Süden, bei Habendorf, Neudorf und Ein-
siedel im Westen auftreten, und durch einige kleine Melaphyrdurchbrüche, welche
bei Münkendorf eine kleine Kuppe, in Gablonz einige unansehnliche Gänge unter
der protestantischen, Kirche bilden, wird die Monotonie des Gesteines durch nichts
ande,es unterbrochen als durch die auf dem flachen Rücken auf einem aus zer-
setzten Granitit entstandenen thonigsandigem Untergrund gelagerten Hochmoore, an
*) Eine ausführliche Darstellung der orographischen Verhältnisse bietet Prof, Dr. Carl
Kořistka, die Terrainverhültnisse des Iser- und Riesengebirges. Archiv der naturw. Lan-
desdnrehforschung v. Böhmen, П. Bd., 1. Ар.
welche sich dann in den Niederungen Wiesenmoore anschliessen. Die nicht mit
Moor ausgekleideten Thalrisse sind mit diluvialem Geschiebeschotter und Block-
werk aus dem Gesteine des Gebirges gebildet erfüllt.
Erzablagerungen sind aus diesem Theile des Gebirges nicht bekannt.
Auch der Granit des Schwarzbrunnberges setzt im Süden von Gablonz
über den Hradschinberg und die Kaisersteine bei Langenbruck westwärts unverän-
dert fort und erreicht beinahe unmittelbar am Schiefer des Jeschkengebirges bei
Radl westlich von Schimsdorf und Münkendorf sein Ende.
An den Granitzug des Sehwarzbrunnberges lehnt sich von Süden her u. z.
von Klein Skal an der Iser der westliche, sich allmälig längs der grossen von Lie-
benau südöstlich herabstreichenden Bruchlinie verschmälernde Theil des Eisen-
broder Gebirges an. Die orographische Grenze desselben gegen den benach-
barten Jeschken ist ebenso wie die zwischen dem Iser- nnd Riesengebirge eine
angenommene keineswegs zugleich geologische. Als Grenze wird das vom Mohelka-
bach durchflossene von Jerschmanitz nach Liebenau herabziehende Thal angesehen,
in welches sich die von Reichenau nach Westen gerichtete tiefe Mohelkaschlucht
öffnet. Die Oberfläche des Gebirges bildet eine um Reichenau selbst flach einge-
Senkte, gegen Südwesten steilrandig abfallende Hochfläche, welche gleich wie der
übrige östliche Theil aus Phylliten besteht. In ihrer nördlichen Grenze bilden die-
Selben lüngs des Granites von Radel über Kukan, Schumburg hin einen dureh
Fleck- und Knotenschieferbildungen deutlichen Contacthof, wobei sie gegen Süden
von dem Massengesteine abfallen. Im Südwesten verschwinden die Schiefer unter
dem unmittelbar daran gelagerten Melaphyrzug, der dieselben von Libentin und
Wranova a. d. Iser umsäumt.
Der in Reichenau unmittelbar an der Mohelkaschlucht auftretende kleine
Durchbruch von Melaphyr ist gleich den weiter oben aus dem Granitit angeführten
Jedenfalls mit dieser mächtigen Gangbildung in Verbindung zu denken.
Unmittelbar an das Eisenbroder Gebirge schliesst sich das Jeschkenge-
birge an, oder entwickelt sich daraus, indem sich von ersterem ein zu 800 m
Seehöhe sich erhebender Gebirgszug mit nordwestlichem Streichen davon abzweigt.
Dieser steigt von Saskal über Jaberlich allmälig zum Jeschkenkamm (838 m)
empor, über den als höchste Erhebung der Jeschken (1010 m) emporragt, von dem
nördlich die Höhe wieder rasch auf 800 m und 700 m herabsinkt. Im Osten durch
das Reichenberger Becken, im Westen durch die an seinem Fusse absetzenden
Kreideschichten begrenzt, reicht das Jeschkengebirge allmälig etwas breiter werdend
bis an den Rand der Lausitzer Niederung bei Kratzau, welche hier eine halbkreis-
fórmige Bucht nach Süden vorschiebt, an deren westlichem Rande dann ein schmaler
vom Gebirge selbst durch den Pankratz-Freudenhöher Pass abgetrennter Höhenzug,
der 'Trögelsberg, als nördlichster Ausläufer am Passkamm bei Pass und Spittelgrund
Sein Ende erreicht.
Von Süden her einen wenig gegliederten, beiderseits steil abfallenden Ge-
birgsrücken bildend, welchem die Felsenpyramide des Jeschken aufgesetzt ist,
theilt sich dieser nördlich davon in zwei am Schwarzen Berg beginnende fast pa-
rallel verlaufende Bergzüge, deren westlicher über die Moiselkuppe (750 m), Spitz-
berg (686 m), Kalkberg (789 m) zum Trögelsberg verläuft, während sich der
östliche mehr gegliederte über den Dreiklafterberg (762 m) zum Langenberg (796 m)
erstreckt, der sich dann strahlenförmig zur Ebene bei Kratzau und Weisskirchen
herabsenkt. Zwischen dem Kalk- und Langenberge liegt in 398 m eine Wasser-
scheide, von der sich das Süd gerichtete Längsthal mit dem von der Moiselkuppe
nordwärts abfallenden im Christofsrund vereiniget, der sich in ein den östlichen Ge-
birgsarm bei Ickersbach durehbrechendes in das Neissethal óffnendes Querthal
fortsetzt.
Bei der Station Machendorf verlässt die Neisse das heichenberger Becken
und durchfliesst bei Kratzau ein Durchbruchsthal, welches den Schafberg bei Ma-
chendorf vom Jeschken abtrennt.
Am geologischen Aufbaue des Jeschkengebirges betheiligen sich zunächst
Phyllite, die von jenen des Eisenbroder Gebirges nicht verschieden sind. Graue
oder graugrüne, mehr weniger dünnschiefrige, auf den Schieferflüchen stark seiden-
glänzende Gesteine. Ihnen gesellen sich dann graue, feinkórnige Kalksteine und
weisse Quarzschiefer zu, welch letztere die Jeschkenkoppe aufbauen, Im nördlichen
Theile des Gebirgszuges machen sich dann Schiefergesteine bemerkbar, welche zum
Theile halbkrystallinisch, zum Theile graugrün, aphanitisch eine ausgesprochene
Ähnlichkeit mit den in Mittelböhmen vorkommenden cambrischen Schiefern haben,
welche den Namen Pfibramer Schiefer (Barrandes Etage B) erhielten.
Diese Schiefer des Jeschkengebirges sind auch von jeher als cambrische,
den Pfibramer aequivalente Schiefer gedeutet worden. Sie enthalten gleichfalls Kalk-
steineinlagerungen, in deren einer bei Pankratz am nördlichen Abfalle des Trögels-
berges Prof. Dr. Frič deutliche Crinoidenglieder und ein an Bellerophon errinnerndes
l'ossil*) fand.
Von eruptiven Gesteinen treten Diorite, Diabase und Melaphyr auf, welche
Günge in den Schiefern bilden.
So einfach, wie sich die. Lagerungsverhältnisse im Eisenbroder Gebirge
darstellen, gestalten sich dieselben im Jeschkengebirge, das ja als eine nordwest-
liche Fortsetzung von jenem angesehen werden kann, keineswegs. Die Phyllite,
deren Streichen von dem Mohelkathale, bis wohin es südöstliche Richtung hatte,
nordwestlich gekehrt ist, ändern in ihrer Erstreckung bis Ohristofsgrund mehrfach
ihr Verflächen, indem sie anfangs nach Südost geneigt in der Gegend von Raschen und
Schimsdorf nach Nordwesten einfallen und im Lubokaier Kamm gegen den Jeschken
hin wieder die erstere Fallrichtung annehmen, welcher Muldenstellung auch die den
Phylliten eingelagerten Kalkbünder folgen. Der Quarzschiefer des Jeschken selbst
bildet einen nach Nordwest wie Südost steil abfallenden Sattel, an den sich bei-
derseits weitere Seitensättel anreihen, so dass das ganze Gebirge hier stark auf-
sefaltet erscheint. Dann folgt im nördlichen Theile des Gebirges wieder nördliches
*) Arbeiten der geolog. Sect. L, S. 257.
9
Einfallen bis die Kalkbänder führenden Phyllite am Neissedurchbruch bei Hammer-
stein und nördlich von Christoferund an den nun beginnenden cambrischen Schiefern
absetzen, als deren Liegendes sie jedoch im Grunde des Neissethales an der Bahn-
linie nächst Engelsberg bis Kratzau hin als ein schmaler Streifen hervortreten.
Die Lagerungsverhältnisse innerhalb der cambrischen Schiefer sind ziemlich ver-
worren und in Folge der dichten Waldbedeckung schwer zu verfolgen. Schon Jokély*)
hat darauf aufmerksam gemacht, dass am Schafberge bei Machendorf eine Über-
schiebung der cambrischen Schiefer durch die Phyllite zu beobachten ist. Am Ein-
gange zum Christoferunde macht sich eine Schichtenwölbung bemerkbar, als ob
auch hier noch eine ähnliche Lagerung wie am genannten Orte vorhanden wäre.
Weiter hin aber ist ein vorherrschend nach Nord-nordwest gerichtes Einfallen zu beob-
achten, das aber dann vom Trögelsberg über Niederberzdorf herab zur Neisse in
ein NNO gerichtetes Einfallen bei NNW gerichtetem Streichen übergeht.
Das Bild, welches man vom Bau des Jeschkens erhält, lässt im allgemeinen
erkennen, dass der Gebirgszug quer in der Richtung seines Streichens in mehrere
mächtige Falten zusammengedrängt ist, deren höchster Sattel sich im Jeschken
erhebt. Die nordwärts vom Christofgrund folgenden cambrischen Schiefer bilden
die Ausfüllung einer Mulde im Phyllit, deren ursprüngliche Lagerung jedoch viel-
fach gestört erscheint. Veranlassung zu dieser Faltung scheint wohl das unmittel-
bar angrenzende granitische Lausitzer Gebirge gegeben zu haben, an welches die
Phyllite und Schiefer des Jeschken angedrängt und zusammengeschoben worden sind.
Die im Jeschkengebirge auftretenden Eruptivgesteine haben gangförmige
Lagerung, nur der von Süden her offenbar mit dem bereits früher erwähnten mäch-
tigen Gangzuge in Verbindung zu denkende Melaphyr bildet nördlich von Jaberlich
eine kleine Kuppe.
Die zahlreiche, meist frische Krystalleisten von Plagioklas und faserige
grüne Hornblende führenden Dioritgesteine sind auf der südlichen Hälfte des Ge-
birges namentlich im Bereiche des Jaberlicher Berges entwickelt. Nordwärts vom
Jeschken finden sie sich auch bei Neuland im Thale gegen Christofgrund, doch
trifft man diese Gesteine nirgend anstehend. Diabas, u. z. mandelsteinartiger Kalk-
diabas, kommt gleichfalls nur in Lesesteinen innerhalb der cambrischen Schiefer
zwischen Frauenberg und der Dörkl-Wiese und auf dem Abhange des Trögelsberges
gegen Freudenhöhe vor, wodurch gleichfalls gangförmige Einlagerungen angedeutet
werden. Diese Diabase, haben ebenfalls mit solchen aus dem Cambrium Mittel-
böhmens grosse Ähnlichkeit, und bestärken in der Ansicht, dass die cambrischen
Ablagerungen des Jeschkens sammt den später zu erwähnenden kleineren Depots
ursprünglich mit jenem im Zusammenhange gestanden haben.
Hiezu kommt noch der Umstand, dass im cambrischen Jeschkengebiet Erz-
gänge aufsetzen, von welchen allerdings gegenwärtig keine Proben zu erhalten sind,
auf die aber vor Alters ein regelrechter und ausgedehnter Bergbau betrieben wurde,
*) Jahrb. d. k. k. geol. Reichsanst. 10. Bd., S. 87.
10
in Folge dessen die Stadt Kratzau sowie Engelsberg und Frauenberg in dieser
Gegend als Bergorte entstanden sind.
Das Reichenberger Becken zwischen dem Isergebirge im Nordosten
und dem Jeschkenkamm im Südwesten wird seiner ganzen Länge nach von Mün-
kendorf im Süden bis Machendorf im Norden, wo die Neisse das Jeschkengebirge
durchbricht, von diesem Flusse durchströmt, welcher sich ein tiefes Bett in den
Granitit eingegraben hat. Zwischen dem linken felsigen Rande des Flussthales und
dem Jeschken erstreckt sich der ganzen Lünge nach eine durch Bohrungen nach-
gewiesene, über 40 m mächtige quartäre Schichtenreihe, welche abwechselnd aus
groben und feineren Geschiebesanden, thonigen Zwischenlagen und nach oben zu
aus fetten Lehmschichten besteht, sonach die fluviatile Ausfüllung eines alten See-
beckens darstellt, deren Material aus dem Isergebirge stammt. Nach Norden zu er-
strecken sich quartäre Ablagerungen noch überMachendorf bis gegen Neudorf bei
Einsiedel hinaus.
Das Grottauer und Friedländer Hügelland bildet einen Theil
des südlichen Randes der deutschen Tiefebene und lagert sich unmittelbar an die
nördlichen Abhänge des Jeschken und den westlichen und nördlichen des Iserge-
birges an. Es zerfällt dieses in seinem orographischen Charakter wohl gleiche
jedoch im geologischen Dau verschiedene Gebiet in zwei getrennt zu betrachtende
Theile, welche durch den schon beim Isergebirge erwähnten Hemmrich und die
hier weit gegen Osten vorspringende Landesgrenze geschieden werden, einen süd-
lichen, die Umgebung von Grottau und Kratzau, und einen nördlichen,
die Gegend von Friedland.
Das erstere Gebiet wird von der Neisse durchströmt, ist im Süden, Süd-
westen und Osten vom Jeschken- und Isergebirge und weiter im Westen vom
Quadergebirge begrenzt und erstreckt sich nordwürts bis an die Landesgrenze
gegen Sachsen. Seine Oberfläche stellt ein wenig gegliedertes, nach Norden verfla-
chendes, nach Süden und Osten sanft ansteigendes Hügelland dar, über welches
sich nur einige wenige Kuppen, wie der an der Landesgrenze liegende Gickelsberg
(566 m) bei Ober Wittig erheben.
In seinem geologischen Aufbau unterscheidet sich dasselbe jedoch voll-
kommen von den bisher beschriebenen Gebirgen Bóhmens dadurch, dass dieser
zum grössten Theile aus eruptiven Gesteinen besteht, unter ` welchen eruptive
Gneisse eine Hauptrolle spielen.
In der unmittelbaren Umgebung von Kratzau und Oberkratzau haben diese
Gesteine ein ganz eigenthümliches Aussehen; sie sind theils hell gefürbt, theils
grau, feinkórnig, schiefrig, granulitartig, ein weisses glimmerartiges Mineral und,
wie sich schon durch das fettige Anfühlen erkennen lüsst, weissen Talk führend,
wodurch sie dem in den Centralalpen weit verbreiteten, Protogin genannten
Gesteine sehr ähnlich werden. Weiterhin bei Weisskirchen, Freudenhóhe, Grafen-
stein und an anderen Punkten, wo das Gestein ansteht, nimmt es mehr den Cha-
rakter eines feinkórnigen, röthlichen oder weisslichen, auch beiderlei Feldspüthe,
Orthoklas und Plagioklas führenden Gneisses an, welcher neben Kaliglimmer, Se-
1T
ricit, stellenweise auch ein talkähnliches Mineral führt, und auch von Jokély s. Z.
dem für eruptiv gehaltenen rothen Gneisse des Erzgebirges gleich geachtet wurde;
wiewohl zwischen beiden Gesteinen ein wesentlicher Unterschied besteht, der
Schon darin begründet ist, dass die hiesigen Gesteine eine Entstehung auf eruptivem
Wege erkennen lassen, was bei dem erzgebirgischen nicht der Fall ist.
Bei der Kratzauer Stadtwalke findet man zahlreiche Brocken von cambri-
schem Schiefer in dem Gestein eingeschlossen, bei der nahen Brücke kann man
eine ganze Scholle eingebettet sehen, noch deutlicher eine solche von ziemlicher
Ausdehnung links an der Strasse von Oberkratzau nach Neudorf vor Hoheneck,
wo die dunklen cambrischen Schiefer scharf aus dem lichten Eruptivgesteine her-
austreten. Deim Hause Nr. C. 47 in Kratzau selbst sieht man einen Gang von
Protogingestein im Jeschkenschiefer aufgeschlossen. Ebenso sieht man am Steilge-
hänge des rechten Neisseufers zwischen Weisskirchen und Ketten einen bogenförmig
gekrümmten Einschluss der von Nieder Berzdorf gegen den Fluss herabziehenden
‚ambrischen Schiefer im Siricitgneiss. Durchwegs deutliche Belege für die eruptive
Natur des fraglichen Gesteins, deren auch Jokély (a. a. S. 8.) beibringt. Sie gehören
wohl, u. z. mit Rücksicht darauf, dass wir ähnliches Vorkommen noch weiter im
Gebiete des Lausitzer Gebirges finden, und nach der Ähnlichkeit der Gemengtheile
zu den Lausitzer Granititen, von welchen sie eine unter starkem Drucke entstandene
besondere Ausbildung darzustellen scheinen.*)
Dieses Gestein füllt mit seinen verschiedenen Abarten die halbkreisförmige
gegen die Lausitz geöffnete Bucht aus. Es reicht bei Kratzau im Osten bis an den
Granitit des Isergebirges, im Westen an die cambrischen Schiefer des Trögels-
berges und bei Pass und Spittelgrund an den Quadersandstein, ist aber in der
sächsischen Lausitz weiter verbreitet. Innerhalb desselben sind andere Gesteine
nur insel- und schollenartig verbreitet. So ausser dem erwähnten Phyllit bei Kratzau
eine grössere Scholle von cambrischem Schiefer nördlich davon bei Oberwittig und
Hohenwald.
Als isolirte Ausläufer der in der Zittauer Mulde entwickelten Braun-
kohlenformation sind einige kleine Ablagerungen von Thonen bei Górsdorf, Grottau
und Ketten anzusehen. Die Mitte des ganzen Gebietes wird dann von Grottau nach
Kratzau hin von einem breiten Streifen quartärer Ablagerungen überdeckt, welche
zum Theile u. z. namentlich im Bezirke von Kratzau und Weisskirchen aus mit
nordischen Geschieben von Granit, Porphyr und Feuerstein gemengten Sanden,
zum Theile, wie namentlich im Norden von Grottau, aus fettem braungelbem Lehm
bestehen, der gleichfalls Feuersteine und andere fremde Geschiebe führt. Auf der
Höhe zwischen Wetzwalde und Niederwittig liegt ein aus dem gedachten Geschiebe-
sand bestehender Hügel, den man für den Rest einer alten Moräne halten könnte,
da man diese Ablagerungen als dem südlichen Rande der quartären Gletscherbe-
deckung des deutschen Tieflandes**) zugehörig ansehen muss.
*) Verhandlungen der k. k. geol. Reichsanst. 1884. Nro. 17. „Uiber das Auftreten von
Protogingesteinen im nórdl. Böhmen.
"*) Dr, A. Slavik, Die Ablagerungen der Glacialperiode und ihre Verbreitung in Nord-
böhmen. Sitzbr. köngl. böhm. Gesellsch. 1892.
12
Es ist noch das Auftreten von einigen kleinen Granitinseln bei Kohlige
und Wetzwalde zwischen Oberwittig und Obersdorf zu erwähnen, deren Gestein
schon dem im Lausitzer Gebiete auftretenden Typus entspricht. Sodann fallen noch
einige Kuppen von Nephelinbasalt, der Spitzberg bei Kratzau, derGickelsberg, und
zwei solche bei Pass und Spittelgrund in den Bereich des besprochenen Gebietes.
Die Umgebung von Friedland hat denselben landschaftlichen Charakter
wie die von Grottau und Kratzau, nachdem sich auch hier das flachhügelige durch
seichte Thàler gefurchte, von der Wittig entwüsserte Terrain bis an den nördlichen
Steilrand des Isergebirges bei Haindorf und den westlichen Abfall der Tafelfichte
heranzieht, aus welchen einige Kuppen, der Friedländer Schlossberg (352 m), der
Hohe Hainberg (486 m), der Hummrichstein (510 m) emporragen.
In Hinsicht des geologischen Aufbaues jedoch besteht der Unterschied, dass
die Unterlage der hier weitverbreiteten quartären Ablagerungen aus archäischen
Zweiglimmergneissen besteht, welche allerdings zumeist feinkórniger sich zunüchst
an die der Tafelfichte anreihen. Sie treten allenthalben, so am Westfusse der Ta-
felfichte um Haindorf, Liebwerda, dann nórdlich von Friedland bis an die Landes-
grenze, unter jener Decke hervor, und gehören der grossen aus der Lausitz nach
preussisch Schlesien hinziehenden Gneissformation an. Eine westliche Erstreckung
der um Neustadtl entwickelten, den Phyllitgneissen des hiesengebirges einerseits,
den dichten Gneissen des Erzgebirges anderseits ähnelnden Gesteine lässt sich über
Lusdorf bis gegeu Mildeneichen hin verfolgen.
Eine bemerkenswerthe Einlagerung im Gneiss bildet der im Süden von
Raspenau gelegene Kalkberg.*) Der krystallinische reichlich mit Serpentin ge-
mengte Kalkstein {(Ophicaleit)**) wird von einem dünnschiefrigen glimmerreichen
dunklen Gneiss umhüllt und durch dasselbe Gestein in zwei Theile geschieden.
In unmittelbarer Nähe des Kalkstockes tritt von Amphibolit begleitet ein Lager
von Magneteisenstein auf.
Von jüngeren Gebilden innerhalb des Glimmergneisses sind zu erwühnen,
einige kleine Schollen von cambrischem Schiefer: ^) am Hundshübl bei Milden-
eichen, weiter die Braunkohlenablagerungen bei Priedlanz und Wustung im Norden
von Friedland, welche hier gleichfalls als Ausläufer des Lausitzer Beckens anzu-
sehen sind. Das Lignitflötz liegt unter einem in Wustung 30 m mächtigen Hangendge-
birge von wechselnden Sand- und Thonschichten, darunter etwa in der Mitte eine
3—4 m mächtige Lage eines weissen, fetten, kaolinartigen Thones.
Über das Gebiet breitet sich sodann die im Norden vielfach dureh Ab-
tragung durehbrochene, in der Umgebnng von Friedland jedoch zusammenhüngende
Decke von nordischem (uartär, dessen südlicher Rand bis an den Hemmrich gegen
Mildenau und von da im Norden von Liebwerda gegen Neustadt! verläuft.
*) Durch Versehen in der Karte als Basalt eingetragen! Vergl. Arbeiten der geol. Section
L, 8. 19. J. Blumrich beschrieb in Tschermak's Mittheilungen XII, 257, einige Minerale
von hier.
**) Von Prof Dr. A. Frič, Archiv d. Landesdurchf. Т, 2. Abth. S. 245 ff. als liozoon bohe-
micum Fr, beschrieben.
***) In der Karte irrthümlich mit B-Phyllit bezeichnet.
13
Von Eruptivgesteinen treten auf: Die eruptiven Gneisse von Kratzau am
südlichen Rande des Gebietes, ihre Verbreitung gegen Norden hin ist durch die
aufliegendeQuartürdecke nicht zu beobachten. Granit bildet im nórdlichsten Theile des
Gebietes die Umgebung von Lautsche und Egelsdorf, sodann bei Tschernhausen und
Gölte und im Hemmrichstein und Steinberg einige kleinere Durchbrüche. Feldspath-
basalt breitet sich von der Kuppe des Friedländer Schlossberges,*) deren prächtige
Säulen schon vor Alters als eine Naturmerkwürdigkeit angesehen wurden, decken-
oder stromförmig nach allen Weltgegenden hin aus. Einige isolirte Kuppen kommen
bei Tschernhausen, am Hemmrichberg, bei Schönwald und Hohen Hainberg vor.
Auch der Phonolith**) ist vertreten u. z. bildet er die Kuppe des Hohen Hain-
berges bei Mildenau, den Astberg bei Priedlanz und den Geiersberg bei Friedland.
Das Rumburg-Hainspacher Gebirge***) bildet einen Ausschnitt aus
dem nach Sachsen gehörenden Lausitzer Gebirge. Nur nach Süden hin hat das-
selbe eine orographische Grenze an dem nördlichen Abfall des böhmischen Quader-
gebirges von der Landesgrenze am Steinberg bei Zeidler im Westen bis an den
Ziegenrücken bei Georgenthal im Östen; auf den übrigen Seiten schliessen nur
politische Grenzen unser Gebiet ein.
Im allgemeinen bildet dasselbe ein Hochplateau, dessen hügelige, wellige
Oberfläche von seichten, langegestreckten Thälern durchfurcht wird. Sein westlicher
Theil gehört durch die Kirnsch und ihre Zuflüsse bereits zum Flussgebiet der Elbe,
während der östliche durch die Mandau entwässerte jenem der Oder angehört. Die
monotone, zumeist mit Wald und Cultur bedeckte Hochfläche wird nur durch
einige basaltische Kegelberge, den Wolfsberg (588 m) bei Schönlinde, Plissenberg
(591 m) bei Zeidler, Lichtenberg (538 m) bei Ehrenberg, Rauchberg (511 m) bei
Rumburg, Spitzberg bei Warnsdorf (539 m) u. s. überragt.
Ebenso einförmig wie seine Oberflächenbildung ist sein geologischer Bau;
fast durchwegs zeigt sich nur Granit, welcher überall, wo nicht quartäre Ablage-
rungen und Basalte denselben verhüllen, zu Tage tritt. Die weitausverbreitetste,
gleichwie alle Lausitzer zum Granitit zu zählende Varietät ist das seit langer
Zeit unter dem Namen „Rumburger Granit“ bekannte meist mittel-feinkörnige Ge-
stein, welches nebst vielem schwarzen Glimmer, graublaulichen Quarz, weissen
und gelblichen Orthoklas und Plagioklas enthält. Westlich von Schönlinde gegen
die sächsische Grenze hin tritt ein durch feinen röthlichen Orthoklas und weissli-
chen Plagioklas an das Gestein des Isergebirges erinnernder Granitit auf, der
jedoch gleichfalls in der Lausitz vielfach verbreitet ist, ähnlich auch im Elbethal
bei Niedergrund ansteht.
Am südlichen Rande des Gebietes treten in der Umgebung von Georgen-
thal zwischen Niedergrund und dem Quadersandsteingebirge Gesteine auf, welche
*) Boficky, Basaltgesteine Böhmens S. 159.
**) J, Blumrich, Die Phonolithe des Friedländer Bezirkes in Nordböhmen, Tschermaks
Min.-petrogr. Mittheilungen, XIII. Bd.
"**) Jokély im Jahrbuch der geol. Reichsanst, 10. Bd., S. 25 ff.
14
petrographisch ganz mit den aus der Kratzauer Gegend beschriebenen eruptiven
Protogingesteinen übereinstimmen. Sie reichen ostwärts bis auf den Ziegenrücken
östlich von Innozenzendorf, westwürts bis gegen Neukreibitz und sind offenbar als
eine Fortsetzung der jenseits der Zittauer Bucht auftretenden Gesteine anzusehen.
Von eben diesem gneissartigen Gesteine finden sich auch innerhalb des Granitge-
bietes grössere und kleinere Partien im Granit selbst, so im Süden von Schluckenau
am Bocksteiche, bei Kaiserswalde, bei Schönau an der Strasse nach Schluckenau.
Jokély hat dieselben als Gneisseinschlüsse gedeutet; ich möchte darin nichts als
in Folge von Druck schiefrig-schuppig gewordene Granitpartien sehen. Die geolo-
gische Grenze des Granites gegen das südlich aufliegende Quadergebiet tritt zumeist
deutlich hervor, namentlich auf der Streeke von Sternberg bei Zeidler bis Neu-
daubitz, wo in Folge der Überschiebung des Granites über den Quader und Her-
aufschleifung des zwischenliegenden Jurakalkes eine scharfe Grenzlinie gezogen ist.
Von geschichtetem Gestein kommt in diesem Gebiete nur noch eine grössere Scholle
von cambrischem Schiefer vor, welche südwestlich von Georgenthal sich an das
Protogingestein anlehnt und sich bis Tannendórfel und Hampels Bleiche erstreckt.
Auch diese cambrisehen Schiefer führen Erze auf Gängen u. z. in einem kiesig
kalkigen Zwischenmittel Bleiglanz, Kupferkies und Zinkblende, und erinnern in
ihrem Gepräge lebhaft an ähnliche Gangbildungen von Pfibram.
Hart an der Landesgrenze im Norden von Altwarnsdorf treten unter einer
durch eine Basaltdecke geschützten Lage von Basalttuff Ausstriche von Braun-
kohlengebilde, grau gefärbte Diatomaceenschiefer, Sandsteine und Letten auf, welche
nebst Resten von Süsswasserfischen, Leuciscus macrurus Ag., Reste eines Salaman-
ders, Triton basalticus H. Meyer,*) und zahlreiche Abdrücke von Braunkohlenpflanzen
ergaben. Ähnliche Ablagerungen von Diatomaceenschiefern sind unter dem Quartär
bei Schluckenau erbohrt worden, doch führten sie keine Flötze.
Die flachen Thäler werden zum grössten Theil mit Lehm erfüllt, welcher
sich durch die reichliche Beimengung von Feuersteingeschieben als dem nordischen
Diluvium zugehörig erweist. Namentlich ausgebreitet ist diese Ablagerung in der
Umgebung von Hainspach, Schluckenau, Rumburg und Altehrenberg, dann im süd-
lichen Theile um Schönlinde und Warnsdorf. Hier treten übrigens auch Ablage-
rungen von Geschiebesanden auf, welche neben Feuersteinen Brocken von nordi-
schen Graniten, Porphyren und anderen Gesteinen enthalten.
Der quartäre Lehm und die Zersetzungsproducte des Granites haben an
vielen Orten die Entwicklung von Torfmooren, denen sie als wasserstauende Un-
terlage dienen, befördert. Namentlich ist zwischen Teichstadt, Schönlinde und Ober-
grund ein beträchtliches Moor ausgebreitet.
Von Eruptivgesteinen, welche im Granit auftreten, sind Diorite,**) Basalte
*) Verhandl. geol. Reichsanst. 1859, S. 51 ff. Die Pflanzenreste sind von Н. Engelhardt,
Flora der Braunkohlenform. im Königreiche Sachsen, Leipzig 1870, mit unter denen von
Seifhennersdorf beschrieben.
"*) F, Wurm, Die Grünsteine der Schluckenauer und Nixdorfer Gegend, Sitzb. der kgl.
bóhm. Gesellsch. d. Wiss., beschreibt diese Gesteine als Olivin-Diabase.
|
i
H
|
|
[
[
І
|
|
И
I
15
und Phonolithe zu nennen. Erstere bilden nur gangfórmige Einlagerungen bei Hains-
pach am Friedhofe, Herrenwalde, Fürstenwald und Kunnersdorf, ihr Auftreten
verräth sich zumeist nur durch verstreute Blöcke. Weit verbreiteter sind die Ba-
salte, welche sowohl in Kuppen als auch in Decken im Gebiete auftreten. Erstere
bestehen durchwegs aus Feldspathbasalt wie der Steinhübel bei Schónlinde, Wolfs-
Plissen-, Lichten-, Botzen-*) und Rauchberg in der Rumburg-Schluckenauer Gegend
und einige kleine Kuppen um Warnsdorf. Die im Norden von Altwarnsdorf um
den Spitzberg ausgebreitete Decke, sowie jene welche sich von der Landesgrenze
südl. von Rumburg über Kuhberg, Schönborn, Liehtenhain gegen Niedergrund herab-
zieht, desgleichen die Deckenreste östl. von Rumburg bestehen aus Nephelinba-
salt,**) und ruhen auf Unterlagen von Basalttuff.
Beschränkter im Auftreten ist der Phonolith. Er bildet eine kleine Kuppe
in Oberschönlinde in der Nähe der Bahnlinie, und tritt sodann bei Warnsdorf im
Burgberg, beim Friedhofe, im Spitzberg*"*) und Finkenhübel und am Hörnelberg bei
Georgenthal hervor.
Der nordóstliche Theil des Erzgebirges. Als letzter Theil der
krystallinischen Umrandung von Böhmen erscheint in nordwestlicher Ecke des
Blattes II. der geolog. Karte, jener Theil des Erzgebirges, welcher zwischen dem
Elbesandsteingebirge und Ossegg-Moldau gelegen ist. Eine ausführliche Bespre-
chung der orographischen und geologischen Verhältnisse scheint mit Rücksicht auf
die im Archive der Landesdurchforsehungs-Commission erschienene umfassende Be-
schreibung „der Geologie des Erzgebirges“+) überflüssig zu sein; es möge hier
darauf hingewiesen werden, dass im 2. Theil derselben das dem Elbesandsteinge-
birge zunächst gelegene Graupen-Kulmer Gebirge, das Porphyrgebirge und Wiesel-
steingebirge,tT) zu welchem die vom Porphyr westlich gelegene Partie gehört, ein-
gehend abgehandelt worden sind. Zum Verständniss der Karte dürfte das Nach-
stehende ausreichen.
Das zwischen dem Elbesandsteingebirge im Osten, dem Porphyr im Westen
gelegene Graupen-Kulmer G ebirge besteht der Hauptsache nach aus
glimmerreichem Hauptgneiss (flaseriger Zweiglimmergneiss), weleher bald feld-
spathreicher, glimmerürmer an den Vorhöhen, bald glimmerreicher, feldspathärmer
auf den Höhen des Gebirges, in der Graupener Gegend mehr grau, in der Kulmer
mehr röthlich gefärbt erscheint. Muscovitgneisse bilden streifenfórmige Einlagerungen
làngs des Gebirgskammes vom Geiersberg gegen Osten hin.
Die Gneisse zeigen am Abhange des Gebirges durch regellose Stellung
gekennzeichnete Abbrüche, an der Graupener Lehne stehen sie steil gegen Süd und
Südwest geneigt, oben am Kamm geht die Schichtenstellung in die entgegengesetzte
*) E. Boficky, Basaltgesteine 8. 140.
**) J. Hazard. Über die petrogr. Unterscheidung von Decken- und Stilbasalten i. d. Lausitz,
Tschermak’s Mitthlgn. XIV. Bd., S. 297.
***) E. Boficky, Phonolithgesteine S. 41., 42., 48.
1) Laube, Geologie des böhmischen Erzgebirges I. Theil, westliches Erzgebirge. Archiv III.
Bd. 3., II. Theil óstliches Erzgebirge Archiv VI. Bd. 4.
TT) а. а. O., Seite 183 ff.
16
über. Das Streichen des Gmneisses folgt der Richtung des Kammes. Von Peterswald
nach Tyssa hin ändert sich die bis dahin nordwärts gerichtete Stellung in eine
durch Nordost in Ost übergehende. Die Gneisse verschwinden hier unter einem
Lappen des Quadergebirges und sind noch auf eine kurze Strecke unter der soge-
nannten Wand bei Kónigswald zu sehen.
Innergalb dieses Gebirgstheiles treten mehrfach Eruptivgesteine auf. In
Mittel-Tellnitz zeigt sich ein ziemlich mächtiger Gang von Erzgebiresgranit. Der
vorwiegend felsitisch ausgebildete Granitporphyr dieser Gegend bildet eine, von
der Porphyrgrenze beim Mückenberger Försterhause beginnende, über das Mücken-
thürmchen bis gegen Jungferndorf zu verfolgende Apophyse. Ein zweiter solcher
Gang tritt in Vorder-Tellnitz auf.
Basaltgesteine kommen als Ausläufer des Mittelgebirges zwischen Maria-
schein und Kulm vor. In Mittel-Tellnitz macht sich ein Nephelinbasaltgang bemerk-
bar. Auf der Nordseite des Gebirges ragt aus einer Hülle von Quadersandstein die
aus steilgeneigten Säulen aufgebaute Nephelinbasaltkuppe des Spitzberges bei Schón-
wald empor, ebenso steht solches Gestein am Kaibler bei Nollendorf an.
Im Graupner Gneiss treten seit uralter Zeit in Abbau befindliche Zinn-
steingänge auf. Es sind deren mehr als 40, z. Thl. von bedeutender Erstreckung
bekannt, sie führen nur Zinnstein, oder solchen in Begleitung von Glimmer, Stein-
mark, Flussspath u. s. w. Der Liegendgneiss ist 5—8 cm mit Zinnstein imprügnirt,
das Streichen der Hauptgänge ist Nordost-Ost das der Nebengänge, Ost gerichtet.
Es sind auch Bleiglanz-, Schwefel- und Kupferkies führende Gänge be-
kannt. Letztere Erze kommen auch in fahlbandartigen Gneissen bei Liesdorf und
Tellnitz vor.
Im Bereiche dieses Theiles des Gebirges kommen auf dem Plateau um
Schönwald ziemlich ausgedehnte Torfmoore vor.
Der grosse erzgebirgische Porphyrzug zwischen den Bergstädten
Graupen und Klostergrab grenzt östlich auf einer von Voitsdorf nach dem Fusse
des Gebirges fast geraden Nordsüd gerichteten Linie an den Gneiss des Graupner
3ebirges; auf der Westseite verläuft die Grenze längs des linken Gehänges des
Hüttengrundes bei Niklasberg vorüber nach Grundmühlen bei Klostergrab, wo sie
westlich ausbiegt, gegen den Gneiss des Wieselsteingebirges. Dor Porphyr tritt als
mächtiger Gangkórper, der sich nur an den Rändern, wie es scheint, über diese
hin ausbreitet, durch das Erzgebirge hindurch, indem er sich nordwürts noch weit
nach Sachsen hin erstreckt, wührend er am Südfusse des Gebirges unter Kreide-
schichten verschwindet, und dann noch weiter in den später zu beschreibenden
Inseln bei Teplitz wieder auftaucht. Das Gestein zeigt nur an der westlichen Grenze
bei Niklasberg, wo sogenannter bunter Porphyr und flaserige Vitroporphyre auf-
treten und auch Contacterscheinungen zu bemerken sind, einige Abwechslung.
Hier wird die Grenze auch von Porphyrtuffen begleitet. Im ganzen Kórper
herrscht einerlei Gesteinsmasse, welche durch in Stunde 2-—3, 7—8, streichende,
senkrecht stehende Klüfte, die von einer dritten in Stunde 5—6 streichenden,
Stunde 23 verflüchender Kluft geschnitten werden, in rhomboidische Prismenkórper
zerlegt wird.
17
Aus der Gegend von Geising in Sachsen tritt an der Grenze des Quarz-
porphyres ein mächtiger Gang von Granitporphyr zwischen Hinter- und Vorder-
zinnwald über die böhmische Grenze und greift mit zwei südstreichenden Apo-
physen in den Quarzporphyr ein. Die östliche ist kürzer und minder mächtig,
hält sich an der Grenze des Quarzporphyres gegen den Gneiss und erreicht den
Fuss des Gebirges nicht. Die westliche dagegen reicht herab bis Jüdendorf bei
Graupen und in die Kuppen von Teplitz. Das grobkörnige Gestein besitzt eine
braune und rothe oder dunkle Grundmasse mit eingestreuten grossen rothen Ortho-
klaskrystallen.
Im Porphyrgebiete treten auch einige Basalte auf u. z. am Kostner Berge,
am Tannhübel, dann bei Strahl und Doppelburg kleine Kuppen von Nephelinbasalt, `
dicht an der Landesgrenze östlich von der Zinnwalder Kirche ein Küppchen von
sehr dichtem Feldspathbasalte.
Von den vielen Erzen, welche das Erzgebirge beherbergt, führt der Por-
phyr nur Zinnerz und dieses nicht allenthalben unmittelbar. Das in Hinterzinnwald
gewonnene Erz stammt aus einem im Porphyr gelegenen, zur grösseren Hälfte nach
Sachsen gehörenden Greisenstocke, dessen Ausdehnung an der Oberfläche durch
zahlreiche Halden kenntlich gemacht wird.*) Sein Umriss ist eine langgezogene
Ellipse, deren grössere Axe ins Streichen des Porphyrzuges fällt. Der aus Quarz
und Lithionglimmer gemengte Greisen ist meist mittelkörnig, doch entwickeln sich
die Gemengtheile auch zu ausserordentlich grossen Dimensionen. In dem nicht
immer dicht gefügten Gestein treten zahlreiche Mineralien auf, worunter namentlich
Wolfram gegenwärtig als ausbeutungswürdig gilt. Der Zinnstein tritt in lagerarti-
gen Ausbreitungen im Greisen auf, welche gegen die Mitte des Stockes hin ziemlich
horizontal liegen, und deshalb von den Bergleuten „Flötze“ genannt werden. Im
Greisen treten auch unregelmässige Granitmassen auf, welche in ersteren über-
gehen, ebenso trennt eine Granithülle den Greisen vom Porphyr.
Im Porphyr selbst ist das Vorkommen des Zinnsteins auch auf Gängen be-
kannt, die im Umkreise von etwa 2—3 Kilom. um den Zinnwälder Greisenstock
aufsetzen.
Bemerkenswerth ist noch das Vorkommen von allerdings nicht abbauwür-
digen Steinkohlengebilden an der Grenze des Porphyres bei Niklasberg. Zwischen
Gneiss und Porphyr treten hier am Hirsch- und Galgenberg mit Anthracit ge-
mengte Conglomerate auf, in welchen Reste von Steinkohlenpflanzen gefunden
worden sind. Sie bethätigen, dass die mächtige Porphyrmasse erst nach der Stein-
kohlenperiode, also zur Rothliegendzeit empor gequollen ist.
Torfstrecken beherbergt das Porphyrgebirge zwischen Zinnwald, Kalkofen
und Niklasberg.
Der vom Porphyr westlich gelegene Theil des Wieselsteingebirges
186 wieder aus Gneiss aufgebaut u. z. bildet wieder zweiglimmriger Hauptgneiss
das verbreitetste Gestein, doch gesellen sich dazu auf den Höhen des Gebirges jün-
*) In der Karte ist nur der Umriss nicht auch die Farbe (Granit) eingetragen.
18
gere Gmeisse, namentlich macht sich Muscowitgneiss auch am Fusse der Stromnitz
wie im Deutzendorfer und Krinsdorfer Grunde bemerkbar. Auf dem Plateau des
Gebirges finden sich dann um Motzdorf bis an die Landesgrenze und den Porphyr
Glimmerschiefergneisse. Die Lagerungsverhältnisse der Gesteine sind in diesem
Theile des Gebirges ziemlich verworren, in den Vorbergen zeigen sich Spuren von
starker Zertrümmerung und eine schollenartig wechselnde Lage, so dass auch hier-
nach am Gebirgsrand abgesunkene Partien zu erkennen sind. Auch weiter hinauf
im Gebirge zeigt sich eine verwickelte Schichtenstellung, indem die Gneisse unter
dem Stürmer nach Ost unter dem Niklasberger Keilberg nach Nord, am Hirsch-
berg vom Porphyr ab nordwestlich fallen, wobei sie hier die Spuren eines erlit-
tenen starken Druckes in zahlreichen zum Porphyr parällelen Klüften erkennen
lassen. Auf dem Rücken des Gebirges nehmen die Gesteine eine zwischen Nord-
und Südost gelegene Neigung an.
In den Gneissen des Plateaus treten mehrfach Granitporphyre auf u. z.
theils gangförmig, theils in flachen Kuppen zwischen Willersdorf und dem Drei-
herrnstein und ebenso zwischen Neustadt, Moldau und Kalkofen. Sie dürften wenn
nicht durchwegs, so doch zum Theile dem Wieselsteinzuge angehören.
Der Durchbruch eines jüngeren Eruptivgesteines macht sich an einer ein-
zigen Stelle u. z. auf dem Kamme der Stromnitz bemerkbar, wo Basaltgestein in
ziemlichen Umfange auftritt.
In diesem Gebirgstheile liegen die Erzlager von Ossegg, Klostergrab und
Niklasberg, Gänge im Hauptgneiss, welche meist in Stunde 2—8 oder 9—11 streichen,
als Gangmittel Letten oder Quarz und als Erze Rothgültig und Glaserz auch Dlei-
glanz, zumeist aber Schwefel- und Arsenikkies führen. Ihre Mächtigkeit wird
zwischen 0:05--1 m angegeben.
Die Inseln von krystallinischen Gesteinen im Bereiche des Mittel-
gebirges und. Elbesandsteingebirges.
Im Zusammenhang mit den zuletzt besprochenen geologischen Verhältnissen
des Erzgebirges sollen nun noch eine Reihe von kleinen, ringsum durch jüngere
Gebilde umschlossenen und aus diesen inselartig hervortretenden krystallinischen
Gebieten besprochen werden, deren grösste Zahl zu jenem Gebirge insofern in
Beziehung steht, als sie ursprünglich mit demselben im Zusammenhange gedacht
werden müssen, aus welchem sie durch das Absinken eines südlichen Flügels des
Erzgebirges gerückt wurden, und wohl später in Folge vulkanischer Thätigkeit im
Bereiche des bóhmischen Mittelgebirges mit empor gedrüngt oder durch Denu-
dation blos gelegt worden sind.*) Es zählen hierher die Porphyrhügel von Teplitz,
die Gneissschollen von Bilin, Ratsch, Watislaw, Milleschau, von Woparn und Czer-
nosek und als die entlegenste die am Maschwitzer Berge zwischen Dauba und
Habstein.
ж) Vergleiche Мели: Laube, Geologie d. böhm. Erzgeb. I. Theil Einleitung, und desselben
Verfassers „Geologische Excursionen im 'Thermalgebiet des nordwestlichen Bóhmens."
Leipzig 1884.
|
|
19
Die Porphyrkuppen von Teplitz*) sind durch die 5 kilom. breite,
mit Kreide- und Braunkohlenablagerungen erfüllte Bruchspalte am Fusse des Erz-
gebirges von diesem abgetrennt und treten aus diesen inselartig hervor. Sie bilden
einen zum Rande des Erzgebirgsporphyr parallelen schmalen Streifen von der
Rude westlich bei Settenz bis an den Teplitzer Schlossberg. In der Stadt Teplitz
selbst ist der Porphyr durch tiefe, z. Th. mit Plänerkalk gefüllte Klüfte in einige
isolirte Höhen getheilt. Dazu gehören noch die davon abgegliederten Küppchen der
Janegger Kirchhübl in WNW und in NW der Luisenfelsen bei Weisskirchlitz. Von
der Beschaffenheit des Gesteines gilt, was von dem des Erzgebirges berichtet
worden ist. Die Mächtigkeit des Teplitzer Porphyres wurde durch die durchge-
führte Bohrung zur Gewinnung des Thermalwassers bis auf 430 m festgestellt,
womit der gangartige Charakter der Lagerung des Porphyres sowohl hier wie im
Erzgebirge nachgewiesen ist. Der Zusammenhang beider wird nicht allein durch die
zwischenliegende kleine Luisenfelsenkuppe, sondern auch durch einen zwischen
Hundorf und Kosten in geringer Tiefe unter den Braunkohlensandstein verlaufenden
Horst hergestellt.
Innerhalb des Teplitzer Porphyrs erscheint am Sandberg bei Schoenau
auch der Granitporphyr noch einmal als grobkörniges, leicht verwitterndes Gestein.
Auch Nephelinbasalt bildet auf der Königshöhe eine kleine versteckte Kuppe.
Innerhalb des Porphyres treten auf zwei parallelen, steil Süd fallenden OW strei-
chenden Spaltenzügen die Teplitz-Schoenauer Thermalquellen hervor.
Die Insel von Bilin ist zum grössten Theile von Kreideablagerungen,
im Norden auch von Braunkohlen- und Quartärschichten bedeckt, und nur in dem
hindurchführenden Bielathale und dessen rechtseitigen Seitenthälern, dem Zischka-
und Deberschethale aufgeschlossen. Sie beginnt im Osten bei dem Dorfe Liebe-
schitz und endet am Chlumberge bei Bilin. Südwärts verschwindet sie unter den
Ausläufern des Mittelgebirges, nordwärts kennt man ihr Erstrecken noch im Lie-
senden der Braunkohle der Emmeranzeche. Die Scholle besteht aus Zweiglimmer-
und Muscovitgneiss, welche mit den Gesteinen des gegenüberliegenden Erzge-
birges ganz übereinstimmen. Das Streichen ist ostwestlich (Stunde 7), das Einfallen
südlich. Aus ihr tritt die Noseanphonolithkuppe des Borschen hervor, neben der eine
zweite, die Kautzer Kuppe liegt, vielleicht ehedem mit jener im Zusammenhange. An
ihrem nördlichen Ende erhebt sich eine Feldspathbasaltkuppe, der Chlum, von
welchem aus ein mächtiger nach Südwesten gerichteter Gang den Gneiss umfasst.
Die Biliner Mineralquellen entspringen unmittelbar aus Klüften im Gneiss, welche
dessen Streichen folgen. Nordöstlich davon tritt an der Fohle bei Ratsch eine
weitere kleine Gneissscholle aus der Basaltbedeckung hervor.
Jenseits des Mittelgebirges tritt Gneiss bei Watislaw, dann bei Mile-
schau unmittelbar unter dem Mileschauer Berge hervor, ziemlich in der Mitte
zwischen der Biliner und der zweitgrössten Gmeissmasse des Mittelgebirges, der
im Elbethale bei Tschernosek. Auch letztere ist grösstentheils von Kreide-
Sebilden überdeckt und nur zu beiden Seiten der Elbe zwischen Tschernosek und
Libochowan, Kleintschernosck und Lichtowitz und dem Woparner Thale sichtbar.
*) Laube, Geologie des bóhm. Erzgebirges, IT. 8. 208 ff.
20
Von Tschernosek nach Libochowan treten mit O—Wstreichen und südlichem Ver-
flächen Phyllite, in welchen zwei von Kalkglimmerschiefer begleitete Kalkbänder
liegen, dann Amphibolite am Hradek auf, worauf dann stark eisenschüssig rothge-
färbte, dünnplattige Zweiglimmergneisse folgen, deren Streichen jedoch fast senk-
recht auf dem der vorgenannten Schiefer steht und die nach Osten verflächen. Die
Scholle erreicht am Rande der Libochowaner Weitung plötzlich ihr Ende. Ihr
Erstrecken nach Osten ist nicht weit zu verfolgen. Auf dem linken Elbeufer zeigen
sich ein ähnliches, jedoch weniger gut aufgeschlossenes Profil. Der Gneiss bleibt
dann auf dem linken Gehänge des sich bei Kleintschernosek óffnenden Woparner
Grundes sichtbar und verschwindet dann weiter thalaufwärts unter Kreidesandstein.
Auf der rechten Thalseite gesellt sich ihm ein in sechsseitige Säulen abgesonderter
Quarzporphyrgang mit ostwestlichem Streichen zu, welcher bis an die Elbe reicht.
In diesem wird das Ende des grossen Porphyrdurchbruches im Erzgebirge gesehen.
Am weitesten ostwürts, schon an dem Gebiete der böhmischen Kreide tritt
aus dieser auf der Westseite des aus Phonolith bestehenden Maschwitzer Berges
eine kleine aus rothem dünnplattigem Gneiss bestehende Insel*) hervor. Ob dieses
etwas eigenartige Gestein durch den Aufbruch des Eruptivgesteines eine Verän-
derung erlitten hat, ist bisher noch nicht festgestellt worden.
Bezüglich der früher öfter erwähnten Scholle von Ron gstock**) muss er-
wähnt werden, dass dieselbe sich nach neueren Untersuchungen nicht als aus
altem krystallinischen Gesteine bestehend erwiesen hat. Die krystallinische Insel
im Elbethale zwischen Mittel- und Niedergrund***) tritt ähnlich wie die
bei Tschernosek im Norden von Tetschen zwischen Mittel- und Niedergrund zu
beiden Seiten der Elbe und nur längs dieser aufgeschlossen und ringsum von Quader-
sandstein überdeckt auf 5 kilom, Erstreckung zu Tage. Von Süden her betritt man
auf dem linken Elbeufer zuerst Phyllite, welche sich vor Niedergrund an Granitit
anlehnen. Ihr Streichen ist NW—SO, im Verflächen nach SW gerichtet. Bei Tschirte
tritt darin ein Gang von Glimmerdiorit auf. Der Granitit ist im Liegenden des
Phyllites ganz gneissartig ausgebildet. Auf dem rechten Ufer der Elbe wiederholen
sich ganz dieselben Verhältnisse, nur tritt der Granitit in drei getrennten Gängen
auf. Dieses Gestein entspricht in seiner Ausbildung vollkommen dem Lausitzer
testeine, wie auch die darangelagerten und einen deutlichen Contaethof zeigenden
Schiefer weit mehr denen des Jeschken- und Eisenbrodergebirges als jenen des Erz-
gebirges gleichen.}) Darnach gehört diese Insel eher zum Lausitzer Gebirge als
zum Erzgebirge und ist als das Bindeglied zwischen diesen beiden anzusehen.
*) Arbeiten der geolog. Section I. S. 14.
**) J, E. Hibsch, Der Doleritstock und das Vorkommen von Blei- u. Silbererzen bei Rong-
stock im böhm. Mittelgebirge. Verhand, der geol. Reichsanst. 1889. S. 204.
***) Laube, Geologie des bóhm. Erzgebirges II. S. 248 ff. — Hibsch, Die Insel älteren Ge-
birges im Ере а] nördl. von Tetschen. Jahrb. der geol. Reichsanst. XLI. Bd., S. 235 ff.
+) Herrn Prof. Dr. J. E. Hibsch in Liebwerd verdanken wir eine sehr eingehende und
lehrreiche Sonderuntersuchung dieses Gebietes. Die dort ausgesprochene Ansicht, dass
die hier auftretendeu Phyllite dem Untersilur, möglicherweise dem Devon angehören,
kann ich nieht theilen; ich halte sie nach wie vor für untercambrisch, daher Alter als
die der Barrande’schen Etage В angehörenden Pfibramer Schiefer. Das von mir Glimmer-
diorit benannte Gestein bezeichnet Herr Hibsch als amphibolisirten Diabas.
II. Das böhmische Mittelgebirge und die im nördlichen
Böhmen zerstreuten Basalt- und Phonolithberge.
Von Prof. Dr. Gustav €. Laube.
Die geologische Durchforschung des böhmischen Mittelgebirges und der
jungplutonischen Berge in Nordböhmen war von der Commission zur naturw.
Durchforschung Böhmens ursprünglich Prof. Dr. Em. Boficky zugewiesen
worden, der sich dieser Aufgabe, wie seine einschlägigen Arbeiten*) beweisen,
mit gewohntem Eifer und rastloser Mühe hingab. Leider war es ihm nicht vergönnt,
das Erscheinen der Karte selbst zu erleben. Nach seinem für die Wissenschaft zu
frühen Tode übernahm Prof. Dr. Ottokar Feistmantel die Begehung des Mittel-
gebirges, aber auch er erlag zu früh den Folgen des Aufenthaltes im mörderischen
Tropenklima, wohin ihn der Wunsch, der Wissenschaft zu dienen, geführt hatte.
Sollte nun das Erscheinen der Section IL. der geolog. Karte, welche in allen
übrigen Theilen fertig gestellt war, nicht neuerlich dadurch verzögert werden, dass
die Ergebnisse einer von dritter Seite**) nochmals in Angriff genommenen Unter-
suchung dieses Gebirges abgewartet werden, so war es nur möglich, auf ältere
gute Vorarbeiten gestützt die Karte auszuführen. Man entschloss sich daher, das
Mittelgebirge nach den Aufnahmen der К. К. geol. Reichsanstalt***) einzutragen.
*) Dr. Em. Boficky, Petrographische Studien an den Basaltgesteinen Bóhmens. Archiv
d. Landesdurchforsch. II. Bd., 2. Thl., Petrographische Studien an den Phonolithgesteinen
Böhmens, Archiv d. Landesdurchforsch. III. Bd., 2. Abth.
1) J, Е. Hibsch, Kurze Übersicht des allgemeinen geologischen Aufbaues des böhm.
Mittelgebirges, Tschermacks min.-petrogr. Mittheilungen ХП. Bd., 8. 397.
Ti) Geolog. Karte von Böhmen im Massstab von 1: 144,000 Blatt П. Teplitz und Tetschen,
II. Reichenberg, VII. Leitmeritz und Theresienstadt. Text hiezu: Jokely, das Leitme-
ritzer vulkanische Mittelgebirge in Böhmen. Jahrb. d. geol. Reichsanst., 9. Bd., 1858.
Die Eintragung in die Section II. ist durch Hinweglassung der in der Reichsanstalts-
Karte ersichtlich gemachten Tuffe vereinfacht, dagegen ist die von Jokély gemachte
Unterscheidung von Trachyten beibehalten worden, was allerdings dem jetztgeltenden
Begriffe dieses Gesteines nicht entspricht, und worunter Boficky’s Sanidinnosean-, Ne-
phelinsanidin-, Oligoklassanidin- und Sanidinphonolith, durchwegs von trachytischem Aus-
sehen, zu verstehen sind.
22
Erst nach Fertigstellung der Karte fand sich im Interesse der guten Sache Pro-
fessor Laube bewogen, dazu eine Erläuterung zu geben, soweit dies unter Be-
nützung der bisherigen Vorarbeiten Bofieky's, welche vor nunmehr zwanzig Jahren
entstanden, wohl nicht mehr durchwegs zutreffend sind, und anderer Geologen und
nach eigenen Erfahrungen möglich war. Der Verfasser ist sich hiebei der Mängel,
welche unter den geschilderten Umständen unvermeidlich waren, vollkommen be-
wusst und konnte sich nur entschliessen, die Arbeit in der Erwägung zu leisten,
dass es sich hiebei nur um allgemeine, zum Verständnisse einer Übersichtskarte
nothwendige Angaben handelt, welche durch neuere Ansichten, die zumeist auf ein-
gehender petrographischer Untersuchung der verschiedenen Gesteine sowie sehr
detaillirter geologischer Erforschung örtlicher Verhältnisse beruhen, die bei dem
Ausmasse der Karte kaum zum Ausdruck hätten gebracht werden können, und das
in der Hauptsache richtige Bild des Mittelgebirges nicht wesentlich zu ändern
vermögen.
Diese Darlegung des Sachverhaltes musste vorausgeschickt werden, um
einer irrigen Auffassung und falschen Beurtheilung vorzubeugen. Prof. Dr. Anton
Frič sah sich bestimmt, eine ähnliche Erklärung den Erläuterungen zu Sect. VI.
der geol. Karte voranzusetzen.
Den Namen „böhmisches Mittelgebirge“ trägt ein in paralleler
Richtung zum Erzgebirge südwest-nordöstlich streichender Gebirgszug, welcher nörd-
lich von der Eger bei Laun beginnend bis an den Bruchrand des Elbesandsteingebirges
nördlich von Tetschen und Böhm. Kamnitz reicht. Im Süden und Osten grenzt er an
die innerböhmischen, in Norden an die nordböhmischen Kreideablagerungen, im
Nordwesten reicht es an das nordwestböhmische Braunkohlengebiet, zwischen Kulm
und Tellnitz an das Erzgebebirge heran. Durch das Elbethal von Praskowitz bis
Tetschen wird das Mittelgebirge in zwei fast gleichgrosse Hälften, eine südwest-
liche und eine nordóstliche getheilt.
Als ein Gebirge vulkanischen Ursprungs ist es in seinem Bau wesentlich
von den übrigen böhmischen Gebirgen verschieden; es trägt das Geprüge der so-
genannten Kegel- oder Kuppengebirge in ausgezeichneter Weise zur Schau, indem
es aus einer Häufung einzelner, bald näher an einander gerückter, bald'weiter von
einander liegender Kuppen besteht, die sich aus sedimentären älteren Unterlagen
oder auf basaltischen Decken erheben, und die entweder als eigentliche Kuppen in
ihrer ursprünglichen Form vorhanden sind, oder als uneigentliche durch Erosion
aus anfänglich zusammenhängenden, ausgedehnten, mächtigen Gesteinsdecken und
Strömen ausgelöst worden sind. Das südwestliche, im Ganzen schmälere Gebirge
lässt eine dem Streichen entsprechende Kammlinie erkennen, aus welcher der Me-
ronitzer Spitzberg (474 m), Radelstein (685 m), Mileschauer Klotzberg (664 m),
Mileschauer (Donnersberg 835 m), Kletschen (505 m) und Glaberberg (452 m) be-
sonders hervorragen.
Zwischen hindurch führen mehrere mit Strassen belegte Pässe, so zwischen
|
|
f
d
|
f
|
|
|
|
|
|
j
28
dem Radelstein und Klotzberg einerseits und diesem und dem Mileschauer ander-
seits, und der zwischen dem Mileschauer und Kletschen gelegene Hauptpass die
„Paskopole“ auf dem Strassenzuge von Teplitz nach Lobositz.
In paralleler Richtung zum Kamme verläuft auf der Nordwestseite das
Bielathal zwischen Bilin und Aussig, durch welches die nordwestlichen Ausläufer
des Gebirges, der Höhenzug von Bilin zum Prohner Berg, der Wachholderberg-
rücken im Süden von Teplitz, der mit dem Teplitzer Schlossberge endigende We-
schener Rücken abgetrennt werden. Geschieden durch das untere Bielathal und
die Braunkohlenmulde folgt nördlich zwischen der Elbe, dem Erzgebirge und Eu-
lauthale die sogenannte Aussiger Platte mit dem Gratschen (352 m), Plankenstein
(545 m) und Harraberg (494 m) und der davon durch das Kleischbachthal abge-
trennte Rücken des Strisowitzer Berges (341 m) östl. von Karbitz. Während auf
der Nordwestseite sohin mehr langgezogene, weststreichende, hie und da von
Kuppen besetzte Ausläufer vorkommen, löst sich der Gebirgskörper auf den an-
deren Seiten des Gebirges in eine Menge dom-kegel-kuppelförmige einzelne Berge
auf, welche gegen die Flussthäler der Eger und Elbe hin immer weiter ausein-
andertreten, mit diesen aber keineswegs ihr Ende erreichen. Als die auffallendsten
mögen unter den vielen genannt werden: Der Lobosch (572 m), Suttomer Berg
(508 m) bei Lobositz, der Kostial (488 m), Werschetin (460 m) bei Trebnitz,
Hasenburg (417 m) bei Libochowitz, der KoZower Berg (356 m), Oblik (509 m),
Rannayer (455 m) und Milayer Berg (509 m) bei Laun. Daran schliesst sich auf
der Westseite noch der Borschen bei Bilin (538 m).
Der nordöstliche Theil des Mittelgebirges hat einen anderen Charakter.
Mit steilen Rändern gegen Süden und Südosten abfallend hat dasselbe weitmehr
den Charakter einer breiten Hochfläche von ziemlich gleicher Höhe, welcher ein- .
zelne dominirende Kuppen wie der Warhoscht (640 m), hohe Wostrey (585 m),
Matzenstein (587 m), Zinkenstein (684 m), Tannbusch bei Bensen (527 m), Gottes-
berg (554 m), Matzelig (666 m) bei Wernstadt, Hutberg (589 m), Kosel (596 m)
bei Böhm. Leipa, aufgesetzt sind, und die selbst wieder durch tiefgehende Thal-
risse, die sich mit Ausnahme des Wernstadter nach Osten herabführenden Thales
durchwegs westwärts gegen das Elbethal öffnen, in lange vorwiegend nordweststrei-
chende Höhenrücken zertheilt ist. Durch das enge Thal des Polzen, in welches
der Fluss westl. von Böhm. Leipa tritt, wird ein nordöstlicher Gebirgstheil zwischen
Tetschen, Böhm. Kamnitz und Bóhh. Leipa gelegen abgetrennt, der durch das breite,
von Markersdorf nach Bensen führende Thal in eine kleinere westliche und grössere
östliche Hälfte zerfällt, aus den gleichfalls einzelne Kuppen hervorragen [Hofberg
(584 m) bei Sandau, Wolfsberg (634 m), Frostberg (591 m), Schlossberg (544 m)
bei Steinschönau und Böhm. Kamnitz u. s. w.]
In nordöstlicher Richtung, von Böhm. Kamnitz nach Kreibitz-Georgenthal,
Warnsdorf hin, löst sich das bis dahin mehr geschlossene Gebirge in zahlreiche
einzelne Kegelberge auf, wie der Kaltenberg (731 m), Ahrenberg (105 m), Himpel-
berg (633 m), gr. Buchberg (732 m), Tannberg (770 m), Finkenkoppe (789 m),
Lausche (791 m) an der Landesgrenze im Norden, und weiter im Osten der Kleis
(755 m) bei Haida, der Ortelsberg (550 m) bei Bürgstein, die Kegelberge bei
24
Böhm. Leipa, der Ronberg (551 m) und Wilhoscht (610 m) bei Graber, Geltsch
(725 m) bei Levin und die Auschaer und Leitmeritzer Kuppen, von denen der
Radebeule an der Elbe (Radobyl) (379 m) als letzter genannt werden mag.
Das bóhmische Mittelgebirge ist vorwiegend aus basaltischen Gesteinen
aufgebaut, welchen sich Tephrite und Phonolithe anschliessen. Trachyte*) sind nur
selten, Andesite bisher gar nicht nachgewiesen.
Unter den basaltischen Gesteinen unterschied Воїіску Magma., Nephelin-,
Leucit-, Feldspathbasalte und Ттасһу- und Tachylitbasalte. Das Nähere hierüber
möge a. a. О. nachgesehen werden. Die letztgenannten entsprechen der gegenwärtig
mit den Namen Tephrit, Basanit, Limburgit und Augitit bezeichneten Gesteinen.
Zu den Leucitbasalten rechnet Boficky auch die von ihm ,Peperinbasalte* genannten
Gesteine, „welche als erhürteter Lavaschlamm zu betrachten sind“. Darnach schon
sind sie wohl richtiger unter die Tuffe zu stellen. Unter den Phonolithen werden
zwei Gruppen, Nephelin-, Leucit- und Nosean-Phonolithe, in denen der Sanidin zu-
rücktritt, und an Sanidin reiche Gesteine, in welchen die vorgenannten Mineralien
minder entwickelt sind, unterschieden. Zu ihnen treten noch Plagioklas führende,
an Nephelin ärmere Gesteine, welche Hibsch als tephritoid-trachytische Phono-
lithe unterscheidet.**) Auch hier möge das Nähere in Boficky’s einschlägiger Ar-
beit nachgesehen werden.
Zu den vulkanischen Auswurfsmassen, welche das Mittelgebirge aufbauen,
gehören die basaltischen Tuffe, welche theils geschichtet, und dann zuweilen Ge-
schiebe führend, theils ungeschichtet mit Basalt und Schlackbrocken gemengt vor-
handen sind, denen auch die sogenannten Dasaltwaeken, braune, mehr weniger
thonige Gesteine mit eingestreuten Augit- und Biotitkrystallen, zugehören.
Im Aufbau des Gebirges selbst ist zunächst der Untergrund der eruptiven
Massengesteine zu erwähnen. Dieser tritt an vielen Stellen sowohl im Innern als
auch an den Rändern zu Tage.
Als die ältesten Glieder des Untergrundes sind die im Anhange zu der
Erläuterung des krystallinischen Randgebirges (S. 18) besprochenen krystallinischen
Schollen von Bilin, Watislaw, Mileschau und Tschernosek zu nennen. Weit verbrei-
teter sind jedoch die Ablagerungen der böhmischen Kreideformation, vorwiegend
der turonen und senonen Abtheilung, Iser-, Teplitzer- und Priesener Schichten und
Grossskaler Sandstein. Um den ganzen südlichen Rand des Gebirges von Böhm.
Leipa nach Leitmeritz an die Elbe und weiter über Lobositz, Trebnitz nach Laun
und hier auf der Westseite aufwärts nach Bilin sieht man allenhalben die Priesener
Schichten als unmittelbare Unterlage der Basaltberge hervortreten. Zwischen Dux
und Teplitz breiten sich bei Hundorf und Loosch die Ausläufer des Mittelgebirges
über die Teplitzer Schichten (Pläner Kalk) aus. Auch zwischen Bodenbach und
Kónigswald liegen unter den Basalten der Aussiger Platte die Priesener Mergel.
*) J, E. Hibsch, Über einige minder bekannte Eruptivgesteine des böhm, Mittelgebirges,
Tschermak, Mineral.-petrogr. Mitth. IX. Bd.
**) J, E. Hibsch, Geol. Aufbau d. b. Mittelgeb. a. a. O., S. 405.
|
|
|
|
|
|
|
|
25
Sie bilden aueh noch einen sehmalen Zug längs des Quadergebirges von Tetschen
nach böhm. Kamnitz. Weiter nördlich treten die vereinzelten Ausläufer aus dem
Mittelquader (Iserstufe), und in ihrer Ausbreitung gegen Nordosten hin aus dem
Grossskaler Sandstein (Chlomeker Stufe) hervor. Im Innern des Gebirges, abge-
sehen von dem südlichsten Theile fehlen die Kreideablagerungen, nur bei Kojetitz
gegenüber von Aussig zeigt sich eine kleine, stark zertrümmerte Scholle.
Den Kreidebildungen unmittelbar aufgelagert sind die Glieder der tongri-
schen Stufe der bóhm. Braunkohlenformation, der aus weichen, lockeren Schichten,
untermischt mit harten, quarzitischen Bänken bestehende Braunkohlensandstein,*)
welchem sich stellenweise Diatomaeeenscehiefer**) (Polirschiefer) und Thone dann
wenig mächtige Braunkohlen- (Pechkohlen) Flötze zugesellen. Überall, wo innerhalb
des Gebirges die Thäler his auf die Unterlage ausgespült und nicht mit quartären
Ablagerungen bedeckt sind, treten diese Gebilde zu Tage. U. z. vorwiegend in der
nördliche Hälfte des Gebietes, im Elbethal um Aussig, in der Teplitzer Gegend
u. S. w. Im Norden von Leitmeritz erscheint die ganze Reihenfolge des Unter-
grundes, die Kreidestufen bei Pokratitz, Braunkohlensandstein bei Skalitz, Schüt-
tenitz, Diatomaceenschiefer im Jesuitengraben, unter den Basalten des Langen- und
Kreutzberges blosgelegt. Im südwestlichen Theile treten nur einzelne Inseln der
Braunkohlengebilde bei Webeschan und in der Bielagegend, dann seitwärts von
Meronitz und Merslitz auf. Die darin vorkommenden Pechkohlenflötze bei Salesl,
wo sie von Basaltgängen durchsetzt und verkoakt sind, bei Wernstadt, Lewin, Pa-
skopole, Meronitz u. s. w. sind oder waren an manchen dieser Orte in Abbau.
Da sich auf diesen dem Mitteloligocaen angehörigen Ablagerungen die
eruptiven Massen des Mittelgebirges ausbreiten, ist für die Bildungszeit desselben
in Fingerzeig gegeben. Sie fällt in das Oberoligecaen, in die aquitanische Stufe.
Von Boricky wurden in der Bildungsreihe drei Altersstufen der Basalte unter-
schieden, der ältesten gehören Nephelinoide, Leucitoide und Magmabasalte an.
An der Scheidegrenze stehen die Feldspathbasalte. Erstere bilden in der Randzone
Berg- und Hügelketten und einzelne Berge, im Innern Ströme und Stöcke, letztere
bilden ebenfalls einzelne Kuppen, die stellenweise sich in einer geraden Linie anein-
anderreihen. In die zweite Altersperiode fallen die von Воїіску als Andesit- und
Phonolithbasalte bezeichneten Gesteine, besonders in der Aussiger Platte entwickelt,
ferner Leueitbasalte. Die dritte Altersperiode umfasst die Trachy- und Tachylyt-
basalte. Erstere treten vorzugsweise im böhm. Mittelgebirge zwischen Aussig und
Tetschen auf. Sie bilden meist nur Gänge in den älteren Gesteinen. Näheres hier-
über und ebenso über die von Boficky gefundene Abbruchlinien möge in seinem
Buche***) nachgesehen werden.
*) Herm. Engelhardt, Tertiärpflanzen а. d. Leitmeritzer Mittelgebirge. Nov. act. Carolo
Leop. 1876, beschreibt die Flora derselben.
'**) Aus dem Diatomaceenschiefer von Sulloditz beschrieb V. Bieber (Sitzber. kais. Akad.
d. W. LXXXII. Bd., 1880., S. 101 ff, Reste von Batrachiern, die Flora dieser Ablage-
rungen J. Wentzel (Ebenda LXXXVIII. Bd., 1881., S. 241. ff).
ee) Boficky, Basaltgesteine, Seite 212 ff.
Ähnlich bemerkt Hibsch :*) „Die ältesten Eruptivmassen gehören basal-
tischen Gesteinen, basaltoiden Tephriten und Basaniten an. Diese Gesteine treten
vorzugsweise in Strömen und ausgebreiteten Decken auf. Am Rande des Mittelge-
birges sind manche diese Ströme durch spätere Erosion zum Theil zerstört und es
hält oft schwer zu entscheiden, ob man eine Quellkuppe oder einen Theil eines
Stromes vor sich hat. Im Innern des Gebietes lassen die Eruptivmassen einen
besseren Zusammenhang erkennen.“
Bezüglich der Phonolithe bemerkt Boficky,) dass sie unzweifelhaft
Jünger sind als die Basalte der 1. u. 2. Periode, da sie aus diesen kuppenförmig
hervorragen. Die Phonolithe, sagt Hibsch, sind in Form von Stöcken, mächtigen
kurzen Strömen über das ganze Mittelgebirge verbreitet. Im Innern des Gebirges
schälen sich die Phonolithstöcke allmälig aus einer Hülle von Tuffen oder festen
Eruptivmassen heraus. In der Peripherie des Mittelgebirges ist die Enntkleidung der
Phonolithmassen beendet, und dieselben überragen als Dom, Kegel u. s. w. ihre
Umgebung. Im Mittelgebirge erkennt man derzeit eine sehr grosse Anzahl einzelner
Ausbruchstellen der Eruptivmassen. Heute sind die grossen Vulkane des Mittelge-
birges zum grössten Theile zerstört und abgetragen. Nur ihre Ruinen stehen noch,
ans denen der ehemalige Aufbau nur schwer und mühevoll zu erkennen ec
Die Böden und Böschungen der Berglehnen der weiten Mittelgebirgsthäler
sind mit quartären Ablagerungen bedeckt. Das älteste Quartär, vorwiegend aus
Quarz und Quarzit bestehende Geschiebe-Schotter, erreicht eine Seehöhe von über
260 m, das nächst jüngere über 200 m Seehöhe. Letzteres gleichfalls Schotter
führt am Nordrande des Gebietes Feuersteinspähne. Noch jüngere Ablagerungen
aus groben Geschieben von Mittelgebirgsgesteinen, Gneissen, cambrischen Kiesel-
schieferu, Quarzen, Kreidegesteinen u. s. w., zuweilen moränenartige ungeschichtete
Wälle bildend, dann Sande und sandige Lehme, Aulehm und Löss, mit Resten
grosser Süugethiere, Elephas primigenius Blbch., Rhynoceros antiquitatis Cuv.,
Equus caballus fossilis Bch., Ibex priscus Woldřich, dann von kleinen Nagern
Arctomys Bobac fossilis Nhrg., Alactaga jaculus fossilis Nhrg., grossen und kleinen
Raubthieren u. s. ү.) bilden das Ende der Reihe und liegen zumeist an den Bö-
schungen und auf der Sohle der Thüler selbst.
Eine ganz eigenthümliche Art unter den quartüren Ablagerungen des
bóhm. Mittelgebirges bilden die Pyropen führende Sande am Südabhange des-
*) Hibsch, Geol. Aufbau, d. b. Mittelgebirges a. a. O., 8 402.
"*) Boficky, Petrogr. Stud. a. Phonolithgesteinen, S. 65 ff.
""*) Hibsch, Allgem. geol, Aufbau d. b. Mittelgebirges, a. a. О. 8, 401 ff, Eine Übersicht
der die Basaltgesteine Bóhmens betreffenden Abhandlungen und Notizen gibt Bot icky
in seinen petrog. Studien an Basaltgesteinen S. 262. Man vergleiche auch Laube, Geclog.
Excursionen im bóhm. 'Thermalgebiet, Leipzig 1884. Umgebung von Teplitz, Seite 18 ff.
Gustav C. Laube, Über einen Fund diluvialer Thierreste im Klblóss bei Aussig. Sitzb.
math.-nat. К. böhm, Gesellschaft d. Wiss. 1874., Josef Kafka, Recente und fossile Nage-
thiere Böhmens. Archiv der nat Landesdurchf, УШ. Bd. 5. A. Nehring, Einige Notizen
über die pleistocaene Fauna v. Türmitz in Böhmen. Neues Jahrb. f. Mineralog., Geol.
u. Palaeontol. 1894. П. Bd. S. 288., J. N. Woldřich О fossilnim kozoroZci, Véstn, k. č.
spol., nauk. tf. math.-pfírod. 1894. XXIII.
pes
V
selben bei Třibliz, Tlaschkowitz, Skalken westl. v. Trebnitz, welche der Haupt-
sache nach aus zerstórten Kreide-Priesenerschichten bestehen, denen Pyropen, Hya-
einthe und andere Edelsteine beigemengt sind. Endlich die an Bittersalz reichen,
aus umgelagerten und zersetzten Braunkohlenschichten bestehende Ablagerung auf
der Westseite des Gebirges bei Sellnitz, Saidschitz und Sedlitz.
Die vulkanische Thätigkeit der Erde, welche in der Mitte der Tertiärzeit
das Mittelgebirge hervorbrachte, hat sich keineswegs auf dessen Gebiet allein, son-
dern, wenn auch im verminderten Grade, auf die nördliche Hälfte von Böhmen
erstreckt.
Wie oben bemerkt worden ist, rücken die Kegelberge des Mittelgebirges
an dessen Umfang auf der Süd-, Ost- und Nordseite immer weiter auseinander
und an sie schliessen sich endlich die unzähligen einzelnen Kegelberge an,
welche in der nördlichen Hälfte des Landes, bis in die Gegend von Prag, vor-
nehmlich aber im Gebiete der böhmischen Kreide, nördlich von der Elbe bis an
die Randgebirge verstreut sind, die man daher als weithin versprengte Ausläufer
jenes Gebirges, mit welchem sie im Stoff und Alter einheitlich sind, anzusehen be-
rechtigt ist. Diese Berge haben in Bezug auf die Gestaltung der Oberfläche des
Landes einen hervorragenden Einfluss, indem sie, wie man leicht aus der Richtung
der Erosionsthüler in der Kreide erkennt, eine conservirende Wirkung auf ihre
Umgebung ausübten, und sie bis in eine gewisse Entfernung vor der Abtragung
Schützten.
Bei den meisten aus Basaltgestein bestehenden findet sich am Fusse ein
Tuffmantel ausgebreitet, bei vielen darunter auch noch Reste jüngerer Kreide-
schichten — vorwiegend Priesenerschichten — erhalten, die anderwärts allenthalben
verschwunden sind. Solche erhaltene Unterlagen zeigt der Rosenberg im Elbesand-
steingebirge, zahlreiche Kuppen bei Böhm. Leipa, der Ronberg bei Graber, der
Tachaberg bei Woken, die Bósige bei Weisswasser, der Wratner Berg, die Hasen-
burg bei Libochowitz u. a. m. Die Mehrzahl der verstreuten Kegelberge besteht
aus basaltischen Gesteinen, aber auch Phonolithe*) fehlen nicht. Hiebei zeigt
sich im Norden des Mittelgebirges, dass die im Elbesandsteingebirge aufsitzenden
Kuppen durchwegs aus ersteren, die im Streichen des Gebirges dagegen zwischen
Kreibitz und -Zwickau gelegenen Kegelberge bis an die Lausche und an den Hoch-
wald aus letzteren bestehen. Von da ab süd- und südost- und westwürts stehen
fast durchwegs Basaltkegel nur an den Rändern der grossen von Graber nach
Hirschberg ziehenden Senkung machen sich Phonolithe bemerkbar u. z. der
Wilhoscht, Maschwitzer-, Tachaberg auf der Südwest-, der Lange Berg bei Mücken-
hahn und die Bösige auf der Nordostseite derselben. Ganz vereinzelt liegt die
Phonolithkuppe des Wratner Berges, nördlich von Mscheno auf der Wasserscheide
zwischen Elbe, Iser und Polzen.
Diesseits der Elbe und Eger fällt noch der weit nach Süden vorgescho-
bene, aus Nephelinbasalt bestehende St. Georgsberg**) (Rip) bei Raudnitz auf,
*) Man vergleiche über die Gesteine einzelner dieser Berge Boficky's Arbeiten.
**) Č, Zahálka, Geologickä mapa a geologické profily okolí Кіра. V Roudnici. 1894.
28
welcher als müchtiger steil nach allen Seiten abfallender Felsklotz aus den zu
seinen Füssen ausgebreiteten Mallnitzer Schichten hervorragt.
Schliesslich haben wir noch einer der grossartigsten Gangbildungen, der
Teufelsmauer**) zwischen Oschitz und Böhm. Aicha, zu gedenken. Der
mit diesem Namen bezeichnete Gesteinsgang besteht aus Nephelinbasalt und ragt
in Form einer gewaltigen Mauerruine, die aus etwa 2 m langen, horizontalgela-
gerten Säulenstücken besteht, 5—10 m über den durchsetzten Quadersandstein
empor. Er beginnt bei dem Dorfe Wesetz bei Böhm. Aicha und lässt sich bis
Kfidey (8 Kilom.), von hier weiter als Graben über Strassdorf bei Hühnerwasser
bis gegen den Bösig, im Ganzen nahezu 20 Kilom. weit verfolgen, wobei er ein
NO-SW gerichtetes Streichen einhält. An den Berührungsstellen mit dem Ba-
saltgestein sind die Sandsteine gefrittet und zeigen säulenförmige Ablösung.
Ein zur Teufelsmauer paralleler Basaltgang tritt etwas südöstlich davon
beim Dorfe Javornik hervor und lässt sich, obwohl weitweniger auffällig als jener,
bis gegen Dudikow fast 6 Kilom. weit verfolgen.
*) Fr. Wurm, Die Teufelsmauer zwischen Oschitz uud Böhm, Aicha, B. Leipa, 1884.
III. Bemerkungen zu den auf der geologischen Karte
Seet, II. auftretenden Sediment-Formationen.
Von Prof. Dr. Ant. Frič.
Den grössten Theil des vorliegenden Blattes decken die Ablagerungen der
Kreideformation, welche in der östlichen Hälfte durch das eruptive Mittelgebirge
von dem Erzgebirge und den weiter nördlich liegenden Partien der Kreideforma-
tion getrennt wird. In der oestlichen Hälfte grenzt die Kreideformation an die Ur-
gebirgspartie von Rumburg, Hainspach und an die von Reichenberg-Friedland.
Die Permformation ist nur an wenigen Puncten zu treffen und die Abla-
gerungen der Tertiärformation in zerrissenen Brocken im Bereiche des Mittel-
gebirges zerstreut.
Die Diluvial- und Alluvialgebilde begleiten die grossen Flüsse und füllen
die Thäler der Kreide- und Tertiürgebiete. Torfablagerungen sind nur im Erzge-
birge dann zwischen Dox und östlich von der Iser zwischen Turnau und Jung-
bunzlau zu finden.
Die Silurformation ist durch Gesteine angedeutet, welche den Schiefern
und Quarziten des unteren Silurs ähnlich sind, aber gar keine Petrefacten enthalten.
Man trifft sie am nördlichen Ende des Jeschkengebirges z. D. hiuter den steil
gehobenen cenomanen Schichten am Trógelsberge bei Pankratz, westlich von Rei-
chenberg.
Ebenso fraglichen Alters sind die schwarzen Kalksteine, welche bei Neu-
sorge ausgebeutet werden und welche Orinoidenstiele enthalten. (Archiv, Band I.,
pag. 251.)
Die Permformation tritt südlich von der Eger unter der Kreidefor-
mation in tiefen Thaleinschnitten zu Tage. Bei Stradonic nördlich von Регис
enthält sie kalkige Lager mit Walchia und Fischschupen, und entspricht dem
Braunauer Horizonte. Ähnliche Stellen bei Hofan lieferten keine Petrefacten.
Ein schmaler Streifen zieht sich am Fusse des Jeschkengebirges von Lie-
benau gegen Svétlá hin, aber auch da ohne Petrefacten.
30
Auch die rothen Thone, welche die Jurakalke bei Zeidler (Stern-
berg) unweit Schönlinde begleiten sollen der Permformation angehören. „Bruder“
Lotos 1886.
Die Juraformation tritt nur in einem schmalen Streifen an der Grenze
zwischen der Kreideformation und dem Urgebirge in der Nähe von Schönlinde auf.
Brocken dieses Streifens lassen sich von Zeidler über Khaa bis Daubitz nach-
weisen, ohne dass ihr Zusammenhang derartig klar würe, wie es der Streifen auf
der Karte darstellt.
Im Archive für Landesdurchforschung geschah schon im I. Bande, II.
(Seite 10. und 24.) Erwähnung von dieser interessanten sonst in Böhmen nirgend
auftretenden Formation. Später schrieb darüber Prof. Lenz und in neuerer Zeit
wurden die namentlich bei Zeidler aufgefundenen Petrefacten von Dr. Bruder in
einer Reihe von kleineren Abhandlungen beschrieben.
Eine zusammenfassende kurze illustrirte Übersicht wird für das Archiv
für Landesdurchforschung vorbereitet.
Es sind von den Juraschichten drei palaeontologische Horizonte vertreten
und bisher 133 Arten bekannt, die Theils im Museum (Weissische Sammlung)
theils im Geol. Kabinet der Deutschen Universität in Prag aufbewahrt sind.
Diese Arten gehören nach Bruder folgenden 4 Stufen an.
A. Kelloway-Gruppe 12 Arten.
D. Biarmatus und Transversarius Stufe. 2 Arten.
C. Bimammatus-Stufe. 73 Arten.
D. Tenuilobatus-Stufe. 47 Arten. (Verg. Lotos 1886). Die gesammte Lite-
ratur über den B. Jura findet man in Dr. Bruder’s Schrift über den Jura von
Hohenstein. Kaiserl. Akad. Wien 1885.
Die Kreideformation, welche den grössten Theil unseres Blattes
einnimmt, wurde in einer Reihe von Studien im Archive behandelt, auf welche wir
uns hier bloss berufen können.
Die Perucer Schichten treffen wir auf der Permformation gelagert
südlich von Laun und bei Peruc, wo in die Quadersande graue Schieferthone mit
zahlreichen Pflanzenresten eingelagert sind.
Weiter östlich bei Mšeno lieferten die schwärzlichen 'Thonschiefer schöne
Farrenreste, die von Corda beschrieben wurden und die bei Charvatec einst in
grossem Maasstabe ausgebreiteten Quadersande lieferten das Material zum Aufbau
der Festung Theresienstadt.
Am östlichen Rande des behandelten Blattes treten die Perucer Schichten
in Contact mit Porphyr und von demselben roth gefärbt bei Dolänka unweit Lie-
benau auf, wo sie reich an schönerhaltenen Pflanzenresten sind.
Vergl. Velenovsky: „Die Flora der böhm. Kreideformation.“ (Bei-
träge zur Palaeontologie von Oesterreich-Ungarn, herausgegeben von Edmund von
Mojsisovies u. M. Neumayr. Band II,- У, 1881—85 Wien. „Květena českého
91
cenomanu“. Rozpravy Král. Ceské Společnosti Nauk. УП. řady svazek 3.
V Praze 1889.
Die Korycaner Schichten (Archiv für Landesdurchf. Band I. p. 189)
lagern mit ihrer Meeresfauna den Perucer Schichten auf, oder liegen direkt am
Urgebirge oder älteren sedimentären Formationen.
Zwischen Peruc und Libochovic (z. D. bei Prestavlk) liegen sie durch
Trigonia sulcataria charakterisirt, als grünliche Quader auf den Perucer Schichten
In der Gegend von Bilin liegen die Korycaner Schichten in Form von
Mergeln in den Schillingen direkt auf dem Urgebirge, von wo Reuss eine grosse
Menge. von Petrefacten beschrieb. (1. c. p. 221.) Bei Kučlin waren sie einmal in
Form von Hypuriten-Conglomeraten zugänglich. In der Nähe von Teplitz trifft man
sie auf Klüften des Porfyrs als Conglomerate und Hornsteine, bei Weisskirchlitz
reich an Petrefacten in der mergligen Facies ähnlich wie auf den Schillingen bei
Bilin. Am Fusse des Erzgebirges sind sie ziemlich gehoben als Quadersande mit
Exogira columba Pinna etc., wie man das z. B. bei Rosenthal beobachten kann.
GRE б OP ои),
Nördlich von Leitmeritz liegen die Korycaner Schichten direkt auf den
Phylliten der Urgebirgsinsel bei der Hradeker Kapelle und am Fusse des Stražiště-
berges. Bei Bodenbach wurden einmal nnter den Quadern mit Inoceramus labiatus
auch cenomane Schichten mit Pecten asper aufgeschlossen. Eine reiche Fauna dieser
Schichten wurde durch Geinitz und Reuss aus den weissen plattigen Sandsteinen
bei Tissa bekannt (1. с. p. 217) und Reste von Rudisten wies ich am Spitzberg
bei Peterswalde nach.
Dann finden wir noch die cenomanen Quader steilgehoben bei Pankrác am
nórdlichen Ende des Jeschkengebirges, wo sie am Trógelsberge Pecten aequicostatus,
Exogira columba und Echinolampas geliefert haben. (l. c. p. 216.)
DieWeissenberger und Mallnitzer Schichten (Archiv IV. Dand
Nr. 1) decken das Hochplateau zwischen Laun und Raudnitz und sind es nament-
lich die typischen Wehlowitzer Baupläner, welche in vielen Steinbrüchen aufge-
schlossen sind. Nórdlich von der Eger trifft man sie bei Hradek unweit Laun und
bei Triblitz. Bei Laun lagern auf denselben die Mallnitzer Grünsande, sowie die
Launer Knollen und die Avellanensschichten.
Beide Schichten trifft man auch am rechten Ufer der Elbe, wo sie unter
die Quader der Iserschichten einfallend die steilen Lehnen bilden, auf welchen die
Weingärten, die den berühmten Melniker liefern gelagert sind.*)
Aus der Gegend von Tissa bis zur Elbe sind die Weissenberger Schichten
in Form von Quadern mit Inoceramus labiatus entwickelt, welche allmählig nach
Osten einfallen, und am rechten Elbeufer die Basis der zu den Iserschichten gehö-
rigen Kokofiner Quadern bilden.
*) In der Gegend von Leitmeritz ist blos die Basis der die Weinberge tragenden An-
höhen den Weissenberger Schichten angehörig, daher sollen auf dem Blatte die tiefblauen Strei-
fen senkrecht und nicht wagerecht stehen, denn oben sind die Priesener Schichten entwickelt.
Die am Fusse des hohen Schneeberges nachgewiesenen Schichten mit Ammo-
nites Woolgari reprüsentieren hier die Mallnitzer Schichten und der hohe Schnee-
berg eine isolirte Scholle der Kokofiner Quader.
Im übrigen findet man auf unserem Dlatte die Weissenberger Schichten
noch am óstlichen Rande der Kreideformation bei Liebenau von jüngeren Schichten
bedeckt, so dass sie auf der Karte nicht ersichtlich gemacht werden konnten.
Die Iserschichten (Archiv für Landesdurchf. Band V. Nr. 2) finden
wir in ihrer typischen Form als Quadersande (Mittelquader) nur óstlich an
der Elbe.
Sie deckten einst auch die Partie zwischen dem linken Elbeufer und Tissa,
wie dies ein Rest derselben am Hohen Schneeberg nachweist, wurden aber ihrer
leichten Zerfallbarkeit wegen abgeschwemmt.
Sie bilden die obere Partie der malerischen Felsen der süchsischen Schweiz
und immer nach Osten einfallend, verschwinden sie östlich von der Linie Kreibitz-
Dóhmisch Kamnitz unter den Quadern der Chlomeker Schichten, von denen sie durch
die Thone der Priesener Schichten getrennt werden.
Oestlich von Leitmeritz und Melnik sind sie mächtig entwickelt bis zum
Fusse des Jeschkengebirges und bis in die Gegend von Turnau. In den tiefen Fur-
chungsthülern, welehe sie durchsetzen, kann man bei Kokofin die zwei Quaderbünke
gut beobachten, auf welchen dann die petrefactenreichen Trigoniaschichten und bei
Kanina die Bryozoenschichten liegen.
Die Iser durchschneidet diese Schichten von Bakov über Jungbunzlau bis
gegen Benatek und weil hier ihre Gliederung zuerst klar wurde, benannten wir sie
eben Iserschichten.
Ihr paläontologischer Charakter wird erst in den mehr kalkigen Trigo-
nienschichten klar und ist hier so typisch, dass die Behauptung, dass die Iser-
schichten nur eine Facies der Teplitzer Schichten sind, nur eine durch nichts be-
gründete Vermuthung ist, welche durch den Nachweis des Vorkommens der Tere-
bratula semiglobosa über den Trigoniaschichten gründlich widerlegt wurde. (Vergl.
Teplitzer Schichten p. 47).
Die Teplitzer Schichten (Archiv für Landesdurchf. Band VII. Nr. 2)
sind längs dem Egerflusse und in der Gegend von Teplitz in ihrer typischen Form
entwickelt, und ich war bemüht, deren selbständiges Auftreten auf dem Blatte durch
rein blaue Farbe ersichtlich zu machen.
Die Terebratula semiglobosa ist für diese Schichten das bezeich-
nendste Petrefact, das in den jüngeren Priesener Schichten nie in anstehenden
Schichten vorgefunden wurde.
Der grosse Kalkgehalt macht diese Schichten in praktischer Richtung be-
merkenswerth, und neben den grossen Kalkbrüchen bei Teplitz sind es neuerer
Zeit diejenigen bei Lobositz, welche viel Kalk zum Export liefern. In der typischen
Kalkstein-Facies finden wir sie am rechten Klbeufer nur noch bei Leitmeritz und
ärmer an Kalk am Sowiceberg bei Raudnitz.
Von da an lassen sie sich über den Iserschichten nur als eine etwa
1 m mächtige Mergelschichte unter den klingenden Inoceramen-Plänern der Prie-
v
sener Schichten nachweisen. Bei Repin lieferten sie Terebratula semiglobosa und
die Tür die Teplitzer Schichten bezeichnenden grossen Exemplare der sandigen
Foraminifere Hoplophragmium irregulare. (Tepl. Sch. p. 117, Fig. 165.) Östlich
zwischen Münchengrätz und Podol machen sie sich an der Basis der Priesener
Schichten durch eine Lage vom zahlreichen Ostrea semiplana kenntlich.
Die Priesener Schichten (Archiv für Landesdurchf. Band IX., Nr. 1)
sind auf unserem Blatte vorerst in der Gegend zwischen Dilin und Laun entwickelt,
woselbst sich die zwei durch Reuss's Arbeiten klassisch gewordenen Fundorte
Priesen und Luschitz befinden.
Am linken Egerufer liegen sie als graue, mehr oder weniger plastische
Thone am Fusse der Basaltberge des Mittelgebirges, welches sie bis über Leitme-
ritz begleiten. (Vergl. Note auf Seite 31) Am rechten Egerufer sind ihre spärlichen
Reste zwischen Postelberg und Laun, dann bei Genéie und Brozan zu finden. Bei
Raudnitz sind sie als weisse klingende Inoceramenplüner entwickelt und behalten
sie diesen Charakter dann ostwärts an den Anhöhen bei Vysoká, wo sie isolirte
Inseln auf dem Quaderplateau bilden.
Zwischen Jungbunzlau und Bautzen sind sie dann müchtiger als graue Mer-
gel entwickelt, und kommen daselbst überall am Fusse der Grossskaler Quader der
Chlomeker Schichten, wo sie nicht durch die Sande der zerfallenen Quader ge-
deckt sind, zum Vorschein.
Bei Böhm. Leipa fallen sie auch unter Aie Quader der Chlomeker Schichten
ein und auch am westlichen Rande derselben, zwischen Böhm. Kamnitz und Krei-
bitz, treten sie unter den Quadern der Chlomeker Schichten hervor.
Am Fusse von isolirt stehenden Basalt- oder Phonolitbergen bilden die
Thone der Priesener Schichten einen Saum der z. B. am Rollberg bei Niemes oder
beiden Bösigbergen den Iserschichten auflagert.
Auch die kleinen Basaltkuppen des Mužský und Үўѕкеї bei Turnau sind
von Thonen umgehen, welche den Priesener Schichten ühneln aber keine Petre-
faeten enthalten.
Chlomeker Schichten. Archiv, Band II. p. 129.
Die Studie über dieselben ist in Vorbereitung, und es soll hier vorderhand nur
darauf aufmerksam gemacht werden, dass die Fauna ihrer hóchsten Lagen mit der-
Jentgen von Kieslingswalda übereinstimmt. Cardium Ottoi ist das bezeichnendste
Petrefact. Die Quadersande der Chlomeker Schichten (die Ueberquader) liegen auf
den Thonen der Priesener Schichten und sind nur in kleinen Partien erhalten, wo
sie durch Basaltkegel wie angenagelt erscheinen. Auf unserem Blatte sind es zwei
grössere Partien, die sich erhalten haben: die eine zwischen Jungbunzlau, Turnau
und Jičin, wo am Chlomekberge bei Winafie zuerst ihr palaeontologischer Charakter
sichergestellt wurde, und dann nördlich von Böhm. Leipa, wo sie dann östlich von
Böhm. Kamnitz und Kreibitz die mächtigen Quader bilden, welche bis gegen Gablonz
reichen und bei den Bahneinschnitten am Tannenberge eine grosse Menge von Pe-
trefacten geliefert haben, welche mit denen am Chlomekberge übereinstimmen.
8
Die Tertiärformation ist durch Süsswasserablagerungen vertreten,
welche die mächtigen Lager der Braunkohle enthalten und zwischen dem Erzge-
birge und dem Mittelgebirge gelagert sind und in kleinen Partien südlich bis an
die Eger, östlich oberhalb Leitmeritz bis gegen Böhmisch Leipa reichen. (Vergl.
Archiv, Band I. p. 26.).
Bei Laun sind es die durch Erdbrände roth gefärbten Gipfel am linken
Egerufer, welche der Tertiärformation angehören. Die Flora derselben wurde von
Dr. Velenovsky bearbeitet. (Abhandl. kön. böhm. Gesellsch. d. Wiss. 1881. Bei
Bilin der Trippelberg von Kuélin und die in technischer Beziehung wichtigen
Thone von Priesen, welche dieser Formation angehóren.
Aus diesen beschrieb Ettingshausen viele Arten von Pflanzen und von Thier-
resten kam darin bei Dux ein Crocodil, die Lederschildkróte, Trionyx und mehrere
Fischreste vor. Das nördliche Ufer der Braunkohlenmulde ist bei Ossek, durch
die an Unionen reichen Sandsteine angedeutet. Auch Engelhardt beschrieb viele
Pflanzenreste aus der Umgebung von Leitmeritz.
In neuerer Zeit wurden auch Süsswasserkalke am Kamm des Erzgebirges
oberhalb Stolzenhahn sichergestellt. (Vergl. Klika: Die tertiären Land- und Süss-
wasserconchylien, Archiv, Band VIL, Nr. 4). Die Diatomaceenlager bei Kutschlin
und nórdlich von Leitmeritz lieferten ausser Pflanzenresten auch Fische und
Insecten. Kleine Reste von Tertiärablagerungen sind noch bei Schluckenau und
nórdlich von Friedland als zum Zittauer Decken gehórig entwickelt.
Ueber die Tertiärablagerungen bei Warnsdorf s. p. 14.
Nordisches Diluvium.*)
Die nordischen Diluvialgeschiebe füllen die Thäler des Urgebirges von
Georgenthal nordwürts bis an die Landesgrenze; bei Rumburg. und Warnsdorf sind
es namentlich die Feuersteine der baltischen weissen Kreide, welche diese Abla-
gerungen charakterisiren und man kann dieselben südlich bis gegen Bóhm. Leipa
und Gabel verfolgen 22)
Ausser dem Feuerstein bestehen die Gerólle auch aus schwedischen Gra-
niten und anderen nordischen Gesteinen.
Die zweite Partie des nordischen Diluviums findet sich nórdlich von Rei-
chenberg und reicht von Grottau bis über die ganze Umgebung von Fried-
land hinaus.
*) Н. Credner, Nordisches Diluvium in Böhmen, Sitzungsbericht der Naturf.-Gesellschaft
in Leipzig 1875. Nr. 6.
**) Slavík A. Dr., Ueber die Diluvialgerölle der Umgebung von Friedland, Gabel und Böhm.
Leipa. Kön. Böhm. Ges. der Wissenschaften 1877., p. 105.).
35
Diluvium.
Das Diluvium tritt theils als Schotter- und Sandablagerung auf, theils als
gelber Lóss. Man unterscheidet: einen Riesengebirgsschotter, einen Erzgebirgs-
schotter und einen Mittelgebirgsschotter. Im letzteren sind ausser den typischen
Lössschnecken viele Säugethierreste, Mamuth. Rhinoceros, Rennthier, Pferd, Murmel-
thier etc. vorgefunden worden. (Vergl. diese Erläuterungen Seite 26. und Kafka,
Recente und fossile Nagethiere Böhmens. Archiv, Band ҮШ. Nr. 5., wo eine Ueber-
sicht sämmtlicher diluvialen Säugethiere enthalten ist. Die Lösslager treten in
grösserer Ausdehnung bei Bilin, Türmitz, Leitmeritz auf und werden behufs der
Ziegelfabrikationgewonnen.
Zum Diluvium gehören auch die Pyropenconglomerate bei Třiblic, Мегопіс,
Dlazkovie, sowie die oberhalb der Kreideformation im Egerthal auftretenden, die
von Reuss beschrieben wurden und über welche jüngst Prof. Zahálka mehrere klei-
пеге Abhandlungen veröffentlichte, (К. bóhm. Ges. d. Wissensch. 1883. etc.) und
Dr. Jahn in Annalen des k. k. naturhist. Hofmuseums 1891.
In diesen Conglomeraten kommen Petrefacten der Teplitzer, sowie der
Priesener Schichten auf secundärer Lagerstätte vor.
Alluvium und Torf.
Die Torflager treten am Erzgebirge, dann in der Gegend von Niemes,
zwischen Grabern und Hirschberg, sowie in der Reichenberger Gegend auf und
sind eingehend von Prof. Sittensky untersucht worden. (Archiv für Landesdurch-
forschung VI. Band Nr. 1). Die Alluvialausschwemmungen füllen die Thäler und
begleiten die Bäche und Flüsse.
Da es zu weit führen würde, die gesammte einschlägige Literatur über die
auf unserem Blatte entwickelten Sedimentformationen hier anzuführen, beschränken
wir uns darauf, aufmerksam zu machen, dass in Katzer’s Geologie von Böhmen die
betreffende Literatur sorgfältig verzeichnet ist.
INHALT.
Seite
I. Die krystallinischen Randgebirge und die Inseln älterer Gesteine im Bereiche des böhm.
Mittel- und Elbesandsteingebirges
Vorwort
5
Die Inseln von krystallinischen Gesteinen im Bereiche des Mittelgebirges und Elbesand-
steingebirges. . ... de HIA qe К acd ала нр vi rna rs e E e HAE E
IL Das böhmische Mittelgebirge und die im nördlichen Böhmen zerstreuten Basalt- und Pho-
nolithberge Q^ La EE RODA EN
III. Bemerkungen zu den auf der geologischen Karte Sect. IT. auftretenden Sediment-Formationen 29
Raselina
lalai
Nove naplavy
E.
| al |
|
Km 22.03
Alluvium
Staré naplavy hlinite
EZ ]
Pp um 8
Stare RS Rsek a ёрі
х= == жаат
А]
Diluvium. Sand u.Schotter.
ds ]
NordischesDiluoium
Hnedouheiny útvar tPetihorni
Tertiaere Braunkohlen formation
Hruboskalsky Geier:
[HM]
М HRR "
G WR. — T
o. Über. Quader:
Brezenske а teplicke opuky
i
Bakulitenmergel o. Ober
| plaener und Teplitzer:
Aizerske pasmo.
Jserstufe. Miltelquader
oder Mittelplaener.
Mainıcke a belohorske'
pásmo.
Malnitzer u. Weissenberger
Stufe о. Unterplaener:
Pıskovec korycansky а
perucky.
Korytzaner und Perutzer
Sandstein Unterguader,
Jursky utvar
Juraformation
P'ermskaj útva
Perm oder Rothliegendes.
Silur G spodni drohy a slepence.
Untere brauwacke
Phyllit.
Аўетиба. bridlice
NNNM]
Quarz Schiefer.
Portyr.
Ш
Codis.
Basalt.
Phonolit
ДОШ
Ш
Dolerit
Diorit
Granitit i
| 6t i В
Zula en Su
| 6
аи 3
Granit.
| EHI ee
| On |
| Gneiss `
Krystall. ucky vapenec.
NNNM |
Arystallischer Kalkstein
"` eem
Шү
Phyllit Gneiss.
LANDESDURCHFORSCHUNG VON BÖHMEN. SECTION. II. Geologische Karte entworfen von
alibi Mni
-——
ZEICHEN v. SCHRIFT -ERKLARUNXG.
A Fuchs \ Uf Te
M ^q EP \
o
P 1 Ly dë
STADT. nit mehr als 10000 Kinn,
STADT mit 3000 bis 10.000 Е.
Stadt mit weniger als 3000 Ейри.
Marktflecken, + Kirche, 5 Kapelle ,
l'farrdorf, * Kreuz, ^ Schloss, ъ Ruine,
«9 Tost -
2 Eisenbahn -
$ Dampfschiff-
| Slation
Eisenbahnen
= » {га o;
Uo ta siet,
Ar Dorf, 72" Einzelne Häuser od. Gehöfte,
4 Wirthshaus, Jägerhaus, = Heilbad, w Gesundbrunnen.
ni m
5; 5 Һай
[sale Ли
Хои Оррасћ
(Е атанг Prof: A.Frié und Prof. G. Laube ГИБ
a Wasser- #lisenwerk, iH tegel-oder
| ламе. i /
€ Wind x Glashütte, Kalk- Ofen. : I: / Kein Steih
: " Ly kirn ААА E -— А
„вш © Éemessene Sechöhen Л y. ORA T Uh баай! ^w den Stein Hei It Перта
© Silber ; in Metern EM Ms зон — \ “аА; u
^ bemessene Sattelpunkte) "oils - Stein 8 js aste] А ans Wat.
% Zinn Ee? Be, hence sn t4 A Hoch Bibel
s Kupfer ) Aicholsdorl N \ Mandant d 9 /
à ) EN ГЕТ ug Raum. / wi ЖН / E ә
a Bisen > Bergmerk М De e Mengt AN K Ж f? Zeng y e" eng - Per,
=. ET, Cie Harlschig wer ee? г е "
* Blei á =
х Graphit GN 1 ? :
el y =
Ф Kohlen p
/ Lé 7
g laum ) 4
f z ~ e
7 ` dad gn.
8 4 A f ds V d е та
N = 2 / жан.а { IA
Y =, " 27 : IS »7 A wn
: 3 E H Lee Бем
/ 3 2 ` Gë A Ba? аай
^ 1 und 1
| 9 - А . Тао y 9 Bosegrund
Ў ` Тш 42 E
V `
ү E p^. н
e d LA e 7 "rn n КСО E EECH
А ^ E 37 VT ` e Ask kr Ere i vp 219 S im "
5 ^ / "d 3S ` - à f we KE VM Ky N d xh " E falsch, Cé Zog
— il t (1 N ERYS - Ke e 3 Be n and e, »
4 E jo q > 1 Таси, d Kä aL Ge FS? ^ à esa
/ or Ge am > 7 Б
T ^ ч berg. iL > 22 20] To; i aeri SÉ beh
ZEN р x asa h eme 1 Ju : N
éi WS A
7 ! 2
UMS М , 8
E:
Ji H4
N DÉI
М à
Y d ei BE ulan
d |
Ў Д -
A д ER vid.
[ Kl \ {з р
A 2)
o ” s
з, | Г ли: 3 Es
Е j 38 VS
ant KL / € т
, "TA Ex шр! Gë, l
REN A A 1 A4 ў dpt -
% Е" д VR n a : мс
fessi w el me а uj (а. \
En Fre Я x w —À ` VPE NETT
5 E
i p
d KO? / 3
; À E & E
/ KW o SN - rnst
y) | en Jir hrou
2 b A { - Vorkl 2 eg. `
1 | \ EA i 790 \ ы
j E ram А, ES Я
(ës мш. ач d
Д Y pa A ст» NC 7 1 S
Ze a [ b. r c f / Я : AN Го
DANS үтү A-Z : Paci А vi ^ e
VE SIE Wi EA с Pem
; ES St : z KW 2
d NZ 2 bu: ^
3 KH e ES AF биду an ot
Libock Ka E Y Я le AS, № vei 4 Juan. Ge Gr
om — dër ZG Lë мо c op) 1 5 £u Ó Ga
5 dil,) Se? Sr dré:
: e I f df d = eh N ^
Ur ac d АУА Sen A: re obrar D:
| : ; { ӨҢ e метада Da ya ERE ERAT
K SEA 2. p \ 27 СА
E: dot, A í |
Ф >” 250 №
я 2 "P. f
"s „. ( e ‚
x Tm
i ) dil,
0 "ft:
d х / f Sehne ! d lokockaf) ‚
S a d л E ZEN Ki | ж Ka
N d 3
> Lol j ыі GE ES м E Ж, `
Wa? = FAN TUS CH 7 ГАР f Y M KÉ: И
> Em NN XC D privite t] ol)
En ibis ^ í Ме, j/—3 7 dk AA Dila е. SE аи)
Ce 2 Tea 7 z A ASZT G | (ісе g
N 3 a - = | — Ini» S KS
2774 BN : j SE = veka S aal e 1 7 МЕ ДС E 724
A I SC y E
M WW K Jo de X = lovi -N vÁ: Y
Пач, ( . Ces | MACC А
уе XM vr d | T" T 2
КУЕ A ` S 7 KW ge
Ж) d A S ^ 57 S
аа. рд bien. ч \\ > , amens - "e iP NH Aug — — N =
7 NN 2) : = —ÀÀ Ee N ^ d Ja IO
tw d V Y ү ed E a m Я
AA? | 7, x A MUN -— / a р
X S 4 H ^ IN = 2 > 4 Н SC, fpikaty = \ de У
P 5 | СУ TR X УД У d "ES ` * dd d Н
M DH = А
= " dii ` T М 2 = \
Л Я 1 » И ? = 2 - d V 7 а) dil,
D ы ] EN Е s AU Y 2 Pina‘
Kl E Ы > ^ x Kéi H
T Donge, SN, і Y o Жл Ze gk ` 7 & hend
н ga S ` p d S ad сз Qu WS
2 TN ot? d у с. E: + LE. ts
7 Puze h EEE NN Fa: S ! Olin a el E f SS: DAD d \
/ \ A N Zë Kä, E. (Т - ei A Heri
Y a, GN? | /9 N, Гү НЕНИ Zon erii Keu Teig ДЦ
= \ ~ ` j e кы
J 4 CS UNI ) %
А ^ Sé? SA riir
=: "La ) AN : = а
"i (© SE
E v Be M >=
a m у, Led з ЕУ £9
Ò Г еу С 71
` à SE Kd E Ech
{! UT f BEC
= з = u.
у = i Ln |
13 N 7 > e VER Dë, KuttonMuti.
Ne (Ло
390
KS m
SÉ AA
SEENEN
jMaasstab \Metermanks: “ш? E SE E E E E eg `
Я i Postmeile.
| 1: 200. ооо. Oesterr. Maas: i i i i 1 Н p
Т 2 100 00 о 1000 2000 3000 чооо W. KIafter.
Ausgeführt in der Lithogr. Anstalt von Jos. Farsky in Prag.
SR
nn,
MIOCAEN,
VLAD. JOS. PROCHÁZKA.
(MIT ABBILDUNGEN.)
ARCHIV DER NATURWISSENSCHAFTL. LANDESDURCHFORSCHUNG
VON BOHMEN
(Band X. Nro. 2.)
(GEOLOGISCHE SECTION.)
en Qu
P R A 6.
Commission bei FR. RIVN d
^f 1900.
In
DAS АКСН ЬУ
für die
naturwissenschaftliche Landesdurehforsehung von Böhmen
І. bis V. Band: Redaktion von Prof. Dr. К. Kořistka und Prof. J. Krejčí,
VI. Band u. s. w.: Redaktion von Prof. Dr. К. Kořistka und Prof. Dr. A. Frič,
enthält folgende Arbeiten :
ERSTER BAND.
I. Die Arbeiten der topographisch“n Abtheilung und zwar:
«) Das Terrain und die Höhenverhältnisse des Mittelgebirges und des
Sandsteingebirges im nördlichen Böhmen von Prof. Dr. Karl Kořistka.
0) Erste Serie gemessener Hóhenpunkte in Böhmen (Sect.-Blatt П.) von Prof.
Dr. Kofistka.
c) Höhenschichtenkarte, Section IL, von Prof. Dr. Kořistka. Preis fl. 4:—
IUOS СЕТО Иа E NOM Ba E E e E а S on Db OU
IL Die Arbeiten der geologischen Abtheilung. Dieselbe enthält:
и) Vorbemerkungen oder allgemeine geologische Verhältnisse des nörd-
lichen Böhmen von Prof. Johann Krejčí.
4) Studien im Gebiete der böhm. Kreideformation von Prof. J. Kreici.
e) Paläontologische Untersuchungen der einzelnen Schichten der böhm.
Kreideformation u. s. ү. von Dr. Anton Егіё.
d) DieSteinkohlenbecken von Radnic, vom Hüttenmeister KarlFeistm antel,
PIG N E EE E 500
ПІ. Die Arbeiten der botanischen Autheilung. Dieselbe enthält:
Prodromus der Flora von Böhmen von Dr. Ladislav Celakovsky. (I. Theil.)
(ОУЕН) РОО E E de И ШУ оли EE И
IV. Zoologische Abtheilung. Dieselbe enthält:
в) Verzeichniss der Káfer Bóhmens vom Conservator Em. Lokaj.
^ Monographie der Land- und Süsswassermollusken Bóhmens vom Assi-
stenten Alfred Slavík.
Verzeichniss der Spinnen des nördlichen Böhmen vom Real-Lehrer
manuel Barta Pre. оин rip v e
с
V. Chemische Abtheilung. Dieselbe enthält:
Analytische Untersuchungen vón Prof. Dr. Hoffmann. Preis. .... 25 kr
kreis: des ganzen T Bandes; (Ath: L Dis y y gob nn. 9098 c ceo ДИВ
Lë WEITER BAIN D.
Erster Theil.
I. Die Arbeiten der toPographischen Abtheilung und zwar:
a) Das Terrain und die Höhenverhältnisse des Iser- und des Riesen-
gebirges und seiner südlichen und östlichen Vorlagen von Prof. Dr. Karl
Kořistka.
b) Zweite Serie gemessener Höhenpunkte in Böhmen (Sect.-Blatt III.) von Pro f.
Dr. Kořistka.
с) Hóhenschichtenkarte, Section IIL, von Prof. Dr. Kořistka.
Hóhenschichtenkarte des Riesengebirges von Prof. Dr. Kořistka Preis
e DOOR QE ard dO e Ee à fl. 4:50
“4
П. Die Arbeiten der geologischen Abtheilung. I. Theil enthält:
а) Prof. Dr. Ant. Frič: Fauna der Steinkohlenformation Bóhmens.
b) Karl Feistmantel: Die Steinkohlenbecken beiKlein-Pfilep, Lisek, S tílec,
Holoubkow, Mireschau und Letkow.
e) Jos. Väla und R. Helmhacker: Das Eisensteinvorkommen in der Gegend
von Prag und Beraun.
d) R. Helmhacker: Geognostische Beschreibung eines Theiles der Gegend
zwischen Beneschau und dep Sázava: Prois 4 voe woo к ve vg d. А04
II. Theil enthält: =
Dr. Em. Boricky: Petrographische Studien an den Basaltgesteinen Bóhmens
Preis "pats or Кол qr О АЕ Жолу LEN E en BON A re АШЫШ НОВО
Preis der ganzen ersten Hälfte des zweiten Bandes (T. und II. Abtheilung zusammen) ‚geb. fl. 10:—
Verzeichnis der Litteratur.
Aus der reichen und in der That umfangreichen Litteratur des Neogen
habe ich in das vorliegende Verzeichnis nur jene Werke und Schriften aufge-
nommen, deren Gesammtinhalt womöglich auf alle Fragen betreffs unseres ost-
böhmischen, marinen Miocaens eine richtige, den gegenwärtigen Anschauungen ent-
sprechende Antwort ertheilt und die bis jetzt discutirt wurden. Ich habe mich
natürlich nur auf die hierländische Neogen- Litteratur beschränkt, es aus Er-
fahrung als überflüssigen Ballast betrachtend, die überreichen Verzeichnisse der
Litteratur des italienischen, französischen, spanischen, englischen, belgischen, deut-
schen, russischen und serbischen Neogens anzuführen; wird ja das Studium der
schon hier angeführten Litteratur dem Leser ein annäherndes Bild auf jenem aus-
ländischen Neogengebiet gewähren.
1846. A. d'Orbigny. Foraminiferes fossiles du bassin tertiaire de Vienne. Paris. 4°.
1848. A. E. Heuss. Die fossilen Polyparien des Wiener-Tertiaerbeckens. Haidinger,
Naturwissenschaftliche Abhandlungen. Wien. B. 2. S. 1 —109. Mit 11 Taf.
1849. A. E. Reuss. Neue Foraminiferen aus den Schichten des österreichischen
Tertiaerbeckens. Denkschriften der math.-naturwissensch. Classe der К. Aka-
demie der Wissenschaften in Wien. Band I. 26 S., 6 Taf.
1850. A. E. Reuss. Fossile Entomostraceen des österreichischen Tertiaerbeckens.
Haidinger, Naturwissenschaftliche Abhandlungen. Wien. Band III. S. 41 bis
98. Mit 4 Taf.
1851. A. E. Reuss. Über die Foraminiferen und Entomostraceen der Septarien-
thone der Umgebung von Berlin. Zeitschrift der deutschen geologischen Ge-
sellschaft. Berlin.
1856—1871. M. Hoernes. Fossile Mollusken des Wiener Tertiaerbeckens. I. Theil.
Gastropoden. II. Theil. Lamellibranchiaten. Abhandlungen der k. k. geologi-
schen Reichsanstalt. Wien.
1856. M. Neugeboren. Foraminiferen aus der Ordnung der Stichostegier. Denk-
schrift. der math.-naturwiss. Classe der k. Akadem. der Wissenschaft. Wien.
Band 12.
1860. 4. E. Reuss. Die marinen Tertiaerschichten Bóhmens. Sitzungsberichte der
math.-naturwiss. Classe der К. Akadem. der Wissenschaft. Wien. Band. 39,
5. 81. Mit 8 Taf.
f
1884,
1884,
1885.
-1
A. E. Reuss. Die Foraminiferen aus der Familie der Lageniden. Sitzungs-
bericht. der math.-naturwiss. Classe der k. Akademie der Wissensch. Wien
Band 46. S. 308—342.
Н. Wolf. Verhandl. der К. К. geologisch. Reichsanstalt. S. 304.
А. Е. Reuss. Beiträge zur Kenntniss der tertiaeren Foraminiferen-Fauna.
Sitzungsbericht. der math.-naturwiss. Classe der k. Akademie der Wissenschaft.
Wien. Band 49.
F. Karrer. Über das Auftreten der Foraminiferen in den Mergeln der ma-
rinen Uferbildungen des Wiener Beckens. Sitzungsbericht. der math.-natur-
wiss. Classe der k. Akadem. der Wissenschaft. Wien, Band. 50. S. 692—121.
Mit 2 Taf.
F. Karrer. Zur Voraminiferen-Fauna in Osterreich. Sitzungsber. der math.-
naturwiss. Classe der k. Akadem. der Wissenschaft. Wien. Band 55. S. 692—721.
D. Stur. Pyrula cornuta Ag. im Trieblitzer Tunnel. Verhandl. der geologisch.
Reichsanstalt. Wien. 1871. S. 305.
А. E. Reuss. Die fossilen Korallen des ósterr.-ungar. Miocaens. Denkschr.
der math.-naturwiss. Classe der k. Akadem. der Wissenschaft. Wien.
Band 91e TA S 21 Taf
J. Krejčí. Geologie čili nauka o útvarech zemských se zvláštním zřením na
krajiny Českoslovanské. V Praze. 1877. S. 940.
A. Manzoni. Bryozoi fossili del d'Austrie e Ungheria. Denkschrift. der
math-naturwiss. Classe der k. Akadem. der Wissensch. Wien. Band 38, I.
und II. Theil.
R. Hoernes und M. Awinger. Die Gastropoden der Meeresablagerungen der
ersten und zweiten miocaenen Mediterranstufe in der österreich-ungarischen
Monarchie. Abhandlung. der k. k. geologisch. Reichsanstalt. Wien. Band 12.
Heft 1—8.
А. Bittner. Über den Charakter der sarmatischen Fauna des Wiener Tertiaer-
beckens, Jahrbuch der К. k. geologisch. Reichsanstalt. Wien. Band 33. 5. 131.
A. Bittner. Zur Litteratur der österreichischen Tertiaerablagerungen. Jahr-
buch der k..k. geologisch. Reichsanstalt. Wien. Band 34. S. 195—198.
Н. Brady. Report on the Foraminifera dredged by Н. M. 8. Challenger,
during the years 1873—1876. (Ref. of the Seient. Results of the Voyage
of Н. M S. Challenger. Zoology vol. IX. 1884. 1. Bnd. Text (814 S. und
2 Karten) und 1 Band (115) Tafeln.)
Fr. Toula. Über die Tertiaerablagerungen bei St. Veit an der Triesting und
das Auftreten von Cerithium lignitarum. Verhandl. der k. К. geologisch.
Reichsanst. Wien. S. 219.
E. Tüetze. Die Versuche einer Gliederung des unteren Neogaen in den óster-
reichischen Ländern. Zeitschrift der deutschen geologisch. Gesellsch. in
Berlin. S. 67—121.
Th. Fuchs. Die Versuche einer Gliederung des unteren Neogaen im Gebiete
des Mittelmeeres. Zeitschrift der deutschen geologisch. Gesellschaft in
Berlin. S. 131.
1890.
1893.
1895.
1893.
1893.
1894.
1894.
Th. Fuchs. Zur neueren Tertiaerlitteratur. Jahrbuch der k. k. geologisch.
Reichsanstalt. Wien. S. 128—150.
A. Bittner. Noch ein Beitrag zur neueren Tertiaerlitteratur. Jahrbuch der
k. k. geologisch. Reichsanstalt. Band 36. S. 1—74.
Е. Suess. Das Antlitz der Erde. Wien-Prag. Band 2. S. 410.
E. Dreger. Die tertiaeren Brachiopoden des Wiener Beckens. E. v. Mojsiso-
vies u. M. Neumayr, Beiträge zur Palaeontologie Österr.-Ungarns und des
Orients. Wien. Band 7. S. 179—192. Mit 5 Taf.
F. Katzer. Geologie von Böhmen. Prag. S. 1428.
V. J. Procházka. Miocaen Zidlochovicky а jeho zvifena. Rozpravy České aka-
demie císaře Františka Josefa pro vědy, slovesnost a umění. Praha. Roč. IL,
čís. 24. 64 S. Mit 3 Taf. (Mit einem deutschen Resumé.)
E. Tietze. Die geologischen Verhältnisse der Gegend von Olmütz. Jahrbuch
der k. k. geologisch. Reichsanstalt. Wien. Band 43. S. 165.
E. Tietze. Reisebericht. Verhandlung. der k. k. geologisch. Reichsanst. Wien.
8, 268.
J. J. Jahn. Bericht über die Aufnahmsarbeiten im Gebiete von Hohenmauth-
Leitomischl. Verhandlung. der К. К. geologisch. Reichsanstalt. Wien. S. 275.
V. J. Procházka. O území tak zv. mořských jílů miocaenovych mezi Choení
a Litomyšlí. Věstník královské České Společnosti nauk v Praze. Praha.
бів. 31. 32 8.
V. J. Procházka. Über die vermeiutlichen miocaenen marinen Tegel zwischen
Chotzen und Leitomischl in Dóhmen. Verhandlung. der k. k. geologisch.
Reichsanstalt. Wien. S. 269—278.
Historischer Abschnitt.
Bis in die 50er Jahre war die Kenntnis vom böhmischen marinen Miocaen
eine sehr lückenhafte. Bis zu dieser Zeit wusste man nur, dass das miocaene
Meer seine Wasser nicht nur über das mittlere Mähren ergossen, sondern dass es
auch von hier einen verhältnissmässig kleine Ausläufer bis in das östliche Böhmen
entsendet hatte, ohne dass jemand eine Ahnung gehabt hätte, wie weit es sich aus-
Sebreitet und von welch’ petrographischem Charakter seine Sedimente seien.
Diese, wie berechtigterweise gesagt werden kann, Unkenntnis unseres mio-
taenen Gebietes währte fast bis in die 60er Jahre, denn auch in diesem Jahrzehnte
(von (ënn — -1860), wurde desselben so wenig gedacht, wie vorher. Wo mag nun
der Grund dieser Nichtbeachtung liegen? Vorerst in seiner Entlegenheit, dann aber
darin, dass damals unsere böhmischen Geologen und Palaeontologen ausschliesslich
Mit den älteren Formationen beschäftigt waren, während den heimischen Tertiär-
forschern das grosse Gebiet des mährischen, ober- und niederösterreichischen, dann
des steier märkischen, ungarischen und des siebenbürgischen Neogen so viele neue
Erscheinungen und sensationelle Ergebnisse bot, dass es damals niemanden auch
pur einfiel, die miocaenen Ablagerungen aus dem nordwestlichen Mähren nach
Böhmen zu verfolgen und diese eingehend zu studieren. Nicht einmal als im Jahre
1853 die Nachricht, dass im Trieblitzer Tegel die fossilen Überreste von Dinothe
rium ( giganteum gefunden wurden, die Gemüther einigermassen in Erregung ver-
setzte, war unser Gebiet im Stande, jemanden anderen, als den Apotheker @. Erx-
eben aus Landskron zu fesseln, welcher hier fleissig sammelte und, wie verlautet,
eine seltene Collection von Fossilien aus demselben besass. Und woher denn auch!
l'ehlte doch hier beinahe alles, was anderswo, auf den südlichen Fundorten den For-
Schern in hohem Masse geboten war, was sich anderswo Neigung und Liebe er-
Wang, was mit einem Schl: age den Geologen wie den Palaeontologen anzog. Denn
diese vermissten dort tiefere Einschnitte, die Mannigfaltigkeit der Schichten, wührend
jene, die daselbst nach mühevoller Arbeit gewonnene Ausbeute mit der Ausbeute von
anderen Orten vergleichend, sie unbedeutend, ja armselig fanden. Und damals handelte
TR Sich nur um eine zusammenfassende Anschauung, um ein allgemeines Bild.
Jieses zu erlangen, war anderswo nicht schwer. Überall gab es Lehnen jungfräulichen
Odens, von überallher winkte Erfolg. Deshalb erzielte man damals hervorragende
esultate, während wir uns heute mit Wenigem begnügen müssen. Heute ergänzen
Wir vielfach, bauen um, passen alte Anschauungen den neuen an,
10
In diesen Umständen liegt der Grund, warum unser Gebiet in früheren
Zeiten vernachlässigt wurde und warum heute seine Wichtigkeit anerkannt wird
und lebhaftes Interesse erweckt.
Es hat meist geringe Bedeutung, wenn es im Zusammenhang mit dem
grossen mährisch-niederösterreichischen Miocaengebiete angeführt wird, Interesse
erweckt es jedoch unmittelbar, sobald es gelingt, in den Charakter seiner Fauna
Einblick zu gewinnen.
Es ist daher natürlich, dass es nur jenen fesseln konnte, der, vom südlichen
inländischen Miocaen kommend, in der Verarmung der Schichten an Fossilien
gegen Norden eine selbstverständliche Sache erblickte, die mit den Verhältnissen
des miocaenen Meeres eng zusammenhing und keine zufällige war.
Nur auf diese Weise erklären wir uns ganz richtig die zutreffende Auf-
fassung des Charakters unseres Miocaengebietes durch A. E. Reuss und die vielfach
irrigen späteren Anschauungen, die nicht auf Grund persöhnlicher Kenntnis ge-
wonnen, sondern verschiedenen Combinationen und Vermuthungen entsprangen.
A. E. Reuss kam in unser Gebiet aus dem nordwestlichen Mähren, woselbst
er fast das ganze, grosse, neogene Gebiet von Brünn bis Mährisch-Trübau durch-
studirt hatte. Auf das ostböhmische Gebiet übergehend, sah er in dessen Sedimenten
natürlicherweise nichts, als die directe Fortsetzung des marinen, mährischen
Miocaens. Von Brünn durch das Zwittawa-Thal und die Kleine Hanna über Bos-
kowitz gegen Jaroméfitz, von Gewitsch bis Porstendorf bei Mährisch-Trübau stellte
er überall den Steinabrunner Typus der Fauna fest und nur an einigen wenigen
Orten den Badener. Dass er dann in Folge des Umstandes, dass er die Fauna des
Rudoltitzer Tegels eingehend kennnen gelernt und dann als er sich betreffs derselben
überzeugt hatte, dass sie dem Steinabrunner Typus sehr ähnlich ist, keine Ursache
gehabt, sie in den Bereich der Grunder Fauna zu stellen, wie dies selbst nach
ihm noch bis vor wenigen Jahren geschehen war, liegt auf der Hand.
Ebenso liess sich A. Æ. Reuss durch die scheinbare Armuth der Ablage-
rungen des ostbóhmischen marinen Miocaens an Fossilien nicht beirren. Er ver-
stand es schliesslich durch Schlemmen, das zu gewinnen, was ihm durch blosses
Sammeln zu erreichen nicht möglich war.
Diesen Umständen und dann dem Zufall, dass er in das ostböhmische
Gebiet kam, als die Eisenbahn hier gerade ausgebaut wurde und in der Abts-
dorfer, Trieblitzer, Böhm.-Trübauer und Rudoltitzer Gegend frische, tiefe Einschnitte
hergestellt waren, dankt A. Æ. Reuss seine Erfolge, und was die Rudoltitzer Fauna
anbelangt, ausgezeichneten Resnltate. Deshalb ist auch seine Arbeit über die marinen
ostböhmischen Tertiärschichten werthvoll und von dauernder Bedeutung.
Mit Rücksicht darauf will ich auch die Essenz der Reuss’schen Gedanken
und Anschauungen über das ostböhmische Miocaen mittheilen, u. z. auch deshalb,
damit der Leser erkenne, in welchem Umfange durch diese Arbeit hier zur Erwei-
terung der bisherigen Kenntniss dieses hochinteressanten Gebietes beigetragen wird.
Das Hauptverdienst Zewsse'ns ist unstreitig, dass er richtig den Charakter
der einzelnen Tegelbänke und Tegeldepöts des böhmischen marinen Miocaens
herausfand und dann, dass er ihre Beziehung zu den übrigen inländischen Miocaen-
gebieten feststellte. Und es ist thatsächlich interessant, auf welch kleiner Basis er
11
operirte. Die Hauptstütze bot ihm die Fauna des Rudoltitzer Tegels und erst in
zweiter Linie standen die Vertreter der Fauna aus dem Abtsdorfer und Trieblitzer
Tegeldepöt. Mehr der Fundorte und Fannen unseres Gebietes kannte er nicht.
In der Umgebung von Rudoltitz, dieser wichtigsten Fundstelle des ost-
böhmischen Miocaens, besonders in palaeontologischer Beziehung, stellte A. Е. Reus
miocaene Sedimente westlich von der Ortschaft im Eisenbahneinschnitte fest. In
diesem bestimmte er im Liegenden aschgrauen Tegel, vermischt mit kleinen Stückchen
Limonit und einer bedeutenden Menge Austern, häufig von auffällig grossen Dimen-
sionen und auf diesen die sandige Uebergangsschichte mit Einlagen von Bänken
feinen Sandes, der von Eisenoxyd gelb gefärbt erschien, und er überzeugte sich weiter,
dass auf diesen Bänken eine Schichte gelblichen Tegels mit reicher Meeresfauna
ruht. Die Schichtenfolge schloss dann eine Dank diluvialen Gerölles ab. Aus der
oberen Bank eines gelblichen Tegels führt A. Æ. Reuss im Ganzen 202 Arten
an, von welchen 32 auf die Foraminiferen, 11 auf die Korallen, 2 auf die Echiniden,
T auf die Seewürmer, 7 auf die Bryozoen, 4 auf die Brachiopoden, 43 auf die
Bivalven, 73 auf die Gasteropoden und 26 auf die Ostrakoden entfallen.
In der Umgebung von Trieblitz erkannte und prüfte Reuss die miocaenen
Ablagerungen unmittelbar hinter dem Bahnhofe. Auf Quadersandstein gelagert, fand
er dort braunen, an Austernschalen reichen Tegel, darüber einen lichteren, asch-
Srauen Tegel, dessen Mächtigkeit zu bestimmen, ihm nicht gelang, die er jedoch
als unbedeutend schätzte. In dieser Bank wurden zahlreiche Limonitstückchen und
viele Petrefacte sichergestellt. Wenige Arten, dafür aber ein grosser Individuen-
Yeichthum. Insgesammt führt er von hier 15 Arten an, von denen 3 Lamellibran-
chiaten und 12 Gasteropoden-Arten sind. Ausdrücklich bemerkt er, dass er Fora-
Miniferen nicht entdeckt habe. Auch hier deckt das Miocaen eine Diluvialbank.
Das Miocaendepót von Dóhm. Trübau fand er am wenigstens zugänglich.
Tegel constatirte er ebenfalls im Bahneinschnitt südlich von der Stadt. An Petre-
facten entdeckte er in dem dortigen Tegel blos die Art Nerita Grateloupana und
Nerita picta, dann Melanopsis impressa.
Einigermassen ausführlichere Nachrichten, als aus dem vorherigen Districte, giebt
Reuss aus der Umgebung von Abtsdorf. Das dortige Tegeldepöt dehnt sich nach ihin
Nördlich von der Ortschaft aus. Seine Ablagerungen sind von einer ziemlich mächtigen
Diluvialschichte bedeckt. Unter dieser folgt ein gelblicher Tegel, reich an Austern-
Schalen und Gehäusen von Cerithium lignitarum, unter welchem ein bläulichgrauer
egel mit reicher Fauna liegt. Diese ist jedoch nur reich an Individuen, dafür arm
n Arten ; denn schon Reuss führt ihrer nicht mehr als 12 an, u. z. eine Art Ko-
e eren, eine Art Lamellibranchiaten, 8 Arten Gastropoden, eine Art Ostra-
'Oden und schliesslich die in unseren heimischen marinen Ablagerungen seltene
ut eines tertiären Säugethieres d. i. Dinotherium giganteum.
Auf Grund dieser Studien gelangte A. E. Reuss zu der folgenden An-
Schauung über das ostböhmische Miocaengebiet: die Ablagerungen der untersuchten
ү r
Pg Depóts, d. i. des Abtsdorfer, Trieblitzer, Rudoltitzer und Böhmisch- l'rübauer
Ind o gleichalterig, von derselben Stufe. Sie stimmen überein mit den ausgedehnten mio-
eae
li enen Sediimenten der mährischen Gebiete, des Wiener Beckens, des galizisch- -podo-
ig
Schen u. a, Sowie in Mähren, hat auch in Böhmen eine Erosion und, vielleicht auch,
eine locale Emporhebung die ehemals zusammenhängende Decke dieser Sedimente zer-
rissen, welche uns heute wie Inselchen in einer Fluth jüngerer Gebilde erscheinen.
Diese Inseln und Inselchen miocaener mariner Ablagerungen deuten die Ausdehnung
eines einst grossen Meeresarmes an, welcher in das böhmische Gebiet längs einer
grossen Dislocation eindrang, durch welche in der Permperiode aus Böhmen nach
Mähren ein grosser Strom floss, später aber, zur Zeit der Kreideformation, eine
Bucht bis gegen Blansko nach Mähren vordrang, während zur Miocaenzeit, auf
dem entgegengesetzten Wege, hier ein mächtiger Meeresarm nach Böhmen, bis
Böhmisch-Trübau sich ergoss. Die sich verringernde Mächtigkeit der neogenen
Schichten in der Richtung von Mähren nach Böhmen findet ihre Beantwortung in
den verkümmerten Arten. Dieser Umstand spricht dafür, dass das Meer hier eine
kürzere Zeit gestanden, als in Mähren und dass auch hier seichter war, als in den
mährischen Gebieten. Dass die neognen Depöts Böhmens mit denjenigen Mährens
zusammenhängen, beweist der Charakter der Fauna. Hat doch das böhmische Neo-
gen 79°/, der Arten mit den Tegeln des Wiener Beckens gemeinschaftlich. Die Fauna
von Rudoltitz aber zeigt die meisten gemeinsamen Merkmale mit der Steinabrunner
Fauna, woraus folgt, dass sie der Fauna der in die Leithakalkbänke gelagerten
Tegel zu unterordnen sei. Dagegen zeigt die Fauna der Rudoltitzer Ablagerungen,
noch mehr aber die Fauna von Trieblitz und Abtsdorf eine sehr starke Verwandt-
schaft mit der Fauna der sogen. Cerithiensehichten u. a. sich durch einen grosesn
Individuen- aber geringen Artenreichthum auszeichnend. Weitere Vergleichungen
mit fremdländischer Fauna führten ihn zu dem Resultat, dass die böhmischen neo-
genen Ablagerungen sehr jung sind, dass sie zu den jüngsten Ablagerungen des
Wiener Beckens gehören, ja dass sie den subapenninen Schichten aus der Umge-
bung von Castell arquato, noch mehr den pliocenen Schichten Siciliens näher
stehen, als den jungen der hierländischen Gebiete.
Zwei Jahre (1862) nach der Publikation der erwähnten Arbeit A. E. Reuss’s
über die tertiären böhmischen Ablagerungen hat H. Wolf unser neogenes Gebiet
geologisch aufgenommen. In seinem Berichte!) über die Resultate seiner Arbeit,
die in den Publicationen der k. k. geologischen Reichsanstalt in Wien enthalten sind,
schrieb er, dass die Gewässer des Wiener Beckens in das östliche Böhmen in zwei
Armen eindrangen, von denen der eine bis Wildenschwert reichte, während der an-
dere bis ZJofhwasser gieng. Ausserdem theilt er mit, dass er miocaene Tegel in
der Umgebung von Rudoltitz, Landskron, Abtsdorf und Triblitz sicherstellte. Schliess-
lich sind auf seinem geologischen Karten-Blatte „Leitomischl-Landskron“ noch die
folgenden miocaenen Depöts verzeichnet: der Jockelsdorfer, der Lukauer, die nörd-
liche hinter Thomigsdorf und der Schirmdorfer.
Auch Prof. J. Krejčí hat alle diese miocaenen Districte sichergestellt; denn
er führt sie alle und fast in denselben Dimensionen, wie Н. Wolf, auf seinem geo-
logischen Karten-Dlatte der Umgebung von Pardubitz-Landskron an. Aber in seiner
Geologie vom Jahre 1877, Seite 940, führt er sie nieht an; in dieser beschrünkt er
sich ausschliesslich auf die Berichte von Reuss, er wiederholt kurz das, was dieser
knapp erklärt hat,
ID H. Wolf: Verhandl. der k. К. geologischen Reichsanstalt 1562,
Nach diesen Arbeiten blieb das bóhmische Miocaen lange unbeachtet. Nur
Seines Fossilienmaterials, das Reuss erbeutet hatte, wurde zeitweilig gedacht und
das namentlich als einzelne Thier-Classen des Wiener Beckens und des ganzen
inländischen Miocaens umgearbeitet wurden. So bestimmte A. E. Reuss viele seiner
Foraminiferen, Ostrakoden, Bryozoen und Korallen, Manzoni die Bryozoen, E.
Dreger die Brachiopoden, R. Hoernes und M. Auinger die Gastropoden neu.
, Erst in den 70en Jahren wurde unseres Miocaens wieder gedacht. So von
N ~ ` . d :
Th. Fuchs, 1 der behauptete, dass die Rudoltitzer und Abtsdorfer Schichten zum
Grunder Horizont gehören. Auch E. Tietze?) erwähnt ihrer; desgleichen E. Swess.")
Einigermassen abweichend behandelt Dr. Fr. Katzer*) diese Sedimente.
Offenbar ist dies infolge eines Missverständnisses oder eines Übersehens erfolgt,
denn anders ist es nicht zu erklären.
Heute giebt es doch nach dem heissen litterarischen Kampfe betreffs der
Beziehung der Sedimente der mediterranen Stufe zu den Gebilden der sarmatischen
und kongerien Stufe niemanden, der die Vermuthung aussprüche, dass unsere ost-
bóhmischen miocaenen Sedimente der sarmatischen oder kongerien Stufe entsprechen.
Und deshalb vermuthe ich, dass auch Dr. Fr. Katzer dies nicht gemeint hat.
In letzter Zeit, dem Vorjahre, danken wir einen kurzen Bericht über
ünser Miocaen dem Dr. E. Tietze.’) Tietze theilt in einem Reisebericht aus Lands-
kron mit, dass er neogene Ablagerungen im östlichen Böhmen an verschiedenen
Orten entdeckt habe und legt nachdrücklichst Gewicht darauf, dass er miocaene
Tegel in der Umgebung von Wildenschwert entdeckt habe.
Diese Entdeckung veranlasste Tietze, Dr. J. J. Jahn aufzuforden, nach-
Zuforschen, und soweit dies angeht, sicherzustellen, ob die miocaenen Sedimente
Sich nicht etwa längs des Adlerthales bis zur Elbe ausdehnen und ob sie westlich
nicht über die Donau-Elbewasserscheide reichen.
: Im Herbst des verflossenen Jahres veröffentlichte Dr. J. J. Jahn‘) das
Resultat seiner Arbeit in dieser Richtung in einem Reiseberichte aus Hohenmauth,
In welchem er mittheilt, dass er im Chotzen-Leitomischler Gebiete an 23 verschie-
denen Punkten miocaene Sedimente sichergestellt habe u. z. im Flussgebiete des
Adler bei Brandeis, südöstlich der Eisenbahnstation von Chotzen, östlich und west-
Sich von Srub, bei Dobrikow, Zámrsk, St. Nicolaus, Radhošt und Uhersko, bei
latin, Voklikov, Shakow, Kosofín, Norín, Dórflik, Sedliště, Kornic, Leitomischl,
erekvic, Knfrov, Lhota, Luže, Neuen-Schloss und Budislau.
1) Th. Fuchs: Die Versuche einer Gliederung des des Neogens im Gebiete des Mittel-
Meeres 1885,
la ?) HE. Tietze. Die Versuche einer Gliederung des unteren Neogen in den Österreichischen
ändern. 1884,
?) E. Suess. Das Antlitz der Erde. Bd. II. S. 410.
^) Fr. Katzer. Geologie von Böhmen. S. 1428.
5 E. Tietze. Reisebericht aus der Gegend von Landskron in Böhmen. 1893. S. 263.
Seit *) J, J. Jahn. Bericht über die Aufnahmsarbeit im Gebiete von Hohenmauth-Leitomischl.
е 275,
14
Vom Miocaen der Olmützer Umgebung sprechend, erinnert Dr. E. Tietze")
an die erwähnten Entdeckungen Jahns und bemerkt, dass, falls später palaeonto-
logisch sichergestellt wird, dass Jahns miocaene Depóts factisch miocaener und
mariner Natur seien, es nothwendig sein werde, die westlichen Grenzen des mio-
caenen Meeres wohl weit im westlichen Elbegebiete zu suchen.
Es ist natürlich, dass mir vor allem darum zu thun war, palaeontologisch
nachzuwiesen und überhaupt sicherzustellen, in wie weit Jahns Ansicht über
die weichen Tegel der Chotzen-Leitomischer Gegend berechtigt ist. Die Resultate
meiner Untersuchung habe ich in den Abhandlungen der kgl. böhmischen Gesell-
schaft der Wissenschaften niedergelegt. ?) Durch sie ist klar erwiesen, dass die er-
wähnten Jahn'schen Tegel weder mariner noch miocaener Natur seien, sondern, dass
es, wie schon früher J. Krejčé und A. Frič sichergestellt haben, aufgeweichte, an
zahlreichen Stellen durch Regenwasser verschwemmte und neuerdings umgelagerte
dünnblättrige Tegel der Priesener vielleicht auch der Teplitzer Stufe sind.
1) E. Tietze. Die geologischen Verhältnisse der Gegend von Olmütz. S. 165,
2) V. J. Procházka, О území tak zvaných mořských jílů miocaenních mezi Chocnf a Lito-
myšlí, Nr. 31. -- Verhandl. d. geolog. Reichsanstalt S. 277.
Das Gebiet der marinen Tegel.
Unsere bisherigen Kenntnisse hinsichtlich dieses, wie es sich uns heute
Präsentirt, ziemlich ausgedehnten Gebietes beschränkten sich blos auf die Berichte
A. E. Reuss’ens über den Rudoltitzer Tegel, die in der hier bereits erwähnten
Abhandlung über die tertiàren, böhmischen, marinen, miocaenen Schichten aus den
60er Jahren enthalten waren.
Ich lege hier besonderen Nachdruck darauf, dass diese Berichte Reuss'ens
Sich ausschliesslich auf eine eingehendere Kenntnis der Fauna des Rudoltitzer
Tegels stützten. Dass dem so ist, davon überzeugen uns seine Schlussfolge-
rungen, einerseits betreffs der ganzen Charakteristik dieses Districtes, anderer-
Seits der Umstand, dass er von Rudoltitz sprechend, die übrigen Fundorte, Abts-
dorf und Trieblitz, deren Fauna er auf das Niveau der Fauna der sarmatischen
Stufe, oder wie er sich, den damaligen Anschauungen entsprechend, ausdrückt, der
eerithischen Schichten, stellt, beiseite lässt.
Soweit es sich um diese Berichte Reuss’ens handelt, muss gerechterweise
von ihnen gesagt werden, dass sie sehr werthvoll und richtig sind und dass
Sie etwa nach Bedarf für die eine oder die andere Anschauung sich nicht
entstellen lassen.
ч Als ich die Literatur über dieses unser Gebiet studierte, war es mir an-
fünglich auffällig, warum neben Rudoltitz, Abtsdorf und Trieblitz nicht auch die
anderen Fundorte berücksichtigt wurden, deren es auf der alten Leitomischl-Böhm.-
Trübauer Karte der Wiener geologischen Reichsanstalt genug verzeichnet giebt
ebenso auch auf der geologischen Karte Prof. J. Krejét's betreffend die Umgebung
Von Pardubitz Chrudim-Leitomischl. Die Sache wurde mir bald klar, als ich erfuhr,
dass die Miocaen-Depöts auf den Blättern der Wiener geologischen Reichsanstalt
(Lukau, Thomigsdorf, Landskron, Třemošná, Rothwasser, Wernsdorf, Schirmdorf,
Rudoltitz, Abtsdorf, Trieblitz, Böhmisch-Trübau und Wildenschwert 77. Wolf im Jahre
1862 geologisch ausgeschieden hatte, und dass А. E. Reuss in der Gegend von
Rudoltitz, Abtsdorf, Triblitz und Böhmisch-Trübau vor dem Jahre 1860 gewesen
Ist, woselbst er seine Beobachtungen auf die Einschnitte der damals neuerbauten
Eisenbahn concentrirte.
" H. Wolf, der gewöhnt war, auf den mährischen, nieder- und ober-
Österreichischen miocaenen Fundorten stellenweise Massen von Petrefacten zu
Sehen, konnte in seinen Berichten über unsere miocaenen böhmischen Localitäten
nicht anders schreiben, als dass sie bis auf jene von Rudoltitz, Abtsdorf und
16
Trieblitz Petrefacten nicht enthalten. Allerdings waren derartige Berichte nicht ge-
eignet, jemanden zu Untersuchungen zu bewegen, Es ist daher begreiflich, dass
sich nicht einmal Reuss selbst in unserem Gebiete wieder einfand, um das zu voll-
enden, was er mit so glücklichem Erfolge begonnen hatte. Seit jener Zeit, bis in
das vorige Jahr, lag die Forschung unseres miocaenen Gebietes brach. Trotzdem
djes der Fall war, wurden verschiedene Urtheile betreffs desselben abgegeben, doch
geschah dies immer auf Grund der Arbeit A. E. Reuss’ens. Dabei handelte es sich
immer nur um eine Parallelisirung unserer Ablagerungen mit anderen und um die
Abgrenzung ihres Niveaus im inländischen, miocaenen Schichtensystem. A. Æ. Reuss
ist, wie bekannt, zu dem Urtheil gelangt, dass man die Rudoltitzer Tegel als analog
mit den Steinabrunner betrachten müsse. Anders entschieden hierüber später
Th. Fuchs und R. Hoernes. Indem sie einigen Arten (wie z. B.: Cerithium lignitarum),
Bedeutung beilegten, sprachen sie die Ansicht aus, dass diese Sedimente dem
Grunder Horizont angehören.
In wie weit die eine oder die andere Ansicht den Thatsachen entspricht,
wird aus dem weiter unten geführten Beweise hervorgehen.
Rudoltitz.
Das Rudoltitzer Depöt der miocaenen Tegel ist unstreitig das wichtigste
von allen ostbóhmischen neogenen Districten. Seine Wichtigkeit liegt einerseits in
der ziemlich reichen Fauna, deren Bild — auch so weit dasselbe jetzt bekannt ist
— einen tiefen Blick in das organische Leben der bis in diese nordwestlichen Ge-
genden ausgreifenden seichten Bucht des einst weit ausgedehnten, das ganze Mähren
überfluthenden und tief in das böhmisch-mährische Plateau reichenden miocaenen
Meeres gewährt, andererseits darin, dass in demselben eine klare Anschauung von
der unbedeutenden Mächtigkeit der miocaenen Ablagerungen unseres ostbóhmischen,
miocaenen Gebietes gewonnen werden kann.
Ausserdem hat dasselbe gleichzeitig eine geschichtliche Wichtigkeit. Ist doch
Rudoltitz jene Fundstelle, wo in Böhmen die ersten Nachrichten über das marine
Miocaen gesammelt wurden. Hier befindet sich auch bisher der einzige, einiger-
massen reichere Ort, von wo aus die Berichte über den Charakter des ganzen Gebietes
versendet wurden. Dass diese Berichte häufig überschätzt wurden, das braucht nicht
verwunderlich zu erscheinen, geschieht doch das fast immer, wenn es an Belegen
mangelt und diese durch eine oft üppige Phantasie zu ersetzen getrachtet werden.
Richtig ist jedoch, dass die ganze, kleine Rudoltitzer Niederung noch heute
von miocaenen Tegeln ausgefüllt erscheint. Mit dieser Ansicht stimmt vor allem
die Lage, weiter die Gestalt des Grundgebirges und endlich die Mächtigkeit der
im Eisenbahneinschnitt aufgedeckten Tegel. Wenn sich jedoch heute das Rudoltitzer
miocaene Depót als eine kleine Insel prüsentirt, dann liegt die Ursache in der Decke
von jüngeren und jungen Sedimenten, deren Mächtigkeit stellenweise auffällig anwächst,
während sie anderswo auf einen dünnen Ueberzug zusammenschrumpft. Die Gestalt
der Unterlage und ihre Ausgänge bestimmen die Richtung, in welcher dieser miocaene
District mit dem nachbarlichen Thomigsdorf- Lukauer im Süden und dem Lands-
17
kroner im Norden zusammenhängt. Von der Form des Grundgebirges liess sich H. Wolf
leiten, als er dieses miocaene Depót auf seiner geologischen Karte abgrenzte und
ebenso J. Krejéí, denn nur hiedurch lässt sich die Verlängerung des Rudoltitzer
Miocaenen Districtes in der Richtung zu den nachbarlichen Districten auf jenen
geologischen Karten erklären. Und das war eben der Grund, dass auf jenen Karten
auch dort Miocaen zu finden ist, wo wir es an der Oberflüche, nach jenen Angaben,
vergeblich suchen. .
Hier muss ich jedoch eine Bemerkung einflechten, welche die Umstände
betrifft, unter welchen A. Æ. Reuss das Rudoltitzer Tegel-Depôt beobachtet hat
und wie ich es gefunden, als ich dasselbe begieng und daselbst meine Untersuchungen
anstellte.
Schon der Umstand, dass A. E. Reuss sich in der Gegend aufhielt, als
der Rudoltitzer Bahneinschnitt hergestellt wurde, d. i. als alles zur Durchforschung
aufgedeckt und offen da lag, während ich nach etwa 36 Jahren an Ort und Stelle
kam, die Einschnitte begrast, von Steinterassen durchflochten und die Tegel nur
an einigen Stellen abgegraben und zugänglich findend — illustrirt zur Genüge den
Unterschied der Verhältnisse und gestattet eine Abschätzung der Ergebnisse.
Mit Rücksicht auf diese Umstände halte ich es für unerlässlich, kurz und
bündig die Beschreibung der Lagerungsverhältnisse anzuführen, wie sie von Aeuss
In jenen Jahren bestimmt wurden. Hierüber schreibt A. Е. Reuss in der früher
erwähnten Arbeit zunächst, dass er als unterste miocaene Schichte erkannte: Ent-
weder einen aschgrauen oder blaugrauen Tegel, enthaltend zahlreiche, in Lignit
verwandelte Holzbruchstückchen nebst unzähligen Austernschalen von ziemlicher
Grösse. Andere Petrefacten fand er in diesem Tegel nicht. Auf diesem Tegel,
theilt er weiter mit, liegt eine Tegelbank von gelblichgrauer Farbe, von sandiger
Beschaffenheit mit sehr viel Versteinerungen, welche einige dünne Schichten, theils
lockeren, theils harten, eisenhaltigen Sandsteines ohne Petrefacten bedecken. Das
angende dieses Schichtencomplexes fand er zusammengesetzt aus diluvialem Gerölle,
Oberhalb dessen das Schiehtensystem eine Lehmbank abschloss.
| Soweit A. E. Reuss über die Rudoltitzer Lagerungsverhältnisse und Schichten-
folge der miocaenen Sedimente. Heute sind die Umstände allerdings erschwert. und
Müssen auch diese іп Erwägung gezogen werden. Aber trotzdem wird es uns
gelingen, viele Dinge herauszufinden, die im Stande sind, das Bild Reuss'ens zu ergänzen
Und zu beleuchten. Gleichzeitig müssen wir uns vor Augen halten, dass nicht alles,
was Reuss entdeckt hat, auch uns zu erforschen gelingen wird, nichtsdestoweniger
vermag eine zweckmässige Combination der erforschten Thatsachen der Erklärung
helfend beizuspringen.
' Was gleich Anfangs unangenehm wirkt, ist der Umstand, dass unter den
derzeitigen Verhältnissen es nicht gelingt, unter den dortigen miocaenen Schichten
Jene Tegelbank aufzudecken, in der Reuss einen auffälligen Reichthum an Austern
SUE viel in Lignit verwandelten Holzes vorfand. Mich hat dieser Umstand in
keiner Weise stutzig gemacht; im Gegentheile, ich habe ihn natürlich gefunden,
Nachdem ich mich früher in der Umgebung von Abtsdorf überzeugt hatte, dass
daselbst Austern nur an manchen Stellen in grösserer Zahl auftreten, während wir
Ste anderswo in derselben Tegelbank vergeblich suchen.
18
Ebenso blieb das Suchen nach Sandbänken im Rudoltitzer Einschnitte
resultatlos, von welchen Reuss mittheilt, dass sie bis zu hartem Sandsteine ab-
wechseln und auf dem oberen, gelbgrauen Tegel aufgelagert sind. Den Grund,
warum wir von diesen Bänken heute auch nicht mehr eine Spur finden, schreibe ich
einerseits den ungünstigen Umständen, andererseits der unbedeutenden Ausdehnung
der zugänglichen Schichten, dann aber besonders dem Umstande zu, dass diese
oberen Bänke theils weggeführt, theils mit dem, aus dem Einschnitt gewonnenen
Materjal verschüttet sind, wodurch man den Einschnitt seit Jahren erweitert, um
das fortwährende Rutschen und Reissen desselben zu verhindern.
Von diesen Reuss’schen Sandbänken unterscheide ich streng eine ganz
dünne Bank feinen Sandes, die in den oberen, gelben Tegel hineingelagert ist.
Ich erblicke nämlich den Unterschied zwischen diesen petrografisch verschiedenen
Ablagerungen nicht nur in der verschiedenen Lage, sondern auch in dem abwei-
chenden Charakter der Fauna.
Diese interessante Sandeinlage deckte ich im Bahneinschnitt auf, als ich
mich bemühte, ein für die Untersuchung günstiges Profil in den dortigen Schichten
zu finden. Dieses erkannte ich unterhalb des Wächterhauses No. 264, wo der gelb-
liche Tegel in seiner natürlichen Lage, direct auf seiner Unterlage, dem permischen
Sandstein aufruht Es ist das derselbe Tegel, von dem Reuss sagt, dass er auf
grauem Tegel liegt. Dass dies thatsáchlieh der Fall, davon gibt seine Lage Zeugniss,
denn er liegt höher als der graue Tegel, am Boden des Einschnittes, im Niveau
der Schienen, wo er zu Tage tritt.
Dieser graue, bis blaugraue Tegel, führt, soweit ich mich persönlich über-
zeugte, an jenen Stellen, wo er heute aufgedeckt ist, keine grössere Menge von Austern-
schalen. Nur hie und da stossen wir auf ein vereinzeltes Bruchstück, Auch auf
einem Tegelhaufen aus dem Einschnitte schnüffelte ich ohne Erfolg umher, um den
Ort zu finden, an dem sich für Reussen’s Ansicht eine Stütze ergeben, d. i. des
Vorhandenseins einer grossen Anzahl von Austernschalen. Damit verliert die
Ansicht Reussen’s in keiner Weise an Glaubwürdigkeit, im Gegentheile, sie beweist,
dass, wie anderswo, auch hier die Austern sich auf die Sedimente des unteren
grauen und blaugrauen Tegels uud auf jene Stellen beschränkten, wo sie während
deren Sedimentation die günstigsten Lebensbedingungen vorfanden.
Was den petrographischen Charakter dieses grauen Tegels anbelangt, so
stimmt er ganz mit dem Abtsdorfer Tegel überein, der an Austernschalen reich ist,
dann mit dem Tegel von Trieblitz und schliesslich mit Tegel der unteren Bank der
Umgebung von Rybnik, welcher, sowie dieser, auch nicht eine Spur von Petrefacten
enthält.
Der Gesammtcharakter dieses blaugrauen Tegels zeigt sich nach vielfacher
Richtung übereinstimmend mit dem Charakter der brackischen Tegel. Wenigstens
zeugt hievon sein Reichthum an Austern und die Abwesenheit von rein marinen
Arten. Das endgiltige Urtheil darüber, von welcher Facies er ist, ob von bracki-
scher oder mariner, übelasse ich einer späteren Untersuchung, welche wohl auch
die bisher unbekannte Fauna aufdecken wird.
Wichtiger als dieser Tegel ist der Tegel aus höheren Lagen und vou
gelbgrauer bis gelber Farbe. Er ist es eigentlich, auf Grund dessen Fauna
19
A. E. Reuss das hochinteressante Bild der physikalischen Verhältnisse der
ostböhmischen miocaenen Bucht und ihr Verhältnis zu dem übrigen neogenen
Meere entwarf.
An welcher Stelle des Eisenbahneinschnittes Reuss in diesem Tegel seine
Fauna erbeutete und zusammenlas, ist mir, zu erforschen, nicht gelungen. Aus seiner
Beschreibung geht jedoch klar hervor, dass er dieselbe anderswo erbeutet hat, als
ich diesmal die meine. Darüber legt einerseits die Angabe Zeugnis ab, dass seine
Bank gelblichgrauen Tegels direct auf dunkelblauem Tegel aufruhte andererseits
einige Unterschiede, welche meine Fauna von der seinen trennen.
Wie schon früher erwähnt, wurde dieser Tegel, der in der Böschung des
Risenbahneinschnittes unterhalb des Wächterhauses blosgelegt worden ist, direct
auf Permsandstein aufruhend, befunden. Die Bank erreicht hier eine Mächtigkeit
von etwa 0'8 m. und ist in ihrem oberen Theile durch ein schwaches Bänkchen
feinem Quarzsands unterbrochen, bedeutende Mengen mittelgrosser, ja bis grosser
Austernschalen von Ostrea giengensis Schloth sp. einschliessend, die jedoch ziemlich
Schlecht erhalten sind. Diese Schalen zerfallen augenblicklich, sobald wir sie
herauszuarbeiten beginnen, so das es nirgend gelang, freie, ganze und erhaltene
Einzelstücke zu erlangen.
Der petrographische Charakter des Tegels oberhalb und unterhalb der
Sandeinlage ist derselbe. In beiden Lagen ist er fein, plastisch und aus beiden
Bänken geschlemmt, hinterlässt er eine bedeutende Menge überaus feinen Sandes,
aus kleinen Quarzkörnchen bestehend, die von Eisenoxyd verfärbt sind. Dieser
Sandigen Beimengung ist im demselben mehr, als in den unteren Tegeln ent-
halten. Wir sind daher berechtigt, ihn mit Reuss als einen sandigen Tegel
anzusehen. Ein anderes Detrit wurde in demselben bisher nicht nachgewiesen.
` Seine reiche Fauna ist vielfach herrlich erhalten. Die Gehäuse, z. D., der
Foraminiferen, Gastropoden ete. haben einen braunen Anhauch, der jedoch nicht so
Intensiv ist, wie z. B. derjenigen aus dem Trieblitzer oder Abtsdorfer "Tegel. Voll-
Ständig erhalten wurden bisher nur die Gehäuse, der Mikrofauna sichergestellt.
erkwürdig ist, dass nur die Schalen der Ostrakoden in dieser Hinsicht eine
Ausnahme machen, denn diese sind in der Regel zerschlagen und nur sehr selten
Sanz. Wenigstens ап. der Stelle, von welcher mein Material herrührt, ist dies der
Fall; ob Reuss dieselbe Beobachtung gemacht, hat, kann ich im Momente nicht
Entscheiden, da er nirgens darüber, wie die Gehäuse und Schalen dieser Classen
erhalten sind, sich vernehmen lässt.
Wie auf anderen, miocaenen, inländischen Gebieten habe ich auch hier den
alten, nach meiner Ansicht, einzig zum Ziele führenden Vorgang bei der Aus-
Aare und Sicherstellung des palaeontologischen Schichten-Cha trakters beibehalten ;
: eschränkte mich nämlich auch diesmal nur auf eine bestimmte, nach längerer
rwägung als günstigst befundene Schichte, in die erhaltene Fauna nichts auf-
Nehmend, was von wo andersher kommt, selbst wenn es aus demselben Niveau,
derselben Schichte herrührte.
e н in dem weiter unten angeführten Verzeichnisse wurde aus
К; гш schweren Tegelstücke ausgeschwämmt. Auf diese Weise habe
utritt fremder Elemente verhindert, die nur Verwirrung verursacht hätten
9*
20
und erzielte damit, dass wir in dieser Fauna ein thatsächliches, directes und wahres
Bild besitzen, einen reinen Typus des gelblichen Rudoltitzer Tegels, der es dann
ermöglicht die Abweichungen zu erkennen, die bei einem anderen Untersuchungs-
vorgang entweder undeutlich hervortreten, oder gänzlich verschwinden.
Die Fauna des Rudoltitzer Tegels.
Pisces.
Otolithus (Gobius) Fridi, Proch. .
» , Воһетісиѕ, Proch.
a » praeclarus, Proch.
B „ Rudolticens., Proch.
` „ elegans, Proch.
, (Beryeidarum) Moravicus,
TOOL
e „ pulcher, Proch.
i „ Kokeni, Proch. .
y » fragilis, Proch.
„ (inc. sedis) formosus, Proch,
Ostracoda.
Bairdia subteres, Rss.
Cythere Edwardii, Röm. .
" hystrix, Rss. .
Cytheridea Mülleri, Münst.
Gasteropoda.
Buccinum Hoernesi, R. Hoern. u. A. .
РОО W. a rn.
ПОЛИ doli. оО.
к scabrum, Olivi
WA ae ena ME) БОТ
e Archimedis, Brong.
^ bicarinata, Eichw.
Fossarus costatus, Broce. . .
Caecum glabrum, Mont. sp.
i wachoa, Mont, „о. +
Odontostoma plicata, Mont. .
Turbinella costellata, Grat.
Ў pusilla, Phil. . .
i subumbilicata, Grat.
ET
h
vc
88
Turbinella pygmea, Grat. . .
Natica redempta, Michti . .
Jhemnitzia Reussi, M. Hoern.
Rissoa Moulinsi, d'Orb. .
„ angulata, Eichw. .
» Montagni, Payr
ya Venus, ООО. и
Hydrobia Frauenfeldi, M. Hoern.
H
Melanopsis tabulata, M. Hoern.
Fissurella Italica, Defr. . .
Puneturella ornata, Rss.
Dentalium mutabile, Doderl. .
a Jani, M. Hoern.
j entalis, Linné .
N Michelotti, M. Hoern.
Chitonidae.
Chiton Reussi, Proch.
„ denudatus, Rss. . i
Lamellibranchiata.
Gastrochaena dubia, Rss. .
Teredo Norvegica, Spengl. .
Corbula gibba, Olivi . .
а carinata, ријата. .
Venus fasciculata, Rss. .
», Pasterotti, Desh.
Cytherea вр. . ... Б ДЕ
Ciree minima, Mont... . .
sardium papillosum, Poli . . .
Chama gryphoides, Linné .
Lucina Dujardini, Desh.
» Spinifera, Mont.
ио APRSSIZII. МС.
EC dal CRT
1) Erklärung der Abkürzung: s bedeutet, dass die betreffende Art selten, ss sehr
selten, A häufig, Ah sehr häufig vorkommt.
Lucina oxista: Jo Wie sar MOSS Bulimina, affinis, d'Orb.. .....һ
Cardita rudista Lam. . . . . .ss " ovata, а Олио
равен c Goldin в d pupoides, d'Orb.: s. ss. 88
No AA E E E " aculeata, 0 О; ee
Nucula nucleus, Linné ee Virgulina Schreibersiana, CZiz. . . 8 |
Leda ЛАС, Chema. 2 cio. 088 Bolivana robusta, Brady . ... 58 |
оа Восе оро. В » puncta, ОО Ne.
Arca NOB «ШИП E Lagena.strumosa, Rss. . . . . . . 88
Buy: Damur qd neun USB б SU EE A ER
Notes, Ший Ju 43 5688 Nodosaria venusta, Rss. . . . . h
clathrata, Dein, or sn mens SS j (D) acuta, ШОР x. ов |
Modiola Hocinesi, Ross e . 88 4 (D) acuticauda, Rss. . . ss |
» marginata, Eichw. . KSE ў (D) elegans, d'Orb. . . . ss |
Ostrea giengensis, Schloth. sp.. . .h E (D) Römeri, Neugeb. . . 5 |
Ў (D) pygmaea, Neugeb. . . ss |
Brachiopoda. s (D) bifurcata, d'Orb. . . 85
Megerlea oblita, Miehti. . . . . .h ni (D) scabra, Res. . . . . hh |
Marginulina Hoernesi, Rss. . . . .h |
Bryozoa. " similis, d'Orbh; v. о. 88
ОЯ NA рев т Cristellaria ande Month . 08 |
етїоротга, еб Йй. : j { ' 8 i ice A Ж EN 9 |
eteropora stipilata ER й ает à a UB dum |
КК лата, farciminoides, Johnst. . Bs | en ER TENER |
КАШ ste йы = Si i " depauperata, Rss. Ne) |
Ee el Polymorphina problema, d'Orb. . . 8
Echinodermata. S nequam Mp |
| М digitalina, d'Orb. а.в |
Diadema GR Ger EE Globigerina bulloides, d'Orb. . . . 8 |
Verschieden geformte Stacheln . . . h | bulloides var. triloba, Rss. s
Truncatulina lobatula, Walker u. Jacob. h
Vermes. Ў Haidingeri, d'Orb. . . 8
Serpula Она: Bs. (2:54 258 2 Ungeriana, Ог... . .s
Rc ronagoie ВВ ach H " Dutemplei, d'Orb.. . .s
ОДЕСИ, Ras. sos. ти ов » prapginata, Кап, Sp. ono di
Anomalina Austriaca, d'Orb. . . . 8
Anthozoa. " Вайепве, d'Orb. ....1һ
Rotalia beccarii, Linné sp. . . . .8
3
The ,
a cocya h S du a iq 3S V x М
yathus microphyllus, Rss. . o Nonionina communis, d'Orb. . . . .h
Olenastraea tenera, Rss. . . . . .8
aus | N umbilicata, Mont. sp. . .h
иа Confer, Res. . . CH Don ee d
` D ) VR IRRE EE
i MO Polystomella crispa, Lam. . . . . hh
l'oraminifera. fle Ben "
n i N exuosa, d'Orb. . Sen 8
Шага carinata, d'Orb. ....һ * striatopunctata, Ficht.
8р. ЕЕЕ u.c МОЦ ара wn ui
»
Verneuilin
A Spinulosà, SESS. ов " macella, Ficht. u. Moll. sp. s
Léi
DD
Vergleichen wir dieses Verzeichnis der Fauna mit demjenigen Reussen’s,
wird es uns auffallend, dass es weniger Arten enthält, als jenes. Daraus, dass es
nur 134 Arten umfasst, während jenes Reussen’s 202, also um 68 mehr aufweist,
ist klar, dass unsere Fauna entweder einer anderen Schichte angehört, oder dass
Reussen’s Fauna ein Gemenge von Faunen verschiedener Orte und vielleicht
auch aus verschiedenen Bänken enthält. Dafür spricht einerseits die Anwesenheit
von brackischen Arten, andererseits die grosse Individuenzahl dieser im Reuss’schen
‘Verzeichnisse und auch die Abweichungen, die z. B. darin bestehen, dass das
erwähnte Verzeichnis eine bedeutende Anzahl von Ostrakoden- und Gasteropoden-
Arten enthült, dagegen aber viel weniger Foraminiferen-, Lamellibranchiaten- und
Fischotolithen-Arten, als die diesmal ausgeschlemmte Fauna.
Dazu muss ich ferner bemerken, dass der Reichthum des Rudoltitzer
Schlemmrückstandes an Petrefacten nicht gerade übergross ist, aber auch unbedeu-
tend kann er nicht genannt werden. Er nimmt etwa die Mittelstellung zwischen
thatsächlich reichen, die hunderte von Arten und tausende von Individuen liefern,
wie z. B. der Tegel von Borač bei Tischnowic in Mähren oder der blaugraue
feine Tegel von Lažánky bei Ruditz (ebendaselbst) u. a. — und armen, wo nur
hie und da sich ein Petrefact findet.
Diesmal gewährte der Schlemmrückstand des Rudoltitzer Tegels eine Fauna,
wie bereits erwühnt, von 134 verschiedenen Arten, von denen den Fischotolithen 11,
den Ostracoden 4, den Gastropoden 29, den Chitonen 2, den Lamellibranchiaten 28,
den Brachiopoden 1, den Bryozoen 5, den Vermes 3, den Anthozoen 3 und den
Foraminiferen 48 angehörten. Die Echinodermaten lassen sich nicht artenmässig
feststellen, nachdem von denselben nur die Stacheln und die Ambulakralplatten
sich erhalten haben.
Bis auf die Fischotolihen waren Reuss alle übrigen, der hier angeführten
Thierelassen bekannt. Warum ihm die ersteren nicht aufgefallen waren, und warum er
von denselben keine Notiz nahm, trotzdem es wahrscheinlich ist, dass er auch hier
auf sie stiess, liegt im Zug seiner Zeit, welche diesen und ähnlichen Thierresten
eine grössere Aufmerksamkeit nicht widmete, viel und vollständigeres Material zur
Verfügung habend, das zu durchforschen und zu studiren überaus nothwendig war.
Heute ist das allerdings ganz anders. Man beachtet auch diese Resten und das
aus verschiedenen Gründen. Soweit es sich um die Fischotolithen handelt, sind
diese Gründe folgende: Lange hielt man an der Hoffnung fest, dass es auch
in den jüngeren Tegeln doch irgendwo auf ihrem ausgedehnten Gebiete glücken
werde, eine reichere Fischfauna zu entdecken, welche, wenn auch kein voll-
ständiges, so doch ein annähernd richtiges Bild der Tertiärzeit bieten würde.
Allein, diese Hoffnung hat sich nicht erfüllt. Heute überblicken wir fast alle
tertiären Districte in Europa und kennen ziemlich gut die Fauna, wenigstens ihre
reichhaltigsten Gebiete, aber wir forschen bisher vergeblich in den feinen miocaenen
marinen Tegeln und den ihnen entsprechenden Schiefern nach einer reichen Fisch-
fauna mit Repräsentanten, die in Abdrücken vollständig erhalten wären. Gleichzeitig
mit dieser negativen wurde eine andere Entdeckung gemacht; es wurden nämlich an
vielen, verschiedenen Orten kleine Gehörknöchelchen von Fischen ausgeschlemmt,
von welchen schon früher genügend bekannt war, dass sie hinreichend verlässliche
28.
Merkmale zur Bestimmung der Familie und der Art bieten. In Deutschland begann
K. Koken in dieser Richtung die Fischotolithen zu studieren. Seine Resultate be-
wogen dann auch mich, diesen thierischen Resten auf dem Gebiete des mährisch-
niederösterreichischen Miocaens meine Aufmerksamkeit zu widmen und dadurch
114 verschiedene Fischarten zu bestimmen. Es ist daher, wie ersichtlich, ganz na-
türlich, dass ich, als ich in dem Rudoltitzer Schlemmrückstande Otolithen entdeckte,
nicht säumte, sie sofort zu beschreiben und sie, soweit neue Arten unter denselben
auftauchten, auch abbildete. Sowie an anderen Orten des inländischen Neogenge-
bietes, so war auch hier meine erste Arbeit, nachdem ich im Rudoltitzer Tegel die
Otolithen bestimmt hatte, ihr Verhältniss zum Charakter der übrigen, dortigen Fauna
zu erforschen. Und zu meiner Genugthuung fand ich auch hier, dass der Charakter
derselben sich innig dem Charakter der übrigen Thiergruppen anschmiegt und dass
eigentlich die Fischotolithen, die auf Grund des Vorhandenseins der übrigen Thier-
Classen geschöpften Conclusionen vertiefen und erhärten. Dass dem so sei, dafür
Sprieht klar und laut, dass von den damals aufgefundenen Otolithenarten (11) die
übergrosse Mehrheit Vertreter der Gruppe Gobius waren, während die übrigen der
Gruppe Berycidae angehörten. Von den Gobien ist bekannt, dass sie in den Ufer-
Sewüssern leben, an seichten Stellen, die hohe See meidend — und diese über-
wiegen in den Ablagerungen der böhmischen Bucht. Betreffs der Beryciden, die ich
diesmal sicherstellte, überzeugte ich mich schon früher, dass das Arten sind, deren
Wir im westlichen und nordwestlichen Mähren fast überall begegnen, die aber in
grosser Individuenzahl in den Tiefseeablagerungen anzutreffen sind, während sie in
den Sedimenten des seichten und seichteren Meerwassers selten sind.
6 Nicht minder interessant, als die vorhergehende Thiergruppe, sind die
Östracoden. Ich wiederhole neuerdings, dass der Unterschied, den ich zwischen den
Ostrakoden der Reuss’schen Fauna und der hier citirten kein zufälliger ist, sondern
dass er auf einer festen Grundlage physikalischer Veränderungen ruht. Ich würde
vielleicht diesem Umstande keine grössere Bedeutung beimessen, wenn ich nicht
früher ein ähnliches Verhältnis erkannt hätte, nicht etwa zwischen zwei Faunen
desselben Ortes, die von zwei Autoren gesammelt wurden, sondern zwischen den
‘aunen von Bänken, die aufeinander westlich von Lomnička in Mähren direct auf-
lagen. у ,
| Im Lomnicker miocaenen Schichtencomplexe tritt in dem oberen, gelblichen
Tegel eine Bank weichen Leithakalkes hervor, die bis auf das Dindemittel aus-
schliesslich aus den Schalen der Mikrofauna zusammengesetzt ist, an welcher
Zusammensetzung sich ausser den Foraminiferen, Mollusken, der Hauptsache
Nach, Ostrakoden, betheiligen. Der Individuen- und Artenreichthum derselben ist
Seradezu auffallend gross, so dass ich berechtigterweise die ganze Schichtenlage
arnach benannte. Das eingehende Studium der Ostrakodenfauna dieser Schichte för-
derte zu Tage, dass diese Fauna ihrem Wesen nach ein verstärkter Typus der Fauna
des Tegels ist, der das Liegende der Ostrakodenbank bilde und dass die Fauna
1
V. J. Procházka: Vorläufige Mittheilung über die stratigraphischen und faunistischen
VO TNR 1
x due des Miocaen von Mähren, Sitzungsber. der kgl. Gesellschaft der Wissenschaften. Jahrg.
9. 8, 361,
24
des übergelagerten Tegels nichts — als ein verwandtes Überbleibsel jenes Ostra-
kodentypus ist. Daraus ergiebt sich natürlich, dass die Entfaltung der Ostrakoden
von. den Lebensbedingungen abhängig ist und dass diese, auf demselben Distriete
verschieden, auch eine verschiedene Entwickelung desselben Typus im Gefolge
hatten. Nun ist man im Stande, sich zu erklären, wie es möglich ist, dass A. К.
Reuss in derselben Schichte 23 Arten fand, in der es uns selbst nur glückte,
4 Arten sicherzustellen. Bei dieser Gelegenheit, will ich auch der Grösse der Ostra-
koden gedenken — im Hinblick auf die Anschauung Reussen's von der Zwerghaf-
tigkeit der marinen Arten auf dem Gebiete des böhmischen Miocaens — als eines
wichtigen. Merkmals. Als ich von der vorhergehenden Gruppe sprach, erwähnte ich
dieses Merkmals nicht, dies für eine überflüssige Sache haltend, allein, hier halte
ich es für. vortheilhaft, nachdrücklich daran zu erinnern, dass weder an den Oto-
lithen, noch an den Ostrakoden auch nur ein Zeichen wahrzunehmen ist, das für
die Ansicht Reussen’s sprechen würde. Im Gegentheil ich habe zahlreiche entwickelte
Exemplare entdeckt, deren Dimensionen insofern abnorm sind, als sie grösser sind,
als die normal entwickelten Exemplare aus den südlichen Fundorten des hierlän-
dischen Miocaens. Mit Rücksicht auf diesen Umstand und auf dieses Resultat lege
ich.dem erwähnten Merkmal kein Gewicht bei, später werden wir uns aber auch
überzeugen, dass von irgend einer principiellen Verkümmerung — einige wenige
Arten ausgenommen — nicht die Rede sein kann.
An Gasteropoden ist die diesmal geschlemmte Tegelbank von Rudoltitz
verhältnismässig arm. Diese Thatsache kann kaum als eine zufällige hingestellt
werden, da dieselbe zweimal unter verschiedenen Verhältnissen sichergestellt wurde.
Denn schon Reuss, der die Ausbeute unseres miocaenen Fundortes unter weitaus
günstigeren Umständen vornahm, als dies uns beschieden war, fühlte diesen Rück-
tritt der Gasteropoden im Bereiche des ostböhmischen Miocaens, trotzdem er
denselben nicht besonders hervorgehoben hat. Mit Rücksicht auf dieses, bereits zum
zweitenmale erhaltene, gleiche Resultat sind wir in gewissem Masse berechtigt,
den Rudoltitzer Tegel als arm au Gasteropoden zu erklären.
Mit diesem Merkmale hängt ein anderes, auf den Charakter dieser Fauna
basirtes und nicht minder wichtiges Merkmal zusammen. Haben wir nämlich den
l'aunen-Typus unseres inländischen Miocaen vor Augen: den von Baden, Steinabrunn,
Pötzleinsdorf, Grund, dann den des Schlier, welchen in Mähren die Fauna von Borat,
LaZánky, Drnowic und Pulgramsdorf entspricht, so vermissen wir beim Rudoltitzer
Gastropodentypus vor allem jenen Familien- und Artenreichthum, welcher eben diese
Typen auszeichnet, dann die Entwicklung der charakteristischen Familien wie da
sind: Conus, Ancillaria, Mitra, Columbella, Buccinum, Murex, Pleurotoma und schliess-
lich sehen wir das völlige Fehlen der folgenden Familien: Voluta, Terebra, Cassis,
Cassidaria, Ranella, Typhis, Turbinella, insbesondere Cancellaria, Mathilidia,
Turbo, Trochus, Solarium, Scalaria und Kulima. Nicht einmal in dem Masse, wie
der vollständige Mangel der zuletzt, hier angeführten Familien den Gesammt-
charakter der Rudoltitzter Fauna mit Rücksicht auf die Faunen der oberen Typen
ändert, ändert sich diese Fauna durch das sehr bedeutend reducirte Auftreten der
Familien Conus, Ancillaria, Mitra, Columbella, Buceinum, Fusus, Pleurotoma, denn gerade
das Vorhandensein dieser beschreibt in groben Umrissen den Charakter des Typus
25
we
und deutet jenen Typus an, dem er ähnlich ist, und an welchen er sich am meisten
anschmiegt. Diese Fauna irgend einem jener Haupttypen zu unterordnen, ist nicht
möglich. Da ist blos eine Parallele erlaubt, bedingt durch die gegenseitige Aehnlichkeit
der physikalischen Verhältnisse, unter welchen dieser Typus sich herausgebildet hat.
Und da sehen wir, dass nicht einmal daran zu denken ist, ihn etwa mit dem
Badener Typus zu verwechseln, oder mit dem Grunder, wie dies schon wiederholt
erfolgt ist.
Dem gegenüber weist er noch am meisten Uebereinstimmung mit dem
Steinabrunner Typus auf, jedoch nur mit analogen, aber keineswegs gleichen
Merkmalen.
Ausser dem war ich bemüht gewesen, sicherzustellen, ob und in welcher
Häufigkeit in diesem Tegel brackische Arten vorhanden seien, von denen Reuss an-
führt : Melanopsis impressa, M. tabulata, Nerita picta und Cerithium pictum. Trotzdem
entdeckte ich von denselben nicht die geringste Spur. Eben dieser Umstand be-
Stärkte mich in der Vermuthung, das Reussens Fauna aus dem Rudoltitzer Tegel
vielleicht auch Elemente aus den brackischen Tegeln enthält. Was die Grösse der
Gasteropoden aus dem Rudoltitzter Tegel betrifft, kann ich mit Jess nicht
behaupten, dass sie als Brut erscheinen. Ich habe die Dimensionen ihrer Schalen
Nicht so klein gefunden, dass ich mich dieser Anschauung anschliessen könnte.
Es ist zwar richtig, das einzelne Schalen klein sind, jedoch sind es nicht
alle. Ich habe das Material Reussens in der palaeontologischen Sammlung des Wiener
Hofmuseums gesehen und dasselbe nur deshalb verglichen, um mich hievon so weit
ps móglich war, zu überzeugen und der Eindruck, den ich mitnahm, ist der, dass
dieser Unterschied ein unbedeutender ist u. zw. ein solcher, wie er z. В. zwischen den
Individuen der Art Chenopus pes pelecani aus dem Baden-Vöslauer Tegel und jenen
aus dem Grundner Sand besteht. Und doch ist es bis heute niemandem eingefallen,
die kleineren Grunder Individuen dieser Art als verkümmert anzusehen, dafür die
Srösseren Baden-Vöslauer als normal. Ueberhaupt thut jeder Unrecht, der die
Grösse der Art als irgend ein wichtiges Kriterium ansieht.
j Dasselbe gilt in gewissem Masse auch von den Lamellibranchiaten. Auch
bei diesen ist ersichtlich, dass sie in einem seichten Meerbusen gelebt haben, in
dem die Verhältnisse analog waren jenen des nahen Ufers. An Individuen
Аш reichsten wurde die Art Ostrea giengensis in der Sandschichte befunden. Und
ès ist in der That recht interessant, dass diese Art fast gänzlich verschwunden ist
к очы aus dem Hangenden als aueh aus dem Liegenden der gelben Tegel-
Ан, In, wie ersichtlich, interessanter Umstand, welchen man sorgfältig zu re-
en hat. Was die individuelle Menge betrifft, so gesellt sich zu dieser Art
Corbula carinata, Chama gryphoides, Lucina strigilata und in gewissem Masse
ie Leda nitida. Zu diesen Auseinandersetzungen muss ich gleich hinzufügen,
383 auch die Individuenmenge dieser Arten im Ganzen eine kleine und unter-
Seordnete ist, denn nicht eine einzige zeigt sich im Rudoltitzer Tegel in solcher
SC, dass sie durch die ganze Fauna in besonderem Charakter gegeben wäre,
e Familien- u. Artenvereinigung gleicht in geradezu auffülliger Weise dem Steina-
EN aber auch dem Grunder-Typus. Von diesem unterscheidet sie sich durch
1e Armuth, von jenem dafür durch die Gegenwart der Arten der sandigen Facies.
26
Diese und die Gegenwart der rein uferländischen Art Teredo norvegica sind ein
hinreichender Beweis von der Richtigkeit der zu Anfang der Erórterung über die
Lamellibranehiaten ausgesprochenen Ansicht. Daraus geht hervor, dass das Resultat,
das durch die Untersuchung der Gasteropoden erhalten wurde, sich vollständig mit
diesen Resultaten deckt. Von etlichen Arten sind bisher nur junge Individien ent-
deckt worden. Eines derselben habe ich abgebildet; es gehört zur Art Arca Noae.
Doch ausserdem wurden Individiuen der Art Corbula carinata, die kleiner sind,
als sie gewöhnlich sich an südlichen Fundorten zeigen, sichergestellt. Aber selbst
diese Entdeckung irritirt mich nicht und genügt mir, auch nicht um die früher
ausgesprochene Ansicht zu verlassen.
An Brachiopoden wurde diesmal verhältnismässig wenig entdeckt, Ich ver-
mochte nur eine Art sicherzustellen. Glücklicher war Reuss, dem es gelang, vier
Arten in bemerkenswerther individueller Reichhaltigkeit zu constatiren. Es ist mehr
als einleuchtend, dass auch diese verhältnismässig grosse Menge von Brachiopoden
im Rudoltitzer Tegel mit dem Gesammtcharakter der übrigen Gruppen überein-
stimmt; ist ja doch bekannt, dass der eigentliche Distriet der Brachiopoden die
littorale Zone ist.
Bryozoen finden sich im gelbliche Rudoltitzer Tegel nur spärlich vor. Ver-
treten sind sie durch Arten, die man mit Recht Cosmopoliten im inländischen Miocaen
nennen kann, da wir denselben fast überall begegnen, wo es eine reichere Fauna
giebt. Die Colonien dieser Arten und ihre Zooecien sind normal.
Auch Echinodermaten giebt es daselbst sehr wenig. Erhaltene Individuen
sind eigentlich gar keine vorhanden, denn was von ihnen übrig geblieben ist, das
sind blos die Stacheln und die Ambulakralplatten.
Fügen wir zu den darin diesmal sichergestellten Arten von Seewürmern
(Vermes) die übrigen Arten Reussen's, dann allerdings erhalten wir eine solche
Menge, dass es im inländischen Miocaen bisher keinen Fundort giebt, der sich mit
dem Rudoltitzer messen könnte. Nichtsdestoweniger ist jedoch diese Thierelasse den,
übrigen untergeordnet.
Sie ist so untergeordnet, wie die Korallen, welche ebenfalls viele Arten-
jedoch weniger Individuen lieferte. Ueberaus wichtig ist der Charakter der Korallen.
Schon die blosse Anwesenheit dieser Gruppe überhaupt drückt der ganzen Fauna
des Rudoltitzer Tegels den rein marinen Charakter auf. Ein bestimmtes Licht
wirft jedoch auf sie das Verhültnis der Einzelnpolyparier zu den Stockbildnern.
Jene überwiegen, diese treten zurück. Mit diesem wichtigen Merkmale hängt noch
ein anderes zusammen, d. i. dass die riffbildenden Arten zu unbedeutenden
Dimensionen heranwachsen, gerade so, wie wir dies bei den aus dem Tegel der
Steinabrunn- Drnowicer und Baden -Borater Facies stammenden Korallenstöcken
kennen gelernt haben.
Nicht minder interessant als diese Gruppen sind die Foraminiferen. Sie fesseln
unsere Aufmerksamkeit einerseits durch «den Arten- und Individuenreichthum,
andererseits durch die Arten- und Familiengruppirung. In dieser Richtung ist bemer-
kenswerth, dass wir da fast dieselbe Familiengruppirung und Familienentwickelung
haben, wie beispielsweise in den benachbarten mährischen Distrieten, auf dem
Gebiete des Mührisch-Trübauer Tegels. Auch hier drücken die Gruppen Kotalina,
№
=з
Bulimina, Polystomella und theilweise auch die Тех шага der Fauna eine eigen-
thümliche Charakteristik auf, welche den Ufersedimenten zukommt, deren
Molluskenfauna so unbedeutend ist, als ob sie decimirt wäre,
Anders verhält sich dies mit der Artengruppirung. Dieses ist frei. Man
würde sich täuschen, wenn man vermuthen wollte, dass die Ablagerungen derselben
Facies dieselben Arten enthalten müssen. Wenigstens habe ich etwas ähnliches
noch nirgends gefunden und doch erreicht die Zahl der Fundorte, die ich bis jetzt
untersucht habe, eine bedeutende Höhe. Doch damit ist nicht gesagt, dass die
Fauna derselben Facies nicht dieselben und gemeinschaftlichen Grundzüge hätten.
Und gerade diese muss man beachten, sollen unsere Schlussfolgerungen
klar und richtig sein. Diese trüben sich, wenn wir jener nicht achten und uns,
in Details einlassend, an der Fauna derselben Facies aber von verschiedenen
Stellen, absolute Identität verlangen. Auf Grund dieser Auseinandersetzung ist das
Endurtheil über den Charakter der Facies des Rudoltitzer Tegels nicht schwierig.
Es ist auch dann nicht schwer, wenn wir blos Rücksicht auf seine Gruppen nehmen,
die seit jeher als „leitende“ angesehen werden, d. i. in erster Reihe, auf die
Gasteropoden und Lamellibranchiaten, denn auch diese Gruppen werden uns zu
demselben Ziele führen, nach dem der Gesammtcharakter des Rudoltitzer Tegels
80 bedeutungsvoll hinweist.
Berücksichtigen wir jedoch nach dem bisher beliebten Modus nur die
Mollusken, so kann man auch dann zu keiner anderen Anschauung gelangen, als
dass der Rudoltitzer Tegel weder in die Badener noch Grundener oder gar
Schlierer Facies gehört, sondern dass er noch die meisten gemeinsamen Merkmale
mit der Steinabrunner Facies aufweist, mit der er isochron und parallel ist. Diese An-
Schauung, welche ich als die einzig riehtige und mögliche halte, erhärtet in vollem
Masse der Charakter der Korallen, theilweise auch der Bryozoen, Foraminiferen,
der Ostrakoden, Brachiopoden und Fischotolithen. Mit einem Worte, der gesammte
Zuschnitt und Charakter dieser Fauna giebt unwiderlegliches Zeugnis dafür, dass der
gelbliche Rudoltitzer Tegel in einer Meeresbucht abgelagert wurde, in welcher an
dieser Stelle etwa ähnliche physikalische Verhältnisse bestanden haben, wie sie die
teinabrunner Facies kennzeichnen, doch von dieser sich durch Merkmale unterschie-
den, die auf der Verschiedenheit der Örtlichkeit und des Milieus basirten. Allerdings,
wer dem Gesammtcharakter der Fauna kein Gewicht beilegt und nur einige Thier-
Classen berücksichtigt und von diesen wieder nur etliche Gruppen, der gelangt
freilich zu der Anschauung, dass der Rudoltitzer Tegel mit dem Grunder Horizont
tsochron ist u. dergl.
Thomigsdorf.
Es ist nur eine ganz natürliche Sache, dass wir, indem wir die Wichtigkeit
B nee Gestaltung des Rudoltitzer Tegeldepöts kennen gelernt haben,
a | sind, zu erfahren, in welchem Verhältnisse zu demselben die Nachbar-
ezirke: Thomigsdorf, Lukau und Landskron stehen. Dabei ist klar, dass ich das
Verhültni А ; \
hültnis der rein marinen Sedimente zu den brakischen im Auge habend, sofort
28
aus dem Rudoltitzer Distriete nach dem Thomigsdorfer überging, da derselbe in
unmittelbarer Nähe, an der Seite der brackischen Bezirke liegt.
Betreff: dieses Tegeldepóts ist auch nicht der geringste Vermerk vorhanden.
Was wir über ihn wissen, das danken wir ausschliesslich К. Wolf und J. Krejčí,
die ihn entdeekt und auf ihren geologischen Blättern verzeichnet haben. Auf
denselben ist er als kleiner elliptischer Bezirk verzeichnet, mit seiner Längsachse
über die Bahutrace gelegt und im Westen von dieser über Hutweide die bis zum
Walde reichend. Nach dieser Angabe müssten sich auf jener ganzen Strecke
miocaene Tegel vorfinden. Ob sie dort thatsächlich überall sind, weiss ich nicht,
denn ich konnte sie nicht aufstóbern, im Gegentheil; ich fand diese ganze Fläche
mit einer Geröllanschüttung bedeckt, die sich zu beiden Seiten der Trace im
Bereiche des Wächterhauses Nr. 262 ausbreitet.
Gelbliche Tegel stellte ich nur in den Schluchten des Fahrweges, der von
Thomigsdorf nach Rathsdorf führt u. z. dort fest, wo dieser die Bahntrace kreuzt. Der
dortige Tegel ist dem Rudoltitzer bis zur Auffülligkeit àhnlich, soweit der àussere
Habitus in Betracht kommt. Sein Rückstand besteht aus feinem Quarzsand, in dem
man bisher vergeblich nach Petrefacten suchte.
Lukau.
Von demselben Schicksale, wie das Thomigsdorfer, war das Lukauer Tegel-
depóts betroffen; man wusste bis zu diesem Augenblicke über dasselbe nichts mehr,
als dass es einen kleinen, schmalen Streifen einnimmt, fast parallel mit dem
Dorfe, von der Landskroner Strasse bis zur Eisenbahntrace sich hinziehend.
Der Charakter dieser Neogeninsel war sowohl A. Wolf, als auch J. Krejčí
unbekannt.
Auch im Bereiche dieses Depôts überzeugen wir uns, dass die Erforschung,
wie überall anderswo, auch hier die Decke jungen Gerölles und diluvialen Lehms
erschwert. Diese begleiten uns überall, wohin wir auch — nach Westen oder
Norden — aus dem seichten Bacheinschnitt heraustreten. Trotzdem sind sie nicht
im Stande, uns den Einblick in die Verbindung mit dem nachbarlichen Thomigs-
dorfer Depót zu verschleiern. Ich glaube nämlich fest, dass der hiesige (Lukauer)
Miocaendistrict direct mit dem Thomigsdorfer, unter der erwähnten jungen Decke
zusammenhängt und dass er nur dort zu Tage tritt, wo das Bachbett diese Decke
durchbrochen hat. Auch hier giebt es kein Plätzchen, wo es möglich wäre, sich zu
überzeugen, von welcher Mächtigkeit der miocaene Tegel ist und welches sein
Grundgebirge, ob etwa permischen oder eretaeischen Alters.
Der hiesige miocaene Tegel ist dadurch interessant, dass er sich durch
seinen äusseren Habitus einigermassen vom Thomigsdorfer Tegel unterscheidet,
dann aber insbesondere dadurch, dass er eine reiche, überaus wohlerhaltene Mikro-
fauna birgt. Von Farbe ist er nämlich lichtblau, solange er frisch ist, ist er fast
schwarz; er ist jedoch fein, plastisch und hinterlässt beim Schlemmen eine geringe
Menge feinen Quarzsandes und Detritus von Bruchstücken des Pläner.
Welch’ reiche Fauna er birgt, geht aus dem weiter unten angeführten Ver-
zeichnisse hervor,
Fauna des Lukauer Tegels.
Pisces. Nodosaria venusta, Rss. . . . . . hh
, ^
Otolithus (Berycidarum) pulcher, : Gem О. E
BE e ^ jouéana, QUTD e RIS
e semirugosa; d'Orb. <: RR
Ga Cen e " (D) lafe WE RSS. o 0.28
і ii (Юаш а HEES
Bairdia subteres, Rss. . . . . . . 8 à (D) scabra, Rss.. . . . hh
iere Hystrix; Re. eo . . . 7 Margulina Hoernessi, Rss. . . . .hh
^ Sms СО. rn. SS
Gasteropoda. Cristellaria minima, Katt. . . . . 8
Cerithium spina, Partsch . — . . . ss n calcar, d’Orb.. . . . .hh
М scabrum, Olivi . . . . 88 Б intermedia, d'Orb. . . h
NP E Bebo suos s M " inornata, d'Orb.. . . . ss
Turritella turris, Bart.. . . . - . 88 » depauperata, ТО. . . s
Polymorpha problema, d'Orb. . . . h
Echinodermata. Y d inequalis, Rss. . . . . 88
EE eus р 2 dn Globigerina bulloides, d'Orb. . . . s
М bulloides var. triloba, Rss. s
Pullmia sphaeroides, d'Orb. sp. . . hh
Foraminifera. | Si dE
t Truneatullina Haidingeri, d'Ord. . . s
Textularia curati ШО, S Л Н Dutemplei, d'Orb. . . hh
Bulimina ШШШ. ШОР ы а эү e praecincta, Karr. sp. . hh
» ovata, d'Orb. . . Lon CD Anomalina Bedense, d'Orb.. . . . hh
„ —aculeatà, Ore . . . . h Epistorina Partschiana, d'Orb. sp.. h
m... ‚Bucheana, dOrb. . . . . вв Rotalia Soldanii, d'Órb. . . . 8
Virgulina Schreibersiana, CZiz. . . h ». peccati, LIONO SD s. v. os 8З
olivina robusta, Brady . . . . . 88 Nonionina communis, d'Orb. . . . hh
Bolivina punctata; DEEG 7 umbilicata, Mont. sp.. . 8
Die Fauna dieses Tegels ist nach vielen Richtungen hin interessant. Vor
allem fesselt sie unsere Aufmerksamkeit dadurch, dass ihr Gesammtcharakter
ebhaft an die Fauna des Grossopatowitzer und Mährisch-Trübauer Tegels erinnert.
lé stimmt mit dem letzteren theils darin überein, dass sie wenig Gasteropoden
und Lamellibranchiaten aufweist, dann, dass sie ebenfalls genügende Mengen Ostra-
toden enthält, demgegenüber aber weicht sie von demselben andererseits ab, als
" eine stark entwickelte Gruppe von Foraminiferen (d. i. an Individuen reichste
rten), in welcher die Gattungen: Bulimina, Bolivina, Nodosaria, Cristellaria und
CORN überwiegen, enthält, Indem ich mir diese Merkmale vor Augen halte, überlege
„einen Augenblick, die Fauna des Lukauer Tegels mit der Fauna des Mährisch-
nur a Gross-Opatowitzer für isochron zu halten, in welcher man dann die
ü Wen, я еп Glieder unserer ostböhmischen Faunen des marinen Miocaen mit den
eichen Faunen der west- und südmährischen sowie niederösterreichischen
egel zu erblicken hat. Daran knüpfe ich gleichzeitig die Bemerkung, dass in vielen
30
Füllen der Charakter unserer ostbóhmischen miocaenen Faunen unklar und ihre
Beziehung zu den Faunen der südlichen Gebiete unerklärlich bliebe, wenn man
nicht in erster Linie auf die gegenseitigen Beziehungen der Faunentypen und ihr
Ineinandergreifen Rücksicht nehmen wollte. Diese zeigen uns den richtigen Weg,
den wir einzuschlagen haben und wie die oft in Halden angehäuften Facta gesondert
werden müssen, deren blendendes Durcheinander so manchen vom festen Boden
auf das schwankende Gebiet der Vermuthungen irregeführt und verführt hat.
Ziegenfuss.
Auf der alten, geologischen Karte der geologischen Reichsanstalt, auch
auf der geologischen Karte der Pardubitz-Landskroner Umgebung des Professors
J. Krejéí ist südlich des genannten Dorfes ein Inselchen miocaener Tegel ver-
zeichnet. Im Hinbliek auf den nicht entlegenen, miocaenen Lukauer und auch Rei-
chenauer District (auf mährischem Boden) schloss ich, dass ich vielleicht auch dort
diese Ablagerungen antreffen werde. Und thatsächlich fand ich daselbst am süd-
lichen Ende des Dorfes im Abhang des Feldweges gelbgraue Tegel, welche jedoch
auf mich denselben Eindruck machten, wie die gelblichen Tegel vom Kreuze hinter
Landskron. Das war jedoch noch immer nicht hinreichend, zu entscheiden, welchen
relativen Alters sie seien. Die Antwort auf diese Frage ertheilte später der Schlemm-
rückstand. Dieser setzt sich zusammen aus feinem, quarzigem Sande und aus einer
bedeutenden Menge von Gesteins-Bruchstücken der Kreideformation (festen Sand-
steines und Opuka). Petrefacten wurden in demselben keine gefunden. Der petro-
graphische Charakter dieses Tegels und die absolute Armuth an Petrefacten zwingen
mich, ihn in die Gruppe jüngerer Tegel einzureihen, als es die miocaenen sind.
Er gehört etwa zur Gruppe jener Tegel, die ich in der Landskroner Umgebung
sicherstellte, nördlich von Ob.-Johnsdorf, dann zwischen Rothwasser und Vermirovic
und endlich in der Umgebung von Wildenschwert, die auf den typischen miocaenen
Tegeln liegen.
Landskron.
Über den Landskroner miocaenen Distriet berichtete zuerst im Jahre 1862
Н. Wolf.') Sein Bericht lautet, ganz kurz gefasst, dahin, dass durch die dortige
Gegend, gegen Norden zu, miocaene Tegel laufen. Seit jener Zeit, bis zum ver-
flossenen Jahre, wurde seiner keine Erwähnung gethan. Und der im verflossenen
Jahre publieirte Bericht gleicht jenem Wolfs, wie ein Ei dem anderen; denn selbst
Dr. E. Tietze?) verzeichnet in seinem Berichte, mit Ausnahme dessen, dass er da-
selbst miocaene Tegel sichergestellt hat, nichts, auch nicht die kleinste Bemerkung,
dass er in diesem Tegel eine Fauna constatirt hätte.
Auf dem geologischen Kartenblatte von H. Wolf und auf dem des Prof.
J. Krejéí sind dann diese Ablagerungen als drei schmale, lange Streifen verzeichnet,
1) H. Wolf. Loc. cit. 1861—09. 8. 304.
2) E Tietze. Loc. cit. 1893. S. 263.
31
von welchen die beiden nördlichen durch die Stadt laufen, von Nordwest gegen
Südost, bis fast nach Sicheldorf.
Von diesen beiden Streifen zweigt sich dann ein dritter Streifen ab, der
über Schlossberg nach Süden lauft. Diese Abgrenzung des Landskroner Miocaen's
ist in gewissem Masse willkürlich, es gilt das namentlich vom óstlichen Theile. Nur
Soweit es sich um das kleine Thal handelt, in dessen südlichem Theile sich ein
Teichlein ausbreitet, habe ich die Verhältnisse so vorgefunden, wie sie die Karte
Wolfs registrirt. Allerdings, stellen wir uns auf den Standpunkt, dass es unerlässlich
Sei, von der jüngsten Schichtenhülle zu abstrahiren, falls es sich darum handelt,
eine bestimmte Abgrenzung der unter derselben gelagerten Schichten vorzunehmen,
dann freilich entspricht das neogene Gebiet der Umgebung von Landskron, wie
es in der erwähnten geologischen Karte abgesteckt ist, der Wirklichkeit. Ich er-
wähne dies hier nur deshalb, um den Leser, der sich nach jenen Karten richtet,
von der Vermuthung abzulenken, dass er in der Umgebung von Landskron ver-
hältnissmässig grosse und leicht zugängliche Distriete von miocaenen Tegeln vor-
finden werde. Er wird dort nicht mehr als an den bezeichneten Stellen offene, da
grössere, dort kleinere Einschnitte, überhaupt blosgelegte Stellen finden, wo der Tegel
Zu Tage tritt.
Indem wir diese Tegel prüfen, müssen wir sorgfáltig darauf achten, nicht
früher in unserer Arbeit innezuhalten, als wir uns nicht überzeugt haben, dass
der angetroffene Tegel factisch ein miocaener ist. Denn nicht alle Tegel sind
dieser Gegend miocaenen und marinen Charakters. Welche von ihnen schon
heute mit Bestimmtheit als miocaene erachtet werden kónnen, darüber belehrt uns
der Einschnitt in der Ziegelei, nordwestlich von der Stadt, an der Strasse, die von
Landskron nach Wildenschwert führt. Trotzdem der Einschnitt hier selbst ziemlich
Seicht ist, finden wir ihn doch belehrend. Als ich mich in demselben befand,
8ruben die Ziegelmacher in die Tiefe, um, wie sie behaupteten, einen für die Er-
Zeugung der Ziegel guten Lehm zu fördern. Sie gruben in schwarzem, feinerem
Tegel, doch von weniger fetter Beschaffenheit, der aber dafür reich uud voll kleiner
Glimmerblättchen (Museovit) war. Der Gesammtcharakter dieses Tegels war mir, als
ich seiner ansichtig wurde, auffällig, und ich vermuthete, dass er miocaen sei, der-
selbe etwa, den früher Æ. Wolf und nach ihm Æ. Tietze als neogen betrachteten.
Aber ich war darüber nicht hinreichend instruirt, da ich die erforderlichen Belege
Dicht hatte, denn es gelang mir nicht, auch nur eine Spur von Petrefacten zu ent-
decken, trotzdem ich eifrig nach ihnen forschte.
Auf diesem Tegel, dessen Mächtigkeit abzuschätzen mir nicht möglich waı
liegt ein grauer Tegel, stellenweise bis ins Grüne gehend, gleichfalls plastisch wech
fest, jedoch ohne Glimmerblüttchen beigemengt zu enthalten. Im Hangenden dieses
Tegels wurde schliesslich eine schwache Schichte von Diluviallehm constatirt.
Es ist natürlich, dass die Entscheidung der Frage hinsichtlich des Alters
der erwähnten Tegel der Prüfung ihres Schlemmrückstandes überlassen werden
Musste, Auf diese Weise wurde sichergestellt, dass der Schlemmrückstand des
rauen bis grünlichen Tegels zusammengesetzt ist aus feinem Quarzsand, vermengt
mit Bruchstücken des Gesteinsarten aus der Kreideformation, in dem es nicht
82
móglieh war, auch nur eine Spur von Petrefacten festzustellen, trotzdem alles berück-
sichtigt wurde, was sie hätte aufdecken können.
Ein grösseres Interesse erweckte das Schlemmproduet des dunklen Tegels
der unteren Bank.
Dieses besteht ebenfalls aus feinem Quarzsand, jedoch ohne Detritus der
Gesteinsarten der Kreideformation, in dem verhältnismässig genug, durchwegs
vortrefflich erhaltener Foraminiferen entdeckt wurden. Das vollständige Verzeichnis
folgt hier:
Echinodermata. Globigerina bulloides, d'Orb. . . 8
ШАО. а ы з ee E Pullenia sphaeroides, d'Orb. . . 8
Truncatulina Haidingeri, d'Orb. . . s
Foraminifera. * Dutemplei, d'Orb. . . s
Textularia carinata, d'Orb. . ~ 22. 88 Anomalina Badense, d'Orb. . . . . ss
Bulimina pupoides, d'Orb. . . . . 88 Pulvinulina Partschiana, d'Orb. . . s
^ ОША АКО ..@ Rotalia beccarii, Linné sp. . . . . 8
Nedosaria (D) scabra, d'Orb. . . . h Nonionina communis, @ О. . . . 8
Nach meinen bisherigen Erfahrungen, Ceren Resultat hier oben angeführt
ist, ist die Fauna dieses Landskroner Tegels arm. Sie ist blos beschränkt auf ganz
bedeutungslose Reste von Echiniden und eine ziemlich kleine Gruppe von Fora-
miniferen. Diese letztere, trotzdem sie arm ist, enthält doch alle grundlegenden
Züge der Physiognomie der Foraminiferen-Gruppe des Rudoltitzer und Lukauer
Tegels. Um betreffs dessen eine klare Ansicht zu erhalten, genügt es vollkommen,
dass wir diese Faunen mit einander vergleichen und vor allem sicherstellen, dass
die hier in Rede stehende Fauna die Vertreter fast aller Familien enthält, welche
in jener Fauna (d. i. der Lukauer und Rudoltitzer) eine gróssere Entfaltung finden.
In der Umgebung von Landskron nach aufgedeckten miocaenen Tegeln
forschend, stiess ich auf gelben, in der Böschung durchschnittenen Tegel, und
zwar unter dem Kreuze, das am mittleren Wege steht, der vom ersten Teiche zu
dem nach dem Schlossberge führenden Fahrwege sich hinzieht Diesen interessanten
Tegel erkennen wir sofort als identisch mit dem oberen Tegel aus der Ziegelei;
derselbe ist nämlich ebenfalls plastisch, fein und ohne grössere Petrefacten. Es
gelang mir nicht, sein Grundgebirge sicherzustellen, es ist mir daher nicht möglich,
über seine Möchtigkeit sichere Daten mitzutheilen, woraus folgt, dass wir nicht
wissen, von welcher Mächtigkeit er ist.
Auf demselben liegt eine verhältnismässig starke Schotterbank, zum grössten
Theile aus Quarzgeschiebe zusammengesetzt. Diese Schotterbank gleicht, was ihren
Charakter anbelangt, den ziemlich ausgedehnten und mächtigen Schotterschichten
nördlich von Johnsdorf, die fast auf dem ganzen Terrain, das sich zwischen diesem
Dorfe und Rothwasser hinzieht, ausgebreitet sind.
Der Schlammrückstand dieses Tegels ist, wie derjenige des grauen Tegels
aus der Ziegelei, zusammengesetzt aus feinem Quarzsand und aus Detritus von
Gesteinsarten der Kreideformation. In diesem wurden Petrefacten entdeckt, jedoch
nur solche der Kreideformation und nicht, wie wir erwarten würden, der miocaenen.
33
Aber auch von dieser habe ich wenig entdeckt, nur zwei an Individuen arme
Arten; es sind dies: Bulimina ovulum Rss. und Textularia sp.
Ich habe diesen Tegel deshalb hier angeführt, weil er manchen zur An-
Schauung verleiten könnte, dass er ein miocaener sei. Wäre er es in der That, so würde
er wenigstens eine spärliche miocaene Fauna, oder doch Spuren derselben enthalten.
Welchen Alters er ist, ist heute noch nicht rathsam zu sagen. Sicher ist jedoch,
dass er den Schottern näher steht, als den miocaenen Tegeln und dass er einem
Horizonte angehórt, dem die Tegel von Ziegenfuss, Johnsdorf und Wildenschwert
Subsummirt werden. Von diesem Fundorte gehört hierher jener gelbe Tegel, welcher
die dortigen, mächtigen Schotterbänke unterteuft und in der Ziegelei nordwestlich
von der Stadt im Hangenden des dunkelblauen miocaenen Tegels zu Tage tritt.
Unter- und Ober-Johnsdorf.
Nördlich von Ober-Johnsdorf hat К. Wolf und nach ihm J. Krejčí miocaene
Tegel verzeichnet, die sich von dem letzten Hänschen des Dorfes bis fast zum
Triangulirungspunkte 501 und zum Wallfahrtsorte Mra. Zell ausdehnen.
Eigentlich schon als ich durch das Johnsdorfer Thal nach Rothwasser
gieng, stiess ich da und dort auf gelbe, weiche Tegel, die den Landskroner und Wilden-
Schwerter Tegeln ähnlich, ja fast mit ihnen identisch waren. Jedoch waren sie
nirgends so schön aufgedeckt, als in der Nähe der nördlichen Spitze des Dorfes
Ober-Johnsdorf, wo über allen Zweifel ersichtlich war, dass diese Gebilde mit
Schotter- und Sandbünken abwechseln, dass sie also, wie К. Wolf und J. Krejei
riehtig erkannten, jünger als das Miocaen sind.
Nach dieser Erfahrung ist es nur natürlich, dass ich sehr neugierig auf das
Johnsdorfer miocaene Depót war. Der Zufall wollte es, dass ich in dasselbe nach
einem Wolkenbruch kam, der nicht nur am Getreide, sondern auch an den Feldern
bedeutenden Schaden verursachte. In den durch den Wolkenbruch ausgewaschenen
Furchen des Bodens konnte man besser, als anderswo das Verhältnis dieser weichen
Tegel zu den dieselben überlagernden Schotterschichten wahrnehmen, deren Mäch-
tigkeit in der Umgebung des Wirthshauses und der Calvaria, als auch der gegenüber-
liegenden, rechts von der Strasse sich erhebenden Anhöhe das Maximum erreicht.
Was den Schotter anbelangt, war mir schon im Terrain klar, dass er dem marinen
Miocaen nicht angehört. Betreffs der hier sich vorfindenden grauen Tegel war ich
jedoch nicht im Stande, mich so rasch zu entscheiden. Nicht einmal der Umstand,
dass sie mit grobem Sande abwechseln, konnte mein Urtheil beschleunigen. Die richtige
Antwort erwartete ich daher von der Untersuchung des Schlemmrückstandes. Dieser
Wurde sorgfältig durchsucht und führte zu demselben Resultate, wie der des Lands-
kroner Tegels, d. h. dass diese Tegel, die gleichzeitig mit Schottern auftreten, jünger
Seien, als die miocaenen Tegel mit typischer mariner Miocaenfauna. Von dieser ist
in denselben aüch nicht eine Spur, und falls sie überhaupt irgendwelche Petrefacten
enthalten, sind es stets nur Arten der Kreideformation.
Zu diesem Urtheil über den sogenannten miocaenen District von Ober-
Johnsdorf bin ich nach eingehender Durchforschung des ganzen Terrains gekommen,
3
84
das sich zwischen Ober-Johnsdorf und Rothwasser dahinzieht. Nicht einmal in
tieferen Einschnitten habe ich die typischen marinen Tegel zu entdecken vermocht.
Ob sie K. Wolf und J. Krejčí gefunden, weiss ich micht: sie haben uns darüber
keinerlei detaillirteren Bericht hinterlassen. Auch zweifle ich nicht, dass irgendwo
im Liegenden der hiesigen Schotter und des'groben Quarzsandes echte, marine, miocaene
Tegel sich ausbreiten, denn sonst liesse sich der Zusammenhang des miocaenen
Depóts von Rothwasser mit dem von Landskron gar nicht erkláren. Aber die d. z. Ver-
hältnisse nördlich von Ober-Johnsdorf gestatten uns nicht, von einem selbständigen
miocaenen District zu sprechen, nachdem dort diese Ablagerungen weder in ihrer
typischen Entwickelung, noch fosillführend zu Tage treten.
Rothwasser.
Nachdem ich diese Verhältnisse in der Umgebung von Ober- und Unter-
Johnsdorf kennen gelernt hatte, war es mir sehr daran gelegen zu erfahren, wie
sich dieselben in dem Gebiete von Rothwasser gestalten werden, und dies um so
mehr als А. Wolf und später J. Krejčí südlich und nördlich des Dorfes marine
neogene Sedimente festgestellt und auf ihren Kartenblättern ausgeschieden haben.
Bis zum nördlichen Abhang der Calvaria reichen die Schotter herab,
ja bis an den Fuss dieser Anhöhen lassen sie sich verfolgen, und wir bemerken,
dass sie auch in der Nähe des Dorfes unbedeutende Reste bilden. Unter diesen
Schotterschichten treten im Abhange an zahlreichen Stellen gelbliche, bis grünliche
Tegel zu Tage, welche jedoch im Thale plötzlich verschwinden, um sich erst westlich
vom Teiche in einem Complex sich auszudehnen, der sich nach Westen bis in den
Wald hinzieht. Die Grenze dieses Tegels scharf zu bestimmen ist man unter den
d. z. Verhältnissen nicht im Stande. Auch die Mächtigkeit dieser Ablagerungen lässt
sich genau nicht festellen, doch kann man sie mit Rücksicht auf das Grundgebirge
unschwer abschätzen, namentlich, wenn alle Umstände dafür sprechen, dass sie
auch hier unbedeutend ist. Schön aufgedeckt fand ich diesen Tegel im Strassen-
einschnitt, der vom Rothwasser nach Dittersbach führt. Der dortige Tegel ist gelb-
lich, fein und plastisch, im Wasser schwer löslich. Beim Schlemmen hinterlässt er
oine bedeutende Menge groben Sandes und kleine Bruchstücke von Gesteinsarten
der Kreideformation. Seine Fauna ist spärlich, jedoch schön erhalten. Sie besteht
blos aus Foraminiferen. Ihr Charakter tritt in diesem Verzeichnisse auf:
Foraminifera.
Textuläria carinata, d.Orbo oid ovv S8 Truncatulina Dutemplei, d'Orb. . . 8з
Bulmmna auus. СОШО EN Anomalina Badensis, d'Orb. . . . . 88
Ausser diesen miocaenen Arten wurden auch die Gehäuse einer der Kreide-
formation angehórenden Art Rotalia umbilicata var. nitida Rss. ausgeschlemmt.
Einigermassen interessanter als der Tegel des südlichen Depóts von Roth-
wasser, ist der im Abhang an der Strasse nördlich von Rothwasser aufgedeckte Tegel.
85
Es ist dies der erste auf bóhmischem Terrain sichergestellte Fundort, wo-
selbst es möglich war, zu beobachten, von wo denn das Muttergestein der miocaenen
Tegel Ostböhmens herstammt. Auf diese Frage gibt die Fauna des Schlemm.
rückstandes der hiesigen Tegel eine befriedigende Antwort. Sie ist aus zwei verschie-
denartigen Elementen zusammengesetzt: aus dem Kreideformationsty pus (der Priesener
Stufe) und aus dem miocaenen Typus. Daraus geht hervor, dass das Muttergestein
dieser Tegel kein anderes ist, als das der harten Mergel der Priesener Stufe. Wie er-
sichtlich, ist diese Erkenntnis für denjenigen wichtig, dem die Aufgabe zufällt, das
ostbóhmische Neogengebiet zu studiren, oder das Alter der dortigen Tegel zu
bestimmen hat und die Grenze zwischen der Miocaenformation, dem Diluvium
und Alluvium ziehen soll. Dass das keine leichte Sache ist, beweist das früher
hier angeführte. Dass hiezu grosse Vorsicht und einige Erfahrung nothwendig ist,
Sehen wir an der Sache selbst. Diese Umstände erschweren über alle Erwartung
die der Erforschung des Ursprungs des Gesteinsmaterials der miocaenen, diluvialen
und alluvialen Bänke gewidmete Arbeit. An zahlreichen Stellen unseres weiten Ge-
bietes weicht das Wasser die Priesener Mergel auf, lóst sie, um sie an anderem
Orte wieder abzulagern, ein Process, der seit der älteren Tertiaerperiode unaufhörlich
bis auf den heutigen Tag dauert. Auf das diesen Schichten entrissene, dem Meere
Zugeführte und wieder abgelagerte Material, setzten spüter die Tageswüsser ungestórt
und unaufhórlich neue verwitterte Masse ab, auf diese Weise eine gleichmässig ent-
Stehende Schichte bildend. Es ist daher natürlich, dass Dr. J. J. Jahn, auf dem
Chotzen-Leitomischler Gebiete mit geologischen Aufnahmen beschäftigt, sämmmtliche
der dortigen aufgeweichten Mergel der Priesener Stufe als miocaene erklürte. Aller-
dings belehrte uns die Fauna dieser Ablagerungen eines anderen.
Auch auf diesem Gebiete haben wir sorgfältig auf die Fauna zu achten,
Sobald wir das Alter der dortigen weichen Tegel und Mergel abgrenzen und fest-
stellen wollen.
Diese treten nördlich hinter dem Dorfe Rothwasser im Abhang rechts,
oberhalb der Strasse auf, wenn wir nach Wetzdorf gehen, u. z. gerade dort, wo
die Strasse etwa 20 Schritte in die Rothwasser-Wetzdorfer Niederung einbiegt.
Sie sind den weichen, im Wäldchen bei Wetzdorf aufgedeckten Tegeln sehr
ähnlich und erinnern an die harten Mergel der Priesener Stufe, die in demselben
Abhang zu Tage treten.
Die Durchforschung dieses Fundortes erheischt strenge Sorgfalt und Umsicht.
Zu einem solchen Vorgang fordert das Verhältnis des dortigen marinen Tegels einer-
Seits zum Thaltegel, andererseits zu den anstehenden Priesener Schichten und
Schliesslich zu dem Material, das durch Verwitterung aus denselben entstanden ist.
Der hier im Abhang an der Strasse auftretende Mergel, welchen ich
anfänglich in dieselbe Gruppe reihte, wie den gelben Tegel von Landskron und
Wildenschwert, der sich jedoch, wie später bewiesen werden wird, als solcher
nicht darstellt, sondern älter ist, löst sich im Wasser sehr schwer, ist von licht-
Srauer Farbe, im frischen Zustande plastisch und fett, dagegen ausgetrocknet
ziemlich hart. Sein Schlemmrückstand besteht aus feinem Sande und groben Bruch-
Stücken von Gesteinsarten der Kreideformation, in denen der Plüner und feinkórniger
Sandstein überwiegen.
3*
Die Fauna dieses Mergels besteht, wie hier schon früher erwühnt wurde,
aus zwei heterochronen Elementen. Das eine, reichere und interessantere, verlegt
die Entstehung dieses Gebildes in die Periode der Priesener Stufe, das zweite aber
spricht dafür, dass diese Sedimente erodirt, dann translocirt wurden, worauf ihre
neuerliche Ablagerung durch das miocaene Meer erfolgte.
Die Fauna dieses miocaenen Tegels ist eine spärliche. Ihren Charakter
gibt das hier angefügte Verzeichnis in groben Umrissen an.
Ostracoda. Lamellibranchiata.
jairdia heterostigma, Rss. . . . . 88 ерам р na eth мр ieu" Venen ВВ
VIAU SUI ORAS: ae дыз ИЕ
Gasteropoda. Foraminifera.
ДСО SUV, SM ER EEN Oristellarià cultrata, Lamk.. . . . 8
Ceribium «теба Ben... gs б ORICAT, AE OTOSTEN a N
Aus diesem Grunde ist es bisher nicht möglich, mit Bestimmtheit zu
cntscheiden, welche von den vier diese Fauna bildenden Thiergruppen in derselben
überwiegt. Ob es in Zukunft gelingen wird, ist jedenfalls fraglich; das weiss ich
jedoch, dass im positiven Falle es dann nicht schwer wäre, das Verhältnis genau
anzugeben, in welchem diese Fauna zu unseren marinen und brackischen Faunen-
typen steht. Die heutigen Umstände sprechen dafür, dass wir in der vorliegenden
Fauna die Charakteristika beider Typen vermischt vor uns haben, denn der Cha-
rakter der Foraminiferen entspricht dem marinen Typus, während die Anwesenheit
der Arten: Cerithium pictum und Bairdia heterostigma mit dem brackischen Typus
correspondirt. Es wäre vielleicht richtig, wenn wir den brackischen Merkmalen
Gewicht beilegten und den Distriet von Rothwasser als einen brackischen procla-
miren würden, worin uns auch das Verhältnis dieses Gebietes zu den übrigen Ter-
ritorien unterstützen würde, aber wir finden es nicht für rathsam und möchten
derartiges nicht empfehlen; im Gegentheile, die bisherigen Erfahrungen zwingen
uns die ganze Frage lieber ungelóst zu lassen.
Um meine Erórterung betreffs des palaeontologischen Inhaltes der Tegel von
Rothwasser zu ergänzen, führe ich hier auch sein zweites Element an,d. i. die Fauna
der Mergel der Priesener Stufe.
Ostracoda. Nodosaria divergens, Pern.
Cythere Karsteni, Rss. i Zippei, Rss.
Oytherella ovata, Rss. Cristellaria ovalis, Rss.
Bryozoa. y rotulata, Rss.
o Frondicularia angulosa, Rss.
lilisparsa simplex, Rss.
К cf. mierosphaera, Rss.
Foraminifera. » inversa j Rss.
Lituola cylindrica, Per. o striatula, Rss.
Haplostiche clavulina, Rss. 5 cf. coronata, Pern.
Nodosaria oligostegia, Rss. Globigerina cretaeca, d'Orb.
pseudochrysalis, Rss. Rotalia umbilicata var. nitida, Rss.
D
д
Wie aus diesem Verzeichnisse erhellt, ist diese Fauna verhältnismässig
reich genug. Uns interessirt augenblicklich mehr als ihr Charakter der Umstand,
dass die Gehäuse ihrer Arten wohl erhalten sind. Das hat für uns deshalb Wich-
tigkeit, weil es beweist, dass diese schön erhaltenen Gehäuse und Schalen nicht
von Veither sind, denn im gegentheiligen Falle hätten sie sichtliche Spuren des
Transportes an sich.
Jockelsdorf.
Die miocaenen Ablagerungen von Rothwasser gegen Südwesten verfolgend,
bemühte ich mich, den von H. Wolf nordwestlich von Jockelsdorf entdeckten kleinen
Distriet von Tegeln, zu untersuchen. Er interessirte mich insbesondere durch
seine geradezu auffüllige Seehöhe, welche nach der Generalstaabskarte bis 500 Meter
erreicht. Allein, schon dieser Umstand weckte Mistrauen in mir, und zwar das begrün-
dete Mistrauen. Aber erst an Ort und Stelle war es mir möglich, mich von dem
Oharakter dieser interessanten Ablagerungen zu überzeugen. Ich stiess auf dieselben
auf einer ziemlich grossen Fläche, doch überall in nicht entfernter Nachbarschaft
von harten Kreidemergeln, in welche sie allmälig übergiengen. Diese Umstände, dann
aber der petrographische Charakter und endlich das Resultat des untersuchten
Schlemmrückstandes erweisen über allen Zweifel, dass der weiche Jockelsdorfer
Tegel kein miocaener ist, sondern dass er durch Zersetzung von Priesener Mergeln
entstanden ist.
Wetzdorf.
Das ganze Gebiet des kleinen Waldes, durch welchen die Strasse von
Rothwasser nach Wetzdorf führt, nehmen weiche Tegel ein, die ursprünglich
H. Wolf entdeckt und als miocaene Sedimente verzeichnet hat und die nach ihm
Prof. J. Krejei ebenfalls als neogene anerkannte. Diese Tegel verschwinden all-
mülig in der Rothwasser-Wetzdorfer Niederung, u. z. unter einer dünnen Allu-
vialschicht, welche jedoch an zahlreichen Stellen bis auf die genannten Tegel
durchbrochen ist. Von dem erwähnten Wäldchen ziehen sich diese Sedimente bis
nach Wetzdorf, woselbst sie enden. Ihren Charakter und ihre Ausdehnung ent-
hüllen auf dieser Seite die Strassengrüben der neu erbauten Strasse, die stellen-
weise in die Tegel eingeschnitten sind. Diese Umstände waren es eben, die mich
berechtigten, die Anschauung auszusprechen, dass die ganze Niederung von Roth-
wasser-Wetzdorf weiche Tegel von gelblicher bis lichtaschgrauer und dunkelblauer
Farbe ausfüllen.
Es handelte sich nun blos darum, das Alter dieses Tegels zu bestimmen. Die
Lage desselben und der petrographische Habitus waren für diesen Zweck über-
flüssig und nicht vortheilhaft. Nur die Untersuchung des Schlemmrückstandes konnte
hier entscheiden. Um betreffs dieser Sache einen verlässlichen Beweis zu erhalten,
wählte ich eine Stelle im Wäldchen, an der die Tegel am tiefsten durchschnitten
Sind. Hier wurde der Tegel von den dortigen beiden Tegelbänken genommen, von
denen die untere einen dunkleren Tegel enthält, als die obere. Das Schlemm-
38
product aus diesen beiden Bänken ist identisch und setzt sich aus feinem Quarzsande
und Bruchstücken von Gesteinsarten der Kreideformation zusammen. Von Petre-
facten war nirgends auch nur die geringste Spur.
Mich mit der Untersuchung des Schlemmrückstandes aus dem Tegel des
Wäldchens nicht begnügend, unterzog ich auch den durch den Strasseneinschnitt
dicht am Dorfe blosgelegten Tegel dem Studium. Interessant ist das Schichten-
system, das in dem erwähnten Einschnitt aufgedeckt erscheint; es treten daselbst
zu Tage von oben nach unten:
a) Diluvialer Lehm;
b) Tegel gemischt mit Gerölle ;
c) gelblicher Tegel;
d) eine róthliche Sandschichte von Eisenoxyd verfürbt;
el das Grundgebirge: Kreideschichten.
Der Tegel der Schichte c) ist derselbe, wie er sich im Wäldchen vor-
findet. In seinem Schlemmrückstande wurde ebenfalls auch nicht eine Spur einer
Fauna nachgewiesen. Fasse ich alles zusammen, was mir betreffs dieser weichen
Tegel zu erreichen gelungen ist, so komme ich zu dem Urtheil, dass auch dieselben
keine miocaenen Tegel sind, sondern jener Gruppe des böhmischen Schichtenhorizonts
angehören, in die ich die weichen Tegel nördlich von Ober-Johnsdorf, nordwestlich
von Jockelsdorf, westlich von Landskron und die der Umgebung von Wildenschwert
einreihe,
Böhm.-Trübau.
Des dortigen miocaenen Districts erwähnt zum erstenmale H. Wolf
in seinem Reiseberichte aus dem Jahre 1862. Auf seinem geologischen Karten-
blatte der dortigen Umgebung hat er das Miocaen in zwei Inselchen verzeichnet,
von denen das nördlichere sich im südostlichen Abschnitt der Stadt ausdehnt,
während das südliche vom Bahneinschnitt gerade hinter der Brücke beim Bahnhofe
durchquert wird. Auch A. E. Reuss erwähnt des Böhm.-Trübauer Miocaens, jedoch
nur kurz und bündig. Petrefacten führt er aus demselben nicht an. Warum, das
kann ich heute nicht entscheiden, da sich voraussetzen lässt, dass er auch die
Tegel von dieser Stelle schlemmte und den Schlemmrückstand untersuchte.
So wie in anderen Depöts, so erschwert auch in diesem die Decke
junger Sedimente die Forschung sehr. Doch, trotzdem ist es nicht schwer zu
erkennen, dass die hiesigen marinen Tegel weit nach Norden hinausragen und
die Wolf’schen Streifen eigentlich zusammenschmelzen und bis zu dem Wäldchen
reichen, das die Niederung, welche sich südlich des Bahnhofes ausdehnt von dem
Schirmdorf-Gebiet trennt. Noch im Jahre 1893 vermuthete ich, dass in dieser Niederung
das Diluvium der Kreideformation direct aufgelagert ist. Im vorigen Jahre wurde
ich jedoch eines anderen belehrt. Während meines letzten Aufenthaltes in dieser
Gegend stiess ich hier auf eine im Bau begriffene Strasse, die Schirmdorf mit
>öhm.-Trübau verbindet. Die ziemlich tiefen Fundamente dieser Strasse fand ich
an vielen Stellen in den Tegel versenkt, welcher, hiedurch aufgedeckt, fasst von
89
der Ziegelei bis in das Wäldchen in den Strassengräben zu sehen ist. Damit
war gleichzeitig entschieden, dass der miocaene in der Ziegelei aufgedeckte Tegel
sich hier unter der Decke der sandigen, diluvialen Gebilde ausdehnt und endlich,
dass er direct mit dem Tegel des Eisenbahneinschnittes in Verbindung steht.
Bis allher war aus diesen Tegeln auch nicht eine einzige Art bekannt.
Heute kennen wir eine wohl kleine, aber interessante Fauna, welche nebstdem
auch dadurch Bedeutung hat, dass sie uns jene Bank zeigt, die von den übrigen
als miocaene unterschieden werden muss. Denn auch hier ist nicht alles, was
weicher Tegel ist und miocaenen Sedimenten ähnlich sieht, miocaenen Alters.
Auf diesen Gedanken brachte mich in der hiesigen Gegend die folgende
Beobachtung. Im verflossenen Jahre war ich zufälliger Weise im Eisenbahnein-
Schnitte, u. z. auf dessen Sohle, als man unweit der Brücke, die, wie schon erwähnt,
in der Nähe des Bahnhofes ist, einen Brunnen grub. Man grub im gelblichen, weichen
Tegel. Ich nahm ein Handstück davon, etwa im Gewichte von 1/5 Kilogramm,
gleichzeitig auch ein solches in Gewichte von etwa 1 Kilogramm von der Halde
nächst der Station und schlemmte beide Stücke, jedes für sich. Die Resultate waren
verschieden. Das erste Stück Tegel gab einen Schlemmrückstand aus feinem Sande,
jedoch ohne Versteinerungen; das zweite Stück lieferte ebenfals einen Schlemm-
rückstand feinen Quarzsandes, dafür mit Petrefacten. Nach der Fundstelle des der
Halde entnommenen Tegels war es nicht schwer zu erkennen, dass derselbe etwa
aus der halben Höhe des heutigen Bahneinschnittes stamme. Der Vollständigkeit
halber, schlemmte ich auch noch den aus den sandigen Tegelschichten der Ziegelei
genommen Tegel; doch der Schlemmrückstand desselben war steril.
Die Fauna des Tegels aus der hiesigen mittleren Bank ist folgende:
Gasteropoda. Virgulina Schreibersiana, 0214. . . 8
Be piota Кой. оу 7 S бїздї Scania, Rss v re yv ed
Echinodermata. Globigerina bulloides, d'Orb. . . . 88
EXEUNT rs a Pullenia sphaeroidina, d'Orb. . . . h
Foraminifera. Rotalia beccarii, Linné sp. . . . . h
Dulimina pupoides, d'Orb. . . . . hh
Es ist richtig, diese Fauna ist ärmlich. Besehen wir sie uns jedoch genauer,
erkennen wir, dass, trotzdem sie verhältnismässig wenig Arten bietet, sie doch reich
an Individuen ist, wodurch sie sich einigermassen den Faunen aus rein brackischen
Tegeln nühert. Trotz dieses Merkmals kann man sie doch nicht in den Bereich
dieser einreihen. Der Hauptgrund hiefür liegt denn doch in der verhältnismässig
bedeutenden Entwickelung der Foraminiferen, welche mitunter durch Arten ver-
treten sind, die nirgends in den Sedimenten der Brack- und in Halbbrackwässern
auftreten.
Schirmdorf.
Fasst dieselben Ergebnisse, wie in dem Böhm.-Trübauer Tegel, erzielte ich
bei umfassender Untersuchung des palaeontologischen Charakters des Schirmdorfer
T а » AIXÉ . d Kë
Tegels. Schon H. Wolf und J. Krejčí war er bekannt, jedoch nur was dessen
40
Ausdehnung anbelangt. Und in dieser Hinsicht muss ich bestätigen, dass sie richtig
bestimmt worden ist, denn thatsächlich breitet sich der dortige Tegel, hie und da
mit einer stellenweise ziemlich mächtigen Schicht bedeckt, auf der ganzen Aus-
dehnung des Dorfes aus, wo er im Bachbette an zahlreichen Stellen aufgedeckt ist,
und zwar in grossen und kleinen Gruben, die entweder frisch gegraben und leer,
oder zum Theil verschüttet sind.
Vom Böhmisch-Trübauer Tegel unterscheidet sich der hiesige nicht einmal
durch die Farbe. Sein Schlemmrückstand ist ziemlich reich an feinem Quarzsand,
dafür jedoch arm an Detritus von Gesteinsarten der Kreideformation. Auch sein
organischer Inhalt ist nicht sehr gross; er enthält durchwegs Arten, die prächtig
erhalten sind, und die sich dureh besonderen Reichthum an Individuen auszeichnen.
Seine Fauna ist folgende:
Ostracoda. Bulmmasarıns WOLD vor mp
jytheridea Mülleri, Münst. . . . . в Jristellaria intermedia, d'Orb. . . ss
Echinodermata. Pullenia sphaeroides, d'Orb. . . . s
SURCHOL soe em 8 Anomalina Badensis, d'Orb. . . . . s$
Foraminifera. Rotalia beccavü, Linné sp. . з, 8
Bulimina pupoides, d'Orb. . . . . hh
An dieses Verzeichnis schliesse ich ein anderes, dessen Material mir der
Herr Sanitäts-Rath Dr. К. Katholicky aus Brünn lieh. Er stellte mir einen sorg-
fältig ausgeschlemmten Rückstand zur Verfügung, betreffs dessen man schon auf
den ersten Blick erkannte, dass derselbe einem dem Landskroner, beziehungsweise
Böhmisch-Trübauer Tegel aequivalenten Gebilde angehören dürfte. Dieser Rückstand
stammt aus dem Tegel des Dorfes, er ist jedoch an Individuen reicher als der,
dessen Fauna oben angeführt ist. Diesen Reichthum des Schlemmproductes des
Herrn Dr. Katholicky schreibe ich dem Umstande zu, dass er ein grösseres Stück
des Tegels schlemmte. Dass seine Fauna aus demselben Tegel stammt, wie die
meinige, wird jeder zugeben, der die vorangeführte Fauna mit der folgenden in
Vergleich zieht.
Echinodermata. Bulimina afinis d ОО un a. Ш
НОО EIN. a a a у » punctata, d’Orb. . . . .hh
Nodosaria venusta, Rss. . . . . . 88
Foraminifera. cute MR LP e GaU sic a
Bulimina pupoides, d'Orb. . . . .hh Rotalia. beccarii, Linné sp. . . . . 8
а orate, dA D onere ceo ШИ. Nonionina communis, d'Orb. . .. 8
Beide diese Verzeichnisse sprechen klar dafür, dass die Fauna des Schirm-
dorfer Tegels vollständig mit der des Böhmisch-Trübauer, Landskroner und, wie wir
später sehen werden, auch mit der des Wildensehwerter Tegels übereinstimmt. Diese
Uebereinstimmung beruht vor allem in der geradezu auffälligen Entwicklung der fol-
senden Arten: Bulimina ovata, В. affinis und theilweise selbst B. punctata, ferner im
allgemeinen Charakter und dann schliesslich darin, dass sie den Familien- und
Artenreichthum der Faunen des Rudoltitzer und Lukauer Tegels vermissen lässt. Iu
ihrem Wesen erscheint sie jedoch als ein stark redueirter Typus des Rudoltitzer
und Luckauer Tegels.
Wildenschwert.
Der hiesige miocaene District ist der nordwestlichste Theil des ostbóhmischen
Miocaengebietes. Hinter demselben gibt es weder nach Norden, noch nach Westen
neogene, marine Sedimente. Bis in diese Gegend reichte das grosse neogene
Meer, dessen Gewässer einst Mähren, Ober- und Niederösterreich bedeckten und
sich über Ungarn, den Balkan und Kleinasien bis an den indischen Ocean er-
streekten, im Norden mit dem grossen, wolhynisch-südrussischen und mittelasiati-
schen Meere, im Westen mit dem französischen, dem belgisch-deutschen und
englischen, im Süden sodann mit dem Mittelmeere zusammenhängend.
Auch betreffs des hiesigen Distrietes danken wir die erste Nachricht
H, Wolf. Es ist merkwürdig, dass dieselbe so schnell verschwand, und dass man sich
derselben erst wieder im verflossenen Jahre erinnerte. Dr. Æ. Tietze theilt in sei-
nem Reiseberichte mit, dass ein grosser Theil Wildenschwerts auf den neogenen
marinen Tegeln ruht, welche bei der Grundaushebung für Neubauten aufgedeckt
wurden.
Mir gelang es nicht, Tegel in den Fundamenten neuer Häuser zu finden.
Ich kam nach Wildenschwert, als jene bereits verbaut und unzugänglich waren.
Es blieb mir daher nichts übrig, als diese Tegel hinter der Stadt zu suchen.
Ich wählte aus guten Gründen den Westen des städtischen Rayons. Ich
vermuthete nämlich, dass ich in den dortigen Einschnitten, Schottergruben und der
Ziegelei Näheres über sie erfahren werde. Die Einschnitte und die Schottergruben
enttäuschten mich, zum Glück aber nicht die letztere. Doch auch das in den
Schottergruben erhaltene Resultat ist lehrreich und interessant, denn es bestätigt,
dass nicht alles, was Tegel ist, auch gleichzeitig miocaenes Sediment sei.
In den erwähnten Schottergruben sind mächtige, geschichtete diluviale
von sandigen Zwischenlagen durchsetzte Schotterbänke, aufgedeckt. Unter diesen
Schottern dringt etwa 2 Meter oberhalb der Strasse ein gelblicher Tegel hervor,
welchen wir, falls wir ihn in der Böschung durchgraben lassen, direct auf dem harten
Mergel der Priesener Stufe aufgelagert finden.
Was den. Schotter betrifft, muss ergänzend hinzugefügt werden, dass der-
selbe in der hiesigen Gegend weit verbreitet ist, und dass derselbe in petrogra-
phiseher Hinsicht mit den Schottern von Chotzen-Hohenmauth harmonirt,
Als ich diese Umstände erkannt hatte, war ich neugierig zu erfahren,
Welchen Alters beiläufig der erwähnte Tegel unter dem Schotter sei. Im ersten
Augenblicke vermuthete ich sogar, dass er miocaener Herkunft ist. Von dieser
Anschauung kam ich jedoch sofort ab, als ich die Schichtenlagerung in der Zie-
gelei des Herrn J. Hernich eingehender studirt hatte.
In dem dortigen seichten Einschnitte treten schwache Schotter hervor,
unterteuft von einer Bank gelben Tegels und überlagert vom diluvialen Lehm.
Weiter forschend stiess ich hier bei einem frisch gegrabenen Brunnen auf eine kleine
Halde bläulichen Tegels, dessen Farbe nach dem Feuchtigkeitsgrade wechselte.
War er trocken geworden, so hatte er eine lichtgraue Farbe mit einem Hauch
Ins Blaue, war er jedoch feucht und aufgeweicht, so wies er eine dunkelblaue
42
Farbe auf. Er ist fein, plastisch und unterscheidet sich auffällig von dem oberen
gelblichen Tegel. Betreffs dieses Tegels zweifelte ich keinen Augenblick, dass
er miocaener Herkunft sei.
Diese Vermuthung wurde dann zur Genüge durch den palaeontologischen
Inhalt seines Schlemmrückstandes bestätigt. Neben den schön erhaltenen Fossilien
besteht derselbe auch aus feinem Quarzsand, der jedoch nur spärlich vorhanden ist.
Dagegen ist der Schlemmrückstand des gelblichen Tegels reich an grobem Sand und
grobem Detritus von Gesteinsarten der Kreide- und Urgebirgsformation, doch Petre-
facten wurden nicht constatirt.
Das hier angeführte Verzeichnis enthält die Fauna des miocaenen Tegels
von Wildenschwert :
Foraminifera.
Echinodermata. Bulimina pupoides. d'Orb. . . . .hh
Stacheln und Ambulacralplatten . . . в Anomalina Badensis, d'Orb. . . . . h
Rotalia beccarii, Linné sp. . . . . hh
Es ist zwar richtig, wie überhaupt aus diesem Verzeichnis leicht zu er-
sehen ist, dass die Fauna des unteren Wildensehwerter Tegels (d. i. des miocae-
nen) sehr arm an Arten ist, aber da darf gleichzeitig nicht unerwähnt gelassen
werden, dass gerade die Individuenmenge dieser Arten in die Wagschale fällt
und durch ihre Merkmale am wichtigsten erscheint. Die in derselben sich vorfinden-
den Arten schmiegen sich eng in dem charakterisirenden Rahmen, nur das bestäti-
gend, was durch diesen Rahmen begründet erscheit. Es ist uns daher auch nicht
einen Augenblick zweifelhaft, in welehe Gruppe die in Rede stehende F'auna unseres
ostböhmischen Miocaengebietes angehört. Alles spricht dafür, dass sie sich als am
stärksten modifieirter und reducirter Typus der Landskroner, Rothwasser und
Schirmdorfer Tegel prüsentirt, welche wieder ihre entwickelten Typen in den Faunen
der Rudoltitzer und Luckauer Tegel besitzen.
Das Gebiet der brackischen Tegel.
Schon A. E. Reuss war der eigenthümliche Charakter der Fauna der Abts-
dorfer und Triebitzer Tegel aufgefallen; denn es entging ihm der Unterschied nicht,
der diese von der Rudoltitzer Fauna schied. Deshalb trennte er auch jene von dieser
ab, und als er von derselben sprach, nahm er keine Notiz von der Rudoltitzer. In
der Rudoltitzer Fauna hingegen erblickte er einen rein marinen Typus, in der
Abtsdorfer und Triebitzer aber den brackischen. Es ist daher natürlich, dass er
diese Faunen auf das Niveau jener der Cerithienstufe stellte, die wir heute mit
einem anderen Namen bezeichnen, nämlich mit dem Namen: der sarmatischen Stufe.
Heute allerdings, wo wir im Besitze reicherer Erfahrung sind, als man sie
Vor 30 Jahren hatte, sehen wir die Faunen der Abtsdorfer und Triebitzer Tegel in
einem einigermassen anderen Lichte. Ganz besonders, wenn wir sie mit jenen
Faunen vergleichen, welche Prof. F. Тоша!) in seiner Arbeit über das Vorhanden-
Sein der Art Cerithium lignitarum anführt. Aus dieser Arbeit Toula's geht hervor,
dass das gemeinsame Auftreten der Arten Cerithium lignitarum, С. Duboisi, C.
pictum, Buccinum Schöni, Nerita picta u. s. w. kein zufälliges ist, sondern, dass
DR von gewissen physikalischen Umständen abhängt, welche den brackischen
Charakter bedingen und dann, dass die brackischen Distriete zur Miocaenzeit
gleichzeitig mit den marinen Districten und Gebieten bestanden haben. Toula und
viele andere sind’ der Anschauung, dass die miocaenen, brackiscken Depöts in
den Grunder Horizont gehören. Es ist kein Zweifel, dass einige diesem Horizonte
einzureihen sind, aber unsere ostböhmischen Districte sicherlich nicht.
| Mit Rücksicht auf diese brackischen Bezirke, deren Тоша in unserem
inländischen Mioeaen verhältnismässig genug anführt, handelte es sich mir vor
allem darum, sicherzustellen, ob da der in unseren Bezirken auftretende Faunen-
typus mit jenem aus den brackischen übereinstimmt und weiter, ob er ein
Ursprünglicher ist, oder aber, ob er sich nicht, allmälig durch Veränderung der
physikalischen Verhältnisse beeinflusst, aus dem marinen Typus entwickelt hat.
Auf diesen Gedanken brachte mich unwillkürlich der Charakter der Rudoltitzer
Fauna, wie sie Reuss anführt, Ihn verfolgend, bin ich natürlich darauf gebracht
Worden, auch die Mikrofauna eingehend zu beachten und das in Rücksicht auf
SD OUO 1106 010 Юаш
44
alle Bänke, ja selbst die Bänke verschiedener Lage. Das Resultat dieser müh-
samen Arbeit ist interessant, da es wichtige faunistische Details aufdeckt, welche
uns sonst entgehen würden. Auf diese Weise wurde der Charakter der Schirm-
dorfer Fauna entdeckt und bestimmt, welcher in vielen Stücken an die Fauna von
[аа aus dem südlichen Mähren erinnert, denn auch diese unsere ostböhmische
Fauna ist, wie die erwähnte südmährische, aus zwei Elementen zusammengesetzt,
nihmlich aus dem brackischen und aus dem marinen.
Ich beginne absichtlich mit Abtsdorf den Charakter unserer ostbóhmischen,
brackischen Depóts zu schildern.
Ich bin hierzu einerseits dadurch veranlasst, dass auf diesem Fundorte eine
reiche reine Fauna vorhanden ist, andererseits, dass es dort möglich ist, eine aus
drei verschiedenen Lagen stammende Fauna zu untersuchen und schliesslieh, dass es
daselbst gelingt, den Charakter der Fauna der Austernschichte sicherzustellen, aus
welcher einstens grosse Stücke zusammengewachsener Austern abgebrochen und
blos ein einziges Stück durch Prof. Dr. Anton Frič dem böhmischen Museum ein-
verleibt wurden.
Abtsdorf.
Westlich vom Südende des Dorfes, das sich in einer seichten, in die Turon-
schichten vertieften Niederung ausbreitet und durch welche ein kleines Bächlein
nach Südost eilt, durehfurcht der Eisenbahndamm der Staatsbahn, etwa 10 Minuten
hinter der Abtsdorfer Station, miocaene Sedimente, gegen Norden jedoch dünn-
blättrige harte Mergel. An den beiden Einschnittsböschungen, die stellenweise be-
deutend hoch, jedoch nur sanft geneigt und an einzelnen Punkten tief ausgehoben
sind, treten weiche, fette bläuliche Tegel zu Tage, auf denen gelbliche Tegel liegen,
die von einer ziemlich mächtigen Schichte diluvialer Schotter bedeckt sind.
Diese Tegel hat zuerst A. Æ. Reuss palaeontologiseh ausgebeutet, zwei Jahre
später wurden dieselben durch H. Wolf und dann erst nach einer geraumen Zeit
dureh J. Krejčí auf ihren geologischen Kartenblüttern ausgeschieden.
Das Gebiet dieser Sedimente scheint verhältnismässig klein zu sein, denn
nur auf einer unbedeutenden Fläche ist es möglich, die hiesigen Tegel deutlich
zu verfolgen. Sehr leicht ist dies von der Brücke hinter dem Wüchterhause No. 191
bis zur nördlichen Nachbarbrücke. Ebenso sind rechts und links vom Eisenbahn-
einschnitte und der Anschüttung miocaene Schichten aufgedeckt, jedoch sehr uu-
vollkommen. Ganz verdeckt finden wir sie dagegen westlich von der Bahntrace.
Selbst in der Niederung, östlich vom Damme würde man sie vergeblich suchen,
wenn sie daselbst nicht ein enger, seichter an der Mündung des kleinen Querthales,
das von der Bahntrace zum Neuteich führt, befindlicher Graben aufgedeckt haben
würde. Ich vermuthe, und, wie ich glaube, ganz berechtigter Weise, dass das hiesige mio-
caene Depót im turonen Grundgebirge vertiefte Erosionswannen und Graben ausfüllt,
in denen sich jetzt entweder sumpfige Wiesen, oder seichte, ziemlich grosse Teiche
ausbreiten. Diese Anschauung bestätigt mitunter auch der Umstand, dass auf der
gegenüberliegenden Seite unserer Niederung, hinter dem östlichen Rande des Neuen
|
45
Teiches, beim „Viehweg“, in einer Grube blauer Tegel vom Charakter des Abts-
dorfer und Triebitzer gleichzeitig mit gelbem Tegel im Hangenden zu Tage tritt.
Bei den d. z. Verhältnissen gelingt es nicht, die Mächtigkeit des Abts-
dorfer Miocaensedimente festzustellen. Es verhindert dies nicht nur die Decke
der jüngeren Gebilde, sondern auch der Umstand, dass es hier keinen Aufschluss
giebt, welcher bis auf das Grundgebirge reichen würde. Allerdings, annähernd
ist es nicht schwer, diese Mächtigkeit abzuschützen. Was das betrifft, stimme ich
mit Reuss überein, dass das hiesige miocaene Schichtensystem schwach ist.
An einigen Punkten im Eisenbahneinschnitt ist es selbst heute nicht leicht,
die Schichtenfolge zu bestimmen. In der Regel trit& der Rasen und die Terrasirung
hinderlich in den Weg. Dafür giebt es aber dort Stellen, wo es unschwer gelingt, diese
Reihenfolge zu beobachten und anzugeben. Zu diesen gehórt die Bóschung gegen-
über dem Wüchterhause No. 191. Hier kann man rasch und leicht das Ausgehende
der Austernbank und der übrigen an Ueberreste, namentlich der Art Cerithium pictum
reichen Bänken wahrnehmen, deren Gehäuse sich Hunderte an der Oberfläche der
unteren Dank im dunkelblauen Tegel verstreut vorfinden.
Die Schichte des dunkelblauen Tegels ist mächtiger, als die des gelben.
Ihr Tegel zeichnet sich durch einige Eigenschaften aus, denen zufolge es leicht
möglich ist, ihn zu erkennen. Er ist weich, plastisch; wenn er frisch ist, so hat er
eine dunkelblaue Farbe; ist er trocken, eine lichtblaue. Sein Schlemmrückstand ist
sehr geringfügig. Dieser besteht ausser aus organischen Resten auch aus feinem
Quarzsand und sehr wenig Detritus aus Gesteinsarten der Kreideformation.
Aus diesem Tegel stammt das reiche Austernmaterial, welches vor Jahren
Dr. A. Frič, als er daselbst die Kreideformation studirte, von hier fortführte.
Als ich dieses herrliche Material erblickte, war mir klar, dass es aus einer
Schichte stammt, an deren Ausgehenden sich jetzt zahlreiche Austernbruchstücke
herumwälzen. Doch direkte Beweise fehlten mir damals. Diese fand ich im v. J. an
der Stelle, woselbst ich die obere Partie durchgraben liess. Unter dieser zeigte sich
eine solche Menge grosser Schalen, dass es keinen Zweifel gab, dass das erwähnte
Material thatsüchlich aus dieser Bank herrührt. Noch auf eine andere Weise
gelangte ich zu derselben Überzeugung, und zwar durch das Studium der Fauna des
aus den Austernschalen des Frici'schen Materials gewonnenen Tegels. Diese Fauna
lst sehr interessant und wichtig, indem sie gleichzeitig die Gelegenheit bietet, einen
Faunen-Typus zu erkennen, der uns bisher mehr weniger unbekannt war.
Schliesslich kann ich nicht den Eindruck verschweigen, den auf mich das
Ausgehende dieser Austernbank im Terrain gemacht hat. Im ersten Augenblicke
vermuthete ich, dass hier eine Austernbank vorliegt etwa vom Charakter der
von Bedřichovic bei Brünn, der von Lul& südwestlich von bei Wischau, der Eiwa-
nowitzer nördlich von Brünn, der von Železný und Drásov bei Tischnowitz, der
von Předmostí bei Prerau und der Slatenicer (Gross Latein) bei Čelechovice in
Mähren. In dieser Vermuthung bestärkten mich vielfach die gemeinsamen Arten. Trotz
alledem verscheuchte sie wieder der U mstand, dass all die früher genannten mährischen
Austernbänke sich auf die Abhänge der in das damalige Meer frei hinausragenden
Erhebungen beschränken, während auf unseren ostböhmischen Fundorten die Austern-
bank stellenweise in die übrigen Schichten ziemlich weit ausgreift. Dieser Umstand
46
genügte, um einen Unterschied zwischen dieser Austernbank und den erwähnten
mährischen Bänken zu machen. Was nun dieser Umstand nur theilweise anzudeuten
schien, bestättigte die Durchforschung und die Vergleichung der Faunen. Daraus
geht hervor, dass die Fauna der Austernbänke Mährens eine rein marine, während
in diesem Falle jene von Abtsdorf eine brackische ist.
Die Fossilien dieser Austernbank, welche vom Regen ausgewaschen, an
der Oberfläche umherliegen, sind grösstentheils schlecht erhalten. Ganz besonders
gilt dies von den Schalen der grossen Austern. Diese zerfallen in dünne Blättchen.
Hingegen sind die übrigen Gehäuse ausgebleicht und vielfach zersprungen. Aus
all dem ist klar, dass derjenige, welcher unter den heutigen Verhältnissen im Abts-
dorfer Tegel eine wohlerhaltene Fauna erbeuten will, sich nicht damit begnügen
darf, Versteinerungen etwa an der Oberfläche zu sammeln, sondern darauf bedacht
sein muss, Tegelmaterial zu gewinnen, welches von den Atmosphärilien unberührt ist.
Auf diese Weise erhielt ich die hier aus dem Abtsdorfer Tegel angeführten Faunen.
Die hier an erster Stelle angeführte Fauna entstammt einem Tegelstücke,
welches aus einer Austernschale herausgelösst wurde, die Herr Prof. Dr. A. Frič
heimgebrachte. Die nachfolgende Fauna habe ich jedoch aus einem Tegel ausge-
schlemmt, den ich an Ort und Stelle einer Tegelbank entnahm, die sich in dem
Liegenden der Austernbank befand.
A. Fauna aus der Tegelfüllmasse einer Austernschale.
Pisces. Odontostoma Hoernesi, Rss. . . . . 88
Otolithus (Gobius) Bohemicus, Proch. ss Turbonilla pygmea, Grat. . . . Pë
2.5 ШӨ) ee ow eto Nerita pieta, Per. Au. ov ww ov M
Chemnitzia minima, M. Bast, BEE
Ostracoda. a Reussi, M. Hoern.. . . 8
Bairdia exilis, Rss. . . . . . . . 88 Hydrobia Frauenfeldi, M. Hoern. .hh
быы, POM NEN suci iet ns Й à GEN, BOW... о т v
.. jheberoshgma, Rss. ..... ..
Balanidae. Lamellibranchiata.
% 3 20
sensui EE Teredo Norvegica, Spengl. . . . . 88
ii Ае Corbula. Mate ON as е
Gasteropoda. * inris АЩ oves o
Buccinum Schöni, К. Hoern u. А. . 8 о Mactea, асв, PROCI ы, oon
Cerithium lignitarum, Eiehw. . . . h Tellina spec. (Bruchstücke) . . . . 8
i Dubois; M. Hoori» в Circe. minina MODO Ее
$ ll akuten EECH Erycina: Bohemica, Proch. . . . . 8
^ HEET Echt Mie Fre Hu EE
m LEE Pecten spec. (Bruchstück) . . ... 88
1) Diese Art führe ich blos hier an; an a. О. dieser Schrift erwähne ich ihrer deshalb
nicht, da mir deren kleiner Otolith leider bei Beginn der Studien in Verlust gerathen ist und ich
nicht mehr im Stande war, andere aufzufinden, trotzdem ich mich in dieser Richtung eifrig und
gewissenhaft bemüht habe.
4T
Ostrea crassissima, Lam. . . . . .hh Foraminifera.
» giengensis, Schoth. sp. . .hh
m ОО БОША ШЕШ num. aeu Truncatulina praecincta, Karr. . . h
DO COGI GARD. ШШДЕП eese ш. S lagena Epos e oro NNI RAS
Dieses faunistische Resultat ist zwar interessant und lehrheich, allein, es
befriedigt nicht ganz. Es giebt nämlich nicht genug genau an, welchen Charakters
die Fauna des die Austernbank einschliessenden Tegels ist. Die physikalischen Verhält-
nisse in den Meeresarmen sind, wie bekannt, oft viel häufiger veränderlich, als
m offenen Meere. Es ist daher natürlich, dass wir dahin geführt werden, uns auch
um die Fauna der untergeordneten Bänke zu kümmern und uns mit der Kenntnis
der Fauna, die wir aus einem kleinen Tegelstücke ausschlemmen, nicht zu begnügen.
Denn, wer bürgt dafür, dass die Bank unterhalb der Austernschichte nicht den
Charakter des Rudoltitzer Tegels haben könnte? Nur die genaue Durchforschung
dieser Bank ist im Stande, auf diese Frage eine verlässliche Antwort zu geben.
Deshalb habe ich auch diese Schicht berücksichtigt. Ihr Tegel ist ebenfalls dunkel-
lau u. z, im frischen Zustande dunkel, im trockenen dagegen licht. Die in dem-
selben auftretenden Versteinerungen sind zumeist gut erhalten, jedoch nicht besonders
häufig, Sein Schlemmrückstand enthält verhältnismässig wenig Detritus; die Fauna
Ist die folgende.
B. Die Fauna des Tegels unter der Austernbank.
0 Pisces. HEED Spoon. rou rs "BS
tolithus (Serranus) insignis, Proch. ss Melanopsis tabulata, M. Hoern. . . h
Rissoa Montagni, dOr sy ... h
Ostracoda.
Bairdia ef. obesa.. Ras h ic SOFAS, QUUD (www vs B
АК ШЕП ЖО M Hydrobia Frauenfeldi, M. Hoern. . hh
Gasteropoda.
Buccinum Behünl, R. Hoor u А... A Lamellibranchiata.
Cerithium ШШ, Bart: oee Ш Teredo Norvegica, Spengl. . . . . ss
айса cf. redempta, Michli. . . . 8 ? Маса Zone, Proh . .. .. д
Nerita ШО ШЕ ЗЛА и Psammobia spec. . . wu а жоо Ж
Turbonilla pygmea, QAO s. >... 88 Cardium Opatovense, Proch. . . . hh
hemnitzia Reussi, M. Hoern.. . . 88 Ostrea giengensis, Schloth sp.. . . hh
Bn Nach diesem Resultate war ich natürlicherweise bestrebt, auch die Fauna
i die Austernbank überlagernden Tegelschicht kennen zu lernen. Es war offenbar,
Was eigentlich schon aus der blossen Berücksichtigung vieler Umstände hervorging,
en Unterschiede zwischen den Faunen dieser Tegellagen, trotzdem sie gering
пеп, sich doch offenkundig dargeboten haben.
ев sich Auch der Tegel dieser Schichte unterscheidet sich nicht wesentlich, soweit
nämlich nur um den petrographischen Charakter handelt, von dem die
mE unterteufenden Tegel. Denn auch er ist fein, plastisch und hinterlässt
emmrückstande ausser den gut erhaltenen Fosilien einen feinen Quarzsand.
C. Die Fauna des Tegels über der Austernbank.
Pisces. Melanopsis tabulata, M. Hoern. . . ss
I
Otolithus (Gobius) Dohemicus, Proch. ss Hydrobia Frauenfeldi, M. Hoern. . hh
I D d
Ostracoda. Rissoa Montagn Pt. rin we
Bairdia heterostigma, Rss. . . . . h Lamellibranchiata.
о H
Gasternpoda. Corbula carniata, Dura au. Я
Buccinum Sehóni, R. Hoern u. A.. 8 ? Mactra fragilis, Pool... Geet
Cerithium pictum, Вато. 2200, 88 Psammobia spec. . . .. A
Bun daten (ng РИШ A E атр Cardium Opatovense, Piok MU M
Меи MOR, D GE рер лса Ostrea giengensis, Schloth. sp. . . h
Vergleichende Uebersicht der Faunen der Abtsdorfer Tegelbänke.
“a2:
БЯ нана B
Ф.о | © Po Ф
ЗА је |ео | e
Name les:
шж е н ОД
|| 45148 99 s
| NA СА был,
| Pisces.
|
Otolithus (Gobius) Bohemicus, Proch. . . .. f 8S-| gg N
2 b (Serranus) insiens, Росо a... nes |
Ostracoda. |
ne a E ecu C EE ое р |
4 EE Ме duet: DN зз... rate ИА h h 8
b de EIER E dE О ОИ ^
Balanidae.
(н БАШ SOON ne Л E lee a Ў
т uch, quere. Ae e EN ГЕ
Gasteropoda.
8 Buccinim У ОООО Re EIER h S 8
9 Cerrthrum, henitarutu altehm e d ou vr dee dome h EICH
10 Ч Duvois dee . . os sov e 8 | 8
11 " пеш, БЕН ео Уз. cube e El S Мы а. КИ
12 й ВСА OUVE Sa e ado e AQUA. ERR |
19 Odontostoma Hoernesi, Res. d rn, 88 : ;
14 | Turbonilla pygmea, Grat. . .. бы ie oe eel E EES ‚
15 e EE d 8 ;
E ee E rf Eu i IST:
17 ve on CK enger e EE EE aA à ; b
18 Nerita picta, Fèr. . EE E ОШ Ш ERT
19 Ohemnitzia minima, M. Hoern. Sent take at dos ET: ;
20 у Re DEE
Ae: EE EE A EE d 8 i
22 т (Ee ШЫ Mare deems
"4 Jd © n
РЕР Я
з 555 iugo
Мате а 8 e E EFI ge
28145 |48) 3
8| «| =|
ЖО ШИ MEMA, ADU wo WT UP е ут; | ^ 1
24 | Hydrobia Frauenfeldi, M. Hoorn. . . . . . . . hh |hh | hh | hh
25 А Frauenfeldi, var. Bohemica, Proch. . .|h|. ; i
26 ý concinna Sowerb. уйлерш sch wf la Pd io
€ .
27 | Melanopsis tabulata, M. Hoern.. . . . . . . .| h vicis BS a
Lamellibranchiata.
ES | Teredo Norwegiem, Бреда ... . . (os so. ЕН |. 88 s
РИСИ о E x s vul: 1l
E CON ED E EE AC e S
ЗІ „Пн Duk е ао sen BOB оо Ош
А Е Е В i
ED Dire minia, Mont о os cem е я TUN eo
EE M ID. d e ERC ansehen E
Do Daran Opktovense, Роба... ie , |. 6
РОИ овоа PIOCHE orn ео р IDEST
uni Moutola-biloxnis, Biss sy AN Sn). CA proque. i
Be even. 000М1ёал Boll. стао An ix oos dEr ede
39 El СОАУ Шеин Аз ee be h 7 i
40 Cc OE NU DO d aci uc acc RO er] de es
41 s . slengenais, Schoth, M. . ен, "RR Du]. 0 | mu
42 Ие, Па EE RE es ET 4
Foraminifera.
48 | Truncatulina praeeincta, Karr. . Шр (bh, í
EN ae аре mque E ets Р
Ka Ich führe diese vergleichende Uebersicht der Abtsdorfer Hannen aus zwei
Gründen an, erstens, damit auf leichte Weise dem Leser gezeigt werde, wie weit
sch bisher die Fauna dieser hochinteressanten Sedimente gekannt hat, und zweitens,
ars die durch zahlreiche Details ausgezeichneten Hauptmerkmale dieser Fauna,
9 80 scharf charakterisiren, hervortreten.
Bär: E wie viel die Kenntnis der Abtsdorfer Fauna durch die jetzige, neue
ZER orsehung erweitert und vertieft wurde, ist unnóthig besonders hervorzuheben ;
| o Uns zu sehr an dem ирин zu DENN Und Soweit es sich um
han Ti von jenem der Fauna des Triebitzer Tegels verschiedenen Charakter
e Ee n es nöthig, vor allem nachdrücklich zu bemerken, dass er darin beruht,
„er Abtsdorfer Tegel viel reichhaltiger an Individuen der Art Buccinum Schöni,
erithium pictum ist und ausserdem, dass er ferner den Individuenreichthum der
Art 1 j | А
t» Melanopsis tabulata vermissen lässt und endlich, dass er sich an Austern
eich erweist,
50
Diese Merkmale springen bei dem Betreten des Fundortes sofort in die
Augen und deshalb gilt von denselben mit vollem Rechte, dass sie dem Gesammt-
charakter der Fauna in gewissem Masse den Stempel aufdrücken.
An marinen Arten wurde im Abtsdorfer Tegel auch diesmal nur Unbe-
deutendes gefunden, trotzdem denselben die eifrigste Aufmerksamkeit gewidmet wurde.
Von diesen Arten gilt der Ausspruch Zeuss'ens, dass sie so verkümmert erscheinen,
als ob sie Brut wären. Wir überzeugen uns von dieser interessanten Erscheinung,
wenn wir zum Beispiel die Schalen der Corbula carinata aus unserem Tegel mit
den aus dem Tegel der Badener Facies oder aus dem Grunder Sande stammenden
Schalen vergleichen. Zu demselben Resultate gelangen wir, wenn wir ferner die
Schalen der Art Circe minima aus dem Abtsdorfer Tegel jenen aus der Badener
oder der Grunder Facies gegenüberstellen. Hier sei gleich hinzugefügt, dass die
hiesigen brackischen Arten dieselben Dimensionen zeigen, wie sie sie in den marinen
Tegeln aufweisen; ich meine z. B. die Art Cerithium lignitarum, oder Cerithium
pictum, ferner die Foraminiferen und Ostrakoden.
Aucb diesmal wurde alles gethan, was auf die Spur des seltenen Fundes
des tertiaeren Säugethieres der Art Dinotherium giganteum hätte führen können,
dessen Ueberreste hier inden 60er Jahren zufälliger weise in dem Tegel des
Hisenbahneinsehnittes entdeckt wurden, nichtsdestoweniger blieb unser Bestreben
erfolglos. Den seltenen, vom Hofrath Ritter von Sacher zum Geschenke gemachten
Fund bewahren die palaeontologischen Sammlungen des Museums des Königreiches
Dóhmen.
Rybnik.
Nachdem ich die Arbeit in dem Distriet der brackischen Tegel von Abtsdorf
beendet und ihre Fauna ausgebeutet hatte, begab ich mich nach dem nächsten
miocaenen Distriete, zum „Neuen Teiche“. Ich war wohl berechtigt zu glauben,
dass ich ein Tegelgebiet, das jenem des Abtsdorfer aequivalent ist, betreten werde.
Bestärkte mich doch in diesem Gedanken das Kartenblatt der geologischen
Reichsanstalt und das geologische Kartenblatt des Prof. J. Krejčí, auf welchen
beiden das Depót der miocaenen Tegel östlich und westlich vom Rybník deutlich
eingetragen ist.
An Ort und Stelle fand ich thatsächlich Tegel vor, die in zwei Bänken
zu Tage traten. Allein der Charakter dieser Sedimente machte auf mich nicht
den Eindruck von miocaenen Bildungen. Aus dem äusseren Habitus schloss ich,
dass ein Sediment vorliegt, welches jünger ist als das neogaene. Trotzdem wagte
ich nicht sofort eine bestimmte Ansicht auszusprechen, da ich das in diesem Falle
allein entscheidende Resultat der Durchforschung des Schlemmrückstandes nicht
vor mir hatte.
Es blieb mir also nichts anderes übrig, als das Verhältnis dieser Tegel
zum Liegenden zu untersuchen und ihre Ausdehnung zu ermitteln. Diese ist unbe-
deutend. Denn sie treten nur dort hervor, wo die jüngeren Gebilde erodirt sind.
Gegenüber dem Damme am Fahrweg, auf dem sogenannten „Viehweg“ haben
sie die Bewohner aufgedeckt, die mit denselben die Trümmer pflastern und die
91
Wasserdämme ausfüllen. An der gedachten Stelle haben dieselben einen Schacht
abgeteuft, in dem, wie früher erwähnt wurde, zwei Tegelbänke erschlossen wurden,
die untere, mächtigere von bläulicher, die obere schwächere, von gelblicher Farbe.
Die untere Tegelbank ähnelt in ihrem Aeusseren dem bläulichen Abtsdorfer
Tegel sehr und dies umsomehr, da dieser fein, an Kalk verhältnismässig arm
und plastisch ist. Geschlemmt hinterliess er im Rückstand sehr wenig Detritus.
Dieser besteht durchwegs aus überaus feinen Bruchstücken, worunter selbst bei
mikroskopischer Betrachtung keine Spur von organischen Ueberresten nachgewiesen
Werden konnte.
a Zu denselben negativen Resultaten gelangte ich, als ich den gelblichen
Tegel der oberen Bank geprüft hatte.
s Der äussere Habitus dieser Tegelbänke, welcher jenem der alluvialen
Gebilde gleicht, die fast in der ganzen, kleinen Ebene der Umgebung von Rybnik
verbreitet sind und die ihr Dasein dem Priesener Mergel verdanken, ferner die
Lagerungsverhältnisse derselben und schliesslich der Umstand, dass die gedachten
Tegel nicht eine Spur miocaener Fauna enthalten, spricht für die Ansicht, dass der in
Rede stehende Tegel von Rybnik dem Miocaen nicht angehört, sondern, dass
derselbe jünger ist als sein Liegendes.
Triebitz.
Etwa eine Viertelstunde nordwestlich von Triebitz, nordwestlich der
Neuen Fisenbahnstation, dehnt sich auf einer verhältnismässig kleinen Fläche ein
Streifen miocaener Sedimente aus, die in den 50er Jahren zufällig entdeckt wurden,
als man einen tiefen Eisenbahndurehstich hinter der jetzigen alten Eisenbahn-
Station herstellte. Damals wollte man auch auf dieser Trace einen Tunnel haben,
Jedoch ohne grosse Auslagen und anstrengende Arbeit. Für diesen Zweck schien
ihnen die sich quer über das Thal dahinziehende Erdwelle sehr verlockend, da es
leichter war ihr Material (Tegel) za durchbohren als das der benachbarten Quader-
Sandsteine, Und so stellte man um mässiges Geld und in verhältnismässig kurzer
Zeit einen hübschen langen Tunnel her, der leider Gottes nur kurze Zeit dauern sollte.
m Heute, nach theueren Erfahrungen, würde es allerdings niemandem einfallen,
In ein, dem Bau so geführliches Material, wie es der Tegel ist, einen Tunnel zu
Braben, insbesondere, wenn dessen Liegendes eine mächtige Sandschicht birgt, zu
Welcher die Tagwässer freien Zufluss haben. Anders war es allerdings damals! Man
“annte seine Eigenschaften noch nicht gut genug, und da man nur den Vortheil
Im Auge behielt, vertraute man mit um so grösserer Beruhigung das kostspielige
nd wichtige Werk dem trügerischen Tegel an.
Doch sehr bald sollten sich seine gefährlichen Eigenschaften geltend
en: Durch Sickerwässer, Druck und Belastung rutschten die Böschungen des
esigen Dammes ab, der Boden des Tunnels begann sich zu wölben, das Gewölbe
Je weiter, desto mehr rissig zu werden; es zeigten sich plótzlich die Anzeichen,
dass es unerlässlich sei, den der Fahrt so gefährlichen Tunnel entweder oben zu
Öffnen oder die Trace aus seinem Bereiche zu verlegen. Das letztere wurde als das
4%
zweckmüssigere erkannt und so ist heute der Tunnel verlassen, verwüstet, theils
zerfallen, theils zerstórt.
Trotzdem er aber verlassen ist und wenig Verlockendes hat, besitzt
er für den beobachtenden Geologen nicht geringe Wichtigkeit. Liegt es doch auf
der Hand, dass wenn er nicht existirte, wir vergeblich nach den miocaenen Ab-
lagerungen in der hiesigen Gegend suchen würden, etwa so vergeblich, wie zum
D. zwischen Triebitz und Abstdorf, an solchen Orten, wo es zwar hunderte von
Anzeichen giebt, die von der Gegenwart miocaener Ablagerungen Zeugniss ablegen,
wo wir aber trotzdem nicht im Stande sind, sie erschlossen oder doch nur theil-
weise zugänglich aufzufinden.
Aber auch im Triebitzer miocaenen Districte giebt es sehr vieles, was
nicht augenblicklich zu enträthseln ist, worauf d. z. eine befriedigende Antwort
nicht gegeben werden kann. Die Ursache hierfür liegt in den Umständen, von denen
weiter unten die Rede ist, die heute zu beseitigen nicht gelingt, da die uns zu Ge-
bote stehenden Mittel bisher unbedeutend, ja vielfach geringfügig sind.
Die grössten Hindernisse bereitet einer Durchforschung des Triebitzer
Miocaens ohne Widerrede die aus diluvialem Lehm und aus Alluvionen zusam-
mengesetzte Decke, Dort, wo es nieht Lehm giebt, sind es gewöhnlich diluviale Ge-
bilde, die in Form zusammenhängender Decken auftreten. Diese Sedimente ver-
schulden es in erster Reihe, dass es auf keine Weise gelingt, die Ausdehnung
des hiesigen miocaenen Distrietes genau zu bestimmen, ferner, dass es nicht gelang,
auszuforschen, ob nicht etwa die miocaenen Gebilde aus der Umgebung von Triebitz,
durch die in die Kreidegebilde eingeschnittener Thäler ohne Unterbrechung in die
Gebiete des Miocaenendistrietes von Abtsdorf, Rudoltitz, Landskron und Böhm.-
Trübau sich hindurchzwängen.
Wie auch daraus klar hervorgeht, ist der erwähnte Bahndurchschnitt für
uns sehr wichtig und gewinnt noch unbestritten an Bedeutung, wenn wir zu diesen
Umständen noch die Erfahrungen hinzuthuen, zu denen wir im Terrain auf Grund
umfassender geologisch-palaeontologischer Studien gelangt sind.
Trotzdem heute die Verhältnisse im Umkreise des Triebitzer Tunnels, auf
dem Raume des dortigen Miocaengebietes, für eine gründliche Durchforschung weit
ungünstiger sind, als sie s. Z. 4, E. Reuss vorgefunden hatte, so war es mir dennoch
möglich, einestheils in dem dortigen Einschnitt, anderntheils oberhalb des Tunnels
selbst sich von der Zusammensetzung und Schichtung des Triebitzer Miocaens zu
überzeugen. Ich halte mich verpflichtet, hier mitzutheilen, dass als günstigster
Orientirungspunkt daselbst der nördliche an Ausgange gelegene Theil des Tunnels
anzusehen ist. Zwischen diesem und dem nächsten Luftschlot ist es sehr leicht möglich
beide hiesige Tegelbänke aufzudecken. In kurzer Zeit gelingt dies in der kleinen
trichterförmigen, nächst des ersten Schlotes befindlichen Vertiefung, da sie nicht nur
nicht verwachsen, sondern auch hinreichend tief ist und die Abhänge abgegraben
und abgedeckt hat. Im ganzen übrigen, bis zur Strasse reichenden Tunnelraum
finden wir kein gelegenes Plätzchen, wo es möglich wäre, das zu beobachten, was wir
dort gesehen haben. Nicht einmal in der beim zweiten Luftschlot befindlichen
trichterförmigen Vertiefung sind die Verhältnisse günstiger; die Ursache liegt vor
allem darin, dass die erwähnte Grube tief, von abschüssigen Böschungen und ganz
mit hohem Schilf bewachsen ist. Den Tegel zu prüfen, der den Damm an der
Mündung des Tunnels bildet und sich zu beiden Seiten desselben hinzieht, wider-
rathe ich. Es wäre dies deshalb eine vergebliche Arbeit, da jener Tegel auf secundärer
Lagerstätte sich befindet; von welcher Stelle des Tunnels er stammt, weiss man nicht.
Aus diesem Grunde nahm ieh keine Rücksicht auf ihn, umso eifriger kümmerte
ich mich um den Tegel der unversehrten Bänke, welche in der ersten Vertiefung
und der Böschung des Eisenbahneinschnittes an der nördlichen Mündung des
Tunnels blosgelegt wurden.
Wie schon früher erwähnt wurde, ist es möglich, auch unter den d. z.
ungünstigen Verhältnissen, jene zwei Tegelbänke zu untersuchen, die in den 50er
Jahren Reuss frisch aufgedeckt gesehen hat. Wir gelangen rasch zum Ziel, wenn
wir das Miocaen berücksichtigen, u. z. sowohl im Bahneinschnitt an der Mündung
des Tunnels, als auch in der ersten Grube nächst des Luftschlotes. Damit der
Zweck unter allen Umständen erreicht werde, ist es nöthig, im Einschnitt eine tiefere
Grube graben zu lassen und dieser den Tegel zum Schlemmen zu entnehmen.
Nur auf diese Weise überzeugen wir uns gleichzeitig, dass der Unterschied im
lithologischen Charakter des hiesigen Tegels ziemlich unbe ist, ja auf den
ersten Anblick minimal zu sein scheint, auf welchen Räcksicht zu nehmen, man
Oft gar nicht verfällt.
Trotzdem wird auch diese Seite der hiesigen miocaenen Tegel unsere Auf-
Merksamkeit in Anspruch nehmen. Sie fesselt unsere Sinne, sobald wir ihre
feinere Details erkannt und ihre Schiehtung genauer gelernt haben. Auffällig ist
beim ersten Anblick die Bank des unteren, dunklen Tegels. Er gemahnt lebhaft
an den unteren Abtsdorfer Tegel. Er ist ebenfalls bläulich, im feuchten Zustande von
Schwarzer Farbe, ferner plastisch und fein. Dem Schlemmen unterzogen, hinterlässt
er einen Rückstand, bestehend aus feinkörnigem Quarzsand von weisser Farbe und
aus einem Detritus von Gesteinsarten der Kreideformation; doch davon ist nur
wenig vorhanden. Diese Tegelbank ist an Versteinerungen ziemlich reich, aber
nicht in jenem Masse, wie z. B. die Abtsdorfer Austernbank oder der gelbe Ru-
doltitzer Tegel. Auch aus der Triebitzer Tegelbank sind zwar genug erhaltene
Gehäuse und Schalen ausgeschlemmt worden, mehr jedoch an beschädigten oder
an unbestimmbaren Bruchstücken.
Dieser Umstand ist, soweit es sich um die Lamellibranchiaten handelt, der
Dünne der Wandungen zuzuschreiben und vielleicht der heftigeren Durchrüttelung
der Anschwemmung durch die Uferstrómungen. Ich habe mich nämlich häufig über-
zeugt, dass die Bruchstücke schon im unverletzten Gestein waren und die
ehrzahl der Schalen, namentlich die grösseren schon in der Schichte gesprungen
g es ist daher natürlich, dass diese Schalen im Wasser zerfallen und wir im
chlemmrückstande nur mehr Fr ragmente erhalten.
T Die unten angeführte Fauna wurde aus einem etwa 30 Kilogramm schweren
е
gelstück ausgeschlemmt, das in der Nähe des südwestlichen Ausgangs des
"u \ : ! à 5
nnels abgegraben wurde, u. zw. zwischen diesem und dem westlichen Luftschlot.
54.
A. Fauna der unteren Tegelbank.
Pisces. Chemnitzia minima, M. Hoern. . . 8
Otolithus (Gobius) Bohemicus, Proch. ss Rissoa Montagui, Payr.. . . . . . 8
Hydrobia Frauenfeldi, M. Hoern. . hh
Ostracod a. Melanopsis impressa, Kraus. . . . 88
Bairdia heterostigma, Rss. . . . . h Р
ee Ah Lamellibranchiata.
Cytherella Mülleri, Münst. sp. . . 88 Psamobia, Spec. . . 2.2.0002. 88
? Mactra E DEE
Gasteropoda. Cardium Opatovense, Proch. . . . $
Buccinum Schöni, К. Hoern. u. A. . 8 Ostrea giengensis, Schloth. sp. . . . 88
Cerithium lignitarum, Eichw. . . . ss
` pem DE . . . . „Ai Foraminifera.
Turbonilla pygmea, Grat, . . . . ss Polymorphina problema, d'Orb. . . ss
Natica millepunctata, Lam. . . . 88 xlobigerina bulloides, d'Orb. . . . 83
Кешир RUD E V vos ie o on LIU Rotalia beccarii, Linnée sp.. . . . h
Chemnitzia perpusilla, Grat. . . . hh Nonionina communis, d'Orb.. . . . ss
А. E. Reuss schreibt in seiner Arbeit über das böhmische Tertiär Seite
272, dass wie in der Umgebung von Rudoltitz, so auch hier der graue Tegel von
einem lichteren überlagert wird. Dazu bemerkt er weiter, dass der erwähnte, untere
Tegel eine bedeutende Menge von Austernschalen birgt.
Ich trachtete nach Möglichkeit, diese Austernbank zu entdecken, allein alle
meine Bemühung blieb vergeblich. Dafür gelang es mir, auf eine Tegelbank von
verhältnismässig reicher Fauna zu stossen, die ich nach ihrer Lage unmittelbar in
das Niveau der erwähnten grauen Tegelbank stelle. Wie reichhaitig und von welchem
Charakter diese Dank ist, von all dem giebt das vorhergehende Verzeichnis ein
klares Dild.
Das Übergewicht der brackischen Arten ist auch in diesem Tegel so offen-
kundig, wie in den Tegelbünken der Abtsdorfer Umgebung. Am verbreitesten und
am reichsten an Individuen sind hier diese Arten: Cerithium pictum, Nerita picta,
Chemnitzia perpusilla und Hydrobia Frauenfeldi. Von Interesse ist jedenfalls, dass in
dieser Bank die Arten Cerithiwm lignitarum, Buccinum Schóni und Melanopsis impressa
überhaupt nicht vorkommen. Mit diesem Charakter der Gasteropoden stimmt derje-
пісе der loraminiferen und Ostrakoden die durch brackische Arten vertreten sind,
vollkommen überein. Die marinen Foraminiferentypen erachte ich als aus den
benachbarten marinen Bezirken eingeschwemmt. Diesem Faunentypus gegenüber
erscheinen die echten marinen Arten in den Hintergrund gedrängt und tragen
auch das Kennzeichen der physikalischen Verhältnisse des brackischen Gebietes,
unter dessen Einfluss sie zu leben bemüssigt waren, tief eingegraben.
Fast übereinstimmend mit dem unteren Tegel ist der Tegel der oberen
Triebitzer Bank. Die Unterschiede sind unbedeutend. Ich würde von denselben
hier überhaupt nicht sprechen und derselben auch nicht erwähnen, wenn ich hiezu
nicht durch die Fauna verleitet wäre. Diese zeigt nämlich merkliche und ziemlich
ст
ы
gewichtige Abweichungen. Es ist zwar nicht üblich, auch auf die kleinsten Details
Zu achten, doch in unserem Falle, wo es sich um selbst feinere Details handelt,
muss man auch diese kennen. Unter diesen Umstünden entgeht uns ebenfalls nicht,
dass diese obere Bank lichter ist, reicher an Kalk erscheint und dass sie mehr sandiger
Beimengung aufweist, als der Tegel der unteren Bank. Ihr Schlemmrückstand ist aus
feinem Quarzsand und aus einem unbedeutenden Detritus von Gebirgsarten der
Kreideformation zusammengesetzt.
Die Fauna dieses Tegels ist einigermassen an Arten ärmer, als diejenige
der unteren Tegelbank, dafür ist der Individuenreichthum der Arten in jener
grösser als in dieser Schichte. Die Gehäuse und die Schalen sind verschieden
erhalten : im Gestein sind dieselben unverletzt, dahingegen an der Oberfläche des
Ausgehenden zumeist beschädigt. Die vom Regen aus dem Tegel geschlemmten
Gehäuse sind weiss, ausgebleicht, ‚während die dem Tegel frisch entnommenen
Gehäuse braun erscheinen. Ich bemerke, dass dieses Verhältnis, welches hier oben
erwähnt würde, auch auf verschiedenen Fundorten des marinen Miocaens auftritt.
Es gab eine Zeit, wo man diese Färbung mit in Erwägung zu ziehen pflegte. Heute
sd man jedoch davon abgekommen, denn wir haben erkannt, dass nicht überall die
Fürbung der Schalen zu derjeniger der Gesteinsart in einem constanten Verhältnisse
steht, Um wenigstens einen analogen Fundort anzuführen, erinnere ich an Borač bei
Tischnowitz. Über diesen werde ich in meiner Schlussarbeit über das Miocaen des
westlichen Mährens ausführlich sprechen.
B. Die Fauna des Tegels der oberen Bank.
Ostracoda. Chemnitzia perpusilla, Grat. . . .hh
Bairdia obesa, Rss. . . . . . . . hh Hydrobia Frauenfeldi, Eichw. . . . hh
Е" а Frauenfeldi var. Bohemica,
Proh ata e aia ah Pine
B Gasteropoda. Melanopsis impressa, Kraus. . . . h
Eun Schöni, R. Hoern, u. A.. 8 á tabulata, M. Hoen, . . ss
ШИШ pistum, Bart. . 2... В | N
| à lignitarum, Eichw. . . . 8 Lamellibranchiata.
Felle Diele Ban ЧА ah Lucia ee ee re
: Die hier angeführte Fauna ist einerseits dadurch auffällig, dass sie der
Foraniniferen entbehrt, andererseits dadurch, dass ihre Lamellibranchiaten stark
reducirt erscheinen, so dass dieselben als in den Hintergrund gedrängt erscheinen. Die
I asteropoden, obwohl arm, übertreffen die übrigen Gruppen in bedeutendem Masse.
der Gesammteindruck, welchen diese Fauna macht, gipfelt darin, dass sie sich als
tedueirter Faunentypus der unteren Bank zeigt.
Behufs besseren Verständuisses des Faunencharakters des Triebitzer Te-
ое genaue Kenntnis | unter den gegenwärtigen Verhältnissen sehr wün-
Jenswerth ist, führe ich hier ein summarisches Verzeichnis seiner Fauna an, wie sie
it CRM aus jenen beiden Bänken bekannt geworden ist, denn nur 80 ist
Ahle Stande schnell und leicht diese Fauna mit der Abtsdorfer und mit den
igen Faunen des ostböhmischen Miocaens zu vergleichen.
56
Uebersichtliches Verzeichnis der Faunen der Triebitzer Tegel.
mt 7 партав Geer, CUTS Tegelbank | H Г
in gibt
25
Мате Ple Р
ЕЯ:
Pisces.
1 | Otolithus (Gobius) Bohemieus, Proch. 58
Ostracoda.
2 jairdia obesa, Rss. h | hh
3 » heterostigma, Rss. h .
4 ée) ИВОВ ваг уль ý Д
5 * Cytheridea Mülleri, Münster. 88
Gasteropoda.
6 | Buccinum Schöni, В. Hoern. u. A.. edes Ja?
7 ч miocaenicum, Michli. Н
8 | Aporrhais pes pelecani, Phil. i . . 8
9 | Cerithium pictum, Bast. . ий К ech
10 lignitarium, Eichw. Bue S hh
11 y Duboisi, M. Hoern. * vr h
12 | Turbonilla pygmea, Grut,. . . . .. А 88
13 | Natica redempta, Michti. 88 :
14 » millepunetata, Lam. h
15 | Litorina suleosa, Rss. . - | 88
16 | Nerita picta, Fer. } i hh | hh | hh
17 » Guateloupana Её M . bos
18 | Chemnitzia perpusilla, Grat. hh | hh
19 " minima, M. Hoern. 8
20 | Rissoa Montagni, Payr. n Bars
21 | Hydrobia Frauenfeldi, Eichw. . . Nee hh , hh
22 \ Frauenfeldi var. bohemica, Proch. bebat \
23 | Melanopsis impressa, Kraus. . ere, ЕШ
24 S tabulata, M. Hoern. : ss | hh
Lamellibranchiata.
25 | Psamobia spec ss
| 26 ? Mactra fragilis, Proch. CEP 8
27 | Cardium Opatovense, PEOC e єл» 8 .
Ze Ama dee bead ....... . 8
29 | Lucina spec. ` (SS i
30 | Ostrea giengensis, Schloth. Sp. i 88 hh
Foraminifera.
| 31 | Polymorphina problema, d'Orb. 88
32 | Globigerina bulloides, d'Orb. 88
33 | Rotalia beccarii, Linné sp. h
34 | Nonionina communis, d'Orb. 88
сх
I
A. E. Reuss führt in seiner Arbeit 16 Arten aus dem Triebitzer Tegel an.
In diese sind drei rein marine Arten eingereiht: Chenopus pes pelecani, Buccinum
miocaenicum und Arca dilwii, von welchen es diesmal nicht gelang, auch nur
eine Spur zu entdecken. Dem gegenüber wies ich in dem hiesigen Tegel Foramini-
feren nach, ıücksichtlich welcher Reuss der Meinung war, dass dieselben in
demselben überhaupt nicht vorkommen dürften. Ausserdem ist die Zahl der Arten
auf 32 erhöht worden.
Damit ist wohl angedeutet, um wieviel meine Durchforschung die Kenntnis
der Fauna dieses Tegels vertieft hat.
Es lag mir sehr daran, im Eisenbahndamme die erwähnten marinen Arten
"nd Austernbünke auszubeuten, weshalb ich daselbst an verschiedenen Stellen nach-
graben liess. Der Zufall wollte es, dass sich mir für diese Arbeit ein Greis anbot,
der in den 50er Jahren bei dem Triebitzer Tunneldurchstich beschäftigt war. Als
E erfuhr, was ich suche, begann er sehr lebhaft zu erzühlen, dass, als man den
hiesigen Tunnel und Einschnitt grub, die Arbeiter sehr häufig auf Tegelbänke
Stiessen, die überreich an grossen Abdrücken und ebenso an Austernschalen ge-
Wesen sind.
Diese Mittheilung des alten Mannes halte ich für hinreichend wichtig, um
derselben Erwähnung zu thun; bezeugt sie doch, dass es auch hier, wie auf dem
Abtsdorfer Gebiete Stellen und Bänke mit einer reichen Fauna giebt, während
andererseits auch hier Punkte genug vorhanden sind, die auch nicht die geringste
Pur einer Fauna aufweisen.
Dass diesmal diese an Petrefacten reichen Tegelbänke nicht gefunden
Wurden, braucht niemanden in Verwunderung zu setzen. Sind doch die heutigen
Umstände namentlich für Bestrebungen dieser Art die allerungünstigsten. Und
schliesslich bedarf es dieser Bänke nicht, um den Charakter der hiesigen Tegel
und ihre Fauna kennen zu lernen. Es genügt hiefür ganz gut ein Tegel mit
“егег Fauna.
\ Die Richtigkeit dieser Anschauung bestätigt das vorhergehende summa-
"sche Verzeichnis Es reicht aus, da ja aus demselben der Gesammtcharakter
der Triebitzer Fauna klar und deutlich hervortritt. Weiter schen wir, dass diese Fauna
mit der Abtsdorfer congruent ist. Denn derselbe Typus, wie auf dem dortigen
ebiete, tritt auch hier auf. Dieselben Familien, fast durch dieselben Arten ver-
treten, führt auch der Triebitzer Tegel. Die Unterschiede jedoch, welche diese
eiden Faunen trennen, sind auf das Conto der Differenz der localen physicalischeu
erhültnisse zu schreiben, welche, einen offenkundigen Einfluss auf die Art-
ntwickelung hatten und sie auch modificirten.
B's War die rein marinen Arten anbelangt, so vermuthe ich, dass sie in diesem
“sKischen District autochthon sind.
Schirmdorf.
Nnm vom Triebitzer brackischen Depöt breitet sich der etwas weniger
Sngliche Schirmdorfer District aus. Auf der alten geologischen Karte der Wiener
velchsanstalt ist dieser Bezirk als ein schmaler Streifen verzeichnet, der sich
n dem Dorfe und der Eisenbahn fast senkrecht zum Bahndamme dahinzieht.
2Wische
Das ist aber auch alles, was über diesen Bezirk in der Litteratur ver-
zeichnet ist.
Desto grösser war mein Bestreben, nicht nur seine Ausdehnung, sondern
auch den Charakter der Fauna kennen zu lernen, ausserdem aber auch sein Ver-
hältnis zu den Nachbarbezirken, d. h. zu dem Schirmdorfer und Triebitzer, fest-
zustellen.
Nach den geologischen Karten schliessend, vermuthete ich, dass ich die
Schirmdorfer Tegel óstlich vom Dorfe, wenigstens in der Weise aufgedeckt finden
werde, wie die Tegel in der Umgebung von Triebitz. Wie gross war aber mein
Erstaunen, als ich an Ort und Stelle kam!
Von den Tegeln gabs auch nicht eine Spur! Dort, wo sie sich vorfinden
sollten, breitete sich eine in Humus verwandelte Schicht diluvialen Lehms und
jüngerer Sedimente aus. Auf der Westseite des Eisenbahndammes, dicht an dem-
selben, stiess ich auf einen zu Tage tretenden Tegel und verfolgte ihn von da in die
Wiesen hinter den Damm, wo er mir wieder unter einer jungen Decke verschwand.
Der Zusammenhang dieses Schirmdorfer Depóts mit dem Triebitzer ist
offenkundig. Es stellt einen schmalen Streifen dar, längs dessen sich zur Zeit des
miocaenen Meeres die brackische Zone dem Ufer entlang, dahinzog, um von hier
aus allmählig in die marine Zone über Schirmdorf und Bóhm.-Trübau überzugehen.
Dafür spricht einerseits die Lage dieses Depóts, andererseits das nahe Gebiet der
Kreideformation, ein ehemaliges Meeresufer.
Mancher würde unserem, auf diesem Bezirke bisher einzigen Orte, wo e$
müglich ist, die Tegel zu studiren und auszubeuten, allerhand ausstellen. Es hat
in der That viele Fehler, neben anderen auch den, dass die betreffende Tegel
daselbst nicht bis zu ihrem Liegenden durchschnitten sind. Trotzdem ist es nicht
schwer, sich zu überzeugen, dass auch hier die Mächtigkeit der neogenen Tegel nur
eine relativ unbedeutende ist. Wichtig ist die Stelle beim Eisenbahnviaduct, durch
welchen der Fussweg von Schirmdorf nach Triebitz läuft, dadurch, dass man auf
derselben nach Belieben den petrographischen Charakter der Tegel und die dortige,
verhältnismässig reiche Fauna studiren kann. Da überzeugen wir uns, dass dieser
Tegel sich durch dieselben Eigenschaften, wie der Triebitzer auszeichnet. Er ist
nämlich auch von bläulicher Farbe; im frischen und feuchten Zustande, zeigt er
sich dunkel, fett, plastisch und fein. Im Wasser ist er sehr schwer löslich und
hinterlässt einen aus feinem Quarzsand, der mit kleinen Splittern von Gesteinsarten
der Kreideformation vermengt ist, zusammengesetzten Rückstand. Ausserdem finden
wir im letzterem eine überaus interessante Fauna, welche, bis auf den Umstand,
dass sie eine sehr grosse Menge mariner Foraminiferenarten führt, doch nicht
ganz aus dem Rahmen jener Faunen heraustritt, die als brackische angesehen werden
müssen und das nicht blos ob der Detailmerkmale, sondern auch gleichzeitig wegen
ihres allgemeinen Habitus. Wie gross diese Übereinstimmung ist und welcher
Unterschied zwischen der Schirmdorfer und den übrigen Faunen besteht, wird aus dem
hier angeführten Verzeichnisse klar hervorgehen.
Die Fauna des Schirmdorfer Tegels am Eisenbahnviaduct.')
Ostracoda. Cardium Opatovense, Proch.. . . . ss
Cytheridea Mülleri, Münst. sp. . . h Ostrea giengensis, Schloth. sp. . . h
Gasteropoda. Echinodermata.
Buccinum Schöni, К. Hoern. W A. . ss Stacheln h
Serithium MOU DEE EE erc NER
е Turis, DASU 1... к ie 9M Foraminifera.
ENS DE, EBE p A an vive Dirr | |
B oss ашыма, Мова. S EEN De e
lextullaria abbreviata, d'Orb. . . . ss
Lamellibranchiata. Bulimina pupoides, d'Orb. . . . . ss
Üorbula gibba, Olivi. . . . . . . s c mue QE ou iN
Cardium ШЕ ШО ИШ, Bol ve on Virgulina Schreibersiana, Čžiž.. . . s
Verneuilina chu Tele ОВ Truncatulina praecincta, Кап. . . 8
Nodosaria Viet Te . 88 Anomalina Badensis, l'Orb. . . . . h
А ОВА Н ОНИ EE Rotalia Soldamii ООО В
Cristellaria ИТЕК, ШОШ И, ВВ р beccarii, Linné sp. . .
om CERT COLD. о ое Nonionina communis, d'Orb.. . . . 8
Polymorphina problema dnb. (5. 88 » 30%ЕЛа, QUID ru 88
^ Diese Fauna trügt den Charakter ihrer Herkunft sehr deutlich eingeprügt.
Zwei Elemente concentriren sich in derselben. Das brackische, welches überwiegt,
und das marine. Dass dieser Charakter mit der Lage streng übereinstimmt,
CH nicht zu bezweifeln, im Gegentheil, wir müssen daran glauben, denn anders
lässt Sich die Anwesenheit der erwähnten beiden Typen nicht erklären. Gehen
Vlr auf diese Verhältnisse tiefer ein, dann finden wir, dass sie den Umständen
entsprechen , dass sie überhaupt natürlich sind. Es ist ja auch nicht anders
Möglich. Eine scharfe Abgrenzung gab es nicht, so wie sie auch heute nicht exi-
Stirt, Es wäre daher die Anschauung falsch, derzufolge die Meinung verbreitet
würde, dass es keine thierischen Übergangstypen giebt, oder, dass nur auf be-
Stimmten Gebieten auch bestimmte Thiertypen auftreten müssen. Ein Gebiet ging
ШҮ in ein anderes über, alle waren belebt und infolge dessen concentrirten
Sich die Arten dort, wo sie die günstigsten Lebensbedingungen fanden. Ge waltsam
Wurden sie nirgendshin verschleppt; dass an der Grenzscheide verschiedenartiger Be-
zirke sich der Übergangsbezirk ausdehnte und dass in diesem sich die Typen jener
ER E Um das SÉ organe on was oben von dem organischen Gehalt dieses Tegels gesagt wurde,
DEA Cu nebenbei CN Fauna aus der Kreideformation an. Damit meine ich nur die Zahl der
in T D» epóts mit Hannen zu vermehren, zum Beweise, dass diese Vormengung der Е aunen
ersedimenten, woselbst Priesener Mergel zu Tage treten, eine gewöhnliche Erscheinung ist.
‘Foraminifera.
Textularia praelonga, Rss. Lagena nov., spec.
Bulimina: variabilis, d'Orb. Jristellaria. rotulata, d'Orb.
Bulimina ovulum Rss. l'rondicularia angulosa, Rss.
Lagena spec. ` Globigerina cretacea, d’Orb.
Globigerina marginata, d'Orb.
60
verschiedenartigen Districte untereinandermengten, ist selbstverständlich und natürlich.
Solche Verhältnisse finden wir in den heutigen Meeren und sollten wir sie negiren
oder auf andere Weise commentiren, wenn sie, in scharfen Umrissen angedeutet, in
Sedimenten älterer Perioden gefunden werden?
Scheiden wir den marinen Typus aus dieser Schirmdorfer Fauna aus, so
erhalten wir eine, mit den Arten des Abtsdorfer und Triebitzer Typus conforme
Gruppe. Scheiden wir sodann den brackischen Typus aus, so schmiegt sich der
zurückgebliebene marine Antheil an die Fauna des im Dorfe Schirmdorf aufgeschlos-
senen Tegels an, ferner an diejenige von Bóhm. Trübau, insbesondere an die vou
Lukau und Landskron.
Uebersichtliches Verzeichnis der brackischen Faunen:
-— ~ " - = — ни E
KA
S
"d Е N
Name dH 3Y
B b 8
a |< е
Pisces.
1 |. Otolithus (Gobius) Bobemieus Proch... u s оа EECH
2 Я (Serranus) аш РО 88
Ostracoda.
ЮП Батан ехе Б utu йе иши e det ea n БЕШТЕ
4 б ӨЛ @ ШАШ еа А КВ e e E REG h h
5 БЕТОБ EE жук эу IR o a URS л a ` h
6 ООН e N E h | hh
Kabel o Gallen MUMU s EE oos HI eu SC ER
Balanidae.
Sr Damus Ee Rd AN DAS a A d 8
9 5 BD SQ d. egal MAL FU Opis. 88
Gasteropoda.
10 | Bucemum ШОШ, RB. Hoeth u. Aung, . e .. . „ı B8B | B.] 3
I СӨП Glas ТОСО Вр ИО . 8
12 $ DOCU ЕО о FI veter IER e Ae РЕШЕ ЕҢ
18 M ШЕШ o CON e E I Kai
14 " Шр Ma DOR m obo ood s 8 8
15 o САО ОШУ EE Cla
16 ў EUO Т a оао о р o a een
Li в И ӨШИ a NERA QU; жолок ид uc ta e EG › 8
ШИШИ ЕЕ, el Dub. V. Уук ern wl NE |
19 ý SPO e OE a e E Eo Е TSE O г . 8
202 Vdontostomauch ELOBDILGSA IUSSI е Een QU MESS
e Wie SM УСА Оа о PUR И ce UAM Dean ps sS | h
22 | Манса Coni. d OH Ee МаН ие" 8 .
28 АШ ПОН ООШ Ие i 88
61
+
Name AE B
а ад
№ A EH
| |
EU Nenta реа, Bar o % | 8 | hh | hh
25 | Ohemnitzia perpusilla, Grat. a h
26 А minima, M. Hoern. E | 88
27 ? Reussi, M. Hoern.. | 5 .
28 | Rissoa Montagni, Payr.. . . . . ois El ae p
29 | Hydrobia Frauenfeldi, M. Hoern. eti irae ss | hh | hh
30 " Frauenfeldi var. Bohemica, Proch. . sS | 8
3l concinna, Sowerb. . B i
32 | Melanopsis impressa, Kraus. . .,| hh | Bi
38 li tabulata, M. Hoern. 8 h
34 | Vissurela clipeata, Gratel. " 88
35 | Teredo Norvegica, Spengl. | 413
96 | Psammobia sp. . . . Pol. £1
37 | Corbula gibba, Olivi. . FROM S
38 ji carinata, Dujard. 5 ‹
39 | ? Mactra fragile, Proch. Ki
40 | Circe minima, Mont. Sp WD
з Шш Ер б 2717. v. Gase "eg `
42 Cardium papillosum, Poli. SS Nd 3
43 3 Opatovense, Proch. ЖОК TOM S)
ba Erycina Bohemica, Proch. h
45 Modiola biformis, Rss. ...., 88
46 | Ostrea cochlear, Poli. «| B.
47 » Doblayi, Desh., E h 8
bn i digitalina, Dab.. ee Sala? 8 8
49 » giengensis, Schloth. sp. ph ph dh
90 » Crassissima, Lam. . . Jr Mee eat
Foraminifera.
: Miliolina conf. consobrina, d'Orb. 88 i
24 | Textularia abbreviata, d'Orb. 88 ;
93 | Verneulina spinulosa, Rss. 8 .
94 | Bulimina affinis, d'Orb. ........ 8
95 $ РОО ОО ОШО dE ВВ
56 Vaginulina Schreibersiana, бій. . . . N i
57 | Nodosaria Sa I ull. BI. ^
98 » БШШ MSS. ur. AC ar ae h ^
99 | Cristellaria cultrata, Montf.. . 0. 88
60 s" СОАО ООО, iN 8 4 1
61 Polymorphina problema, d'Orb. De рова
A Globigerina bulloides, d'Orb. KE Ў i 88
N T'runcatulina praecincta, Karr. sp.. „u... 8 һ
b Anomalina Badensis, d'Orb. . . . . h
65 Rotalia Soldanii, d'Orb. . . . .. 8 .
66 еви: Linné sp... coo v. h 88
|. | Nonionina СОЛЕ TO. opa о vo 8 88
38 | e ОНОВА BORN ehe " er "Se :
Alle Faunen aus unseren brackischen Bezirken stellen einen scharf um-
schriebenen Typus, der auch dann in markanter Weise hervortritt, wenn er mit
marinen Elementen vermischt, oder vom denselben begleitet ist.
In dem vorliegenden Uebersichtsverzeichnisse ist der brackische Typus
unseres ostbóhmischen Miocaens, soweit er uns bis jetzt bekannt geworden, getreu
wiedergegeben.
Dieser brackische Tegel, der mit den rein marinen Typen des Baden-
Borater Tegels, des Steinabrunn-Drnovicer Mergels des Nussdorfer-Pulgramsdorfer
Sandes, des Leithakalkes isochron, jedoch jünger als der Schlier ist, gewinnt
sofort an Bedeutung, sobald wir ihn mit ähnlichen oder identischen Typen anderer
Distriete vergleichen und wenn wir sein Verhältnis zu den übrigen Gliedern unseres
heimischen Miocaens bestimmen.
Eine ganze Reihe ähnlicher Typen erweckte von dem Momente an, wo sie
entdeckt wurden, Interesse, doch erst im Jahre 1873 wurde ihnen eine einigermassen
grössere Aufmerksamkeit seitens des Prof. F. Toula zu Theil.
Es war dies die interessante Fauna von St. Veit bei Triesting in Steyer-
mark, welche Toula veranlasste, deren Stellung gegenüber den verwandten Faunen
abzugrenzen und sicherzustellen, in wie weit sie von der Fauna der sarmatischen
Stufe verschieden ist oder mit ihr übereistimmt.
Es ist nicht ohne Interesse zu erfahren, dass Toula, als er sich in der Litte-
ratur nach ähnlichen Typen, wie er sie bei Triesting entdeckt hatte, umsah, eine
ziemlich bedeutende Menge Faunen fand, die trotzdem sie viele Aenlichkeit mit
der St. Veiter Fauna aufwiesen, dennoch von verschiedenen Autoren verschieden
definirt worden waren. Bald erkannte er, dass diese Typen mit der sarmatischen
Fauna höchstens die bedeutende Entwickelung der Individuen gemeinsam haben;
deshalb reihte er sie richtigerweise in das Miocaen ein, sie als brackische Facies
desselben Meeres betrachtend. . Doch in. einer Hinsicht liess er sich auf einen
Abweg verleiten. Er legte grosses Gewicht auf die Anwesenheit der Art Cerithium
lignitarum. Dies verlockte ihn zu der Anschauung, dass die von ihm angeführten
brackischen Typen dem Grunder Horizonte einzuverleiben sind. Ob einige von den
angeführten Faunen Toula's diesem Horizonte angehören, weiss ich im Augenblicke
nicht ganz bestimmt, da diese Sache bis allher noch nicht definitiv erledigt ist;
dass unsere ostböhmischen, brackischen Tegel demselben nicht angehören, behaupte
ich mit aller Entschiedenenheit.
Allerdings, heute befinden wir uns auf einem andern Standpunkte. Wir be-
urtheilen die Fauna auf Grundlage des Gesammteharakters. Die sogenannten Leit-
fossilien beachten wir zwar ebenfalls, aber wir betrachten sie nicht als das allein
Entscheidende. Viel grössere Bedeutung legen wir dahingegen den Detailmerk-
malen der Fauna. Diese leitenden Gedanken gestatten uns über Klippen hinweg-
zusetzen, an denen so manche Erklärung der Verwandschaftverhältnisse der Faunen
gescheitert ist. Unter diesen Umständen wird es uns nicht hindern, Faunen auch
dann für verwandtzu halten, wenn denselben die sogenannten Leitfossilien abgehen.
Von unserem Standpunkte aus betrachtet, ergiebt sich für die Laaer-Fauna,
- wie sie von Prof. Toula angeführt wird, dass dieselbe unseren Faunen aus der
en
63
Umgebung von Triebitz, Abtsdorf und Schirmdorf entspricht, dann aber weiter,
dass derselben Gruppe auch noch die Faunen von Diós-Gyór, Rakord, des südlichen
Bakonyer- Waldes, aus der Gegend zwischen Szabolocs und Samogy, Pécsvárad (Un-
garn), aus Kainyad und Salm (Steyermark) u. a. angehören.
Zum Beweise für diese Behauptung sei mir erlaubt, einige von diesen
fremden Faunen u. z. die am meisten typischen hier anzuführen. Absichtlich wähle
ich vorerst die erwähnte Fauna von Laa aus dem südlichen Mähren. Mit Recht
Sagt von ihr К. Suess,!) dass sie zusammengesetzt sei aus: Land- (Helix turonensis
etc.) Süsswasser- (Fluviatilen) (Nerita picta, Dreissena, Melanopsis impressa) und
marinen Conchylien (Cerithium lignitarum, С. Duboisi, C. minutum, C. pictum, C.
nodosoplicatúm, Paludina acuta, Natica millepunctata, Venus scalaris, Arca lactea)
usw. Vergleichen wir diese Fauna mit unserer brackischen Thierwelt, so ist es
offenkundig, dass beide, bis auf die marinen Arten und Landformen übereinstimmen ;
dafür giebt z. D. die Fauna von Abtsdorf oder jene von Trieblitz oder Schirmdorf
Zeugniss. Ausser diesen Merkmalen füllt noch ein Umstand in's Gewicht, und das
186 die Association der marinen Arten. Schon ein Blick auf dieselben belehrt uns,
dass diese keine zufällige ist, sondern dass dieselbe durch dieselben physikalischen
Eigenschaften bedingt ist. Wäre es nicht der Fall, so würde es sehr räthselhaft
erscheinen, warum in unseren ostböhmischen Bezirken sich dieselben marinen Arten
vorfinden, wie auf südlichen Fundorten.
Und so wie diese Laaer-Fauna mit unserer brackischen verwandt ist, so
Stehen auch die übrigen Faunen der unseren sehr nahe. Die Verwandtschaft wird
aus dem hier folgenden Verzeichnisse ersichtlich.
Nowosielka in Galizien.?) Herender Eisenbahnstation in Ungarn.*)
Buceinum Dujardini, Desh.
Cerithium lignitarum, Eichw. f
Pleurotoma Jouanneti, Des Moul.
N o» pietum, Bart. déen M sg
erita Guateloupana, For. Cerithium lignitarum, Eichw.
Strea digitalina, Dub. ^ Duboisi, M. Hoern.
" pictum, Bast.
Diós Györ in Ungarn.?) ied m ravicum, M. Hoern.
Murex bl Nerita picta, Fer.
X 8 i " : GE
Сенин, ublavatus, Dart. Natica redempta, Michli.
1 ic { Оц à
m nodosoplicatum, M. Hoern. Melanopsis Escheri.
Ner: , Pietum, Bart. S impressa, Kraus.
b a picta, Fer.
e i : d 2,
Bess? Aquensis, Fer. Zwischen Szabolocs und Somogy.")
rea dieitalin: | ` е
= me Dub. Buccinum Dujardini, Desh.
р опо Чо d
B Ет ostris. Pleurotoma Jouanneti, Des Moul.
) №. Suess. Sitzungsberichte der к. Akadem. der Wissenschaften. Wien. 1866. S. 132.
) D. Stur. Verhand), d. geolog. Reichsanst. Wien. 1874. S. 402.
H J. Bóckh. Jahrb. d. geolog. Reichsanstalt. Wien. 1867. S. :35.
t) J. Böckh. Mittheilungen zum Jahrbuche der k. ungar. geologisch. Anstalt. 1879. S. 83.
) J. Böckh. Geolog. uud Wasserverhültnisse der Umgebung der Stadt Fünfkirchen.
der kónigl. ungar. geolog. Anstalt. 1881. S. 224,
Mitiheil,
64
Cerithium pictum, Bast.
H
Turritella bicarinata, Eichw.
Nerita picta, Fer.
Kainach und Salm.
Buceinum Dujardini, Desh.
Pleurotoma Jouanneti, Des Moul.
Cerithium lignitarum. Eichw.
^ pictum, Dart.
Nerita picta, Fer.
Ostrea digitalina, Dub.
Moravicum, M. Hoern.
Pécsvárad (Ungarn).!)
Buceinum Dujardini, Desh.
Cerithium lignitarum, Eichw.
e pictum, Dart.
Nerita picta, Fer.
Ostrea digitalina, Dub.
Ancillaria glandiformis, Lam.
Turritella turris, Bart.
^ bicarinata, Eichw.
orbula gibba, Olivi.
Lucina Dujardini, Desh.
Zu diesen Verzeichnissen muss ich noch bemerken, dass sie blos die Makro-
fauna enthalten. Der Mikrofauna wurde überhaupt wenig Aufmerksamkeit gewidmet.
Vielleicht wird später einmal nachgeholt, was man bisher verabsäumt hat. Und
dann wird man sich auch in diesem Falle überzeugen, dass der Faunencharakter
nur dann richtig beurtheilt werden kann, wenn alle Elemente der Fauna nicht nur |
beachtet, sondern in allen Details studirt worden sind. Auch zweifle ich nicht, dass |
die Mikrofauna viele Vortheile bieten wird, wie sie dieselben uns auch diesmal
gewährt hat, und dass sie noch in höherem Masse die Resultate bestätigen wird,
die wir durch die Durchforschung der Makrofauna erhalten haben.
Allein, auch die Makrofauna ist im Stande, zu überzeugen, dass unsere ost-
böhmischen brackischen Faunen sich durch denselben eigenthümlichen Charakter
auszeichnen, welcher den hier angeführten Faunen des südlichen Mährens, Ungarns,
Galiziens und Steyermarks zukommt.
1) V. Hilber. Jahrbuch der geolog. Reichsanstalt. 1878. S. 500.
Schlussbetrachtung.
Der Charakter des Tegels von Rudelsdorf*) und Lukau, dann von Johnsdorf,
Rothwasser, Dittersbach, Landskron, Böhmisch-Trübau, Schirmdorf und Wildenschwert,
schliesslich jener des Tegels von Abtsdorf, Triebitz, wie er oben geschildert wurde,
zeichnet in sicheren, klaren Zügen das Gesammtbild der ostböhmischen Bucht des
miocaenen Meeres. Neben dem faunistischen Charakter wird dieses Bild auch noch
durch die Mächtigkeit der Schichten, die Seehöhe der dortigen Sedimente und weiter
durch die Physiognomie des Grundgebirges erweitert.
Und es ist wirklich interessant, dass, ob wir nun dieses Bild entweder auf
Grund der Eigenschaften der Fauna, oder der Lagerungverhältnisse und Mächtigkeit
der Schichten, oder endlich auf Grund der Physiognomie des Untergrundes ent-
werfen, überzeugen wir uns, dass wir immer zu demselben Resultate gelangen.
: Mit Rücksicht auf diese Umstände wählen wir als Ausgangspunkt die Phy-
Siognomie des Untergrundes und untersuchen wir, inwieweit derselben dem Gesammt-
charakter der Faunen, dem petrographischen Charakter der Gesteinsschichten und
ihrer Mächtigkeit entspricht.
Betrachten wir das Gebiet des ostböhmischen Miocaens, ob nun auf der
Generalstaabskarte, oder von einem erhöhten Punkte, am besten zum Beispiel
SEH der in der Nähe des Wallfahrtsortes Mra. Zell bei Rothwasser befindliehen
Côte 501, ferner von der Hochkappe 608, oder von der Côte 601 bei Klein Her-
migsdorf, so bietet sich uns eine lange, seichte, jedoch breite Thalniederung, von
welcher sich zwischen Abtsdorf und Triebitz ein anfänglich breites, seichtes, nach
Norden sich verengendes Seitenthal abzweigt, das über Schirmdorf, Böhmisch-Trübau,
Nallhütte und Langentrübe bis in die Umgebung von Wildenschwert reicht. Die
erwähnte in die turonen Schichten eingesenkte, an zahlreichen Stellen bis auf Perm
vertiefte Thalniederung, verengt sich allmälig nach Norden und reicht bis in die
Gegend von Wetzdorf, woselbst sie einen halbkesselförmigen Abschluss findet.
E Gegen Süden breitet sie sich gleichmässig aus, im Westen von einem gerad-
linigen Wall abgeschlossen, der sich vom Nordost gegen Südwest hinzieht und den
en a ААСО
R *) In Folge eines Versehens ist in den vorhergehenden Zeilen statt des deutschen Namen
»Rudelsdorf“ der deutsch transeribirte böhmische Name ,Rudoltitz^ gekommen; es wird daher der
eser höflichst ersucht, in den vorhergehenden Blättern die diesbezügliche Correktur vorzunehmen,
5
66
3 Cóten: 621 óstlich von Klein Hermigsdorf, 649 im Blosdorfer Walde, 620 südlich von
Saukopf deutlich bezeichnen. Im Osten liegt an seiner Grenze der Ausgang mäs-
siger flacher Bergrücken: Friedrichslahn, Kirchberg, Breite Büffelwiese, Kuttlberg,
die sich südlieh über Moletein bis Charlottendorf ziehen.
Der erwähnte Wall, der den südlichen Theil der Elbe-Donau-Wasserscheide
ausmacht, dehnt sich nach Norden, hier mit dem Namen Steinwald bezeichnet,
woselbst er gleichzeitig den östlichen Abhang des schmalen Wildenschwert-Bóhm.-
Trübauer Thales bildet. Dieses lehnt sich im Westen an ein Plateau an, dessen
Seehöhe im Anderlü-Chlum bei Wildenschwert eine Höhe von 558 Meter, im Suchý
přítok 559 Meter, im Kozlauer Berg 600 Meter und im Abtsdorfer Walde 530
bis 588 Meter erreicht.
Auf dieses hier umschriebene und abgegrenzte Gebiet: die breite Wetz-
dor fer- Landskron- Rudelsdorfer Thalniederung und das Schirmdorf-Bóhmisch-Trübauer-
Wildenschwerter Thal beschränken sich die ostböhmischen miocaenen Sedimente.
Im Süden schliessen sie sich dem Complex mariner miocaener Tegel an, die sich
über Reichenau, Mährisch-Trübau und Trnávka in das Thal der Kleinen Hanna
ausdehnen. Aber auch hier beschränken sie sich nur auf eine bestimmte Seehöhe,
die 410 Meter nicht übersteigt. Diese Seehöhe, welche mit jener, die diese Sedi-
mente in Mähren, Schlesien, Nieder- und Oberoesterreich u. A. erreichen überein-
stimmt, bietet ein verlässliches Hilfsmittel, sobald es sich darum handelt, diese
Ablagerungen zu bestimmen und festzustellen. Denn schon durch die Berücksichtigung
dieser Seehöhe erhielt ich gewisse Anhaltspunkte dafür, ob der Bezirk, den wir zu
prüfen haben, ein miocaener sei oder nicht. Uebrigens schon auf der Karte, aller-
dings in rohen Umrissen verräth die besagte Seehöhe bis wohin etwa die miocaenen
Tegel sich erstrecken.
Die Seehóhe zeigt ferner, dass der Boden dieser Thalniederung und des
Seitenthales vom Süden gegen Norden steigt, was sich in dem loealen Charakter
der Fannen und in der Schiehtenmächtigkeit wiederspiegelt.
Indem wir diese Ausdehnung unseres miocaenen Gebietes und seiner
Physiognomie, insbesondere der Physiognomie der Thalsohle ins Auge fassen, ge-
langen wir leicht zum Verständnis des Charakters der Fauna unserer Bezirke
und das um so leichter, je sorgfültiger wir die Details der Distriete berück-
sichtigen. Diese Umstände klären uns darüber auf, warum gerade die brackischen
Faunen im Triebitzer und Abtsdorfer Bezirke vorhanden sind, warum der Schirm-
dorfer Tegel ein Gemenge von brackischen und marinen Arten enthält und warum
der Rudelsdorfer und Lukauer Tegel einen rein marinen Faunenty pus in sich einschliesst,
einen ebensolchen, der an allen Fundorten des máhrischen Miocaengebietes zu Hause
ist, während in der Umgebung von Landskron und von hier bis Rothwasser, weiter
von Schirmdorf bis gegen Wildenschwert wir Faunen finden, die aus Arten zusammen-
gesetzt sind, die sowohl an den Aufenthalt im Meereswasser als auch im Brack-
wasser gewöhnt waren und schliesslich, warum erst im Tegel von Rothwasser rein
brackische Arten auftreten, während z. B. in den Ladskroner Tegeln dieselben
nicht vorzukommen pflegen.
Dieser, wie ersichtlich, bunte Faunencharakter der ostböhmischen Tegel
zeugt unumstösslich für die Anschauung, dass das miocaene Meer in seinem Wesen
67
eigentlich von Mährisch-Trübau über Tschuschitz, Reichenau, Lukau bis gegen
Rudelsdorf reichte und dass von hier, je weiter gegen Norden, seine Wässer sich
aussüssten und seine Tiefe abnahm. Aus der Umgebung von Rudelsdorf und Lukau
?wängte es sich durch eine im Süden längs der Grossen Ebene, im Norden vom
Abhang der Bergflur begrenzte Enge und drang fjordartig einerseits gegen
Abtsdorf, wo es endete, andererseits über Schirmdorf, Bóhm.-Trübau bis Wilden-
Schwert. Das Wasser dieses schmalen Fjordes war sehr stark ausgesüsst, an vielen
Stellen, in den Buchten, wie z. B. westlich von Schirmdorf, Triebitz und Abtsdorf
80 stark brackisch, dass es dem charakteristischen brackischen Typus vortheilhafte
Lebensbedingungen bot.
Gehen wir ferner nur vom Charakter der Fauna aus, so zerfällt unser
0stböhmisches Miocaengebiet in drei Zonen, die ziemlich scharf von einander
abgegrenzt, aber nichtsdestoweniger miteinander verknüpft sind, indem sie von
gleichem Grundtypus abstammen, der sich unter verschiedenen physikalischen
Umständen differenziert hatte und so eine verschiedene Physiognomie annahm.
Die wichtigste dieser Zonen ist unstreitig die marine, der die Rudelsdorfer
und Lukauer Fauna angehört. Dem Charakter ihrer Faunen zufolge schliesst sie
Sich == allerdings bis auf einige locale Abweichungen — der Borstendorf-Mährisch-
rübauer an. Ihr Faunen-Typus ist parallel zu den Hannen der Mergel von Trnávka
Jaroměřic, Sudie, Boskovic, Lysic ete. überhaupt zu allen des westlichen Mährens,
welche den Charakter des höheren, bathymetrischen Niveaus haben. Wie bekannt,
reiht sich in dieses auch der Faunentypus von Steinabrunn, weshalb es jedenfalls
Iehtig Sein wird, dass wir unsere Faunen mit der niederösterreichischen vergleichen.
lér sei gleich hinzugefügt, dass die Rudelsdorfer und Lukauer Faunen mehr mit
den westmährischen Faunen übereinstimmen, als mit der Steinabrunner, was schliesslich
selbstverständlich ist, da sie doch unter abweichenderen physikalischen Bedin-
Süngen lebten als diese.
Gewissermassen als Typus der Übergangszone präsentiren sich die Faunen
der Tegel von Landskron, Schirmdorf (im Dorfe), Böhm.-Trübau und Wildenschwert.
Sie bestehen zwar aus marinen Arten, doch zwei Eigenschaften trennen dieselben
von der Fauna des offenen Meeres, u. z. einerseits der verhältnismässig geringe
Artenreichthum, andererseits der bedeutende Individuenreichthum.
р Einen eigenthümlichen Uebergangstypus von der brackischen zur marinen
„una gewährt der Schirmdorfer Tegel. Auf diesem Fundorte ist in frappanter
eise zu sehen, inwieweit aus der Lage des Ortes ein Urtheil über den Cha-
rakter der Fauna gestattet ist. In ihr sind die rein brackischen Arten mit den rein
Marinen vereinigt, jene prävaliren jedoch.
Demgegenüber ist die Zone der brackischen Fauna genau umschrieben.
Sie tri 2 à Se Й Р Gees
Ze tritt bisher im Abtsdorfer und Triebitzer Bezirke in voller Entwickelung
` Dass sie von der marinen Zone scharf geschieden ist, geht aus ihrem
Char
9 akter hervor und es ist sehr wahrscheinlich, dass ihre Gebiete meistens
D
Marinen Zuflüssen geschützt waren. Brackwässer in mariner Nachbarschaft,
In Seegegenden setzen einerseits das nahe Ufer, andererseits das seichte
asser voraus. Und dass damit die Schichtenmächtigkeit verknüpft ist, darüber
b*
68
ist ein Streit ausgeschlossen. Soleher und ähnlicher Beispiele giebt es reichlich
sowohl in älteren, als auch jüngeren Bildungen, ebenso gibt es in den heutigen
Seegegenden zahlreiche Beispiele hiefür.
A. E. Reuss wurde von den Resultaten seiner Studien zu dem Schlusse
geführt, dass die miocaenen Ablagerungen Ostbóhmens den jüngsten neogenen
Schichten des Wiener Beckens angehören, ja er urtheilte weiter, dass sie eben
subapenninen Schichten, den pliocaenen Schichten Siciliens, gleichen und schliess-
lich, dass ihre Fauna der jetzigen Thierwelt verwandter ist, als der des italieni-
schen Pliocaens.
Unsere Resultate führen uns nicht zu einem ähnlichen Schlusse. Reuss
wurde, meiner Ansicht nach, durch die Faunen von Abtsdorf und Triebitz irre-
geführt, betreffs welcher er sich natürlicher Weise keinen Rath wusste, weshalb er
sie in den Bereich der sarmatischen Stufe gestellt hatte.
Der Faunencharakter des miocaenen Meerbusens in Ostbóhmen bestätigt
nur das, was die in das bóhm.-máhrische Plateau vorgeschobenen Tiefseefaunen von
Borač, Kralie nächst Nämöst u. d. Oslava, Perná bei Lysic, Boskovic, Knihnic ебе.
mit Evidenz zu Tage treten lassen. Sie zeigen, dass die miocaene Meeresbucht
Ostbóhmens unmittelbar an ein weites, grosses, ganz Mähren, dann Nieder-Oesterreich,
Steyermark ete. überflutendes Meer unmittelbar ansetzte, welehes über Ungarn und
den Balkan nach Klein-Asien reichte, wührend es im Norden durch Schlesien mit
der grossen wolhynisch-podolischen Bucht zusammenhieng und das sich durch den
Süden Russlands naeh Mittelasien ausbreitete.
Diese Bucht bestand nur so lange, als das miocaene Meer das westliche
und nordwestliche Mähren überschwemmte. Sie hörte auf miocaen (marin) zu sein, als
der Süden von Mähren vom sarmatischen Meere eingenommen wurde. Damals blieben
auf unserem Gebiete wohl nur kleine Seen übrig, die im Verlaufe der Congerien-
Stufe allmälig austrockneten und in der Diluvialzeit vollständig verschwanden ;
denn wir finden diese Gebiete mit stellenweise müchtigem diluvialen, offenbar von
Flüssen stammenden Gerólle verlegt.
Uebersiehtliehes und vergleiehendes Verzeichnis der Faunen
aus dem ostböhmischen Mioeaen. 1
Dëss Samar gustas ramonrumam Dear PER аши |
Die Fauna |
der marinen Tegel n brack. Tegel |
эз ын je чн H
Name 3 ЕЕЕ S e
0 cá © ei E | 51.3 "© u| e |
И ТЕ ЕЕЕ Е ЕТЕ ЕЕЕ ЕЕ |
ЮЕ 85 9353/3 E 3$ 53 |
в а/а |21 а |
| |
Pisces. d
1 | Otolithus (Gobius) Fri, Proc. Mes "kt i |
2 " y Dolemicus Proch. iB ер 8198 О el |
3 " a praeclàrus, Proch. ep). |. |. | - | - bee] oe] e ei |
4 » , Rudolticensis, Prou. ss er. |
5 ý kel el ae ао Gd lte |
* » (Serranus) insignis, Proch. | .|.|.|.|.]|.]|.].|ss DER |
| » (Beryeidarum) Moravicus, |
8 TEE LE WoW HH. IH. |
9 ` » pulcher, Proch. 8 |8 ч ; HH. ti, |
10 " , Kokeni, Proch. h HH.. |
11 E s tragilis, Próch. . Aë). ].]-].]|.]- +. |
» (inc. sedis) formosus, Proch. |ss| . | .| . |. | RE |
Ostracoda.
T Bairdia subdeltoidea v. Münst. BP, ES ae all EE ++. 1.14
14 » arcuata, Münst. sp.. . .|s*|. .|.|. |. l.l e| A e |, ы
15 » uu gor MN OC e SONS Та аг |
16 » lac Ws WP MEME LUE ДЕИ ОВЕ |
17 » glaberescens, IUS .. SUE LUPIS TAMEO IT TEPORE Te А |
18 » heferostigma, Rss... . . 5.1 .].189 TA |]. | E] hl. +. |
19 » ВОСОК, BM. зл. аа Вене |
90 Dora os EVER И “ЧЫ Кү К НЕ |
91 ИИ, PENES. О] CS HM. |
99 ” bitubereulata, Rss. . . . |88". 1.1, +. |
23 » plicata, Münst.. ` 6 BB р M. |
94 n Edwardsi, O RS H. j|
95 » WHERE e ues ое D E E EE ER ud e o. du ls |
96 » ШЕШИП ПЕЙ, RN... WEE ТЫ PV TP Ar rett КЛИ Е |
91 n augulata, Hen, `. vA une, DIES 0 Ы. |
98 D UNE Ren, s. IMP dS Le ps 02320 HEI,
99 п hastata, Rss... . . . . |88". ИЕ HH.
` Hs Rom. . . . . sh" лу, +.
Reus, | 78; in der Colonne ‚Rudelsdorf‘ mit einem Sternchen bezeichneten Arten sind nur von А, F,
n рема. Ир
eckt und in die Literatur eingeführt worden,
d
10
# —-—-—-—-—-—-—-———— а
Die Fauna E
der marinen Tegel |i. brack. Tegel
EI B ч || Se Я
u aj g| Sj sl Eug g
Name $ НЕННЕ S 3
7|8'»|*"|gxIBiBIs s sls ыя
| rl. mnm Xo я Ф
за alb sS 2| 9s 3/9
B|Bia|*.|lS5|3|Sgsi9|gISs||g& о
а наче | [2 | 4р0 || | P^
|
50 | Oythore simis ARs a en Л, у, д], + |
81 | : УВО НББ до, 298-8. |1 L|. |
32 P canaliculata, Rss. . . . . |8"|. +H.
33 8 Haidingeri, Rss. . . . .|88* H.
34 5 OD ET EE |-
35 5 EECHER TEE s an], Pol
86 я HEET И BRE ln ое
37 {л ШШДЕ ОУУ. Ca RG i eb" el el
38 ТОПО HEN. o. o к, Le ta ode gd e rv ep d
89 Cytherella compressa, Ie sch Eee ‚|.|... dH
40 | Cytheridea Mülleri, Mänst. ...|5\8|.|.|.].|в6[|һ|. [ssl t+ .
Balanidae.
AT | DEIN EEN El o
42 ж ШЙ EN E E ERIC,
Gasteropoda.
43 | Conus (Lepticonus) Вїеліпае, К.
ОИ ИР ues tbe"
44 | гато, laevis, Don... or. v VB.
45 | Mitra goniophora, Bellen ch
46 | Columbella (Mitrella) fallax, R.
Hoern. u. Ai. . GE | uk ИЧ ee
47 | Buceinum (Cominella) Grundense,
It; Hoan. W Ad ge 8
гете RI
Ud ER SOBRE RB
48 » (Cominella) Bohemicum,
К, Hoern. u. Ai, . ӨШ...» ART GE),
49 » (Niotha) Schóni, R. Hoern.
ü sos er eben gd ИВ H-
50 „ (Zeuxis) ) Hoernesi, R. Hoern.
HIE ech ss|+ + |
01 reticulatum, Linné ‚лу |, ДАЙ vt M DAR ү 4
52 Chenopus (Aporrhais) alatus, Eichw. Een И PH Ce Edel
53 » pes pelecani Phil.|s* HHHH
54 Triton (Simpulum) Tarbellianum,
(TA a Ee dis py Ee
55 | Murex (Occenebra) caelatus, Grat. jeet . |. |. WM OF +4. |»
56 » (Phyllonotus) Hoernesi, d'Ane Jann . |. .|. |. . | - | ++. |.
57 | Pyrula (Melongena) cornuta, RE le ee ads. [od 88 |- +
58 || Fusus (Euthria) intermedius, Michti.s$" |. . . .|1. oo oed
59 | Pleurotoma (Drillia) obtusangula,
Broto... оу ее ШЕ В
60 " (Mangelia) Vauquelini, Payr. И epe де) +
71 |
uu n — ——— —Á кани — — — QN nn]
| Die Fauna |
der marinen Tegel |. brack. Тере!
з u чч let B |
Name Ё ВЕНЕ 8 |
EIPIEIEIESEHELEREIETPIEIPIITEE |
ЕЕЕ ЕНЕ НЕЕ ЕЕ |
6 Ба [© се || Еа 2] БФ ul
ына |а|) | [eS eR | о ч |
| |
61 Cerithium bilineatum, Brocchi sp. |s$ . |. |. н ] -]-|8]« Н... |
62 à delum, M, Нога... 81 iei О abbia ++... |
63 " pictum, Ваве < <: DR Ros БВВ р |
64 j lignitarum, Eichw. . . е е [ede d
65 ў 0000181, M.Hoem. . a). Eeselen ОЕ EROS [Ie ee ДЕ vds |
66 Ў scabrum, Olivi . . . .|hh'|ss|. .|. .|.| . hh 8]4--H . |. + |
67 " ВОДА, Partson. о v BS uon оо (ЧЕ УШИ |
68 » $5 Р И А ИУ ят. |
69 | Turritella turris, Bast. . . . . .|ss| |.|. .|.|.|88 «| HEH, 1. |
2 » Archimedis, топо еее ++|.|.1|.
1 " САБА VET. Teo SR CUN EN St dowd e aa |
72 врео s E elis E le Ке Does Doi lee |
13 | Fossarus costatus, Broech. . . . "OE TRAE о оер «ds |
d Seissurella transylvanica, Eu. е EES EE E EST? |
5 depressa, ДӘ... . . ss". |. “кй e Date ess Йй iyu |
16 | Scalaria clathratula, Wi. 5. d LOL У iN + |
TT | Skenea carinella, ER cus VN T EUM V MTM | |
18 Vermetus avonarius, Umie. SS oe nahe
kk,
19 ^ "Vere nope |
80 intortus, Rui. uM Ld sw Rer 0 HH. |
| Caecum meri Moi. 35... 21089 11... olei one si elu icd om |
8» taches, Mou. o ЛБ oer] db ок Е [МЕК EET |
83 Odontostoma Hoernesi, Rss. ET Lal IV pedes deep nd lene е BB а |
84 » plicatum. Montag. JI St Ad Kë HH.. I+ |
85 » ünisulentum, Ras. Wë, UCL, el edel e еее а zk |
86 ШЕ ШОШ, EE e IE E eSI IER ev |
87 Turbonilla costellata, Grat. ... .| 8|. ||. Foll oen: Eo (er
88 » pusilla, Phil. EISE c er E ee dE E ale KSE
89 » subumbilicata, Grat. . | s]. DEN EERIE EEE Ae вт
| 90 » ШАШ ОВО toe SS NL kb HH 1+
| 91 » л, Glen BS EO eoo E D ts de: |
| 09 » plicatula Broce. . . . Jonn, edo e MORE M "WI 3 |
| 03 Actaeon semistriatus, Férus . . ss |. |. |. . |. ] .]- + .|. |
oul Natica redempta, Michti. . . . al. р. | о ш 4
95 » amllepumotate, Lam. . . -jh*|.|-| ^P FOE ЕДЕ
==
era peu. Pon ...... ah. |. 1861 19 Теа
Op |
Ma "M BEE EE JURE, wen... lu] osx нои Tel. |
9з! "hemnitzia perpusilla, Grat. . .| .|.|.|- |] «|| * | «| h M. |
99. » minima, d Hoerh. а о аат . |
Roussi, M. Вов, Sale Sr. ii, |
Risson inflata, c у ra QU CUN |
» Moulinsi, SENDER e БОО | Ale
» АШ ОШЕН к CRI CIE ees ote: [o Te esa
104 » Montagni, ege ИЕТ «р «T4 818
n scalaris, EE HE
f
4
e
E
++
“Ж tt ФЕС:
==
Die Fauna
der marinen Tegel |. brack. Tegel
“| isl sl Bl sim E
Name KMEEBEFHEHEF EI |. d
*2$*&4i3325388525
ais a 15| = 9 9|9 Реа Б
||| | [oa on ||| || оо
| |
105 | Risson Venus. d'Orbig. . . . . .|88 |. |.|. ides E EES EISE mr
106 , Hydrobia Frauenfeldi, M Hoern. | s SÉ .!. [ss hhhh|.. |- `
107 4 Frauenfeldi var. Bohemica |
ШИК К dun te ht i ; ; 7 S8 8 «n
108 3 concinna, Sowerb. . А А éi ER е.
109 | Melanopsis impressa, Kraus. . 5 éch hh|hh . А к
110 Ў ќаршаќа, М. Ноетп. 8 La 8 |hjh "SES
111 || Bulla miliaris, Broce. 8s" j | | va klech ЧҮШ
112 » conulus, Deshayes sg" SECH | „|.|.
118 », Broceii, Michel. gs" > а: DEI
114 . unesto, Adamsa . . . . 8" do | HEI. a bt
115 „: Lajonkaireana, Bast. . . . ss" Ari i el mE.
116 | Fissurella Italica, Defr. d 88 i eas ў +|.!.|+
117 elypeata, Gral Eat SE EE ї) 88 + |
118 Puncturella ornata, Rss. SE I. | | ; кш е
119 Emarginula clathrataeformis, Eichw. odia et ОИ ado t "NE rk
120 | Dentalium Badense, Partsch. . SR ; de Hi+ i
121 ^ mutabile, Doderl. . 88^. | i (ES EN M
122 и Jani, M. Hoen, . dëi eat? |ЧЕ ЖЕ | s diit
123 y entalis. Linné . . Bi Ze |: PT. H4 e
124 , Michelotti, M. Hoernesi | 8.1.1.1: 1.1.1. WE E
| ||
| |
Chitonidae. | EEN
125 | Chiton fascicularis, Linné var. . .|ss" | gh ero | ú d +
126 $ multigranosus, Reuss . SI j | 4 i EL,
12:4 Ge denudatus, Reuss . . . . |88, | { 41 ў |
128 á lepidus, Rss. . . . SIE ое ИЛҮҮ j
19€ A TRRIDITCAHLUS, Кае; Elek: | 4 ЧН al c
130 " ПОШ, Оу, у", ss”. ilis " \ ;
181 » decoratus, Rss. SEEN ISB NRI M erer ch `
182 М Reussi ProM T о, 88 | ls allen el vegan
Lamellibranchiata. |
133 | Gastrochaena dubia, Pan. 88 |. | EA Lab р Cl
134 | Teredo Norwegica, Spengler . 88 ў . 1888 ++ far.
185 | Saxicava arctica, Linné. . . ss" і el a ER +.
1:90. ЕШ ШОВ Aal un eg të Ree HK о
19/0 Corbula BUDE OLNE nia e a ESI. Pee S ве. HHH] aea
138 P caminata. De m... le... SCH SEU TA a
1891 7, Маса ШӨ Froch е муза рр SE h|h].|. . n
140 | Venus tascieulata; ДӨ wur CAE | mi Ee ЧЕ up +
141 xc: multilamella, : Ioan а. AEN |. ++ Mo
1422| ., Basteroti, Doph s= › үс]. Н
kee ze. a soa as DEn renge
| D ie Fa una
| der marinen Tegel |d. brack. Tegel
$ а © IE Е
Name E НЕВЕНКА all,
к ЕЕН ЕЕЕ ЕЕЕ Е
z 4835539332554 m9"s5:455
E а анаја |а (< |а|
m Cytherea sp. 85 i NOR
ët Cyrce minima, Mont. 88 HE +.
m Tellina sp. . 18 1881. ida
e Cardium papillosum, Poli. 88 ss|. ++
Me h Opatovense, Proch. i spar et dede
145 Chama gryphoides, Linné . h ES
150 Lucina miocaenica, Michti. EIN Tl.
15i : Dujardini, Desh. . 88 б dev. pe
159 » spinifera, Mont. . 8 ++. ++
153 ^ dentata, Dast. . s" ыш ша КА
154 » Aggasizzii, Michti. . 58 ЕЕ
» strigilata, Rss. h ‚||.
ТУ exigua, Eichw. 88 RE a
151 Erycina Bohemica, Proch. i hips
158 Cardita rudista, Lam. 88 N H,
159 » ` Partschi, Goldf. 8 +++» |»
160 » calyculata, Linné . gs" ‚|. rb, rk
161 » scalaris, Sow. S8 AHHH ete
169 Nucula nucleus, Linné ss +++]. 1+
163 ucinella ovalis, Wood. 88" ale
164 Leda fragilis, Chunn. . 88 [н bina
165 | A? nitida, Вгосе. 8 ЕБЕ Е
leg | "o Noae, Linné . . 88 ‚|. |+. +
167 » barbata, Linné . IS JHH 1. |+
leg| " Bohemica, Rss. . gs" AM quee da
l69| " diluvii, Lam. . ss | MESE PEE
m| > lactea, Linné . 88 JHH -I+
pu) » clathrata, Defr. 88 e We e
179 | м” pseudolima, Rss. Ss" К la
178 odiola Hoernesi, Rss. 88 ka,
174 » biformis, Rss. ss“ . $8 . |. HH + |
175 » marginata, Eichw. ss У Hiel
176 ecten substriatus, d'Orb. . ss" ‚|. HERI
111 » Malvinae, Dub. TH А „tt
178 N elegans, Andr. . |ss* ++. М
179 Pondylus heteracanthus, Rss. Iss" le SH ERA è
180 | Os Gussonei, Josta ss" s . SA
181 strea cochlear, Poli. i . |88| 144/4.
189 n Boblayi, Desh. , hisi. Hl.
183 » digitalina, Dub. . hh* 1818141 e .
184 D giengensis, Schloth. sp. h ЪЪ. | + -
» erassissima, Lam. . -hhi hi. HI ede
14
TEST, id | Dic ө F a a 1 E Y a ў
` der marinen Tegel |d. brack. Tegel
m Ё |
i sl ||| „| Е
Маше 5 НЕНЕН Е Br `
© b o HIEIS B Я оа аъ 84
"3i. ve Si DIE || Ф IRCH
3/3: ЫЕ ЕНЕ ЕЕЕ НЕ Bs
в |58 || оро |е m sjz|i's
e [ынаа о о | ече || 124
Brachiopoda. | |
185 || Agriope decollata, Chemnitz . . |.|... К К .|.] .]- H. Jr
186 | Cistella Neapolitana, Secch. . . .|8*|.|.|. |. |. : HH. |
187 б ПСО, EE ood ee JH a
188 | :Мерегіев "орва Mich. Gs oia Ea A 1. II, lue
Bryozoa. |
189 | Hornera hippolythus, Defr. . . .|88|. SE "Tr ++. .
190 | Celleporaria globularis, Bron. . . |8 |. |. /.!. |.|. (cp.
191 || Hetepora stipilata, Rag . . . . al, |. |. | e «pe pw bes Im eR
192 || Salicornaria fareiminoides, Johnst. |851. |. |. |. |. |. | . |. |. Lu:
193 | ? Discuflustrella Nováki, Proch. .|88|. |. |. |. |. MM
194 | Membranipora gracilis, Münstr. . 589 |.|. |. |. |. [TR
195| Eschara coscinophora, Rss. . . . |88". Hn | +. .
Echinodermata.
196 | Diadema Desori, Rss. (Stacheln) . |ss
d H 1,
197 | Cidaris polyacanthus, Rss. . . .|h' | E .
Vermes. | |
198 | Serpula manicata; Rss... . . . .|88 |. |. |. - Ire lel Ч. ре
199 e , ; guingwesiemate, Hos. . "e ET ele s tle eiie eile]
200 e Е ЕСИ е Ae Von he al c M
201 ў САЦА ЕА Жы А В Л жк ИрИ SE | EM
202 » HERREN. TEE, Ta EE vr Lx rH
203 Re TEE EEE PODER FE
204 sd BEDNEEL NN. Et, T NEEN e ERU s TN
205 » Ее IN . +
Anthozoa. |
206 | Caryophyllia leptaxis, Rss. . . . |88". 1.1.1.1. 1.1.1.
207 | Paracyathus firmus, Phil. sp. . . |.|. 1.1.1.1... (er
208 | Thecocyathus velatus, Rss. . ОШО d: . . TH .
209 microphyllus, Bes. ^. | 8 |... |. vite peas t aa
210 Syzygophyllia DUGVISU ШЕ A сҮ VII Se NR lt E ТИШЕТ
211 | Mycetophyllia horrida, ME eck АЕ elle |;
212 | Astrocaenia ornata, М. Edw., п. Н. |88 |. . |. | «| «|. [lel |,
218 | Astraea crenulata, Gold, . . . .|h'|.|. .|« le). | НН +. .
214 | Solenastraea tener ИК PES ЕЕ .
215 | Cladangia conferta, Rss. . . . . |.|. | acad SEM |
216 | Balanophyllia varians, Rss. . . .|88|.|. ix SIE PZ LC ME, .
217 | Porites incrustans, Defr. sp.. . .|h|.|. | u Eu u а aaa
15 |
| Die Fauna
| der marinen Теве! |- brack, Tegel
Кы а fta Vaill da | Я
D Ф н | | Е
Name Е 5а БЕ | ig
= 51215 ее |+ м 12 +
09 AAR) aj 519 ale Ki
E а ЕЕ SÉIS ЕЕЕ |
N m| srm |o | LL |
ЕЕ ЕЕЕ НЕЕ НЕ Н ЕЕ |
IE ааа Elan | еа [о | |е |
Foraminifera.
218| Miliolina Bronniana, d'Orb. . . al, i
290 | Texf ‚бо. eonsobrina, d'Orb, 885 |... |. |. | е || 88
20 | Textularia carinata, d’Orb. . . .|h hj|$Ss . SS|.
999 » abbreviata, d'Orb. . ` deque E
993 n Hauen d'Orb. ВВ e |. [МИГ
Es. ER E Efalt e atb
Verneuillina spinulosa, Rss . . .| S|.|.|.|-.
Bulimina affinis, d’Orb.. . . . .| h|h|ss,. |581.
. EE
КЕЕ:
EE, +++ +
SE
|
ST " ovata. ПО уа a vr dne ID. | PER ЫШЫ E |
998 de pupoides, d'Orb. . . . . |88. |88 hh! . ЬЬ ss + + |
299 » Bucheana, d'Orb, `. . .| PES 21. 1. 11° i |
x aculeata, d'Orb.. . . .|88|8|.|8
23 EE h t А
O| Virgulina Schreibersiana, CZi. . .|5*|һ|.|.|.|.|.\8
Bolivina robusta Brady. . . . . |5 |88.
989 | т” punctata, d'Orb. . . . . IB R
Lagena strumosa, Rss. . . . . .|88|. |. |. е
ics d.
ЕЕ:
985 N » Spec. SE QE S8 u К
236 odosaria (G.) laevigata, d'Orb. . Ss”) . |. ++i. (++
237 » venusta, Rss. . . . .| h hh дар, ‚|.|.
93g » semirugosa, COW a BS Ir Milt ++!.|.|.
239 » Вопёапа, d'Orb. . . .|88°|8). ++» "
940 » (D) acuta, d'Orb. . . .|8 ss. H-H.
941 » (D) acuticauda, Rss. . |851. |.|. H+H-
94» » . (D) elegans d'Orb: . . |88 |88. |. MÍ epe
943 » (D) Römeri, Neugeb. .| 8|. |. |. Рр
944 » (D) pygmaea, Neugeb. | 88 ES т
945 » (D) bifurcata, d'Orb. . |851. |. | EC oe: H+.
О мек (D) scabra, Rss, . . . |hhinh/h's|.|.|. h 414. 1+ |
947 arginulina Hoernesi, Rss. . . . | Alssi. |. f- f Em DNE i |
И similis, d'Orb. . . |88 | s$] - | кот. |
949 "istellaria minima, Karr. . RUIN à JH. |
250 » бита, Month. ве voee e sss + +. |
251 » caban ОТВ . el hh se sole HH- |+. |
959 » Austriaca, QUOD ©. BB Pone MR H-H- Н. |
95; » intermedia CO e D eere Leo S RR H-H.. |
954 » inornata, d'Orb. . . .|s9|88 1.1." ++1.|.|. |
955 | p T depauperata, d’Orb. . |8 (51... +1 .1.1+ |
256 Olymorphyna problema, d'Orb. . | 81.1... 58. +14. 1+ |
951 n inaequalis, Rss. . . |88 |85. Li, |
958 n aequalis, d'Orb. . pg . |. |. |- MIEL EP ?
ES M S. digitalina, d'Orb. в | li, Il, вае |
Globigerina bulloides, d'Orb. . .|8|8|8/88 -|- |-|- |- ssi +++ ins
Кии иаа WB GERONA ericsson vaa
EEN E GR E. Die Fauna |
der marinen Tegel |i. brack. Тере)
\ НЕСИЕ s |
TREE ABEEBHHEHERBERBR
НЕЕ ЕЕ ЕЕЕ
SIRIS t SIS ЕЕ Л К S| ES
S JAJAA |е | n à «eeiam
| | , |
260 | Globigerina bulloides var.triloba Rss.| s | s Vy | н kr, PO
261 | Pullenia sphaeroides, d'Orb. . stib В d Р, +++]
262 | Discorbina obtusa, d'Orb. sp. SB S . 14-14-11. 8
263 | Truncatulinalobatula Wal. и. Јас. ѕр. h | . | . ED, ++]
264 " Haidingeri, d'Orb. |8 |8 ++. 1. 1°
265 | Ungeriana, d'Orb. sp. | s|.|.|.|. l AHH T
266 И Dutemplei, d'Orb. sp | s |hh| s | . |ss о. ++. HERE
261 praecincta, Karr. sp. | h hhl. t Е ИЕ .|. 19
268 | Anomalina Austriaca, d'Orb. . EES soe Ep JHH. Hi,
269 i Badense, d'Orb. .|h hh|ss| . |ss h | ss| h WEE SEO,
270 | Epistomina Partschiana, d'Orb. вр. | . | hls epo d (H. 55+
271| Pulvinulina Schreibersii, d'Orb. sp. Il . |. Wé Ier, EHE
272 | Rotalia: Soldanii, d'Orb. (ста. авт je. +
213 » beccarii, Linné sp. Sissis]. hihh .|h|.|ss---|. bt
274| Nonionina communis, d'Orb. . h Ihh! » ў JK 8814/1 EI,
215 " umbilicata, Mont. sp. "his ; bai se or
276 Bouéana, d'Orb. 8 88 D.I
277 Polystomella crispa, Lam. . hu. i +- -HHF
278 * flexuosa, d'Orb. h .|+. |.»
279 ^ striutopunctata l'icht.
| u. Moll. sp. 8 |.|,
280 " macella, Ficht u. Moll. |
| Sp. 8 HH 1.
281 | Hoterostegina costata d'Orb. . ss" Dun EL CL SN
|
Kritisches illustriertes Verzeichnis
der fossilen Arten der miocaenen Sedimente von Ostböhmen.
Otolithus (Gobius) Friéi, Procházka. Vig. 1. — Derselbe weist einen lünglich-
orthogonalen Umriss auf, ist vorne schwach verengt, 9 mm lang, 5 mm breit, 2 mm
dick. Der Vorderrand ist mässig ausgeschnitten, der Ventralbrand beinahe gerade,
nur hinten oft umgebogen und sozusagen aus zwei Theilen bestehend, von
denen der caudal-dorsale kleiner als der caudal-ventrale und ausserdem ein
bischen nach hinten gebogen, im Übrigen aber gerade ist. Der Dorsalrand ist
dagegen gewöhnlich bogenfórmig und bei dem Hinterrande in einem starken
Bogen ausgespannt. Die Aussenseite der Sagitta wölbt sich auf der Ventral-
seite stärker aus als auf der gegenüberliegenden dorsalen, übrigens ist sie
glatt, ohne Zierrath und Schichtenlinien und neigt sich mässig gegen die
schwach zugeschärften, zahnlosen Ränder zu. Der verhältnissmässig breite und
ziemlich tiefe Sulcus acusticus theilt die innere Fläche der Sagitta in zwei
ungleich grosse Hälften, von denen die ventrale grösser ist als die dorsale.
Der Sulcus stellt eine rinnenfórmige Vertiefung dar, die in der Mitte schwach
а b à b
Fig. 1. Otolithus (Gobius) Егіёі, Proch. Fig. 2. Otolithus (Gobius) Bohemicus,
Rudelsdorf. II, vergrössert. a Aussen-, Proch. Rudelsdorf. 9/, vergróssert.
b Innenseite der Sagitta. a Aussen-, b Innenseite der Sagitta.
Verengt, an den Enden ungleich stumpf zugespitzt ist. Auf seiner inneren
Fläche gibt es keine Spur von Colliculen, ebenfalls ist es unmöglich die Scheide
zwischen dem Ostium und der Cauda genau zu bestimmen. Diese scheint
durch diejenige Stelle angedeutet zu sein, wo der Suleus am stürksten abge-
Schnürt ist. Dio Christa superior stellt, obwohl sie stark entwickelt ist, doch
nur eine niedrige, schwache und stumpfe Kante vor, welche beim carinalen
und caudalen Ende auf einmal verschwindet. Der gegenüberliegende, d. i.
18
caudale, Rand des Suleus ist am Anfang der hinteren Hälfte nach oben ge-
bogen. Auf beiden Seiten dieses Bogens liegt je ein concaves Grübchen. Ober-
halb der Crista zieht sich eine verhältnissmäsig ziemlich geräumige Area hin,
welche gegen den Dorsalrand zu allmälig verschwindet. Entlang des Ventral-
randes verläuft eine sehr schmale Furche, welche die Ventralfläche der Innen-
seite der Sagitta begrenzt. Diese Fläche ist ziemlich charakteristisch, verhältnis-
mässig hoch gelegt und oben flach.
Die Art Otol. Friói stimmt mit keiner Art der Gruppe der Gobiidae
überein; es ist also unmóglich, sie mit irgend einer bekannten Species in eine
und dieselbe Gruppe einzureihen. Sie unterscheidet sich durch ihre Merkmale
so vollkommen von allen übrigen, dass man sie augenblicklich erkennen muss.
Am nächsten steht sie noch der Species O. praeciosus, aber trotzdem füllt
es nicht schwer sich zu überzeugen, dass sie von derselben gewichtige Merk-
male trennen. Man sieht, dass einerseits die Gestalt der Sagitta überhaupt
abweicht, anderseits die Sagitta bedeutend grósser ist und einen nicht nur
breiteren und längeren, sondern auch abweichend geformten Sulcus besitzt. —
Bisher ist diese Art nur vom Rudelsdorfer gelben Tegel her bekannt, wo sie
den bisherigen Erfahrungen gemäss verhältnismässig sehr selten vorkommt.
Otolithus (Gobius) Bohemieus, Procházka. Fig. 2. — 3 mm lang, 1:5 mm
breit, 1 mm dick. Diese kleine Art ist schon bei einer geläufigen Betrachtung
durch ihren Umriss auffallend. Ihre Eigenschaften treten jedoch viel stärker
zutage, wenn wir sie eingehend beobachten. Und da fallen uns die Ränder
auf: der carinale und der caudale, welche einen bogenfórmigen Ausschnitt
besitzen. Verhältnissmässig sehr tief erscheint der Ausschnitt des Carinal-
randes, der zugleich lang ist. Der dorsale und ventrale Rand ist auch zu-
geschürft, ganz und ohne zühnchenfórmigen Zierath. Dieser zieht sich fast
geradelinig hin, jener krümmt sich zu einem hinten stärker gekrümmten Bogen.
Die Aussenseite der Sagitta ist glatt, unter einer starken Loupe erblicken wir,
dass sie von concentrischen Schichten bedeckt ist. Sie wölbt sich gleichmässig;
erreicht in der Mitte ihrer Peripherie ihre maximale Hóhe, von wo aus sie
sich gegen die Ränder hin gleichmässig neigt. Die Innenseite der Sagitta ist
flach, durch den Sulcus acusticus in zwei beinahe gleiche Hälften getheilt,
von dene, bei einer sorgfältigen Untersuchung, die obere um ein bischen
grösser als die untere erscheint. Sulcus fällt durch seine schaufelfórmige Ge-
stalt auf. Sein Vordertheil, das Ostium, ist breit, vorne zugespitzt, besser
gesagt gekantet durch gerade, in einem spitzen Winkel zusammenlaufende
Seiten. Sein Hintertheil hat eine rinnenförmige Gestalt, ist verhältnismässig
ziemlich tief und hinten durch einen Halbkreis geschlossen. Auf der Dorsal-
seite findet sich auf der Kante des Sulcus eine sehr niedrige, schwach zuge-
schärfte Kante, welche sich nach rückwärts hin zieht und dann allmälig
verschwindet. An der entgegengelegenen Seite dieser Kante, der Crista superior,
liegt der stumpfe Rand des Sulcus, der, inwieweit er das Ostium umrandet,
schwach bogenfórmig ist, während er entlang der ganzen Cauda beinahe gerade
ist. Hinter der Orista erstreckt sich eine seichte Area, welche gegen hinten
19
sieh erweitert und in dem Masse verschwindet, je mehr sie sich dem Dorsal-
rand nähert.
О. Bohemicus erinnert im ersten Augenblieke an jugendliche Stadien des
O. Frici. Ich habe ihn auch eine längere Zeit hindurch dafür gehalten. Ein reicheres
Material hat mich jedoch belehrt, dass hier zwei gänzlich verschiedene Arten
Vorliegen. Die Gestalt der Sagitta, die verhältnissmässige Grösse des Sulcus
gegenüber den Dimensionen derselben, die Gestalt und Grösse der Cauda und
des Ostium unterstützen diese Ansicht, ohne die kleinsten Zweifel zuzulassen.
Die Sagitta ist bei unserer Art immer vierseitig, beim 0. Friči lànglich, das
Ostium ist viel breiter als die Cauda, was bei der vorigen Art nicht der Fall
ist, es fliesst bei derselben vielmehr das Ostium mit der Cauda enge zusammen
und lässt keine Scheide zurück. Meinen bisherigen Erfahrungen gemäss ist
diese Art in den marinen Sedimenten des böhmischen Miocaens verhältnis-
Mässig genug verbreitet. Sie wurde nämlich nicht nur im Rudelsdorfer, sondern
auch im Triebitzer und Abtsdorfer Tegel, und zwar auf dieser letzten Fund-
Stätte sowohl in den Austern — als auch in der oberen Bank entdeckt.
Otolithus (Gobius) praeclarus, Procházka. (1893. Miocaen Zidlochovieky na
Moravé a jeho zvffena. str. 63., tab. III., vzor 4.) In den Bereich dieser Art
stelle ich provisorich zwei Sagitten, die vielleicht später, bis ein reicheres
Vergleichsmaterial vorliegen wird, als eine neue Art aufgestellt werden. Einige
von ihren Merkmalen zeugen wenigstens dafür. In erster Reihe ist die Form
des Ventralrandes zu beachten, welche von derjenigen der typischen Individuen
dieser Art abweicht, ferner bestätigt auch die Grösse der Sagitta diese An-
Schauung, Inwieweit jedoch diese Ansicht richtig ist, wird naeh meiner Mei-
Dung erst die Zukunft entscheiden. Die horizontale Verbreitung dieser Art ist
nicht, minder interessant. Typische Vertreter habe ich im unteren Mergel des
Vejhon bei Gross-Seelowitz, ferner im Drnovicer Mergel (Mühren), im Tegel
von Walbersdorf (Ungarn) und im Grinzinger Mergel (Nieder-Oesterreich) sicher
gestellt. In unserem ostböhmischen Gebiete ist die Art ziemlich selten, sie
Wurde bis jetzt nur im Rudelsdorfer Tegel sichergestellt.
Обон кз i :
tolithus (Gobius) Rudolticensis, Procházka. Fig. 3. 1 mm lang, 1 mm breit,
04 mm dick. Sagitta dieser Art ist breit elliptisch, vorne und hinten schwach
Ausgeschnitten (vorne stärker als hinten), hier breiter. Der Dorsal- und Ventral-
“апа ist bogenförmig, dieser mässig, jener stark gebogen. Alle Ränder sind
Dänz und gestumpft. Die Aussenseite der Sagitta ist in der Mitte am stärksten
Sewólbt, ihr gerundeter Rücken neigt sich gegen die Ränder hin allmälig, aber
Bleichmässig. Er ist kahl und glatt. Die Innenseite der Sagitta theilt der ver-
hältnismässig breite Sulcus aecustieus iu eine grössere dorsale und eine klei-
Пеге ventrale Hälfte. Er stellt eine verhältnismässige breite Rinne vor, die
Schwach gebogen, genug tief ist und keine Spur von einer Theilung in Ostium
und Cauda bemerken lässt. Hinten ist der Sulcus breiter als vorne. Hier ist
ee und endigt ‚stumpf, hinten dagegen ist er merklich erweitert und
ше bogenförmige Stufe begrenzt. Seinen Dorsalrand begrenzt eine
Schwache Kante, Crista superior, welcher gegenüber der sehr niedrige, stumpfe
80
Ventralrand liegt. Area seicht, ziemlich geräumig. Die Ventralfurche zwar
sehr eng, aber scharf und bemerkbar. О, Rudolticensis erinnert ziemlich leb-
haft an О. Bohemicus, unterscheidet sich jedoch von demselben einerseits durch
die Gestalt des oberen und rückwärtigen Theiles der Sagitta, andererseits durch
den abweichenden Charakter des Sulcus. Von den übrigen Arten ist er leichter
zu unterscheiden, als von der vorigen. — Bis jetzt gelang es mir nicht, diese
interessante Art anderswo als im gelben Tegel von Rudelsdorf sicherzustellen.
Otolithus (Gobius) elegans, Procházka. Vig. 4. 1'3 mm lang, 1'6 mm breit,
08 mm dick. Er ist von einem vierseitigen Umriss, die Ecken sind abge-
stumpft. Den Vorder- und Hinterrand hat er sehr schwach ausgeschnitten, und
zwar den letzteren stürker als den vorderen. Diese Ausschnitte vertiefen sich
am oberen Ende mehr als am entgegengesetzten unteren. Der Hinterrand ist
am Ventralende — dort, wo er mit dem Ventralrande zusammenläuft — schief
zugeschnitten. Der Ventralrand zieht sich fast geradlinig hin und ist in der
Mitte schwach bogenfórmig. Dagegen ist der Dorsalrand in einem sehr starken
und regelmässigen Bogen gewólbt. Gegen diese geraden jedoch stumpfen, zier-
losen Ränder neigt sich gleichmässig die Aussenseite der Sagitta, welche glatt
Fig. 3. Otolithus (Gobius) Rudolticensis, Fig. 4. Otolithus (Gobius) elegans, Proch.
Proch. Rudelsdorf. 9/, vergróssert. Rudelsdorf. 9/, vergrössert.
a Aussen-, b Innenseite der Sagitta. a Aussen-, b Innenseite der Sagitta.
und ohne jedwede Seulptur ist. Die Innenseite der Sagitta ist flach, durch
den Sulcus acusticus ungleichmässig getheilt. Dieser stellt eine gebrochene,
aus zwei in einem stumpfen Winkel zusammenlaufenden Theilen bestehende,
verhültnismássig lange, breite und tiefe Rinne vor. Sein Vordertheil — Ostium
— verlüuft schief gegen unten und ist breiter als der Caudatheil; das Ostium
ist von zwar schwach, aber doch genug merkbar bogenfórmigen Seiten begrenzt.
Der caudale Theil des Suleus breitet sich in Centrum der hinteren Hälfte der
Sagitta aus, liegt in der horizontalen medialen Linie dieser letzteren von geraden;
hinten unter einem stumpfen Winkel zusammenlaufenden Rändern umgeben.
Dort, wo der übrige Theil mit dem caudalen zusammenhängt, schiesst ein win-
ziger Ausschnitt gegen den Dorsalrand ab, ohne grössere Dimensionen zu el“
reichen. Entlang des Dorsalrandes des Suleus verläuft die Kante Crista supe-
rior, dadurch ausgezeichnet, dass sie rückwärts, inwieweit sie die Cauda begrenzt
ziemlich merklich, dagegen im hinteren, carinalen Theile sehr schwaeh, kaum
bemerkbar ist. Area ist seicht, in der Nähe der Crista superior erreicht sie die
maximale Tiefe, gegen den Dorsalrand zu wird sie rapid seichter. Parallel dem
Ventralrande verläuft eine sehr schmale Furche, welche die schwach gewölbte
81
Ventralfläche begrenzt. Die Art О. elegans ist nach der Form der Sagitta von
der Art О. praeclarus nicht zu unterscheiden, so ähnlich sind sie einander.
Man wird sie aber gleich unterscheiden, sobald man ihre Sulei bemerkt. Die
Unterschiede sind ja auffallend und wahrhaft gewichtig. Das Hauptgewicht
ruht auf der Form des Sulcus, erst in zweiter Reihe auf dem Verhältnisse
des caudalen Theiles zu dem ostialen. — Bisher nur im gelben Tegel von Ru-
delsdorf sichergestellt.
Fig. 5. Otolithus (Serranus) insignis, Proch. Abtsdorf. ?/, vergr.
a Aussen-, b Innenseite der Sagitta.
Otolithus (Serranus) insignis, Procházka. (1893, loe. cit. str. 62, tab. IL,
vzor 9.) Fig. 5. Das vorliegende, schön erhaltene Exemplar vom Abtsdorfer
gelben Tegel ist 3 mm lang, 9 mm breit, 05 mm dick. Es ist besser erhalten
als mein Original aus dem unteren Mergel des Vejhon bei Gross-Seelowitz in
Mähren. Wenn man das Exemplar von Abtsdorf mit jenem von Vejhon vergleicht,
scheint es, allerdings nur einen ganz kurzen Augenblick, dass sie von einander
abweichen. Das Exemplar von Abtsdorf bietet nämlich ein vollkommenes Bild
dieser prächtigen Art; deshalb habe ich es auch hier abgebildet. Des Original
von Vejhon hat, wie hier erwähnt werden soll, das Rostrum abgebrochen. An
diesem Originale sind die Randzähnchen und Lappen nur angedeutet, am Abts-
dorfer dagegen scharf begrenzt, also leicht kenntlich. Verhältnissmässig tiefe
Furchen begrenzen diese Lappen, welche sich in das Innere der Sagitta fort-
Setzen und dort in Rippen übergehen.
Otolithus (Beryeidarum) Moravicus, Procházka. (1894, loc. cit. str. 57. tab.
IIL, vzor 1.) Fig. 6. — Bis jetzt ist es mir gelungen nur ein einziges Exem-
plar dieser im heimischen Miocaen vielleicht am weitesten verbreiteten Art her-
b а
Fig. 6. Otolithus (Berycidarum) Moravicus, Proch. Rudelsdorf. °/, vergr.
a Aussen-, b Innenseite der Sagitta.
auszuschlemmen. Wie überall wurde sie auch hier vorzüglich erhalten gefunden.
Keine selbst kleinste Spur irgend einer Beschüdigung zeigt ihre Sagitta. Auch
bietet sie keine Unterschiede von den typischen Vertretern. Ausser dem Rudels-
6
82
dorfer Tegel, gelber Bank, ist diese Art aus dem Mergel von Vejhon bei Gross-
Seelowitz, aus den Tegeln von Lažánky, Rudice, Lomnice, Bejkovice, Bosko-
vice, Repka und Knihnice, ferner aus den Mergeln von Drnovice, Öernä Hora,
Krälice bei Náměšť an der Oslava, Sudice und Jaroměřice (Mähren), endlich
aus den Neudorfer Sanden (Niederösterreich), aus dem Ottnanger Schlier (Ober-
österreich) und aus dem Walbersdorfer Thone (Ungarn) bekannt.
Otolithus ‚Beryeidarum) pulcher, Procházka. (1893, 1. с. str. 58, tab. IIL.,
vzor 7.) Schön erhaltene Sagitten von dieser interessanten Art kann man im
Tegel von Audelsdorf und Lukava verhältnissmässig ziemlich häufig finden. Meine
bisherigen Erfahrungen über ihr Vorkommen im bóhmischen marinen Tegel
decken sich mit den Erfahrungen, die ich an zahlreichen mährischen Fund-
orten gemacht habe. Ich schliesse daraus, dass auch diese Art in dem Masse,
wie sie für das marine Miocaen-Gebiet Mührens und Nieder-Oesterreichs charak-
teristisch erscheint, auch für das bóhmische Gebiet wichtig ist. Wie verbreitet
sie ist, darüber geben die zahlreichen unten angeführten Fundstütten ein klares
Zeugnis. Hier hebe ich noch hervor, dass sich auch unsere böhmischen Exem-
plare des O. pulcher durch alle jene Merkmale auszeichnen, welche die typi-
schen Exemplare von Mähren und Nieder-Oesterreich charakterisiren. Ausser
aus dem gelblichen Tegel von Rudelsdorf und dem bläulichen von Lukava führe
ich diese Art von folgenden Fundorten an: unterer Mergel von Gross-Seelowitz,
Borat, Lomniéka, Bejkovice, Perná bei Lysice, Boskovice, Repka, Knihnice,
Tišnov, Lysice, Drnovice, Kralice nächst Náměšť an der Oslava, Jaroměřice,
Lomnice, Sudice, Bedřichovice (Bellowitz) nächst Brünn (Mähren'; Nussdorf
(Nieder-Oesterreich); Walbersdorf (Ungarn).
Otolithus (Berycidarum) Kokeni, Procházka. (1893, 1. c. str. 59, tab. IIL,
vzor 3.) Fünf schón erhaltene Exemplare von dieser wichtigen Art ist es mir
bisher nur im Rudelsdorfer gelben Tegel sicherzustellen gelungen. Die Dimen-
sionen aller gleichen den Dimensionen der typischen Individuen, die an ver-
schiedenen Orten im Gebiete des mährischen Miocaeus entdeckt wurden. Nur
durch natürliche Merkmale unterscheiden sich diese von den erwähnten Typen.
Der Unterschied besteht zuerst darin, dass sie die Ränder fast ganz haben,
der Zähnchen entbehrend, die man nur angedeutet sieht. Der Ausschnitt des
Hinterrandes ist bei unseren Individuen nicht. so tief und kenntlich wie bei
den mährischen. Dieses Merkmal hat zur Folge, dass die Sagitta eine fast
ganz ovale Gestalt annimmt. In den wesentlichen Merkmalen herrscht dagegen
eine vollständige Uebereinstimmung. Ausser der erwähnten Localität im Ru-
delsdorfer Tegel wurde О, Kokeni im Tegel von Gross-Seelowitz, Lažánky,
Boskovice, Knihnice, Jaroměřice, Lomnička, Kralice (Mähren); im Tegel von
Walbersdorf (Ungarn) und Lapugy (Siebenbürgen) entdeckt.
Otolithus (Berycidarum) fragilis, Procházka. (1893, 1. е. str. 60, tab. IIL,
vzor 11.) Diese hochinteressante Species, die ich zuerst in dem unteren Mergel
von Vejhon bei Gross-Seelowitz in Mähren gefunden habe, von wo sie dann
in die Sedimente der böhmischen miocaenen Meeresbucht übergeht, kommt in
Mähren ziemlich häufig vor. Das vorliegende böhmische Exemplar hat alle
Merkmale, welche die typischen Individuen auszeichnen, und zwar nicht nur
83
äussere, sondern auch innere Merkmale, insbesondere was den Sulcus, die
Grüsse und Gestalt der Sagitta anbetrifft. Es ist ausgezeichnet erhalten und
entbehrt selbst der kleinsten und nebensächlichen Merkmale nicht. Im Rudels-
dorfer gelben Tegel selten, häufiger im unteren Mergel des Vejhon in Mähren.
Otolithus (ine. sedis) formosus, Procházka. Fig. 7. — 1 mm lang, 08 mm
breit, 04 mm dick. Er hat einen ovalen Umriss, die Ränder sind in einen
Saum verflossen, stumpf, ganz, ohne Zühnchen und jedwede Seulptur. Sein
dorsaler Rand ist, ebenso wie der ventrale und der caulale, ebenso wie der
carinale bogenförmig. Die Aussenseite der Sagitta wölbt sich gleichmässig,
doch sehr mässig und erreicht ungefähr in der Mitte die maximale Höhe.
Uebrigens ist sie tief und nur vorne ist ein spiessförmiges Feld zu sehen,
dem Suleus entsprechend, den eine sehr wenig verstärkte, nur mit einer starken
а b
Fig. 7. Otolithus (inc. sedis) formosus, Proch. Rudelsdorf. */, vergr.
a Aussen-, b Innenseite der Sagitta.
Loupe sichtbare Kante begrenzt, die in dem Masse verschwindet, wie sie in
die Mitte der Sagitta ausläuft. Das Innere dieser letzteren ist schwach gewölbt.
Vom carinalen Rande erstreckt sich ein spiesfórmiger Suleus acusticus bis
hinter das zweite Drittel des Durchmessers (von vorne nach hinten gemessen).
Der Suleus ist ausgefüllt, sein Boden liegt in der Hóhe der beiden Sagitta-
Hälften und unterscheidet sich von diesen durch eine intensivere Färbung.
Parallel den Rändern verläuft eine schwache Furche bis zum Sulcus. Crista
Superior ist kaum merkbar, Area ebenfalls stark reduciert, nur durch eine
Sehr schwache Depression angedeutet. Ich kenne bisher keine Otolithengruppe,
in die ich diese hochinteressante Art mit Sicherheit einreihen könnte. Durch
die Lage des Sulcus stimmt sie noch am meisten mit der Lage der Rinne von
Solea überein. Aber der Sulcus der Solea-Specien ist bekanntlich immer vertieft
und, was wichtig ist, an den Enden geschlossen, was alles bei unserer Art
nicht vorkommt. Schon dieser Unterschied gebietet selbstverständlich Vorsicht
Es ist also wünschenswerth, diese Frage auf einige Zeit beiseite zu legen und
zu warten, bis mehr ähnlichen oder gleichen Materials entdeckt werden wird.
Das vorliegende Exemplar fand ich vorzüglich erhalten, ja so vollkommen,
dass es selbst der kleinsten Details nicht entbehrt, die übrigens verhältniss-
mässig leicht und bald zu bemerken sind. Bis jetzt nur aus dem ZAudelsdorfer
‚ gelben Tegel bekannt.
ardia subdeltoidea, v. Münster sp. (1849, A. E. Reuss. Die fossil. Entomo-
Straceen des oesterr. Tertiaerbeckens. S. 49, Taf. VIIL, Fig. 1. — 1860 1. c.
5. 271.) Typischea Individuen dieser interessanten Art begegnen wir im Gebiete
6*
84
des böhmischen marinen Miocaens sehr selten. Das wird schlagend bewiesen
durch den bisherigen Erfolg der Untersuchung der dortigen Sedimente. Reuss
fand in den sechziger Jahren ihre Schalen nach einem offenbar langen Suchen,
während es mir überhaupt weder im Rudelsdorfer, noch im Lukauer Tegel,
also in Sedimenten mit einer reichen Fauna, gelungen ist, sie festzustellen.
Dagegen ist D. subdeltoidea eine häufige Erscheinung im mährischen, nieder-
oesterreichischen, steiermärkischen und auch im siebenbürgischen Miocaen.
Ebenfalls ist sie im Tertiaer Italiens und Frankreichs zuhause. Sie greift in
die Priesener und Teplitzer Schichten der Kreideformation zurück, während
sie jetzt bei den europaeischen Küsten lebt.
Bairdia arcuata, Münster sp. (1849, A. E. Reuss l. cit. S. 49, Taf. VIIL., Fig. 7.
— 1860. A. E. Reuss l. c. S. 271. — 1867. A. E. Reuss. Die fossile Fauna
der Steiusalzablagerungen von Wieliezka in Galizien. Sitzungsb. d. k. Akad.
d. Wiss. 55. B., S. 149.) Ueber diese Art schreibt Reuss in der Arbeit über den
Wieliezkaer Thon, dass der Umriss ihrer Schale bedeutend variirt. Das ist 7
ein wichtiges Merkmal; ich führe es hier namentlich darum an, damit es
vielleicht nicht übersehen werde und zu Fehltritten Veranlassung gebe, bis es
ein zweites Mal gelingt, bei Rudelsdorf jene Bank wieder zu finden, aus
welcher Reuss die reiche Cypridinenfauna anführt und beschreibt. Reuss bemerkt,
dass diese Art im Rudelsdorfer Tegel selten ist, und führt sie noch von
folgenden Fundorten an: Nussdorf, Grinzing, Móllersdorf (Nieder-Oesterreich ;
Wieliezka (Galizien); Kostej (Banat); Dax, Leognan, Castellarquato; ferner
aus dem oberen Oligocaen Deutschlands und dem französischen Eocaen. Nach
Jones lebt sie im Aegaeischen Meere, bei der Küste der Insel Tenedos und
in der Nähe der Bahamischen Inseln.
Bairdia exilis, Reuss. (1849. А. E. Reuss, 1. c. S. 51, Taf. VII. Fig. 20. —
1860. 1. с. S. 271.) Fig. 8. — Die zierlichen Schalen dieser interessanten Art
wurden diesmal auch aus dem Tviebitzer und Abtsdorfer, also brakischen
Fig. 8. Bairdia exilis, Reuss. Fig. 9. Bairdia obesa, Reuss.
Triebitz. ?/, vergróssert. Triebitz. ??/, vergróssert.
a seitliche, b ventrale Ansicht.
Tegel herausgeschlemmt. In den sechziger Jahren hat sie A. E. Reuss sicher-
gestellt, beschrieben und bestimmt, jedoch nur aus dem marinen Tegel von
Rudels:lorf.
Bairdia falcata, Reuss. (1849. A. Е. Reuss, 1. c. S. 57. Taf. 8, Fig. 27. —
1860 1. e. S. 271.) Wurde ebenfalls nur im Rudelsdorfer Tegel und nur von
Reuss sichergestellt, und zwar als eine grosse Seltenheit.
85
Bairdia glabrescens, Reuss. (1849. 1. с. S. 89, Taf. X, Fig. 27. — 1860 l. c.
8. 271.) Diese Art hat А. E. Reuss aus dem Rudelsdorfer Tegel beschrieben
und aufgestellt, wobei er in seiner Beschreibung bemerkt, dass sie dort selten
ist. Von einer anderen Fundstätte ist sie meines Wissens bisher nicht bekannt.
Auch von anderen Fundorten des böhmischen marinen Miocaens gelang es
bisjetzt nicht, sie festzustellen.
Bairdia heterostigma, Reuss. (1849, Cythaerina heterostigma A. Е. Reuss, Le
S. 16, Taf. VIIL, Fig. 23, 24.) Bisher im brackischen Tegel bei Rothwasser
und Abtsdorf ziemlich oft sichergestellt. Ihre Schalen sind dort schón erhalten,
gross, wie in den Congerientegeln z. В. von Brunn oder in den Moosbrunner
Süsswassertegeln; sie unterscheiden sich nicht von den Individuen aus der
Leithakalkfacies von Nussdorf und Heiligenberger Sanden, wo sie Reuss
entdeckte.
Bairdia subteres, Reuss. (1849, Cythaerina subteres A. Е. Reuss, l. c. S. 16,
Taf. VIIL, Fig. 25.) Kommt mit der vorigen Art im Triebitzer Tegel verhält-
nissmässig ziemlich häufig vor. Auch ihre Schalen sind hübsch erhalten. In
echt marinen Sedimenten des ostböhmischen Miocaens, z. B. bei Rudelsdorf,
Lukava u. a. habe ich sie nirgends entdeckt. Bisher führte sie Reuss aus den
Sarmatischen Sanden von Mauer bei Wien an.
Bairdia obesa, Reuss. (1849, Cythaerina obesa А. E. Reuss, 1. с. S. 16, Taf. VIII.,
Fig. 26.) Fig. 9. — Schön erhaltene Individuen dieser Art sind namentlich im
brackischen Tegel von Triebitz und Abtsdorf sehr häufig. Vielfach findet man
Schalen in der natürlichen Lage, nur der Randfaltung entbehrend. B. obesa
Ist eine vorwaltend brackische Art, aber sie ist auch in echt marinen Tegeln
zuhause. In diesen stellte sie A. E. Reuss in der Umgebung von Vöslau und
Oedenburg fest; ferner entdeckte er sie in den Congerienschichten bei Brunn
nächst Wien und im Tegel von Gaya in Mähren.
Cythere galeata, Reuss (1849, 1. с. Taf. IX., Fig. 20., S. 67. — 1870, l. c. 270.)
Im heimischen Miocaen ziemlich selten, nur auf echt marine Sedimente be-
Schränkt. In unserem Gebiete wurde diese Art ebenfalls nur in diesen und
Zwar von A. E. Reuss im Rudelsdorfer Tegel sichergestellt. Ausserdem fand
Sie Reuss auch im Leithakalk von Wurzing, Freibühel und St. Nicolaus (Steier-
Mark), ferner im Salzthon von Wieliczka und im Grinzinger Tegel bei Wien.
Cythere bituberculata, Reuss. (1849, 1. c. S. 77, Taf. X., Fig. 21. — 1860, 1. с.
5. 270.) Gehört zur Gruppe der Arten, die in Sedimenten von ausgesüssten
GER echt marinen Gewässern vorkommen. Von Reuss wurde sie im Brunner
Tegel, der fast eine Süsswasserablagerung ist, und an einigen Stellen in ma-
"пет Tegel, л. D. in Wieliczka und bei Zudelsdorf in unserem Gebiete sicher-
sestellt, wo sie eine seltene Erscheinung ist. Ausserdem ist sie aus den sub-
Apenninischen Sanden von Castellarquato nächst Parma bekannt.
€ i
Ythere plieata, Münster. (1849, A. E. Reuss, l c. S. 83, Taf. X., Fig. 21. —
860, Le S. 270.) Auch diese Art ist in miocaenen Sedimenten selten und
ausschliaacli. К . m D . . л 1
ausschliesslich auf echt marine Tegel beschränkt, in denen sie in der Facies
86
des Leithakalkes von Nussdorf und Kostel und im Rudelsdorfer Tegel in un-
serem Gebiete sichergestellt wurde. Ausserdem wird sie aus den Sedimenten
von Osnabrück, Dax und Boom angeführt.
Cythere Edwardsi, Roemer. (1849, A. E. Reuss, 1. с. S. 84, Taf. X, Fig. 24 —
1860, 1. с. S. 270.) Schöne Schalen von dieser niedlichen Art fand ich nament-
lich in mährischen Tegeln verbreitet, wo sie hie und da (Lomnička) eine be-
deutendere individuelle Entwickelung erreicht. Im Gebiete des marinen Mio-
caens von Ostböhmen ist es mir nicht gelungen sie zu entdecken. Hier wurde
sie nur von A. E. Reuss, und zwar lediglich in marinen Tegel von Rudelsdorf
sichergestellt. Und wie hier hat sie derselbe auch im Leithakalke von Nuss-
dorf, im Salzthone von Wieliczka entdeckt, während F. Römer sie aus ur-
sprünglich tertiaerem Mergel beschrieben hat.
Cythere cinetella, Reuss. (1849, 1. c. S. 67, Taf. IX., fig. 19. — 1860, loc, cit.
S. 270.) Diese Art ist bisher nur aus den Rudelsdorfer Tegeln bekannt, von
wo sie von euss beschrieben und abgebildet wurde. Reuss bemerkt, dass sie
dort sehr selten ist. Auch an den übrigen Fundstütten des marinen Tegels in
unserer bóhmischen Miocaenbucht ist es nicht gelungen, sie sicherzustellen.
Cythere eieatricosa, Reuss. (1849, 1. с. S. 67, Taf. IX., fig. 21. — 1860, 1. c.
S. 270.) Bisher im Rudelsdorfer Tegel nur von Reuss festgestellt. Derselbe
schreibt darüber, er habe sie dort ziemlich oft gefunden. Ausser diesem Fund-
orte entdeckte er sie im Tegel von Grinzing in Niederösterreich, dann im
gelben subapenninischen Sande in der Umgebung von Castellarquato nächst
Parma und im groben Kalksteine von Bordeaux. C. cicatricosa lebt im Mittel-
meere.
Cythere angulata, Reuss. (1849, 1. c. S. 68, Taf. IX., fig. 23. — 1860, 1. c.
S. 270.) Bisher nur aus dem Rudelsdorfer Tegel, dann aus dem Tegel von
Grinzing und aus dem Salzthone von Wieliezka bekannt. In unserem Gebiete
selten.
Cythere deformis, Reuss. (1849, 1. с. S. 69., Taf. IX., fig. 25. — 1860, 1. c.
8. 270.) Über diese Art bemerkt A. E. Reuss, dass sie im Rudelsdorfer Tegel
sehr selten ist. Ich füge hinzu, dass ich sie weder dort, noch anderswo im
bóhmischen Gebiete des marinen Miocaentegels gefunden habe. Und doch ge-
hört sie der Gruppe der im heimischen marinen Miocaen am weitesten verbrei-
teten Arten an. Ich habe sie selbst an zahlreichen neuen Fundstätten im west-
lichen und nordwestlichen Mähren entdeckt, während A. E. Reuss sie aus dem
Tegel von Nussderf, Steinabrunn anführt, ferner aus der Umgebung von Wur-
zing, St. Nicolaus und Freibühl (Steiermark); Lapugy (Siebenbürgen); Kostel
(Mähren); ausserdem auch aus dem groben Kalkstein von Bordeaux.
Cythere hastata, Reuss. (1849, 1. c. S. 69, Taf. IX., fig. 26. — 1860, 1. с. S. 271.)
Im Tegel von Rudelsdorf ziemlich selten. Dagegen ist sie aber sehr häufig und
verbreitet in den südlichen Gebieten des heimischen Miocaens, wo sie sowohl
in der Tegel-, als auch Mergel- und Leithakalkfacies zuhause ist. Borač, Drno-
vice, Gross-Seelowitz, Kostel u. a. in Mähren; Nussdorf, Gurschenthal, Grin-
zing u. a. in Niederösterreich; Salzthon von Wieliezka; St. Nicolaus. Wurzing
in Steiermark sind als ihre reichsten Fundorte anzuführen.
87
Cythere Haueri, Römer. (1849, 1. е. S. 70, Taf. IX., fig. 28. — 1860, Le,
S. 271.) Nach A. E. Reuss ist diese Art im Rudelsdorfer Tegel häufiger als die
vorige. Im Ganzen lässt sich jedoch auf Grund der bisherigen Kenntnisse über
ihre Verbreitung behaupten, dass sie im heimischen Miocaen seltener ist als jene.
Ihr Gebiet 1-6 vorwaltend die Leithakalkfacies, doch kommt sie auch hie und
da in Tegeln oder Mergeln vor. Nussdorf, Steinabrunn, Grinzing in Nieder-
österreich, Wurzing, St. Nicolaus, Freibühl in Steiermark, Kostel, Lomnička
in Mähren können als ihre häufigeren Fundstätten angeführt werden. Von den
fremden Fundorten ist sie aus dem gelben subapenninischen Sande von Ca-
stellarquato bekannt.
Cythere similis, Reuss. (1849, 1. c. S. 72, Taf. X., fig. 1. — 1860, 1. с. S. 271.)
Bisher nur von A. Æ. Reuss in unserem marinen Miocaengebiet sichergestellt,
und zwar im Rudelsdorfer Tegel, wo sie nach Reuss ziemlich häufig ist. Ander-
wärts ist sie aus dem Grinzinger (Niederösterreich), Lapugyer Tegel (Sieben-
bürgen) und aus dem Leithakalke von Freibühel (Steiermark) bekannt.
Cythere hystrix, Reuss. (1849, 1. c. S. 74, Taf. X., Fig. 6. — 1860, 1. c. S. 271.)
Prächtige Schalen dieser Art habe ich bisher aus dem Rudelsdorfer Tegel, von
wo sie seinerzeit А. Æ. Reuss in die Literatur eingeführt hat, und aus dem
Tegel von Zukau sichergestellt. Namentlich auf dem letzteren Fundorte kommen
verhältnissmässig grosse Individuen vor, welche eine nach aussen stachelige
Schale und am Ende gabelfórmig getheilte Stacheln besitzen. Im mührischen
Miocaen kommt sie ebenfalls vor, doch ist sie hier mehr verbreitet. Aus der
Umgebung von Lapugy (Siebenbürgen) und aus den gelben Sanden von Castell-
arquato führt A. Æ. Reuss diese Species an.
Cythere canalieulata, Reuss. (1849, 1. c. S. 76, Taf. X., Fig. 12. — 1860, 1. c.
8. 271.) Die winzigen Schalen dieser Art entdeckte nur A. E. Reuss im
Rudelsdorfer Tegel und zwar fand er sie ziemlich selten. Mir ist es weder hier
noch anderwärts gelungen ihnen auf die Spur zu kommen. Dafür ist die Art
viel mehr im südlichen Gebiete des heimischen Miocaens verbreitet. Grinzing,
Gainfahren, Meidling (Nieder-Oesterreich); Wurzing (Steiermark); Wieliezka
(Polen) und gelben subappeninischen Sand führt A. E. Reuss als Fundorte
dieser interessanten Art an.
Cythere Haidingeri, Reuss. (1849, 1. с. S. 78, Taf. X., Fig. 13. — 1860,
l. е. S. 271.) Nach A. E. Reuss kommt sie im Rudelsdorfer Tegel vor. Diesmal
wurde sie in demselben Tegel vergeblich gesucht. Es war von ihr keine Spur
zu entdecken. Ohne Wiederrede gehört diese Species der Gruppe von Arten
àn, welche im heimischen Tegel namentlieh in den Sedimenten der Leitha-
kalkfacies in srösserem Maasse und öfters vorkommen. Zu diesem Resultate
bin ich in Mähren gelangt, wo ich sie in einer grösseren Menge von Individuen
im bröckeligen Leithakalke bei Lomnička entdeckt habe. Reuss führt sie weiter
àn aus dem Leithakalk von Nussdorf, aus dem Mergel von Grinzing (Nieder-
| Oesterreich), von Kostel (Mühren); von Freibühl und St. Nicolaus (Steiermark).
Cythere corrugata, Reuss. (1849, 1. c. S. 79, Taf. X., Fig. 14. — 1860, l. c.
S. 271.) Nach Reuss ist sie im Rudelsdorfer Tegel sehr selten, aber auch an
88
anderen Fundstellen zeigt sie keine bedeutende individuelle Entwickelung,
und. auch ihre Verbreitung ist nicht gross; sie ist nur aus dem Mergel des
Leithakalks von Wurzing (Steiermark) bekannt.
Cythere verrucosa, Moss (1849, 1. с. S. 81, Taf. X., Fig. 16. — 1860, 1. c.
S. 271.) Im Allgemeinen mehr verbreitet im heimischen Miocaen, als die
vorige Art. In unserem Gebiete kennt man sie nur aus dem Rudelsdorfer Tegel,
wo sie etwas häufiger vorkommt Nussdorf, Grinzing (Nieder-Oesterreich) ;
St. Nicolaus (Steiermark); Wieliczka (Galizien) gibt A. Æ. Reuss als ihre
Fundorte an.
Cythere polyptyeha, Jee, (1849 1. c. S. 83, Taf. X, Fig. 92.— 1860 1. c.
S. 271.) Sehr selten. Bisher wurde sie nur von A. E. Reuss im Rudelsdorfer
Tegel entdeckt, wo sie als sehr selten erkannt wurde.
Cythere plieatula, Reuss, (1849 l. с. S. 84. Taf. X, Fig. 23. — 18601. c. S. 271.)
Viel verbreiteter als die vorige Art. Von unserem bóhmischen marinen Miocaen
lässt sich leider dasselbe nicht behaupten, da sie bisjetzt nur im Rudelsdorfer
Tegel entdeckt ward, wo sie sehr selten ist. Das gilt namentlich von West-
und Nordwest-Mähren. In den dortigen Tegeln und Mergeln begegnet man
ihren zierlichen Schalen fast überall. Вогаё, Drnovice, Lomniéka seien hier
als neue Fundorte angeführt; nach Reuss kommt sie vor bei Grinzing, Nuss-
dorf, Gainfahren (Niederösterreich); Kostel (Mähren), im Salzthon von Wie-
liezka (Galizien), dann bei Perpignan, Leognan und Dax.
уеге reticulata, Reuss. (1849 l. с. S. 85, Taf. X, Fig. 26.-- 1860 1. c.
5. 271.) Bisher nur im Rudelsdorfer Tegel von A. E. Reuss sichergestellt, an an-
deren Orten in unserem böhmischen marinen Miocaengebiete habe ich sie nicht
gefunden. Doch auch in südlicheren Gebieten des heimischen Miocaens ist diese
Art sehr selten; Reuss führt sie nur aus dem Mergel von Kostel in Mähren an.
Cytherella compressa, Münster. (1849 A. E. Reuss, 1. с. S. 54, Taf. УШ,
Fig. 15.— 1860. A. E. Reuss, l. c. S. 271.) Nach A. E. Reuss ist sie im
Rudelsdorfer Tegel sehr selten. An anderen Orten im Gebiete unseres marinen
Miocaens gelang es mir nicht sie zu finden. Dagegen ist sie eine ganz ge-
wöhnliche Erscheinung in Tegeln und Mergeln, auch in der Leithakalkfacies
nicht nur in Mähren und da besonders im nordwestlichen Theile, sondern
auch im südlichen Theile des Wiener Beckens. Borač, Lomnička; dann Nuss-
dorf, Grinzing, Möllersdorf; Wurzing; Osnabrück; Leognan, Tertiär Frank-
reichs sind als ihr Terrain zu bezeichnen.
4
Fig. 10. Cytheridea Mülleri, Münst. Rudelsdorf. 291, vergróssert.
Cytheridea Mülleri, Münster. (1849 A. E. Reuss, 1. c. S. 55, Taf. VIII, Fig.
Zl 1900. 4, 2. ен, To CS. 272.) Big, 10.— 1n, unserem Neogengebiet
D
89
ziemlich verbreitet. Der Tegel von Rudelsdorf, daun der von Lukau, Schirm-
dorf und Abtsdorf beherbergt ihre prächtigen, zierlichen und niedlichen Schalen.
Es ist interessant, dass im Tegel von Schirmdorf, den ich für eine Übergangs-
facies von der marinen Rudelsdorfer zur brackischen Abtsdorfer ev. Triebitzer
halte, diese Art in einer grösseren individuellen Menge vorkommt als im
marinen Gebiete. Aber auch in südlichen Gebieten des heimischen Neogens ist
diese Art bedeutend verbreitet. Sie kommt nach A. E. Reuss vor: im Nuss-
dorfer Leithakalk bei Wien, im Mergel von Gainfahren (Niederösterreich)
nach Roemer im groben Kalkstein von Bordeaux; Touraine, belgisches Ter-
tiàer, Umgebung von Limburg u. a. Nach Bosquet lebt sie im Zuydersee.
Balanus sp. Die Gehäuse dieser Art liessen sich zwar sehr leicht und hübsch
Bal
Conu
zeichnen, da sie wohl erhalten sind, doch ich zweifle sehr, dass all das irgend
eine Bedeutung und Wichtigkeit hätte. Ich halte dafür, dass man mit den
miocaenen Balanen gegenwärtig nicht von der Stelle kann, dass man sie nicht
einmal bestimmen kann, solange das reiche, grösstentheils prächtig erhaltene
Balanusmaterial nicht bearbeitet sein wird, welches aus den zahlreichen Fund-
orten des ausseralpinen und alpinen Wiener Beckens in die reichen palaento-
logischen Sammlungen Wiens zusammengetragen ist. Wenn ich trotzdem dieser
und der folgenden Art Erwähnung thue, so bezweckt es nichts anderes, als
dass ich darauf hinweise, dass auch in den Sedimenten unseres böhmischen
Miocaens, in den Triebitzer Tegeln diese Gruppe gelebt hat und durch zwei
Arten vertreten war.
Die vorliegende Art hatte kleine Dimensionen, eine niedrige, roh gefärbte
Schale. Durch ihre Merkmale unterscheidet sie sich von allen mir bekannten
Arten wesentlich. Die Deckelplatten wurden bisher nicht entdeckt.
anus spec. Gemeinsam mit den oben angeführten Gehäusen wurden im Abts-
dorfer Tegel verhältnissmässig grosse und dicke, einer von der vorigen ab-
Weichenden Art angehörende Fragmente gefunden. Aus den erwähnten Gründen
186 es unmöglich, auch diese Reste gründlich zu bestimmen, denn sie bieten
keine Garantie dafür, inwieweit sie sich von den bekannten und in die Litte-
ratur eingeführten Arten unterscheiden. Es sei hier jedoch hervorgehoben,
dass diese Fragmente klar beweisen, dass diese Art weit grössere Dimensionen
erreichte als die vorige und sich durch eine starke dicke Wand auszeichnete.
Sie war gleichfalls an Austernschalen angewachsen.
8 Biezinae, A. Hoernes und Auinger. (1879. Die Gasteropoden der Meeres-
blagerungen der ersten und zweiten Mediterranstufe in der öst.-ung. Mon-
archie. — 1856 Conus Dujardini, М. Hoernes, 1. c. I, S. 40, Taf. V, Fig. 8.
1860. A. p, Reuss, 1. с. 8. 270.) Im Gebiete des marinen Міосаепѕ von Ost-
böhmen hat ihn bis jetzt nur A. Æ. Reuss im Rudoltitzer Tegel entdeckt. Drei
Exemplare, die er dort gefunden, bewahrt jetzt das Wiener Hofmuseum auf.
Alle sind sozusagen makellos, schön erhalten und erwachsen, von normaler
Grösse, Sie sind so gross wie diejenigen von Drnoviee bei Lysice in Mähren,
Wo diese Art eine gewöhnliche Erscheinung ist. Nach den bisherigen Erfah-
rungen kann man diese Art mit Recht als eine ziemlich charakteristische für
die Tegel der Steinabrunner Facies bezeichnen, denn sie kommt in ihnen in
90
der That fast überall vor, während sie in Badener Tegeln und in Sanden, wo
sie erscheint, überall selten ist. Wie sehr sie verbreitet ist, geht am besten
aus der Menge der Fundorte hervor, die ich hier nach JN. Hoernes anführe:
Drnovice, Zerütky, Grussbach, Nikolsburg, Borstendorf, Porzteich (Mühren),
Vóslau, Grinzing, Niederleis, Steinabrunn, Gainfahren, Pötzleinsdorf, Ritzing
(Nieder-Österreich) ; Póls bei Wildon (Steiermark); Tarnopol (Galizien) ; Lapugy
(Siebenbürgen); Szobb, Hidas (Ungarn).
Erato laevis, Donovan. (1876. R. Hoernes und Awinger, 1. с. S. 63. 1856. M. Hoernes,
1. c. S. 79, Taf. VIII, Fig. 16.— 1860. A. E. Reuss, 1. с. S. 210.) Drei Indi-
viduen dieser Art, von Reuss im Rudelsdorfer Tegel entdeckt, bewahrt das
Wiener Hofmuseum auf. Erhalten sind alle ausgezeichnet. Durch ihre Grösse
erinnern sie an die Individuen von Drnoviee in Mähren, wo sie im dortigen
Tegel háufig sind. Von irgend einer Degeneration ist bei diesen Individuen
keine Spur zu merken, alles bezeugt im Gegentheil, dass sie unter denselben
Lebensverhältnissen gelebt wie jene im Drnovicer Gebiete. Diese Art ist in
heimischen Miocaenablagerungen bedeutend verbreitet; nach X. Hoernes ist
sie zuhause in den Tegeln von Baden, Kostej, Lapugy, in den Mergeln von
Gainfahren, Steinabrunn, Nikolsburg, Szobb, Drnovice, Porzteich, Grussbach,
Lysice, Rausnitz, Forchtenau, Póls und in den Sanden von Nussdorf, Pótzleins-
dorf und Grund.
Mitra goniophora, Bellardi. (1860. Mitra fusiformis, A. E. Reuss, l. c. S. 271.
— 1880 R. Hoernes und M. Auinger, l c. S. 77, Taf. VII, Fig. 9; Taf. IX,
Fig. 11.) In den Sedimenten des ostböhmischen Miocaens selten. Nur drei
Individuen hat in ihnen A. Æ. Reuss gefunden — zwar schön erhalten, aber
ein bischen kleiner ala die Type, die aus den südlichen Sedimenten des hei-
mischen Miocaens herrühren. Diesmal gelang es nicht, auch nur eine Spur
von ihr aufzufinden, trotzdem man fleissig und gewissenhaft nach ihr forschte.
RH. Hoernes bemerkt, auch Rudelsdorfer Exemplare unterscheiden sich von den
typischen Individuen der M. fusiformis, gerade wie die von Steinabrunn von
denjenigen von Póls und Pótzleinsdorf. Wie daraus ersichtlich, ist die hori-
zontale Verbreitung dieser Art verhältnissmässig gering.
Columbella fallax, X. Hoernes und M. Awinger. (1860. Colwmbella subulata A.
E. Reuss, l. с. S. 270. — 1880. №. Hoernes und M. Awinger, 1. c. S. 96.) In
miocaenen Sedimenten Ostböhmens selten. Bis jetzt stellte sie dort nur A. К.
Reuss im Rudelsdorfer Tegel sicher, wo er zwei schön erhaltene Gehäuse von
normaler Grösse fand. An anderen Orten unseres ostböhmischen Gebietes
wurde von ihr keine Spur gefunden. — Doch auch ihre von Reuss constatierte
Seltenheit bestätigen die letzten Beobachtungen. Ihr Resultat ist eine völlige
Bestätigung und Belegung der Anschauung, dass auch diese Art, wie viele
andere, durch ihre individuelle Menge die Tegel der Badener Facies charak-
terisiert — während sie in den Tegeln der Steinabrunner Facies gewöhnlich,
und zwar beinahe in allen Gebieten, selten ist — also augenscheinlich ein
Merkmal, überall beachtet werden muss, wo es sich um eine facielle Schichten-
eintheilung handelt. Bei der Arbeit dieser Richtung hilft dann auch der
Habitus der Individuen und die Grösse ihrer Gehäuse aus. Man lernt es klar
Buc
Bue
91
kennen, wenn man unsere ostbóhmischen Individuen mit den máhrischen und den
von den übrigen Fundorten des miocaenen voralpinen Beckens herrührenden ver-
gleicht. Dieser Umstand fällt sehr auf beim Vergleiche unserer Individuen
mit den westmührischen von Drnovice, Lysice und Boraé, wo sie sich nicht
ausschliesslich auf die Tegel des tieferen Meeres beschränken, sondern gleich-
sam auch in den Mergel von einem bathymetrisch hóheren Niveau hineinreichen,
und gleichzeitig tritt er zutage, wenn man auch das Materinl von Kostel und
Steinabrunn berücksichtigt. Fast zu denselben Resultaten gelangt man durch
das Studium des Materials aus dem neogenen Gebiete Niederösterreichs von
Gainfahren, Enzesfeld, Baden, Ebersdorf, Pótzleinsdorf, Grund, Grinzing, aus
dem ungarischen von Forchtenau, dem siebenbürgischen von Lapugy und bana-
tischen von Kostej.
einum Grundense, R. Hoernes und М. Auinger. (1882. 1. c. S. 118, Taf. XV.,
Fig. 9. — 1860. B. miocaenicum А. E. Reuss, 1. c. S. 269.) Prüchtig erhaltene
Individuen dieser interessanten Art entdeckte im Rudelsdorfer Tegel nur А.
E. Reuss. R. Hoernes gelangte durch einen Vergleich mit dem Materiale aus
südlicheren neogenen Gebieten zur Erkenntniss, dass sie nicht dem B. miocae-
nicum angehören, wohin sie von Reuss eingereiht wurden, sondern in den
Bereich einer dieser zwar verwandten, jedoch von ihr verschiedenen Art
fallen, deren Vertreter im Grunder Sande, dann im Grussbacher und Forchten-
auer Mergel vorkommen.
einum Bohemieum, R. Hoernes und M. Auinger. (1882 1. c. S. 119, Taf. XV,
Fig. 10.) R. Hoernes führt diese Art vom Rudelsdorfer und Triebitzer Tegel an,
Wo sie den bisherigen Erfahrungen gemüss sehr selten ist.
Uccinum Schöni, R. Hoernes und Auinger. (1882 1. с. S. 125, Taf. XV, Fig.
18--20. — 1850. В. Dujardini A. E. Reuss, 1. c. S. 269.) Fig. 11. — Nur
Reuss hat diese Art im Rudelsdorfer Tegel in einer grösseren Menge von Indi-
Fig. If. Buccinum Schöni, R. Hoern u. A. Fig. 12. Виссіпит Hoernesi, Mayer.
., Abtsdorf. ?/, vergrössert. Rudelsdorf. ?/, vergróssert.
a älteres, b jüngeres Individuum.
Dum sichergestellt. In der Schicht von Rudelsdorf, aus welcher ich hier die
ашпа anführe, habe ich von ihr keine Spur gefunden. Dieser Umstand ist
eachtenswerth, da die brackischen Tegel, namentlich diejenigen von Abtsdorf
92
und Triebitz, eine bedeutende Menge von Gehäusen des B. Schón? enthalten.
Unter Beachtung dieses Umstandes können wir es für eine brackische, für
unser ostbóhmisches Gebiet charakteristische Art halten. Hier kommt es zu
derselben Geltung wie in anderen brackischen Gebieten im Bereiche der Ne-
ogenschichten. Schon Тоша hebt das hervor, und in unserem Gebiete kann
man sich darüber Schritt für Schritt überzeugen. R. Hoernes und Auinger
führen es an aus den Sedimenten von Neuruphersdorf, Soos, Grussbach, Enzes-
feld, Gainfahren, Steinabrunn, Kienberg, Bischofswart, ferner von Ebersdorf,
Niederleis, St. Veit, Laa, Lysice, Rudice, Forchtenau, Wind.-Graetz, St. Florian,
Králová, Bujtur, Holubice und Olesko.
Bueeinum Hoernesi, K. Hoernes und Awinger. (1860 B. costulatum var. semi-
striatum A. E. Reuss, l. с. S. 269. — 1882 R. Hoernes und Auinger, 1. C.
128, Taf. XIV, Fig. 16, 18.) Fig. 12. A. E. Reuss stellte diese Art im Rudels-
dorfer Tegel sicher, mir gelang es diesmal sie aus dem Triebitzer Tegel her-
auszuschlemmen. In diesem Tegel wurde sie in einem einzigen, doch schón
erhaltenen Individuum festgestellt, dessen Charakter im Ganzen mit dem
Charakter der aus der Badener und Steinabrunner Facies bekannten Typen
völlig übereinstimmt.
Buccinum reticulatum, Linné. (1860. A. E. Reuss, l. c. S. 269.) Unter diesem
Namen führt Zeuss Individuen vom Rudelsdorfer Tegel an, welche mir weder
dort zu finden noch in der palaeontologischen Sammlung des Wiener Hof-
museums zu sehen gelungen ist. Ebenfalls habe ich in der Monographie von
R. Hoernes und M. Auinger irgend welche Bemerkungen über dieselben er-
folglos gesucht. Trotzdem registriere ich hier diese kleinen Bemerkungen, um
dem Ganzen genugzuthun.
Chenopus alatus, Eichwald. (1860. Aporrhais pes pelecani А. E. Reuss, 1. ©.
S. 269. — 1884. R. Hoernes und Auinger, 1. c. S. 166, Taf. XVIII, Fig. 6,
8. — Diese weit und breit verbreitete Art wurde im Gebiete des ostböhmi-
schen Neogens bisher nur im Rudelsdorfer Tegel sichergestellt. Interessant ist
der Umstand, dass die Individuen von Rudelsdorf von denjenigen aus den Tegeln
der Badener Facies und aus den Mergeln von Steinabrunn durch kleinere
Dimensionen abweichen, wodurch sie sich wieder den Individuen aus den
Grunder Banden enge anschliessen. Aus dem böhmischen Gebiet verbreitet
sich diese Art in die mährischen (Lysice, Lomniéka, Boraé, Zerütky, Sudice,
Borstendorf, Jaroméfice, Grussbach, Porzteich), von da in das niederósterreichische
(Steinabrunn, Baden, Soos, Vóslau, Möllersdorf, Gainfahren, Enzesfeld, Perch-
telsdorf), steiermärkische (Póls, Maiz), galizische (Holubica, Zukovce, Tarno-
pol) siebenbürgische (Lapugy), banatische (Kostej) Miocaendepóts.
Chenopus pes pelecani, Philippi. (1860 A. E. Reuss 1. c. S. 269—1882 Л.
Hoernes и. M. Auinger 1. c. S. 167, Taf. XVIII, Fig. 7, 8; Taf. XIX, Fig. 9.)
Auch diese Art wurde in unserem neogenen Gebiete nur von A. E. Reuss
sichergestellt, und zwar nur im Rudelsdorfer Tegel. Auch ihre Individuen
sind kleiner als jene aus den Tegeln der Badener und Steinabrunner Facies
und gleichen, was die Grósse der Gehüuse betrifft, den Individuen aus den
Grunder Sanden. Die Gehäuse Reuss's sind prächtig erhalten, fast tadellos,
98
gerade so wie in den benachbarten mährischen Tegeln (Borač, Drnovice, Borsten-
dorf, Jaroměřice, Lomnička), wo von sie sich nach Niederoesterreich (Steina-
brunn, Baden, Möllersdorf, Gainfahren, Enzesfeld) und nach Ungarn (Ritzing ?)
verbreiten. Aus dem Miocaen geht diese Art in pliocaene Ablagerungen und
von da in jetzige Meere über.
Triton Tarbellianum, Grateloup. (1860 A. E. Reuss, 1. с. S. 269. — 1882. R.
Hoernes und Auinger, l. c. S. 173, Taf. XXI, Fig. 8—11.) Diese interessante
Art, welche sowohl in der Badener als auch in der Steinabrunner Facies ver-
breitet ist, kommt im Gebiete des ostböhmischen Miocaens sehr selten vor.
Bisjetzt hat sie nur A. Æ. Reuss im Rudelsdorfer Tegel festgestellt, wo er ein
Gehäuse entdeckte, das jetzt in den palaeontologischen Sammlungen des Wiener
Hofmuseums aufbewahrt wird. Dieses mittelmüssig grosse Gehäuse stimmt
mehr mit den Individuen aus den mährischen, namentlich westmährischen als
mit denen aus den niederósterreichischen Sedimenten überein. Nach R. Hoernes
kommt diese Art im mährischen Neogen bei Jaroměřice, Lysice, Rausnitz,
Zerütky, Kostel, Nikolsburg, in niederösterreichischen bei Baden, Vöslau,
Möllersdorf, Gumpoldskirchen und Niederleis vor.
Murex Hoernesi, d’Ancona. (1860. M. Sedgwicki A. E. Reuss, 1. с. S 269. —
1885. X. Hoernes und M. Auinger, 1. c. S. 211.) Im ostböhmischen Miocaen
selten. Bisher nur von A. E. Reuss im Rudelsdorfer Tegel sichergestellt. Das
von ihm aufgefundene, gegenwärtig im palaeontologischen Museum zu Wien
aufbewahrte Gehäuse ist sehr hübsch erhalten, von mittlerer Grösse und gleicht
namentlich denen von den westmährischen Tegeln. Von da verbreitet sich
diese Art nach Niederösterreich (Baden, Vöslau, Enzesfeld, Steinabrunn, Gain-
fahren), dann nach Siebenbürgen (Bujtur, Lapugy), Ungarn (Szobb). Ferner
ist sie von Touraine und von Leognan bei Modena her bekannt.
Murex caelatus, Grateloup. (1860. M. subulatus A. E. Reuss, 1. c. б. 269. —
Рур
1885. R. Hoernes und M. Auinger, 1. с. S. 217, Taf. XXVI, Fig. 7—18.) Vier
Individuen dieser verbreiteten Art wurden im Rudelsdorfer Tegel von A. К.
Reuss entdeckt. Sie sind von normaler Grösse und werden in der palaeonto-
logischen Sammlung des Wiener Hofmuseums aufbewahrt. Im heimischen Neo-
Sen ist diese Art in der Facies der Steinabrunner Mergel, gleichzeitig auch
in der Facies der Badener Tegel verbreitet, von wo sie in die Grunder Sande
übergeht, Gainfahren, Steinabrunn, Enzesfeld, Nikolsburg, Rausnitz, Borač,
Pótzleinsdorf, Grund, Grussbach werden als ihre Fundorte angeführt.
Ша cornuta, Agassiz. (1856. M. Hoernes, 1. c. S. 220, Taf. XXIII, Fig. 1—5.
an 1860. A. E. Reuss, 1. е. S. 269.) Diese Art kommt im heimischen Miocaen
Nicht an bestimmten Stellen vor und beschränkt sich auch auf keine bestimm-
беп Facies. Im Gegentheile bestätigen die über sie gemachten Erfahrungen
die Ansicht, dass sie fast in allen Facien und zwar in den bathymetrisch
niedrigeren Niveaux viel öfter und háufiger vorkommt als in den hóheren.
Dass diese Ansicht richtig ist, beweisen die gesammelten Berichte über sie
aus unserem ostböhmischen Miocaengebiete. Sie kommt hier im Tegel von
Rudelsdorf und Triebitz vor. In jenem wurde sie von A. E. Reuss, in diesem
vielleicht von Wolf gefunden. Aus diesen Sedimenten ist ein zwar kleines,
doch sehr lehrreiches Material vorhanden, das ein klares und deutlich ge-
zeichnetes Bild enthüllt. In den palaeontologischen Sammlungen des Hofmu-
seums ist ein grosses Gehüusefragment aufbewahrt, das den Achsentheil dar-
stellt. Die Dimensionen dieses Bruchstückes beweisen klar, dass die Indivi-
duen dieser Art in unserem Gebiete dieselben Dimensionen und Grösse er-
reichten, wie in südlicheren Gebieten, namentlich in Süd-Mähren (Nikolsburg);
in Niederósterreich (Gainfahren, Niederkreuzstütten, Enzesfeld, Baden, Vóslau,
Grund), in Ungarn (Ritzing, Szobb). Zu derselben Ansicht führt auch das
Studium eines hübsch erhaltenen Exemplares, welchen in der palaeontologischen
Sammlung der k. k. geologischen Reichsanstalt in Wien aufbewahrt wird.
Fusus intermedius, Michelotti. (1856 M. Hoernes, 1. c. I, S. 281, Taf. XXXI,
Fig. 4, 5. — 1860. A. Е. Reuss, l. c. S. 268.) Ein prächtig erhaltenes Indi-
viduum dieser Art fand A. E. Reuss im Rudelsdorfer Tegel, wo seit jener Zeit
kein ähnliches sichergestellt wurde. Es wird in den palaeontologischen Samm-
lungen des К. К. Illofmuseums in Wien aufbewahrt. Anderswo in unserem
ostböhmischen Gebiete ist es nicht gelungen, diese Art, die aus den Neogen-
ablagerungen von Mähren: Drnovice, Nikolsburg, Niederösterreich (Vöslau,
Enzesfeld, Grinzing), Ungarn (Forchtenau) und Siebenbürgen (Lapugy) bekannt
ist, sicherzustellen. Ausserdem wird dieselbe aus dem Tertiaer von Turin und
Modena angeführt.
Pleurotoma obtusangula, Brocchi. (1860 A. E. Reuss, 1. c. S. 268. — 1891.
R. Hoernes und М. Awinger, 1. с. S. 817, Taf. XL, Fig. 13—20.) Diese häu-
fige Art führt aus dem ostböhmischen Miocaen nur А. Æ. Reuss an. Er schreibt
darüber, dass sie dort selten ist. Trotz aller Versuche gelang es mir nicht,
sie daselbst zu entdecken, noch sie wo immer auf bóhmischen Fundorten
sicherzustellen. Doch auch in den palaeontologischen Sammlungen des Wiener
Hofmuseums habe ich nach Reuss’ Material vergeblich gesucht und geforscht.
Hier habe ich sie mit Recht erwartet, da fast alles hier sich befindet, was
Reuss in Ostbóhmen gefunden hat. Offenbar ist auch R. Hoernes zu denselben
Resultaten gelangt, denn auch er thut in seiner grossen Monographie keine
Erwähnung davon, dass Individuen dieser Art im Rudelsdorfer Tegel vorkämen.
Nur vermag ich es mir nicht zu erklären, warum er der Arbeit Reuss’ keine
Beachtung geschenkt hat, aus der es ja erhellt, dass diese Art auf diesem
Fundorte wirklich sichergestellt worden ist.
Pleurotoma Vauquelini, Payr. (1860 А. E. Reuss, 1. c. 5 268.) Was diese
Art betrifft, so beschränke ich mich auf das von A. E. Reuss Gesagte. ES
veranlassen mich dazu mehrere Gründe, namentlich der Umstand, dass ich
diese Art im Rudelsdorfer Tegel, aus dem sie Reuss anführt, nicht gefunden
habe, und dann dass ich auch Reuss’ Material in den Wiener Sammlungen
nirgends gesehen habe. Um zu ergänzen, was noch übrig bleibt, bemerke ich,
dass Reuss gewisse Differenzen erblickt, welche das Rudelsdorfer Individuum
von den Typen aus den südlichen Vorkommnissen des heimischen Neogens
unterscheiden. Diese Differenzen bestehen darin, dass das Rudelsdorfer Indivi-
duum ein schlankeres, dickwündigeres Gehäuse hesitzt und dass die Höhe
seiner letzten Windung grösser ist, als es bei normalen Individuen der Fall
95
zu sein pflegt. Ausserdem zeichnet es sich durch schiefe, gekrümmte Rippen
aus. Dem künftigen Studium füllt die Aufgabe zu, zu entscheiden, inwieweit
die mit diesen Merkmalen versehenen Individuen zum Pl. Vanquelini gehören.
Cerithium bilineatum, AM. Hoernes. (1856, 1. с. I, S. 416, Taf. XLII, Fig. 22.—
1860. A. E. Reuss, 1. e. S. 268.) Diese Art wurde in einer bedeutenden indi-
viduellen Menge im Tegel von Steinabrunn, seltener im Tegel von Lapugy
entdeckt; in unserem Gebiete kommt sie sehr selten vor. Sie wurde bisjetzt
nur im Rudelsdorfer Tegel von A. E. Reuss entdeckt und als sehr selten be-
zeichnet. Mir ist es weder auf diesen Fundorte noch irgendwo anders gelungen,
ihre Gehäuse sicherzustellen.
Cerithium doliolum, Brocchi sp. (1856 М. Hoernes, 1. c. I, S. 392, Taf. XLI.
Fig. 11.— 1860. A. E. Reuss, l с. S. 268.) Fig. 13.— Sechs schön erhaltene
Gehäuse dieser Art vom Rudelsdorfer Teg»l habe ich in den Sammlungen des
kön. böhmischen Museums deponiert gefunden. Alle haben die Dimensionen
von normal erwachsenen Individuen; kein einziges trägt Anzeichen, die be-
zeugen könnten, dass hier verkümmerte Individuen vorliegen. Ihre Merkmale
stimmen also mit den Individuen aus dem Grunder Sande, Steinabrunner
Mergel, den Ablagerungen von Tortone, Monte Maria u. a. gänzlich überein,
A. E. Reuss, dem diese Art ebenfalls aus dem gelben Tegel von Rudelsdorf
bekannt war, bemerkt, sie sei daselbst sehr selten, was auch ich im vollen
Masse bestätigen kann, da es mir von derselben nur kleine Bruchstücke
Sicherzustellen gelang.
Fig. 13. Cerithium doliolum, M. Hoern. Fig 14. Cerithium pietum, Bast.
Rudelsdorf. ?/, vergrössert. Rudelsdorf. 5/, vergróssert.
erithium pictum, Basterot. (1856 M. Ternes, 1. c. І, S. 394, Taf. XLI, Fig.
15, 17. — 1860. А. E. Reuss, 1. c. S. 268.) Fig. 14.— А. E. Reuss führt
diose Art auch aus dem gelben Tegel von Rudelsdorf an und bemerkt, dass
Sie dort sehr häufig sei. Ich habe nach derselben in diesem Tegel auch ge-
forscht, jedoch erfolglos. Mein Resultat führt mich zur Ansicht, dass diese
Art in der marinen Schicht des graugelben Tegels von Rudelsdorf nicht vor-
96
kommt und wenn sie doch erscheint, dass sie durch vereinzelte Individuen
vertreten ist. Alles weist darauf hin, dass Reuss die erwähnte Menge dieser
Art im bläulichen Tegel gesammelt haben dürfte, in jener Tegelbank, wo ich
eine bedeutende Menge von grossen Austern fand. Diese Art ist demgegenüber
für brackische Gebiete bezeichnend, wo sie grósstentheils in einer grossen
individuellen Menge vorkommt. Das gilt namentlich vom Abtsdorfer, Triebitzer
und zum Theile auch vom Schirmdorfer Tegel, dagegen wurde diese Art im
Tegel von Rothwasser bisher nur in einem einzigen Individuum sichergestellt.
Fig. 15. Cerithium lignitarum, Eichw. Rudelsdorf.
a Gehäuse, 1/, vergrüssert, b Oberfläche, ?/, vergróssert.
Ferner bemerkt Reuss in seiner oben angeführten Arbeit (S. 282), es sel
nöthig zu erwähnen, dass das böhmische C. pictum mehr mit dem marinen
C. mitrale als mit den Typen jener Art aus brackischen Gewässern überein-
stimmt. Dazu bemerke ich hier, dass zwar Unterschiede existieren, dass siè
jedoch nicht von einem solchen Gewicht sind, dass sie die Verwandtschaft
unserer böhmischen Individuen mit denjenigen der brackischen Gewässer der
sarmatischen Stufe überwiegen möchten. Und die Aufstellung einer neuen Art
würde sich nicht lohnen, weil ihre Begrenzung nicht genug scharf und klar
wire,
’erithium lignitarum, Zichwald. (1856 M. Hoernes, 1. c. I, S. 398, Taf. ХП.
Fig. 1—8. — 1860. A. E. Reuss, 1. c. S. 273.) Fig. 15.— Reuss’ Erfahrungen
über das Vorkommen dieser Art im Abtsdorfer und Triebitzer Tegel stimmen
mit den meinigen nicht ganz überein. Reuss schreibt, diese Art sei auf jenen
Fundstätten sehr häufig. Diesmal habe ich sie daselbst nur in einigen dazu
noch schlecht erhaltenen Exemplaren gefunden. Ich glaube jedoch an den
erwähnten Beuss’schen Bericht und егіске darin einen Beweis, dass diese
91
Art sich auf einige Bänke beschränkt, in denen sie dann in Tausenden von
Individuen vorkommt. Die Individuen von Abtsdorf und Triebitz sind mit den- |
jenigen von Grund, Baden und Vóslau gänzlich congruent, Was eine nähere
Verwandtschaft betrifft, so erblicke ich sie zwischen ihnen und denen von
Baden, denn sie haben mit denselben nicht nur die Dimensionen des Gehäuses,
sondern auch die Dicke der Wände gemeinsam. Früher vermuthete man, diese
Art sei besonders für den „Grunder Horizont“ charakteristisch; D. Stur hat
jedoch dargethan, dass sie auch in Badener Tegeln ziemlich häufig ist, ja dass
sie auch in Sedimenten, welche man in das Schlier-Niveau eingereiht hat,
nicht selten vorkommt. Ohne Widerrede ist sie aber für brackische Sedimente
bezeichnend, in denen sie weit und breit verbreitet ist. Diesfalls wird sie an-
geführt: von Set. Veit bei Triesting; Mauer; Novosielko; Zelking, Ritzing;
Edelény, Hügel bei Vaskap, Bángahogy bei Nagy-Sárospatak, Diös-Györ, Pa-
rastya; von dem Bojezethal nördlich von Nagy-Barod im Gebiete von Gross-
wardein ; Herend, Hidas, Szabolcs, Peesvárad ; von Set. Florian, Póls, Windisch-
Grätz, Guglitz, Kegelbaner, Set. Nicolaus, Plirseh, Gamlitz; Kravarsko; Laa;
von Neu-Ruppersdorf, Neudorf, Kirchstätten, Zabern, Stronegg; Králová. Ausser
diesen Fundorten wird sie angegeben von Gainfahren, Steinabrunn, Nikolsburg,
| Kienberg, Niederkreuzstütten, Weiusteig, Ebersdorf, Pótzleinsdorf; Szobb; von
| Lapugy, Tyrnau, Orlowa, Tarnopol, Korytnica, Salisze, Zukovce; Chotin, Jalo-
vena, Braila, Kalfa, Kischenev ; von Touraine, St. Paul bei Dux, Saucats und |
Шеш (BO
Cerithium Duboisi, М. Ws nes. (1850, 1. с. I, S. 397, Taf. XLIL, Fig. 4, 5. —
1860. A. E, Reuss, 1. с. S. 274.) Diese Art, welche in der Regel die vorige
begleitet, wurde Hatt in unserem ostbóhmischen miocaenen Gebiete nur in
| den brackischen Ablagerungen von Abtsdorf und Triebitz sichergestellt. In den
! Triebitzer Текеш fand sie A. E, Reuss, in den Abtsdorfer ich. Die aus diesen
beiden Localitäten herrührenden Individuen stimmen z. B. gänzlich mit Grun-
der Individuen überein. Diese Übereinstimmung ist eine vollständige und
bezieht, sich sogar auf die Grósse und Dicke der Wünde. Es sei jedoch gleich
hier bemerkt, dass sie auch in unserem Gebiete dem O. lignitarum unter-
| geordnet ist.
Cerithium scabrum, Сію sp. (1856. M. Hoernes, 1. c. І, S. 410, Taf. XLII,
Fig. 16, 17. — 1860. A. E. Reuss, l c. S. 268.) Grösstentheils schadhafte
Individuen, denen gewóhnlich der Mundrand entweder günzlich oder theilweise
fehlt, am man in unserem Gebiete ziemlieh oft antreffen, und zwar nieht
Nur in marinen, sondern auch in brackischen Tegeln. In jenen habe ich sie
im Tegel von Lukau und Rude Isdorf, in diesen im Tegel von Abtsdorf und
Triebitz sichergestellt. Aeuss war dne Art nur aus dem Rudelsdorfer Tegel
bekannt. In den Sedimenten des heimischen Neogens ist sie dagegen sehr
Verbreitet, und zwar mehr in den Mergeln der Steinabrunner Facies, wo sie
auch hüufiger vorkommt, als in denen der Badener oder Schlierfacies. Aus
fremden Sedimenten wird sie aus dem Gebiete von Touraine, Castellaquato,
Turin, von Sieilien, Rhodus u. s. w. angeführt. Sie lebt in europäischen
eeren,
ke
98
'erithium spina, Partsch. (1846. M. Hoernes, 1. с. І, S. 409, Taf. XLII, Fig.
15.) Bisjetzt weiss man, dass diese Art am bezeichnendsten in den Tegeln
der bathymetrisch tieferen Niveaus, in den Tegeln der Dadener Facies auftritt.
Hier zeichnet sie sich durch eine grossentheils auffallende individuelle Menge
und Erwachsenheit aus. Ich erinnere nur z. D. an die Tegel von Baden,
Möllersdorf und Vóslau in Niederösterreich. Ausserdem sei jedoch gleichzeitig
bemerkt, dass sie sowohl für diese Sedimente durch jene Eigenschaften ge-
wissermassen charakterisierend ist, als auch für die Ablagerungen der seichteren |
See, von einem bathymetrisch höheren Niveau dadurch bezeichnend ist, dass
sie darin wo immer vereinzelt und sehr selten vorkommt. Dies gilt auch von
unseren ostbóhmischen Sedimenten in denen bis jetzt ein einziges Gehäuse
dieser Art entdeckt worden ist. Dieses hat den typischen horizontalen Doppel-
kreis der aus kleinen, scharfen, auf jedem Umgange deutlich und verhältniss-
mässig stark entwickelten Stacheln besteht, wodurch es sich den Typen aus \
dem Tegel von Baden oder von Вогаё (Mähren) enge auschliesst. Ausser
diesen Fundorten ist C. spina im Tegel von LaZánky, Knihnice und im Mergel
von Drnovice (Mähren) im Tegel von Möllersdorf (Niederösterreich) und
schliesslich im Tegel von Forchtenau (Ungarn) zuhause.
Cerithium spec. Aus den Triebitzer Tegeln wurden diesmal Gehäuse heraus-
geschlemmt, die ziemlich hübsch erhalten sind, jedoch nicht in dom Masse;
wie es eine richtige specifische Bestimmung erfordert. Dass sie einer neuen
Art angehören, ist nicht schwer zu ersehen, jedoch das vorliegende Material
ist nicht im Stande, die Garantie einer richtigen Bestimmung zu bieten. Und
nur diesen Umstand beachtend werde ich eine zur Bestimmung und Feststellung
dieser Individuen geeignetere Zeit abwarten.
Turritella turris, Basterot. (1856, M. Hoernes, 1. c. I, S. 423, Taf. XLIII, Fig.
15, 16. — 1860, A. E. Reuss l c. S. 268.) Im Rudelsdorfer Tegel wirklich
sehr selten. Auch mir gelang es trotz meiner eifrigen und ausdauernden Durch:
suchung nur ein einziges Gehäuse zu finden. Wie ersichtlich, ist das dasselbe
Resultat, von welchem A. E. Reuss schreibt. Es ist ferner gewiss interessant;
dass ich diese Art im bläulichen Tegel nächst dem Viaduct bei Schirmdorf fest- |
gestellt habe. Dort wurde ein Individuum entdeckt, dessen Gehäusedimensi- |
onen von den Dimensionen der Individuen z. D. aus dem Drnovicer Mergel
oder anderswoher nicht bedeutend abweichen. Ich bemerke, dass ich nicht
einsehe, warum das Gehäuse dieses Individuums für kleiner als die Gehäuse
der normalen Individuen erklärt werden sollte, da doch sein Gehäuse bei einer
gewissen Anzahl von Umgängen dieselbe Höhe hat wie Individuen von ebenso- 1
vielen Umgängen von anderen Orten. T. turris ist im heimischen Miocaen eine |
gewóhnliche Erscheinung. In einer grossen individuellen Menge tritt sie im
Mergel und in den Sanden von Gainfahren, Enzesfeld usw. in Niederósterreich
auf. Seltener ist sie in denselben Ablagerungen in Mähren, wo sie im Tege
von Drnovice und Borač die grösste mir bekannte individuelle Entfaltung er- |
reicht. Ausser den angeführten Localitäten ist sie auch im Tegel von Baden, '
im Mergel von Grinzing, Steinabrunn, Pfaffstätten, Nikolsburg zuhause. Aus
99
Mähren und Niederösterreich geht sie in das Miocaen von Ungarn, Sieben-
bürgen, Polen, Frankreich (Bordeaux, Dax usw.) und Württemberg (Nieder-
stolzingen und Emingen) über.
Turritella Archimedis, Brongniart. (1856. М. Hoernes l c. L, S. 494, Taf.
XLIII. Fig. 13, 14.) Auch von dieser Art wurde nur ein Bruchstück im Schlemm-
rückstande des Rudelsdorfer Tegels nachgewiesen. Obwohl dieses nur drei Kam- |
mern besitzt, ist es doch nicht schwer sich zu überzeugen, dass das vorlie- |
gende Bruchstück wirklich dieser Art angehört. Eine genügende Garantie bieten
uns dafür die charakteristischen Ringe, welche deutlich über die Aussenseite
der Kammern bis in die Gipfelkammer hinziehen. Die Gegenwart von diesen
Zwei Ringen ist bekanntlich das entscheidende Merkmal, wenn es sich um die
Lösung der Frage handelt, welcher Art die Gehäuse angehören, ob dieser oder
der T. bicarinata. Diese Art ist im heimischen Miocaen in allen Facien und
| fast allen Gebieten verbreitet. Am hàufigsten wurde sie jedoch in der Facies
| des Leithakalkes, und zwar in den Mergeleinlagerungen und dann in den den
erwühnten Kalksteinen analogen sog. Turritellensandsteinen gefunden. Ihre
Fundorte sind die Sedimente der Umgebung von Nikolsburg, Alt-Rausnitz,
Drnovice, Lysice, Sudice (Mähren); Steinabrunn, Gainfahren, Enzesfeld, Baden,
Grund usw. (Niederósterreich); Králová, Szobb u. a. (Ungarn); Bujtur, La- |
pugy (Siebenbürgen); im Tertiaer Frankreichs ist sie von Bordeaux, Dax, |
Perpignan bekannt und wird auch von Korytnica in Polen angeführt.
Turitella bicarinata, Eichwald. (1870. A. E. Reuss, l. c. S. 268. — 1856. M.
Hoernes I. Theil 1. c., S. 426, Taf. XLIIL, Fig. 8—12.) Nur Bruchstücke dieser
Art wurden diesmal im Schlemmrückstande des Rudelsdorfer gelben Tegels ge-
funden. A. E. Reuss bemerkt über ihre individuelle Menge auf unserem Fund-
orte, sie sei daselbst sehr häufig. Aus den Dimensionen der gefundenen Bruch-
| Stücke schliesse ich, dass auch hier die Gehäuse dieser Art normale, den Di-
| Mensionen der aus anderen Fundorten stammenden Individuen gleichende Di-
Mensionen erreichten. Auch diese Art, wie die beiden vorigen, ist in den
Mergeleinlagerungen des Leithakalkes häufig und für diese Mergel gewisser-
| Massen charakteristisch, Doch kommt sie auch in diesen Sedimenten nicht
| überall in gleicher individuellen Menge vor. Häufig ist sie nur in den Mergeln |
| Südmährens und Niederösterreichs, in West- und Nordwest Mähren kommt sie
| dagegen in derselben Facies sehr selten vor. Von mührischen Fundorten seien
| folgende angeführt: Drnovice, Nikolsburg, Alt-Rausnitz, von den niederöster-
|
|
oem
reichischen : Steinabrunn, Gainfahren, Pfaffstitten, Baden, Grund. Aus diesen
| Gebieten verbreitet sie sich nach Ungarn (Szobb), von da nach Siebenbürgen
y (Lapugy) und Polen (Korytnice, Szuszkowce, Tarnopol). Auch wurde diese Art
ss Tertiaer sowohl Nord- als auch Süditaliens sichergestellt.
ritella spec. Ich erwähne hier kleine Bruchstücke aus der Austernbank von
Triebitz, Nach allen Merkmalen schliesse ich, dass sie wirklich dieser Gattung
angehören. Ob dies wirklich der Fall ist, dürfte eine künftige Untersuchung
| auf Grund eines geeigneten Materials entscheiden. Zum Schlusse dieser kurzen
merkung behaupte ich mit Bestimmtheit, dass die vorliegenden Bruchstücke
keiner bekannten Art angehören.
Tur
100
Fossarus costatus, Brocchi. (1856, М. Hoernes, l. с. L, S. 468, Taf. XLVI., Fig.
95. — 1860. А. E. Reuss Leg 266, Taf. VIL, fig. 4) Namentlich in den
mergeligen Einlagerungen des Leithakalkes häufig — so z. В. bei Steinabrunn —
im Rudelsdorfer Tegel nar von A. E. Reuss sichergestellt, welcher daselbst
kleine, von den Typen etwas abweichende Individuen entdeckte. In West-
mähren gelang es mir, diese interessante Art, deren horizontale Verbreitung
nach den bisherigen Erfahrungen etwas beschränkt ist, im Tegel von Borat
zu entdecken, wo prächtig erhaltene Exemplare gefunden wurden. Ausser
Steinabrunn wird F. costatus aus dem Tegel von Lapugy (Siebenbürgen), dann
aus dem Miocaen von Italien und Frankreich angeführt.
Seissurella transsylvaniea, A. E. Reuss. (1880, l. c. S. 260, Taf. VIL, fig. 6.)
Auch diese Art wurde im Rudelsdorfer Tegel bisher nur von A. E. Reuss ge
funden. Ich habe bis jetzt in demselben Tegel vergeblich nach ihr geforscht.
Dieses negative Resultat ist auch in Erwägung zu ziehen, es beweist, das$
Reuss’ Anschauung, diese Art sei auf unserer Rudoltitzer Fundstätte sehr
selten, richtig ist.
Seissurella depressa, A. E. Reuss. (1860, l. т. S. 267, Taf. VIL, fig. 7.) Nach
A. E. Reuss im Rudelsdorfer Tegel sehr selten.
Seissurella earinella, A. Æ. Reuss. (1860, 1. с. S. 266, Taf. V., fig. 10.) Nach
A. E. Reuss ist diese Art im Tegel von Rudelsdorf höchst seiten.
Sealaria elathratula, Turton. (1856, M. Hoernes I, l c. 8. 475, Taf. ХУ»
Fig. 8. — 1860, А. E. Reuss l с. S. 266.) Nach A. E. Reuss ist diese Art
im Ruddelsorfer Tegel sehr selten. Diese Ansieht wird auch durch das Resultat
unserer Beobachtungen bezeugt; trotzlem der Schlemmrückstand aus dem
Rudelsdorfer Tegel gründlich durchsucht wurde, wurde keine Spur dieser Art
gefunden, die in den Tegeln des heimischen Miocaens sehr selten ist, in den
sie sich bis jetzt auf die Tegel von Steinabrunn beschränkt. Nicht blos hier;
sondern auch im auswärtigen Miocaen ist ihr Gebiet offenbar beschränkt; sie
ist nur aus dem englischen Crag und aus den Zukowicer Tegeln in Polen be-
kannt. In britischen Meeren lebend.
Skenea cf. earinella, А. E. Reuss. (1860, 1. c. S. 266, Taf. V., Fig. 10.) Zwei
Gehäuse aus dem Tegel von Abtsdorf reihe ich provisorisch dieser Art ein.
Ich thue es deshalb, weil ich an den vorliegenden Exemplaren einige für diese
Art charakteristische Merkmale vermisse. Namentlich kann ich an einem ziem-
lich gut erhaltenen Exemplare das Fadenstreifehen auf der Aussenseite er
Reuss’schen Typen nicht bemerken. Das Exemplar von Triebitz hat kahle
Umgänge, ohne Zierath und nur durch quere Zuwachsringe, die jedoch seht
fein und nur nnter einer starken Loupe sichtbar sind, geziert. Die oben auf
geworfene Frage, ob nämlich die Individuen von Triebitz dieser Art ange
hören, dürfte das künftige Studium entscheiden, bis genügendes Vergleichs-
material vorliegen wird. Es wird sich dann hauptsächlich darum handeln, zu
untersuchen, ob es Zwischenformen gibt zwischen denen, welche das erwähnte
Streifehen stark entwickelt besitzen, und den glatten, d. h. streiflosen Formel:
Ausser der Austernbank des Triebitzer Tegels wurde diese Art im marine?
101
Tegel von Rudelsdorf, jedoch auf dieser Fundstelle nur von A. E. Reuss ent-
deckt.
Vermetus arenarius, Linné. (1856. М. Hoernes, I. Theil, S. 483, Taf. XLVI.,
Fig. 15. 1860. 4. Æ. Reuss 1. с. S. 266.) Die im heimischen Miocaen weit
verbreitete Art V. arenarius kommt in allen Facien und fast in allen Gebieten
vor. Aus dem Miocaen von Mähren, wo sie sowohl im Süden (Rausnitz), als
auch im Westen (Borač) und Nordwesten (Drnovice, Sudice u. a.) zuhause ist,
dringt sie in den Rudelsdorfer Tegel ein, in dem sie in den sechziger Jahren
von A. E. Reuzs festgestellt wurde. In Niederösterreich erreicht sie in den
Sanden von Grund und den Mergeln von Gainfahren die hóchste individuelle
Entfaltung im Badener Tegel, im Mergel von Steinabrunn, Pfaffstitten, Grin-
zing, Forchtenau, Enzesfeld ist sie zwar auch häufig, jedoch nicht in dem
Masse wie in dem obenangeführten Gebiet. Wie in unserem Miocaen, so ist
Sie auch in dem französischen (Bordeaux), italienischen (Tresanti), siciliani-
schen, in dem von Rhodus, Algerien u. a. zuhause. Im Mittelmeere lebend.
Vermetus intortus, Lamarck. (1856. M. Hoernes, I. Theil, l. c. S. 484, Taf.
XLVL, Fig. 16. — 1860. A. E. Reuss 1. с. S. 266.) Kommt gewöhnlich in der
Nachbarschaft der vorigen Art vor, auf deren Röhrchen seine Gehäuse oft
angewachsen sind, Sehr oft begegnete ich ihm im Miocaen des westlichen
(Borač, Lomnička) und nordwestlichen Mährens (Drnovice, Lažánky, Sudice
etc.), von wo er sich in unser böhmisches Gebiet verbreitet, wo er von A. E.
Reuss im Rudelsdorfer Tegel zuerst entdeckt wurde. In Südmühren beschränkt
er sich auf die Mergel der Leithakalkfacies (Nikolsburg) und geht nach Nie-
derösterreich über, wo man ihn in den Mergeln von Steinabrunn, Pfaffstätten,
Grinzing und Nussdorf bestimmte. Häufig kommt er vor in den subapennini-
Schen Schichten Italiens und dann in den miocaenen Ablagerungen von Frank-
reich (Bordeaux, Mainot nächst Dax), England, von der Schweiz, Wolhy-
men u. a,
Y
Caecum trachea, Montagne. (1856. M. Hoernes, І. Theil 1. c. S. 490, Taf. XLVI.,
Fig. 19. — 1860. A. E, Reuss, 1. c. 8. 265.) Fig. 11. — Ein Gehäuse mit
einer erhaltenen Embryonalkammer aus dem Rudelsdorfer Tegel herauszuschlem -
Men, ist auch diesmal nicht gelungen. Das dort erbeutete Material bezeugt
laut, dass C. trachea auf unserem Fundorte sehr selten ist, was schon in den
Sechziger Jahren A. E. Reuss behauptete. Das abgebildete Gehäuse von Ru-
doltitz hat das Gehäuse auf dem rückwärtigen Ende mit einem Deckel zuge-
deckt, auf der Aussenseite mit höchst feinen, dicht gereihten Zuwachsstreifen
bedeckt, Diese Streifen sind so fein, dass man sie nur unter einer starken
Loupe betr achten und sich überzeugen kann, dass sie parallel der Mündung
laufen. Die Dimensionen sind etwas kleiner als bei den Individuen von Steina-
brunn, jedoch gerade so gross wie bei den Gehäusen aus dem Mergel von
ьо bei Černá Нога. M. Hoernes und A. E. Reuss führen diese Art
Айз dem Mergel von Steinabrunn an, nur gelang es sie nicht nur hier, nàmlich
in Borstendorf, sondern auch in den Mergeln von Alt-Rausnitz sicherzustellen.
n fr emdländischen Tertiaerablagerungen wurde sie schliesslich bei Asti, auf
102
der Insel Rhodos, in Griechenland usw. entdeckt. Heutzutage lebt sie im Meere
bei den britischen Küsten.
Fig. 16. Caecum trachea, Mont, Fig. 17. Caecum glabrum, Mont. sp.
Rudelsdorf. 50/, vergróssert. Rudelsdorf. 9, vergróssert.
Caecum glabrum, Montagne sp. (Wood. Crag Moll. I. S. 117, Taf. XX., Fig. 8.
— 1860. A. E. Heuss, 1. с. S. 265.) Fig. 17. — Soweit meine Kenntnisse
reichen, wurde bisher ein einziger Fundort dieser seltenen Art, und zwar bei
Rudelsdorf entdeckt. Zum erstenmale bestimmte sie im hiesigen Tegel A. E.
Reuss, zum zweitenmale ist es mir gelungen, sie dort zu entdecken. Das Ge-
häuse dieser Art unterscheidet man von dem des C. trachea sofort. Die Unter-
Schiede sind sehr scharf und bestehen einerseits in der Grósse, anderseits in
der Beschaffenheit der Aussenseite. Lernen wir diese Eigenschaften kennen,
so fällt es uns sehr leicht die beiden Arten auseinanderzuhalten. Aus dem
Miocaen ist C. glabrum nur aus dem Crag bekannt; heutzutage lebt es im
britischen Meere an den Küsten.
Odontostoma Hoernesi, A. Æ. Reuss. (1860, 1. c. S. 265, Taf. VIL, Fig. 2.) In
den Bereich dieser Art stelle ich ein schadhaftes, aus dem Tegel von Triebitz
herausgeschlemmtes Gehäuse, das inbetreff der Gestalt und des Extérieurs mit
der Reuss’schen Beschreibung und Abbildung vollkommen übereinstimmt. In-
dem ich weder das Original, noch Typen aus dem Rudesldorfer Tegel, woselbst
О. Hoernesi von Reuss zuerst erkannt wurde, bei der Hand habe, überlasse
ich es der Zukunft, darüber zu entscheiden. Ausser dem Rudelsdorfer und Trie-
bitzer Tegel ist diese Art im Tegel von Baden und Lapugy und im Mergel
von Steinabrunn zuhause.
Odontostoma plicata, Montagne. (1856, М. Hoernes 1. c. I., S. 496, Taf. ХШ,
Fig. 26. — 1860, A. E. Reuss, 1. с. S. 265.) Erhaltene und unversehrte Ge-
häuse dieser Art dürften im Rudelsdorfer Tegel sehr selten sein. Trotzdem ihnen
108
eifrig und umsichtig nachgeforscht wurde und trotzdem eine bedeutende Menge
des Rudelsdorfer Schlemmrückstandes durchsucht wurde, gelang es nicht, sie
zu entdecken. Nach einer langen und anstrengenden Durchsuchung wurden
endlich doch zwei Gehäuse entdeckt, das eine von einem alten, das andere
von einem jungen Individuum, von denen jenes die Spitze abgebrochen und
den Mundrand stark schadhaft hat, wührend dieses zwar eine unversehrte
Spitze, jedoch die letzte, jüngste Kammer abgebrochen hat. Auch A. E. Reuss
machte über die individuelle Menge dieser Art im Rudelsdorfer Tegel dieselben
Erfahrungen. Seine Bemerkung, O. plicata sei in dem dortigen Sediment sehr
Selten, passt, wie ersichtlich, sehr gut zu unserem Resultate. Steinabrunn,
Neudorf und Baden führt man als ihre Fundorte im Gebiete des niederóster-
reichischen Miocaens an. Gleichzeitig ist sie aus dem Tertiär von Frankreich,
Italien und England bekannt. Sie lebt an den Küsten Englands und im Mit-
telmeere.
Odontostoma unisuleata, Reuss. (1860, 1. с. S. 264, Taf. VL, Fig. 4) Winzige-
Gehäuse dieser Art kommen nach A. Æ. Reuss im Rudelsdorfer Tegel sehr selten
vor. In dem diesmal untersuchten Sehlemmrückstande wurde kein einziges
entdeckt. Auch ist es nicht gelungen, auf mührischen Fundorten diese Art
Sicherzustellen, trotzdem eine bedeutende Anzahl von Localitäten durchsucht
und beträchtliche Massen von geschlemmtem Tegel gründlich untersucht wur-
den. Auch aus den niederösterreichischen miocaenen Gebieten liegen bis jetzt
keine Berichte vor, dass О. unisuleata dort zuhause wäre.
Odontostoma bisulcata, Reuss. (1860, 1. с. S. 264, Taf. VL, Fig. 6.) Auch diese
winzige Art ist im heimischen Miocaen höchst selten. Aber auch bei Rudelsdorf,
WO Sie von Reuss zuerst entdeekt wurde, kommt sie sehr selten vor. Das ge-
Steht schon in den sechziger Jahren А. E. Reuss zu; auch ich habe diesmal
dieselben Erfahrungen gemacht. In dieser Hinsicht gleichen meine Resultate,
Was diese Art anbelangt, vollkommen den Resultaten bei der vorigen Art. Aus
dem Rudelsdorfer Tegel geht О, bisulcata in den Tegel mit brackischer Fauna
nicht über; diese Eigenschaft hat sie mit allen bisher aus unserem bóhmischen
Miocaengebiete bekannten Arten der Gattung Odontostoma gemeinsam.
Turbonilla costellata, Grateloup. (1856. M. Hoernes I. 498, Taf. XLIII., Fig.
27. — A. Е. Reuss, 1. с. 8. 264.) Ursprünglich aus dem Badener Tegel von
M. Hoernes beschrieben, wurde sie später von А. E. Reuss auch im Rudels-
dorfer Tegel entdeckt. Das diesmal aus diesem Tegel ausgeschwemmte Gehäuse
gehört einem Individuum von normaler Grösse an, ist jedoch, wie es oft der
Fall zu sein pflegt, sehr schadhaft, indem es nicht nur die Wirbel, sondern
auch die jüngsten Umgänge abgebrochen hat. Trotzdem es als Bruchstück er-
scheint, kann man an ihm alle diese Art in anderen Localitäten charakteri-
Sierende Merkmale verhältnissmässig sehr leicht erkennen. Ausser dem Tegel
von Baden wurde T., costellata auch in dem Tegel von Lapugy und dann auf
einigen Fundorten des mährischen Miocaens entdeckt; Zukowce in Polen,
Saint Paul bei Dax in Frankreich, Modena und Castell’arquati in Italien wer-
den in der Litteratur als Fundorte dieser heutzutage im Mittelmeere lebenden
Art angeführt.
104
Turbonilla pusilla, Philippi. (1856. M. Hoernes 1., S. 500, Taf. XLIIL., Fig. 30. —
1860. A. E. Reuss 1. с. S. 264.) Diese Art ist dadurch interessant, dass sie
einer Gruppe angehórt, die aus sowohl in den echt marinen Sedimenten un-
seres ostböhmischen Miocaengebietes, als auch in den brackischen Aequivalenten
derselben vorkommenden Arten besteht. Hier wie dort sind ihre Gehäuse schön
erhalten, gleich gross und bis auf den Umstand, dass sie ein wenig klein sind,
mit den aus den südlicheren, z. B. mährischen miocaenen Fundorten herrüh-
renden Gehäusen congruent. Es soll jedoch bemerkt werden, dass diese Art
bei uns nicht nur im Rudelsdorfer Tegel, von wo sie A. E. Reuss zuerst in die
Litteratur eingeführt hat, sondern auch in dem Abtsdorfer, wo ich sie diesmal
in dem unmittelbar unter dem Schotter abgelagerten Tegel fand, selten vor-
kommt. Viel reicher an ihren Individuen sind die Mergel, namentlich der
Steinabrunner Facies (Steinabrunn, Enzesdorf) während man in den Tegeln
nur vereinzelte Individuen derselben festzustellen vermag (Baden). Im franzó-
sischen Miocaen ist T. pusilla aus der Umgebung von Dax, im italienischen
aus der Gegend von Tarent bekannt. In den heutigen Meeren wurde sie im
Mittelmeere erfischt,
Turbonilla subumbilicata, Grateloup. (1856. M. Hoernes, I. Theil 1. е. S. 499,
Taf. XLIII, Fig. 29. — А. Е. Reuss, 1. с. S. 264.) Die niedlichen Gehäuse
dieser Art sind im heimischen Miocaen verhältnissmässig ziemlich selten. Trotz-
dem sie nur auf einigen Fundorten entdeckt wurden (Steinabrunn, Enzesfeld,
Nussdorf, Baden, Lapugy), erhellt daraus, dass sie in der mergeligen, Steina-
brunner, Leithakalk- und Badener Facies sich verbreiten. Im Gebiete des
böhmischen marinen Miocaens ist diese Art selten, indem sie sich nur auf
den Rudelsdorfer Tegel beschränkt, wo, wie bereits Reuss bemerkt hat, ihre
Gehäuse selten zu finden sind. Im auswärtigen Tertiär ist sie in Polen, Frank-
reich (Gegend von Dax, Bordeaux), Italien (Modena, Castell'arquato) und auf
der Insel Rhodos zuhause. Sie lebt bis jetzt im Mittelmeere.
Turbonilla gracilis, Brocchi. (1856. M. Hoernes, 1. Theil Le S. 498, Taf. XLIII.,
Fig. 98. — 1860, A. Е. Reuss, l. с. S. 263.) Sie wurde im Rudelsdorfer Tegel
von A. E. Reuss entdeckt, der sie als sehr selten hervorhebt. Im heimischen
Miocaen ist sie zwar nur aus wenigen Fundorten bekannt, doch reichen diese
vollkommen hin, um sich eine genügende Vorstellung von ihrer Verbreitung
und ihrem Vorkommen in einzelnen Facien zu machen. Steinabrunn, Nussdorf,
Pötzleinsdorf, Einzesfeld, Baden, Lapugy sind die von M. Hoernes angeführten
Fundorte, welche genügend beweisen, dass sie ausser der Schlier- und Leitha-
kalkfacies in allen Facien verbreitet ist. Das Miocaen von Italien, Frankreich,
England und Rhodos ist als ihr weiteres Gebiet bekannt. — Heute lebt si-
bei den Küsten Siciliens und Englands.
Turbonilla pygmaea, Grateloup. (1856. M. Hoernes, 1. c. 8. 502, Taf. XLII.
Fig. 32. — 1860, А. E. Reuss l. с. 264.) Fig. 18. — Wenn uns ein reicheres
Material vorliegt, fällt es nicht schwer, aus demselben eine ganze Reihe von
Übergangsformen von den typischen, aus südlichen Fundorten des heimischen
Miocaens beschriebenen Individuen bis zu denjenigen, welche deutlich stufen-
förmig gewunden sind und oben mit einer Falte umrandete Umgänge besitzen;
Tur
et
105
zusammenzustellen. Indem wir die einen oder die anderen erwähnten Indivi-
duen beobachten, fällt uns inbetreff des Aeusseren auf, dass die stufenförmig
gewundenen und mit einer Falte gezierten Umgänge besitzenden Individuen
eine Abart der typischen Formen darstellen. Meiner Ansicht nach ist es nicht
rathsam und nicht leicht, eine genaue Grenze hier zu ziehen. Selbst bei der
grössten Vorsicht sind die erhaltenen Resultate nicht befriedigend. Wir sehen
Fig. 18. Turbonilla pygmaea, Grat. Abtsdorf, 2%, vergróssert,
immer, dass die Merkmale bald stark, bald schwach variieren. Die vorlie-
genden Gehäuse sind grösstentheils hübsch erhalten, und zwar nicht nur die
aus dem Rudelsdorfer, sondern auch die aus dem Abdtsdorfer und Tiriebitzer
Tegel stammenden. Ihre Grösse ist congruent und weicht auch von der Grösse
der Gehäuse aus dem mährischen oder niederösterreichischen Miocaen nicht
ab. Im Rudelsdorfer Tegel sind nach dem gegenwärtigen Stand der Kenntnisse
die Gehäuse dieser Art häufiger als auf Fundorten mit brackischer Fauna.
Diese Erfahrungen scheinen gleichzeitig zu bezeugen, dass die individuelle
Menge dieser Art, wie sie auf unserer bóhmischen Localitàt erkannt wurde,
mit jener z. B. im Badener Tegel oder Steinabrunner Mergel congruent ist.
Ausser diesen Fundorten wurde T. pygmaea noch im Tegel von Lapugy si-
Chergestellt. Früher hat man sie aus den Sedimenten von Saint Paul nächst
Dax (Frankreich) und von Modena (Italien) angeführt.
bonilla plieatula, Brocchi. (1856. M. Hoernes 1. с. L, S. 503, Taf. XLIIL,
Fig. 33. — 1860, А. E. Reuss 1. c. S. 263.) Diese seltene Art, im heimischen
Miocaen nur in den Mergeln und Tegeln (Steinabrunn, Baden) vorkommend,
tst laut Reuss'schen Angabe im Tegel von Rudelsdorfer sehr selten. Diesmal ist
es nicht gelungen, aus dem Schlemmrückstande des dortigen Sedimentes auch
Nur eine Spur von ihrem Gehäuse zu entdecken. Ausser unserem und dem
niederösterreichischen Miocaen ist sie in den Ablagerungen Italiens: Castel’ar-
Quato, Modena, Asti zuhause.
aeon semistriaeus, Férussac. (1856. М. Hoernes 1. c. S. 507, Taf. XLIV.
Fig, 22.—1870, A. E. Reuss, 1. c. S. 263.) Trotzdem diese seltene Art eifrig
Sesucht wurde, ist es nicht gelungen, ihre Gehäuse im Rudelsdorfer Tegel
106
diesmal zu finden, wie es A. E. Reuss in den sechziger Jahren unter weit
günstigeren Umständen, als es heutzutage bei den Forschungen im böhmischen
marinen Miocaen der Fall ist, gelungen ist. Nur Gainfahren, Vóslau und Baden
führen А. Е. Reuss und М. Hoernes als Fundorte dieser Art im heimischen
Miocaen an. Aus den auswärtigen Miocaenablagerungen ist sie jedoch von
Bordeaux, Dax, Leognan, Asti, Tortona, Turin, Castellarquato und Lissabon
bekannt.
Natiea ef. redempta, Michelotti. (1856. M. Hoernes, 1. c. I. S. 522, Taf. XLII,
Fig. 3.—1870. А. E. Reuss 1. c. S. 263.) Fig. 19. — Auch über diese Art
sagt A. E. Reuss in der obenangeführten Arbeit, dass sie im Rudelsdorfer
Tegel häufig ist. Die diesmal gemachten Erfahrungen über ihre individuelle
Menge in diesem Tegel bestätigen Reuss’s Ansicht nicht. Das soll jedoch nicht
besagen, dass sie uicht richtig wäre. Ich bezweifle im Gegentheil ihre Rich-
tigkeit nicht. Dieser und noch andere Umstände bestätigen mich nämlich in
Fig. 19. Natica of. redempta, Rudelsdorf. */, vergróssert.
der Meinung, dass Reuss eine andere Bank als ich ausgebeutet hat. Auch
dessen wird im Abschnitte über den allgemeinen Charakter der Fauna Er-
wähnung gethan. Trotzdem diese Art im Rudelsdorfer Tegel nicht entdeckt
wurde, wurde sie doch in unseren Miocaenablagerungen, und zwar in den
Abtsdorfer in der Nachbarschaft der vorigen Art angetroffen. Es wurden dort
zwei schön erhaltene Gehäuse gefunden. Ich habe hier beide abgebildet, um
auch auf die Unterschiede anfmerksam zu machen, die sie von den typischen
Individuen der südlichen Fundorte trennen. Die Unterschiede bestehen ausser
der Grösse in der auffallend stark entwickelten und verstärkten Fläche der
Innenlippe und theilweise auch in abweichender Form. Ob diese Merkmale
stabil sind, weiss ich nicht, ich hatte keine Gelegenheit mich davon zu über-
zeugen; doch auch im negativen Falle sind sie beachtenswerth, N. cf. re-
dempta ist in den heimischen Miocaensedimenten in Tegeln, Mergeln und
Sanden verbreitet; in der Leithakalkfacies ist sie selten. Die grösste indivi-
107
duelle Entfaltung hat sie jedoch in den Tegeln (Vöslau) und Sanden (Grund)
Niederoesterreichs erlangt, In den aequivalenten Sedimenten der erwähnten
Tegel in Mähren ist sie sehr selten, welches mährische Gebiet wir auch durch-
forscht haben mögen. Ebenfalls wurde sie im Miocaen von Siebenbürgen, Ga-
lizien, Serbien und Steiermark entdeckt, ferner wird sie am Italien und Frank- |
reich angeführt. |
Natica millepunetata, Lamarck. (1856. M. Hoernes I, 1. с. S. 518, Taf. XLVII,
Fig. 1, 2—1860. A. E. Reuss 1. с. S. 263.) А. E. Reuss führt diese Art aus
dem Rudelsdorfer Tegel an und schreibt darüber, dass sie dort häufig und
durch kleine Individuen vertreten ist. Mir ist es diesmal nicht gelungen, zu
demselben Resultate zu gelangen. Trotzdem ich den dortigen Tegel sorgfältig
untersuchte, fand ich nur ein zum Theil schadhaftes Gehäuse von N. mille-
\ punctata. Dagegen ist es geglückt, ihre Gehäuse im Tegel der unteren Trie-
bitzer Bank festzustellen. Das dort gefundene Exemplar ist winzig, etwa von
gleichen Dimensionen, wie die von Reuss im Rudelsdorfer Tegel gefundenen
Individuen. Diese Entdeckung ist in mancher Hinsicht interessant und wichtig ;
inwieweit, darüber ist in der Betrachtung über die Faunen unseres böhmischen
Miocaengebietes die Rede. Die horizontale Verbreitung dieser Art im heimischen
Miocaen ist bedeutend, doch auch die verticale Verbreitung ist eine beträcht-
liche, Fast in allen Facien kann man sie von Mähren (Borstendorf, Borat, Alt-
Rausnitz, Nikolsburg u. a.) nach Niederoesterreieh (Steinabrunn, Baden, Gain-
fahren, Enzesfeld, Grund), nach Oberoesterreich (Horner Becken : Molt, Loi-
bersdorf), Ungarn, Siebenbürgen, Polen verfulgen. Ferner ist sie in den
Tertiaerablagerungen von England, Italien und Algerien verbreitet.
Fig. 20. Nerita picta, Fer. Rudelsdorf. °/, vergróssert. |
Nerita pieta, Férussac. (1856. M. Hoernes, І. 535, Taf. XLVII, Fig. 14.— 1860.
4. E. Heuss l c. S. 263.) Fig. 20. — Diese Art babe ich auf allen miocaenen
Fundorten Bóhmens festgestellt. Bei einer sorgfültigen Beachtung ihrer indi- |
viduellen Menge sah ich, dass sie in den brackischen Tegeln von Abtsdorf
und Triebitz, weit reicher an Individuen ist als in dem echt marinen Tegel
von Rudelsdorf. Ueberall aber erlangte sie dieselben Dimensionen und ihre
108
Gehäuse dieselbe Dicke der Wände. Es wurden verhältnissmässig wenige er-
wachsene Individuen gefunden, die meisten Gehüuse gehóren jungen Indivi-
duen an. Die Form dieser und jener ist mit denjenigen aus den Tegeln und
Mergeln Mährens und Niederoesterreichs congruent. Diese Uebereinstim-
mung besteht darin, dass auch die Gehäuse der alten Individuen den letzten
Umgang nicht abgeschnürt, sondern stark gewölbt haben. Die Neigung zu
einer solchen abgeschnürten Form, welche namentlich die Individuen aus dem
Grunder Sande aufweisen, zeigen freilich auch die grossen Gehäuse aus unse-
rem Gebiete, doch ist dieses bezeichnende Merkmal ihnen nicht im vollen
Masse aufgeprägt. Die Zeichnungen der Aussenseite dieser Gehäuse sind
mit jenen identisch, welche wir an den Individuen aus südlichen heimischen
Fundorten beobachten. Sie sind mit jenen identisch, die stark abgeschnürte Ge-
häuse besitzen. Auch unser Material bietet die Gelegenheit, eine überaus
grosse Menge von Veränderungen dieser Zeichnungen zu betrachten, wodurch
entweder compliciertere oder einfachere Figuren entstehen, und man kann ]
sich überzeugen, dass selbst bei der grössten Veränderung diese Figuren doch
einen gemeinsamen einheitlichen Grundgedanken aufweisen. Ich stimme mit
Prof. Drusina überein, dass man diesen Zeichnungen eine Wichtigkeit beilegen
muss, doch bin ich nicht im Stande, Belege für die Ansicht beizubringen,
dass diese Figuren auf die Spur von Arten führen. Nach dieser Ansicht bliebe
dann nichts übrig, als unser reiches bóhmisches Material dieser Art in mehrere
Arten einzutheilen, was ich jedoch nach meiner Anschauung und nach den
bisherigen Erfahrungen nicht für richtig erachte. N, picta ist im heimischen
Miocaen bedeutend verbreitet, am meisten in den oberen Schichten, z. B. von
Steinabrunn und den mit diesen aequivalenten. Auch kommt sie im Sande von
Gauderndorf und Niederkreuzstätten oft vor. In Mähren habe ich sie im Tegel
von Borač gefunden; aus dem Nikolsburger Mergel führt sie M. Hoernes an.
Auch in den Sedimenten des Miocaens von Ungarn, Steiermark, Siebenbürgen
und Podolien ist sie bekannt. Ferner führt man sie aus den Tertiaerablage-
rungen Frankreichs und Italiens an.
Nerita asperata, Dujardin. (1856. M. Hoernes L, 1. c. 8. 532, Taf. XLVIL,
Fig. 12. — 1860 A. E. Reuss l c. 263.) Auch in den heimischen miocaenen
Sedimenten sehr selten. Zuerst hat sie hier A. M. Hoernes entdeckt und
beschrieben, und zwar aus dem Sande von Grund und aus dem Tegel von
Lapugy; in den Sechziger Jahren fand ihre hübschen Gehäuse A. E. Reuss
im Rudelsdorfer Tegel, wo sie seit dieser Zeit nicht entdeckt, war. Nach Reuss
ist sie hier selten. Im auswärtigen Miocaen: Touraine.
Chemnitzia perpusilla, Grateloup. (1856. M. Hoernes, 1, 1. c. 540, Taf. XLIII.,
Fig. 19.) In den Bereich dieser Art stelle ich provisorisch hübsch erhaltene,
im Tegel von Triebitz ziemlich häufige Gehäuse. Die Form des Gehäuses und
des Gewindes, ferner die Anzahl der Windungen stimmt mit typischen Gehäusen
dieser Art überein. Abweichend i-t jedoch die Beschaffenheit der Aussenseite,
namentlich die Querstreifen, die nicht gleichmässig stark, wie bei den erwähnten
Typen, sind, sondern gegen den in der Mitte des Umganges befindlichen Streifen
zu an Stärke zunehmen. Diese Merkmale sind stabil und weisen darauf hin,
109
dass man berechtigt wäre, die Individuen von Triebitz für eine neue Varietät
von Ch. perpusilla zu erklären. Dessenungeachtet thue ich es nicht und gebe
mich mit der mitgetheilten Bemerkung zufrieden, wozu ich jedoch hinzufüge,
dass ieh es nicht unterlassen werde, in naher Zeit die Stellung unserer
böhmischen Individuen den aus den Badener Tegeln, Enzesfelder, Gainfahrener,
Steinabrunner Mergeln und Grunder Sanden bekannten Typen gegenüber zu
ermitteln.
а e b
Fig. 21. Chemnitzia minima, M. Hoern. Fig. 22. Chemnitzia Reussi, M. Hoern.
Abtsdorf. ?"/, vergr. a, b das Gehäuse Rudelsdorf. ??/, vergróssert.
von der Seite, c stark vergrósserte
embryonale Windung.
Chemnitzia minima, M. Hoernes. (1856, 1. c. S. 542, Taf. XLIIL, Fig. 22.)
Fig. 21. — Bisher aus unseren böhmischen Miocaenablagerungen nicht bekannt.
Ueberhaupt gehört sie unter sehr seltene Arten. M. Hoernes z. B. führt sie
nur von Baden und Lapugy an. In unserem Gebiete habe ich sie im Tegel
von Triebitz (untere Bank) und von Abtsdorf (Austern- und obere Bank) fest-
gestellt, an beiden böhmischen Fundorten ist sie ziemlich selten. Ihre Gehäus e
Sind grösstentheils prüchtigst erhalten. Das grösste ist 15 mm hoch. Die
Oberfläche .ist glatt und glänzend, nur unter einer starken Loupe sieht
man, dass sie mit höchst feinen Furchen, welche die Zuwachsstreifen andeuten,
bedeckt ist. Von Rippen wurde keine Spur entdeckt.
Chemnitzia Reussi, M. Hoernes. (1856. I. Theil 1. c. S. 541. Taf. XLIIL, Fig.
20. — 1860 A. E. Reuss, 1. c. S. 268.) Fig. 22. — Gewöhnlich prächtige
Gehäuse dieser Art, die namentlich in der mergeligen, auch in der tegeligen
Facies des heimischen Miocaens verbreitet ist, entdeckte in unserem Miocaen-
gebiete bereits A. E. Reuss im Rudelsdorfer Tegel. Aus dem Tegel dieses Fund-
Ortes wurden Gehäuse von Ch. Reussi auch diesmal herausgeschlemmt und
ausserdem auch im Abtsdorfer Tegel sichergestellt. Auf beiden Fundstätten
kommt diese Art verhältnissmässig selten vor, und ist in den dortigen Sedi-
menten dureh Individuen von normaler Grösse vertreten, die mit den aus den
l'undorten der südlichen Gebiete bekannten Individuen vollständig congruent
Sind. Nach M. Hoernes und A. Е. Reuss ist Ch. Reussi im Badener Tegel
|
|
|
|
110
selten. Im mührischen Miocaen habe ich sie im Tegel von Borat, Lomnička,
Drnovice und Sudice gefunden.
Rissoa inflata, Andrzejowski. (1856. M. Hoernes, l c. L, 8. 576, Taf. XLVIII.
Fig. 22. — 1860. A. E. Reuss l c. S. 263.) Sie ist in mancher Hinsicht
interessant. Einerseits geht sie aus der marinen miocaenen Stufe in die
brackische über, anderseits hat sie wührend des Miocaens gleichzeitig in der
Nachbarschaft von echt marinen und echt braekischen Fauna, sowie auch in
Buchten gelebt, wo eine Mischung mariner und brackischer Fauna, ihr Leben
fristete. In Mähren und Niederösterreich findet man Ihre Gehäuse auch, und
zwar in einer bedeutenden individuellen Menge in den Congeriensanden von
Gaya (Südmähren) und Brunn (Niederösterreich). Im Rudelsdorfer Tegel wurde
sie von A. E. Reuss entdeckt. Diesmal wurde aus dem Tegel nur ein einziges
Gehäuse von ihr herausgeschlemmt, welches leider bald in Trümmer gieng.
Soweit ich das noch erhaltene Gehäuse beobachten konnte, habe ich ersehen,
dass sie keine wesentlichen Unterschiede von den Typen zeigt, die ich in den
Sanden von Gaya in bedeutender Menge gesammelt habe. Ausser dem Congerien-
horizonte Mährens und Niederösterreichs ist R. inflata aus den sarmatischen
Sanden Polens (Szydlow, Zalisce, Szukowice) und Wolhyniens (Staro-PoczacoW;
Bilka, Kuneza) bekannt.
Rissoa Moulinsi, d’Orbigny. (1856. M. Hoernes, l.c. L, S. 570, Taf. XLVIIL,
Fig. 14. — 1860, A. E. Reuss, l c. S. 263.) Zuerst von A. E. Reuss im
böhmischen marinen Miocaen entdeckt. №, Moulinsi wurde auch diesmal im
Rudelsdorfer Tegel als sehr selten erkannt Es wurde nur ein schadhaftes Exemplar
mit abgebrochenen Embryonalwindungen herausgeschlemmt. Bisjetzt ist diese Art
in grósserer individueller Menge aus den Steinabrunner Mergeln und den ihnen
aequivalenten Sedimenten (Steinabrunn, Nikolsburg, Sudice, Enzesfeld) bekannt.
Auch wurde sie im Miocaen von Ungarn (Szobb), Italien und Frankreich
entdeckt.
Bissoa angulata, Eichwald. (1856 М. Hoernes 1. c. L, S. 577, Taf. ХУШ,
Fig. 23. — 1860. A. E. Reuss 1. с. S. 268.) Im Gegensatze zur vorigen Art
ist diese im Rudelsdorfer Tegel verhältnissmässig häufig und ausserdem auch
im Tegeldepót von Triebitz zuhause, wo bisher ein Individuum sichergestellt
wurde. Die Individuen von Rudelsdorf zeichnen sich durch dünne Wände, schlanke
Gestalt und besonders dadurch aus, dass ihre Längsrippen beinahe gerade-
verlaufen und nur sehr schwach in der Mitte der Windung gekrümmt sind.
Von typischen (Gehäusen, wie solche in einer beträchtlichen Menge z. В. in
den Congerienschichten der Umgebung von Gaya in Mähren vorkommen, sind |
bisher nur einige festgestellt worden. Wenn wir die von diesen abweichenden |
Individuen betrachten, scheint es, dass sie vielleicht besondere Varietäten
dieser Art vorstellen. Diese Ansicht besteht nicht, wenn wir die vorhandene"
Uebergangsformen beachten. Wie die vorige, ist auch diese Art eine brackische,
jedoch auch in marinen Sedimenten verbreitete. Im heimischen Neogen reicht
sie bis in die Congerien-Schichten hinauf. Für unser Gebiet ist sie noch
dadurch wichtig, dsss sie gleichzeitig mit anderen brackischen Arten auftritt,
was uns zu einer klaren Vorstellung über die Tegel und deren Fauna be! f
111
Triebitz führt. Nach б. G. Schwartz von Mohrenstern (Ueber die Familie der
iet Denkschriften der kais. Akademie der Wissenschaften Wien 1864,
. 54) kommt sie ausserhalb des ausseralpinen Wiener Beckens auch im Tegel
von Lapugy, Bujtur, in den Mergeln der Umgehend von Zalisce Szukowice,
Olesko, Tarnopol vor.
Rissoa Montagni, Payrandeau. (1856. M. Hoernes 1. c. I, S. 569, Taf. XLVIIL,
Fig. 13.) In den Bereich dieser Art reihe ich zahlreiche Gehäuse aus dem
Tegel von Rudelsdorf, Abtsdorf und Triebitz ein. Diese weichen in vielen Merk-
malen von den Typen der A. Montagni ab, stimmen jedoch mit jenen in vielen
Eigenschaften überein. Allem Anscheine nach gehören sie einer Varietät dieser
Art an. Erwachsene Individuen haben sechs Windungen. Die vorletzte Windung
hat fünf, die letzte zehn Querringe. Die Querfurche zwischen den obersten
Qnerringen ist markanter als die übrigen. Durch dieses Merkmal erinnern
unsere Individuen an R. Mariae. Erst ein eigehendes Studium dieser Merkmale
wird zeigen, in wieweit man unsere interessanten Gehäuse in den Bereich
dieser Art einstellen kann. Ausser dem Rudelsdorfer Tegel wurden Individuen
dieser Art im brackischen Tegel von Abtsdorf und Triebitz, jedoch auf diesen
Fundorten in einer kleineren individuellen Menge gefunden.
Rissoa scalaris, Dubois. (1856. M. Hoernes, 1. e. I. 567, Taf. XLVIII., Fig. 12. —
1860, A. E Reuss, 1. c. S. 262.) Diese seltene Art, die Reuss von Steinabrunn,
Lapugy, und Modena anführt und die ich in Mähren in den Mergeln von Sudice
wiederholt sichergestelt habe, gelang mir sowie auch Reuss in unserem Gebiete
nur im Rudelsdorfer Tegel zu entdecken.
Rissoa Venus, d'Orbigny. (1856. M. Hoernes, 1. c. I., S. 565, Taf. XLVIII, Fig.
10. — A. Е. Reuss, 1. с. 8. 262.) Diesmal wurde aus dem Rudelsdorfer Tegel
nur ein hübsches Gehäuse ausgeschlemmt. A. E. Reuss bemerkt über diese
Art, dass sie in unserem Gebiete nur selten ist. Das vorliegende Individuum ist alt
und mit typischen Merkmalen ausgezeichnet, nach welchen man es leicht
unterscheiden kann. R. Venus kommt in den Mergeln und Tegeln des heimischen
Miocaens vor; i | jenen ist sie viel häufiger als in diesen. In Mähren wurde
Sie im Mergel von Sudice, Drnovice, Nikolsburg, dann im Tegel von Boraé
sichergestellt; in Niederösterreich ist sie aus den Mergeln von Steinabrunn,
Enzesfeld und aus den Tegeln von Baden bekannt. Sie wird auch aus dem
Tegel von Lapugy und den Sedimenten von Merignac angeführt.
Hydrobia а id itti M. Hoernes, (1856. Paludina Frauenfeld М. Hoernes, IR
Theil, 1. e. S. 565, Taf. XLVIIL, Fig. 10. — 1860, A. Æ. Reuss, 1. е, S. 262.)
Fig. b» анне von schön erhaltenen; in allen Entwickelungsstadien befind-
lichen Individuen kann man in den Schlemmrückständen des Tegels von Schirmdorf,
Abtsdorf, und Triebitz sammeln. Doch auch im Rudelsdorfer Tegel kann man
KE ziemlich bedeutende Menge von schön erhaltenen Exemplaren sammeln.
Die Gehäuse von unseren böhmischen Fundorten erreichen normale Dimensi-
onen und bilden eine Wand von normaler Dicke. Irgendwelche Abweichungen
Sind nirgends zu beobachten. Die Congruenz, namentlich von den Idividuen aus
Unseren brackischen Sedimenten mit den Individuen der Congerienstufe ist also
vollständig. H. Frauenfeldi bildet einen Typus für die Sande der Congerienstufe
112
(Hauskirchen, Frauenfeld), in denen sie hier hüufiger, da seltener vorkommt.
In marinen miocaenen Sedimenten kommt sie aber auch vor, und zwar nicht
nur in echt brackischen, sondern auch in echt marinen. In Mähren gelang e$
mir, sie in mehreren Gebieten festzustellen, jedoch immer in den Sedimenten
der jüngsten Tegel. Vom Ausland wird sie aus Wolhynien angeführt.
Fig. 23. Hydrobia Frauenfeldi, M. Hoern. Fig. 24. Hydrohia Frauenfeldi var.
Triebitz. ?'/, vergróssert. Bohemica, Proch. Triebitz. ?"/, vergr.
Hydrobia Frauenfeldi var. Bohemica, Procházka. Fig. 24. — Gleichzeitig mit
den Gehäusen dieser Art habe ich aus dem Abtsdorfer und Triebitzer Tegel
(aus der oberen als auch unteren Bank) schön erhaltene Gehäuse heraus-
geschlemmt, von denen ich eins hier abgebildet habe. Diese Gehäuse zeichnen
sich dadurch aus, dass ihre letzte, jüngste Windung mit einem scharf ausge-
bildeten Ringe umwunden ist, auf dessen Oberfläche man bisweilen — aber nur
unter einer starken Loupe — winzige Höckerchen beobachten kann. Dieser
Ring erstreckt sich von der letzten Windung auf die vorletzte, wo er entlaug
der Unternaht mit dieser parallel verläuft. Auf ältere Windungen geht der
Ring nicht über. Dieses Merkmal ist allen gemeinsam. An einigen Gehäusen
ist ein Uebergang von der typischen Н. Frauenfeldi zu unserer Variationen 71
beobachten. Inbetreff der Grösse, Menge der Windungen, Gestalt und
allen übrigen Eigenschaften , die erwähnten ausgenommen, weicht unsere Varietät
von den Typen dieser Art nicht ab.
Hydrobia concinna, Sowerby. (1856. Paludina concinna, M. Hoernes. Т. Theil,
l. с. S. 581, Taf. XLVII., Fig. 17.) Diese seltene Art, die M. Hoernes nur aus
den Süsswasserablagerungen von Moosbrunn anführt, die jedoch anderen Autoren
aus dem franzósischen Miocaen bekannt ist, wurde diesmal in zwei Exemplaren
gefunden, von denen das grössere besser erhalten ist als das jüngere, das
wiederum eine unversehrte Aussenseite und eine glänzende Oberfläche der
Wand besitzt. Beide Individuen sind normal gross. In unserem böhmischen
Miocaengebiete scheint sich /7. concinna nur auf Abtsdorf zu beschränken,
wo sie in der Austernbank entdeckt wurde. Es wurde wenigstens anderswo
von ihr keine Spur gefunden.
Melanopsis impressa, Krauss. (1856. M. Hoernes 1. c. I, S. 596, Taf. XLIX»
Fig. 10. — 1860. А. E. Heuss, 1. c. S. 262.) Fig. 25. — Diese in den Congerien-
ablagerungen überaus häufige Art kommt im Bereiche unserer bóhmischen
d
je
miocaenen Dopöt, sowohl in brackischen als auch in marinen Sedimenten vor.
In den brackischen Tegeln ist sie die gewöhnlichste Erscheinung, und zwar
nicht nur im Rayon von Abfsdorf, sondern auch in dem von Triebitz, und
namentlich hier ist sie, wie ich mich überzeugte, häufige. Auf diesen
beiden Fundorten ist sie eine typische und zur Bestimmung des Facien-
charters wichtige Art. Die dortigen Gehäuse sind von wechselnder Grösse.
Fig. 25. Melanopsis impressa, Krauss. Abtsdorf. *5/, vergrössert.
Man kann in ihnen ganze Entwiekelungsreihen von den winzigen bis zu den
alten erwachsenen Individuen finden. Diese erinnern an Individuen der Conge-
rienstufe, die sich von ihnen nur durch das untergeordnete Merkmal untenscheiden,
dass sie dickere Wünde und eine aussergewóhnlich angeschwollene Aussenflüche
besitzen. Doch gelang es mir nicht, sie im Rudelsdorfer Tegel sicherzustellen,
obwohl sie eifrig gesucht wurde. Ich meine, das auch sie sich auf die dortige
untere Tegelbank beschränkt, woselbst sie von Reuss ursprünglich gefunden
wurde,
Melanopsis tabulata, M. Hoernes. (1856, 1. с. S. 600, Taf. XLIX, Fig. 15. — 1860.
А. E. Reuss, 1. с. S. 262.) A. E. Reuss führt diese sehr schöne Art aus dem
Tegel von Rudelsdorf und Triebitz an. Mir ist es diesmal gelungen, ihre Ge-
hüuse auf ihren bekannten Fundorten im Tegel von Abtsdorf, Schirmdorf,
und Triebitz zu entdecken, aus dem Tegel von Rudelsdorf habe ich sie nicht
her: 'ausgesehlemmt. Dagegen habe ich ihr Vorkommen im Abtsdorfer Tegel
fe 'Stgestellt; wo sie bisher nicht entdeckt worden waren. Indem mir auch das
Material unseres Museums vorlag, in welchem sich prächtig erhaltene Ge-
häuse dieser Art aus Rudelsdorf befinde on, hatte ich die Gehäuse von M. ta-
bulata aus allen unseren bis jetzt bekannten Miocaengebieten, das Gebiet von
Böhmisch-Tr übau, wo bisjetzt keine Gastropoden gefunden worden sind, freilich
Ausgenommen. Diese Art ist nach den bisherigen Erfahrungen sowohl in un-
Seren marinen als auch brackischen Sedimenten sehr selten; viel seltener als M.
inpressa, Meine Erfahrungen darüber bestütigen und ergünzen die Reuss'schen,
deren Sinn derselbe wie der meinigen ist; der Umstand, dass die aus den brackischen
8
3
114
Tegeln ausgeschlemmten Exemplaren klein sind und dass die aus dem Rudelsdorfer
Tegel stammenden Gehäuse grossen Individuen angehören, ist, gewiss interessant,
wenn man früher ersehen hat, dass die Gehäuse aus beiden Facien eine gleiche An-
zahl von Windungen, jedoch verschieden dicke Wände haben. Diese Abweichungen
sind den Einflüssen von faciellen Umständen und Differenzen zuzuschreiben.
Diese Ansicht wird auch durch einen weiteren Umstand bestätigt, dass die
von M. Hocınes beschriebenen Gehäuse dieser Art, von denen der Autor die
Bemerkung beifügt, sie seien in den Grunder Sand eingeschwemmt, inbetreff
der Dimensionen mit den Rudelsdorfer congruent sind. Ausser unseren böhmi-
schen Fundorten kennt man diese Art nur aus den Grunder Sanden.
Bulla ef. miliaris, Brocchi. (1856, M. Hoernes, 1. c. І. S. 619. Taf. L, Fig. 3. —
1860. A. E. Reuss, 1. c. S. 262.) Die Form des Gehäuses, der Charakter der
Oberflüche und des Mundrandes veranlassen mich, das vorliegende schadhafte
Exemplar in den Bereich dieser Art zu stellen, deren typische Individuen
A. E. Reuss schon im J. 1860 im Rudelsdorfer Tegel sichergestellt hat. Es
stammt aus dem Tegel der Abtsdorfer Austernbank. In den Gebieten des hei-
mischen Miocaens ist B. miliaris namentlich aus den Sedimenten der Leitha-
kalkfaeies und des Steinabrunner Mergels bekannt, aber auch hier selten anzu-
treffen, Aus dem ayswärtigen Miocaen wird sie von Oastellarqnato angeführt.
Bulla conulus, Deshayes. (1856, M. Hoernes, 1. 1. т. 620. Taf. L, Fig. 4. — 1800.
A, Е, Reuss l. с. S. 262.) Im heimischen Miocaen viel weiter als die vorige
Art verbreitet. Aber in unserem böhmischen Miocaengebiete ist es nicht der
Fall, hier ist sie ebenso selten wie B. miliaris. Im Rudelsdorfer Tegel stellte
diese Art bisjetzt nur A. E. Reuss sicher. Am häufigsten trifft man sie in den
Steinabrunner Mergeln (Niederoesterreich), seltener in den Pötzleinsdorfer
Sanden und Badener Tegeln, in diesen nur in vereinzelten Individuen. Das
Miocaen von Siebenbürgen, Steiermark, Polen, Frankreich, Italien und Rhodus
wird als ihr weiteres Gebiet angeführt.
Bulla Brocchii, Michelotti. (1856. M. Hoernes, I. Theil l. c. S. 622, Taf. L; Fig
6.— 1860. A. E. Reuss, 1. c. S. 262.) Diese seltene Art, bisher aus den San-
den von Niederkreuzstätten bekannt, entdeckte in unserem böhmischen Miocaen-
sprengel bisjetzt nur A. E. Reuss, und zwar im Rudelsdorfer Tegel, wo er
ihn als sehr selten fand. Die miocaenen Sedimente von Dax, Turin, Castellar-
quato sind als ihr Gebiet bekannt. Heutzutage lebt sie im Mittelmeere.
Bulla truncata, Adams. (1856. M. Hoernes, 1. с. I, 5. 621, Mat. :L, Fig, б,
1860. A. E. Reuss, 1. c. S. 262.) A. E. Reuss hebt von dieser Art hervon
dass sie im Rudelsdorfer Tegel selten ist. Nach M. Hoernes ist sie im hei-
mischen Miocaen überhaupt eine seltene Erscheinung, indem sie bisjetzt nu”
bei Baden, Steinabrunn um Lapugy sichergestellt wurde. Im auswärtigen Mio-
caen ist sie in den Sedimenten von Rhodus, Sutton, von dem St. Paul-Daxer
Becken zuhause. Sie lebt in europüischen Meeren.
Bulla Lajonkaireana, Basterot. (1856, M. Hoernes 1. Theil, 1. c. S. 624, Taf. L,
Fig. 9. — 1860. A. E. Reuss, 1. с. S. 262.) Diese rein brackische, in den Schich-
ten der Sarmatischen Stufe in einer grossen Menge vorkommende und für
dieselben bezeichnende Art entdeckte im ARudelsdorfer Tegel nur A. Jg еи
115
und zwar in einer bedeutend geringen individuellen Menge. Diesmal ist es mir
nicht gelungen, im Schlemmrückstande auch nur eine Spur von ihr aufzufinden.
Wie früher erwähnt worden ist B. Lajonkaireana in den Sarmatischen Sanden,
namentlich in Südmühren, Niederoesterreich sehr häufig, ebenfalls ist sie im
Tertiaer von Wolhynien, Podolien, Bessarabien, Morea und Rhodos häufig.
Fissurella Italica, Defrance. (1856. М. Hoernes, 1. c. I, 641, Taf. L, 28. —
1860. E A. keuss 1. c. S. 262.) Nur ein kleines, jedoch ziemlich gut erhaltenes.
Bruchstück wurde diesmal im Schlemmrückstande des Rudelsdorfer Tegels
nachgewiesen. Auch Reuss bemerkt in seiner oben angeführten Arbeit, dass er
diese Art in demselben Tegel sehr selten fand. Wie ersichtlich, bezeugt also
auch mein jetztiges Resultat über die individuelle Menge dieser Art die
Reuss’sche Ansicht. Im heimischen ausserböhmischen Miocaen ist F. Italica
namentlich im Sande von Grund, Pötzleinsdorf, im Sandmergel von Porsten-
dorf, dann im Mergel von Gainfahren und Steinabrunn verbreitet. Sie ist
ferner weit und breit in den Schichten des südeuropäeischen Tertiaers verbreitet,
wo sie auf zahlreichen Fundorten in Italien, Sicilien, Frankreich, Rhodus
u. a. gefunden wurde, Sie lebt im Mittelmeere.
Fissurella elypeata, Grateloup. (1856. M. Hoernes, 1. 644, Taf. L, Fig. 26.)
Das dem Triebitzer Tegel ausgeschlemmte Gehäuse trägt alle typischen Merk-
male dieser Art, weshalb ich es in ihren Bereich einreihe. Es ist jedoch sehr
klein, wie von einem verkümmerten Individuum und hat bedeutend schadhafte
Ränder, aber trotzdem fällt es nieht schwer es zu bestimmen. F. clypeata
wurde im Sande von Pötzleinsdorf, im Mergel von Steinabrunn und im Tegel
von Lapugy bestimmt, überall in einer unbedentenden individuellen Menge.
Aus dem auswürtigen Miocaen wird sie von Frankreich angeführt (Touraine,
Saucats nüchst Bordeaux).
Puneturella ornata, Reuss. (1860. Cemoria ornata А. E. Reuss, 1. c. S. 261. Taf.
ҮП, Fig. 5.) Nur ein Gehäuse dieser Art gelang es mir diesmal im Rudels-
dorfer gelben Tegel zu finden. Leider ist es in kleine Stückchen zerfallen,
Sobald der sie ausfüllende Tegel trocken und hart wurde. So dünn und zer-
brechlich wurde das Gehäuse des erwähnten Individuum gefunden. Ein ähn-
licher Vorfall dürfte auch A. E. Reuss vorgekommen sein, denn er schreibt, er
lege das Bild dieser Art nur auf Grund grösserer Bruchstücke vor. Was die
änssere Physiognomie der vorliegenden Bruchstücke betrifft, so kann man mit
Recht behaupten, dass sie mit dem Charakter und der Beschreibung des von
Reuss abgebildeten Exemplars übereinstimmt.
Emarginula elathrataeformis, Eichwald. (1856. M. Hoernes. I. Theil, 1. c. S.
645, Taf. І, Fig. 25. — 1860. А. E. Reuss, 1. c. S. 261.) Ihre Gehäuse fand
im marinen böhmischen Miocaen bis jetzt nur A. E. Reuss; er entdeckte sie
im Rudelsdorfer Tegel in einer, wie er bemerkt, sehr unbedeutenden indivi-
duellen Menge. Doch auch in den südlichen Gebieten des heimischen Miocaens
ist diese Art selten. Die Sande von Pötzleinsdorf und Tegel von Lapugy
werden als ihre Fundorte angeführt. Im auswärtigen Miocaen war sie früher
aus den Sedimenten von Italien, Sieilien, Rhodos und Polen bekannt.
8%
Dentalium Badense, Partsch. (1856. M. Hoernes, 1. Theil, 1. c. S. 652, Taf. L,
Fig. 30. — 1860. A. E. Reuss, l. с. S. 261.) Diese Art stellte im Audelsdorfer
Tegel nur A. E. Reuss sicher. Er schreibt von ihr, sie sei dort sehr selten.
Diese Erfahrung wird auch durch meine Resultate nuterstützt und bestätigt.
Viel häufiger ist D. Badense im Miocaen von Mähren, Niederoesterreich, Polen,
Ungarn und Siebenbürgen. Sein eingentliches Gebiet ist jedoch der Tegel der
Badener Facies, in den Mergeln ist es selten. Darüber haben uns die Alten
in dieser Hinsicht erzielten Resultate belehrt, und auch die neueren pflichten
dieser Ansicht im vollen Masse bei. Wie bei uns ist diese Art auch im Miocaen
von Italien, Sicilien und Deutschland verbreitet.
Fig. 26. Dentalium mutabile, Doder), Fig. 27. Dentalium Jani, M. Ноегпев.
Rudelsdorf. 1?/, vergrössert. Rudelsdorf. !?/, vergrössert.
Dentalium mutabile, Doderlein. (1856. M. Hoernes, 1. c. I, S. 654, Taf. L. Fig.
32. — 1860. A. E. Reuss, 1. c. S. 261.) Fig. 26. — Diese Art ist im Rudels-
dorfer gelben Tegel sehr selten. Diesmal wurde von ihr nur ein kleines Ge-
háusefragment herausgeschlemmt. Ich halte es für ein Bruchstück und zwar
für die Spitze von einem grösseren Gehäuse. Trotz seiner Kleinheit lässt uns
das vorliegende Bruchstücklein keinen Augebliek im Zweifel, welcher Art es
angehórt. Die Form, die Art der Berippung, der horizontale Durchschnitt und
die äussere Strucktur, all das bezeugt einhellig seine Zugehörigkeit zu dieser
Art. Die Gehäuse von D. mutabile werden aus den Mergeln von Steinabrunn,
Gross-Selowitz, Borač und aus den Inseln Rhodos und Cypern angeführt. Es
lebt im Mittelmeere.
Dentalium Jani, M. Hoernes. (1856. I. Theil, l. c. S. 658, Taf. L, Fig. 37. —
1860. A. E. Reuss, 1. с. S. 261.) Fig. 27. — Im Rudelsdorfer Tegel ziemlich
häufig. Bisher nur Fragmente herausgeschlemmt, doch sind diese hübsch und
von fehlerloser Oberfläche. Beachten wir die Diemensionen dieser Fragmente,
so ist es nicht schwer uns zu überzeugen, dass sie so grossen Gehäusen an-
gehören, wie sie uns aus dem Tegel von Baden, Lapugy, aus den Mergeln
von Steinabrunn, Nussdorf und Borač u. a. bekannt sind. Nach M. Hoernes
auch im russisch-polnischen und italienischen Miocaen vorkommend.
117
Dentalium entalis, Linné. (1856. M. Hoernes, 1. с. I, S. 658, Taf. І, Fig. 38.)
Es wurde diesmal im Rudelsdorfer Tegel zum erstenmale festgestellt. Es ist
überhaupt im heimischen Miocaen selten; M. Hoernes führt es von Baden
und Lapugy an. Die vorliegenden Gehäuse sind zum Theile schlecht fragmen-
tarisch erhalten, doch leicht zu bestimmen. Dazu verhilft nicht nur die allge-
meine Form des Gehäuses, sondern auch die äussere Structur. In dieser Hin-
Sicht ist die Verwechselung dieser Art vieleicht mit D. Jani unmöglich. Im
auswärtigen Tertiär ist D. entalis bedeutend verbreitet, es wurde im Gebiete
von Frankreich, Italien, Sieilien, Rhodos, Algerien, England a. u. sichergestellt.
Dentalium Miehelotti, M. Hoernes. (1856, 1. с. 8. 654, Taf. L, Fig. 33.) Bisher
nur im Rudelsdorfer Tegelnur ein Bruchstück eines erwachsenen Individuums ent-
deckt. Die Aussenseite des Bruchstückes zeichnet sich durch scharfe, einfache
Kanten, glatte Felder und auf diesen durch feine parallele Furchen aus. Es
Sind, wie ersichtlich, durchwegs typische Merkmale der Individuen vom Ba-
dener Tegel oder Steinabrunner Mergel.
Chiton fascicularis, Zinné var. (1860, A. E. Reuss, 1. с. S. 260, Tat. ҮШ, Fig. 4.—6.)
Nur von Reuss im Hudelsdorfer gelben Tegel festgestellt. Philippi führt ihn aus
den Tertiärablagerungen Siciliens an, während Wood ihn im Crag von Luxon
bestimmt hat. Er lebt im Mittelmeere und in britischen Meeren.
Chiton multigranosus, Reuss. (1868, 1. c. S. 259, Taf. VIII, Fig. 8, 9. Auch
diese Art, wie die vorige, ist nur aus dem Rudelsdorfer Tegel bekannt, wo
Sie A. E, Reuss zuerst entdeckt und beschrieben hat. Sie kommt dort sehr
Selten vor.
€ 4
Fig. 28. Chiton denudatus, Reuss. Rudels- Fig. 29. Chiton Reussi, Proch. Rudels-
dorf. 201. vergróssert. dorf. 201, vergrössert.
ne
Ühiton denndatus, Reuss, (1860, 1. с. 8. 259, Taf. ҮШ, Fig. 14, 15.) Diesmal
Wurde aus dem Reudelsdorfer Tegel nur das hintere, Endsegment dieser inter-
essanten Art ausgeschlemmt, Nach dem oralen Segment wurde vergebens
geforscht. Das vorliegende, durch die Abbildung vorgeführte Segment, ist
Prächtig erhalten, trotzdem es auf einer Stelle ein bischen schadhaft ist. Hier
Sieht man bei einer starken Vergrösserung, dass die ganze Schale aus sehr dünnen
Säulchen besteht, die so liegen, dass sie alle im Gipfel zusammenlaufen. In den
linienfórmigen Furchen zwischen den Säulchen liegen winzige Löcher, über
Welchen auf unversehrter Oberfläche sehr niedrige, leibformige Höckerchen
Giton Ts wölben. | : | ' e
Pidus, Reuss. (1860, 1. c. S. 259, Taf. ҮШ, Fig. 12, 13.) А. E. Reuss
entdeckte von seinem Gehäuse im Rudelsdorfer Tegel nur ein Mittelsegment.
118
Auch diesmal wurde im Schlemmrückstande ein Mittelsegment gefunden, das
ebenfalls prüchtig erhalten ist und an dem alle Merkmale vollkommen erkenn-
bar sind, von welchen Reuss in seiner Beschreibung Erwähnung thut. Es sei
jedoch hier bemerkt, dass das vorliegende Segment fast gerade und nicht, wie
das Reuss'sche, bogenförmige Arme und eine mit höchst feinem Furchen von
verschiedenen Richtungen und mit winzigen, in den Durchsehnittspunkten der
Furchen ligenden Grübchen bedeckte Oberfläche besitzt.
Chiton rariplieatus, //wss. (1860, 1. с. S. 257, Taf. 258, Fig. 10, 11.) Auch
von dieser Art wurde bisher ein Mittelsegment festgestellt, welches im Rudels-
dorfer Tegel А. E. Reuss entdeckte. Diesmal wurde von ihr keine kleinste
Spur gefunden.
Chiton sieulus, Gray? (1860, A. E. Reuss, l с. S. 257, Taf. УШ, Fig. ]— 50)
Prüchtig erhaltene Segmente (beide Endsegmente und Mittelsegment) entdeckte
A. E. Reuss im Rudelsdorfer gelben Tegel. Seit dieser Zeit wurde nach ihnen
vergeblich geforscht. Welchen Erhaltungszustandes sich Reuss’ Material erfreut,
wird am besten durch die Zeichnungen bezeugt, die er in seiner Arbeit über
das böhmische Miocaen vorführt.
Chiton decoratus, Reuss. (1860, l. с. S. 257, Taf. УШ, Fig. 7.) Ausser Mittel-
segmentbruchstücken wurde von dieser interessanten Art nichts gefunden
А. E. Reuss hat sie in der gelben Bank des Rudelsdorfer Tegels gefunden.
Chiton Reussi, Procházka. Fig. 27. — Das hier abgebildete Hintersegment weicht
von allen bisher bekanten Arten so wesentlich ab, dass es berechtigt erscheint,
unter einem besonderen Namen angeführt zu werden, Es unterscheidet sich
auffallend, und man kann es leicht an der üuseren Gestalt und der Oberfläche
erkennen. Es ist verhältnissmässig stark gewölbt, am stärksten auf den beiden
Seiten der Längsaxe, hinten durch einen mässigen Bogen beendet, vorne über-
hoben und mit einem stumpfen Rande umrandet. Diesem Rande parallel verlaufen
kleinere concentrische Streifen, deren innere Ränder das hintere Ende nichb
erreichen, da sie allmälig verschwinden. Die Mitte des Segments ist stark ge-
wölbt, ihre Oberfläche ist mit gleichen Rippen bedeckt, welche vom Hinter-
'ande bis zur Peripherie des inneren Streifens hinziehen, wo sie dann allmälig
zusammenlaufen. Mit diesen Rippen sind stärkere Rippen parallel, welche pa-
rallel dem Vorderrande verlaufen. Über diese Rippen — parallel mit dem Hin-
terrande — legen sich feine Streifen und verleihen dem Aeusseren des Seg-
ments ein sehr zierliches Aussehen, Das orale und mittlere Segment ist 68
nicht gelungen zu entdecken.
Gastrochaena dubia, Pennant. (1860, A. E. Reuss, l.c. 8. 257. — 1870, M.
Hoernes, 1. c. IL, S. 5, Taf. I, Fig. 4.) Diesmal in einem Korallenstock der Art
Solenastraea tenera Rss. aus dem Tegel von Audelsdorf entdeckt. Auch A. Е.
Reuss führt sie von da an. Doch ist es diesmal nicht gelungen, unversehrte:
erhaltene Individuen zu finden, denn bereits im Stocke wurden die Schalen
in Scherben zerschlagen gefunden. Die Grösse der letzteren weist darauf hin,
dass die Rudelsdorfer Individuen kleinere Dimensionen hatten als die normalen,
wie sie in Korallenstócken der Grunder Sande eingebohrt häufig vorkommen.
G. dubia ist nicht nur in den heutigen Meeren, sondern auch in tertiaeren
149
Sedimenten bedeutend verbreitet; ihre Schalen besitzen die Mergel von Gain-
fahren und Kalkburg, die Tegel von Lapugy; ausserdem sind sie aus den
Sedimenten von Rhodos, Sicilien, Italien, der Schweiz, England (Lutton) bekannt.
Im Mittelmeere und an britischen Küstend lebend.
Teredo Norvegica, Spengler. (1870. M. Hoernes, S. c. II, S. 8. Taf. I, Fig. 5.)
Fig. 30. — Zwei Arten von Bohrmuscheln: Saxicava ar i Г. sp. und Ca-
strochaena dubia, waren bisher aus den marinen Sedimenten des böhmischen
Miocaens bekannt. Beide hat darin A. E. Reuss entdeckt, und zwar im
Rudelsdorfer Tegel. Fs ist gewiss interessant, dass es diesmal geglückt ist, im
Schlemmrüekstande des Triebitzer und denn des Abtsdorfer Tegels zwei Schalen
von Teredo Norvegica zu finden. Ihre Dimensionen sind kleiner, als die der
von M. Hoernes angeführten Individuen. Nur die Abtsdorfer Schale ist gut
erhalten, während die Triebitzer den Wirbel abgebrochen und die Ränder
schadhaft hat. Die äussere Strucktur ist an beiden Schalen unversehrt. Diese
Art führt M. Hoernes nur aus den miocaenen Schichten von Kalksburg bei
Wien und Neudorf an, ferner aus der Umgebung vo Szobb in Ungarn, Rako-
vica südlich von Belgrad in Serbien, Ottnang in Oberoesterreich. Früher war
sie aus den miocaenen Sedimenten von Turin, St. Gall, St. Jean und Saucats
nächst Bordeaux, Modena und Asti bekannt. Ebenfalls ist sie aus der Gegend
von Sutton une Rumholt im Gebiete des englischen Crag bekannt. Sie lebt in
allen Meeren Europas und an den Küsten Nordamerikas.
Fig. 30. Teredo Norvegica, Spengl. Abtsdorf. */, vergróssert.
N H
Saxieava aretiea, Linné. (1860 A. E. Reuss, 1. c. S. 256. — 1870. M. Hoernes,
IL 1. c. 8, 24, Taf. Ш, Fig. 1, д, mm Bisher wurde sie im Rudelsdorfer Tegel
nur von A. E. Reuss sichergestellt. Mir ist es nicht gelungen, ihre Schalen
dort zu entdecken. Ich bin jedoch der Meinung, dass sie auch in unserem
böhmischen Gebiete eben so selten ist, wie an den übrigen Fundorten, im hei-
Mischen Mioe aen, wo sie entdekt ward im Tegel von Vöslau, im Mergel von
Gainfahren und овен, im Sande von Pötzleinsdorf, Grund, im Mergel von
Grinzing und Steinabrunn. Cr ag von Sutton und Antwerpen, Pliocaenschichten
Siciliens, von Rhodus, Modena, ferner die Tertiärablagerungen von Asti, Turin,
Castell'arquato und {schia werden als ihre weiteren Fundorte angeführt. Sie
ist ferner in den nördlichen Meeren verbreitet, seltener kommt sie in den
Bund n gemässigten Zonen, 2. В. im Mittelmeere, vor.
1a spec. In dem ich nur vier ungenügend erhaltene Schalen besitze,
vermag ich nicht zu entscheiden, ob sie einer neuen Art oder der 7* uniradiata
120
Drocc. angehóren, die aus den Sanden von Grund, Porstendorf und Ebersdorf
bekannt ist uud dort nach M. Hoernes häufig vorkommt. Gegen die Ansicht,
sie gehöre der hier angeführten Art an, sprechen einige Merkmale, unter denen
die Gestalt der Schlosszähne und dann der Umstand die erste Stelle einnimmt,
dass sie keine äussere Kante besitzen, indem sie eine sanftgewölbte und nur
mit höchst feinen Zuwachsstreifen gezierte Aussenseite besitzen. Diese Um-
stände haben mich dahin geführt, dass ich die Fragmente erwähnter Schalen
hier unter dieser Überschrift angeführt habe. Nach den bisherigen Erfahrungen
zu schliessen, sind diese Schalen in den Tegeln von Abtsdorf und Triebitz
verhältnissmässig selten, denn sie wurden darin erst nach einem langen Suchen,
wie schon früher erwähnt, nur in wenigen Exemplaren gefunden. Das Vorkommen
von Vertretern der Gattung Psammobia findet sich übrigens in der genauesten
Übereinstimmung mit dem übrigen Charakter der Fauna sowohl der Abtsdorfer
als auch der Triebitzer Tegel. Auch sie sind ein Beleg dafür, dass die Schicht,
wo ihre Schalen vorkommen, in einer mässigen Tiefe, in der Nähe der Küste
oder in einer Bucht mit brackischem Wasser abgelagert wurde.
Corbula gibba, Olivi. (1860, A. Е. Reuss, 1. с. S. 256. — 1870. M. Hoernes,
l. c. IL, S. 3, 4, Taf. IIL, Fig. 7.) Hübsch erhaltene Schalen von dieser Art
können ausser dem Ztudelsdorfer auch in dem Schirmdorfer und Abtsdorfer Tegel
gefunden werden. Es ist also interessant, dass diese Art sowohl in marinen,
als auch in echt brackischen Sedimenten vorkommt. Reuss war diese Art nur
aus dem Rudelsdorfer Tegel bekannt. Es sei hervorgehoben, dass die Rudels-
dorfer Schalen in allen Merkmalen mit den anderwärtigen Individuen sowohl
aus den mährischen als auch niederoesterreichischen Fundorten übereinstimmen.
Im gefundenen Material gibt es verschieden grosse Individuen, jedoch die
kleineren herrschen vor, aber ich zweifle nicht, dass es im Tegel von Rudels-
dorf auch so grosse Individuen gibt wie z. B. in dem von Baden. Mann muss
nur intensiver suchen, um si zu finden. Inbetreff der Verbreitung dieser Art
im heimischen Miocaen soll auch hier bemerkt werden, dass sie eine sehr
grosse ist. C. gibba kommt fast überall vor, sowohl in der tegeligen, als auch
in der mergeligen und Leithakalkfacies vor. Dasselbe ist auch von ihrer hori-
zontalen Verbreitung zu erwähnen. Aus unserem böhmischen Gebiete geht sie
nach Mähren, von dannen nach Nieder- und Oberoesterreich, Galizien, Ungarn,
Siebenbürgen, Serbien u. s. w. über. Ferner wurde sie im Tertiaer von Frank-
reich, Belgien, England, Italien, Sicilien, Algerien entdeckt. Sie lebt in euro-
päischen Meeren an den Küsten.
Corbula carinata, Dujardin. (1860, A. E. Reuss, 1. c. S. 256. — 1870. M. Hoernes,
II. 1. с. S. 36, Taf. IIL, Fig. 8.) Fig. 31. — Schön erhaltene Schalen von dieser
Art kann man im Tegel von Ztudelsdorf in ziemlicher Menge finden. Sie scheinen
dort häufiger zu sein als die Schalen der C. gibba. Es ist zugleich interessant,
dass es mir gelungen ist, eine Schale der vorliegenden Art auch im dem Abts-
dorfer, unter dem dortigen diluvialen Schotter abgelagerten Tegel zu finden.
hudelsdorfer Schalen weichen durch nichts, auch nicht durch das kleinste
nebensächliche Merkmal, von Schalen aus anderen Fundorten ab. Wie die
vorige ist auch diese Art im heimischen Miocaen, sehr vertreitet, wo sie in
H
121
den Sedimenten der Leithakalkfacies, namentlich bei Steinabrunn die stärkste
Entfaltung erreicht. Im mährischen Miocaen ist sie verhältnissmässig selten.
Man kennt sie von Steinabrunn, Gainfahren, Enzersdorf, Kienberg, Grund,
Niederkreuzstütten, Forchtenau, Mattersdorf; ausser dem wurde sie ferner im
Mioeaen von Ungarn, Steiermark, Krain, Siebenbürgen, Serbien, Frankreich und
Italien entdeckt.
Fig. 31. Corbula carinata, Dujard. Abtsdorf. */, vergróssert.
*; Maetra 1 agilis, Procházka. Fig. 32. — Unter diesem Namen führe ich hier
eine Art an, von welcher man ein endgiltiges Urtheil zu füllen im Stande
sein wird, bis erhaltene, unversehrte Individuen vorliegen werden. Doch auch
am vorliegenden schadhaften Material ist es nicht schwer, Abweichungen kennen
Zu lernen, durch welche sich diese Art von den verwandten unterscheidet.
Diese Differenzen sind im ersten Augenblicke auffallend, ihr Gewicht wird
von dem ligamentaren Flügel erhöht. — Dieser nimmt an Gewicht ab, sobald
Wir zu dem eingenthümlichen Charakter des Schlosses den Blick wenden.
Dieses trägt den Charakter einer Übergangsform — den Gattungen
Syndosmya und Mactra tief eingeprägt. Inwieweit es dieser oder jener ent-
Spricht, kann ich vorläufig aus oben erwähnten Gründen nicht entscheiden.
Fig. 32. ? Mactra fragilis, Proch. Triebitz. */, vergróssert.
а rechte, b linke Klappe von innen, c linke Klappe von aussen.
Auf diese Fr ragen
durch sorgfältiges
gibt ein erhaltenes Material eine klare Antwort, das man
EE Schlemmen einer grossen Menge von Tegel gewinnt. Man
n deshalb sorgfältig vorgehen, weil die Schalen dieser Art sehr dünn
sind, so dass sie bei dem kleinsten penale zerbrechen und zerbróckeln. Nach
meinen bisherigen Erfahruugen ist diese Art für eine echt brackische zu halten.
Sie wurde aus dem Tegel von Triebitz und Abtsdorf herausgeschlemmt, während
im Rudelsdorfer Tegel von ihr keine Spur zu bemerken war.
Venus fasciculata, Reuss. (1860. Cytherea fasciculata А. E. Reuss, 1. е. S. 254,
Tat. VL, Fig. 7. — 1870. M. Hoernes, 1. с. IL, S. 128, Taf. XIIL, Fig. 09
Fig. 33. — Ich habe hier eine rechte Schale eines ganz jungen Individiums
abgebildet. Ich habe dies absichtlich gethan, in dem ich die demselben eigen-
thümlichen, von den Merkmalen der Schale eines alten Individiums etwas
Fig. 33. Venus fasciculata, Reuss. Rudelsdorf. ??/, vergróssert. Linke Klappe von aussen.
abweichenden Merkmale hervorheben wollte. Diese untergeordneten Abwei-
chungen bestehen darin, dass die Aussenseite der Klappe nicht nur mit stark
sich abhebenden Zuwachsleisten, sondern auch mit feinen Streifen bedeckt ist,
welche letztere in den Zwischenräumen, früher bezeichneten starken Streifen
oder Leisten eingeschlossen sind. Wie schon bemerkt wurde, sind diese Ab-
weichungen von einem untergeordneten Charakter, und ich lege ihnen keine
Wichtigkeit bei, immerhin ist es aber erforderlich, auch sie nicht zu über-
gehen. А. E. Reuss und nach ihm M. Hoernes zeichnen in den angeführten
Arbeiten ganz erwachsene Individuen. Diese Art wurde zuerst von A. Æ. Reuss
im Miocaendepöt von Rudelsdorf entdeckt, später fand man sie auf verschie-
denen Orten im ausseralpinen Miocaenbecken, z. B. bei Grinzing, Gainfahren,
Enzesfeld, Steinabrunn, Porzteich, Grund, Niederkreuzstütten und Forchtenau.
Aus den ausserwürtigen Ablagerungen ist sie von Bordeaux bekannt. Auch in
Ungarn, und zwar in den Tegeln von Szobb und dann in Siebenbürgen, in den
Tegeln von Lapugy, wurde sie sichergestellt.
Venus multilamella, Lamarck. (1860. Cytherea multilamellata Reuss, 1. c. 8. 252.
— 1870. V. multilamella М. Hoernes, 1. с. II., S. 130, Taf. XV., Fig. 2, 3.)
Diese im heimischen Miocaen weit und breit verbreitete Art kommt im böhmi-
schen Miocaen nur im Tegel von Rudelsdorf, und zwar sehr selten vor. Diesmal
gelang es nicht, im denselben Tegel und auch nicht anderswo im böhmischen
Gebiet ihre Schalen zu entdecken. Sie ist für die Tegel- und Mergelfacies
charakteristisch, dagegen kommt sie in der Sandfacies nur vereinzelt vor.
Fundorte gibt es in einer grossen Menge, hier seien nur die typischen ange
führt: Grinzing, Gainfahren, Enzesfeld, Vóslau, Baden, Grund (Niederoester-
193 |
reich), Szobb (Ungarn), Grussbach, Drnovice, Borač (Mähren). Meissan, Aust- |
'ank, Ottnang (Oberoesterreich); Lapugy (Siebenbürgen), Korytnice (Polen). |
Ausser dem ist sie aus den tertiaeren Ablagerungen von Rhodos, Corfu, Si- |
Gillen, Italien, der Schweiz, Algerien u. a. bekannt. |
Venus Basteroti, Deshayes. (1810. Venus Brongniarti A. E. Reuss, 1. c. S. 251. |
1870. V. Basteroti M. Hoernes, IL, 1. c. S. 180, Taf. AV., Fig. 9.) Aus der |
Reuss'schen Reschreibung schliesse ich wieder, dass Reuss ein hübsch erhaltenes |
Material dieser Art gehabt hat. Mir mangelt es fast an demselben. Es gelang \
mir nicht, im Schlemmrüekstande mehr als eine nicht allzu gut erhaltene Klappe |
finden. Sie hat einen vorne schadhaften Капа und gehórt ausserdem einem
jungen Individuum an. Trotzdem kann man aber ziemlich leicht erkennen, dass
Sie der Merkmale nicht entbehrt, von denen Reuss spricht und die М. Hoernes
in seiner Monographie der fossilen Mollusken des Wiener Tertiaerbeckens er-
wähnt. Auf zahlreichen Fundorten wurde diese Art im heimischen Miocaen
in der Umgebung von Grund, Gainfahren, Enzesfeld, Pótzleinsdorf, Speising,
Ebersdorf, Kienberg, Porstendorf und Ritzing, von wo sie M. Hoernes anführt,
Sicher gestellt. Ausserdem erwähnt derselbe Autor, dass sie in den Tertiaerablage-
rungen von Turin, Pont-Cevoy (Italien), Pölt (Steiermark), Králová und Ne-
mesest (Ungarn), Lapugy und Bujtur (Siebenbürgen) vorkommt und fügt hinzu,
Sie sei auch aus Polen (Korytnice) und aus Wolhynien (Szuszkowce und Bialo-
zurka) bekannt.
Cythere ea sp. Das vorliegende Bruchstüc k, das aus dem gelben Tegel von Rudels-
dorf her: ausgeschlemmt wurde, beweist seine Zugehörigkeit zur Gattung Cytherea.
Für diese Ansicht zeugen alle Eigenschaften seines Aeusseren. Aber kein ein-
Ziges von diesen Merkmalen erlaubt, die Artengruppe richtig zu bestimmen.
In Anbetracht dieses Umstandes begnüge ich mich mit der eben gemachten
e Bemerkung.
Iree minima, Montagne. Fig" Cytherea Cyrilli Reuss, 1. c. S. 256. — 1870.
C. minima М. Hoernes, 1. c. IL, 158, Taf. XIX., Fig. 5.) A. E. Reuss hat diese
Art im Rudelsdorfer = "— sichergestellt. Er schreibt, sie sei dortselbst
Sehr häufig. Diesen Bericht kann ich derzeit nicht bestätigen. Meinen Erfah-
tungen gemäss ist sie im gelben Tegel eine seltene Erscheinung und ist durch
kleine und gleichzeitig durch grosse Individuen vertreten. Von diesen letzteren
Scheint es eine viel grössere Menge zu geben. Ausser dem Rudelsdorfer Tegel
habe ich diese Art auch aus dem Abtsdorfer herausgeschlemmt, von wo ein
kleines, schadhaftes, jedoch ziemlich gut bestimmbares Individuum stammt.
| C. minima ist gewissermassen eine für die Leithakalkfacies bezeichnende Art,
$ 816 kommt in deren Ablagerungen verhältnissmässig häufig vor. Dasselhe gilt |
auch von der Facies der Steinabrunner Mergel, in denen ihre Schalen eine |
Ziemlich häufige Erscheinung sind; im Tegel der Badener Facies ist sie da-
Segen selten. Sie ist im heimischen Miocaen weit und breit verbreitet. Als ihre
typischesten Fundorte sind die Umgebungen von Steinabrunn, Gainfahren, Grund,
Baden, Pötzleinsdorf (Niederoesterreich), Nikolsburg, Grussbach, Drnovice und
Bora& in Mähren; Forehtenau, Ritzing und Hidas in Ungarn; Lapugy und
Bujtur in Siebenbürgen: Holubice, Alesz in Galizien zu bezeichnen. Ausserdem
124
ist sie aus den Kalamaker (Griechenland), schweizerichen, italienischen und
belgischen Tertiaerablagerungen bekannt. Sie lebt im mittelländischen und bri-
tischen Meere.
Tellina sp. Aus dem bläulichen Tegel von Triebitz, und zwar aus der oberen
Bank, wurden drei Schalen herausgeschlemmt, von denen kein Zweifel besteht,
dass sie einer Art der Gattung Tellina angehüren. Welcher Art sie jedoch
unterzuordnen sind, darüber lassen sie uns im Zweifel. Erst ein künftiges
Studium von einem reicheren Materiale wird im Stande sein, darüber eine
richtige Antwort zu geben. Vorläufig ist es gewiss interessant, wenn wir in
diesen Bruchstücken vertreter der Gattung Tellina sicher gestellt haben, von
welcher man bisher nicht gewusst hat, dass sie auch in unserem böhmischen
Miocaensprengel vertreten ist.
/ardium papillosum, Poli. (1860. Cardium punctatum А. E. Reuss, 1. c. S. 246.
— 1870. C. papillosum М. Hoernes, 1. c. II., 191, Taf. XXX., Fig. 8.) Im Ganzen
drei Bruchstücke von verschiedenen und verschiedenalterigen Schalen wurden
diesmal aus dem gelben Tegel von Rudelsdorf und eine winzige Schale aus
dem Tegel von Schirmdorf herausgeschlemmt. Zwei Bruchstücke haben ein
gut erhaltenes Schloss, das dritte, grösste, zwar ein abgebrochenes, doch bieten
diese Fragmente die übrigen Merkmale der Schale prächtig erhalten dar. Das
erwühnte Fragment ist ein hinreichender Beleg für die Ansicht, dass sich die
Individuen dieser Art von Rudelsdorf inbetreff des Aeusseren der Schalen von
den Individuen aus den südlichen Fundorten des heimischen Miocaens in nichts
unterscheiden. Indem ich auch dieses Bruchstück beachte, meine ich, dass
auch in der Grösse kein Unterschied besteht. Diese Art ist in den Sedimenten
des heimischen Miocaens ziemlich verbreitet. Einer individuellen Menge erfreut
sie sich nur in der sandigen und sandig-mergeligen Facies, während sie in
der mergeligen und tegeligen selten ist. Von Böhmen kann man sie in die
Ablagerungen von Mähren (Borat, Drnovice), von da in diejenigen von Nieder-
oesterreich (Steinabrunn, Niederleis, Gainfahren, Vöslau u. a.), von Ungarn
(Krälovä, Hidas), Siebenbürgen (Lapugy, Bujtur), von Polen, Wolhynien, Frank-
reich, Italien, Sicilien, Rhodus und Griechenland verfolgen.
Cardium Opatovense, Procházka. Fig. 34. — Wenn wir nur Bruchstücke dieser
Art vor uns haben, erinnern uns dieselben lebhaft an C. edule L. Gewiss anders
werden sie uns erscheinen, wenn es gelungen ist, aus den Tegeln von Abtsdorf,
Triebita und Schirmdorf ganze Schalen herauszuschlemmen. Bereits hier sei
bemerkt, dass es derselben sehr wenige gibt, viel mehr Bruchstücke und schad-
hafte Schalen. Dass wir nur Fragmenten begegnen, erklüren wir uns gleich,
wenn wir ihre äusserst dünne Wände kennen gelernt. Das war auch die Ur-
sache davon, dass ich genöthig wurde, hier Schalen von jungen Individuen
abzubilden. Ich habe es auch darum gethan, um ein vollständiges Bild dieser
hochinteressanten Art zu geben. Die Figur 34 0 stellt eine linke Klappe, die
Figur 34 a eine rechte Klappe und zwar von einem älteren Individuum vor.
Die Schalen sind länglich-elliptisch, nach hinten ziemlich schwach gestreckt
und hier merklich breiter als vorne. Der vordere Rand ist stärker bogenförmig
als der hintere, der ventrale müssig. Die Aussenseite der Klappe zieren stark
hervortretende, rundliche, durch rinnenförmige Furchen getrennte Rippen. An
der Innenseite der Schale entsprechen diesen Rippen Rinnen, die an Tiefe
und Breite abnehmen, je mehr sie sich dem Wirbel nähern. Ich habe an den
vorliegenden Individuen 20—24 solche Rippen gezählt. Die stärksten befinden
Sich in der Mitte der Schale, viel schwächere im Vorder- und Hintertheil.
Fig. 34. Cardium Opatovense, Proch. Abtsdorf. ?/, vergróssert.
а äussere, b innere Ansicht der Schale.
Unter Beachtung der Dimensionen der Rippen kann man die Oberfläche der
Schale in drei Felder theilen, von denen das mittlere immer als das grósste
erscheint. Auf diesem Felde sind die hippen nicht nur am stürksten, sondern
auch durch breiteste Furchen von einander getrennt. Hier finden wir den Unter
Schied in der Grósse der Rippen am grössten und am auffalendsten. Diese An-
ordnung von Rippen erinnert sehr lebhaft auf eine ganz ähnliche Rippenan-
Ordnung bei dem C. plicatum Eichw. aus den sarmatischen Sanden und ist
mit dieser ebenso congruent, wie sie von derjenigen der marinen Miocaenarten
abweichend ist. Über die Buppen und Furchen ziehen feine, sehr dünne und
niedrige Lamellen hin, welehe sich nur auf dem Rücken der Rippen schwach
emporheben und der Oberfläche der Schale ein zierliches Aussehen verleihen.
Diese Lamellen sind so fein, dass eiue starke Vergrösserung zur deutlichen
Beobachtung derselben nóthig ist. Das Schloss der linken Klappe besteht aus
emem schwachen Zahn, dem in der anderen Schale ein Grübehen entspricht,
und aus zwei Seitenzühnen, gegen welche eylinderförmige Leisten zulaufen.
Die hier eben hervorgehobenen Merkmale charakterisieren diese Art und ziehen
ihre Grenze mit scharfen Contouren. Alle bestätigen die Ansicht, dass sie eine
Теш brackische Art ist, was übrigens auch durch den Umstand bezeugt wird,
dass ihre Schalen bisjetzt nicht in den typischen marinen Ablagerungen von
Y d H DH B a D .
Rudelsdors, sondern bloss in den brackischen bei Abtsdorf und Triebitz entdeckt
worden sind. In diesen Sedimenten dürfen sie ziemlich häufig sein, was we-
C Nigstens durch die Menge der von hier stammenden Bruchstücke bezeugt wird.
han А S
ama Styphoides, Linné. (1860. Chama asperella A. E. Reus, 1. c. S. 421—1810.,
ze 9ryphoides M. Hoernes, 1. c. S. 210, Taf. XXXI, ig. 1) ТӨЗ a
Sieben schön erhaltene Exemplare dieser interessanten und verbreiteten Art
1 aus dem Rudelsdorfer Tegel werden in den Sammlungen der geologischen
er böhmischen Universität aufbewahrt. Es ist sonderbar, dass sechs
Anstalt q
126
davon linke Schalen sind und nur eine rechte. Zwei gehören erwachseneren
Individuen an (die grösste ist 28'D mm breit), die übrigen jungen. Diese Indi-
viduen machen auf den ersten Blick den Eindruck, als ob sie der in den
Mergeleinlagerungen des Leithakalkes, namentlich im Drnovicer Mergel (West-
mähren) häufigen Art Ch. Austriaca angehörten. Doch nur für einen Augen-
blick. Betrachten wir schürfer ihre Eigenschaften, so überzeugen wir uns bald,
dass sie die Merkmale der Art Ch. gryphoides stark ausgeprügt tragen. Ihre
Oberfläche ist mit dachförmig übereinander gelagerten, am Ende rinnenför-
migen Platten bedeckt. Solche gefaltete Platten trägt nur die Oberfläche Ton
jungen Individuen. An alten Schalen sind grossentheils ebene und nur an den
Rändern rinnenfórmig gefaltete Platten zu sehen, die sich als eine grössere
Menge von verwachsenen jüngeren Lamellen darstellen. Das hier abgebildete
Exemplar ist jung; ich habe es stärker vergrössert als es in der Hoernes
schen Monographie ist, um die Lage des Schlosses, der Muskeleindrücke und
ausserdem auch des Mantelrandes genau einzeichnen zu kónnen. Aus Reuss
Erfahrungen und theilweise auch aus dem hier angeführten Materiale ZU
schliessen, kann man nieht umhin, diese Art als eine im Rudelsdorfer Tegel
Fig. 35. Chama gryphoides, Linné. Rudelsdorf. Junges Individuum, */, vergróssert.
häufige anzusprechen; ihre Schalen erfreuen sich hier einer wirklich seltenen
Erhaltung. Unter Beachtung der vorliegenden Schalen bestehe ich ferner
darauf, dass auch um grosse Schalen von alten Individuen keine Noth wire:
natürlich wenn eine grössere Menge vom Rudelsdorfer Tegel, als bisher, 8018”
fältig untersucht worden wäre. Die horizontale Region der Chama gryphoides
im heimischen Miocaen ist eine in jeder Hinsicht bedeutend grosse. Ihre
Blüthezeit erlebte sie ohne Widerrede in der Facies der Leithakalke UP
Mergel, eine viel geringere Entfaltung in den Sanden. In den in die Bänke
121
von Leithakalk eingelagerten Mergeln ist sie eine gewöhnliche Erscheinung,
80 z. D. bei Steinabrunn, Gainfahren u. s. w. Seltener ist sie in den Sand-
mergeln, z. В. in der Umgebung von Grussbach. In den Sanden des Horner
Beckens wurden ihre Schalen in den Ablagerungen von Molt und Dreieichen
sichergestellt. In West- und Nordwest-Mähren ist sie sehr selten. Aus Nieder-
oesterreieh kann man ihre Spuren in das Miocaengebiet von Steiermark
verfolgen, wo sie in der Leithakalkfacies der Gegend von Wildon entdeckt
wurde. Ferner ist si aus Galizien, Wolhynien, Podolien und Siebenbürgen
bekannt. Im Süden verbreitet si sich in den Tertiaerablagerungen von Rhodos,
Korinth, Sicilien, Süd- und Mittel-Italien, von wo sie dann in das Miocaen
Frankreichs übergeht. Heutzutage lebt sie in Mittelmeere.
Lucina miocaenica, Michelotti. (1860. А. E. Reuss, 1. c. S. 246.—1870. M.
Hoernes, II. Theil 1. c. S. 228, Taf. XXXIII, fig. 3.) Sie ist bekanntlich in den
Miocaenen Sanden der Gegend von Grund und Grussbach häufig, während sie
in den Tegeln und Mergeln eine sehr seltene Erscheinung ist. Im Rudelsdorfer
Tegel entdeckte sie nur Reuss. Er fand, wie er mittheilt, kleinere Exemplare,
als ihm aus dem Tegel von Vöslau und Szobb vorlagen. Ausser den erwähnten
Fundorten ist diese Art auch im Miocaen von Spielfeld (Steiermark), Asti
und St. Jeane de Marsae zuhause.
Lucina Dujardini, Deshayes. (1870 М. Hoernes 1. c. IL, S. 235, Taf. XXXIII.,
fig. 7. — Bisher wurden drei Schalen dieser interesanten Art, deren
Region die Sandfacies ist, herausgeschlemmt. Die Rudelsdorfer Schalen, bis
auf eine rechte, sind schadhaft, doch ist dafür diese vortrefflich erhalten. Sie
gehört einem kleineren Individuum an als z. B. aus den Sanden von Grund
bekannt sind. In den Mergeln und Tegeln ist L. Dujardini sehr selten. Bisher
kennt man sie aus der Gegend von Grund, Niederkreuzstütten, Ebersdorf,
Kornabrunn, Pótzleinsdorf, Vóslau, Grussbach, Porstendorf, Ottnang. Ferner ist
sie aus den Tertiaerablagerungen von Wolhynien und Frankreich bekannt.
Lucina spinifera, Montagne. (1860. А. E. Reuss, 1. c. S. 947, — 1810. M.
Hoernes, VI. Leg 236, Taf. XXXIII, fig. 8.) Schón erhaltene Schalen dieser
Art gelingt es sehr selten aus dem gelben Tegel von Rudelsdorf herauszuschlem-
шеп. Bruchstücke gibt es dort jedoch ziemlich genug. so dass es wahrschein-
lich ist, dass diese Art einer im Rudelsdorfer Tegel zahlreich vertretenen
Gruppe angehört. Schalen von alten Individuen kann man gleichzeitig mit
denen von Jungen herausschlemmen. Ausser typischen Individuen gibt es im
Rudelsdorfer Sprengel auch abweichende Exemplare, die den vorderen Schloss-
rand gebogen zeigen. Lucina spinifera ist im heimischen Miocaen ziemlich
selten. Sie kommt sowohl in der tegeligen (Baden, Möllersdorf, Lažánky), als
auch in der mergeligen (Grinzing, Steinabrunn, Niederleis, Kienberg, Porsten-
dorf) und sandigen Facies (Grund) vor. Ebenfall sist sie im Miocaen von Ungarn
und Siebenbürgen und in den Tertiaerablagerungen von Rhodos, Frankreich,
der Schweiz, Italien zuhause. Sie lebt an der Küste von Nord-Skandinavien,
Schottland, England (im Canal la Manche), Portugall, im Mittelmeere
5. ү.
128
Lucina dentata, Basterot. (1860 A. E. Reuss, 1. с. S. 246—1870. M. Hoermes,
l e. IL, S. 288, Taf. XXXIII, fig. 9.) Nach A. E. Reuss ist sie im Rudels-
dorfer Tegel selten. Trotzdem sie auch diesmal sorgfältig gesucht wurde,
gelang es nicht sie zu entdecken. Ich schliesse daraus, dass man auch
künftighin die Ansicht Reuss' über ihr Vorkommen in unserem Miocaengebiet
beibehalten muss. L. dentata ist in den Mergeleinlagerungen des Leithakalkes
und dann in den Sanden häufig; in den Tegeln ist sie dagegen sehr selten.
Sie wurde im heimischen Miocaen auf zahlreichen Fundorten sichergestellt,
von denen die typischesten hier kurz angeführt werden sollen. Steinabrunn,
Gainfahren, Niederkreuzstütten, Loibersdorf, Grund. (Niederoesterreich). Por-
stendorf und Grussbach. Aus den mährischen und niederoesterreichischen
miocaenen Sedimenten geht sie in die steiermärkischen, ungarischen, sieben-
bürgischen und wolhynischen über und ist auch aus dem Tertiaer von Frank-
reich, von der Schweiz und Italien bekannt.
Lucina Agassizii, Michelotti. (1860 L. irregularis A. E. Reuss l c. S. 247,
Taf. IV, fig. 5. — 1870 L. Agassizüi, M. Hoernes 11. 1. с. S. 239, Taf. XXXIII,
fig. 10.) Die vorliegende Klappe, die aus dem gelben Rudelsdorfer Tegel heraus-
geschlemmt wurde, ist trotz dem apgebrochenen Schlosse 5 mm hoch. Wie
ersichtlich, gehört sie einem erwachsenenen Individuum an, dessen Dimen-
sionen denen der von M. Hoernes beschriebenen Individuen gleichen. Ihre
Merkmale, inwieweit sie erhalten und deutlich sind, weichen auch nicht
im Kleinsten von den Merkmalen der aus südlicheren Fundorten des
heimischen Miocaens stammenden Individuen ab. Aus dem Rudelsdorfer
Tegel geht diese Art in die Mergel und Tegel von Niederoesterreich über, in
denen sie in der Gegend von Gainfahren, Steinabrunn, Kienberg und Baden
entdeckt wurde, und von dannen in die steiermärkische Leithakalkfacies und
in den Tegel von Lapugy in Siebenbürgen. Ausser dem ist sie aus dem
Tertiaer von Wolhynien, von der Schweiz und von Italien bekannt.
Fig. 36. Lucina strigillata, Reuss. Rudelsdorf.
a rechte Klappe von aussen */, vergrössert, b dieselbe von innen D, vergrössert.
Lucina strigillata, Reuss. (1860, 1. с. S. 246, Taf. IV., Fig. 6. — 1870, M. Hoernes
l. с. S. 240, Taf. XXXIII., Fig. 13.) Fig. 36. — Auch diesmal ist es gelungen,
129
diese Art im Tegel von Rudelsdorf sicherzustellen. Ausser zwei Bruchstücken
mit einer hübsch erhaltenen Oberfläche wurde darin eine vollkommen erhaltene
Schale eines jungen Individuums gefunden, an welcher, wie an der Abbildung
ersichtlich, alle Merkmale der typischen Formen sich finden. Aber trotz diesen
wechselseitigen Übereinstimmungen trägt sie dennoch ein Merkmal, das unter
anderen Umständen zur Aufstellung einer selbständigen Species verführen
möchte. Diese Abweichung besteht in der Form der abgebildeten Schale, welche
anstatt eines ovalen einen etwas stärker in die Breite ausgezogenen Umriss
besitzt, und ferner darin, dass ihr vorderer Schlossrand eingebogen ist, was
bei den typischen Individuen nicht der Fall ist; diese haben einen fast ge-
raden vorderen Schlossrand. Ich begnüge mich mit dieser Bemerkung und
hoffe, dass es in der Zukuft noch besser begründet wird. L. strigillata ist eine
im heimischen Miocaen sehr seltene Art ausser dem Rudelsdorfer Tegel
wurde sie bisher nur im sandigen Mergel von Forchtenau entdeckt.
Lucina exigua, Eichwald. (1860 A. E. Reuss, 1. с. S. 246. — 1870 M. Hoernes
II. Theil, l. c. S. 243, Taf. XXXIIL, Fig. 12.). Die kleinen Schalen von dieser
Art sind nach den bisherigen Erfahrungen in den dem Leithakalke einge-
lagerten Mergeln am häufigsten, namentlich in der Umgebung von Steinabrunn,
in Tegeln der Gegend von Nikolsburg, Olmütz und Grussbach in Mähren;
Niederleis, Grund in Niederoesterreich ; Forchtenau und Ritzing in Ungarn
entdeckt. In West- und Nordwestmühren sind sie, falls sie dort überhaupt
vorkommen, sehr selten. Wie man schliessen darf, ist diese Art auch im Rudels-
dorfer Tegel sehr selten, denn A. E. Reuss schreibt diesbezüglich, er habe
Sie dortselbst sehr selten gefunden. Ich füge hinzu, dass es diesmal, trotzdem
nach ihren Schalen sorgfältig geforscht wurde, nicht gelang, auch nur eine
Spur von ihnen zu entdecken.
Fig. 37. Erycina Bohemica, Proch. Rudelsdorf. *°/, vergróssert. Linke Schale.
Erycina Bohemica, Procházka. Fig. 37. — Die Schale hat eine fast elliptische
Gestalt, ist verhültnissmüssig stark gewölbt, symmetrisch, und an beiden Seiten
8erundet. Die Oberfläche ist glatt, stark glänzend, und nur unter einer starken
Loupe sehen wir daran sehr schwache Zuwachsstreifen. Das Schloss besteht
Шш der rechten Schale aus einem stark nach vorne verschobenen Zahne, dem
in der linken Klappe eine hart unter, dem Wirbel gelegene Grube entspricht.
9
130
In der rechten Klappe verläuft vom Wirbel nach rückwärts eine enge Grube,
in welche der mässig verlängerte Seitenzahn der gegenüberliegenden Klappe
einfällt. In der linken Klappe hingegen erhebt sich hinter dem Wirbel der
bereits erwähnte Seitenzahn, von welchem ebenfalls eine nach rückwärts sich
ziehende, aber sehr enge Furche sich hinzielt, Die Muscheleindrücke kreis-
förmig, klein und seicht, der Mantelrand ganz. E. Bohemica unterscheidet
sich einerseits durch die Gestalt der Schale, anderseits durch die Ausbildung
des Schlosses von den übrigen Arten des Genus Erycina. Es unterliegt daher
keinen besonderen Schwierigkeiten, handelt es sich darum, diese Art von den
aus dem einheimischen Miocaen bereits bekannten Formen fern zu halten.
Dabei überzeugt man sich stets, dass dieselbe der in der dortigen Sandfacies
ziemlich häufig auftretenden und darin verbreiteten Art E. Austriaca noch
am nächsten steht. Vergleicht man jedoch ihre Schalen etwas genauer, erkennt
man hinlänglich, dass die vorliegende Species bereits durch die Gestalt, resp.
durch den Umriss der Klappen, ferner aber auch durch die Ausbildung des
Schlosses von E. Austriaca abweicht. Noch schärfer tritt der Unterschied zu
Tage, wenn man E. Bohemica der ebenfalls auf die Sandfacies unseres
Miocaens beschränkten Species E. ambigua gegenüber stellt. E. Bohemica ist
im Rudelsdorfer Tegel ziemlich häufig; ihre Klappen finden sich darin sehr
schön erhalten, gleichzeitig kommt sie aber auch im brackischen Tegel von
Abtsdorf vor, worin sie ebenfalls eine häufige Erscheinung ist, und deren Schalen
sich darin eines sehr hübschen Erhaltungszustandes erfreuen.
Cardita rudista, Lamarck. (1860. Cardita divericosta A. E. Reuss, loc. cit. 9
248, Tab. VIII, Fig. 16. — 1870. М. Hoernes, II. Theil. loc. cit. S. 268,
Tab. XXXVI, Fig. 2.) A. E. Reuss bemerkt in der Beschreibung dieser Art,
dass dieselbe in dem Rudelsdorfer Tegel häufig ist. Diesmal ist es mir jedoch
nicht gelungen, auch nur eine Spur von ihren Schalen zu entdecken. Gewiss
mit Reicht stellt A. E. Reuss in der oben erwühnten Monografie diese Species
als eine für die Leithakalkfacies charakteristische dar, die in den heimischen
Tegeln nur mehr selten anzutreffen ist; dieser Ansicht pflichte ich um 80
mehr bei, als ich bezüglich ihrer Verbreitung im mährischen Miocaen zu
ähnlichen Resultaten gelangt bin. Für diese Anschauung spricht nämlich der
Umstand, dass diese Art in dem Mergel von Jaromöfice und Drnovice, der
sich in vielfacher faunistischer Beziehung an die Seite des Mergels von
Porstendorf stellt, von wo dieselbe von Reuss angeführt wird — zu Hause
ist, wogegen dieselbe in den dortigen tieferen Tegeln noch mirgends anzu-
treffen war. Aus Mähren übergeht sie in die miocaenen Gebilde von Nieder-
oesterreich (Grinzing, Nussdorf, Heiligenstadt, Gainfahren, Baden, Möllersdorf:
Marx) von dort in diejenigen von Siebenbürgen (Lapugy), von Galizien
(Tarnopol, Oleszko) und von Wolhynien (Zukowee und Zalisce). Ferner ist sie
bekannt aus den Tertiaergebilden von England, von Italien, Rhodos und Cypern:
Cardita Partschi, Goldfuss. (1860. A. E. Reuss, loc. cit. S. 248. — 1870. M
Hoernes, II. Theil, S. 270, Taf. XXXVI, Fig. 3.) Diese Art erfreut sich in
den Mergeln, namentlich in den dem Leithakalke eingelagerten Mergelbänkel
einer bedeutenden individuellen Entfaltung, dagegen in den Tegeln gehört 816
131
zu den Seltenheiten. ber auch т unseren ostbóhmischen Miocaentegeln
kommt diese Form den bisherigen Erfahrungen entsprechend, selten vor.
Wenigstens spricht dafür das von Reuss erhaltene Resultat, welches ihn zu
der Bemerkung bewogen hat, dass Cardita Partschi in dem Rudelsdorfer
Tegel sehr selten zu finden ist. Dieser Anschauung pflichte vollinhaltlich bei,
denn es ist mir darin nieht gelungen deren Klappen festzustellen, [trotzdem
ich eifrig nach ihnen geforscht habe. Aus dem ostböhmischen Miocaen lässt
sich diese Art durch das Miocaengebiet von Mähren (Drnovice, Sudice, Alt
Rausnitz, Hrušovany, Nikolsburg) nach Niederoesterreich (Steinabrunn, Nieder-
leis, Grinzing, Pötzleinsdorf, Vöslau, Möllersdorf, Grund ete.), dann nach
Ungarn (Purbach, Ritzing, Szobb), ferner nach Siebenbürgen (Lapugy, Bujtur),
Serbien (Rakovica nächst Belgrad), Steiermark (Pólls) dann nach Galizien
und Wolhynien verfolgen. Ausserdem ist sie in den Miocaensedimenten der
Umgebung von Perpignan, Dax, Bordeaux und in jenen der Umgebung von
Turin (Italien) zuhause.
Cardita ealyeulata, Linné. (1860. А. E. Reuss, loc. cit. 5. 250. — 1870. M.
Hoernes, II. Theil, loc. сіб. S. 274, Taf. XXXVI, Fig. 7. Auch von dieser
Art bemerkt A. E. Reuss, dass dieselbe in dem Tegel von Rudelsdorf selten
vorkómmt und darin durch Individuen vertreten ist, deren Klappen kleinere
Dimensionen aufweisen, als anderswo in unserem heimischen Miocaen. M.
Hoernes schreibt in seiner oben angeführten Monographie, dass C. calyculata
im oesterreichischen Miocaen auf die Sandfacies (Grund und Pötzleinsdorf)
beschränkt ist; seit der Zeit jedoch ist sie aber auch im Tegel von Lapugy
entdeckt, was ich hier blos registrire und dem Auftreten derselben im Grunder
Sande anschliesse, und dies nur deshalb, um zu zeigen, dass man sich selten
auf die nur in einer bestimmten Facies auftretenden Arten verlassen kann.
Ausserdem wurde C. calyculata in den Miocaengebilden von Frankreich
und von Italien nachgewiesen. Lebt im Mittelmeere.
Cardita scalaris, Sowerby. 1860. A. E. Reuss, loc. cit. 8. 248 -— 1870. M. Hoernes,
II. Theil, S. 274, Taf. XXXVI, Fig. 12.) Auch diesmal wurde im Rudelsdorfer
Tegel von dieser in der Leithakalkfacies sehr verbreiteten Form nur mehr
eine kleine, linke Klappe entdeckt. Wie ferner bekannt ist, beschränkt sich
C. sealaris nicht nur auf die Leithakalkfacies, sondern greift auch in die
des Tegels über, wo sie jedoch zu den Seltenheiten gehört, immerhin aber
ist ihre Verbreitung auch in den Tegeln eine ziemlich bedeutende. Im müh-
rischen Miocaengebiete wurde dieselbe in dem Mergel von Drnowice, Sudice,
Alt Rausnitz, Nikolsburg, dann in dem Tegel von Bora& etc. nachgewiesen;
von hier kaun man sie in das Miocaen von Niederoesterreich (Steinabrunn,
Porzteich, Grinzing, Gainfahren, Forchtenaa, Baden, Loos, Grund etc.), ferner
in desjenige von Galizien, Russisch-Polen und Siebenbürgen verfolgen ; ausser-
dem wurde sie in den Tertiaergebilden von Italien, gäeren England und
Südamerika festgestellt.
Nucula nucleus, Linné. (1860. A. E. Reuss, l c. S. 245—1870. M. Hoernes,
l c. IL, S. 297, Taf. XXXVIII, Fig. 2.) Das vorliegende winzige Bruch-
Stück aus dem Audelsdorfer gelben Tegel mag etwa einem kleinen Indivi-
Ok
duum angehören, einem kleineren als wir solchen in den Tegeln z. D von
Boraé in Mähren oder von Baden in Niederoesterreich begegnen. Nicht nur
in diesen Tegeln, sondern auch in den Mergeln und Sanden ist diese Art im
heimischen Miocaen zuhause, wo sie die grösste individuelle Entfaltung in
den Sanden von Grund und Grussbach erreicht. Durch Mähren (Porstendorf,
Jaroměřice, Lažánky, Borač, Alt-Rausnitz, Nikolsburg, Grussbach) kann man sie
nach Niederoesterreich (Grund, Niederkreuzstätten, Pötzleinsdorf, Speising),
nach Galizien (Wieliczka, Potiliez, Holubica, Olesko), Wolhynien (Stankowce,
Salisze) und bis nach Siebenbürgen (Lapugy, Bujtur) verfolgen. Ferner die
Tertiaerschichten von Rhodos, Isthmos, Korinth, Sicilien, Italien, von der
Schweiz, von England werden als ihre Fundorte angeführt. Heutzutage lebt
sie in allen europäischen Meeren.
Nucinella ovalis, Wood. (1860. Nuculina ovalis A. E. Reuss, 1. с. S. 244, Taf.
IV., Fig. 4. — 1870. Nucinella ovalis M. Hoernes, 1. c. II. 201, Taf. ХХХУШ.,
Fig. 3.) Diese seltene Art entdeckte im Rudelsdorfer Tegel bisher nur Reuss.
Doch auch anderwürts ist sie nur in wenigen Exemplaren bekannt, so z. B.
aus den Sanden von Forchtenau und den Tegeln von Lapugy.
Leda fragilis, Chemnitz, (1860. Leda minuta, A. E. Reuss, 1. c. 8. 255. — 1810.
Г. fragilis M. Hoernes 1. c. П. S. 307, Taf. XXXVIIL, Fig. 8.) Sechs mehr
oder minder gut erhaltene Bruchstücke ist es diesmal gelungen, aus dem gelben
Tegel von Rudelsdorf herauszuschlemmen. Wenn wir ihre Merkmale eingehend
betrachten, überzeugen wir uns bald, dass sie erwachsenen, ebenso grossen
Individuen angehóren, wie aus zahlreichen Fundorten des heimischen Miocaens
vorliegen. In der tegeligen, mergeligen und auch sandigen Facies ist diese
Art zuhause. Die grösste individuelle Entfaltung erreicht sie in den Tegeln,
während sie in den Mergeln und namentlich in den Sanden selten ist. Sie ist
von überaus zahlreichen Fundorten bekannt. Es seien hier nur einige wichtigere
angeführt: Porstendorf, LaZánky, Jaroméfice und Porzteich (Mähren), Baden,
Loos, Vöslau, Steinabrunn, Grund (Niederoesterreich), Marx, Forchtenau, Szobb
(Ungarn), Korod, Lapugy, Bujtur (Siebenbürgen), Wieliezka, Lemberg (Ga-
lizien), Zalisce (Wolhynien). Aus den auswärtigen Tertiaerablagerungen ist sie
von der Insel Rhodos, von Sicilien, Italien, Frankreich und Belgien bekannt.
Bisjetzt lebt sie im Mittelländischen und Adriatischen Meere.
Fig. 38. Leda nitida, Вгосс. Rudelsdorf. */, vergrössert. Linke Schale.
Leda nitida, Brocchi. (1860. A. E. Reuss, 1. c. S. 245. — 1810. M. Hoernes Il.
l c. 8. 308, Taf. XXXVIII., Fig. 9.) Fig. 38. — Schön erhaltene Schalen
dieser Art, welche in der sandigen, mergeligen und tegeligen Facies des hei-
mischen Miocaens verbreitet ist, wurden auch diesmal aus dem Tegel von Ru-
183
delsdorf herausgeschlemmt. Drei Schalen von verschiedenen Individuen wurden
gefunden. Alle sind tadellos und verschieden gross. Daraus schliesse ich, dass
es auch im hiesigen Miocaendepót Exemplare von Dimensionen z. D. der Ba-
dener Individuen gibt. Aus den mährischen Tegeln (Lažánky, Borač) und san-
digen Mergeln (Vejhon bei Gross-Seelowitz und Grussbach) geht diese Art in
die Tegel von Baden und Sande von Grund über. Ferner ist sie aus den
Tertiaerablangerungen von Sicilien, Corfu, Italien und Frankreich bekannt.
Area Noae, Linné. (1860. A. E. Reuss, 1. c. S. 241. — 1870. M. Hoernes,
Ате
П. Theil, 1. c. S, 324, Taf, XLIL, Fig. 4.). Fig. 39. — А. E. Reuss fand von
dieser Art im ZAudelsdorfer Tegel nur Bruchstücke; mir gelang es, aus dem-
selben eine schön erhaltene Klappe von einem jungen Individuum herauszu-
Schlemmen. Ich habe sie hier stark vergróssert abgebildet. Auf den ersten
Bliek scheint sie von den bekannten Typen etwas abzuweichen. Diese Unter-
Fig. 39. Arca Noae, Linné. Rudelsdorf. ?/, vergróssert. Rechte Schale.
Schiede werden zu nichts, wenn wir sie sorgfältig beobachten und die Form
der Rippen und Anwachsstreifen dieser Schale mit den Rippen der jungen
Individuen aus südlichen Fundorten vergleichen. Es erscheint uns dann die
Oberflächenbeschaffenheit unserer Klappe als eine einfache, während wir die
Rippen und ihre Queranwachsstreifen als verstärkt und theilweise durch eine
Verschmelzung von mehreren Streifen entstanden erkennen. Je älter das Indi-
viduum, desto mehr weicht es von unserem Individuum ab, und zwar gerade
durch die ehen erwähnten Merkmale. A. Noae kommt noch am häufigsten in
den Leithakalkmergeln (Steinabrunn, Gainfahren, Niederleis) vor, während sie in
den Tegeln (Lapugy) und Sandmergeln (Grussbach) selten ist. In den auswärtigen
liocaensedimenten ist sie bedeutend verbreitet; sie wird in der Litteratur aus
den Inseln Rhodos und Cypern, aus dem Isthmus, aus Italien, Sardinien und
Frankreich angeführt. Sie lebt im Adriatischen und Mittelländischen Meere.
a barbata, Linné. (1860. Arca Helbingi, A. E. Reuss, l. c. S. 243, Taf. IV.,
Fig, 6, — 1870. А. barbata М. Hoernes, П. Theil, S. 327, Taf. XLII., Fig.
6-11.) Nach A. E. Reuss ist diese Art im Rudelsdorfer Tegel háufig. Er be-
Schreibt und bildet hier eine schön erhaltene Schale ab, welche lebhaft an die
Schalen aus dem dunkeln Tegel von Borač in Mähren erinnert. Diesmal ist
es nicht gelungen, im Rudelsdorfer Tegel auch nur ein Bruchstücklein dieser
Art zu entdecken. Wie auf diesem Fundorte, ist sie auch anderswo in den
mährischen Tegel- und Mergeldepöts sehr selten. Nur in den Grunder Sanden
ommt sie in einer grösseren individuellen Menge vor. Aus dem niederoester-
reichischen Miocaen geht A. barbata in das Miocaen von Steiermark (Um-
gebung von Wildon), Siebenbürgen, Galizien, Wolhynien, dann in dasjenige von
der Schweiz, von Frankreich, Italien, Sicilien, Rhodos und Cypern über. Heut-
zutage lebt sie im Adriatischen und Mittelländischen Meere.
Arca Bohemica, Reuss. (1860, l. c. S. 241, Taf. IIL, Fig. 13). Sie wurde bisjetzt
im Rudelsdofer Tegel nur von Reuss entdeckt. M. Hoernes thut von ihr in
seiner grossen Monographie keine Erwähnung. Diesmal blieben alle Versuche,
im Schlemmrükstande des Rudelsdorfer Tegels ihre Schalen aufzufinden erfolglos.
Arca diluvii, Lamarck. (1860, A. E. Reuss, l c. S. 241. — 1870 M. Hoernes,
l c. IL, S. 333, Taf. XLIV, Fig. 3.) Es wurde ein Bruchstück von einem
erwachseneren Individuum aus dem Tegel von Rudelsdorf herausgeschlemmt ;
ganze Schalen wurden nicht entdeckt. euss sind junge, von den Typen aus
den südlichen Fundorten etwas abweichende Individuen bekannt. A. diluvi
kommt in allen Facien vor. Die grösste individuelle Entfaltung hat sie in der
Leithakalkfacies, namentlich im südmährischen und niederoesterreichischen Ge-
biete, erreicht. Hier wie dort und dann im Miocaengebiet von Steiermark, Krain,
Ungarn, Siebenbürgen, Serbien, Russisch-Polen ist sie an zahlreichen Fund-
stellen zuhause. Doch auch über die auswärtigen Tertiaerablagerungen ist sie
weit verbreitet; sie kommt in Frankreich, in der Schweiz, in Italien, auf der
Insel Corfu und in Algerien vor.
Arca lactea, Linné. (1860. Arca nodulosa A. E. Reuss 1. c. S. 246. — 1870 A.
lactea M. Hoernes П. Theil, 1. с. S. 336, Taf. XLIV., Fig. 6.) Aus dem Rudels-
dorfer Tegel wurden zwei Bruchstücke herausgeschlemmt. Die Dimensionen
derselben und die Dieke ihrer Schalenwand bezeugt, dass sie grossen Indivi-
viduen angehóren, in dem sie die Dimensionen der Individuen aus den Mergel-
einlagerungen des Leithakalks besitzen. A. lactea ist in den Mergeleinlage-
rungen des heimischen Leithakalkes (Sudice, Drnovice, Mikulov, Gainfahren
u. 8. w.) eine bekannte Erscheinung, eine seltene jedoch in den Sanden z. В.
von Grund, in den Sandmergeln z. B. von Grussbach und in den Tegeln von
Móllersdorf. In diesen Verhältnissen kommt sie dann im Miocaen von Steier-
mark, Ungarn, Siebenbürgen und Galizien vor. Im auswärtigen Tertiaer ist sie
ebenfalls bedeutend verbreitet, sie wird von zahlreichen Fundorten von Italien,
Frankreich, auch in denen von der Schweiz, von Wolhynien, von England,
von den Iseln Rhodos und Cypern angeführt. Sie lebt an den Küsten von
Britannien, Nord-Spanien, Portugal, im Mittelländischen und Adriatischen Meere.
Area elatbrata, Defrance. (1860. A. E. Reuss 1. с. 8. 240. — 1870. M. Hoernes,
VI. Theil, 1. с. S. 340, Taf. XLIV., Fig. 10.) Ganze Schalen von dieser im
heimischen Miocaen fast auf die Mergeleinlagerungen des Leithakalkes be-
schränkten Art wurden bisher im Zudelsdorfer Tegel nicht gefunden, Die zwei
herausgeschlemmten Bruchstücke sind von verschieden alten Individuen. Das
grössere von ihnen gehört einem Individuum von normalen Dimensionen an
Reuss hebt hervor, diese Art sei auf unserem böhmischen Fundorte klein und
selten. Ausser den Mergeln von Steinabrunn und Jaroméfice wird sie auch
aus den Sandmergeln von Porstendorf und den Sanden von Pótzleinsdorf angeführt,
ferner noch aus dem Tegel von Lapugy und Bujtur, aus dem Tertiaer von
135
Frankreich, Italien, Rhodos und Cypern. Ob sie im Mittelmeere lebt, ist
bisher unentschieden.
Area pseudolima, Reuss. (1860, 1. c. S. 239, Taf. IV., Fig. 2.) Auch diese Art
führt M. Hoernes in seiner grossen Monographie nicht an. Ich beschränke
mich nur auf die Bemerkung, dass ich in dem Tegel von Rudelsdorf nach
ihren winzigen Schalen umsonst geforscht habe. Ebenfalls wurde auf den
zahlreichen Fundorten Mährens von ihr keine Spur entdeckt. Reuss schreibt
von ihr, sie sei auf unserem böhmischen miocaenen Fundorte sehr selten.
Fig. 40. Modiola Hoernesi, Reuss. Rudelsdorf. ??/, vergróssert.
Modiola Hoernesi, Reuss. (1870. M. Hoernes 1. c. IL, S. 347, Taf. XLV., Fig. 2.)
Fig. 40. — In den Bereich dieser Art stelle ich vorläufig eine winzige, aus
dem Rudelsdorfer Tegel herausgeschlemmte Schale, trotzdem sie einige von
den Typen abweichende Merkmale besitzt. Sie unterscheidet sich von ihnen
einerseits durch den allgemeinen Umriss, andererseits durch kleinere Dimen-
віопеп und dann auch durch eine äusserst dünne Schalenwand. Ob diese Merk-
male wesentlich oder nebensüchlich und untergeorgdnet sind, darüber wird eine
künftige Forschung auf Grund von einem reicheren Materiale, als das vor-
liegende ist, zu entscheiden haben.
Modiola biformis, Reuss. (1860 1. c. S. 239, Taf. IV., Fig. 3. — 1870 M. Hoernes,
l. c. IL, S. 348, Taf. XLV., Fig. 4) Von A. Е. Reuss zuerst im Rudelsdorfer
Tegel entdeckt, wurde diese Art später von M. Hoernes im Mergel von Steina-
brunn, Gainfahren, im Tegel von Möllersdorf sichergestellt und ausserdem
wurden zahlreiche Schalen von ihr in den Tegeln Siebenbürgens gefunden.
Diesmalaber wurde keine einzige Schale dieser hübschen Art im Schlemmrück-
Stande des Rudelsdorfer Tegels gefunden. Dieser Umstand bestütigt meine
Vermuthung, das der Ausspruch Reuss über das Vorkommen dieser Art auf
unserem bóhmischen Fundorte richtig ist.
9diola marginata, Eichwald. (1860. A. E. Reuss, 1. c. S. 239. — 1870 M.
Hoernes, 1. c. П. 8. 351, Taf. XLV., Fig. 6.) Aus dem Zudelsdorfer Tegel
Wurde eine winzige, ziemlich günstig erhaltene Schale dieser Art herausge-
Schlemmt ; sie ist nur 2 mm breit. Ich kann auf Grund dieser Schale nicht
entscheiden, ob alle Individuen dieser Art so waren wie diese Schale erscheint,
nämlich verkümmert. Ich halte unter Beachtung anderer Arten von Rudels-
dorf einen solchen Schluss für voreiltig. Eher meine ich, dass die vorliegende
Schale einem ganz jungen Individuum gehört. Es sei jedoch bemerkt, dass
man unter dem Mikroskop fast alle Merkmale erwachsener Individuen zu be-
Merken vermag. Doch auch dieser Umstand ist in unserem Falle nicht mass-
gebend. Ich überlasse absichtlich diese problematische Frage der Zukunft,
indem ich fest überzeugt bin, dass sie gelöst werden wird, aber nur auf
Grund eines reichen Materials. Diese Art ist für unsere Rudelsdorfer Fund-
stätte und gleichsam für das ganze böhmische Miocaengebiet interessant. Sie
interessiert vorerst deshalb, weil sie eine lange und lange Zeit hindurch, und
zwar richtig, für ein Leitfossil der sarmatischen Stufe gehalten wurde, in
welcher sie in einer grósseren individuellen Menge im sogenannten Hernalser
Tegel, dann in den Sanden von Wiesen unweit Mattersdorf u. a. sichergestellt
wurde. Gegen Süden erstreckt sich ihre Region in die Tertiaerablagerungen von
Süd-Steiermark, gegen Osten in die Umgebung von Pest, in das Comitat
Borsod, gegen Norden und Osten nach Galizien, Wolhynien "und Bessarabien.
Pecten substriatus, d’Orbigny (1860. Pecten pusio A. Е. Reuss, 1. c. S. 236, Taf. IV.,
Fig. 9. — 1870 Pecten substriatus M. Hoernes. IL Theil, 1. с. б. 408, Taf.
LXIV., Fig. 2.) Im Rudelsdorfer Tegel nur von Reuss sichergestelt. Die Schalen
wurden als sehr kleine Dimensionen besitzend und sehr leicht zerstórbar ge-
funden. Diesmal wurden von ihnen keine selbst kleinsten Bruchstücklein ge-
funden. Р. substriatus geht aus dem böhmischen Miocaen in das mährische
über, wo er in den mergeligsandigen Sedimenten von Porstendorf und in den Mer-
geln von Grussbach sichergestellt wurde. In den letzteren verbreitet er sich
dann über Niederoesterreich (Steinabrunn, Gainfahren, Marz u. s. w.), wo er
auch in den Grunder Sanden vorkommt. Aus diesen Sanden lässt er sich in
den Sand des Horner Beckens, namentlich von Burgschleinitz, Meissenan
u. 8. w. verfolgen, von dannen in die Miocaengebiete von Steiermark, Un-
garn, Danat, Siebenbürgen und Wolhynien. Ausserdem wird er aus dem fran-
züsischen, schweizerischen und englischen Tertiaer angeführt.
Pecten Malvinae, Dubois. (1860. Peeten opercularis. A. E. Reuss, 1. с. S. 236.
— 1870 P. Malvinae M. Hoernes, l. c. IL. S. 114, Taf. LXIV., Fig. 5.) Nach
А. Е. Reuss ist diese Art im Rudelsdorfer Tegel sehr selten. Er bemerkt, er
habe winzige Schalen von geringen Dimensionen gefunden, welche eine kleinere
Anzahl von Rippen als die Individuen aus den Fundorten des südlichen
Miocaengebietes besassen. P. Malvinae ist in der Leithakalkfacies weit ver-
breitet. In Mähren wurde er in den Mergeln von Gross-Seelowitz, Austerlitz,
Drnovice und Sudice, in Niederoesterreich in der Umgebung von Grund,
Pötzleinsdorf, Gainfahren u. s. w. entdeckt, auch in den Sanden des Horner
Beckens ist er anwesend und erreicht in den Sanden von Grübern eine s0
starke Entfaltung, dass er dort ganze Schichten zusammensetzt. Er wurde
dort in der Umgebung von Mailberg, Loibersdorf, Molt, Burgschleinitz u. s. w.
nachgewiesen. Auch im auswärtigen Miocaen ist er bedeutend verbreitet.
Desgleichen ist er in den Miocaensedimenten von Steiermark, Polen und Un-
garn zuhause. Der Miocaen von Frankreich (Touraine, Perpignan, Barcelona,
die Sande der Gegend von Bordeaux), Baiern, der Schweiz, Wolhynien hat
seine Schalen in Fülle geliefert.
Pecten elegans, Andrz. (1860. Pecten sarmentilius A. Е. Reuss, 1. c. S. 326. — 1870.
P. elegans М. Hoernes, II. Abth., 1. с. S. 416, Taf. LXIV., Fig. 6.) Auch diese
Art gelang es bisher nur A. Æ. Reuss im marinen miocaenen Tegel Böhmens
131
Sicherzustellen. In den Schlemmrückstünden, die ich bisher zur Verfügung
hatte, habe ich nicht einmal winzige Schalen von kleinen Individuen gefunden,
von denen Reuss in der hier angeführten Arbeit Erwähnung thut. Reuss be-
merkt, seine Schalen kommen im Rudelsdorfer Tegel ziemlich häufig vor.
Meine Erfahrungen widersprechen diesem; doch beachtet man die Umstände,
unter welehen dieselben gewonnen wurden, so führt man diese Resultate auf
ein richtiges Mass zurück. Auch P. elegans ist im heimischen Miocaen sehr
verbreitet. Sein eigener Rayon ist die Leithakalk- und dann die Sandfacies. In
den Tegeln ist er selten. Sehr häufig wurde er in den Mergeln von Grinzing,
Nussdorf, Heiligenstadt, Gainfahren, Kostel, Steinabrunn, Nikolsburg und Ze-
rütky (Mähren) gefunden, dann in den Sanden von Gainfahren, Burgschleinitz,
Meissenau. Ausserdem ist er im Miocaengebiet von Steiermark, Ungarn, Sie-
: benbürgen, Galizien und Serbien zuhause.
Spondylus heteraeanthus, A. E. Reuss. (1860. l c. S. 237, Taf. V., Fig. 1.)
Im Rudelsdorfer Tegel bisher nur von А. E. Heuss entdeckt. Es wurden zwei
rechte Schalen gefunden. M. Hoernes thut von ihnen im II. Theile seiner
Schrift über die tertiaeren Fossilien des Wiener Beckens keine Erwähnung.
Er dürfte sie nicht zur Hand gehabt haben. A. E. Reuss behauptet, die
Rudelsdorfer Schalen weichen von den Lapugyer ab. Ich registriere nur diesen
Ausspruch. Vielleicht wird eine künftige Zeit in dieser Sache entscheiden.
Spondylus Gussonei, Costa. (1860. A. E. Reuss 1, c. S. 237, Taf. IV, Fig. 8.)
Diese Art ist bisher nur aus den Rudelsdorfer Tegeln bekannt, anderswo in
miocaenen heimischen Gebieten wurde sie nicht entdeckt. Im böhmischen
Gebiete hat sie Reuss sichergestellt, wo er eine linke obere Schale fand.
Ostrea cochlear, Polih. (1870 М. Hoernes, II. Theil, l. c. S. 435, Taf. LXVIII,
Fig. 1—3.) Ein grosses Bruchstück einer linken (grösseren unteren) Schale
wurde im Rudelsdorfer Tegel entdeckt. Von gleich grossen Schalen aus anderen
Fundorten ist sie nicht zu unterscheiden. Die Übereinstimmung ist gross und
offenbar. Sie besteht nicht nur in der Grósse, sondern auch in der Dicke der
Schale und überhaupt im ganzen üusseren Charakter. Bisher war diese Art
aus dem böhmischen Miocaen nieht bekannt. Nach den bisherigen Erfahrungen
ist sie daselbst selten, doch etwa so selten wie in den Mergeln und Mergelein-
lagerungen des Leithakalkes. O. cochlear ist im heimischen Miocaen weit und
breit verbreitet, und zwar in allen Facien. Aus Böhmen geht sie nach Mähren
über (Porstendorf, Jaroměřice, Drnovice, Lysice, Lažánky, Borat, Lomnička,
Kostel, Pozořice u. s. w.), von dannen nach Niederoesterreich (Steinabrunn,
Grinzing, Sievering, Nussdorf u. m. a.), dann nach Ungarn (Forchtenau, Marx,
Margarethen, Kostej usw., Steiermark, Kroatien, Siebenbürgen, Galizien,
Oberschlesien. Ferner ist sie aus den tertiaeren Sedimenten von Italien, Corfu
v ARES Sie lebt im Mittelmeere.
x oblayi, Deshayes, (1870, M. Hoernes, П. Theil 1. c. S. 444, Taf. LXX.,
Fig. 1—4.) Fig. 41. — Die Abtsdorfer Exemplare dieser Art weichen vom Typus
dureh untergeordnete Merkmale ab; am meisten jedoch durch die allgemeine
l'orm, die vielfach sehr veründerlich ist, und auch dureh das Schloss, dessen
Dimensionen gewöhnlich kleiner sind als bei den Typen. Trotzdem kann man
138
jedoch nicht umhin, sie in den Bereich dieser Art einzureihen. Sie haben so viele
gemeinsame Merkmale, dass es keine schwierige Aufgabe ist, ihre systematische
Stellung richtig anzugeben. Um ein Beispiel anzuführen, woraus erhellen móchte, wie
die Gestalt der Schale Veründerungen unterliegt, bildete ich hier eine rechte
Schale eines mittelgrossen Individuums ab, welche, wie es nicht nöthig ist
besonders hervorzuheben, sehr schón erhalten ist, wie überhaupt das ganze
Austernmaterial von Abtsdorf als ein der Durchforschung sehr günstiges zu
bezeichnen ist. A. Е. Reuss führt diese Art in der Monographie von M.
Hoernes aus dem Tegel von Triebitz an. Das Gebiet dieser Art im heimischen
Fig. 41. Ostrea Boblayi, Desh. "Triebitz. Eine rechte Schale in der nat. Grösse.
Miocaen ist kleiner als dasjenige der vorigen Art. Sie ist im mührischen
Miocaen selten. Bisher wurde sie dort nur in den Mergeln von Gross-Seelo-
witz und Nikolsburg entdeckt. Auch in Niederoesterreich ist sie, soweit
bekannt, auf die Mergel von Steinabrunn und Grosshóflein und auf die Sande
von Gauderndorf und Bischofswart beschränkt. Aus dem auswärtigen Miocaen
wird sie von Cilicien, Lycien, von den Ufern des Tajo, von der Insel Майа,
von Algerien, von den Inseln Cypern und Kreta angeführt.
Ostrea digitalina, Dubois. (1860. Ostrea Meriani A. E. Reuss, l с. S. 988
Taf. V, Fig. 3—4, 6. — 1870 О. digitalina М. Hoernes, 1. c. II, S. 447,
Taf. LXXIII, fig. 1—9.) A. E. Reuss führt diese Art aus dem gelben Tegel
von Rudelsdorf an. Er fand sie daselbst durch sowohl kleine als auch grosse
Individuen vertreten. Mir gelang es, hübsch erhaltene Schalen dieser Art Ш
einer reichen, von Prof. Dr. A. Frič von Abtsdorf gebrachten Collection ZU
139
finden. Der gründlichen Beschreibung der Rudelsdorfer Individuen in der
oben angeführten Arbeit von Reuss füge ich über die Abtsdorfer Exemplare
nur eine kleine Bemerkung bei, und zwar, dass die Oberfläche der linken
Schalen selten mit hervortretenden Rippen bedeckt- ist. Häufig zieren nur
schwach angedeutete Rippen die Oberfläche dieser Schalen; manchmal sind
diese so schwach, dass die Oberfläche rippenlos scheint. Die Art O. digitalina
ist im Abtsdorfer Tegel ausser der О. giengensis und О. crassissim« am
häufigsten. Dagegen ist sie auf den übrigen böhmischen miocaenen Fundorten
selten und wurde bisher nicht entdeckt. Verbreiteter als hier ist sie im Miocaen-
F | |
ig. 42. Ostrea giengensis, Schloth. sp. Abtsdorf. a linke, b rechte Schale von innen, verkleinert.
2/, der nat. Grösse.
gebiet von Mähren (Porstendorf, Lysice, Borač, Alt-Rausnitz, Pozořice, Kostel,
Nikolsburø) ; von Niederoesterreich (Umgebung von Wien, Steinabrunn, Bischofs-
wart, Grund usw.); vom Horner Becken (Eggenburg), von Ungarn (Oedenburg,
Marx, Margarethen etc.), von wo sie in das Miocaen von Steiermark, Slavo-
men, Istrien, Banat, Siebenbürgen, Galizien, Baiern u. a. übergeht. Ferner
Wurde sie in den tertiaeren Sedimenten von Frankreich, Belgien u. a. be-
Obachtet.
0 А
strea giengensis, Schlotheim sp. (1860. Ostrea Cyrnusi A. E. Reuss l. c. S.
230, Taf. VII. Fig. 1. — 1870. O. giengensis M. Hoernes, ЇЇ. Theil, l. c. 8.
452, Taf. LXX VIII, Fig. 1; LXXIX, Fig. 1, 2; Taf. LXXX, Fig. 1.) Fig. 42. —
140
Die hier abgebildete linke Schale gehört einem ungewöhnlich grossen Indivi-
duum. Wenn man sie mit Schalen von anderen Fundorten, namentlich aus den
südlichen Gebieten, vergleicht, so überzeugt man sich leicht, dass die kleineren
den dortigen Schalen von mittelgrossen Individuen entsprechen. Ich habe sie
hier auch deshalb abgebildet, damit die Auschauung von der Beschaffenheit
des Muskeleindruckes documentiert werde, welcher sozusagen die Mitte der
Längsaxe einnimmt und gegen aussen hin verschoben ist. Darauf muss ich
gleichzeitig die Bemerkung anknüpfen, dass bei einigen, namentlich bei den
unregelmässig gewachsenen Individuen von Abtsdorf der Muskeleindruck in
der Regel gegen den Vorderrand verschoben ist, manchmal so weit, dass e$
den Eindruck macht, wie wenn sie in den Bereich der Art O. crassissima
gehóren und ihr junges Stadium vorstellen móchten. Doch bald überzeugt
man sich, dass dies nicht der Fall ist, dass diese Schelen wirklich in den
Bereich dieser Art gehóren. Dafür bieten immer die auffallendsten Belege die
von den Schlössern der О. crassissima leicht unterscheidbaren Schlösser, Die
Art О. giengensis ist im Tegel von Abtsdorf überaus häufig. Sie setzt dort
fast eine Bank zusammen. Manchmal grübt man ganze Schollen von ver-
wachsenen Schalen in der natürlichen Lage aus. Ganze entwickelungsge-
Schichtliche Reihen lassen sich aus dem mir vorliegenden Materiale zusammen-
stellen Diese begründen zur Genüge die Ansicht, dass dem Abtsdorfer Tegel
Schalen von mehreren Arten eingelagert sind. Diese Art ist auch im Rudels-
dorfer Tegel zuhause. Häufig ist sie dort nur in der sandigen Einlagerung
der kleinen Kuppe, auf welcher das Wüchterhaus am Rudelsdorfer Eisenbahn-
einschnitt steht. Auch die dortigen Individuen erreichen keine grösseren
Dimensionen als die Abtsdorfer. Sie sind schlecht erhalten, zerfallen gleich,
sobald man sie іп die Hand nimmt oder aus dem Tegel herauspraepariert-
O. giengensis ist sowohl in dem heimischen, als auch in dem auswärtigen
Miocaen weit verbreitet. Aus den Loibersdorfer Sanden kann man sie bis in
den Lithothamnienka!kstein und von dannen in die Sande der sarmatischen
Stufe verfolgen. Im Horner Becken kommt sie ausser den Loibersdorfer Sanden
auch in denjenigen von Dreieichen, Eggenburg, Thallern vor; in Mähren
findet sie sich in den Mergeln von Nikolsburg, in Niederoesterreich in den
Mergeln von Nussdorf u. s. w. Ebenfalls ist sie in Ungarn, Steiermark:
Kroatien, ferner in den Tertiaerablagerungen von Frankreich, der Schweiz
Italien, Kleinasien u. a. verbreitet.
Ostrea erassissima, Lamarck. (1870. M. Hoernes, II. Theil, 1. c. S. 455, Taf.
LXXXL, Taf. LXXXIL, Fig. 1, 2, Taf. LXXXIIL, Fig. 1, 3, Taf, LXXXIV.)
Diese Art führte aus den böhmischen Miocaensedimenten A. E. Reuss in
Hoernes Monographie über die Mollusken des Wiener Tertiaerbeckens in die
Litteratur ein. Er stellte ihre Vertreter im Tegel von TYiebitz sicher. Die
auffalende Dicke und Grösse einiger Schalen aus dem Abtsdorfer Tegel hat
mich genöthigt, sie in den Bereicht dieser Art einzureihen. Diese Ansicht hat
namentlicht eine durch ihren Charakter von den Schalen der vorigen Art
auffällig abweichende Schale bestätigt. Diese sind nie so dick und besitze!
kein so starkes Schloss wie jene. Eine endgiltige Entscheidung darüber be
141
halte ich mir für die Zukunft vor, bis ich ein reicheres und besser erhaltenes
Material aus unseren böhmischen mioeaenen Fundorten vor der Hand haben
Werde. O. crassissima wird von zahlreichen Fundorten des heimischen Miocaens
angeführt. Grosse Individuen finden sich oftin den Sanden des Horner Beckens
(Nondorf, Holenstein, Kieuberg bei Eggenburg u. s. w.). Auch in den Mergeln,
namentlich in den sandigen, ist sie häufig; sie ist aus dem Mergel von Steina -
brunn, Niederleis, Nikolsburg, Kfenovice, Ritzing u. a. bekannt. Aus dem
mährisch-böhmischen und niederoesterreichischen Miocaen geht sie in die ter-
tiaeren Sedimente von Steiermarck, Kroatien, Ungarn, Siebenbürgen, Würt-
temberg, Italien, Albanien, Frankreich, Algerien u. a. über.
Автіоре decollata, Chemnitz. (1860 A. E. Reuss, 1. c. S. 227. — 1889. Dreger,
Die tertiären Brachiopoden des Wiener Beckens, S. 283, Taf. I., Fig. 1- 5.)
Bisher hat sie auf unserem Gebiete nur А. E. Reuss im Tegel von Rudelsdorf
entdeckt, wo er sie ziemlich oft fand. In den Anmerkungen der oben ange-
führten Schrift lesen wir, dass die Rudelsdorfer Exemplare dieser Art den
im Meere lebenden Individuen gleichen, was eine wahrhaft interessante Erkennt-
Півв ist, indem sie einen Beweis mehr liefert, dass nicht alle Arten im Tegel
von Rudelsdorf gegenüber den Individuen aus den Fundorten der südlichen
Gebiete verkümmert erscheinen. Die horizontale Verbreitung dieser Art in
пеорепеп Sedimenten ist ziemlich bedeutend, das wird durch den Umstand
Schlagend bewiesen, das ihre Individuen im Wiener Becken (Eisenstadt, Fels-
berg, Forchtenau, Niederleis, Rausnitz), ferner in Galizien (Holubice, Pieniaki,
Podjarkow), in Steiermark (Wildon), in Siebenbürgen (Lapugy), in Italien
(Turin, San Fernando, M. Pelegrino bei Palermo, St. Filippi bei Messina)
auf der Insef Cypern (Larnaka), Rhodos (Hedenborg), dann im südlichen
Frankreich, in Wolhynien und auf Malta sicher gestellt wurden. Sie lebt im
Mittelmeere auf sandigem Boden und in der Nulliporenfacies in der Tiefe von
18 bis 364 Knoten; auch wurde sie im Atlantischen Ocean sicher gestellt.
ella Neapolitana, Scacchi. (1860. Agriope Neapolitana A. E. Reuss, S. 228.
— 1889. Dreger 1. c. S. 185, Taf. L, Fig. 6, 7, 8) Auch diese Art stellte in
den Sedimenten unseres marinen Miocaens nur A. E. Reuss sicher, wo er
Ihre Schalen im Rudelsdorfer Tegel entdeckte und bemerkte, dass sie dort eine
Seltene Erscheinung sind. Ich habe ihr auch nachgeforchst, jedoch umsonst,
"nd zwar sowohl im Rudelsdorfer Tegel, als auch in den übrigen Fundorten
unseres böhmischen Gebietes. Daraus kann man schliessen, dass auch diese
Art hier seltener ist als die vorige, was mit dem Umstande übereinstimmt,
ass sie diese Eigenschaft auch auf den übrigen Localitäten des heimischen
Miocaens theilt, wo sie im Mergel von Steinabrunn, in der Umgebung vom
rünen Kreuz, Nussdorf, ferner bei Lysice, Lapugy, Kostej und ausserdem
auf der Insel Rhodos gefunden wurde. In den heutigen Meeren lebt sie im Adria-
tischen, Mittelländischen Meere und nächst den Canarien- Inseln in den Tiefen
von 80—130 Knoten.
ella Squamata, Eichwald. (1860. Agriope squamata A. E. Reuss, 1. c. S. 228.
— 1889. Dreger 1. c. S. 186, Taf. L, Fig. 12—14.) Diese seltene Art ist
bisher nur aus dem Audelsdorfer Tegel bekannt, von einem anderen Orte
Cist
Ci st
142
unseres Miocaensgebietes gelang es nicht sie sicherzustellen. Ausserdem wurde
sie auch in den Mergeln von Galizien (Holubice, Pieniaki, Zukowce),' Sieben-
bürgen (Lapugy), Steiermark (Kochmühle nächst Ehrenhausen) und auf Rhodos
gefunden. Sie lebt im Mittelmeere.
ne
Fig. 43. Megerlea oblita, Michel. sp. Rudelsdorf. a,Seitenansicht von verbundenen Schalen.
b Schalen von einem älteren Individuum, Innenansicht, */, vergróssert.
Megerlea oblita, Michelotti. (1860. A. E. Reuss 1, c. S. 227. — 1889. Dreger
l c. S. 190, Taf. IL, Fig. 6—9.) Fig. 48. — Diese Art ist im Rudelsdorfer
Tegel die häufige. In der Regel sind ihre Schalen schön erhalten, so dass
man sehr bald alle ihre selbst feinsten Merkmale kennen lernen kann. Ursprün-
glich wurde sie von A. E. Reuss, später auch von mir entdeckt, doch nur iM
Schlemmrückstande des Rudelsdorfer Tegels, und zwar nur in Bruchstücken.
M. oblita ist in den heimischen Miocaenablagerungen verhältnissmässig ziemlich
verbreitet; sie wurde ausserdem Rudelsdorfer Tegel auch im Tegel von Јаго"
měřice, Porstendorf, ferner in der Leithakalkfacies der Umgebung von Gries,
Wildon und Ehrenhausen (Steiermark) nachgewiesen. Aus dem italienische?
Neogen wird sie aus der Umgebung von Turin und Tortona angeführt. j
Hornera hippolythus, Defrance. (1818. A. Manzoni. I Briozoi fossili del d’ Austria
e Ungheria. Denkschr. d. К. Akad. d. Wiss. Wien Band 38, Ses Тай ҮІ,
Fig. 22; Taf. VIL, Fig. 26.) Fig. 44. — Diese Art ist im mährischen Miocaen-
gebiete fast überall zuhause. Soweit wenigstens meine Erfahrungen reichen
habe ich wenige von den dortigen Fundorten kennen gelernt, wo sie nicht
vorküme. Auf dem Gebiete unseres ostböhmischen marinen Miocaens ist ©
anders, hier kommt sie sehr selten vor, denn bisher ist es mir gelungen, sie
nur im Rudelsdorfer Tegel in einem Bruchstücke ferstzustellen. Anders W?
und auch in dem fossilienreichen Tegel von Lukau wurde sie erfolglos ge
sucht. Und wie in Mähren, wo sie in den Mergeln und Tegeln von Lomni&k?
Drnovice, Borač, Rausnitz, Kostel, Porzteich ete. gefunden wurde, so wurde
sie auch anderswo im beimischen Miocaen in der Umgebung von Nussdo!^
Eisenstadt, Morbisch, Podjarkov, Baden, Steinabrunn, Niederleis, Forchtenal
Kroisbach, Wildon und Ehreshausen entdeckt.
Celleporaria globularis, Bronn. (Cellepora globularis А. E. Reuss l. c. 5. 226.
— 1878 Manzoni 1. c. S. 51, Taf. L, Fig. 2.) Sie wurde bisher im gelben
143
Tegel von Rudelsdorf nur von A. E. Reuss sichergestellt. Reuss bemerkt, sie
sei dortselbst selten. Diesmal gelang es nicht, sie dort nachzuweisen, und
auch anderswo wurde nach ihr vergebens geforscht. Viel ófter kommt sie
im Süden des heimischen Miocoengebietes vor. Eigentlich ist sie bereits in
Mähren eine ziemlich häufige Erscheinung, namentlich in den Sedimenten der
Leithakalkfacies und des oberen Mergels. Von daher ist sie aus dem Mergel
von Drnoviee bekannt; Manzoni führt sie an aus der Umgebung von Kostel
(Mühren), Gaudenzdorf, Steinabrunn, Garschenthal, Niederleis, Kalladorf, Grin-
zing (Niederoesterreich); Miechowice (Oberschlesien); Wielizka, Podjarkov
(Galizien); Lapugy (Siebenbürgen); Dios Jenö, Bujtur (Ungarn).
LS Se
"n 44. Hornera hippoly- Fig. 45. Salicornaria far- Fig. 46. Discoflustrella Nováki, Proch.
E us, Reuss. Rudelsdorf. ^ ciminoides, Johnst. Rudels- Rudelsdorf. ?°/, vergróssert.
4n "9, vergr. Stock von dorf. ?*/, vergrössert.
vorne.
Meteropora stipilata, Reuss. (1878 Manzoni 1. c. Taf, XL, Fig. 45.) Die se
seltene Art führt Manzoni ausserdem Nussdorfer Tegel auch aus dem gelben
Tegel von Rudelsdorf an, wo ich sie bis jetzt vergeblich gesucht habe.
Salicornaria fareiminoides, Johnston. (1874. A. E. Reuss, 1. c. S. 143, Taf. XII,
Fig. 8218.) Fig. 45. — Diese Art gelang es mir diesmal zum ersten male im
Rudelsdorfer Tegel zu entdecken. Es wurde eine winzige Colonie heraus-
seschlemmt, die zwar abgebrochen war, doch ziemlich gut erhalten um an
ihr alle für diese Art bezeichnenden Charaktere zu abwahren. Auf anderen
Fundorten unseres böhmischen Miocaens habe ich ihr vergeblich nachgeforscht.
Dagegen findet sie sich im Gebiete des mährischen Miocaens fast auf jeder
Fundstätte, namentlich in der Sand- und Mergelfacies. Dasselbe gilt auch
yon dem niederoesterreichischen und ungarischen Gebiete. Hier wie dort wurden
ihre gewöhnlich schön erhaltene Colonien in Hülle und Fülle nachgewiesen.
euss führt sie an: von Nussdorf, Enzersdorf, Steinabrunn, Niederleis, Raus-
nitz, Winden, Eisenstadt, Morbisch, Podjarkov, Wieliczka, Miechovice; ferner
ist sie aus dem englischen Crag, aus den neogenen Sedimenten von Rhodos
und aus dem oberen und mittleren Oligocaen Deutschlands (Cassel, Nieder-
kaufungen, Kleinfreden, Söllingen) bekannt.
Membranipora gracilis, Münster sp. (Lepralia gracili A. E. Reuss, 1. c. 8.
266. — 1874. А. E. Reuss, 1. с. S. 184, Taf. X, Fig. 5—7). Ich kann nur die
Ansicht Reuss' bestátigen, dass diese Art im ostbóhmischen Neogen selten
vorkommt. Reuss hat sie den Schalen von den im Rudelsdorfer Tegel gefun-
denen Austern aufgewachsen gefunden. Diesmal wurde jedoch von ihr auf
dieser Localität keine Spur nachgewiesen. Dagegen wurde ihre Colonie auf
einer Austernschale aus dem Tegel von Abtsdorf gefunden. Der Vergleich
mit Arten aus marinen Sedimenten führte zur Ansicht, dass die veründerten
physikalischen Einflüsse weder auf den Zellen, noch auf der Colonie eine
merkbare Aenderung hervorgerufen haben. Wenigstens konnte man es erwarten !
Diese Art scheint nach den bisherigen Erfahrungen auch im bóhmischen
Miocaengebietet genug verbreitet, wenigstens mehr als die dort entdeckten
Arten. Ich berühre diese Eigenschaft absichtlich. Ich sehe darin ein ge-
wichtiges, nützliches Merkmal. Ich erblicke darin nichts Zufälliges. Es müsste
ja dann auch das ein zufälliger Umstand sein, dass sie auch auf den übrigen
Fundorten des ausser alpinen neogenen Beckens verbreiteter ist als die Mehr-
zahl der von daselbst bekanten Bryozoenarten. Die reichste individuelle Ent-
faltung erreicht sie in der Bryozoenfacies, doch auch in der sandigen kommt
sie häufig und oft vor, dagegen begegnen wir derselben in den Tegeln und
Mergeln selten. Aus dem mährischen Miocaen ist sie von Kostel, Kralie und
Zatany, aus dem niederoesterreichischen von Steinabrunn, aus dem steir-
märkischen von der Gegend von Guschenthal, aus dem ungarischen von Eisen-
stadt und Kroisbach, aus dem siebenbürgischen von Buytur bekannt. Ferner
kennt man sie aus dem Miocaen von Frankreich (Doué, Thoringe), Italien
(Castellarquato), Rhodos. Sie reicht bis in die Sedimente des oberen Oligocaen
(obstrupp) zurück — durch Miocaen und Pliocaen geht sie in die heutigen
Meere (Adriatisches Meer) über.
? Discoflustrella Nováki, Procházka. Fig. 46. — Das spärliche Material, das
ich bisher aus dem — Ziudelsdorfer Tegel herausgeschlemmt habe, lässt keine
eingehende Beschreibung und Aufstellung dieser für unser ostböhmisches
Miocaen interessanten Art zu. Bisher wurde darin nur ein Exemplar, eine
nicht einmal ganze Colonie entdeckt. Es fehlt derselben das obere Ende,
welches abgebrochen ist. Dieser Umstand hat verschuldet, dass ich vorläufig
noch die Gattung, zu welcher sie gehört, nicht genau feststellen kann. Nach
den übrigen Merkmalen theilt sie noch am meisten gemeinsame Eigenschaften
mit der Gruppe, welche d'Orbigny Discoflustrella benannt hat. Der Stock ist
cylinderförmig, oben sehr schwach verengt, innen hohl. Die Zellen liegen in
schiefen von rechts und links nach oben verlaufenden und einander schnei-
denken Reihen. Sie haben keine Ränder, diese hiegen in der Oberflächen-
peripherie. Ihre Gestalt ist trichterförmig, ihre Längsaxe steht zur Lüngsaxe
des Stockes senkrecht.
Eschara coseinophora, Reuss. (1860, 1. c. S. 223. — 1877 Manzoni 1. c. 9
62, Taf. VIII, Fig. 2, 5). Diese interessante Art, deren Vertreter man durch
die miocaenen Sedimente in das obere und untere Oligocaen verfolgen kan
kommt in unserem Gebiete nur im Rudelsdorfer Tegel, und zwar auch hier
|
145
Sehr selten, vor. In dieser Hinsicht stellt sie sich den vorigen Arten zur
Beite, die ebenfalls in den Tegeln der Badener und in den Mergeln der Steina-
brunner Facies selten sind. Aus dem ostböhmischen Miocaen gebiete verbreitet
sich diese Art nach Mähren (Kostel), von dannen nach Niederoesterreich
(Nussdorf) Ungarn (Forchtenau) Sie reicht in die Sedimente des oberen und
mittlereu Oligocaen zurück, von woselbst sie aus der Umgebung von Latdorf
bekannt ist.
Serpula manicata, /еиѕѕ. (1860, 1. c. S. 223, Taf. III., Fig. 5.) Die zierlichen
Röhrchen dieser Art sind bisher blos aus dem Rudelsdorfer Tegel und nur
A. E. Reuss bekannt. Diesmal wurde von ihnen nichts entdeckt, trotzdem
ihre Spuren eifrig gesucht wurden. Ich kenne sie aus eigener Auschauung
nur aus den Tegeln von Borat, wo sie in der Nachbarschlaft einer überaus
reichen Tiefsee-Fauna liegt.
Serpula quinquesignata, Reuss. (1860, 1. с. S. 224, Taf. III, Fig. 6.) — Nach
А. E. Reuss ist diese Art im Rudelsdorfer Tegel seltener als die vorige. Ob
es wirklich der Fall ist, kann ich nicht entscheiden, da es mir mich vergónnt
worden ist, ihre hübschen Röhrchen zu entdecken. Zu den bisherigen Kennt-
nissen über sie füge ich noch bei, dass sie wie im Rudelsdorfer Tegel, so
auch im Вогаёег Tegel und ausserdem auch im Drnovicer Mergel gleichzeitig
| mit der Art S. manicata auftritt.
Serpula granosa, Aeuss. (1860, 1. c. S. 225, Taf. Ш, Fig. 9.) — Nach А.
E. Reuss ist diese leicht erkennbare Art in dem Rudelsdorfer Tegel sehr
Selten.
d
Serpula earinella, Reuss. (1860, 1. е. S. 224, Taf. Ш, Fig. 7.) Unversehrte
Exemplare dieser Art sind im Rudelsdorfer Tegel sehr selten, doch auch
Fragmente spärlich. Diese Erfahrungen hat schon Reuss gemacht und diesmal
wurden sie nur bestätigt. Trotzdem wir gewöhnlich nur Bruchstücke gewin-
nen, fällt es nicht schwer, sie von anderen Arten zu unterscheiden. Am
Meisten verhilft dazu die äussere Form des Röhrchens, theilweise auch der
Durchschnitt. Inwieweit es am vorliegenden Materiale möglich war fest zu-
stellen, ist die äussere Form bedeutenden Veränderungen unterworfen, die
darin bestehen, dass die Längskanten bisweilen stark verschwinden und selten
Scharf sind,
Serpula crispata, Reuss. (1860, 1. c. S. 225, Taf. III, Fig. 8. — Die Röhrchen
dieser Art sind nach meinen Erfahrungen im Rudelsdorfer gelben Tegel ver-
hältnissmässig ziemlich häufig. Es ist jedoch gleich hinzuzufügen, dass es
“war genug Bruchstücke, doch sehr wenige erhaltene Individuen gibt. Einige
von diesen Röhrchen weichen von den Typen ab, indem sie eine Oberfläche
ohne Furchen und convexe Kanten besitzen, doch auch in diesem Falle wird
Ihre Oberfläche mit Anwachskreisen desselben Gepräges bedeckt, wie wir
816 an mit einer Furche gezierten Exemplaren gewahren.
"ula lacera, Reuss. (1860, 1. с. S. 225, Taf. Ш, Fig. 10.) — Auch diese Art
ist im Rudelsdorfer Tegel sehr selten. Bisher kennt sie nur A. Æ. Aeuss,
welcher schreibt, es seien von ihr nur Bruchstücke gefunden worden.
Seri
10
Serpula placentula, Reuss. (1860, 1. с, S. 226, Taf. ПІ, Fig. 11.) — In den
Bereich dieser Art stelle ich winzige, sehr kurze Röhrchen von grösseren
Windungen, welche diesmal aus dem gelben Arudelsdorfer Tegel hübsch er-
halten herausgeschlemmt wurden. Ich hatte ursprünglich die Absicht, sie auf
eine günstigere Zeit zu verschieben, doch habe ich mich spärter anders ent-
schlossen ; es veranlasste mich hiezu namentlich der Umstand, dass ich einige
hübsche Bruchstücke mit fast unversehrter Oberfläche fand. Diese haben
mich auf die Spur dieser Art geführt. Trotzdem zweifle ich noch jetzt, ob
diese Bruchstücke wirklich hieher gehören. Darum bestehe ich darauf, dass
auch in dieser Sache nur ein künftiges Studium eines reichen — entschieden
reicheren, als ich eben vorhanden habe — Materials uns eine richtige Antwort
zu geben vermag.
Spirorbis deelivis, Reuss. (1860, 1. c. S. 226, Taf. П, Fig. 12.) — Den feinen
Röhrehen dieser Art begegnen wir in den heimischen Miocaenablagerungen
ziemlich häufig. Gewöhnlich sind sie den Austernschalen aufgewachsen, selten
den Schalen von anderen Arten. Häufig kommt es vor, dass man von ihnen
nur einen Abdruck der Basis findet. Die Ursache hievon ist die in der Regel
dünne Wand, welche sehr oft bei einen Auschlage zerfällt. Im Rudelsdorfer
Tegel ist die vorliegende Art sehr selten, in den Littoralablagerungen des
nordwestlichen und westlichen Mähren kommt sie aber öfter vor.
? Diadema Desori, Reuss. (1560, 1. с. S. 218, Taf. П, Fig. 3.) — Mit diesem
Namen bezeichnete Reuss sehr dünne Echinidenstacheln von” cylindrische”
Form, welche gewissermassen aus kurzen, dutenförmig ineinandergestechten
Kegeln zusammengesetzt sind, deren Oberfläche gleiche, regelmässig gewölbte
Faden zieren. Den Körper, dem diese Stacheln angehören, kennt man nicht.
Nach einem langen Suchen habe ich im Schlemmrückstande des Rudelsdorfer
Tegels nur ein Stachel gefunden. Und est ist interessant, dass auch sie die
Spitze und den Stiel abgebrochen hat, wie die Stacheln, welche ich auf ver-
schieden Orten im mährischen Miocaen entdeckte.
ydarus polyacanthus, Reuss. (1860, 1. e. S. 223, Taf. III, Fig. 4.) — Ich er-
wähne hier auch diese Stachel, welche ebenfalls im mährischen Miocaen
vorkommt. Doch auch hier kennt man bisher die Art nicht, welche die Stacheln
dieser Form, geziert haben. Reuss bemerkt, diese Art von Stacheln sei in
Rudelsdorfer Tegel häufig. Mir gelangen nicht, auch nur eine einzige im
Schlemmrückstande des dortigen Tegels zu finden. — Ausser diesen Stacheln
habe ich auch andere Arten von Stacheln im Rudelsdorfer Tegel sichergestellt
Sie sind gänzlich denjenigen ähnlich, welche ich seinerzeit aus dem Tegel v0"
Walbersdorf, und zwar aus dem aus den Schalen herausgeschabten und aus
den Körpern des Seeigels Brissopsis Offnangensis gewonnenen Tegel heraus-
geschlemmt habe. Soweit meine bisherigen Erfahrungen von diesen schönen
winzigen Stacheln reichen, bezeugen sie, dass dieselben sowohl in den Tegeln
und Mergeln von Mähren, Niederoesterreich und Oberoesterreich, als aut
in unseren böhmischen verhälnissmässig häufig sind.
Jaryophyllia leptaxis, Zeuss. (1860. Cyathina clavus Reuss, 1. с. 8. 213. —
1872. Die fossilen Korallen des österr.-ungar. Miocaens. S. 207, Taf. J,
Pa
141
Fig. 8) — 4. E. Reuss bemerkt in seiner Abhandlung über das bóhmische
marine Miocaen, diese Art komme im Rudelsdorfer Tegel sehr selten vor.
Da es an geeignetem Materiale mangelte, vermuthete Reuss damals, er habe
einen Vertreter der Scacchischen Art Oyathina clavus vor sich, was er spärter
in seiner grossen Monographie über die fossilen Miocaenkorallen richtigstellte.
Die Erfahrung Reuss' über die individuelle Menge dieser Art im Rudelsdorfer
Tegel bestätige diesmal auch ich vollinhaltlich. Es gelang nämlich auch mir
nur ein Fragment von dem oberen Kelch dieser interessanten Art zu finden,
trotzdem nach ganzen Kelchen lange und eifrig geforscht wurde. Auf den
ersten Blick scheint es, dass sich dieses Bruchstück nicht gut bestimmen
lässt. Wer jedoch das Reuss’sche Original dieser Art nur eimal in der Hand
hatte, wird nicht lange im Zweifel sein; ihre Merkmale sind so auffallend,
dass sie uns keinen Augenblick im Zweifel lassen,
'acyathus firmus, Philippi sp. (1860 A. E. Reuss, l. с. S. 213, Taf. I,
fig. 1—8. — 1872. 1. с. S. 218, Taf. IIL, fig. 4, 5.) —. Ursprünglich von
Philippi in den oberen Oligocaenschichten Deutschlands entdeckt, wurde diese
Art spärter von A. E. Reuss im Rudelsdorfer Tegel festgestellt, wo auch ich
die Gelegenheit hatte, sie zu erkennen und aus dem dortigen gelben Tegel
herauszuschlemmen. Was Reuss’ Beschreibung betrifft, kann ich nichts hinzu-
fügen, als dass diesmal ein sehr kleines Polyparium mit voller Anzahl der
äusseren Querleisten entdeckt wurde. Diese Art ist sehr selten. Bisher wurde
Sie ausser dem Rudelsdorfer Tegel nirgendswo im heimischen Miocaen nach-
gewiesen.
Theeoeyathus velatus, /еиѕѕ. (1860. Paracyathus velatus Reuss, 1. c. S. 214,
Taf. 1, fip 4—7..-— 1872, Le, 8 218, Taf. II, fig: D.) — Diese seltene, im
heimischen Miocaen sehr spärlich auftretende Art wurde eine lange Zeit
hindurch nur aus dem [tudelsdorfer Tegel bekannt, wo sie A. Æ. Reuss zu-
erst entdeckte. Vor Jahren gelang es mir, sie auch im Boraéer Tegel festzustellen
in einer individuellen Menge, die man mit Recht eine bedeutende neuen kann.
In unserem böhmischen Tegel ist sie dagegen eine verhältnissmässig seltene
Erscheinung., Erst nach einer längeren Durchsuchung gelingt es, ihre winzige
Polyparien zu finde n, welche leider fast immer stark schadhaft sind. Reuss’
Originale bezeugen zur Genüge, dass im Rudelsdorfer Tegel auch ganz
erhaltene, tadellose Individuen zu finden sind.
Theeoeyathus mierophyllus, Zeuss. (1872, 1. e. S. 220, Taf. П, fig. 8, 9.
Taf, XIX, fig. 1.) Diese Art finden wir in der Regel gleichzeitig mit der
vorigen. Reuss hat dies im Rudelsdorfer Tegel, ich wieder auf einigen Fund-
Orten im Gebiete des mährischen Miocaens z. В. in Borač festgestellt. Diesmal
gelang es mir nieht, ihre Polyparien im Rudelsdorfer Tegel zu finden. Die
Ursache davon erblicke ich natürlich in ihrer unbedeutenden individuellen
Menge. Ich habe mich fast auf allen ihren Fundorten überzeugt, dass ihre
individuelle Menge der vorigen Art gegenüber untergeordnet ist. Überall sind
aber die diese Arten trennenden Unterschiede gleich deutlich und von Gewicht.
Ihre horizontale Verbreitung ist nicht gross, im Gegentheile verhältnissmässig
klein, beschränkt, Von ihren Gebieten ist vor allem der westmährische Sprengel
10*
zu nennen, wo sie im Tegel von Borač eine genug häufige Erscheinung ist;
ausserdem ist auch das südmährische Gebiet beachtungswerth, wo sie im Tegel
von Porzteich nachgewiesen wurde.
Syzygophyllia brevis, Reuss. (1860, 1. с. S. 217, Taf. I, fig. 10—12; Taf. П,
fig. 10. — 1872, 1. c. S. 232, Taf. V, fig. 6—9.) Ursprünglich im Rudelsdorfer
Tegel von Reuss entdeckt, wurde sie von ihm auch in dem Tegel von Lapug
sichergestellt, doch auf diesem Fundorte in einer weit grösseren Menge als
in unserem Tegel. Diesmal wurde nach ihren Polyparien erfolglos geforscht.
Mycetophyllia horrida, Reuss, (1860, 1. c. 8. 217, Taf. II, fig. 1, 2. — 1872,
1. e. S. 285, Taf. VI, fig. 5.; Taf. VII, fig. 1.) — Beim Verfassen der Mono-
graphie der fossillen Koralen des oesterreichisch-ungarischen Miocaens hatte
Reuss dasselbe Material, das er in der Arbeit über die marinen Miocaen-
schichten Bóhmens beschrieben und abgebildet hatte. Ein paar Stockfragmente
von dieser interessanten Art, von welchen diesmal leider keine Spur zu ent-
decken war, trotztdem ihnen eine besondere Aufmerksamkeit gescheukt wurde
und ich bemüht war sie festzustellen, das ist alles. Doch auch dies bestätigt
die Angabe von A. Е. Reuss, dass diese Art in Rudelsdorf sehr selten ist,
wührend sie anderenorts im bóhmischen Miocaengebiete überhaupt nicht vor-
kommt.
Astroeaenia ornata, M. Edw. et Н. (1872. A. E. Reuss, 1. с. S. 236, Taf. ХШ,
fig. 4.) Ebenfalls eine sehr seltene Art, und zwar nicht nur in unserem
böhmischen Miocaen, sondern überhaupt. — Ausser dem Rudelsdorfer Tegel ist
sie nur noch aus den Sedimenten von Turin bekannt, aus denen sie von
M. Edwards zuerst beschrieben wurde.
Astraea crenulata, Goldfuss. (1860. Siderastrea crenulata A. E. Reuss, 1. C. 8.
18. — 1872, 1. c. S. 245, Taf. XII, fig. 12.) Den kleinen Stöcken von dieser
Art begegnen wir im heimischen Miocaen ziemlich häufig, in unserem bóhmi-
schen jedoch sehr selten. Nur im Zudelsdorfer Tegel hat sie vor Jahren A.
E. Reuss entdeckt. Von dieser Zeit bis heutzutage wurden sie dort nicht
entdeckt. Vergeblich ist auch meine Mühe gewesen. Aus dem böhmischen
Miocaentegel geht A. crenulata in den mährischen über (Porstendorf und Мар.
Trübau), aus diesem in den niederoesterreichischen (Vöslau, Gainfahren,
Möllersdorf, Pótzleinsdorf (Sande), dann in die ungarischen Mergel (Rohrbach,
Mattersdorf und Marxer Kogel bei Oedenburg), endlich in die Leithakalke
von Steiermark (Wildon, Flamberg) und ausser dem ist sie auch in den
Molter Sanden des Horner Beckens zuhause. Ebenfalls wurde sie in der Um-
gebung von Saucats und Piacenza entdeckt.
Solenastraea tenera, Reuss. (1872, l c. S. 246, Taf. VII, fig. 5.) Fig. 47. —
Prächtig erhaltene, vom verewigten Landskroner Apotheker Æ. Hrælebon
geschenkte Bruchstücke von zwei Stöcken habe ich in der palaeontologische
Sammlung des Museums des Königreiches Böhmen gefunden. Die Dimensione?
von diesen aus dem gelben Rudelsdorfer Tegel stammenden Bruchstücken
unterscheiden sich nicht bedeudend von den Stücken aus z. B. Sudicer Mergel.
Wodurch sie einen überraschen, ist freilich ihr Totaleharakter; sie sind vet
hältnissmässig klein, etwas kleiner als diejenigen aus den mährischen Mergel?
Cla
Ba]
149
der Leithakalkfacies. Doch in den Dimensionen der Zellen gibt es gar keine
Abweichung. Übrigens werden die hier geschilderten Betrachtungen schon
durch die hier ausgeführten Abbildungen zur Genüge documentiert. Ferner
liefern sie den Beweis, dass auch die Anordung des Septalapparates der
Rudelsdorfer Stöcke mit derjenigen der mir bekannten Typen von südlichen
Fundorten congruent ist. Das eigene Gebiet dieser hochinteressanten Art ist
sowohl Tegel als auch Mergel. In jener Facies ist sie jedoch selten, durch
kleine Stöcke vertreten, in dieser ist sie häufig und die dortigen Stócke
weisen grössere Dimensionen auf. Kostel und Sudice in Mähren und Cilli in
Steiermark führt Reuss als Fundorte dieser Art an, wozu zur Vervollständi-
gung noch Borač, Lažánky, und Drnovice beizufügen sind.
b
а
Fig. 47. Solenastraea tenera, Reuss. Fig. 48. Cladangia conferta, Reuss.
« Ansicht eines Stockes in halber nat. ; Rudelsdorf. \
Grösse; b */, vergrósserte Kelche und Ein Stock von der Seite in natürlicher
Zwischenraum. Grösse.
dangia conferta, Reuss. (1860. Cladocera multicaulis Reuss, 1. c. S. 219,
Taf. II, Fig. 3—6. — 1872. A. E. Reuss 1. c. S. 247, Taf. XVI, Fig. 1—7;
Taf. XVIII, Fig. 3.) Fig. 48. — Zwei schön erhaltene Exemplare dieser weit
Und breit verbreiteten Art von Rudelsdorf bewahren die palaeontologischen
Sammlungen des Museums des Königreiches Böhmen auf, ausserdem ist ein
gleichfalls tadelloser Stock in den Sammlungen des geologischen Instituts der
böhmischen Universität aufbewahrt. Alle haben ziemlich hübsch erhaltene, nur
an den Rändern ein bischen abgeriebene Kelche. Es ist überhaupt interessant,
dass auch diese Art in den sandig-mergeligen Miocaenablagerungen von Porsten-
dorf unweit von Mührisch-Trübau zuhause ist, von wo sie sich nach Süd-
Mähren dann nach Niederoesterreich (Steinabrunn, Kienberg) und Ungarn
(Ritzing) verbreitet.
anophyllia varians, Reuss. 1860, 1. c. S. 220, Taf. П, Fig. 7 bis 9. — 1872,
d €. S. 252, Taf. XV, Fig. 3—6.) Bisher wurde diese Art im Rudelsdorfer
Tegel nur von A. E. Reuss nachgewiesen, der sie auch aus den Miocaen-
Sedimenten von Porstendorf, Hausbrunn (Westmühren) und Lapugy (Sieben-
150
bürgen) beschrieb. Aus anderen böhmischen Fundorten ist sie nicht bekannt,
In der grössten individuellen Menge habe ich sie in den Tegeln von Boraé
kennen gelernt, wo bedeutend grosse und dieke Polyparien abgelagert sind,
die jedoch ebenso unvollkommen erhalten sind wie die Rudelsdorfer, von
welchen Reuss bemerkt, dass sie abgebrochene Kelche haben.
Porites inerustans, Defrance sp. (1860, A. E. Reuss, 1. c. S. 221. — 1872
A. E. Reuss, 1. с. 8. 261, Taf. XVII, Fig. 5, 6. Auch diese Art hat im
Rudelsdorfer Tegel bisher nur A. E. Reuss sichergestellt. In den südlichen
Gebieten des heimischen Miocaens ist sie sehr verbreitet, und zwar nicht nur
in Mähren, sondern auch in Niederoesterreich, Ungarn und Steiermark. Ihre
Stöcke erreichen in den Sanden eine bedeutende Grösse, während sie in den
Tegeln nur in geringe Dimensionen wachsen.
Miliolina Bronniana, d'Orbigny. (1846 Qwinqueloculina Bronniana d'Orbigny
Die foss. Foraminiferen d. Tertiaer-Beckens von Wien 8. 287, Taf. ХҮШ.
Fig. 4 bis 6. — 1860, А. E. Heuss. Die marinen Tertiaerschichten Dóhmens
und ihre Versteinerungen, S. 213.) — Diese ziemlich seltene Art hat in den
marinen Sedimenten Böhmens bisjetzt nur A. E. Reuss entdeckt. Die Arten
dieser Gattung nehmen bekanntlich je näher der Littoralzone, desto mehr ab.
Auch unser Gebiet ist ein, wie ersichtlich, hinreichender Beleg dafür.
Miliolina ef. consobrina, d'Orbigny. (1846, 1. c. S. 277, Taf. XVII, Fig. 10— 12.)
Bisher nur im Tegel von Schirmdorf in einem hübsch erhaltenen und ganz
erwachasenen Exemplare gefunden. Das vorliegende Gehäuse weicht von den
Typen dieser Art namentlich durch einen schlankeren Umriss und dann
dadurch ab, dass es eine in ein sehr kurzes cylinderfórmiges Röhrchen ver-
längerte Mündung besitzt. Unter Beachtung dieses Merkmals trenne ich das
Schirmdorfer Exemplar von den Typen und stelle es beiseite. Vielleicht bis ein
reicheres Material vorliegen wird, wird es uns gelingen festzu stellen, inwieweit
die Exemplare von Schirmdorf von den d’Orbigny’schen Typen abweichen und
ob man einen Vertreter einer neuen Art oder nur eine Varietät dieser Art
vor sich hat.
Textularia carinata, d'Orbigny. (1846, 1. c. S. 248, Taf. XIV, Fig. 82—84. —
1860, А. E. Reusss, 1. с. S. 213. — 1886. H. Brady, Raport on the Fora-
minifera, S. 360, Taf. XLII, Fig. 15, 16.) Fig. 49. — Diesmal in schön
erhaltenen und ganz erwachsenen Exemplaren gefunden. Der allgemein®
Charakter derselben stimmt mit demjenigen der Individuen, die ich auf zahl-
reichen Orten in den miocaenen Gebieten von West- und Nordwest-Mähre
herausgeschlemmt habe. Von den Individuen aus den Tegeln der Badene!
Facies des inneren Wiener Beckens weichen sie namentlich darin ab, dass
sie einen verhältnissmässig stark hervortretenden Medianrücken besitze,
was dem Gehäuse eine flache, zusammengedrückte Gestalt verleiht. Dies®
hochinteressante Art reicht bis in das Eocaen zurück, und zwar in die Lon
doner Thone, geht durch alle Stufen des Oligocen in das Miocaen über, ui
sie weit und breit und fast in allen Horizonten verbreitet ist, von dad)
durch das Pliocaen in die heutigen Meere, wo sie in mässigen Tiefen vou 99
Knoten lebt. — Im heimischen Miocaen ist sie in allen Facien verbreitet
151
aber am gewöhnlichsten ist sie in den Tegeln der Badener Facies, wo sie
grossentheils durch bis auffallend grosse Individuen vertreter ist. Solche habe
ich im Tegel von Lukau entdeckt. Überhaupt kann man von dieser Art,
soweit es sich um ihre Verbreitung im böhmischen Gebiete handelt, mit Recht
behaupten, dass sie auch hier — im marinen Sprengel — häufig ist, trotzdem
ihre individuelle Menge nicht so gross ist. Sie wurde ausser dem Tegel von
Lukau auch im Tegel von Rudelsdorf, Landskron und Rothwasser entdeckt.
Fig. 49. Textularia carinata, Fig. 50. Verneuilina spinu- Fig. 51. Bulimina affinis,
d'Orb. losa, Reuss. d'Orb.
39/, vergrössert. DI, vergróssert. »/, vergróssórt.
Textularia abbreviata, d'Orbigny. 18/6, 1. c. S. 249, Taf. XV, Fig. 6—11.
Im Tegel von Schirmdorf wurde ein Gehäuse von dieser interessanten Art
entdeckt, die bisher im Gebiete unseres ostböhmischen marinen Miocaens
unbekannt war. Es gehört einem erwachsenen Individuum an, von gewöhn-
lichen Dimensionen, wie sie die Individuen dieser Art auf südlichen heimischen
Fundorten aufweisen. Sie ist hier aus der Badener und Leithakalkfacies
bekannt (Nussdorf).
Textularia Hauerii, d Orbigny. (1846, 1. с. S. 250, Taf. ХУШ, Fig. 4—6. —
1860 A. E. Reuss, 1. e. S. 213.) Über diese Art schreibt A. E. Reuss, sie
sei im Rudelsdorfer Tegel sehr selten. Damit müssen wir uns zufriedengeben.
Uns gelang es nicht, sie zu entdecken, trotz einem emsigen Nachforschen,
Dieses negative Resultat bestätigt nur die frühere Erfahrung Reuss’. Nur aus
den Mergeln von Nussdorf und Grinzing ist diese Art bekannt. Von einer
anderen Localität kennt man sie nicht.
Textularia spec. Indem ich nur drei Bruchstücke aus dem gelben Ziudelsdorfer
Tegel habe, wage ich es nicht zu behaupten, dass sie einer neuen Art an-
gehören. Einige Umstände bezeugen zwar diese Ansicht, doch andere wieder-
Sprechen ihr, indem sie an eine bereits von Reuss aus den Rudelsdorfer Tegeln
angeführte Art, nämlich 7. Hawerü, erinnern. Zuerst habe ich auch vermuthet,
diese Fragmente gehören ihr an, doch später, als ich sie mit den Typen der
erwühnten Art verglichen hatte, belehrte ich mich eines anderen. Wodurch
diese Bruchstücke vor allem von allen Arten abweichen, ist einerseits die
Oberflüchenbeschaffenheit der Kammern, welche mit groben unregelmüssig
vertheilten Höckerchen bedeckt sind, andererseits die winzigen Dimensionen
des Gehäuses. Dieses Merkmal scheint darauf hinzuweisen, dass es vielleicht
Junge Individuen sind, diesem widerspricht jedoch die nur den erwachsenen
Individuen eigene Anzahl der Kammern. Aus diesen Gründen bin ich ge-
nöthigt, ein endgiltiges Urtheil über diese Exemplare einer künftigen Unter-
suchuug zu überlassen, der es vielleicht gelingt ein reicheres Material zu
finden.
Verneuilina spinulosa, Reuss. (1849, l. е. S. 10. Taf. IL, Fig. 12. — 1884.
Н. Brady, l. c. S 884, Taf. XLVII, Fig. 1—3.) Fig. 50. А. Е. Reuss bemerkt
in seiner Abhandlung, diese Art sei im Rudelsdorfer Tegel selten. Diesen
wiedersprechen gewissermassen die Erfahrungen, welche ich diesmal darüber
gewonnen habe. Das Resultat meiner Forschung führt mich naturgemäss zu!
Ansicht, dass Verneuilina spinosa im Rudelsdorfer Depót eine ziemlich ge-
wöhnliche Erscheinung ist und dass sie sich nicht nur durch eine seltene
Niedlichkeit der Gehäuse, sondern auch durch Erwachsenheit und Grösse
auszeichnet. Die bisher gefundenen Gehäuse sind insgesammt schön erhalten.
Die Übereinstimmung der Rudelsdorfer Individuen mit anderwürtigen Exem-
plaren ist in jeder Hinsicht eine absolute. Abweichungen entdeckt man nicht
selbst wenn man eifrigst darnach forscht. Diese Art lässt sich bis in das
obere Oligocaen, aus diesem durch das Miocaen von Mähren, Niederoesterreich,
Steiermark, Baiern, Schlesien in das Plicaen von Italien und Spanien und
durch das Postpliocaen der Insel Ischia in die heutigen tropischen und sub-
tropischen Meere verfolgen, wo sie in mässigen Tiefen lebt. Nur aus dem
Rudeisdorfer Tegel ist sie im böhmischen Miocaengebiet bekannt, aus den
übrigen dortigen Fundorten wurde sie nicht nachgewiesen.
Bulimina affinis, d'Orbigny. (1884 Brady, 1. c. S. 400, Taf. L, Fig. 13 a 0)
Fig. 51. — Ich habe absichtlich von der Gruppe B. affinis, B. ovata und В.
pupoides diese Art abgebildet, weil sie dazu am geeignetsten befunden wurde
und vor allem um zu ermöglichen, unsere böhmischen Individuen von dieser
Art mit den Individuen Brady's zu vergleichen, welche bekanntlich von den
abgebildeten Individuen d'Orbigny's etwas abweichen. Wie schon ein flüch-
tiger Vergleich uns hinreichend belehrt, ist unser Individuum mit denjenigen
Brady's identisch und von den Individuen der oben erwühnten Arten genau
different. Nicht nur jenes, sondern alle gefundenen Individuen sind práchtig
erhalten, tadellos. Am abgebildeten Individuum fällt die Mündung durch ihre
verhältnissmässig grosse Dimensionen auf. Da bemerke ich sogleich, dass ich
im vorliegenden reichen Materiale Individuen mit normaler Mündung habe.
Diese Art gehört zu einer Gruppe, die in unseren miocaenen Sedimenten
bedeutend verbreitet ist. Ihren prächtig erhaltenen Gehäusen begegnet mal
sehr häufig im Tegel von Rudelsdorf, Lukau, Landskron, Rothwasser und
Schirmdorf. Und es ist wirklich interessant, dass ihre individuelle Mengt
gegen die Küste des derzeitigen mioeaenen Meeres zu wächst.
Bulimina ovata, d'Orbigny. (1846, 1. c. S. 185, Taf. XII, Fig. 13, 14. — 1860
A. E. Reuss, l. c. S. 212.) Auch diese Art ist in den Ablagerungen, die wir
nach den heutigen Erfahrungen für littoral halten, häufiger als in den weiter
vom Gestade abgelagerten Sedimenten, Sie vervollständigt mit B. affinis un
B. pupoides das Bild, dessen Positiv sich uns auch in den jetzigen Meere
zeigt, denn auch in diesen sind sie auf fast dieselben Zonen beschränkt wie
zur Zeit des Neogens. Wir finden ihre höchst prächtigen Gehäuse im Тере
von Rudelsdorf, Lukau und Schirmdorf. Und wie hier, ist sie auch über das
Be
153
neogene Gebiet von Mähren, Niederoesterreich verbreitet, von wo sie gegen
Norden ins Neogen von Polen, gegen Osten über Ungarn nach Siebenbürgen,
gegen Süden nach Italien, ferner gegen Norden nach Schottland vordringt;
ausserdem ist sie im Tertiaer Kanadas zuhause. Durch das Miocaen kann
man sie bis in das Eocaen der Insel Wight verfolgen. In den jetzigen Meeren
ist sie ebenfalls ziemlich verbreitet, wo sie im nördlichen und südlichen
Atlantischen Ocean in der Littoralzone an den Küsten lebt. Auch wurde sie
aus verschieden Tiefen von 1400—2100 Knoten ausgefischt.
Bulimina pupoides, d'Orbigny. (1846, l. c. S. 185, Taf. XI, Fig. 11, 12. —
1860 A. E Reuss, Lo би 219...— 1884. Brady, l.c. 9.400, Taf. L,
Fig. 15.) Zuerst hat sie im böhmischen Miocaen, im Rudelsdorfer Tegel, Reuss
nachgewiesen. Auch mir gelang es, ihre prächtig erhaltenen Gehäuse in dem-
selben Tegel festzustellen. Dagegen überzeugte ich mich, dass sie zu jenen
Arten gehört, welche in diesem Gebiete fast überall vorkommen und deren
individuelle Menge gegen die ehemalige Küste zunimmt. Diese Ansicht hat in
mir die Unmasse ihrer Gehüuse erhürtet, die ich aus dem Tegel von Bóhmisch-
Trübau, Wildenschwert und Schirmdorf herausgeschlemmt habe. Ausser-
dem wurde sie auch, jedoch selten, im Tegel von Schirmdorf unweit von dem
Eisenbahneinschnitt nachgewiesen. Und wie hier im böhmischen Gebiete ist
sie auch im Neogen von Mähren, Niederoesterreich, Ungarn etc. verbreitet,
von wo sie in das Tertiaer von Italien, Schottland und Kanada übergeht.
Sie lebt im nördlichen Atlantik, im Indischen und Süd-Ocean, ausserdem
wurde sie an den Küsten vom Kap ausgeschwemmt.
Fig. 52. Bulimina aculeata, d'Orb. Fig. 53. Virgulina Schreibersiana, CZiZ.
Rudelsdorf. 89, vergrössert. Lukava. ?"/, vergróssert.
Bulimina aculeata, d’Orbigny. 1849, A. E. Reuss, Neue Foraminiferen aus den
m * . M D
Schichten des oesterreichischen Tertiaerbeckens. Denkschriften der kais. Aka-
demie der Wissenschaften Wien I. Band, S. 374, Taf. XLVIII, Fig. 13. —
1860. А. E. Reuss, 1. c. 8. 919. — 1884 Brady, l c. Taf. LI, Fig. 7—9.)
VH б * a ы
Fig. 52. — Unsere böhmischen Exemplare, von denen das abgebildete aus
dem Rudelsdorfer Tegel stammt, sind, wie man erkennt, wenn man sie mit
Brady’s Original vergleicht, mit diesem vollständig übereinstimmend. Nur die
Stacheln findet man kürzer und nur auf die ältesten Kammern beschränkt.
Was jedoch die Erhaltung des Gehäuses betrifft, kann man sie ebenfalls als
eine sehr günstige bezeichnen. In dieser Hinsicht steht das vorliegende Ma-
terial von Rudelsdorf und Lukava dem mührischen und niederoesterreichischen
nicht nach, wo sie in der mergeligen und tegeligen Facies entdeckt wurden.
In den heutigen Meeren lebt sie in den Tiefen von 1000—2740 Knoten und
zwar, soweit unsere Erfahrungen gehen, im nórdlichen und südlichen Atlan-
tischen Ocean.
Virgulina Schreibersiana, 02е. (1848. Haidingers Naturwissenschaftliche
Abhandlungen II, S. 147, Taf. XIII, Fig. 18—21. — 1860 A. E. Reuss,
L ep 918. —— 4884. Brady, k c. S. 414, Taf. LIE Fig. 1—8.) Fig. Dë
Seltsam ist, dass diese Art im Tegel von Lukau oft vorkommt, während es
in dem benachbarten Rudelsdorfer nur nach einem mühsamen Suchen gelingt,
ihre gewöhnlich prächtig erhaltenen %ehäusen zu finden. Ebenffalls schön
erhaltenen Gehäusen dieser charakteristischen Art begegnen wir auf zahl-
reichen Localitäten des heimischen Miocaens. Sie sind in der Tegelfacies von
Mähren (Borat, Knihnice, Sebranice u. 8. w.), Niederoesterreich (Grinzing
Enzersdorf ete.); ebenfalls kennt man sie von Castellarquato und Astrupp-
Auch unsere Rudelsdorfer Individuen sind höchst schön erhalten, indem sie
durchwegs eine glänzende und glatte Oberfläche und vollkommen entwickelte
Gehäuse besitzen. Und wie im Міосаеп, so ist auch in den jetzigen Meeren
diese Art weit und und breit verbreitet, denn sie wurde im Südlichen, Nördli-
chen, Paeifischen und Indischen Ocean festgestellt, dann im Mittelmeere und
im Rothen Meere, wo sie überall in verschiedenen Tiefen — von 10 bis 8000
Knoten — lebt.
Bolivina robusta, Brady. (Non B. Karreri Procházka, 1893, Miocaen Zidlocho-
viek na Moravé a jeho zvífena, tab. VI, vzor 6 ab. — 1884. Brady, 1. ©
S. 421, Taf. LV, Fig. 7—9.) Die aus dem Gross-Seelowitzer Tegel heraus-
geschlemmten Individuen, die ich im J. 1895 beschrieben und abgebildet habe;
unterscheiden sich auf den ersten Blick von Brady's Typen auffallend genug:
Namentlich weichen von denselben jene Individuen ab, deren Oberfläche von
einander entfernte Höckerchen trägt, wodurch die ganze Oberfläche gehóckert
erscheint. Das Material von Rudelsdorf und Lukau lehrt jedoch, dass es ausser
diesen Individuen andere gibt von denselben allgemeinen Charakteren, doch
mit den von Brady beschriebenen Individuen congruent, und zwar haben diese
auf der Oberfläche anstatt begrenzter Höcker Knospen von stumpfen Contouren,
die in einander übergehen, verchwimmen und einander durchsetzen, was zur
Folge hat, dass die ganze Oberfläche einen entweder netzartigen oder unregel-
mässig warzenförmigen, für die Individuen Brady’s bezeichnenden Charakter
annimmt. Eben diese Merkmale haben mich veranlasst, die Individuen von
Gross-Seelowitz der Brady’schen Gruppe unterzuordnen, und zwar umso eher,
je gróssere Uebereinstimmungen und kleinere, ja unbedeutende Differenzen 95
gibt. Bisjetzt wurde diese Art aus den jetzigen Meeren angeführt. Sie wurde
aus den Tiefen von 10—1900 Knoten im südlichen Pacifik, ferner im nórdlichen
Pacifik und im nördlichen Atlantischen Meere entdeckt.
Bolivina punetata, d’Orbigny. (1846. Bolivina antiqua d'Orbigny, 1. с. S. 240,
Taf. XIV, Fig. 11—13. — 1860. А. E. Reuss 1. с. 213.) A. Е. Reuss bemerkt,
sie sei im Rudelsdorfer Tegel ziemlich häufig. Diesmal gelang es mir nicht;
155
dasselbe festzustellen. Trotzdem ich von dortselbst ziemlich viel Material
(Tegel und seinen Schlemmrückstand) hatte und es sorgfältig durchsuchte,
gelang es mir nicht ihr Gehäuse zu entdecken. Das soll niemand für einen
Gegenbeweis von Reuss’ Angabe halten. Es ist ja hinreichend bekannt, wie
unsicher in dieser Hinsicht die Littoralsedimente sind. Nach meiner Meinung
ergibt eine künftige Ausbeute wieder ein anderes, wenn auch im Wesentlichen
congruentes Resultat. Dagegen wurde aus dem Tegel von Lukaw eine Anzahl
von schön erhaltenen Individuen herausgeschlemmt, welche ebenso gross sind,
wie jene anderswoher aus dem heimischen Miocaen und dieselben Merkmale
zur Schau tragen wie diese. Ueberhaupt kann man kein selbst kleinstes Unter-
schiedehen gewahren, das darauf hinweisen möchte, dass unsere ostböhmischen
Individuen von z. B. mährischen, nieder- oder oberösterreichischen o. a. Indi-
viduen difterieren. Im Miocaen von Mähren und Niederösterreich treffen wir
ihre Gehäuse fast auf jeder Localität; von den mährischen sollen hier folgende
erwähnt werden: Borač, Drnovice, Boskovice, Knihnice; von den niederöster-
reichischen: Baden, Grinzing und Enzersdorf, ausserdem sind sie aus dem
Tegel von Lapugy (Siebenbürgen) und Wieliezka (Galizien) bekannt. Ferner
wurde diese Art im Londoner Tegel, in den Tertiaerschichten von Hampshire,
Baiern und in den Glacialablagerungen von Schottland nachgewiesen. Sie ist
eine cosmopolitische Art, nach Brady lebt sie zwischen 75° 35 nördlichen und
583° südlicher Breite im nördlichen und südlichen Atlantischen Ocean, im
| Rothen Meere und im Mittelmeere.
Lagena strumosa, Reuss. (1862. A. Е. Reuss. Die Foraminiferen-Familie der
Lagenidae. Sitzurgsberichte der k. Akademie der Wissenschaftee in Wien, 46.
Band S. 328, Taf. IV, Fig. 49.) Fig. 54. — In den Bereich dieser Art stelle
ich vorläufig (bis auf den abgebrochenen Hals) ein schön erhaltenes Exemplar
aus dem Rudelsdorfer Tegel, welches ich nicht als Typus von einer neuen
Art aufstellen will, trotzdem manche Umstände dazu auffordern. Zu dieser
That nöthigt mich das ungenügende und spärliche vorliegende Material. Die
zu einer vorsichtigen Einreihung dieses Exemplares zwingenden Merkmale
weichen auffallend genug von jenen ab, welche wir an typischen Individuen
von Lagena strumosa sehen. Vorerst fällt die Berippung unseres Exemplars
auf, Wahrlich ist dasselbe den Typen der Reuss'schen Species ühnlich, doch
nicht gleich. Es weicht von ihr theils durch die Form des Gehäuses, welche
birnförmig angeschwollen ist, theils durch die Rippen ab, deren es weniger
gibt als bei den typischen Individuen. Dann auch dadurch, dass seine Rippen
gegen den Hals und gegen den unteren Mittelpunkt des Gehäuses zu verschwin-
den. Dieser Abweichnngen eingedenkt, halte ich dafür, dass es vielleicht später,
bis mehr und auch besser erhaltenes Material vorliegen wird, gelingt, die
Grenzen zwischen den Typen dieser Art und den hier aus dem Rudelsdorfer
marinen Miocaentegel angeführten Individuen zu ziehen.
ena spec. Indem ich nur ein Exemplar zur Disposition habe, das überdies
SA Halse schadhaft ist, vermag ich nicht seine Artengrenze bestimmt zu be-
Zeichnen, weshalb ich mich damit zufrieden gebe, dass ich es verzeichne und
Mit den verwandten Arten vergleiche. Zu diesen gehören in erster Reihe
L ag
156
L. hispida und L. aspera, welche, wie unser Rudelsdorfer Exemplar eine mit
winzigen unregelmässig vertheilten und zusammengedrückten Höckerchen be-
deckte Oberfläche besitzen. Was die Form des Gehäuses betrifft, so besteht
fast kein Unterschied zwischen dem vorliegenden Rudelsdorfer Individuum und
den hier aufgeführten Arten. Ob es aber wirklich einer von den genannten
Arten angehört, darüber wird auch in diesem Falle die Zukunft entscheiden.
Nodosaria (G.) laevigata, d'Orbigny. (1846, 1. c. S. 29, Taf. I, Fig. 4—7. —
1860. Glandulina ovula A. E. Reuss, 1. c. 8. 209. — 1884. Brady, 1. c. 8. 120,
Taf. LX.) Bisher hat sie im Rudelsdorfer Tegel nur A. E. Reuss sichergestellt,
welcher bemerkt, sie sei dort sehr selten. Eine ziemlich gewöhnliche Erschei-
nung ist sie dagegen in den miocaenen Sedimenteu von Mähren, dann in
denen von Niederösterreich (Nussdorf, Grinzing, Baden u. s. w.), dann in
Steiermark (St. Egid). Mit ihren Abarten reicht sie bis in die untere Trias
zurück, von wo sie sich durch fast alle geologischen Epochen verbreitet. Heut-
zutage ist sie auch im Meere verbreitet, sie lebt von 79° 45' nördlicher Breite
angefangen bis zu 53° südlicher Breite.
Fig. 54. Lagena strumosa, Reuss. Fig. 55. Nodosaria venusta, Reuss.
Rudelsdorf ??/, vergróssert. Rudelsdorf. 211, vergróssert.
Nodosaria venusta, Reuss. (1849, 1. c. 8. 3, Taf. I, Fig. 5. — 1860, 1. €. 5.
209.) Fig. 55. — Bereits А. E. Reuss erwähnt diese Art im Tegel von Ru-
delsdorf. Auch diesmal wurde sie darin entdeckt, nur in einer verhältnis“
mässig grossen Menge, so dass die Ansicht Reuss’, sie sei im Ru.lelsdorfer
gelben Tegel selten, in dem Sinne richtiggestellt werden muss, dass diese
Art in der unmittelbar dem permischen Sandstein auflagernden Bank gelbe?
Tegels verhältnissmässig häufig und durch insgesammt hübsch ja herrlich er
haltene Ivdividuen vertreten ist. Das abgebildete Exemplar ist dadurch interes
sant, dass es längs der Längsaxe schwach einigebogen ist, wodurch es gewis-
sermassen die Regelmüssigkeit der Individuen verliert, von deren Reihe Reuss
das am regelmässigsten entwickelte abbildete. Trotzdem es dieser ziemlich
viele gibt, ja diese auch manehmal überwiegen, so gibt es doch ausser ihnen
Individuen, aus deren Gruppe das vorliegende stammt. Auch die Rippenzall
variert oft. Ebenfalls pflegt die Länge derselben verschieden zu sein. Und zu
diesen Merkmalen gesellt sich endlich auch dasjenige, dass bei manche?
Individuen die erste Kammer der Stacheln entbehrt, oder sehr oft eine ve
157
kümmerte und nur durch ein winziges Knöpflein vertretene Stachel besitzt.
М. venusta ist nach meinen bisherigen Erfahrungen im Tegel von Rudelsdorf
und ebenso in dem von Zukau häufig, wo ihre Individuen auch prächtig er-
halten sind, während sie im Tegel von Schirmdorf sehr selten ist. Von Böhmen
geht sie in das Miocaen Westmährens (Sebranice) und von dannen in das-
jenige Niederoesterreichs (Grinzing bei Wien) über.
Nordosaria semirugosa, d'Orbigny. (1846, 1. c. S. 34, Taf. I, Fig. 20—23.)
Sie ist überhaupt in den heimischen Miocaenablagerungen selten. Dasselbe
gilt auch von unserem Gebiete. Nur auf einer Fundstütte wurde sie dort nach-
gewiesen, und zwar im Tegel von ZLwkaw. Zwei hübsche Exemplare wurden
im Schlemmrückstande des dortigen Tegels gefunden. Das grössere von ihnen
ist prächtig erhalten, bis auf die embryonale Kammer, die zur Hälfte zer-
quetscht ist, dem kleineren fehlt der Hals der Endkammer. Die bei dieser
Art besonders charakteristische Oberfläche besitzen sie unberührt. Die sehr
kurzen Stacheln ragen auf alle Seiten fast diametral heraus. Bisher wurde diese
Art in der Regel im Tegel der Badener Facies gefunden; unsere Entdeckung
Stellt sie auch im Thone einer seichteren See fest und ist in dieser Hinsicht
also auch interessant und hat ihre Bedeutung.
Nodosaria Bouéana, d'Orbigny. (1846. Dentalina Bouéana d'Orbigny, l. c. S.
47, Taf. I, Fig. 4—6. — (1860 A. E. Reuss, 1. c. S. 209). Diese im hei-
mischen Miocaen weit und breit verbreitete Art, wo sie nicht nur in Tegeln,
sondern auch in Mergeln auftritt, wurde in unserem böhmischen Gebiete der
marinen miocaenen Tegel zuerst von A. Е. Reuss im Budelsdorfer Tegel
entdeckt. Trotz einem emsigen Suchen und Forschen gelang es mir nicht, ihre
Srösstentheils immer hübschen Gehäuse im Schlemmrückstande des Tegels von
Rudelsdorf nachzuweisen, dagegen gelang es mir ihr Gebiet dadurch zu er-
weitern, dass ich sie im Tegel von Lukau fand, wo sie nach den bisherigen
Erfahrungen eine seltene Erscheinung ist und jener vortheilhaften Erhaltung
N entbehrt, der sie sich namentlich auf den mährischen Fundorten erfreit.
9dosaria (D.) acuta, d'Orbigny. (1846, 1. с. S. 56, Taf. II, Fig. 40—45.)
Bisher wurde diese Art nur in zwei Exemplaren im Rudelsdorfer Tegel ge-
fanden. Beide sind schadhaft. Das kleinere besitzt einen erhaltenen hinteren
Theil des Gehäuses, der grössere vordere Theil ist abgebrochen. Dagegen
Sind beide Fragmente vortrefflich erhalten, so dass ihre Vergleichung mit den
Typen keine Schwierigkeiten bereitet. Was die Dimensionen der Kammern
betrifft, ist es nöthig zu erwähnen, dass sie den Dimensionen der Individuen
aus dem inneralpinen Becken gleichen. Ausserdem wurde sie auch im Tegel von
Lukau gefunden. N. acuta ist nicht nur im Miocaen, sondern auch im Oli-
S0caen verbreitet Prof. M. Hantken entdeckte sie in oligocaenen Mergeln
von Ungarn, mir gelang es sie auch im oligocaen von Pausram nachzuweisen.
Weit verbreiteter ist sie jedoch im Miocaen, wo sie in den Tegeln, im Schier,
Schliesslich im Mergel und im Leithakalke von Mähren, Niederoesterreich,
Noqo oosterreich und Schlesien zuhause ist. di n
saria (D.) acuticauda, Reuss. (1851, Ueber die foss. Foraminiferen und
Entomotraceen der Septarienthone der Umgebung von Berlin. — 1863. A. E.
|
|
|
|
158
Reuss. Beiträge zur Kenntniss der tertiaeren Foraminiferenfauna. Sitzungs-
berichte der К. Akademie der Wissenschaften 48. Band S. 45, Taf. ш,
Fig. 26.) Bisher nur im Zudelsdorfer Tegel in einem schónen Exemplare
jedoch ohne Terminalkammer sichergestellt. Dieses Gehäuse stimmt in der
Anzahl, Form und Grösse der Kammern gänzlich mit den Individuen der
Art N. elegans überein. Ich trenne es doch von dieser Art auf Grund eines
Merkmals, das ich von hinreichendem Gewichte finde, namentlich da ich e$
früher an vielen und vielen Individuen als constant kennen gelernt habe. Ich
kehre, wie ersichtlich, über die Ansicht Brady's zu derjenigen A. E. Reuss
zurück. Über dieses und andere ebentalls als geringfügig anerkannte Merkmale
werde ich binnen Kurzem auf einem anderen, passenderen Orte sprechen.
Nodosaria (D.) elegans, d'Orbigny. (1846, 1. c. 8. 45, Taf. I, Fig. 52 -56.)
Nodosaria (D.) Roemeri, Neugeboren. (1856, 1. c, 5. 12
Nodosaria (D.) pygmaea, Neugeboren. (1856. Die Foraminiferen aus der Or
nung der Stichostegier. 12. Band, S. 80, Taf. IL, Fig. 9.) Fig. 57.
Art ist im Rudelsdorfer Tegel sehr selten. Bisher wurde daraus nur ein scl
Diese Art war bisher aus marinen miocaenen Sedimenten Böhmens nicht
bekannt. Diesmal wurde sie jedoch in einigen Individuen aus dem Tegel von
Lukau und ein erwachsenes Exemplar aus dem Rudelsdorfer Tegel heraus-
geschlemmt. Die Individuen von Lukau sind so gross wie die aus dem
mährischen Miocaen, auch ihre embryonale Kammer läuft in eine Stachel
aus, was dem Gehäuse das Ansehen der von А. E. Reuss N. acuticauda
benannten Art verleiht. (Ueb. d. foss. Foraminiferen und Entomostraceen d.
Septarienthones d. Umgebung von Berlin. 1851.) N. elegans ist ziemlich stark
im Oligocaen verbreitet, wo sie Reuss in Ungarn und Deutschland und ich in
Mähren fand. Einer viel grösseren Verbreitung erfreut sie sich im Miocaen;
wo sie in der Tegel, Mergel- und Leithakalkfacies zuhause ist.
Fig. 56. Nodosaria (D) Roemeri, Neugeb. Fig. 57. Nodosaria (D) pygmaea,
Rudelsdorf. 28/, vergróssert. Neugeb. Rudelsdorf. ?З/, vergróssert.
Taf. II, Fig. 18—17
— 1884. Brady, l c. S. 505, Taf. LXII, Fig. 1.) Fig. 56. Sie wurde bisher
nur im Rudelsdorfer Tegel in zwei hübsch erhaltenen Individuen gefunden
von denen das grössere ganz erwachsen ist und sich durch die Merkmale der
als typisch von Neugeboren beschrieben und abgebildeten Individuen aus den
siebenbürgischen Tegeln auszeichnet. Brady führt diese Art aus dem nördli-
chen Atlantischen Ocean aus den Tiefen bis 400 Knoten an.
.— Diese
1007
159
erhaltenes Individuum mit Merkmalen herausgeschlemmt, welche die Individuen
aus den Lapugyer Tegeln in Siebenbürgen zur Schau tragen, von wo sie
vom Pfarrer Neugeboren zuerst beschrieben und in die Litteratur eingeführt
wurden.
Nodosaria (D.) bifurcata, d'Orbigny. 1846, 1. c. S. 26, Taf. П, Fig. 38, 39. —
1849. A. E. Reuss, 1. c. S. 367, Taf. XLVI, Fig. 10. — 1860. A. E. Reuss,
L e. S. 209.) Von dieser seltenen Art wurde aus dem Rudelsdorfer Tegel
nur ein stark schadhaftes Individuum herausgeschlemmt. Wenn wir die Menge
des geschlemmten Tegels erwägen, müssen wir der Ansicht Reuss’ beipflichten,
dass diese Art im Rudelsdorfer Tegel sehr selten vorkommt. Von dem vorlie-
genden Gehäuse ist die terminale und die embryonale Kammer abgebrochen,
an den übrüggebliebenen kann man sich jedoch genau überzeugen, dass die
Merkmale unseres schadhaften Individuums mit den Merkmalen der Individuen
derselben Art aus dem Badener Tegel übereinstimmen. Ausser diesem Fund-
orte kennt man N. bifurcata noch aus der Gegend von Nussdorf, Lapugy,
Miechowice u. a.
b
a Seit | | Fig. 58, Nodosaria (D) scabra, Reuss. Wn
"ienansicht eines 23, vergrósserten Gehäuses, b stark vergrösserte zwei jüngste Kammern.
Nodosaria (D.) seabra, Reuss. (1849, l. c. S. 3, Taf. I, Fig. 7, 8. — 1860.
Dentalina pilosa, Reuss 1. с. S. 209, Taf. Ш, Fig. 1.) Fig. 58. — Nachdem
ich schön erhaltene Rudelsdorfer Exemplare mit den Typen dieser Art ver-
Slichen hatte, gewann ich die feste Überzeugung, dass D. pilosa aus dem
Rudelsdorfer Tegel nichts anderes ist als ein Vertreter der N. scabra. Durch
die Untersuchung der Oberfläche der Rudelsdorfer Gehäuse unter einer starken
Loupe überzeugte ich mich, dass sie eine gerippte Oberfläche besitzen und
dass zwischen den — allerdings sehr schwachen — Rippen eine Reihe von win-
zigen Grübchen liegt. Die jüngste Kammer entbehrte dieser Zierden. Auf
älteren Kammern werden die Rippen niedriger und dafür treten kleine Stacheln
auf, welche gegen die erste Kammer zu grösser werden. Je nach dem Alter
des Individuums reichen die Stacheln entweder hoch hinauf bei jungen oder
Niedrig bei alten Individuen. Dadurch ist eine Verschiedenheit der Gestalten
und auch der von den wirklichen Typen der N. scabra abweichende Charakter
unserer Individuen bedingt. Und wie in Rudelsdorf, so ist diese Art auch
Im Tegel von Lukau, Landskron, Bóhmisch-Trübau und Schirmdorf (Viadukt)
160
zuhause. Auf allen diesen Fundorten sind ihre Gehäuse erwachsen, vielfach
auch abnormal gross und beinahe tadellos. Eine ganz gewöhnliche Erscheinung
ist N. scabra in den Miocaenablagerungen von Mähren und Niederoesterreich.
Sie bindet sich an keine bestimmte Facies, im Gegentheil ist sie in allen
zugegen. Im J. 1892 habe ich ihre Geháuse auch im oligocaenen Mergel von
Pausram gefunden.
Marginulina Hoernesi, Reuss. (1860 Cristellaria Hoernesi, l. c. S. 210, Taf. III,
Fig. 2.) Fig. 59. — Die Gehäuse dieser schönen Art wurden auch diesmal
günstig erhalten gefunden. Sie gehören erwachsenen Individuen an, von denen
das grössere 2 mm länge misst. Reuss schreibt in der erwähuten Abhandlung,
sein Exemplar von 7 Kammern messe 0'75 mm. Daraus geht natürlich hervor,
dass die Grösse des Gehäuses dieser Art in verhältnissmässig bedeutend von-
einander entfernten Grenzen variiert. Es sei noch hervorgehoben, dass die
Kammern nicht immer gleich gewólbt sind. Vielfach kommen Exemplare mit
fast flachen Kammern vor, infolgedessen erscheint das Gehäuse stark zu-
sammengedrückt. Das kann man jedoch durchwegs an älteren Kammern, nie
an der terminalen betrachten. Diese ist immer stark convex und an der /
Mundseite mit einer schwachen abgestumpften Kante geziert. Wenn wir A. E.
Reuss’ Resultate mit den unsrigen zusammenziehen, gewinnen wir den Schluss,
dass sich diese Art nicht nur auf den Rudelsdorfer gelben Tegel beschränkt,
sondern auch im Tegel von Lukau, wo sie verhältuissmässig ziemlich selten
ist, vorkommt. Auf den übrigen miocaenen Fundorten wurde sie bisher nicht
entdeckt.
o b
Fig. 59. Marginulina Hoernesi, Reuss. Fig. 60. Marginulina similis, d’Orb.
Rudelsdorf. ??/, vergróssert. Rudelsdorf. ??/, vergróssert.
в Vorder-, b Seitenansicht des Gehäuses.
Marginulina similis, d'Orbigny. (1846, l. c. S. 69, Taf. III, Fig. 15, 16.)
Fig. 60. — Diese Art hat H. Brady der Gruppe untergeordnet, auf deren
Spitze er die Typen der Art М. glabra gestellt hat. Ich folge hier aus
wesentlichen und gewichtigen Gründen Brady nicht, von welchen Gründen
ich spärter in einer selbständigen vergleichenden Arbeit über die Foramini-
feren des mährischen Miocaens sprechen werde. Das Resultat meiner ver-
oleichenden Studien führt zu den älteren Meinungen d'Orbigny's, Reuss’ und |
| F. Karrers, nach welchen man die Individuen dieser Art in die Schrünke
jener Species nicht hineinbringen kann — wie es Brady für möglich hält.
Das Individuum dieser Art von Rudelsdorf und Lukau bietet uns auch
einen Beleg dafür; inwieweit, darüber ein anderesmal.
161
Cristellaria minima, Karrer. (1864, Ueber das Auftreten der Foraminiferen
in den Mergeln der marinen Uferbildungen des Wiener Beckens, L Theil, S.
707, Taf. I, Fig. 8) — Winzige, gewöhnlich prächtig erhaltene Gehäuse
dieser Art sind im heimischen marinen Miocaen verhältnissmässig sehr selten.
Sie wurden ursprünglich im Tegel Westslavoniens in der Umgebung von Ben-
kovac entdeckt; auch in Mähren habe ich Gelegenheit gehabt, von ihrer Ge-
genwart mich zu überzeugen. Zufällig habe ich sie auch in unserem Gebiete,
und zwar im Tege! von Lwkaw entdeckt. Das von dort stammende Gehäuse
ist prächtig erhalten, jedoch von Dimensionen wie die gewöhnlichen Typen.
Cristellaria cultrata, Montf. (1846 d’Orbigny, 1. с. S. 96, Taf. IV., Fig. 10—13.
— 1884. H Brady, 1. c. 8. 550, Taf. LXX., Fig. 4. 6.) Verhältnissmässig
selten findet man im Schlemmrückstande des Rudelsdorfer und Schörmdorfer
Tegels die Gehäuse dieser Art. Sie sind durchwegs flacher als die aus dem
mährischen Miocaen, ihr Mitteltheil tritt mehr hervor und der Nabel ist stark
hervortretend, gerundet. Ihr Lamellarrand erreicht keine grössere Breite, ist
jedoch scharf und dünn. Diese Art erscheint zum erstenmale im Oligocaen von
Ungarn und Mähren, ebenfalls ist sie auch aus dem Oligocaen von Italien
bekannt. Aus dieser Formation geht sie in das Miocaen über, wo sie
eine grosse nicht nur horizontale, sondern auch vertikale Verbreitung erreicht.
Sie ist nicht nur aus dem Schlier, sondern auch aus den Badener Tegeln,
Steinabrunner Mergeln und Einlagerungen im Leithakalke bekannt, und zwar
in mährischen, ober- und niederösterreichischen, ungarischen und schlesischen
Gebieten. Im böhmischen Miocaensprengel wurde sie bisher nur im gelben
Rudelsdorfer und blaugrauen Schirmdorfer Tegel entdeckt.
Fig. 61. Cristellaria calear, d’Orb.
Rudelsdorf. 29/, vergrössert. а Seiten-, b Vorderansicht des Gehäuses.
Cristellaria calcar, d'Orbigny. (1846, 1. c. S. 99, Taf. IV., Fig. 18, 20. — 1860
4. E. Reuss, l. б. S. 210). Fig. 61. Diese Art kommt im Rudelsdorfer gelben
Tegel häufiger als im Tegel von Zukau vor. Die Individuen von verschiedenen
Entwickelungs-Stadien kann man hier durchwegs schön erhalten herausschlemmen.
Gleich beim ersten Anblick der Rudelsdorfer Individuen wird es uns auffallend
sein, dass sie mehr oder minder der zierlichen Stacheln entbehren. Wenn wir
Sie aber sorgfältiger beobachten, finden wir auch diese Dornen an ihnen, jedoch
verkümmert. Nur an einem Individium war ich im Stande, erwachsene Stacheln
zu finden. Mit langen und dünnen Stacheln gezierte Gehäuse möchten wir ver-
geblich suchen. Cr. calcar gehört ohne Widerrede der Gruppe der interes-
Santesten Arten an. Sie reicht bis in das untere Oligocaen von Deutschland,
11
in das mittlere Oligocaen Mährens, von dannen geht sie in die Miocaensedi-
mente über und ist in ihnen weit und breit verbreitet (Mähren, Schlesien,
Ober- und Niederósterreich, Siebenbürgen, Ungarn). In den heutigen Meeren
lebt sie in verschiedenen Tiefen und steigt bis in die Tiefe von 580 Knoten hinab.
Cristellaria Austriaea, d'Orbigny. (1846, 1. c. S. 102, Taf. V., Fig. 1, 2). Diese
leicht erkennbare Art, deren horizontale und vertikale Verbreitung im heimi-
schen Miocaen bis auffallend gross ist, war bisher uns dem böhmischen Miocaen
nicht bekannt. Diesmal gelang es mir zwar, sie nachzuweisen, doch wurden
nur ein Paar Individuen im Rudelsdorfer Tegel entdeckt. Diese stimmen mit
den typischen Exemplaren von Mähren und Niederösterreich völlig überein.
Wie dort, so sind auch auf unserem böhmischen Fundorte ihre Gehäuse schön
erhalten, vielfach tadellos gefunden worden.
ristellaria intermedia, d’ Orbigny. (1846, 1. c. S. 104, Taf. V., Fig. 3, 4).
Ein schön erhaltenes Gehäuse eines jungen Individiums wurde diesmal aus
dem gelben Tegel von Rudelsdorf herausgeschlemmt. Von den typischen mähri-
schen und niederösterreichischen Formen ist es nicht zu unterscheiden und
auch nur durch die kleinste Abweichung zu trennen. Die Lage und das gegen-
seitige Verhältnis der Kammern, die Lage und Form des Nabels und der
peripherischen Rückenkante sind aueh an ihm so charakteristisch, dass man
die vorliegende Art keineswegs der Art Cr. crepidula Fichtel et Moll sp., wie es
Brady that, unterordnen kann. Im Gegentheil zeugen die erwähnten Merkmale nur
für die Ansicht d'Orbigny's von der Selbständigkeit dieser Art. Jedoch auch die
Individuen aus dem Tegel von Zukau, wo es derselben eine ziemlich bedeutende
Menge gibt, und auch aus dem Tegel von Schirmdorf bestätigen jene Ansicht.
Was die Verbreitung dieser Art in mührischen und überhaupt heimischen
Tegeln betrifft, so kann hier erwühnt werden, dass sie eine bedeutende ist.
Cristellaria inornata, d Orbigny. (1846 Robulina inornata d’Orbigng, 1. c. S. 102,
Taf. IV, Fig. 25, 26. — 1860 А. E. Reuss, l c. S. 200). Trotzdem ich nach
den winzigen Gehäusen dieser prächtigen und interessanten Art fleissig 66°
forscht habe, habe ich sie bisher im Rudelsdorfer und Lukauer Tegel nicht
gefunden. Dagegen ist sie in den Tegeln Mährens (Drnovice, Pamötice, Knih-
пісе, Jaroměřice, Boskovice u. s. w.), Niederósterreichs (Baden), Siebenbürgens
(Lapugy) häufig und verbreitet.
"ristellaria depauperata, Reuss. (1851, 1. c. S. 70, Taf. I., Fig. 29). Drei Ge
häuse gelang es bis jetzt nachzuweissen. Alle sind theilweise schadhaft, doch
nieht dermassen, dass sie eine genaue Bestimmung erschweren möchten. Sie
fallen durch winzige Dimensionen auf, sonst sind sie mit den aus mührischen
Fundorten bekannten Typen congruent. Ursprünglich von A. Æ. Reuss iM
Septarienmergel des deutschen Oligocaens entdeckt, wurde diese Art von mir
im J. 1890 von mir im Oligocaen von Pausram sichergestellt und früher auf
verschiedenen Orten Mährens und im Tegel von Dombrau nachgewiesen. Im gelben
Tegel von Rudelsdorf und im bläulichen von Lukau ist sie eine seltene
Erscheinung, auf den übrigen Miocaenfundorten scheint sie zu fehlen.
163
Polymorphina (6.) problema, d'Orbigny. (1846. Guttulina problema d'Orbigny
1. с. S. 224, Taf. XII., Fig. 26—28. — 1860. A. E. Reuss, l. с. 5. 212. — 1884.
Brady 1. с. S. 568, Taf. LXXIL, Fig. 20; Taf. LXXIII, Fig. 1) Fig. 62. —
Diese Art entdeckte im Audelsdorfer Tegel ursprünglich А. Æ. Reuss. Das
hier abgebildete Individuum nimmt, was die allgemeine Form des Gehäuses
und die Anordnung der Kammern betrifft, die Mittelstellung zwischen den
typischen Individuen dieser Art und der ursprünglich von А. Æ. Reuss aus
dem Oligocaen Deutschlands beschriebenen Art P. lanceolata ein. Es ist vorzüg-
lich erhalten seine Oberfläche glatt und glänzend. Aber auch im Tegel von
Lukaw gelang es schöne Individuen dieser Art zu finden, welche ich auch aus dem
Tegel von Schirmdorf berausgeschlemmt habe. Die Art P. problema gehört
der kosmopolitischen Gruppe der Foraminiferen an. Sie lebt in allen Meeren
von 79° 26° nördlicher Breite an in mässigen Tiefen, indem sie in die maxi-
male Tiefe von 155 Knoten hinabsteigt. Ihre Varietäten gehen bis in den
Lias und kommen fast in allen geologischen Horizonten vor. Namentlich sind
sie im Miocaen von Mähren (Hausbrunn, Borač u. s. w.) Niederösterreich
(Möllersdorf, Grinzing, Nussdorf), Steiermark (Wurzing), Galizien (Lemberg,
Wieliezka), Oberschlesien (Miechowice), Baiern, von der Schweiz und von
Italien verbreitet.
A
v
Fig. 62. Polymorphina problema, Fig. 63. Polymorphina inaequalis,
d'Orb. Rudelsdorf. ?9/, vergróssert. Reuss. Rudelsdorf. 291, vergróssert.
Polymorphina inaequalis, Reuss. (1849 Globulina inaequalis Reuss, 1. c. S. 18,
Taf. IIL, Fig. 9). Fig. 63. — Das abgebildete Exemplar erinnert lebhaft an
das Original der Brady’schen Art P. gibba. Ich habe früher gemeint, dieses
Rudelsdorfer Exemplar gehöre wirklich dieser Art an, doch ein eingehenderes
Studium hat mich belehrt, dass dies nicht der Fall ist. Diese Art ist überhaupt
selten, wo sie immer zuhause ist, dasselbe gilt auch vom Tegel von Zukau.
Gewöhnlich ist sie hübsch erhalten. Auch von unserem Individuum kann man
dasselbe, doch nur insoferne behaupten, dass es einen stark schadhaften Mund-
theil hat. "Trotzdem ist es nieht schwer, sich mit seinen interessanten Merk-
malen vertraut zu machen. Zu diesen ist auch das zu reihen, dass sie ver-
hültnissmüssig stark, stürker als die typischen Individuen, zusammengedrückt
ist. Bis jetzt beschränkt sie sich nur auf das mährische, steiermärkische und
niederösterreichische Miocaengebiet, wo sie in grösserer individueller Menge
in den Mergeln der Leithakalfacies gefunden wurde.
Plymorphina aequalis, d'Orbigny. (1846. Globulina aequalis d'Orbigny, l. е.
S. 227, Taf. XIIL, Fig. 11, 12. — 1860. A. E. Reuss, l. c. S. 212.) Wurde
(Bi
bisher im ARudelsdorfer Tegel nur von A. E. Reuss entdeckt. Er bemerkt,
" o
dass sie auf dem erwähnten Fundorte sehr selten ist.
Polymorphina digitalina, d’Orbigny. (1846, 1. с. 8. 235, Taf. XIV., Fig. 1—4.
— 1860. A. E. Reuss, 1. с. S. 212.) Zuerst von Reuss im gelben Rudelsdorfer
Tegel entdeckt, wurde sie diesmal nicht nur da, sondern auch im Tegel von
Triebitz festgestellt. Die Gehäuse von unseren beiden Fundorten sind hübsch
erhalten und geichen in dieser Hinsicht den anderwärtigen. Namentlich gilt
dies von den Gehäusen aus dem Rudelsdorfer Tegel. Diese Art gehört der
Gruppe der im heimischen Miocaen weit verbreiteten Arten an. Sie geht aus
dem böhmischen Gebiete in das mährische (Boraé, Drnovice u. a.) über, dann
in das niederösterreichische (Nussdorf); steiermärkische (Wurzing, Freibühl),
siebenbürgische (Lapugy), oberschlesische (Miechowice) u. a.
Globigerma bulloides, d’Orbigny. (1884. Brady, 1. с. 8. 593; Taf. LXXVIL,
Taf, LXXIX, Fig. 8—7). Fig. 64. — Bisjetzt waren die Globigerinen aus
böhmischen miocaenen Sedimenten nicht bekannt. Reuss gelang es nicht, sie
in irgend welchem dortigen Depöt zu finden, und es ist wahrscheinlich, dass
er ihnen emsig nachforschte. Dieser Umstand scheint mir genug von Gewicht,
um von ihm Gebrauch zu machen und einige Worte an ihn anzuknüpfen. Es
ist hochinteressant, dass sich die Globigerinentegel und -Mergel ausschliess-
lich nur auf Mittelmähren beschränken. In den Ausläufern der böhmisch-
mührischen Hochlandes sucht man sie vergebens. Sie existieren dort überhaupt
nicht. Wenn wir die Globigerinen im nord- und westmührischen Miocaen be-
trachten, gewahren wir eine merkwürdige Erscheinung, die darin ihr Interesse
hat, dass die individuelle Menge, je mehr man sich den Küsten des Miocaen-
meers nähert, d. h. je weiter man in die Ausläufer der dortigen Miocaen-
gebiete vordringt, desto mehr abnimmt. Das habe ich früher in Mähren bê-
obachtet und durch zahlreiche Belege erhürtet. Die grosse Seltenheit von
Globigerinen im Tegel von Rudelsdorf, Lukau, Landskron und Böhmisch Trü-
bau ist nur ein weiterer Beweis von der richtigen Beobachtung — und hat
ihren Grund nur in der Lebensweise der Globigerinen. Sie sind bekanntlich
pelagische, auf offener See lebende Thiere. In unsere Bucht wurden sie, wie
ersichtlich und klar, nur in einer unbedeutenden Menge durch Strómmungen
eingetragen, die Hauptmasse von ihnen sank abgestorben in der Region der
damaligen hohen See zu Boden. Auch das bisher einzige im Rudelsdorfer Tegel
entdeckte Gehäuse ist vortrefflich erhalten. Es ist gross wie jedes von ander-
würts, die Kammern sind so wie bei typischen Individuen angeordnet — mit
einem Wort, es weicht auch nicht in einem einzigen Merkmale von den Iu
dividuen aus den mährischen Globigerinen-Tegeln und Mergeln ab. Von der
Kreideformation angefangen ist diese Art in allen jüngeren Formationen ZU
hause. Als sehr verbreitet wurde sie im Miocaen und zwar sowohl in dem
heimischen, als auch in dem auswärtigen erkannt. Bei uns kommt sie fast
in allen Facien vor, die sandige nicht ausgenommen. In den heutigen Meeren
ist sie ebenfalls weit und breit verbreitet, Mit Recht wurde sie unter die
kosmopolitischen Arten eingereiht.
165
Globigerina buloides var. triloba, Reuss. (1849, 1. c. vol. I., S. 374, Taf. XLVII.,
Fig. 11. — 1884. Brady, 1. с. S. 595, Taf. LXXIX., Fig. 1, 2; Taf. ХХХІ,
Fig. 2, 3). Fig. 65. — Auch die Gehäuse von dieser Art sind offenbar im
Tegel von Rudelsdorf und Lukaw höchst selten. Es wurden nur acht Exem-
plare gefunden. Sie ist vorzüglich erhalten, entbehrt jeder selbst kleinsten
Beschädigung. Sie ist vorzüglich dadurch interessant, dass sie ein unversehrtes
und so vollkommen entwickeltes Mündungsdüchlein besitzt, dass dasselbe ein
vollständiges Bild über seine Beziehung zur Mündung gibt. Diese durch die
Anordnung der Kammern auffallende Form begleitet überall die vorige Art.
Sie ist aber kein junges Stadium von derselben, wie man es auch seinerzeit
vermuthete. Ihre horizontale und vertikale Verbreitung im heimischen Miocaen
ist gross, der der vorigen Art gleich.
Fig. 64. Globigerina bulloides, d'Orb. Fig. 65. Globigerina bulloides var.
Rudelsdorf. ®°/, vergróssert. triloba, Reuss. Rudelsdorf. ®°/, vergr.
Pullenia sphaeroides, d'Orbigny. (1826. Nonionina bulloides d'Orbigny Ann. Se.
Nat. vol. VIL, 8. 293, Nr. 1, I. Modele. — 1846. d'Orbigny 1. c. S. 107,
Taf. V., Fig. 8—10. — 1884. Brady, l. c. S. 600, Taf. LXXXIV., Fig. 3, 4).
Bisher wurde sie im böhmischen Gebiete des marinen Miocaens zwar nur im
Tegel von Zukau und Landskron nachgewiesen, doch hier in einer bedeuten-
den individuellen Menge und in schón erhaltenen Individuen. Diese decken
sich vollkommen mit den mährischen und zeigen weder in der Grösse des
Gehäuses noch in was anderem irgend welche Abweichungen. Ihre horizontale
Verbreitung ist sehr bedeutend. Aus dem mührischen Miocaen verbreitet sie
sich in das nieder- und oberósterreichisehe, von dannen nach Ungarn, Danat
und Galizien; sie ist in den neogenen Sedimenten der Insel Malta, im Crag
von Norfolk und Suffolk, dann im Septarienmergel von Deutschland zu finden.
Reuss und Murson führen sie aus den Kreideablagerungen von Westfalen, von
der Insel Rügen und aus der Umgebung von Krakau an. Sie gehört der Gruppe
der kosmopolitischen Arten an sie lebt in den Meeren zwischen 70" nórd-
licher und 54° südlicher Breite, gewöhnlich in der Laminarienzone, wo sie bis
in die Tiefe von 2700 Knoten hinabsteigt.
Discorbina obtusa, d' Orbigny. (1846). Rosalina obtusa d Orbigny, S. 179,
Taf. ХІ, Fig. 4—0. — 1860. A, E. Reuss, 1: c. 8. 219. — 1884. Brady,
L с. 8. 644, Taf. ХОТ, Fig. 9.) Diese seltene Art gelang es im böhmischen Mio-
caen nur A. E. Reuss im gelben Rudelsdorfer Tegel sicherzustellen. Überhaupt
ist es ein Zufall, wenn man aus dem Tegel irgend eines Fundortes ihre inte-
ressanten Gehäuse herauschlemmt. Und doch scheint sie nach den bisherigen
Erfahrungen ziemlich verbreitet zu sein; sie wurde in den Sedimenten der
166
Umgebung von Nussdorf, Grinzing, Enzersdorf, Baden (Niederoesterreich) ;
Orlova und Knihnice (Mähren); St. Nicolaus (Steiermark); Wieliezka (Gali-
zien); Miechowice (Oberschlesien); Cassel; Castellarquato nachgewiesen. In
den heutigen Meeren beschränkt sie sich auf die Littoralzone, wo sie in mäs-
sigen Tiefen lebt.
Fig. 66. Truncatulina lobatula, Fig. 67. Truncatulina praecincta,
Walk. u. Jacob. sp. ??/, vergróssert. Karr. sp. а Untenansicht, b Obenansicht
у des Gehäuses. 201. vergrössert.
Truncatulina lobatula, Walker et Jacob. sp. (1846. Rotalina lobatula, d Orbigny )
1. с. S. 168, Taf. IX, Fig. 18—28. — 1860. А. E. Reuss, 1. с. S. 211. =
1884. Brady, 1. c. S. 600, Taf. ХСП, Fig. 10., Taf. ХОШ.) Fig. 66. — Sie
ist im Rudelsdorfer Tegel ziemlich häufig, vorzüglich erhalten und durch
normal erwachsene Individuen von gewöhnlicher Grösse vertreten. Ich habe
ein Exemplar von Rudelsdorf abgebildet, um gleichsam einen Beweis darzu-
bringen, dass die dortigen, Individuen auch vom Originale Brady’s in nichts
abweichen. Auch an ihm sieht man ja klar, wie ihr Gehäuse von starken
Wänden umgeben wird, die auf der Oberfläche in Gestalt von verhältniss-
mässig dicken Leisten hervortreten, welche einen mit zahlreichen breiten
Knötchen wie besäten Rücken haben. Diese Eigenschaften sind am Bilde
d’Orbigny’s nicht zu sehen. Ich bemerke, dass dieses der Gruppe von Indi-
viduen angehört, welche dünne, niedrig beendete Wände besitzt. In den ma-
rinen miocaenen Sedimenten des böhmischen Gebietes ist diese Art nur auf
den Rudelsdorfer Sprengel beschränkt, dagegen ist sie im Miocaengebiete
von Mähren, Nieder- und Oberösterreich, Galizien, Ungarn und Steiermark
verbreitet. Sie kommt da fast in allen Faeien vor, am häufigsten in der tege-
ligen, obwohl sie auch in der mergeligen häufig ist. Ihre Varietäten gehen bis
in die Steinkohlenformation. Bedeutend verbreitet ist sie jedoch nur im Ter-
tiaer. Doch auch in den heutigen Meeren ist sie eine gewöhnliche Erschei-
nung. Sie lebt in der Littoral-, Laminarien- und Corallenzone, wo sie in ver-
schiedenen Tiefen vorkommt, indem sie auch bis in die Tiefe von 3000
Knoten hinabsteigt.
Truncatulina Haidingeri, d Orbigny. (1846. 1. е. S. 154, Taf. VIL Fig. 7-9.
— 1884. Brady, 1. c. S. 663, Taf. ХОУ, Fig. 6.) Ursprünglich beschrieb sie
d'Orbigny aus den Miocaensedimenten des Wiener Beckens, später wurde
sie als die im heimischen Neogen horizontal verbreiteteste Art erkannt. Dann
wurde sie auch im Eocaen und im Pliocaen von Italien, Spanien und Sicilien ent“
deckt, vor einigen Jahren wurde sie endlich in heutigen Meeren nachgewiesen
167
wo sie in verschiedenen Tiefen im südlichen und nördlichen Atlantischen
Ocean, im Indischen, Rothen and Mittelländischen Meere lebt. Auf unserem Ge-
biete stellte sie zuerst A. E. Reuss im Rudelsdorfer Tegel fest, wo es mir eben-
falls gelang, hübsche Gehäuse von ihr zu finden, ausserdem habe ich sie im
Tegel von Lukau und Landskron nachgewiesen.
Truneatulina Ungeriana, d' Orbigny sp. (1846, 1. c. S. 157, Taf. ҮШ, Fig. |
16—18. — 1884. Brady, 1. с. S. 664. Taf. XCIV, Fig. 9.) Auch die Gehäuse |
dieser Art, aus dem Rudelsdorfer Tegel herausgeschlemmt, sind tadellos und, |
wie ich mich überzeugt habe, ziemlich häufig. Gross sind sie wie die Gehäuse
der Typen aus den südlichen Fundorten des heimischen Miocaens. Nur selten
findet man dort kleine, wie verkümmerte Gehäuse. Und es ist wirklich nichts
Schweres sich zu überzeugen, dass diese scheinbar verkümmerten Gehäuse uner-
wachsenen, jungen Individuen angehören. Im heimischen Miocaen ist diese
Art sehr verbreitet fast in allen Facien, ebenfalls auch im auswürtigen Neogen
sind ihre Grenzen ausgedehnt. Auch in pliocaenen Ablagerungen ist sie häufig
namentlich in südeuropäischen Gebieten. Dagegen ist sie im Londoner Thone
› Selten. In den heutigen Меегеп ist sie ebenfalls eine gewöhnliche Erscheinung.
Sie lebt im Atlantischen Ocean, im Mittelmeere in den Tiefen von 70—600
Knoten, ferner im Südatlantischen Ocean und im nördlichen Pacifik in der |
„ Tiefe von 37—2600 Knoten. |
Truneantulina Dutemplei, d' Orbigny. (1846. l. с. S. 157, Tat. УШ, Fig.
19—91. — 1860. A. E. Reuss, l c. S. 211. — 1884. Brady, l. c. S. 665,
Taf. XCV, Fig. 5.) Die grósstententheils schön erhaltenen Gehäuse dieser
Art kommen im Tegel von Rudelsdorf, Lukau, Landskron und Rothwasser
verhältnissmässig ziemlich häufig vor, obwohl nicht in dem Masse wie z. В.
Rotalia beccari. Ihre Grösse und allgemeiner Charakter unterscheidet sich
nicht von typischen Individuen aus Fundorten sei es des nörddlichen sei es
des südlichen Gebietes, wo sie bekanntlich fast überall vorkommen, wo ein
Tegel, Mergel oder diesen analoge Sande sind. Es ist also natürlich, dass es
sehr viele Fundorte dieser Art gibt; wir führen hier nur die wichtigsten von
ihnen an: Borač, Drnovice, Raitz, Knihnice (Mähre); Baden, Vöslau, Grinzing,
Steinabrunn (Niederoesterreich); Rohit, Freibiehl (Steiermark); Wieliczka,
Lemberg (Galizien); Habühl, Mairhof (Baiern); Lapugy (Siebenbürgen); Mie-
chowice (Preussisch-Schlesien); Castell’ arquato (Italien). In den heutigen
Meeren (im südlichen Atlantik und Pacifik) lebt sie auch bis 1900 Knoten
Tiefe,
Truncatulina praeeineta, Karrer sp. (1867. F. Karrer, Zur Foraminiferen-
Fauna in Oesterreich, S. 189, Taf. V, Fig. 7. — 1884. Brady, 1. e. S. 667,
Taf. XCV, Fig. 1—8.) Fig. 67. — Sie ist ohne Widerrede die gewóhnliste
Foraminiferenart im Tegel von Awudelsdor/ und Lukau; sie wurde jedoch
auch aus dem Tegel von Abstdorf und Schirmdorf herausgeschlemmt Hunderte
von herrlich erhaltenen, grossen und erwachsenen Individuen kann man dort
herausschlemmen. Ihr Charakter fällt gleich beim ersten Anblick auf. Die |
Oberfläche des Gehäuses verbindet und die hervortretenden Kammern- |
Scheidewände identificieren diese Individuen mit den Typen Karrers. Inwieweit
168
darüber belehrt hinreichend schon das abgebildete Ivdividuum. Unter Be-
achtung der Menge von Gehäusen dieser Art in unserem böhmischen Miocaen-
tegel kann man ihr mit Recht eine gewisse Wichtigkeit zuerkennen, doch
nur eine solche, wie sie ihr auch auf südlichen Fundorten zukommt. Da wurde
sie zuerst von F. Karrer im Tegel von Kostej im Banat entdeckt; mir ge-
lang es, das Gebiet ihrer Verbreitung auf Mähren auszudehnen, während es
J. Sequenza gelang. sie im Miocaen und Pliocaen Süditaliens festzustellen.
Brady entdeckte sie in der Korallenriffacies in den Tropen unweit von den
Philippinischen Inseln in der Tiefe von 95 Knoten und im südlichen Pacifik
in der Tiefe von 15—255 Knoten.
Anomalina Austriaca, d’Orbigny. (1846, 1. c. S. 172, Taf. X, Fig. 4—9.) Sie
wurde nur aus dem gelben Tegel von Rudelsdorf herausgeschlemmt. Das vor-
liegende Individuum zeichnet sich durch etwas grössere Dimensionen als die
gewöhnlichen sind. Dies scheint durch die jüngste Kammer verschuldet zu
sein, deren Dimensionen diejenigen einer jungen Kammer überbieten. Im
Übrigen ist sie mit den Typen aus den südlichen Fundorten congruent.
Fig. 68. Anomalina Badensis, d’Orb. Fig. 69. Rotalia beccarii, L. sp.
Rudelsdorf. ?°/, vergrössertes Gehäuse: Rudelsdorf. ??/, vergrössertes Gehäuse:
a von oben, ó von unten. a von oben, b von unten.
Anomalina Badensis, d'Orbigny. (1846, 1. c. S. 171, Taf. X, Fig. 1—9.)
Fig. 68. — Die prächtigen Gehäuse dieser Art findet man im Gebiete unseres
ostbóhmischen marinen Miocaens bedeutend verbreitet und auf ihren Fundorten
gewöhnlich in einer namhaften Menge von Individuen. Als an Individuen am
reichsten habe ich sie im Tegel von Zukau sichergestellt, auch im Tegel von
Rudelsdorf, Wildenschwert und Schirmdorf ist sie eine gewöhnliche Erscheinung,
während sie im Tegel von Landskron, Rothwasser und Sschirmdorf (Dorf) seht
selten ist. Auch im Gebiete des mührischen Miocaens ist sie bedeutend ver-
breitet, von wo sie dann nach Niederoesterreich, Ungarn u. s. w. eindringt.
Epistomina Partschiana, d'Orbigny sp. (1846. Rotalina Partschiana d'Orbigny
1. 1. 8. 153, Taf. VII, Fig. 28—30, Taf. VIII, Fig. 1—3. — 1884. Brady
l. с. S. 699, Taf. ХОУ, Fig. 3—21.) Bisher in unserem Gebiete nur im Tegel
von Lukaw und Landskron nachgewiesen, jedoch auch hier nur in einigen
schön erhaltenen Individuen, deren Gehäusedimensionen von den Dimensionen
der Individuen aus südlichen Fundorten nicht abweichen. Im mührischen Mio-
caen ist sie dagegen eine gewöhnliche Erscheinung, namentlich in den Tegeln
der Badener Facies, in einer kleineren Menge tritt sie in Mergeln von ba
thymetrisch höheren Niveau auf. Dieselben Merkmale trägt sie auch im Mio-
169
caen von Niederoesterreich, Süditalien, Spanien, auch im Londoner Thone und
im Septarienthone Deutschlands. In den heutigen Meeren lebt sie im nórd-
lichen Atlantischen Ocean, im nördlichen Pacifik und auch in Mittelmeere.
Pulvinulina Schreibersii, d Orbigny sp. (1846, 1. c. S. 154, Taf. ҮШ, Fig.
4-6. — 1860. A. E. Reuss l. c. S. 7. — 1884. Brady 1. c. S. 697, Taf. 1
ХОУ, Fig. 1.) Fig. 66. — Bisher wurde sie nur im KRudelsdosfer Tegel von D
A. E. Reuss sichergestellt. Diesmal wurden ihre Gehäuse vergeblich gesucht.
Sie ist namentlich in der Leithakalkfacies, viel seltener in der Sandfacies in
den miocaenen Sedimenten von Oesterreich, Süditalien und Spanien verbreitet. |
In heutigen Meeren lebt sie in müssigen Tiefen von 3—435 Knoten.
Rotalia Soldanii, d' Orbinny. (1826. d' Orbigny. Ann. Sei. Nat. vol. 7, S. 218,
Nr. 5, Modéle Nr. 36.) Sie ist in böhmischen marinen Miocaensedimenten N
selten, bisher wurde sie nur im Tegel von Lwkaw nachgewiesen. Hier ist sie
dureh typische Individuen vertreten, welche, indem sie wahrhaft charakteri-
stieche Merkmale besitzen, nicht zulassen, dass man sie in den Bereich
anderer verwandten Arten einreihe. Dieser Umstand hat mich veranlasst, der
] urprünglichen Auffassung d' Orbigny's beizupflichten. Schon in den benach- |
barten Gebieten des westmährischen Miocaens ist R. Soldanü eine häufige, |
ja gewöhnliche Erscheinung; von dorther verbreitet sie sich über die Gebiete |
des nieder- und oberósterreichischen, galizischen, ungarischen, siebenbürgischen
Miocaens und dringt auf die Insel Malta vor. Reuss entdeckte sie auch im |
Septarienmergel Deutschlands nnd Hantken im Oligoeaen Ungarns. In den |
heutigen Meeren lebt sie im nördlichen und südlichen Atlantischen Ocean,
im Mittelmeere, im südlichen und im nördlichen Pacifischen Ocean, wo sie
in verschiedenen Tiefen lebt und nach den bisherigen Erfahrungen in die
Tiefen von 2000 Knoten hinabsteigt. |
Rotalia beecarii, Linné sp. (2846. Rotalina Vienensis d' Orbigny, 1. с. S. 177, |)
Taf. X, Fig. 22—24. — 1860 А. E. Reuss, 1. c. 8. 212. — 1884. Brady, |
l e, 8. T04, Taf OVIL Fig. 2. 9.) Fig; 09. — A. E. kenas bemerkt in
seiner Arbeit über die ostböhmischen Miocaenablagerungen, diese Art sei |
im Rudelsdorfer Tegel sehr selten. Meine Erfahrungen bezeugen dies nicht, |
im Gegentheile ist sie laut denselben dort ziemlich häufig und vielfach durch |
prächtig erhaltene Individüen vertreten. Doch auch schadhafte gibt es dort |
genug, was auf die Rechnung des — in der Regel dünnwändigen Gehäuses |
fällt. Und deshalb ist es kein Zufall, dass wir oft Gehäuse ohne die jüngsten
Kammern herausschlemmen. Was die Grösse betrifft, muss ich Zeugniss abgeben,
dass ich keine Unterschiede zwischen den Rudelsdorfer Gehäusen und denen
Von südlichen Fundorten finde. Einige unsere Individuen scheinen auffalend
gross und erreichen die Dimensionen der grössten Individuen. Ausser dem
Rudelsdorfer Tegl habe ich diese Art im Tegel von Lukau, Landskron, Roth-
Wasser, Wildenschwert und Schirmdorf sichergestellt. Es ist kein Zufall, dass sie |
in den Littoralsedimenten von Rothwasser, Wildenschwert, Schirmdorf sehr reich |
an Individuen ist. Es stimmt ja damit auch die Beobachtung ihrer recenten
Vertreter überein. Diese Art und die Gruppe, welcher schon frührer Erwähnung d
gethan wurde, bieten erhebliche Belege für die Anschauung, dass auch die |
170
Foraminiferen zu den in Betracht zu ziehenden Thierklassen zählen können,
wenn es sich um die Bestimmung der Facies oder des relat. Alters handelt.
Das eigentliche Gebiet dieser Art ist die Leithakalkfacies; hier erreicht sie einen
bedeutenden ja den gróssten individuellen Reichthum und Dimensionen. Diese
Eigenschaft tritt desto mehr hervor, je seltener sie in den Tegel- und Schlier-
ablagerungen auftritt. Unter denselben Umstünden kommt sie auch im Tertiaer
Italiens und Spaniens vor. Ebenfalls wurde sie auf der Insel Rhodos, in Bul-
garien u. a. sichergestellt, ferner ist sie im englischen Crag und den post-
tertiaeren Ablagerungen Englands, Schottlands, Islands und Italiens zu hause.
In den jetzigen Meeren lebt sie häufig in der Littoral- und Laminarienzone.
Nonionina communis, d Orbigny. (1846, 1. с. S. 106, Taf. V, Fig. 78.) Ich
habe sie diesmal im Tegel von Rudelsdorf, Landskron, Schirmdorf, Triebitz
und Lwkaw nachgewiesen. Sie kommt, wie daraus ersichtlich, in unseren echt
brackischen (Triebitz) und auch echt marinen Tegeln (Rudelsdorf und Lukau)
vor. Es liegen schön erhaltene, normal grosse Individuen von typischen Merk-
malen vor, Trotzdem ich möglichst bemüht war, Differenzen zwischen brackischen
und marinen Individuen zu entdecken, ist dieses Streben erfoglos geblieben.
N. ammunis kommt fast in allen Facien vor, am häufigsten jedoch in der
Tegelfacies, während man in der Sandfacies ihre Individuen vereinzelt und
nach einer langen Zeit, mühseligen Suchens findet.
Nonionina umbilicata, Montagne sp. (1846. N. Soldani$ d’ Orbigny, l. с. 8.
106, Taf. V, Fig. 15, 16. — 1860. А. E. Reuss, l. с. S. 210. — 1884. Brady
l. с. S. 740. Aat. OIX, Fig. 3.) Fig. 70. — Ich habe sie diesmal wie А. Е.
Reuss im Rudelsdorfer und dann auch im Tegel von Lukau festgestellt. ES
wurden durchwegs schóne, nicht schadhafte Exemplare gefunden, namentlich
die von Lukau überraschen durch bedeutende Dimensionen des Gehäuses.
Fig. 70. Nonionina umbilicata, Mont. sp. Fig. 71. Nonionina Bouéi, d'Orb.
9» vergrössertes Gehäuse: 30/, vergrössertes Gehäuse von der Seite.
a von vorne, b von der Seite.
Nonionina Bouéana, d’ Orbigny. (1846, 1. e. S. 108, Taf. V, Fig. 11, 12.)
Bisher wurden ihre Gehäuse nur im Tegel von Kudelsdorf und Гат nach-
gewiesen, auf beiden Fundorten nur in einer unbedeutenden Individuenmenge-
Brady bildete ein von dem d' Orbigny's bedeutend abweichendes Individuum
ab. Das hier abgebildete stimmt völlig mit denjenigen von d’ Orbigny überein
und weicht bis auffallend von jenem Bradys’s ab. Dieser Umstand ist 8%
wichtig genug, um erwähnt zu werden. Es könnte denn leicht geschehen, dass
die Grenzen dieser Art auf Kosten der Richtigkeit und der genauen Arten“
171
bezeichnung erweitert würden. Zurück reicht sie bis in das Oligocaen Deutsch-
lands, verbreitet is sie im Miocaen des Wiener Beckens und Süditaliens. Sie
lebt in mässigen Tiefen von 11—200 Knoten, grósstentheils in der Litto-
ralzone.
Polystomella erispa, Lamarck. (1846 d' Orbigny, 1. c. S. 125, Taf. VI, Fig.
9—14. — 1884. Brady, l. c. S. 136, Taf. OX, Fig. 6. 7.) Fig. 72. — Schon
А. E. Reuss bemerkt, diese Art sei fm Rudelsdorfer Tegel sehr häufig. Auch
diesmal wurde die Wahrheit dieser Betrachtung bestätigt. Ihre zierlichen Ge-
häuse erfreuen sich einer geradezu seltenen Erhaltung. Sie sind so gross, wie
die typischen Individuen aus den Fundorten der Mergel- oder Sandfacies, wo sie,
wie es lüngst bekannt ist, sehr häufig sind; auch die Dimensionen haben sie wie
diese. Das wird am besten durch das abgebildete Exemplar bestätigt. In der
Tegelbank ist P. erispa selten. Dieser Umstand im Vorkommen ist charakte-
ristisch und verdient Beachtung Die horizontale Verbreitung dieser Art erscheint
bedeutend. Man begegnet ihren Individuen fast überall, wie in mührischen
Gebieten (Borat, Drnovice, Lomnička, Lažánky, Jaroměřice, Porstendorf,
u. à.), so in niederoesterreichischen, (Baden, Nussdorf, Grinzing, Euzersdorf,
Gótzleinsdorf); in oberösterreichischen (Kienberg), steiermärkirchen (Ro-
hitsch, Freibühl, Wurzing, St. Nicolaus), ungarischen (Králová n. ak
Galizischen (Wieliezka), oberschlesischen (Miechowice), bairischen (Hausbach,
Buchleiten, Mayerhof) Ferner ist sie der in Umgebung von Bordeaux, Caste-
larquarto und Siena, auf der Insel Rhodos zuhause. Sie reicht in das
Eocaen von Paris zurück, geht durch das deutsche Oligocaen, durch das oben
angeführte Miocaen in das Pliocaen Italiens und Südwest. Spaniens über, von
dorther dann in die Sedimente des Quaternärs von Nord- und Süd- Europa
und weiter in die heutigen Meere, wo sie in mässigen Tiefen bedeutend ver-
breitet ist.
Fig. 72. Polystomella erispa, Lamk. Rudelsdorf. ?/, vergrössertes Gehäuse.
A
Polystomella flexuosa, d'Orgigny. (1846 1. c. S. 127, Taf. VI, Fig. 15, 16.)
E^ Sie kommt in der Regel mit P. crispa vor, mit der sie verwandt ist.
Bisher kennt man sie aus dem ostböhmischen Miocaen nur aus dem Tegel
von Rudelsdorf, wo es mir diesmal gelang, hübsch erhaltene Gehäuse zu ent-
decken. Die Grósse derselben und ihre allgemeinen Charaktere sind mit den
Gehäusen aus südlichen Fundorten des heimischen Miocaens, woselbst sie auch
eme seltene Erscheinung sind, congruent. Nussdorf, Baden führt d’Orbigny
als ihre Fundorte an, nebstdem kennt man sie aus dem Tegel von Boraé
und dem Mergel von Drnovice (Mähren).
172
Polystomella striatopunetata, Fichtel und Moll. sp. (1846. d’Orbigny, 1. €.
8, 199, Taf. VL; Fig, 1, 2..— 1884. Brody 1.6. 8. 181, Taf. ОХ, Fig. 100
Diese von den Polystomellen verbreiteste Art warde bisher in unserem Ge-
biete im ARudelsdorfer Tegel in prächtig erhaltenen Exemplaren festgestellt.
Es dürfte kein Zufall sein, dass sie auch in Mähren eine geringe Verbreitung
besitzt, während sie sich in Niederösterreich als eine gewöhnliche Erscheinung
zeigt. Auch sie reicht bis in das Eocaen des Pariser Beckens und in die
Nummulitenablagerungen Steiermarks zurück, von wo sie durch das untere
und obere Oligocaen von Deutschland und Frankreich in das Miocaen von
Oesterreich und Baiern, in den Crag Englands und in das Tertiaer Italiens
übergeht. Sie lebt noch heutzutage in allen Meeren in mässigen Tiefen von
600—2000 Knoten.
Polystomella macella, Fichtel und Moll. sp. (1846. P. Fichteliana d'Orbigny,
l. е. S. 116, Taf. VL, Fig. 7, 8. — 1884. Brady 1. с. 8. 181, Taf. XC., Fig. 5i
9, 11). Sie ist in den Sedimenten des marinen bóhmischen Miocaens selten.
Sie wurde dort nur im Tegel von Awdelsdorf sichergestellt. In dieser Hinsicht
stimmt dieses Gebiet, was die horizontale Verbreitung dieser Art betrifft, mit
dem Miocaen von Mähren überein. Aus diesem verbreitet sie sich in die Tegel
von Wieliezka, von Italien und ist auch aus dem Pliocaen der Nikobaren-Inseln
bekannt. Auch kommt sie im Crag von Suffolk, im Postpliocaen von Kalabrien
vor. In den heutigen Meeren beschränkt sie sich auf den Süden, wo sie an
der Küste in der Boreal- und Littoralzone lebt.
Heterostegina costata d'Orbigny. (1846. 1. c. 8. 121, Taf. XII. Fig. 14—17. —
1860. A. E. Reuss 1. с. S. 212). Diese in der Leithakalkfaeies besonders
häufige Art stellte im Gebiete des böhmischen marinen Miocaens nur A. Ё.
Reuss sicher und zwar im Rudelsdorfer Tegel, wo er sie häufig fand. Trotz
dieser Erfahrungen war ich nicht im Stande, in demselben Tegel auch nur
eine Spur von ihr zu finden. Diese Erscheinung erkläre ich mir dadurch, dass
Reuss eine andere Bank ausgebeutet hat als ich, eine Dank, während deren
Ablagerung höchstwahrscheinlich andere physikalische Umstände herrschten, als
zur Zeit, wo der gelbe, unmittelbar der Permformation auflagernde Tegel unter
dem Rudelsdorfer Wächterhaus abgelagert wurde. Jedoch man kann auch eine
andere Erklärung zulassen, und zwar in dem Sinne, dass der Tegel in welchem
diese Art von Reuss in einer grösseren Menge nachgwiesen wurde, aus einer
anderen Localität stammt. Inwieweit dieses oder jenes richtig ist, wird in
der Zukunft zu entscheiden sein. — Gewissermassen ist man berechtigt, diese
schöne Art für einen Vertreter der seichteren Meeres zu halten. Das wird
durch alle unsere Kenntnisse von ihr bestätigt, Sie wurde entdeckt in der
Gegend von Nussdorf, Grinzing, Enzersdorf, Steinabrunn (Niederösterreich) ;
Wurzing (Steiermark); Wieliczka (Galizien); Miechowice (Oberschlesien); ferner
in der Umgebung von Cassel und Castell'arquato.
C vv Om AUCH FAR
—
INHALI
Seite
er, BO EE
Litteratur-V erzeichnis Ee Ии И лр. H
Historischer ARTE OTTO E Е del SR EE SR a N |
Das Gebiet der marinen Ао ати
Rudelsdorf (Rudoltitz) . BR ONE ar LE e
Die Fauna des Rudelsdorter (Rudoltitzer) ' ЕВ Pru E a
ШИШ, эшл ae E EE АО
ШК у, M NUNC n Rr MU Pus Ope Ade ооох а о ecu een
Die Fauna des T SANTA én EEN C. VAL UT aH E ds DR an HIER ERATUM
КООШ А ае RN { ў И ОО
Landskron . . . Wee KH EN) a Huc us TNR .. 00
Unter- und EEN D EE EE
Dänn: E E EE EE
ООо. ОАЕ uve At
NV NY Lu) ЕС EE о a N o
POMON BR E A E EE
BUR DOLL) EE AE EE EE DEE
Wildenschwert . . . . Pee EE
Di
6 Gebiete der brackischen Tegel RU LER EE e e Кы В
ЕСТИ oc P ecu ао ыч нк S AE E ТЕБЕ, d eO QUEM
Die Fauna aus dem Tegel der Austernschalem . . «4 4 2.200. Pa ren ug
Die Fauna des Tegels aniar dan ECH edel AT Re ISO RT TER a Um EM er
Die Fauna des Tegels über der Austernbank . . . .. d КТ А . 48
Vergleichende Uebersicht der Faunen der Abtsdorfer Tegelb: Anke le "Md
Dehati EE ER EE
Tri DH
АИО ООС аии
Die Fauna der unteren Tegelbank . ........ ; Башкы EE
Die Fauna der oberen Tegelbank . . . cn . . .- quad aq QUI Md TAM La UD
Vergleichendes Verzeichnis der Faunen der Triebitzer Tegel . . CU E eeu ОВ
^| D ke
Bonon (Бей KEE E EE EE
Uel Dous des Sehirmdorfer Tegels. . . sc... on ju CURT dera e UM
)e A 2
Tsichtliches Verzeichnis der brackischen Faunen . . . ФО ку 3 23 20:00)
Schluss | 65
Gë í e EL
er ,
Se гіс Кае, ud Шолбан тейін dw байо aus ERN шшш 2 Niloobod 69
i 18 N
Ches illustrirtes Verzeichnis der fossilen Arten . . . . . . TORUM RE эшш 76
ZWEITER BAND.
Zweiter Theil.
II. Botanische Abtheilung. Dieselbe enthält:
Prodromus der Flora von Böhmen von Prof. Dr. Ladislav Čelakovský (II. Theil).
CVePEPHIDen) PEOS ad E T A e fl. 2:60
IV. Zoologische Abtheilung. Dieselbe enthàlt:
a) Prof. Dr. Ant. Frié: Die Wirbelthiere Bóhmens.
ge ^ ” n Die Flussfischerei in Böhmen. Ў
aig E n " Die Krustontniere ВОНО PROS. ... 5... Haan
V. Chemische Abtheilung.
Prof. Dr. Em. Bořický: Über die Verbreitung des Kali und der Phosphorsäure
‚п den Gosteinen Böhmons. Pros cu... d Eu e POMMES 60 kr.
Preis dor ganzen zweiten Hälfte des zweiten Bandes (IIL, IV. u. V. Abth. zusammen) geb. fl. 5'—
DRITTER BAND.
I. Topographische Abtheilung. ;
Verzeichniss der in den J. 1877—1879 vom К. К. mil.-geogr. Institut trigonometrisch
bestimmten Höhen von Böhmen herausgegeben von Prof Dr. Karl Kořistka und
Major Е Шаир ерау von ӨӨ ШШК а siir ЫЫ A a D ДАВО
П. Geologische Abtheilung.
I. Hett, Petrographische Studien an den Phonolithgesteinen Böhmens von
Pron Div. ВБ ОСУ PRE o fav Ce EE ААШ
Il. Heft, Petrographische Studien an den Melaphyrgesteinen Böhmens von
Блог Dr Dnm БОТО bres E et,
Ш. Heft, Die Geologie des bóhmischen Erzgebirges (L Theil von Prof. Dr.
Gustav Laube. Preis. NH C xU i RENE tios ^ e dE aud
ПІ. Botanische Abtheilung. :
Prodromus der Flora von Bóhmen von Prof. Dr. Ladislav Celakovsky. (III. Theil
Schluss.) Preis... . a ER en EE EE Bel
IV. Zoologische Abtheilung.
I. Heft. Die Myriopoden Bóhmens von F. V. Rosick Y. Dro A
U. Heft, Die Cladoceren Böhmens von Bohuslav Hellich. Preis. . . . . .fl. 1:60
V. Chemisch-petrologische Abtheilung.
Elemente einer neuen chemisch-mikroskopischen Mineral- und Gesteinsanalyse
pon Prod Dr. БОРОШ Bio r er LS i шеи IR ULT EE EE
VIERTER BAND.
No. 1 Studien im Gebiete der böhmischen Kreideformation. Die Weissen-
berger und Malnitzer Schichten von Dr. Anton Frič. Preis. .. H. 3:—
No. 2. Erläuterungen zur geologischen Karte der Umgebungen von Prag von
reich und. Не Һе da un OV VV m LU M. Hali TT
No. 3, Prodromus der Flora von Bóhmen von Prof. Dr. Ladislav Celakovsky
(IV. Theil.) Nachträge bis 1880. Verzeichniss und Register . . . .. . . fl. 2:40
No, 4, Petrologische Studien an den Porphyrgesteinen Bóhmens von Prof Dr.
N JEE und Jose К1хайёз. one VE
9. 5. Flora des Flussgebietes der Cidlina und Mrdlina von Prof. Ed. mE
No. 6, Der Hangendflötzzug im Schlan-Rakonitzer Steinkohlenbecken von Carl
Ire E е cest nexa О Lp HON S
FÜNFTER BAND.
No. ı Erläuterungen zur geologischen Karte des Eisengebirges (Zelezné hory)
und der angrenzenden Gegenden im óstlichen Bóhmen von J. Krejéí und
e. К. Helmhacker . .. MURUS ENIM. m
9. 2. Studien im Gebiete der böhmischen Kreideformation. IIL Die Iser-
No Schichten. von DN Anton Brio. won we; RR. dee een E m
: 9. Die mittelböhm. Steinkohlenablagerung von Carl Feistmantel . .fl. 1:20
Ко. 4. Die Lebermoose (Musci Hepatici Böhmens von Prof. Jos. Dědeček. fl. Lien
eh, Orographisch - geotektonische Übersicht des silurischen Gebietes im
N mittleren Böhmen. Von Johann Krejéí und Karl Feistmantel. dm . fl. 2—
9. 6. Prodromus der Algenflora von Böhmen. I. Th. Von Dr. A. Hansgirg. fl. 1:40
Nr.
D
9
SE CS HSTER BAND.
Über die Torfmoore Böhmens in naturwissenschaftlicher und nationa l-
ökonomischer Beziehung mit Berücksichtigung der Moore der Nachba r-
länder. Von Dr. Fr. Site nsky. 1. Abth. Naturwissenschaftlicher Theil. . . .fl. 2:80
Die Süsswasserbryozoen Böhmens. Von Josef Kafka. . .. rid EN KOL
Grundzüge einer Hyötographie des Königreiches Böhme en. Von Dr. F. J.
ҮЙ ЕК SPA LN Ju std dM Ж ое PNIS Ole: 1
Geologie des bóhmischen Erzgebirges. IL. Theil. Von Dr. Gustav C. Laub e.
fl. 2:50
Untersuchungen über die Fauna der Gewüsser Bóhmens. I. Metamorphose
der Trichopteren. Т. Serie. Von Fr. Klapálek S E T vL cs D D
Prodromus der Algenflora von Böhmen. I. Th. Forts. Von Prof. Dr. Anton
EEE Nur be ЖО етл аат» жиле WARE SW do opm EK
SIEBENTENR BAND.
Die Flechten der Umgebung von Deutschbrod von Jos. Novák. . .fl. 1.—
Studien im Gebiete der böhmischen Kreideformation. IV. Die Teplitzer.
Schichten. Von Prof. Dr. Ant. Frié i ; П. 8—
Über die chemische Zusammensetzung verschiedener Ackererden und
Gesteine Bóhmen's und über ihren agronomischen Werth. Von Dr. Jos.
POOL ERHALE oues sott не o0 en Kb ` EEE RE RN RV TIU `
Die tertiären Land- und Süsswasser-Conchylien des nordw. Böhmen von
оте рака. x ЕЕ т.
Die Myxomyceten Böhmeus von Dr. Lad. Čelakovský (Sohn) icr rs m dea A
Geologische Karte von Böhmen. Section VI. Entworfen von Prof. Joh. Krejčí
Duct Brlaunterung von bro Dr A.STrI16 Preis) Vans e NUT MU
A € ELTE R BAND.
Übersicht der Thätigkeit der naturw. Landesdurchforschung v. J. 1864
bis 1890 von Prof. Dr. К. Kořistka МА е. Аа Came RL
Untersuchungen der Fauna d. bóhm. Gewässer. IL Fauna d. bóhm. Teiche
von Jos. Kafkan <; vues $1 Senn Da
Monographie der Ostr acoden Böhm ens. Von "Wenzel Vávra ; ih 20
Prodromus der Algenflora von Böhmen. Zweiter Theil. Von Prof. Dr. Anton
Hansgirg . ; e SE 2 A Ae à piker
` e AUT
Recente und fossile Nagethiere Bóhmens. Verfasst von Josef Kafka. fl. 2.20
Untersuchungen über die Fauna der Gewüsser Bóhmens. I. Metamorphose
der Тоо Өгей, LL ‚Serie. Von Phot Ir. Карте . 5.7. Wo. os erf, РАДЫ
NEUNTER BAND.
Studien im Gebiete der böhmischen Kreideformation. V. Priesene
Behiechten.‘.Von Prof Dr. Ant. Erie ... 4 fl. 8 —
Untersuchungen über diebauna der Gew asser Bóhmens. IV. Die Thierwelt
des et uge dz und Gatterschlager Teiches als Resultat der Ar-
beiten an.der übertragbaren zoologischen Station. Verfasst von Prof. Dr.
Ant. Егіё und Dr. V. Vávra.. ath; ae
Das Moldauthal zwischen Pra E und Kr alup. Eine petrograph. Studie von Jose f
ИСТА, ; F КЫ «Hl; DRE
Die chemische Beschaffenheit der fliessenden Gew ässer Bóhmens. I. Theil.
Hydrochemie des Egerflusses. Von Dr. Jos Hanamann .. В DEO
Geologische Karte von Böhmen. Section III. Entworfen von Prof. Dr. Ant. Frié
ЧИРКОО GNU UO URUDS V. oro s pv DN UU Ie beu» sil Ый. ДЫП
Z E HI WD E EX BAND.
Geologische Karte von Böhmen. Section II. Entworfen von Prof. Dr. Ant. Frié
und Prof. Dr. Gustav C, Laube. via, е a ан EE И
Das ostbóhmische Miocän von V. J. Procházka .... 3 Й li.
Untersuchungen über die Fauna der Gewässer Böhmens. IH. Untersuchung
zweier Böhmerwaldseen, des Schwarzen und des Teufelssees. Durchgeführt auf der über-
tragbaren zoologischen Station. Von Prof Dr Ant, Frié und Dr. V. V ávra .fl 250
Studien im Gebiete der böhmichen Kreideformation, VI. Die Chlomekerr
ОИСЕ ШИЕ VOM DE ATUS RENE... uv VA SL NET Re be
Die chemische Beschaffenheit der fliessenden Gewässer Böhmens:
П. Theil. Hydrochemie der Elbe. Von Dr. Jos. Hanamann VEND e Eat
Же Л ER БОШУ КА BAND;
Geologische Studien aus Südböhmen. I. Aus dem böhmisch-mährischen
Mochlande. Das Gebiet der Oberen NeZárka. Von J. N. Woldřich. 0. 250
Druck von Dr. Ed. Grégr in Prag 1900 — Selbstverlag.
AITNEY LIBRARY,
MUS. COMP. ZOOL.
d
UNTERSUCHUNGEN
ÜBER DIE
FAUNA DER GEMÄSSER BÜHMENS
100
UNTERSUCHUNG ZWEIER BONMERWALDGEEN, DES SCHWARZEN UND DES TEUFELSOCES.
DURCHGEFÜHRT
AUF DER ÜBERTRAGBAREN. ZOOLOGISCHEN STATION.
VON
Prof. Dr. ANT. FRIC und Dr. V. VÁVRA.
MIT VIELEN ABBILDUNGEN IM TEXTE,
ARCHIV DER NATURWISSENSCHAFTL. LANDESDURCHFORSCHUNG
VON BÖHMEN
А. andi Дїй. 0,
e
PRA 6.
In Commission bei FR. RIVNÁC.
DAS EE KN
für die
naturwissenschaftliche Landesdurehforsehung von Dóhmen
I. bis V. Band: Redaktion von Prof. Dr. К. Kořistka und Prof. J. Krejčí,
VI. Band u. s. w.: Redaktion von Prof. Dr. К. Kořistka und Prof. Dr. A. Frič,
enthåit folgende Arbeiten :
ERSTER BAND.
I. Die Arbeiten der topographischen Abtheilung und zwar:
a)Das Terrain und die Höhenverhältnisse des Mittelgebirges und des
Sandsteingebirges im nördlichen Böhmen von Prof. Dr. Karl Kořistka.
b) Erste Serie gemessener Hóhenpunkte in Bóhmen (Sect.-Blatt IL) von Prof.
Dr. Kofistka.
c) Hóhenschichtenkarte, Section IL, von Prof. Dr. Koristka. Preis fl. 4'—
СӨ. ЖИШШ а уз, caua M e vi ЛЖИ > NAI EISE е Re VE ee ЕИ
II. Die Arbeiten der geologischen Abtheilung. Dieselbe enthält:
a) Vorbemerkungen oder allgemeine geologische Verhältnisse des nörd-
lichen Böhmen von Prof. Johann Krejéf.
b) Studien im Gebiete der böhm. Kreideformation von Prof. J. Kreiéf.
c) Paläontologische Untersuchungen der einzelnen Schichten der böhm.
Kreideformation u. s. w. von Dr. Anton Frič.
d) DieSteinkohlenbecken von Radnic, vom Hüttenmeister KarlFeistmantel.
РОГ E Weng cu ow ed P Ca ee DU e E d dO ESL ET
Ш. Die Arbeiten der botanischen A!theilung. Dieselbe enthält:
Prodromus der Flora von Böhmen von Dr. Ladislav Čelakovský. (I. Theil.)
(Verg EO) Preis. ^ wma ut a ооо а Л ШШ
IV. Zoologische Abtheilung. Dieselbe enthält:
a) Verzeichniss der Käfer Bóhmens vom Conservator Em. Lokaj.
b Monographie der Land- und Süsswassermollusken Böhmens vom Assi-
stenten Alfred Slavik.
c) Verzeichniss der Spinnen des nördlichen Böhmen vom Real-Lehrer
IS OH DEE, ee ae ne RN N a EE
V. Chemische Abtheilung. Dieselbe enthält:
Analytische Untersuchungen von Prof. Dr. Hoffmann. Preis. . . . . 25 К
Preis des ganzen I. Bandos (АЛ, ТОЙ АЛ ДӨ о а и оо
ZWEITER BAND.
Erster Theil.
I. Die Arbeiten der topographischen Abtheilung und zwar:
a) Das Terrain und die Höhenverhältnisse des Iser- und des Riesen
gebirges und seiner südlichen und östlichen Vorlagen von Prof. Dr. Kar
Koristka.
b) Zweite Serie gemessener Hóhenpunkte in Böhmen (Sect.-Blatt II.) von Prof
Dr. Kofistks8
c) Höhenschichtenkarte, Section IIL, von Prof. Dr. Koristka.
d) Hóhenschichtenkarte des Riesengebirges von Prof. Dr. Kořistka
dieser Abtheilung esi a US бк къ. M" И Eau
Preis
4:50
II. Die Arbeiten der geologischen Abtheilung. I. Theil enthält:
a) Prof. Dr. Ant. Frič: Fauna der Steinkohlenformation Bóhmens.
b) Karl Feistmantel: DieSteinkohlenbecken bei Klein-Prílep, Lisek, Stíleo
Holoubkow, Mireschau und Letkow.
c) Jos. Vála und R. Helmhacker: Das Eisensteinvorkommen in der Gege
von Prag und Beraun. |
d) В. Helmhacker: Geognostische Beschreibung eines Theiles der Gegen“
vis be : PUE od
zwischen Beneschau und der Sázava. Preis VR
nd
II. Theil enthält: d
Dr. Em. Boficky: Petrographische Studien an den Basaltgesteinen 350
Preis ў b
Preis der ganzen e ersten Hälfte des zweiten Bandes [i id IL. Abtheilung zusammen) geb. я. 108
UNTERSUCHUNGEN
ÜBER DIE
FAUNA DER GEWÄSSER BÜHMENS.
LLI.
Untersuchung zweier Bóhmerwaldseen, des Schwarzen
Sees und des Teufelssees.
Durchgeführt
auf der übertragbaren zoologischen Station
von
Prof. Dr. Ant. Егіс und Dr. У. Vávra.
Mit vielen Abbildungen im Texte.
(Archiv der naturwissenschaftlichen Landesdurohforschung von Böhmen.)
Band EE Фф
PRAG.
DRUCK VON Dr. EDV. GRÉGR. — KOMMISSIONS-VERLAG VON FR. RIVNÁC.
1897.
Einleitung.
Die Seen des Bóhmerwaldes übten gewiss von jeher auf jeden Freund un-
SeréS Vaterlandes einen besonderen Zauber aus und umsomehr auf den Natur-
lorscher, der in ihren der Sage nach unergründlichen Tiefen grosse Schütze aus
der Thierwelt vermuthete.
Die landschaftlich prachtvolle Lage derselben rief manche begeisterte Schil-
Ee, hervor, auch wurde ihre Grösse und Tiefe oberflächlich untersucht, aber
' 4Dlerwelt blieb lange unbekannt.
Als beim Beginne der zoologischen Arbeiten der Landesdurehforschung Vieles
EU чекде ап Crustaceen in den verschiedenen Gewässern Böhmens
E oe, da entschlossen wir uns auch einen Versuch der Untersuchung der
'rwaldseen in Angriff zn nehmen.
Ges Zeen Sei begannen Dr. A. Frič, B. Hellich und unser Diener Jos. Stiaska
(e KE 8 imo aus Austiüige zu machen, und zwar wurde am 14. Juni der Teufel-
` am 18. der Schwarze See untersucht.
eines е Gg SCH n Mi nur einigen Klótzen verfertigten Floss шеш
|| ме mr Em ap | og koa Sue paier vm Se ial
ie wi du ее je E in das eine Stunde weit entfernte Seeförsterhaus
rt mikroskopirt.
* E pon Tage wurde zum erstenmale an einem Süsswasser die Fauna nach
(en, der Lage und Tiefe untersucht.
Auch die Tiefenverhültnisse wurden einigermassen sichergestellt und zwar
pe NE vor der Seewand auf 120' sowie die allmühlige Abnabme der-
Segen den Abfluss hin constatirt.
Über die interessanten Resultate berichtete Dr. Frič bereits am 15. Juli 1871
die g
in der с;
r г, " fe VW , ` d
ege шш der kön. böhm. Gesellschaft der Wissenschaften zu Prag und da
"eme Aufsatz wenig bekannt und schwer zugänglich ist, reprodueiren wir
denselh
e 1 roi X ч ^A ' (s D d
N soweit er den Schwarzen See betrifft, wie folgt:
Schwarzer See. Dieser grösste und schönste aller Böhmerwaldseen hat
Unter]
1а] UG Я 4 ` Oe . "m $
und p. b der Seewand an manchen Stellen bis 120 Tiefe, in der Mitte etwa 60°
d af ARE 3 a А v А ` .
u entgegengesetzten Ende gegen die Schleusse hin wird er immer seichter
ld seichto,
eichter, so dass er da oft nur 10—15' Tiefe hat.
1*
Fischt man am Ufer stehend mit dem Schöpfnetze die reinen unbewachsenen
Stellen ab, so fängt man den grossaugigen Polyphemus oculus dann Cyclops coro-
пайиз ©), Cyclops minutus), Diaptomus castor?) und zahlreiche Cyclopsbrut.
Als wir auf dem Floss über den See hinüber fuhren, lieferte die Oberfläche:
Diaptomus castor ?), Cyclops coronatus *), Cyclops minutus) Claus, Bosmina longi-
spina^) und zahlreiche Cyelopsbrut. Alle diese Arten waren von auffallend leb-
hafter rother Farbe.
Das grosse Schópfnetz in einer Tiefe von 3° unter dem Wasserspiegel gehalten,
erschien etwa nach 5 Minuten mit einer gallertigen Masse angefüllt, die das Aus
sehen von gekochtem Sago oder von farblosen Fischroggen hatte. In ein Glas mit
Wasser gethan, liess sich die Masse als Tausende von Individuen des Holopedium
gibberum erkennen, unter denen fast gar keine der anderen kleinen, den See be-
wohnenden Arten sich befanden. Die ganze unzählbare Menge waren lauter
Weibchen.
Dadurch aufgemuntert, liessen wir das grosse Schöpfnetz zu einer Tiefe von
circa 15—90^ auf einem Seil herab und fuhren dann über den See der Länge nach
hinüber. Wier erhielten wieder lauter Holopedium gibberum (Weibchen).
Als das Netz später auf die Tiefe von 60' herabgelassen wurde, enthielt e$
fast lauter grosse Daphnia ршех °) und longispina °) und nur einige wenige Holo-
pedien, welehe beim Heraufziehen durch die hóheren Wasserschichten mógen hinein-
gekommen sein, jedenfalls scheinen die Daphnien die alleinigen Bewohner der
grössten Tiefen des Schwarzen Sees zu sein. Sie zeichnen sich von den an der
Oberfläche vorkommenden Arten durch Farblosigkeit aus.
Stellt man sich die Vertheilung der verschiedenen Örustaceenarten des Sees
tabellarisch zusammen, gewinnt man nachfolgendes Bild:
Oberfläche.
Polyphemus oculus Cyclops Bosmina Polyphemus oculus
minutus, coronatus longispina
Diaptomus castor Diaptomus castor
Holopedium gibberum
3—20
Daphnia pulex et longispina
40—60’.
Es wäre sehr zu wünschen, dass der See zu verschiedenen Jahreszeiten gründlich
nach Crustaceen hin untersucht werden möchte; denn, abgesehen von dem wissen“
1) Cyclops fuscus, Cyclops serrulatus.
з) D. denticornis Wierz.
3) Cyclops strenuus. *) Bosmina bohemica.
55, Daphnia ventricosa.
5
Schaftlichen Interesse, haben besonders die Holopedien wegen ihrer ansehnlichen
Grösse als Fischnahrung eine praktische Bedeutung. Ich wüsste mir in der That
nicht recht zu erklären, wovon die jungen Forellen leben sollten, falls sie diese
Crustaceen verschmähen möchten.
Von Insecten fanden wir im Wasser bloss zahlreiche Phryganeaenlarven, dann
Gyrinus natator, Hydroporus palustris, un auf der Oberfläche zwei Hydrometra-
Arten,
Ausserdem füllte sieh gewöhnlich das Schöpfnetz mit verschiedenen Käfern,
die von den überhängenden Bäumen in’s Wasser gefallen sind.
Die Würmer waren sparsam durch zwei Blutegel vertreten: Nephelis vulgaris
und Aulacostoma gulo. '
Bei Vergleich mit dem jetzigen Stand der Fauna wird es zu ersehen sein,
Wie sehr sich die Verhältnisse in beiden Seen nach 25 Jahren verändert haben
| (Über die Untersuchung der übrigen Böhmerwaldseen berichtete Prof. Dr. Frič
m Jahre 1873 am 21. März ebenfalls in den Sitzungsber. d. К. b. Ges. der Wissen-
Schaften.)
Einige Jahre später sandte die naturhist. Section des Museums über meinen
Antrag zwei jüngere ‚Kräfte nach dem Böhmerwalde, damit sie die Arbeiten an
den Seen fortsetzen, dieses führte aber zu keiner Publication.
. B. Hellich arbeitete später eingehend an dem von uns mitgebrachten Mate
lale und berichtet in seinem Werke: Die Cladoceren Böhmens auf Seite 120 über
die Cladoceren-Fauna der Bóhmerwaldseen.
Im Jahre 1887 brachte W. Vávra einige Proben aus dem Sehwarzen See und
dem Teufelsee mit, von welchem Materiale im speciellen Theile eine Erwähnung
Semacht werden wird.
Im Ganzen konnte von einer Kenntniss der Fauna der Seen mit Ausnahme
der Crustaceen keine Rede sein und erst als die übertragbare (oder auch ,flie-
Sende“) Station ins Leben gerufen wurde und an zwei Teichen *) gute Dienste
Machte, entschlossen wir uns, dieselbe an das Ufer des Schwarzen Sees zu stellen,
VO sie fast 4 Jahre unseren Arbeiten die erspriesslichsten Dienste erwies und über-
Wunnt eine solche Untersuchung, wie über dieselbe in diesem Buche berichtet wird,
Möglich machte.
i Mit den Resultaten sind wir nur theilweise zufrieden, denn wir erwarteten bei
80 intensiver Arbeit, wie wir sie vornahmen, viel mehr und waren überrascht von
dem Verschwinden mancher Arten oder deren Abnahme im Vergleich zu der ersten
htersuchung. Das óftere bedeutende Wechseln des Wasserspiegels, die Besetzung
Чез Sees mit Fischen mögen darauf Einfluss gehabt haben.
Während dieser 4 Jahre besuchte ich mit Dr. Vävra die Station achtmal in
den Monaten Mai bis November. Wir arbeiteten daselbst im Ganzen 64 Tage und
Yachten der Sache viele Opfer an Zeit und Bequemlichkeit.
ОГ А, Frič und Dr. V. Vávra. Untersuchung zweier Teiche. Archiv für Landesdurch-
ng. Band IX. Nro 2.
forschu
Wie bei den Schilderungen der oben erwähnten Teiche wollen wir zur Ver-
vollständigung des Bildes auch hier eine kurze Schilderung der Flora und Fauna
der Umgebung der Seen voranschicken und einige Daten zur Frage über die Ent-
stehung der Seen beifügen.
Durch Bearbeitung einzelner Partien fórderten uns Prof. Dr. Hansgirg, Di-
rector K. Steinich, K. Polák und Dr. K. Hanamann.
Die fürstl. Hohenzollernsche Domänenverwaltung gestattete freundlichst über
Ansuchen des Comités für Landesdurchforschung die Aufstellung der Station am
See und wies die Forstverwaltung an, uns nach Kräften zu unterstützen. Dies
geschah vom Herrn Oberfórster Jul. Komárek aufs ausgiebigste, wofür wir ihm
den besten Dank aussprechen.
| Transport und Aufstellung der fliegenden Station, und Auszug aus
| dem Tagebuche,
| Nachdem die Station vom Ufer des Gatterschlagerteiches mühevoll per Axe
| bis auf den Bahnhof in Neuhaus gebracht wurde, füllte sie hier einen Waggon, der
| Im Gewichte von 1500 kg als Bilgut nach der Station Spitzberg gesandt wurde.
Fig. 1. Die fliegende zoologische Station am Ufer des Schwarzen Sees. 1892—96.
Wir reisten nach und fanden denselben bei unserer Ankunft in Spitzberg schon
am Platze. Auf zwei Fuhren mit Ochsengespann brachte man bis 2 Uhr Alles zum
fer des Sees und bis 47, Uhr Nachmittag stand das Häuschen fertig da, zur
W'óssten Überraschung der Holzarbeiter, die hier passirten.
Die Ebenung des Terrains machte bei der blockigen Deschaffenheit sehr viel
Mühe, Alte Bäume mussten beseitigt und grosse Blöcke gesprengt werden. Wegen
der Feuchtigkeit des Bodens wurde ein gemauerter Sockel angefertigt, auf den-
selben ein Holzrahmen gelegt und erst auf diesen die Station aufgestellt (Fig. 1).
Für die Durchführung dieser Vorbereitungen, welche mehr als eine Woche
in Anspruch nahmen, sagen wir der löblichen Forstverwaltung in Eisenstein unseren
besten Dank.
Das Häuschen wurde mit den Fenstern nach Norden am rechten Ufer des
Sees aufgestellt und später zum Schutze gegen neugierige Touristen mit einem
Verhau umzäumt.
Auszug aus dem Tagebuche.
1892. Genehmigung der Aufstellung der zool. Station am Ufer des Schwarzen
Sees.
26. VIII. Excursion zum Schwarzen See behufs Auffindung des Platzes zur Aufstellung
der Station.
29. VIII. Commission mit Herrn Oberförster Komárek. Genaue Bezeichnung des
wo die Station aufzustellen ist.
Versuche mit Planktonfischen ergaben Holopedium und Polyphemus.
30. VIII. Orientierungsausflug zum Teufelssee, behufs Constatirung der Verhältnisse,
unter denen daselbst gearbeitet werden könnte.
3. X. Übersiedlung der Station vom Gatterschlager Teiche nach dem Bahnhofe
Neuhaus.
4. X. Reise nach dem Spitzberge.
5. X. Transport der Station vom Bahnhof Spitzberg zum Ufer des Schwarzen Sees
und Aufstellung des Häuschens in 3 Stunden.
6. X. Erste Versuche mit 'Planktonfischerei.
9780. X. Dr. Vávra photografirte den stark entblóssten Seegrund, da wegen
Reparatur der Schleuse um 2'70 m der See abgelassen wurde.
Fauna sehr arm, die Oberfläche lieferte auf etwa 100 m blos 3 Cyclops
strenuus.
Isoetes Wiesen gut sichtbar.
1893.
18. 7.—30. VII. RegelmässigeßArbeit auf der Station.
Untersuchungen der Fauna in Abständen von je zu D bis zu 40 m.
Messungen der Temperatur.
9
22. 9.—9'1. IX. Regelmässige Arbeit. Planctonuntersuchungen. 'l'emperaturmessungen.
Durchsichtigkeit des Wassers bei Sonnenschein auf 2:40 m constatirt.
Beobachtungen der Fauna und Flora der Umgebung des Sees.
Gelegentlich Tiefenmessungen.
1894,
20.—98. Juni. Normale Arbeit. (Verlust zweier Tiefennetze.) Temperatur- und
Tiefenmessungen.
11.—18. September. Normale Arbeit.
1895. Im Juni wurde eine kleine Hütte am südlichen Ufer des Teufelssees aufge-
stellt, um die Instrumente, die von der fliegenden Station herübergetragen
wurden, in Sicherheit bringen zu kónnen.
16.—23, Juli. Arbeiten am Schwarzen See und am Teufelssee.
Temperatur- und Tiefenmessungen.
(Erkrankung des Prof. Frič machte in diesem Jahre den abermaligen Besuch
des Bóhmerwaldes unmöglich).
1896. Im April wurde Herr Hótelier Prokop ersucht über den Zustand des Eises
am Schw. See zu berichten. Derselbe theilte mit, dass der See mit einer
Eisdecke von 90 em bedeckt sei, auf welchem 58 em Schnee und Wasser
liege.
Aufs Eis kónne man sich nicht wagen und der Weg vom Horizontalweg
zum бее sei nur mit Schneerüdern passirbar.
Dadurch zeigte es sich, dass es unausführbar ist, die Temperatur des Sees
zur Zeit, wo er noch mit Eis bedeckt ist, sicherzustellen.
9.— 12. September. Arbeiten am Teufelssee, namentlich die Untersuchung des Lito-
rale und der Bodensedimente. Absendung von Wasserproben à 10 L. an
Dr. Hanamann in Lobositz behufs chemischer Untersuchung. Genaue Tempe-
raturmessungen des Schwarzen Sees. Übertragung der Station nach Podiebrad.
Die Flora des Schwarzen Sees und des Teufelssees und ihrer Umgebung.
Von Karl Polák.
l Von Seite der zoologischen Abtheilung des Comités für die Landesdurchfor-
Schung von Böhmen ergieng an mich der ehrende Auftrag, eine botanische Skizze
Unserer zoologisch nun erforschten Böhmerwaldseen, d. i. des Schwarzen Sees und
S Teufelssees zu entwerfen u. z. in dem Sinne, wie ich eine solche schon früher
B Teiche in Unter-Poternitz entwarf und für das „Archiv der Landesdurch-
ung“ niederschrieb. }
de
10
Diesem Auftrage folgend, unternahm ich zu Pfingsten 1895 einen Ausflug zu
den genannten Seen, um auch den Charakter der Frühjahrsflora daselbst kennen
zu lernen, als mir die Sommerflora jener Gegend schon von früher her bekannt war.
Der Schwarze See bildet gewissermassen ein von drei Seiten durch hohe Berg-
wände eingefasstes und daher stark beschattetes Basin der von der torfigen See-
wand (1343 m ü. d. M.) herabstürzenden, namentlich im Frühjahr ausgiebigen und
sich hier ansammelnden Wassermassen und füllt somit mit seinem 1008 m ü. d. M.
gelegenen Wasserkórper den Grund des hier entstandenen Bergkessels aus.
Rundum ist der See von Fichtenwald umgeben, in dem von anderen Baum-
arten zumeist nur die Buche hervortritt.
An den meisten Stellen tritt der Baumwuchs und die Waldflora bis dieht ans
Wasser heran zur Ansiedelung einer eigentlichen Strandflora keinen Raum lassend.
Die hier in zusammenhängender Masse den Boden überziehenden Heidelbeeren
stehen bei höherem Wasserstande, so namentlich im Frühjahre, z. Th. im Wasser,
bildend so eine unnatürliche Strandvegetation und wetteifernd in der Behauptung
des Terrains nur mit den saftig grünen Polstern der Torfmoose. Selbst die, wie
die Reste von Pfahlbauten aus dem Wasser ragenden morschen Baumstrünke, be-
herbergen eine üppige Heidelbeervegetation.
Obzwar der Schwarze See im Gebiete der Flora von Böhmen als Fundort
zweier seltenen Pflanzen berühmt ist u. z. des interessanten Sparganium affine (Fig. 2)
das nicht gar zahlreich in der Nühe des Hauptzutrittes zum See wächst und dessen
am Wasser fluthende Blätter an jene von Glyceria fluitans erinnern, ferner des in
der Flora von Böhmen so seltenen Wasserfarnes, Isoötes lacustris (Fig. 8) der nur
bei niedrigem Wasserstande dort zu entdecken ist, so ist doch dieser See einer der
pflanzenärmsten Wasserkörper unserer Heimat. Übertroffen wird er nur durch
seinen Nachbar, den Teufelssee, der auch eine Art Bergkessel ausfüllend, bei
sonstigem Pflanzenmangel auch diese zwei Pflanzen nicht beherbergt. Nur einmal
erhielt ich von Dr. V. Vávra ein Stückehen Zanichelia aus dem Teufelssee, das er
bei seinen zoologischen Forschungen ausfisehte, doch dürfte die Pflanze wohl nur
zufällig durch Wasservógel hierher gerathen sein, ohne sich angesiedelt zu haben.
Von jenen Wasserpflanzen, deren Vorhandensein für die Entwickelung der
verschiedenen, als Fischnahrung geschützten Kerbthiere so wichtig ist, ist hier
mit Ausnahme einer kleinen Colonie von Glyceria fluitans keine Spur zu finden.
Man wäre geneigt anzunehmen, dass der in einem anderen Böhmerwaldsee, dem
Lakka-See, als häufig angegebene Potamogeton rufescens auch hier zu finden
wäre, doch ist dem nicht so, denn Niemand fand die Pflanze hier. Selbst Calli-
triche und Lemna, deren Existenz auch das reinste Quellwasser zusagt, konnte
ich hier nicht entdecken. Auch die an Gewässern welch immer Art selten man-
gelnde Uferflora, bestehend aus Carexstöcken, Juncusarten, Münzen und Wasser-
ehrenpreis u. à. vermisst man gänzlich und in dem Mangel an diesen Pflanzen
entbehren auch viele Wasserinsecten, beziehungsweise deren Larven die nöthigen
Schutzplätze für ihre Überwinterung und Entwickelung, als sie das Wurzelgeflecht
dieser Pflanzen für diese Zwecke vornehmlich aufsuchen. Kein Schilf und kein
Schilfgras ragen am Ufer empor und nur die Moosdecke ist da, wo es für die
Heidelbeere zu feucht ist — oder, bei niedrigem Wasserstande, nur der Sand.
11
Der Böhmerwald stand schon seit jeher im Rufe botanisch arm zu sein. In
der That, wenn hier auch einige Pflanzen vorkommen, die im Gebiete der Flora
von Bóhmen nur von da verzeichnet sind und an die sich auch ein weiteres geo-
graphisches Interesse knüpft, so gehört die Umgebung dieser Seen, mit Ausnahme
der in dem Schwarzen See vorkommenden zwei seltenen Wasserpflanzen, zu jenen
pflanzenarmen Localitäten, die für den Böh-
merwald so allgemein charakteristisch sind.
Bei der botanischen Durchfschung dieses
Gebietes entsteht hier ein für die Flora
Ts ү j я Че P i i
1g, 2, SparganiumYaffine. ?/, der nat. Grösse. Fig. 3. Isoëtes lacustris.
Photogr. Dr. V. Vávra.
Уб ууу . .
Sewissermassen negatives Interesse, indem man wahrzunehmen beginnt, dass hier
@ ; А Ч
"ine Menge von gewühnlichen Pflanzenarten fehlt, die man auf anderen Loca-
12
lititen unter gleicher Hóhe und an demselben Substrat, gewiss finden würde, sei
auch dass der Gneis, das hier vorkommende Gestein, von vielen Pflanzenarten 80
gemieden wird wie der rothe permische Sandstein.
Die Flora des hier zu schildernden Gebietes gehórt ihrem hauptsüchlichen
Charakter nach zu unserer gewóhnlichen Flora des Bergwaldes, doch untermischt
mit Elementen, die zur subalpinen Flora gehören, so man die Riesengebirgsflora in
Vergleich zieht, als dort dieselben Arten in entsprechen Höhenlagen häufig vor-
kommen. Von diesen, soweit in der weiteren Umgebung des Schwarzen Sees vor-
kommend, wären anzuführen:
Athyrium alpestre (Auf der Seewand), Luzula maxima, sehr häufig und oft
auf den schattigsten Waldstellen, Homogyne alpina, Mulgedium alpinum an Bächen
und Ranunculus aconitifolius, auch häufig; ferner ist eine kleine Partie Legföhre
(Pinus pumilio) an der Seewand und eine kleine, freudig vegetirende Gruppe dieser
Baumart hart am Schwarzen See hervorzuheben.
Ausserordentlich arm ist daselbst die Flora des Frühjahrs und des Vorsommers.
Die Wahrnehmung, welch’ eine grosse Anzahl von gewöhnlichen Waldblumen, die
sowohl der Ebene als dem waldigen Berglande angehören, hier fehlt, kommt um
diese Zeit am meisten zur Geltung. Auffallend ist hier der gänzliche Mangel der
bei uns so weit verbreiteten Waldveilchen, Viola silvestris und Riviniana. Anch
keine der Frühjahrspotentillen zferte hier den Waldsaum und die lichten Gebüsche.
Von Papilionaceen und Crueiferen, bis auf Cardamine amara beim Seeförster, sah
ich hier auch keine Vertreter. — Saxifraga granulata fehlt hier auch gänzlich und
die beiden Chrysosplenium-Arten, halten sich nur an der Thalsohle und kommen am
Bache, der aus dem Schwarzen ‚See entspringt aufsteigend, nicht bis zu diesem
hinauf. Hepatica triloba, Ranunculus auricomus, Galeobdolon, Lamium maculatum
nnd viele andere Repraesentanten der Waldflora scheinen hier auch zu fehlen. Diese
Umstände sprechen dafür, dass in der relativ niedrigen Höhe des Schwarzen Sees.
solch’ klimatische Verhältnisse -herrschen mögen, die nur wenig höheren Pflanzen
zusagen, wozu noch vielleicht die von vielen Arten gemiedene Bodenart, Gneis, viel
beitragen dürfte.
Wie sonst an rauhen und höher gelegenen Fundorten, so holt auch hier die
Frühlingsflora das Aufblühen der Sommerblumen ein. Am 2. Juni vorigen Jahres
blüthen im Walde entlang des Weges, der von dem Pensionat am Spitzberge zum
Schwarzen See führt, beispielweise: Homogyne alpina, Caltha palustris, Anemone
nemorosa, Viola palustris, V. arenaria, Oxalis acetosella, Soldanella montana, Me-
landryum rubrum, Alchemilla vulgaris und noch wenige andere. Luzula maxima war
erst im Aufblühen begriffen. Auch von den verschiedenen gemeinen Waldseggen
(Carex digitata, verna, etc.) bemerkte ich keine Art.
Der hier zumeist sehr schattige Hochwald, dessen Boden mit einer Moosdecke
überzogen ist die an Üppigkeit ihres gleichen sucht, gewährt zumeist nur an seinen
lichterenzStellen, namentlich am Rande Raum zur/Ansiedelung der Waldflora. Nur
einige Bärlapparten, namentlich Lycopodium annotinum, ferner das hier unter den
Farnen häufigste Blechnum spicant, bringen Abwechslung in dieses einförmige, nicht
nur den Boden, sondern alle Steinblócke und felsigen Erhóhungen rundum über-
ziehende Grün der schwellenden, fenchten Moosdecke. Da wo das Terrain für die
18
Ansiedelung der Heidelbeere günstiger war, ist sie das dominirende Element. Die
dichte Moosdecke durchrieseln stellenweise kleine Bäche, zumeist nur Wasser-
Striemen, die oft nach kurzem Lauf sich in der Moosdecke wieder verlieren. Ent-
lang dieser Bächlein und an feuchten Stellen siedelte sich Caltha palustris in Menge
an zumeist ohne mit einer anderen phanerogamen Pflanze untermischt zu sein und
es contrastirt dieser Standort nicht wenig mit jenem, an dem man diese Pflanze zu
Sehen gewohnt ist, als sie doch sonst offene Wiesen vorzieht. Аш 2. Juni stand
diese Pflanze in den Wäldern an dem Schwarzen See noch in ihrem vollen Blüten-
Schmucke. In den tieferen Lagen, so in den Wäldern um das Haus des Seeförsters,
weist die Flora eine grössere Mannigfaltigkeit auf, und zu den bereits erwühnten
Pflanzen gesellen sich noch Petasites albus, Senecio crispatus, Circaea lutetiana
u. à. bei. Mulgedium alpinum kommt am Bache, der durch den Abfluss des Sehwarzen
Sees entsteht, häufig vor, und steigt bis zum See hinauf. — Von nicht blühenden
Pflanzen wurden hier noch bemerkt Polygonatum verticillatum, Actaea spicata und
Senecio fuchsii, Prenathes purpurea u. a. Später im Sommer ist Trientalis euro-
раеа an passenden Standorten häufig zu finden. Sehr arm ist dieses Gebiet an
Hieracien; auf meinem Sommerausfluge fand ich hier nur Н. vulgatum und mu-
rorum, doch auch diese nur sehr zerstreut. An offenen quelligen Stellen mit tor-
figem Wiese grund, wo im Frühjahre Pinguicula vulgaris, Valeriana dioica, Pedi-
cularis sylvatica, Scorzonera humilis, Coeloglossum viride u. ä. blühen, ist später
im Sommer Willemetia hieracioides zu finden, interessant mit Rücksicht auf unsere
heimatliche Flora dadurch, als sie im Böhmerwalde und dem angrenzenden Gebiete
die Nor dgrenze m Verbreitung in Europa erreicht und sonst nirgends in Böhmeu
mehr zu finden ist.
Wie bereits SC ist es nicht uninteressant zu bemerken, welche Pflanzen
man in den Wäldern in der Höhe des Schwarzen Sees vermisst.
Die in unseren Bergwäldern so massenhaft vorkommenden Farne Aspidium
filix mas und Athyrium filix femina möchte man als hier gänzlich fehlend anzu-
nehmen geneigt sein, wenn an dem westlichen Ufer des Sees auf berieselten Felsen
nicht einige Stücke wachsen würden u. z. in Gesellschaft von A. oreopteris. Pteris
aquilina, die doch gerne in Gesellschaft von Heidelbeeren wächst, sah ich hier
nirgends. Vielleicht bedingt es die grosse Feuchtigkeit der Wälder, dass sich dieser
'arn selbst auf trockeneren Stellen nicht ansiedeln kann. Blechnum spicant ist
hier, wie bereits erwi ähnt, der häufigste Farn, neben dem kommt recht häufig, doch
nicht üppig, Aspidium spinulosum und Phegopteris Dryopteris. Sonderbar auch,
dass auch auf entsprechenden Localitäten die Rubusarten nur sporadisch vorkommen.
ie Himbeere bemerkte ich überhaupt nieht und von Brombeeren fand ich zer-
Streut nur hie und da einen Strauch von Rubus glandulosus und Rubus radula. —
on Sträuchern fallen Sambucus racemosa und Sorbus aucuparia auf, bildend hie
"Und da das Unterholz. Selten steht unter denselben auch Lonicera xylosteum.
Bemerkenswerth ist, dass die Heide, Calluna vulgaris, auch die offenen
tellen meidet. In der Umgebung des Schwarzen Sees konnte ich keinen Stock
"Avon entdecken und weiter davon fand ich kleine Colonien. die nur ein kümmer-
lches Dasein fristeten.
14
Um ein botanisches Bild dieser Localität so im einzelnen zu entwerfen, dass
nicht nur alle Pflanzenarten, die hier zu allen Jahreszeiten zu finden sind, aufge-
zählt werden, sondern dass auch diejenigen Arten, die für unsere Gebirgswülder
charakteristisch sind, hier als fehlend namhaft gemacht werden, dazu wären weit
mehr Excursionen nöthig als vielleicht der Zweck dieser flüchtigen Skizze bean-
sprucht. Diese Skizze genügt aber, dass die grosse Pflanzenarmut dieses Gebietes
soweit geschildert erscheint, als man darnach schliessen kann, wie artenarm auch
die Insectenfauna hier sein muss, und die, soweit sie als Nahrung der in den Seen
lebenden Fische in Betracht gezogen werden kann, nur weuig zur Geltung kommen
dürfte.
Die Fauna der Umgebung des Schwarzen Sees und des Teufelssees.
Bäugethiere.
Von grösseren Säugethieren kommen auf der Seewand regelmässig Rehe vor,
von denen jährlich 4—8 Stück erlegt werden. Das Wahrnehmen eines Hasen von
Seite der Touristen gehört zu den grossen Seltenheiten, dennoch werden bei den
Jagden in der Umgebung des Sees jährlich 25—50 Stück erlegt, Diese Armut
an Wild hängt mit dem rauhen Klima und den hier im Winter lagernden unge-
heuren Schneemassen zusammen.
Vom Hirschwild verirrt sich zuweilen ein Stück vom Kubani bis nach dem
Spitzberg, wo ein Stück bei der Baumschule am Horizontalwege gespürt wurde.
Im Jahre 1894 wurde ein 16ender verfolgt, aber nicht erlegt. Im 17. Jahr-
hundert sprechen alte Urkunden nur von „Rehstuck“.
Im Jahre 1754 geschieht in einem Vertrage, mittelst dessen Graf Kolovrat in
Deschenitz die Waldweide in den See-Waldungen den Bauern von Eisenstrass
verpachtete, die Erwähnung, dass sie „von jedem Büren die Bratzen und vom
Hirschen den Ziemer, was die Hirten abzuführen haben“, woraus zu schliessen ist,
dass hier so wohl Hirsche als Bären vorkamen. Der Tradition nach wurde 1811
am südlichen Ende der Seewand im sogenannten Spiegelwald ein Bär erlegt.
Von schädlichen Säugethieren werden im Durchschnitt jährlich 3 Füchse, 3
Marder, 2 Iltise, 2 Wieseln geschossen.
Ein verwildeter Kater, der mehr als ein Jahr in der Umgebung des Sees be-
obachtet wurde und der Losung nach zuweilen mit den grossen Waldameisen für
lieb nehmen musste, wurde bei der Station in Eisen gefangen und erwies sich
als ein vom Seeförster desertirtes Individuum.
Fischottern wurden im Jahre 1895 4 Stück gefangen.
Diese Daten erhielt ich vom Herrn Oberförster Jul. Komärek.*)
Bei dem blockigen Terrain in der Umgebung des Schwarzen Sees war es
eine schwere Aufgabe die Uferfauna sicherzustellen. Bald bemerkten wir, dass
*) Vergleiche Excursion des Forstvereines 1882.
15
Unsere Küchenabfälle von verschiedenen kleinen Nagern besucht werden und stellten
nahe der Station Federfallen auf, welche Arvicola glareola, Agricola agrestis und
Mus sylvaticus lieferten. Ausserdem setzten wir ein verkehrt conisches aus Zink-
blech verfertigtes Gefüss (Fig. 4.) am Ufer in den Boden ein, bedeckten es lose
Fig. 4. Fangapparat auf Insecten, Mäuse und Eidechsen.
mit Reisern, und um die Öffnung vor Regen zu schützen, deckten wir es mit einem
Interlegten Brette zu. Täglich fanden wir darin verschiedene Insecten, Eidechsen
Pitzmäuse, Wühlmäuse ete.
Könnte dieser Apparat täglich revidirt werden, dann würde man gewiss eine
Namhafte Reihe von Thieren am Ufer des Sees nachweisen, von deren Gegenwart
Man sonst keine Ahnung hat.
| Von Nagethieren ist das häufigste die Waldwühlmaus Arvicola glareola, welche
Ш sehr grossen Exemplaren in der Nähe der Station gefangen wurde. Ein Weib-
Chen hatte die Länge von 15 cm.
Ein einzigesmal wurde die Erdmaus Agricola agrestis knapp am Seeufer be-
Obachtet und am nächsten Tage gefangen. Es ist dies das erste in Böhmen sicher-
Sestellte Vorkommen. SE ;
Ziemlich häufig war auch Mus sylvaticus, der im letzten Winter sogar in das
RE der Station eindrang und hier viel Schaden verursachte. Fünf Exemplare
En i ‚eine Flasche, in welcher, Reis enthalten war, nachdem dieser ver-
hb da. Se frassen sie sich wechselseitig auf und wir fanden bei unserer Ankunft
` Mlasche ein ganzes mumificirtes Exemplar und von den übrigen 4 die
" manze und die ausgefressenen Schädel.
E ies der weiteren Umgebung des Sees uns eingelieferten Hausmäuse Mus
"Ze ae sen durch bräunlich ockergelbe Bauchseite aus, welche Farbe
. “en ausgestopften Exemplaren stark verblasste.
1 D^ < TNefepitzmians Crossopus fodiens und Sorex vulgaris geriethen etwa
Inseren Fangapparat.
16
Crocidura aranea wurde todt auf einem Fusssteig gefunden.
Der Dachs fehlt hier ganz, aber der Igel soll sich in den letzten Jahren stark
vermehrt haben.
Von Fledermüusen konnten wir trotz fleissigen Aufpassens keine sicherstellen.
Einmal sahen wir eine ganz kleine Art fliegen, wahrscheinlich V. pipistrellus. Das
Vorkommen von V. Leisleri aus dieser Gegend ist früher constatiert worden.
Es sind also in der Umgebung des Sees zu verzeichnen:
1. Vesperugo Leisleri — die rauhhaarige Fledermaus.
2. Vesperugo (pipistrellus?) — die Zwergfledermaus.
3. Стоѕѕориѕ fodiens — die Wasserspitzmaus.
4. Sorex vulgaris — die Waldspitzmaus.
5. Erinaceus europaeus — der Igel.
6. Felis catus. domesticus — die Hauskatze.
7. Canis vulpes — der Fuchs.
8. Ursus arctos — der Bär.
9. Mustela martes — der Baummarder.
10. Foetorius putorius — der Iltis.
11. Foetorius vulgaris — das Wiesel.
12. Lutra vulgaris die Fischotter.
13. Seiurus vulgaris — das Eichhörnchen.
14. Mus musculus — die Hausmaus.
15. Mus sylvaticus — die Waldmaus.
* 16. Arvicola glareola — die Waldwühlmaus.
17. Agricola agrestis — die Erdmaus.
18. Lepus timidus — der Haase.
19. Cervus elaphus — der Edelhirsch.
20. Cervus capreolus — das Reh.
Die Vógel.
Der Bóhmerwald steht im Rufe sehr vogelarm zu sein, was davon herkommt,
dass die Touristen meist erst im August und September hier eintreffen, wo jeder
Wald stille ist.
Ganz anders verhält sich die Sache, wenn man schon im Mai, zur Zeit, W?
noch meterhoch der Schnee liegt, hier eintrifft.
Da ertönt vom frühen Morgen bis tiefin die Nacht der melodische Gesang des
Rothkehlchens von dem an den Ufern des Sees etwa 15 Paare brüten. Auch de!
Gesang der Drossel und der Finken trägt zur Anmut dieser idillischen Gegend bel.
Doch wollen wir unsere Beobachtungen dem System nach verzeichnen. Wir
hatten erst spüter uns mit Schusswaffen versehen, aber konnten doch bei dem
blockigen Terrain manche Art kleiner Vógel, die wir hórten, nicht erlegen, um die
Species sicherzustellen.
17
Der gemeine Bussard flog nur einmal über den See und ein Wespenbussard
Wurde in der Nähe erlegt.
. Der Finkensperber nistet einige Hundert Schritte nördlich vom Pavillion und
An anderes Paar in der Nähe des Spitzberges. Zahlreiche Skelette von Drosseln,
Finken und Meisen, die wir unter dem Horste sammelten, zeigt die Gefährlichkeit
dieses Räubers für die kleine Vogelwelt.
Ein mir vom Herrn Oberförster Komárek eingeliefertes altes Weibchen des
Y y " `
Thurm fallen hatte 14 Stück Bergeidechsen im Kropfe und dieses war wohl die
tsache, dass es während der Verdauungssiesta erlegt werden konnte.
Von Eulen vernahmen wir nur die Stimme einer kleinen Art, wahrscheinlich
Athene noctua auf der Seewand und eine ganze Familie des Waldkauzes liess sich
. o
eines Abends an der Lehne unterhalb des Horizontalweges laut hóren.
. Der Schwarzspecht ist in der Umgebung des Sees Standvogel und hatte am
Bpitzberg sein Nest in einer kernfaulen Buche und nachdem der Baum gefüllt
Wurde, fand man, dass vom Eingangsloche zum Grunde des Nestes die Entfernung
ast | m betrug. Es enthielt nur ganz wenig Federn.
Ein anderes Exemplar des Schwarzspechtes wurde kürzlich im Dohnensteig
Sefangen und kam in eine Privatsammlung. Andere kleinere Spechtarten hörten
Fir wiederholt, aber bekamen sie nicht zu Gesicht.
| Den Kukuk hörten wir aus der Ferne tiefer unten, etwa beim Seeförster
öfters rufen,
Der Eisvogel erschien nur einmal am Seeufer.
Der Zaunkönig ist ein ständiger Bewohner der Umgebung des Sees und die
"Secten, welche sich in Menge bei unseren Kjökenmöddings einfanden, lockten ihn
I5 in die unmittelbare Nähe der Station.
Den Baumläufer erlegten wir in der Form von Certhia familiaris mit rost-
m Rücken und schneeweissem Bauche. Der Kleiber Sitta caesia W. et M. lüsst
beet, ев C Herbst hóren. Von Meisen wohnen hier in Menge die 'annen
histeto, Pigs Gesang man den ganzen Tag hört und die auch unweit der Station
Meran т Dgeniert nahm die Meise zum Nestbau das Werg aus den Stricken
ransportkórbe.
ài ee ist die Haubenmeise, die aber auch in der Nähe des Sees genistet
` m Junges Exemplar erlegten wir am 24. Juli.
Der Baumpieper war regelmässig in der Umgebung des Teufelssees zu hören.
i; tm Schwarzplatl Sylvia atricapilla nistet regelmässig in der Nähe der „grossen
am Horizontalwege, wo wir auch öfters seinen Gesang wahrnahmen.
9n Laubvögeln vernahmen wir nur die Sylvia fitis.
i p. е Goldhähnchen ist wohl der häufigste Vogel der Umgebung des
© brütet auch daselbst.
am Ba Be des Sees wurden häufig von der Gebirgsbachstelze besucht, welche
1.716 unterhalb des Sees nistete.
Tothe
Sic
h
Pav; 16 weisse Bachstelze erschien seltener und hielt sich mehr bei dem grossen
villon auf,
Unter der Seewand nistete ein Paar des Wasserschwätzers knapp am Wasser-
9
18
spiegel unter den Felsblöcken. Ein junges eben flügges Exemplar erlegten wir
28. Juli.
Die Wacholderdrossel hörten wir Ende Juli. Die Singdrossel sang sehr fleissig
im Mai an den Ufern des Sees, im Juli nicht mehr. Die zahlreichen Reste dieses
Vogels unter dem Sperbernest zeigen, wie gefährlich dieser Räuber diesem edlen
Singvogel ist.
Die Ringdrossel, Turdus torquatus kommt etwas weiter am Oser vor. Das
Bothkehlchen ist sehr häufig und der Hausrothschwanz zeigte sich im Herbst in
der Nähe der Station. Eine Dorfschwalbe wurde am 25. August am See ре“
obachtet.
Der Kreuzschnabel hält sich constant in der Nähe der grossen Fichten AN
der Tunnelhalde auf und überflog auch oft den See. Am 17. März erhielten wir
von der genannten Localitàt ein Nest mit 3 halbflüggen Jungen, deren Schnabel
noch keine Andeutung der Kreuzung zeigte. Das Nest bestand aus 'l'annenreisern
und war mit Moos und Wolle ausgepolstert, aber enthielt kein Pech. Es war blos
3 m vom Boden entfernt, nahe beim Stamme auf einem Seitenaste. Breite 23 ст,
die Vertiefung 9 cm.
Der Buchfink sang sehr eifrig im Mai an den Ufern des Sees. Dass er später
verschwand, mag das nahe nistende Sperberpaar am Gewissen haben.
Den Zeisig hörten wir nur einmal.
Der Gimpel kommt im Winter an den Seeufern auf den Sperberbäumen vor:
Ein Sperling erschien einmal am 29. August.
Die Rabenkrähe, Corvus corone nistet in der Partie zwischen dem See und
dem Spitzberg.
Der Tannenheher, Nucifraga caryocatactes ist in dem vom See nach Norden
gelegenen Oser-Walde Standvogel und nistet hier, da ganz junge Vögel vom Forst-
personale im Sommer beobachtet wurden. Seine Stimme hörten wir auch im Sep“
tember auf der Seewand.
Von Tauben kommt nur die Hohltaube vor.
Das Awerwild ist hier ein häufiger Standvogel und es werden alljährlich
mehrere Stücke in der Balz erlegt. Der Birkhahn fehlt.
Das Haselhuhn nistete unweit vom See und die Stimme der Jungen lockte zu
Jagdversuchen, welche bei dem blockigen Terrain leider erfolglos blieben. Ein аш
Boden im Moose angelegtes Nest mit 2 Eiern brachten wir von da für die Mu-
seumssammlung.
Ein Nest der Waldschnepfe mit vier leeren Eiern wurde uns vom Oserwalde
eingeliefert.
Von Wasservögeln kamen blos 2 Arten zur Beobachtung und zwar ein paat
Knäckenten am 26. Juli, welche früh um 8 Uhr den See umkreisten, um gleich
darauf zu verschwinden.
Eines Tages gewahrten wir in der Dämmerung unter der Seewand eine?
jungen Lappentaucher etwa in der Grösse des Pod. rubricollis. Derselbe war WÉI
niger scheu, tauchte nicht bei unserer Annäherung und als er endlich aufflog
schien er verwundet zu sein. Wir verschoben die Jagd auf den nächsten Morgen:
aber der Vogel war nicht mehr zu sehen.
19
Verzeichnis der in dor Umgebung des Schwarzen Sees beobachteten Vogelarten.*)
Buteo cinereus Вр. Turdus musicus L.
Pernis apivorus Cuv. Turdus torquatus Fr.
Aceipiter nisus Pall. Phyllopneuste trochillus Meyer.
Tinuneulus alaudarius Br.
Athene noctua Вр.(?) Regulus cristatus Ray.
Syrnium aluco Sav. Sylvia atricapilla Lath, |
Picus martius L. Lusciola rubecula K. et DL |
Lusciola erythaca Bp. |
Cuculus canorus L. Hirundo rustica L. |
Alcedo ispida L. Nucifraga cariocatactes Cuv.
Troglodytes europaeus Cuv. Corvus corone L.
Certhia familiaris L. Fringilla coelebs L.
Sitta caesia M. et W. Passer domesticus Bp.
Parus ater L. Fringilla spinus L.
Parus cristatus L. Pyrrhula vulgaris Pall.
Anthus arboreus Bechst. Loxia curvirostra L.
Jolumba oenas L.
Motacilla sulphurea Bechst. Bonasia sylvestris Brehm.
Motacilla alba L. Tetrao urogallus L.
Cinclus aquaticus Bechst. Querquedulla circia Bp.
Turdus pilaris L. Podiceps subcristatus ?
Reptilien.
Bes яз “ж ‚häufigsten Erscheinungen gehört in der Umgebung des Schwarzen
Uhren ar ergeidechse Lacerta vivipara, welche an sonnigen Tagen im Sommer aus
llupfwinkeln hervorkommt.
E ihrer Häufigkeit kann man sich ‚einen Бери machen nach der That-
E us eit Weibchen des Thurmfalken im Kropfe 1% зак erwachsener Exem-
Ds Eidechse enthielt. Die meisten hatten den Kopf abgerissen und diese
8e Mahlzeit mag wohl die Erlegung des Vogels begünstigt haben.
Ens тн» kommt an der unterhalb des Sees und des Horizontalweges
then à dachung in der Varietüt Pelias prester vor, die nur ein altes Weib-
"T gewóhnlichen Pelias berus ist.
cna Tüngelnatter, Tropidonotus natrix wurde im Juli 1895 in der Nähe des
AS am Seeufer in zwei Exemplaren erlegt.
Die Würfelnatter Tropidonotus tesselatus wurde unterhalb des Dammes des
` Bees von Dr, Vávra am 21./7. 95 beobachtet.
AL
Schw
E D
) Die Nomenclatur stimmt mit derjenigen, die in dem bei uns weit verbreiteten Werke |
»Die Vi Т
бро] Eur ї i TM
Publicis gel Europas“ angewandt ist, und mit dem im Archiv für Landesdurchforschung Band II.
Mri. en Verzeichnis der Vögel Bóhmens. Die neu geänderten Namen findet man in Reichenow's
JN d
Mätischas d А KA
&йзсһев Verzeichnisg der Vögel Deutschlands".
20
Amphibien.
Am bezeichnendsten für den See ist der Alpenmolch Triton alpestris, welcher
im Winter unter Steinen und Baumrinden verweilt, aber dann schon im Mai im
See unterhalb der Seewand angetroffen wird. Die Ablage der Eier fällt in den
Monat Mai, scheint aber längere Zeit zu dauern, denn wir fanden zu gleicher Zeit
Eier und mehrere Stadien der Larven. Im nächsten Frühjahre erhalten die Larven
eine Länge von 3 em und sind schon am Bauche schön roth.
Die leeren Eierschalen findet man später im Jahre oft am Ufer von ver-
schiedenen niederen Organismen überfallen. Auch ein isolirtes Spermatozoon wurde
in dem mit dem See in Verbindung stehenden Tümpel beim Місгоѕсорігеп gefunden:
Fig. 5. Triton alpestris. Oben das Männchen, unten das Weibchen.
Es wurde mittelst Formalin ein Pärchen für die Museumssammlungen prae
parirt. In den Lungen fanden wir an 8 Stück einer Ascaride. Im Dickdarm zwel
Infusorien, eine schmale Bursaria und ein Nyetotheres.
Von Fröschen ist Rana temporaria sehr häufig und paarte sich im Mai
zwischen den abgerindeten am Ufer im Wasser herumliegenden Baumästen und
Wurzeln, denen sie in der Farbe auffallend glich und zwischen denen sie, 80 lange
sie stillstand, nur schwer bemerkt werden konnte. Die in Paarung begriffenen Thiere
hatten folgende Fürbung. Das Münnchen unten schwach rosa, die Schläfenfleck®n
blass, oben stark dunkel gefleckt. Das Weibchen unten schwefelgelb. Im Ju
Waren Kaulquappen ohne und mit Füssen häufig am Ufer zu beobachten und
sammelten sich an ins Wasser geworfenen Geflügelknochen massenhaft. Vorjährige
kleine Fröschehen hielten sich in Menge im Moose am Ufer auf. Die alten Thiere
trafen wir dann im Juli einzeln im Walde.
Zu Bombinator igneus gehörige Kaulquappen fanden sich im Juli massenhaft
an der Sparganiumlocalitàüt.
Kröten (Bufo cinereus) hielten sich in der Nähe des Pavillons auf.
Fische.
Das Vorkommen von grossen Forellen bis 60 cm Länge war längst constatiert
Und es erhielt das Museum zwei Exemplare schon in den 50. Jahren durch Ver-
Mittlung des Prof. Emanuel Purkyně. Alle Bemühungen diese grossen Exemplare
mit der Angel zu fangen blieben erfolglos.
Dass sie zuweilen doch angebissen haben, beweist ein Exemplar, das wir
vom Herrn Oberförster Komárek erhielten, bei welchem die vordere Schnauze fehlte
Und zugeheilt war.
Der grossen Forellen wird man nur dann habhaft, wenn sie zur Laichzeit
im October in das von der Seewand herabfliessende Bächlein aufsteigen, wobei
sie entweder geschossen werden oder es wird ihnen durch eine Schleusse vor-
Sichtig der Rückgang gesperrt.
In den letzten Jahren wurden diese laichreifen Fische zur Erziehung von
embryonirten Eiern benützt.
Da der aus dem See fliessende Bach Forellen führt, so ist das Vorkommen
der Forellen im See leicht erklärlich.
Ein von uns im Juni 1894 geschossenes Exemplar von 50 cm Länge erwies
Sich als ein unausgelaichtes Weibchen, dass immerfort die Laichstelle unter der
Seewand besuchte.
Sehr verändert hat sich aber die Fischfauna des Sees, seitdem Herr Ober-
fürster J, Komárek die Einsetzung von Brut verschiedener Edelfische alljährlich
KS Die mir freundlichst mitgetheilten Daten sind folgende:
. Im Mai 1890 wurden 1800 Stück junge in Brutapparaten in Eisenstein ge-
Ka Saiblinge in deu Schwarzen See eingesetzt. In 18 Monaten, am 29. Oktober
1891 wurden davon mehrere gefangen in der Lünge von 20—22 cm, im Jahre 1892
atten sie schon 25—26 cm.
2. Im Mai 1892 wurden abermals 8950 junge Saiblinge eingesetzt.
^. Im Mai 1893 setzte Herr Komárek 30.000 junge Saiblinge in meiner Gegen-
wart i in den Schw. See und äusserte Besorgnis, ob die jungen Fische in dem klaren
Wasser genug Nahrung finden.
Durch Zufall geschah es, dass wir am nächsten Tage beim Fischen auf der
Isootes-Localitit einen der eben ausgesetzten Saiblinge fingen. Die Untersuchung
Сев Darminhaltes erwies, dass der Fisch etwa 40 Stück kleine Krebse Acroperus
Pucocephalus zu erhaschen verstand und man daher um sein Fortkommen nicht
22
besorgt zu sein braucht. Ein Saibling von 32 em Länge, der auch gefangen wurde,
hatte 3000 Holopedien im Magen.
Die Besetzungsversuche wurden durch guten Erfolg gelohnt, denn schon
wurden Saiblinge von 30 cm Länge gefangen und häuften sich heuer im Juni in
Schaaren beim Pavillon, wo sie von den Touristen gefüttert wurden.
Heuer im September schwammen 30 cm lange Saiblinge ganz ungeniert vor
der Station und vom Forstpavillon aus wurden viele mit der Angel auf Schmetten-
käse gefangen.
4. Am 10. April 1893 wurden 5000 junge Marünen, Corregonus Wartmani
in den See eingesetzt, aber bisher keine herangewachsene bemerkt.
Die Wirbellosen.
Die Mollusken- Fauna erscheint als sehr arm. In der Umgebung des Schwarzen
Sees und des Teufelssees wurden im Moos, unter grossen Blöcken und unter der
Rinde modernder Baumstrünke folgende Arten gesammelt:
Limax maximus L. var. cinereo-niger Wolf.
Limax maximus L. var. cinereus Lister.
Malacolimax tenellus Nils. Patula ruderata Stud.
Agriolimax agrestis L. Helix arbustorum L.
Vitrina diaphana Drap. Ulausilia cruciata, Stud.
Vitrina elongata Drap. Olausilia laminata Mtg.
Hyalinia fulva Müll. Clausilia bidentata Ström. ,
Arion subfuscus Fels.
Von den Käfern sind für die Umgebung besonders bezeichnend die Gebirgs-
arten: Carabus auronitens, Linnei und arvensis, und Leistus piceus.
An den Holzhaufen wurden Hylecoetes dermestoides, Bostrychus autographus;
laricis, lineatus, bidens, Hylesinus paliatus, Ips quadripustulatus, Rhizophagus dispa”, |
Rhagium bifasciatum und Toxotus cursor gesammelt. |
Von den Fliegen war im Walde hinter der Station besonders auffallend die
schöne, eine Hummelart nachahmende Mesembrina mystacea. Die Bremsen be
suchten öfters das Innere der Station, es waren die über 3 cm grossen Tabanus
sudeticus, dann Tabanus glaucopis und autumnalis.
Im Mai 1895 wurden wir bei schwüler Luft von einer grossen Menge der
winzigen Flohschnacke (Ceratopogon pulicarius L.) überfallen, die sehr empfindlich
sticht.
Die Netzflügler sind durch die Wasserflorfliege (Sialis lutaria L.) und durch
die Kócherfliegen Phryganea striata und Chaetopteryx villosa vertreten.
Im Moose waren besonders zahlreich die Springschwänze Orchesella rufescens,
Maerotoma plumbea und flavescens.
А
|
>
ў
|
À
23
Chemische Zusammensetzung des Wassers aus dem Schwarzen See,”
Von Dr. J. Hannamann in Lobositz.
Das Wasser, geschöpft
am 3/9. 1866, war sehr klar, mit einem sehr schwachen
Stich ins Gelbe, geruch-, geschmacklos, sehr weich und gab nur einen Gesammt-
rückstand von 18 Milligramm im Liter, wovon 19:3 mgm mineralischen und 5'7 mgm
organischen Ursprungs sind.
Beitr
50
In 10 Liter des Seewassers waren enthalten Grammes und in 1 Liter Milli-
Stammes;
In 10 Litern
3rm.
Kochsalz . . . 00079
Bittersalz . . 0:0218
Kalisulfat . . 0175
Gyps И VURGU
Eisensulfat . . 00041
Mangansulfat . 00075
Kieselsaueres | 0:0275
Humussaueres | 00570
Natron 00112
Summa . . 01800
Bestandtheile In 10 Litern In 1 Liter
Gims. — Milligrms
Natron ET 1:54
Ball, s t Men DU UD 0:95
Kalk E ENER T. 1:07
NEIE 0.71
МИЙ АЛО УЧ. EE 0'29
ЕЛО УОТ en ccv Old 014
Schwefelsäure . . . . . . . 00448 448
Ono е o at ШОШО 0:48
кезенге, оу ООДО 2:75
Quellsäure u. Extractstoffe . . 00570 570
01811 St
Sauerstoff ab für Chlor. . . 0:0011 OECD
gms 0'1800 18:00 mgs
Die Gesammthürte des Wassers beträgt nur 0'2 deutsche Härtegräde.
In 100 Gew.-Theilen des Gesammtrückstandes und des mineralischen Rück-
Standes sind:
Natriumoxyd
Kaliumoxyd
Caleiumoxyd
Magnesia
Manganoxyd
Eisenoxydul
Schwefelsäur
Chlor
Kieselsäure
BOO deet
WO ENEE
wenigen. E M
91005 он DNS
2503/59. E
le ШЧ бы ИВЕ
«с ee ee
ОС cA. IST
ADOI 290
Organische Stoffe 50... 9 „Ole 100700
- 100:00
р Wührend des Druckes erhielten wir die Disertation des Herrn Karl Metzger aus Urach:
ns "a Kenntniss der hydrographischen Verhältnisse des bayr. Waldes, wo die Analyse des
В Im Schwarzen See folgendermassen angegeben wird:
100 Theile Rückstand enthielten Na,0 29°%/,, K,O 259/,, СаО 6°54%,, MgO 2:489/,, CI 7°560/,,
3 8:909 ; ? à m á >
в 990%, SiO, 10:97 Al,O, Fe,O, 209%, CO, 7:88%,. Trockenrückstand in 1000 ccm. 0'0600.
Unter den Extractstoffen befindet sich auch ein durch Alkohol ausziehbarer,
harziger Stoff, der dem Wasser eine gelbe Färbung verleiht.
Chemische Zusammensetzung des Wassers aus dem Teufelssee.
Das eingedampfte concentrirte Wasser, geschöpft in der Mitte des Sees am
3/9. 1896, war stark gelbgrün gefärbt, sehr klar, geschmacklos, schwach alkalisch
reagirend, hinterlies nach dem Eindampfen am Wasserbade und Troeknen bei
150° C nur einen Gesammtrückstand von 19:36 Milligram pro Liter oder 019 gr
pro 10 Liter. Die 19:36 mgm bestanden aus 19:49 mgm mineralischen und 6:94 mgm
organischen Ursprungs.
In 10 Litern des Seewassers waren enthalten Grammes u. in 1 Liter Milli-
grammes `
In 10 Litern
In 10 Litern
In 1 Liter
Gramms Bestandtheile Gramms Mllgrm
Kochsalz . . 0:0157 Natron . . 00220 220)
Bittersalz Er nola 009080 Kali . . 00098 0:98
Kaliumsulfat . 2 ~ 300181 Kalk . 0:0097 0:97
Gyps qo uu uM NU OOTOD Magnesia . . ("0085 0:85
köhlens, Kalk... v 1 OUUDA Manganoxyd AER BHO BS 0:18
Eisenoxyd u. Thonerde 0:0012 Kisenoxyd u. Thonerde . 00019 0:12
Manganoxyd оо, « 00018 Kieselsäure . 00265 2:65
Kieselsaueres . . . . . 0'0265 Schwefelsäure , . 0:0350 3:50
u. Humussaueres . . . 0'0694 Chlor 0:0095 0:95
Natron . a VOL Kohlensäure . 0:0023 0:28
Summa : . . . 0"1936 Quellsäure
Humussäure . 0.0694 6:94.
u. Extraetivstoffe Do
Summa . .01957 19:07
Sauerstoff ab für Chlor. . 00021 0'21
0:1936 or 19:86 Mg.
In 100 Gew. des Gesammtrückstandes nnd des Mineralrückstandes sind ent-
halten :
Bestandtheile in Procenten :
МА ОТОУ о еи. eding 1401
ПОШО S и Ute UR T4
атоо Ое АО T69
Magnesiumoxyd . . dou сүз, 670
Eisen- u. Alluminiumoxyd . 0:60 ogi
LATE DOS E ne en 0:90 1:40
Eh esti. or v DOORS 2775
КОИНОТ ah ann e ГДАЙ 1.79
Ка Ол 46:18 11:49
25
Übertrag . . 4618 11:49
Ohlon: ouium чеш. 90 1:59
Kieselsüuroow. З d оо TO DE 20:92
Org. Stoffe „re of, E summa 10000
Summa . . . 100:00
Die beiden untersuchten Seewässer sind ungewöhnlich weiche Wüsser. Dem
organischen Leben schädliche oder conservirende Stoffe sind in irgend erheblicherer
Menge in keinem dieser Seewässer zu finden, überhaupt überrascht das Wasser
durch seine Armuth an Mineralstoffen, während es Extractivstoffe organischen Ur-
Sprungs bis zu 30°/, seines fixen Rückstandes enthält.
Der gróssere Gehalt an Alkalien und organischen Stoffen im Verhältnis zu
den übrigen Bestandtheilen verleiht dem Wasser die gelbgrüne, in grosser Tiefe
und Schattiger Umgebung bis schwarze Farbe, weil die Humussäuren und der harz-
artige gelöste Körper, der dem Wasser eine deutliche grünlich-gelbe Färbung
verleiht, von den Alkalien im Wasser in Lösung gehalten werden und der Kalk-
gehalt der Seewüsser ein äusserst geringer, der der organischen Stoffe ein hoher
ist, kann eine Ausscheidung der letzteren durch die alkalischen Erden nicht er-
folgen, wie dies an kohlensaueren Kalk reicheren und an Humusstoffen armen
ässern sofort geschieht.
Aber auch der Gehalt an fixen und kohlensaueren Alkalien trägt zur Lösung
der organischen Extractivstoffe wesentlich bei. Ihre Menge steht dem Schwefel-
Säuregehalt der Wässer nicht sehr nach. Die Quantität der Sulfate aber über-
Schreitet nicht 6 Мог per Liter und die an Kali, Magnesia, Kalk und Eisen ge-
bundene Schwefelsäure ist theilweise aus verwitterten, im Urgebirge eingesprengten
Sehwefelkiesen, theilweise aus den organischen Zersetzungsproducten des Waldes
durch Oxydation hervorgegangen.
Die merkwürdige Erscheinung, dass die Holzstàmme im Wasser dieser Seen
Sehr langsam verfaulen, dürfte auf dem Umstande einer starken Auslaugung aller
elweissartigen extractiven organischen Materien, so wie auf die gleichzeitige Ab-
Scheidung der gelösten Kieselsäure in den feinen Poren des Holzes zurückzuführen
Sein, wodurch nach und nach eine Verkieselung der Holzfaser eintritt, die dem
auerstoff des Wassers den Zutritt verwehrt. Sobald sich nämlich das alkalische
asser noch weiter mit Extractivstoffen des Baumsaftes sättigt, vermag es die
gelöste Kieselsäure nicht länger in Lösung zu erhalten und diese verbindet sich
Tut Kalk und Eisenoxyd des Holzsaftes zu in Wasser unlöslichen Verbindungen,
= m den Poren und Zellgängen des Holzes niedergeschlagen werden und die
er vor dem weiteren Z rstórungsprocess schützen, sie förmlich verkieseln
a ersteinern. Auch die Eisensalze des Wassers können durch Wechselzersetzung
Un Holzstam me abgelagert werden, und so dürfte sich aus der Analyse eines im
= Site lang gelegenen Holzstammes besser noch als aus der Analyse des
"488678 die Ursache des fäulniswidrigen Verhaltens des Holzes feststellen und
genügend erklären lassen.
Das Wasser des Teufelssees unterscheidet sich vom Wasser des Schwarzen
nun wenig. In Reinheit und Weichheit wetteifert es mit diesem. Es enthält
26
aber mehr harziger quantitativ nicht genau genug trennbarer und bestimmbarer
Stoffe, mehr OChlorverbindungen und etwas weniger Sulfate als das Wasser des
Schwarzen Sees, dagegen noch mehr Natron. Es ist weicher als das Flusswasser
der oberen Moldau, das bekanntlich zu den weichsten bekannten Flusswässern
Europas gehö.t.
Die Rückstände der Wässer sind in dem diesjährigen regenreichen Jahre noch
etwas geringer als in trockenen Jahren. Es ist aber die dunkle, von organischen
Materien herrührende Fürbung und die Armut an Mineralstoffen, namentlich an
Kalk, für die Seen des Bóhmerwaldes charakteristisch, im Gegensatz zu dem grossen
Kalk- und Mineralstoffgehalt des Wassers der Seen in den Kalkalpen, die dadurch
ihre Klarheit und schón grüne bis blaue Farbe erhalten und eine reichere Flora
und Fauna bergen.
Schon Weith hat 1877 vor etwa 19 Jahren in einer, die chemische Zusam-
mensetzung der schweizerischen Gewässer enthaltenden Schrift mit Rücksicht auf
deren Fauna nachgewiesen, dass unter sonst gleichen Verhältnissen dasjenige Ge-
wässer am fischreichsten war, welches am meisten gelösten doppelt kohlensaueren
Kalk enthielt. Man kann daher durch zerfallenen Kalk ein weiches Teichwasser
verbessern. Die von den Wasserthieren ausgeathmete Kohlensäure löst den frisch
gefällten staubfeinen kohlensaueren Kalk auf, was man durch Experimente in
Gefässer von Glas leicht nachweisen kann. Das Kalken der Teiche wurde übrigens
schon am Anfang dieses Jahrhunderts empfohlen, aber zu dem Zwecke, um die für
die Aufzucht der Forellenbrut nachtheiligen kleinen Stichlinge zu tödten.
Der Kalkgehalt des Wittingauer Goldbachwassers, das die sämmtlichen Teiche
lel
dieser Gegend speist, ist ebenfalls sehr klein, er beträgt im Durchschnitt. vielfacher
und verschiedenjähriger Untersuchungen nur 3 Mier, in 1 Liter oder 3 gm in
100 Liter. In 1900 7 oder 19 q Goldbachwasser ist erst die Kalkmenge für einen
ausgewachsenen Karpfen enthalten, der nach meinen Analysen 36 gm Kalk in
runder Zahl bedarf. Es beanspruchen daher Fische und Krustenthiere in der That
bedeutende Kalk- und Phosphorsäuremengen zum Aufbau ihres Körpers, welcher
sich bekanntlich verhältnismässig sehr rasch vollzieht und ebenso natürlich ist е8,
dass mit solchem Lebewesen reich besetzte Gewässer eine starke Entkalkung gf"
fahren müssen, die nur durch reichliche Zuflüsse oder künstliche Zuthaten oder
durch consequente Zufütterung paralisirt werden kann.
Chemische Untersuchung eines Schlammes aus dem Schwarzen See.
Wassergehalt 87:88*/,, Trockensubstanzgehalt desselben 12'12°/,.
Der untersuchte Schlamm hat eine tiefschwarze Farbe, ist von teigiger, fettiger
Consistenz, von schwach harzartigem Geruch, der nach kurzer Zeit an der Luft in
einen übelriechenden Fäulnisduft übergeht, 88"/, Wasser und 19°, Trockenmass?
enthält. Letztere besteht zu 48%, aus organischen u. etwa 52°), aus Mineralstoffen,
indem sich die zersetzten organischen Substanzen des Waldes mit verwittertem De-
tritus vermengt am Boden des ruhigen Sees ablagern.
2
In 100 Gew. bei 110° C getrockneten Schlammes
Gebundenes Wasser . . i . . . . .16:82
Werbe S ue A7 IX yg. O
Fettsüuren MERI" ТҮ NUS е,
MErdo (URBS. ch, me е АИ ENEE
Stickstoffhältige Ze grues Weer Ern
Humussäuren SANI CUN IU ОШО
о S.L II VV UY SN
D ME 0 наь RD.
KEINER V ouv ko ceo roS ON
Schwefelsäure Be PONE RS MEO
„>| Kaleiumoxyd ил p ымы к Ж Об
$ iri anen i P E eg In Salzsáure lósliche
ig, Мшишшшшохуай........... 06 Mineralstoffe 18:34*/,
E anmelden x uar e MN
E СИУ END
NH Као EE
© ИИИ Ne ОО
= | Zeolithische Kieselsäure . . . . . . . 978 In Kali löslich 9:78.
Eisenschüsslger Thon ... <.. <n 845 | In Säuren und Alka-
Quarz u, viel Glimmef q ev о 1 B2 fJ lien unlósliche Mineral-
Summa . .99:'007, sioe == 287777,
Kohlenstofigehalt = 19:01"/,, Stickstoffgehalt = 1:39*/,.
Wie aus der vorliegenden Analyse ersichtlich ist, enthält der trockene Schlamm
an 59/0 Harze, 2%, Fette und Fettsäuren, Humussäuren und Pflanzenreste und
emen nicht unbeträchtlichen Phosphorsäuregehalt über O'7?/j der Trockensubstanz.
gegen ist die Schwefelsäure durch das Seewasser gelöst worden und ein sehr
Seringer Antheil im Schlamm zurückgeblieben. An Kalk sind die Verwitterungs-
Producte des Schlammes sehr arm, daher können auch nicht grössere Kalkmengen
m Wasser der beiden Seen enthalten sein, dagegen ist der Schlamm reich an
Eisenoxyq und Eisenoxydul und würde bei grósserem Gehalt an Schwefel, nach
aulen Eiern riechen müssen, was der Schlamm nicht thut.
Der hohe Gehalt an zeolitischer Kieselsäure, die Armut an Alkalien zeigt
Sehr fortgeschrittenen Zersetzungsgrad des feldspatigen Antheiles unter dem Ein-
flusso organischer Zersetzungsproducte der Mineraltrümmer an, deren schwer ver-
Witterbare Reste wesentlich aus Glimmer und feinem Quarz bestehen.
29
A) Sehwarzer See.
Lage, Grósse, Zuflüsse und die Entstehung des Schwarzen Sees.
Der Schwarze See, auch Bistritzer See genannt. liegt nordöstlich am Urge-
birgskamm, der sich vom Spitzberge gegen Zweerek und Oser hinzieht.
Er liegt vor der steilen, an 300 m hohen Seewand in der Meereshöhe von
1008 m und hat bei vollkommener Spannung die Ausmass von 1846 Hektaren.
1030 m
Fig. 6. Plastische Darstellung der Terrainverhältnisse in der Umgebung des Schwarzen Sees und
des Teufelssees. Photographirt nach einem vom Generalstabe verfertigten Gypsmodelle.
Die im Westen sich erhebende Seewand besteht aus drei parallel laufenden
Felsrücken, von denen der dem See am nächsten stehende, der niedrigste ist. Das
südliche Ende dieses niedrigsten Kammes ist durch eine Kluft abgetrennt und
eben in Fortsetzung dieser Kluft in den See hinein ist die tiefste Stelle des Sees
40 Meter.
Б.и
е
29
Der zweite Rücken zieht sich etwa in der Mitte der Seewand ober dem
ersten Rücken.
Der dritte Rücken erreieht die Hóhe von 1843 » und bildet den obersten
Kamm der Seewand.
Der einzige Zufluss des Schwarzen Sees mündet als ein kleines aber munteres
Bächlein unter der Seewand in der südwestlichen Ecke. An seiner Mündung hat Herr
Oberförster Komárek eine Sehleusse errichtet, in der während der Laichzeit die
Forellen und Saiblinge gefangen werden, wenn dieselben in das Bächlein zur Bier-
ablage einzudringen trachten.
Die Lagerungsverhältnisse beider Seen sind recht klar an der Photographie
eines Models des Generalstabes zu sehen (Fig. 6.).
Das Gestein ist ein quarzreicher Glimmerschiefer mit Einlagerungen von
Pegmatit.
Die von der Seewand gegen den Abfluss des Sees zusammenlaufenden Ab-
hänge bestehen aus grossen Felsblócken, die gegenwärtig einen etwa 40jáhrigen
Nadelwald tragen.
Diese Blöcke reichen tief, etwa 20 m in den See hinein, wie man deutlich
an der von Dr. Vávra angefertigten Photographie (Fig. 7.) wahrnehmen kann.
In Bezug auf die Entstehung des Sees bestehen verschiedene Ansichten. .Die
Ansicht, dass das Becken im festen Felsen ausgehöhlt ist, widerlegt wohl der
Anblick auf die entblóssten Ufer. (Fig. 7.)
Man stimmt meist darin überein, dass die den See im Winkel umgebenden
Blockmassen durch Gletscherthätigkeit entstanden sind.
Über diese Frage zu urtheilen, sind wohl nur diejenigen berechtigt, welche
die Gletscherfünomene der Alpen studirt haben. Aber auch diese differiren mehr-
fach in ihren Ansichten. Mit dieser Frage beschäftigte sich Fr. Bayberger:
Geographisch-geologische Studien aus dem Böhmerwalde. Die Spuren alter
Gletscher, die Seen und Thäler des Böhmerwaldes.
Petermanns Mittheilungen. Ergünzungsheft Nr. 81. Derselbe sagt p. 34.: ,Der
Wall des Schwarzen Sees ist eine echte Moräne mit Blöcken verschiedenster
Grösse, mit geglättetem und geritztem Gerölle.
Eine polemische Kritik Baybergers Arbeiten erschien:
Bericht über eine gemeinsame Excursion in den Bóhmerwald von A. Penck,
A. Bóhm und A. Rodler in Wien. Zeitschrift der Deutschen Geol. Gesell-
schaft. 1887 p. 68.
Aber auch diese giebt p. 74 in Beziehung auf den Schwarzen See zu, das
die grösseren Blöcke des Walles Kritzungen erkennen lassen.
Wir benutzten den längeren Aufenthalt am Schwarzen See, um auch Daten
zur Lösung dieser Frage zu sammeln und beschränken uns auf das Hervorheben
zweier interessanter Erscheinungen. Erstens die Darstellung des Seebodens wáhrend
der starken Ablassung des Sees. (Fig. 7.) Man sieht, dass der Blockwall bis auf
25 m in den See hineinragt, aber dies scheint schon die ganze Breite des Walls
im See zu sein, denn wir kamen beim Dredgen in der mittleren Partie nie in
Collision mit Felsblócken.
Fig. 7. Der Schwarze See bei Herabsetzung des Wässerspiegels um 275 cm. Photographirt von Dr. Vávra im Oktober 1892.
81
Zweitens sicherten wir das Bild eines frisch ausgegrabenen Blockes, der
Glüttung und Kritzung zu erkennen giebt. (Fig. 8.)
Ich veranlasste die Überführung dieses Blockes in das Forstpavillon, um sein
Zerstóren zu verhindern, aber man hat spüter den Block wieder herausgeschafft
und mit der geglätteten, abgerundeten und gekritzten Fläche nach unten gewendet.
Fig. 8. Abgerundeter, gekritzter Felshlock, ausgegraben am nördlichen Rande des bees. Durch-
messer 60 cm. Gewicht muthmasslich 4 mg ` Photografirt von Dr. Vávra.
Ein interessantes Phaenomen beobachteten wir an der Seewand während der
Schneeschmelze im Mai 1894. Es bildeten sich mehrere nach unten gebogene
Sättel-Linien von Schnee, welche allmählig mit Getóse herabrutschten.
Diese Erscheinung hinterliess auch in der Waldvegetation Spuren und wenn
man die südlichere Partie der Seewand betrachtet, so gewährt man, dass der Wald-
bestand eben solche Sättel bildet.
Die Tiefenmessungen.
Über die Tiefe des Schwarzen Sees war bei meinem ersten Besuche des Böh-
merwaldes die Sage verbreitet, dass dieselbe unergründlich ist. Die von mir im
Jahre 1881 mit sehr primitiven Mitteln vorgenommene Messung ergab 120 Fuss
als grösste Tiefe unter der Seewand.
Die Forstverwaltung nahm im Winter durch im Eise gehauene Öffnungen
einige Messungen vor im Jahre 1881, welche die grösste Tiefe auf 40 m sicherstellte.
Um die Form des Grundes sicherzustellen, führten wir an 117 Messungen
(Fig. 9.) aus und zwar folgendermassen :
Zuerst wurden dem Ufer entlang 21 Puncte fixirt, welche entweder durch
markante Gegenstände erkennbar waren oder die auf Felsen und Bäumen mit Kalk
kenntlich gemacht wurden. Die Punkte waren:
1. Die fliegende Station. 6. Pavillon.
2. Die Schleusse. 7. Weisses Dreieck.
3. Weissbezeichneter Block. 8. Weisse runde Scheibe.
4. Ein Baumstrunk. 9. Weisses Kreuz.
5. Ein weissbezeichneter Block. 10. Durchhau.
Fig. 10. Apparat zu Tiefenmessungen. Photografirt von Dr. V. Vávra.
11. Weisses Kreuz an der Seewand. 16. Ein Baumstrunk im See.
12. Weissbezeichneter Block. 17. Durchhau.
13. Weissbezeichneter Baum. 18. Eine Weissbuche.
14. Ein bezeichneter Baum am rechten 19. Durchhau.
Ufer des Laubwäldchens. 20. Durchhau.
15. Ein bezeichneter Baum am linken 21. Ein bezeichneter Baum.
Ufer des Laubwäldchens.
х
“uaßunssay uajiunjofiyounp еллед 20 pun дың A0 UOA /]] YILU seeg uezueMuog sop ajiexusjol] -'6 Sr
"23010 2918 Zougang
"mmpc ше pdu, Z
'pueaeeg ләр пе ssngnz д ‘о
'jeju|woopuniuvS1edq 5
пәѕәгА5ә39085] f
эшта iojeuqgorezeq UM ‘та
"ppm "05
"negy mq er
'euonqsstoM әш "ST
neyyamd "At
'eeg Ur yungsungg WH ot
'sueqoppeaqner sep лә]
пәр we wneg ioj9uqorezeq UM Ger
"suegop[eaqne'T sep iei)
uojgoei ure wneg iejeuqorezeq OI рї
uneg ләјәццотәт7әд88тә M сет
"490[q ләзәпцәтәләд88тә AA "zT
риемәгс̧ ләр пе znerM SƏSSIƏM "TI
"n?quoinq 01
nat S9SSISA| "6
'eqreuog opuni eSsIeA| `8
уоәтәл 595819 ^P
поле `9
9201 JejeunorezeqssioA^ UM 'g
"-unijsunegq um +
"3po]g iejougoreZeqsSIe A "€
'9ssne[uog ә] `Z
"uonejg epuegSerg ә `T
:eppundsSunssoeqp( ojiDpeW "Ie—I
-—
33
Bei Windstile, die hier eine grosse Seltenheit ist, stellten wir den Kahn
zuerst zwischen zwei Puncte z. В. 18. und 7., (siehe Fig. 9) wandten dann den-
selben in die zwei andere Punkte verbindende Linie um, z. B. 14—20; und liessen
nun das Senkblei herab, wobei 33 m Tiefe constatirt wurde. Die ersten Messungen
wurden mit einer Schnur gemacht, die von Meter zu Meter mit rother Seide
markirt war. Da zeigte es sich, dass die trocken gemessene Schnur im Wasser
sich um 10°/, verkürzte.
Das nächste Jahr verschafften wir uns ein Drathseil, zu dessen Gebrauche uns
die Direction der Gewerbeschule in Prag eine geeignete Winde anfertigen liess, deren
Bild wir in Fig. 10. geben.
Das Drathseil wurde mit Messingdrathringen von Meter zu Meter signirt
und von 5—5 m mit rother Seide markirt. Zum Bremsen der Winde wurde das
Ruder benutzt.
Als Ergebnis der durchgeführten Messungen erwies sich vor Allem, dass
der Seegrund unterhalb der Seewand steil abfällt (siehe die Karte Fig. 9. Mes-
sungspuncte 12, 13) und in der Fortsetzung der Spalte des ersten Seewandrückens
die grösste Tiefe von 40 m erreicht.
Ferner wurde in der Tiefe von 32 m zwischen Punkt 14 und 15 ein Platteau
constatirt, das etwa 200 m im Durchmesser hat.
Weiter gegen den Abfluss ist eine auffallende Abnahme der Tiefe von 32 zu
zu 17 m (zwischen den Puncten 19 und 6) wahrzunehmen.
Dann nimmt die Tiefe allmählig bis zum Schleussen-Damm ab. Die Errichtung
des Dammes hob nur unbedeutend den Stand des Sees.
Der See bestand schon vor der Anbringung des Dammes und dieser war wohl
ursprünglich durch einen natürlichen Blockwall gebildet, bevor er behufs Anlegung
des Fahrweges modern regulirt wurde.
Temperatur, Farbe und Durchsichtigkeit des Wassers des Schwarzen
Sees.
Die Temperatur des Wassers des Schwarzen Sees wurde wiederholt während
der Sommermonate gemessen und zwar mittelst des Tiefseethermometers von Negretti
et Zambra (Fig. 11), welches beim Heraufziehen umgekippt wird, wobei die Queck-
silbersäule abreisst und auf der Skala am ursprünglich oberen Ende der Röhre ge-
messen wird.
Somit erhält man genau die Grade, welche in der gemessenen Tiefe waren,
ohne dass beim Heraufziehen die wärmeren oberen Schichten darauf Einfluss hätten.
In der Regel wurden die Messungen an der tiefsten Stelle durchgeführt, indem
man den Kahn mittelst eines grossen Steines verankerte und dann von 5—10 m das
Thermometer immer auf 10—15 Minuten herabliess. Auch das war ähnlich wie
bei den Tiefenmessungen nur bei vollkommener Windstille móglich.
A B
Vig. 11. Das Tiefseethermometer von Negretti et Zambra in '/, nat. Grösse.
A. beim Негарѕіпкеп. B. beim Heraufziehen.
=
-
Temperatur des Wassers des Schwarzen Sees in €".
| | Luft О | m 10m | 15m | 20m | 25m | 30m | 3b m
| | | ES |
1893. | | me
OK dte | 16:0 SC | | 42 42
JUI S е 14:8 | | EN
92:5 164 |144| 58 48 |45 | 46 | 46 | 44
September 15:4 [О | 11:5| Gi 50 | 48 46 |
| 1894. | | |
| dai ch ert bei ai 78 52 |50 | 49 | 48 | 46
| | | | AS Wet |
In der vorliegenden Tabelle ist die plötzliche Temperaturabnahme zwischen
| und 10 m Tiefe auffallend.
Richter”) hat nun festgestellt, dass in den Alpenseen zwischen 9 und 11 m
eine Schicht vorkommt, in der ein plótzlicher Sprung in der Temperatur vorkommt
mit einer Differenz von 6—8" € und nennt dieselbe ,Sprungschicht^. Es werden
also damit von uns ganz ähnliche Verhältnisse für die Bóhmerwaldseen konstatirt.
Die Farbe des Wassers wird durch eine von Forel konstruirte Skala in Glas-
röhre untersucht. Er hat dazu bestimmte Mischungen von Salzen, welche verschie-
dene Färbungen von blau bis grün ergeben, gebraucht. Die Forel’sche Skala weist
13 verschiedene blaue und grüne Farbentóne auf. Diese hat U/e durch eine braune
Salzlösung auf 21 Töne vermehrt. Herr O. Wagner aus Leipzig hat nach dieser
Skala die Farbe des Wassers im Schwarzen See als einen zwischen Nro 12
und 13 stehenden grünlichbraunen Ton bestimmt.
Ріс Durchsichtigkeit des Wassers im Schwarzen See wurde durch Herablassen
eines weissen Tellers im September 1893 an 260 cm bestimmt, variert aber.
Algen des Schwarzen Sees.
Zusammengestellt mit Hilfe von Prof. Dr. A. Hansgirg.
Die Algen-Flora des Schwarzen Sees ist sehr arm. Die am Ufer unter-
tauchten Baumstämme und Steinblócke sehen fast wie rein geputzt aus, nur hie und
da trifft man einige Algenfüden. Eine reichlichere Menge trifft man an den Isoötes-
Wiesen, doch nirgends findet man grössere Algenanhäufungen. Im Schwarzen See
*) Richter H., Die Temperaturverhältnisse der Alpenseen.Verh. d. 9. Deutsch. Geographen-
tages zu Wien. 1891.
8*
36
und theils auch im Teufelssee wurden von uns und vom Autor des „Prodromus
der Algenflora von Böhmen“ *) folgende Arten sichergestellt:
I. Rhodophyceae.
Batrachospermum vagum (Roth) Ag. auch var. b),
keratophytum (Borg.) Sir. An den Isoötes-Wiesen.
Chantransia Hermani (Roth) Dew. An Steinen festsitzend.
II. Chlorophyceae.
Oedogonium erispulum Wittr. & Nordst.,
A cryptoporum Wittr., tenuissimum Hansg.
Stigeoclonium tenue Ktz. Im Teufelssee an Baumstämmen unter der Seewand,
aus dem Zufluss verschleppt.
Conferva floccosa, Vauch., tenerrima Ktz., am Ufer.
Ophiocytium cochleare Eichw. Unter anderen Algen.
Tetraspora gelatinosa (Vauch.) Desv. In dem Tümpel neben dem Abflusse.
Protococcus botryoides (Ktz.) Krch. Zwischen den Litoralalgen.
Mongeotia parvula Hass., viridis (Ktz.) Wittr.
Closterium striolatum Ehrb., parvulum Näg. Zwischen den Litoral-Algen.
Euastrum didelta (Turp.) Ralfs., ansatum (Ehbg.) Ralfs. Ebenfalls mit folgenden:
Dysphinctium palangula Bréb.
Tetnemorus minutus De By. Staurastrum muticum Bréb., hirsutum (Ehbg) Bréb.,
Micrasterias notata (Grév.) Ralfs.
III. Cyanophyceae.
Stigonema informe Ktz., ocellatum (Dillw) Thr.
Seytonema figuratum Ag. Am Ufer häufig.
Tolypothrix lanata (Desv.) Wartm. Häufig an den untertauchten Baumstämmen
festsitzend.
Calothrix parietina (Nüg.) Thr., oolitaria Krch. In beiden Seen.
Lyngbya rigidula (Ktz.) Hansg. Ebenfalls.
Gleocapsa magna (Breb.) Kütz. Am Ufer beider Seen.
Chroococcus minutus (Ktz. Nüg. Zwischen Litoralalgen.
Diatomeen des Schwarzen Sees.
Von K. Steinich.
Die beigefügte Fig. 12. stellt die Diatomeen, die sich in dem Schlamm
aus einer Tiefe von 20 bis 35 m befanden vor. Es sind folgende Arten:
Navicula gigas Е. Fig. 12. Nr. 5) stimmt gänzlich mit der Abbildung bei Schmidt
(Taf. 42. Fig. 12), aber ist noch grösser. Während Schmidt die Exemplare
von 0:38 mm Länge abbildet, kommen im Schwarzen See Exemplare von
0:39 bis 0:41 mm Länge vor, bei denen, wie in der unseren Abbildung oben
*) Dr. A. Hansgirg „Prodromus der Algenflora von Böhmen“. 2. Archiv der naturwissen-
schaftl. Landesdurchforschung von Bóhmen. I. Theil. Im IV. Bd. Nr. 6. II. Theil. Im Bd. VIII. Nr. 4.
—
—
>
ee
Fig. 12. Diatomeen des Schwarzen Sees.
13. Navieula tabellaria Kg. 2. Navicula stauroptera Grn. 4. Navicula gibba Kg. 5. Navicula
gigas E. 6. Navicula rhomboides E. 7. Navicula Hilseana Jan. 8. Navicula serians Kg. 9. Nitzschia
Sigma Sm. 10. Stauroneis anceps var. gracilis. 11. 14. Surirella linearis Sm. 12. Navicula Bré-
bissonii Kg. 13. Navicula borealis Kg. 14. v. 11. 15. 20. Suriella biseriata var. bifrons Kg.
16. Himantidium arcus. 17. Gaillonella distans E. 18. Himantidium pectinale Kg. 19. Tabellaria
Посшова Ag. 20. v. 15. 21. Eunotia robusta Pritsch. 22. Cocconema parvum Sm. 23. Cymbella
Stomatophora Gr. 24. Hantzschia amphioxys Grun. 25. Gaillonella lirata Kg. 26. 28. Gaillonella
sp. 27. Himantidium majus var. bidens. Sm. 28, v. 26.
rechts veranschaulicht ist, leicht eine dichte Schraffirung wahrzunehmen ist,
von der Grunow bei Pinnularien eine Erwähnung thut.
Navicula major E. Bis 0'30 mm lang. Häufig.
Navicula viridis Kg. Nur 0:5 mm L., mit überall paralleler Schraffirung.
Navicula tabellaria Kg. (Nro 1.) Länge 0:00—0:14 mm. Stimmt mit der Ab-
bildung von Vanhoerck. Immer ohne Punkte in dem medianen Zwischen-
raum. Seltener ist die Form Nro 3., die von einigen zu Navicula acro-
sphaeria — punctata gestellt wird, obzwar bei dieser der mediane Zwischen-
raum meiner Meinung nach immer punctirt ist.
Navieula stauroptera Grw. (Nr. 2) mit den ähnlich wie bei N. mesolepta E. ge-
well: en Seiten, manchmal zur N. divergens übergehend. Nur der von der
Mitte zu den Seiten sich yerbreitende Stauros macht dieselbe erkennbar.
Nicht häufig.
Navicula gibba Kg. (Nr. 4). Bis 0:08 mm lang, mit dem zu den Seiten sich
verengenden Stauros.
Navicula Brébissonii Kg. (Nr. 12). Ziemlich häufig.
Navicula borealis Kg. (Nr. 13). Selten
Navicula Hilseana Jan. In schmalen Exemplaren, aber zuweilen auch in so breiten,
dass dieselben an N. Brauniana erinnern. Selten.
Navicula affinis E. In typischen Formen.
Navicula amphirrhynchus E, Grën
Navicula rhomboides Е. (Nr. 6) 0:10—0:14 mm Länge. Von regelmässiger rhom-
boischen Form.
Navicula crassinervis Breb. Kleiner, von nur 0:05—0:065 mm Länge.
Navicula serians Kg. (Nr. 8). Sehr häufig von 0:06—0'10 mm Länge, manchmal
auch winzig, nur von 0:025 mm Länge. Kommt in den beiden, rhomboischen
und seltener lanzettförmigen Formen vor.
Stauroneis phoenicenteron E. 0°09 m» lang, sehr selten.
Stauroneis anceps var. gracilis (Nr. 10), einziger Zeuge von der geographischen
Höhe des Sees. Zart, 0:05—0'06 mm lang, mit vorgezogenen, selten keulen-
fórmigen Spitzen. Selten.
Cymbella stomatophora Gr. (Nr.
Cocconema parvum W. Sm. (Nr.
Amphora ovalis K. Sehr selten,
Cocconeis pediculus E. Ebenfalls sehr selten.
Himantidium pectinale Kg. (Nr. 18). 0°0'—0:05 mm lang. Sehr häufig
Himantidiwn arcus E. (Nr. 16). 006—012 mm lang. Ziemlich selten.
Himantidium majus, var. bidens Sm. (Nr. 27). Eine in höheren Lagen vorkommende
Diatomee. Sehr selten.
Eunotia robusta Pritsh. (= Himantidium polyodon E.) (Nr. 21). Sehr häufig. In
Formen mit 5 bis 19 Zähnen am Rücken. Dabei nimmt die Länge in ge-
wissem Verhältnis zu, so dass durchschnittlich bei einer Länge von:
Ms Uo qo Ta M. dar My M eeng ^ AES c
ist die Zahl der Zähne: di 8 О е ТЕА TO. 10)
3). Selten.
22). 0:086 —0:04 mm lang. Ziemlich häufig.
3
89
Surirella biseriata var. bifrons Kg. (Nr. 15, 20). 0:14—0:24 mm lang. In symme-
trischen und auch häufig seitlich assymmetrischen Formen. Sehr häufig.
Surirella linearis Sm. (Nr. 11—14). 0'04—0'09 mm lang und von veränderlicher
Form. Ziemlich hänfig.
Hantzschia amphioxys Grun. (Nr. 24) in kurzen Formen von 0:04—0:06 mm Länge.
Nitzschia sigma Sm. (Ni. 9). Nur in einigen Exemplaren. Der Kamm unregel-
mässig punetirt.
Tabellaria floceulosa Ag. (Nr. 19), 002—908 mm lang. Häufig.
Tabellaria fenestrata, E. Seltener.
Meridion constrictum R. Sehr selten.
Gaillonella (Meridion) distans E. (Nr. 17), sehr häufig.
Gaillonella lirata, Kg., eine in den Seen vorkommende Art.
Gaillonella sp. (Nr. 96. 28).
In jedem Tropfen fanden sich Eunotia robusta Pr., Surirella biseriata Kg.,
Navieula serians Kg., und Himantidium pectinale Kg. vor. Dem Vorkommen dieser
Arten nach lässt sich die Beschaffenheit des Sees gar nicht zu bestimmen.
Die oben erwühnten Arten kommen fast alle auch in der Ebene, z. D. in den
Elbetümpeln vor, die ausgesprochenen Bergarten werden dagegen trotz der hohen
Lage des Schwarzen Sees gänzlich vermisst.
Fauna des Schwarzen Sees,
l. Pelagische Fauna.
Die pelagischen Fünge wurden in den Monaten Mai bis October gemacht,
da der Sehwarze See und der Teufelssee vom Monate November bis Ende April
fast gänzlich unzugänglich ist.
Eine interessante Vergleichung bieten die jetzigen Resultate mit den von
Prof. Dr. A. Frič im Juni im Jahre 1871 erzielten.
Damals enthielt das Netz Tausende von Individuen des Holopedium, während
in der jetzigen Beobachtungsperiode diese Art sehr spärlich war. Daphnia ventri-
cosa wurde damals ebenfalls in grosser Menge in den tieferen Schichten beobachtet,
jetzt haben wir dieselbe im Schwarzen Sce nur im October 1892 gefischt, in den
drei folgenden Jahren ist sie gänzlich verschwunden. Auch eine Diaptomusart
(Diaptomus denticornis Wierz.) wird damals erwähnt, während sie jetzt vermisst wird.
Diese Veränderung der pelagischen Fauna ist wahrscheinlich Folge von äusseren
Einflüssen.
Zuerst wurde der Seein der Zeit stark mit Saiblingen besetzt und wir hatten
Gelegenheit uns zu überzeugen, welchen Einfluss deren Gegenwart auf die Fauna
ausübt. Bei den frisch eingesetzten Fischehen haben wir bei den nach zwei Tagen
gefangenen Exemplaren den Darm mit, Acroperus leucocephalus vollgestopft gefunden.
In einem grossen, 32 cm langen Saibling haben wir im Magen 3000 Individuen
A0
von Holopedium gezählt, an einem Tage im Juni, während an demselben Tage dass
pelagische Netz auf einer Strecke von etwa 500 Metern nur einige Exemplare dieses
Krebses enthielt.
Ein weiterer Umstand, der auf die Veränderung der Fauna wirken kann, ist
die Trockenlegung der Uferregion. Aehnlich haben wir schon dies am Gatter-
schlager Teiche erlebt.*)
Im Jahre 1892 wurde der Wasserspiegel des Schwarzen Sees um 275 cm
herabgesetzt (Fig. Nr. 7. Seite 30), wodurch grosse Flächen des Ufers trocken-
gelegt wurden.
Im nächsten Sommer ist in Folge dessen aus der Uferregion Polyphemus,
aus der pelagischen Daphnia verschwunden, deren Wintereier eben an diesen Stellen
sich ansammeln und so am trockenen Ufer liegen blieben. Als der See dann wieder
zwei Jahre vollgespannt war, wurde eine Zunahme des Planktons, was seine Menge
betrifft, wahrgenommen und Polyphemus ist wieder in der Uferregion erschienen.
Die pelagische T’hierwelt bildet im Schwarzen See an der Oberfläche bis zu
drei Meter Tiefe Holopedium gibberum und Cyclops strenuus, in den grösseren
Tiefen erscheint Daphnia ventricosa und Bosmina bohemica. lu den späteren Mo-
naten ist dann ausschliesslich Cyclops strenuus der einzige Bewohner des Sees.
Im Folgenden ist der Erfolg der pelagischen Fänge chronologisch zusammen-
gestellt.
1892. Oberfläche | Fang sehr arm Holopedium
6. October T. des Wassers 12° C |
| |
1 Meter Tiefe | Fang sehr sparsam Holopedium
| | Daphnia ventricosa
| | Cyclops strenuus
5 M. Tiefe | Holopedium
| Daphnia ventricosa
27. October Oberfläche Auf eine lange |
Luft-T. 9° С Strecke: 3 Exempl. | Cyclops strenuus
Wasser-T. 5:5" С |
|
1893. |
13.—18. Mai Oberfläche Sparsamer Fang | Junge Holopedien
(13.) Luft-T. 13° € |
Wasser- T. 7° О |
10 M. Tiefe Sparsamer Fang | Cyclops strenuus
©
*, Frič und Vávra, Die Thierwelt des Unterpočernitzer und Gatterschlager Teiches als
Resultat der Arbeiten an der übertragbaren zoolcgischen Station. Archiv f. nature, Landes-
durchf. v. Böhmen. IX. 2. Prag 1894.
|
_ ege
|
en `
18.—80. Juli
22—26.
September
1894.
20—28. Juni
Oberfläche
1 M. Tiefe
5 M. Tiefe
Oberfläche
5 M. Tiefe
10 M. Tiefe
15 M. Tiefe
20 M. Tiefe
Oberfläche
1 M. Tiefe
5 M. Tiefe
15 M. Tiefe
| Über die ganze Länge’
des Sees, der stark
unter dem Normale
stand:
5 Exempl.
Zahlreich :
Sehr armer Fang
Sehr sparsames Ma-
terial
Spärliches Material
Sehr spürliches Ma-
terial
Uber die ganze Lünge
des Sees:
Einige Exemplare
©
41
Einige Oyelops stre-
nuus,* Holopedium,
und diekwandige
Algen Scytonema.
Holopedium
Nauplius
Holopedium
^osmina bohemica
Cyclops strenuus
osmina bohemica
Holopedium (2 Exmpl.)
Holopedium mit Som-
mereiern
Bosmina bohemica
Cyclops strenuus
(zahlreiche Metanau-
plien)
Cyclops strenuus
(in copula)
Bosmina bohemica
Cyclops strenuus
(einige Exemplare)
Cyclops strenuus
Holopedium (adult.
etwa 30 Exempl.)
Blüthenstaub der Co-
niferen
Floscularia an den
Algen
Holopedium
(adult. und juv.)
Holopedium
Cyclops strenuus
(Metanauplien)
Einige Metanauplien
v. Cyclops strenuus
42
| Metanauplien von
20 M. Tiefe Cyclops strenuus
11—18. | |
September | Oberfläche Einige Exemplare | Holopedium
| | jyelops strenuus
| spärlich
| 10 M. Tiefe | Zahlreich Bosmina bohemica
|
Cyclops strenuus
|
| 15 M. Tiefe | Spürliches Material | Wie in 10 m
| 90 M. Tiefe | | (Verlust des Tief-
| | | netzes)
1895. | |
16—28. Juli | Oberfläche | Sehr spärliches Ma- | Holopedium juv.
| | .
| | terial Cyclops strenuus
|
5 M. Tiefe | Zahlreich osmina bohemica
Spärlicher Jyclops strenuus juv.
10 M. Tiefe | Cyclops strenuus
| Cyclops strenuus
| WA
| 15 M. Tiefe | Josmina bohemica
| spärlich
|
20 M. Tiefe | Cyelops strenuus
1896. |
September Oberfläche Sehr arm Cyclops strenuus
| Lye10]
2 M. Tiefe | Reichliches Material | Cyclops strenuus
| | їп copula!
| |
5 M. Tiefe | Spärliches Material | Cyclops strenuus
2. Ufer- und Bodenfauna des Schwarzen Sees.
Die Ufer des Schwarzen Sees sind vorwiegend von Felsblócken gebildet.
Zwischen den Felsentrümmern liegen da ganze Daumstümme oft von grossen Di-
mensionen. Doch fast keine lebenden Wesen finden da ihre Wohnstütte. Die
Steine sind von den Wellen hier ganz rein geputzt, nur hie und da findet man eine
Nephelis und ihre Cocone, oder das Larvengehäuse einer Köcherfliege, eine Sialis-
oder Libellula-Larve. Die Stämme sind äusserst sparsam von braunen Algen
Tolypothrix und Scytonema besetzt. Der einzige rege Bewohner dieser öden Ufer-
region ist Polyphemus oculus.
|— Ee
7 ee
48
Belebter ist schon das Ufer, wo Sphagnum und Preiselbeeren vegetiren. Da,
Wo der torfige Untergrund des Ufers vom Wasser bespült wird, findet man regel-
mässig gewisse Rhizopoden und die für den See eigenthümliche Alonopsis elongata
nebst einigen anderen Cladoceren.
Nur an zwei Stellen sind kleine Flüchen von besonderer Vegetation bedeckt,
nämlich die nordóstliche Ecke, und am südlichen Ufer eine kleine Bucht nahe der
Seewand, die von Sparganium affine und von Glyceria bewachsen sind. Da herrscht
verhältnismässig schon regeres Leben, das in dem Bilde (Fig. 13) einigermassen
für den Laien veranschaulicht ist. Neben der Alonopsis ist daselbst noch Acro-
perus und Ceriodaphnia, dann zwei OCyclops-Arten vorhanden, die von kleinen
Fischehen, Saiblingen und Forellen, eifrig verfolgt werden. Auch verschiedene
Larven von Köche:fliegen und Gelsen fallen denselben zum Opfer. Im Boden-
Schlamm lebt an diesen Stellen die seltene Acantholeberis curvirostra.
Eine Eigenthümlichkeit des Schwarzen Sces sind die Isoetes- Wiesen, die sich
in einer Tiefe von etwa 6 m unter dem Wasserspiegel, bei vollgespanntem See,
in der Nähe des Abflusses, am südlichen Ufer unweit der zoologischen Station und
dann unter der Seewand bei der Mündung des Seebaches befinden. (Siehe Fig. 9. 8. J.)
Die starke Herabsetzung des Wasserspiegels, welche wegen Schleussenrepa-
ratur nöthig, aber für unsere Arbeiten in vieler Beziehung ungünstig war, hatte
wieder den Vortheil, dass die Isoetes-Wiesen leicht zugänglich wurden und mit
einer Stange von 2!/, m ausgebeutet werden konnten.
Hat man die in der Tiefe durchschimmernden Pflanzen aus dem sandigen,
zwischen Felsblöcken gelagertem Boden herausgestochen, so kamen sie von selbst
auf die Oberfläche geschwommen.
Wir legten uns ein Isoetesaquarium an und hatten so Gelegenheit, die Thier-
Welt, welche an diese Pflanze gebunden ist, genau zu untersuchen.
Im Folgenden sind die faunistischen Resultate nach den verschiedenen Fund-
Orten zusammengestellt.
1. An dem felsigen Ufer.
October 1892. Polyphemus oculus, zahlreich
Alonopsis elongata
Ceriodaphnia pulchella ,
Acroperus leucocephalus
Ohironomus-Larven
n
Juli 1893. Polyphemus oculus, zahlreich.
Alonopsis elongata
Acroperus leucocephalus
Alona guttata
‚yclops fuscus
Taphrocampa annulosa
Difflugia globosa
Leben am Ufer bis zum Niveau der Isoetes-Wiesen uud in der Mitte des Schwarzen Sees.
(Nach Skizzen von Dr. Ant. Frič gezeichnet von Prof. B. Bau&e).
1 Grossáugiger Seekrebs (Polyphemus oculus). 2. Gestrichelter Linsenkrebs (Alonopsis elongata) 3. Langarmiger Buckelkrebs (Holopedium
4. Brauner Hüpferling (Cyclops fuscus). 5. Forelle (Salmo fario). 5a. Alpensaibling (Salmo salvelinus). 6. Larve der gestreiften
7. Kócherfliegen-Larve (Limnophilus-larva). 8. Glockenthierchen (Vorticella nebulifera). 9. Räderthierchen
11. Räderthierchen (Floscnlaria edentata) 12. Strudelwurm (Stenostoma leucops).
Fig. 13.
gibberum).
Kócherfliege (Phryganea striata).
(Rotifer macrurus). 10. Brachsenkraut (Isoëtes lacustris).
45
A
—
M Juli 1893. Difflugia pyriformis
| Eylais setosa
| Diplodontus fuscatus
Larven von Köcherfliegen :
Uhaetopteryx villosa
| Phryganea striata.
| Juni 1894. (Polyphemus gänzlich verschwunden).
| Alonopsis elongata, zahlreich.
| Pleuroxus nanus
Chydorus sphaericus
| Stigmaeus scapularis
| Larven von Chaetopteryx villosa
1896. Polyphemus, Acroperus leucocephalus,
Pleuroxus excisus.
Im Torfe vor der zool. Station: Difflugia arcula
| Navieula rhomboides
n Tabellaria floculosa
Guillonella lirata.
2. Uferfauna an den von Glyceria und von Sparganium bewachsenen
Stellen.
| Acroperus leucocephalus Diaschiza paeta
| Ceriodaphnia pulchella Stylodrilus Gabretae
^ Eurycercus lamellatus Chironomus-(Larven)
Acantholeberis eurvirostra Chaetopteryx villosa-(Larve)
Chydorus sphaericus Navicula gibba
| Cyclops fuscus Navieula gigas
) Oyelops serrulatus Larve von Triton alpestris (24. VI. 1894).
3. Bodenfauna an den von Brachsenkraut (Isoetes lacustris) bewachsenen
| Stellen.
| Alonopsis elongata Dorylaimus stagnalis
| Acroperus leucocephalus Pachydrilus sphagnetorum
| Eurycereus lamellatus Mesostoma rostratum
Ilyoeryptus sordidus Stenostoma leucops
Cyclops fuscus Diplodontus fuscatus
yclops serrulatus Eylais setosa
Diaschiza paeta Stigmaeus scapularis
у Metopidia lepadella Macrobiotus
| Floscularia edentata Limnophilus-Larven
( Rotifer macrurus Ohironomus-Larven
| Taphrocampa annulosa Acineta (auf Cyclops)
É | Monostyla lacustris Vorticella nebulifera
46
Difflugia acuminata Navicula borealis
Difflugia globulosa Navicula rhomboides
Sentropyxis aculeata Navicula tabellaria
Nebella collaris Navicula serians
Euglypha ciliata Surirella biseriata
Navieula Brebissonii Kunotia robusta.
4. Fauna am Grunde.
а) Grund in der Tiefe von 6 m.
Gemulae und Nadeln von Zwspongilla lacustris gemein.
Nebella collaris Köpfe und Schalen von Bosmina
Vorticella nebulifera Surirella biseriata zahlreich.
b) Grund in der Tiefe von 15 m.
Ausgewaschener Schlamm besteht aus pflanzlichen Resten, macerirten Blättern
von Sphagnum, aus Holzfasern, Blüthenstaub von Nadelhölzern und feinen Sand-
körnchen und Glimmer.
Alonopsis elongata Difflugia acuminata
Pleuroxus excisus Difflugia pyriformis
Canthocamptus Schmeili Difflugia arcula
Cypria ophthalmica Corythion dubium
Leere Schalen und Köpfe von Bosmina Nebella collaris
Ephippien Nebella bohemica
Stylodrilus Gabretae
Tubifex rivulorum Surirella biseriata
Arcella vulgaris Navicula rhomboides
Pentropyxis aculeata Kunotia robusta.
с) Grund in der Tiefe von 20—25 m.
Allona affinis Difflugia pyriformis
Köpfe und leere Schalen von Bosmina Difflugia urceolaris
Ephippien von Daphnien Öyphoderia ampula
Cypria ophthalmica Nebella collaris
Canthocamptus Schmeili р DoLlemióa
Monotus lacustris Surirella biseriata
Dorylaimus stagnalis
Chironomuslarven blüthenstaub der Nadelhólzer
Nadeln von Euspongilla lacustris Exeremente von Chironomus-Larven.
47
d) Grund in der Tiefe von 30—35 m.
Arcella vulgaris Nebella collaris
5 angulosa » . bohemica
Difflugia pyriformis Jyphoderia ampula
ii arcula
Im Ganzen alles todt.
Köpfe, leere Schalen und Ephippien von Bosmina bohemica, Daphnia ventri-
cosa, Ceriodaphnia pulchella und Alona affinis.
Dann zühe Excremente und Blüthenstaub.
Diatomeen siehe pag. 86. Fig. 12.
Der Bodenschlamm.
Der dunkelbraune Schlamm, welchen das Netz aus verschiedenen Tiefen
herausholt, hat je nach der Tiefe, aus der er stammt, auch eine etwas abweichende
Deschaffenheit und wir kónnen vier Categorien unterscheiden: 1. Tiefen-Schlamm.
2. Plateauschlamm, 3. Abflussschlamm, 4. Litoralschlamm.
1. Der Tiefenschlamm von 35—40 m ist fast ganz leblos.
Er besteht aus lauter thierischen Exerementen. die theils rund theils walzen-
förmig sind und wahrscheinlich von Phryganaenlarven, Chironomuslarven und von
Orustaceen herrühren mögen. Pflanzlicher Detritus, z. В. Holzfasern, Blüthenstaub
von Coniferen und macerirte Blüttchen von Sphagnum bilden einen geringen Theil
dieses Bodenschlammes. Sandkörner gehören zu Seltenheiten, häufiger sind Glimmer-
blättchen. Häufig sind Diatomeen. Auf dem Schlamme liegen Reste von Bosminen
und Daphnien, dann Ephippien von Daphnia ventricosa, Oyprissehalen, Gemmulen
von Spongillen und zahlreiche Rhizopodenschalen.
Im Ganzen ist alles todt.
2. Der Plateauschlamm aus der Tiefe von 20—25 m zeigt schon mehr Leben.
(Fig. 14.) Seine Zusammensetzung ist dieselbe wie beim Tiefenschlamm, lässt man
ihn aber etwas durchgesiebt 1—2 Tage auf einer seichten Schüssel stehen, so
kommen allmählig mehrere lebende Thiere zum Vorschein. Als weisse Puncte
erscheinen die sehr bezeichnenden Monotus und hie und da ein Tubifieid. Auch
fanden wir da den Strudelwurm Mesostoma rostratum.
Von Crustaceen hat hier seinen Wohnsitz der Canthocamptus Schmeilii und
die Oypria ophthalmica.
Von den Rhizopoden waren manche lebend, so auch die grossen Diatomeen.
Diesen Platteauschlamm untersuchten wir hauptsächlich von dem Plateau vor
der Seewand, südlich von der grössten Tiefe und aus der Mitte des Sees.
З. Der Abflussschlamm findet sich im untersten Theile des Sees gegen die
Schleusse hin und zeichnet sich durch sehr viel Pflanzendetritus, namentlich Blättchen
von Sphagnum, aus. Massenhaft sind oft stellenweise Crustaceenschalen und
Ephippien angehäuft.
4. Der Litoralschlamm ist stellenweise sandig, stellenweise torfig.
Fig. 14. Leben am Boden des Schwarzen Sees. (Nach Skizzen von dr. A. Frič gezeichnet von Prof. B. Bause).
1. Langstacheliger Wasserfloh (Daphnia ventricosa). 2. Böhmischer Rüsselkrebs (Bosmina bohemica). 3. Rothgelber Linsenkrebs (Alona affinis
4. Gezühnter Linsenkrebs (Pleuroxus excisus). 5, 6. Veränderlicher Hüpferling (Cyclops strenuus) 7. Schmeil’s Hüpferling (Canthocamptu
Schmeili. 8. Kopf vom böhm. Rüsselkrebse. 9. Wintereier (Ephippien) vom Wasserfloh. 10. Tubifiid (Stylodrilus Gabretae). 11. Larve de
Wasserfiege (Sialis lutaria). 12. Gemmula des Sumpfschwammes (Spongilla lacustris). 13. Blüthenstaub von Nadelhólzern. — Wurzelfüsser:
14. Difflugia pyriformis. 15. Centropyxis aculeata. 16. Arcella vulgaris. 17. Cyphoderia ampula. 18. Schalenkrebs (Cypria ophthalmica). 19. Dia-
tomee (Surirella biseriata). 20. Einohriger Strudelwurm ,Monotus lacustris). 21. Rösseliger Strudelwurm (Mesostoma rostratum).
49
3. Verzeichniss der im schwarzen See beobachteten Arten.
Wurzelfüssler (Rhizopoda).
Am Grunde sowohl beim Ufer als auch in den tieferen Schichten findet man
im schwarzen See die Wurzelfüssler. Es sind zuerst die unumgünglichen Arcella
und Difflugien-Arten, und daneben die den torfigen Grund liebenden Nebelliden.
Hyalodiscus limax Duj. An den von Glyceria bewachsenen Stellen. Diese Amoebe
änderte sehr rasch ihre Körperform von der länglichen in eine birnförmige
und wieder in die längliche.
Arcella vulgaris Ehbg. (Fig. 13. Nr. 16.) [Arch. IX. 2.*) p. 41 Fig. 11.] Regel-
mässig am Grunde bis zu 20 m Tiefe. In 30 m Tiefe selten, auch die var.
angulosa Ehbg.
Difflugia pyriformis Perty. (Fig. 13. Nr. 14.) [Arch. IX. 2. p. 41. Fig. 12]. In
allen Tiefen häufig.
Difflugia acuminata Ehbg. Am Ufer [Arch. IX. 2. p. 42. Fig. 13] auf Brachsen-
kraut-Wiesen und in 15 m Tiefe.
Difflugia urceolata Cor. [Arch. IX. 2. p. 42. Fig. 14]. Einmal in ТУУМ,
25 m Tiefe. : APR
Difflugia globulosa Duj. Am Ufer und auf Brachsenkraut-Wiesen.
js : : d Н ` MIRA Fig. 15. Difflugia
d Hd r d ^ d a D | H d 4 "n id
Difflugia. arcula Leidy. (Fig. 15.) Ihre Schale ist chitinös, durch- ^ seent Leidy.
scheinend und von spärlichen Glimmerplättchen bedeckt. Sie Verer. 180mal.
kommt regelmässig ziemlich häufig am torfigen Ufer vor. Sel-
tener in 15 m bis 30 m Tiefe.
Centropyxis aculeata (Vig. 18. No. 15.) St. Nicht selten auf den Brachsenkraut-
Wiesen und in 15 m Tiefe.
Cyphoderia ampulla Leidy. Nur am Grunde in 20 bis 35 m Tiefe.
Nebella collaris Leidy. Regelmässig überall am Grunde zu treffen.
Nebella bohemica Tar. (Fig. 16). Diese im südlichen Böhmen weit verbreitete Art
fanden wir im Schwarzen See am Grunde in einer Tiefe von 15—30 m.
Sr ER emis
*) Frič und Vávra, Die Thierwelt des Unterpoternitzer und Gatterschlager Teiches als Re-
Sultat der Arbeiten an der übertragbaren zoologischen Station. Archiv der naturw. Landes-
durchforschung von Böhmen. IX. Band. Nr. 2.
50
Euglypha ciliata Leidy. (Fig. 17.) Selten an den Isoötes-Wiesen und am Grunde
in 15 m Tiefe.
Corythion dubium Tar. Am Grunde in 15 m Tiefe.
Fig. 16. Nebella bohemica Tar. Fig. 17. Euglypha ciliata Leidy.
A. Schale mit dem Thiere von Vergr. 300mal.
vorne. B. Schale von der ge- (nach Tar.).
drückten Seite. Vergr. 400mal
(nach Таг.).
Aufgussthierechen (Infusoria).
Die Aufgussthierchen kommen im Plancton des Schwarzen Sees üusserst
selten vor. Nur als wir uns ein Aquarium mit Isoötes anlegten, sind in dem-
selben nach mehreren Tagen Infusorien erschienen, von denen wir nur flüchtige
Skizzen aufnehmen konnten, da dieselben nur sehr vorübergehend sich unter dem
Mikroskope zeigten. Es waren einige Euglena-Arten, Glaucoma seintillans, Colpoda
Steinii und einige Paramecium und Stylonichia.
Zwischen den Algen an den Isoötes-Wiesen trafen wir regelmässig Vorticella
nebulifera an. (Fig. 12. Nr. 8).
An den Antennen und an den Mandibeln von Cyclops fuscus fanden wir im
October 1892 eine schon von uns im Arch. IX. 2. p. 43. Fig. 19 abgebildete
Acineta mit dicken, kurzen Tentakeln. Wir hofften dieselbe in den folgenden
Jahren näher studieren zu können, dieselbe kam aber leider nicht mehr zum
Vorschein.
Spongiae (Schwänme).
Euspongilla lacustris L. Süsswasserschwamm. Bei der Durchmusterung von Grund-
proben aus einer Tiefe von 6 bis 25 m fanden wir häufig Nadeln und
Gemmulae einer Spongilla-Art. Die letzteren sind dadurch interessant, dass
sie mit einigen Nebenmicrodioden und nebstdem mit
stacheligen, schwach gekrümmten Nadeln versehen sind.
(Fig. 18. Wir haben also mit einer Übergangsform
zwischen Sp. lacustris und rhenana zu thun. Diese
letztere Varietät besitzt an den Gemmulen glatte Nadeln
und Nebenmicrodioden, während die typische Sp. lacustris
xemmulae ohne Mierodioden mit stacheligen Nadeln hat. Fig. 18. Gemmula
Den Sehwamm selbst haben wir vergeblich gesucht. Auch Ginen ege:
d GE ё : үл schwammes (Eu-
bei dem niedrigsten Wasserstand des Sees im Jahre 1892 spongilla lacustris L.)
kam er nirgends zum Vorschein. Das häufige Vor- aus dem Schwarzen
ч Р i d See, Vergr. 50mal.
kommen der Gemmulen und Nadeln im Grundschlamm
zeigt aber, dass dieser Schwamm ап einem unzugänglichen Orte in beträcht-
licher Menge vegetirt.
Würmer (Vermes).
Die Fauna der Würmer im Schwarzen See ist als arm zu bezeichnen. Die
von Brachsenkraut bewachsenen Stellen lieferten hauptsächlich Räderthierchen,
während das Auswaschen des Grundschlammes einige Strudelwürmer, unter diesen
den interessanten Monotus, und spärliche Oligochaeten lieferte.
Stenostoma leucops Osc. Schm. (Arch. IX. 2. p. 45. Fig. 22). Selten zwischen
Isoötes im Juli.
Fig. 19. Mesostoma Fig. 20. Monotus lacustris
rostratum Ehbg. Vergr. 40mal. Zach. Vergr. 40mal.
52
Mesostoma rostratum Ehbg. (Wig. 19.) Zwischen Isoëtes und am Grunde in 15 m
Tiefe. Im September waren viele Exemplare mit Eiern angefüllt.
Monotus lacustris Zach. (Fig. 20). Dieser interessante, mit einem Gehörsteinchen
versehene Strudelwurm wurde zuerst im Jahre 1881 im sogenannten „Grossen
Koppenteiche“ im Riesengebirge von Dr. Otto Zacharias gefunden”) und be-
schrieben. Später wurde dieselbe Art in Russland in Peipus und in meh-
reren Schweizer Seen **) gefunden. Die Art ist also für die hochgelegenen Seen
charakteristisch und vielleicht hängt seine Verbreitung mit den Erscheinungen
der Glaeialperiode zusammen. Wir fanden das Thier am 23. Juni 1894 im
Sehlamme aus 25 m Tiefe. Es erschien am nächsten Tage auf der Ober-
fläche des in einer flachen Schale unter Wasser gehaltenen Schlammes als
weisser Punkt. Die von uns im Juni gefundenen Exemplare waren geschlechtlich
unreif und von 1:5 mm Länge. Zacharias gibt die Grösse der von ihm im
August im grossen Koppenteiche gefangenen Exemplare bis an 3 mm Länge
an, wobei die Thiere geschlechtsreif waren. In den zwei folgenden Jahren
ist uns dieser interessante Strudelwurm nicht mehr zu Gesicht gekommen.
Dorylaimus stagnalis Duj. Ziemlich regelmässig an den Brachsenkraut-Wiesen,
auch aus 25 m Tiefe.
Stylodrilus gabretae Vejd ***) Dieser interessante Lumbrieulid wurde im J. 1881
zuerst im Böhmerwalde und zwar in einem sumpfigen Graben zwischen
Panzer und Spitzberg entdeckt. "7731 Der Schwarze See ist bisher also
der zweite Fundort dieses interessanten Wurmes. Die Art ist durch die
langen Penisröhren ausgezeichnet. Wir fanden diesen Wurm am 16. Mai 1893
im Grundschlamme vor der zool. Station in einer Entfernung von 15 m vom
Ufer und am 26. Juli 1894 zwischen Glyceria am Damm und im Grund-
schlamme aus 15 m Tiefe. Die Exemplare erreichten eine Länge von 3,5 cm
und waren nicht geschlechtsreif.
Tubifex rivulorum Lam. Nicht häufig im Grundschlamme aus 15 und 30 m
Tiefe. Die Exemplare waren nicht geschlechtsreif.
*) Dr. O. Zacharias, Studien über die Fauna des grossen und kleinen Teiches im Riesen-
gebirge. (Zeitschrift f. wiss. Zool. XLI. 1885.)
in Fp, Zschokke, Die 'Thierwelt der Hochseen. Verh. der deutsch. zool. Ges. auf der
I. Jahresvers. von 1891.
"**) Vejdovskj, System und Morphologie der Oligochaeten. Prag 1884.
nz) Silva gabreta heisst bei Balbin (Miscellanea Regni Bohemiae) der Böhmerwald.
Pachydrilus sphagnetorum Vejd. Diesen Enchy-
treiden fanden wir am torfigen Ufer und
auf den Drachsenkraut-Wiesen, die Exem-
plare waren ebenfalls nicht geschlechtsreif.
Aulostomum gulo Moq.-Tandon. Wurde vom Dr.
A. Frič im Jahre 1871 im Seebache unter
dem Damm gefunden. Jetzt haben wir die-
selbe weder im See noch im Abflusse gefunden.
Nephelis vulgaris Moq.-Tand. Cocons und junge
Individuen fanden wir unter den Steinen am
Ufer im September 1896.
Floseularia edentata Coll. (Fig. 21). Kommt regel-
mässig an den aus den Brachsenkraut-Wiesen
stammenden Algen festgesetzt vor. Einmal
fanden wir dieselbe an der Oberfläche des
Wassers auf macerirten Holzfasern. Beson-
ders auffallend ist der Stiel, der im contra-
hirten Zustande scharfe, spitzige Dornen auf
jedem Ringe bildet.
Rotifer macrurus Schrank. Ebenfalls an den
Brachsenkraut-Wiesen ziemlich häufig.
Taphrocampa annulosa Gosse. Kommt nur ver- Fig. 21. Floseularia edentata, Coll.
einzelt vor. Wir fanden dieselbe an den Vergr. 230mal.
Isoötes-Wiesen und auch in der Uferzone am
felsigen Ufer.
Diaschiza paeta Gosse. (Fig. 22.) Erscheint nur auf den von
Isoëtes und Glyceria bewachsenen Stellen.
Monostyla lunaris Ehbg. Ziemlich häufig zwischen Isoötes.
Metopidia lepadella Ehbg. Zwischen Algen aus den von Isoëtes
und Glyceria bewachsenen Stellen.
Krustenthiere (Crustacea).
Wasserflöhe (Cladocera).
Holopedium gibberum Zad. (Fig. 13., 23., 24.) (Arch. IX. 2. p. 104.
Fig, 69.) Ist der bezeichnende pelagische Bewohner in der Fig.22. Diaschiza
Mitte des Schwarzen Sees. Im Jahre 1871 (Siehe pag. 4.) E pecie, ы.
wurde das Netz mit einer unzühlbaren Masse von Holopedium Я
angefüllt, wührend der letzten Jahre kann man dessen Vor-
kommen nur als spärlich bezeichnen. Die Ursache dieser Erscheinung wurde.
schon auf Seite 39. besprochen. Im Mai erschienen im See die ersten Jungen.
54
(Fig. 94). Diese entbehrten gänzlich des Buckels am Rücken und sind mit
einer ansehnlichen Drüse im Nacken versehen, die wohl die gallertige Hülle
secernirt. Die jungen sind auch schon von einer äusserst zarten Hülle um-
geben, die sich während des Lebens mittelst Methylenblau färbt. Sie schwimmen
mit dem Kopfe nach unten gewendet, während die älteren, sobald der Rücken-
buckel zur Aufnahme von Eiern ausgebildet ist, mit diesem nach unten
Fig. 23. Holopedium gibberum Zadd. in Fig. 24. Holopedium gibberum Zadd. Junges
der gallertigen Hülle. Vergr. 20mal. Thier. 80mal vergr.
sewendet sich bewegen. (Fig. 23.) Die gallertige Hülle ist sofort zweimal so
gross als das Thier selbst. Am Vorderende ist dieselbe mit einem tiefen
Ausschnitt (a), durch welchen die Antennen hervorragen, versehen. Am Hinter-
ende ist in der Hülle in der Gegend des Afters auch eine Spalte (b) wahrnehmbar.
Der Buckelkrebs erscheint im Schwarzen See im Mai, wo wir im Plancton
nur ganz junge Individuen fanden. Im Juli trafen wir dieselben neben
erwachsenen Individuen, die schon im Brutraume Sommereier trugen. In der
ersten Hälfte des Octobers erscheint Holopedium im Schwarzen See nur noch
spärlich und Ende dieses Monats wurde es dann nicht mehr beobachtet. Ver-
gleichen wir das Auftreten des Holopediums im Sehwarzen See mit dem im
Gatterschlager Teiche in Süd-Böhmen bei Neuhaus (Arch. IX. 2. p. 104),
so sehen wir, dass es im See um einen Monat spüter auftritt, da dort das
Holopedium schon im März in jungen Individuen und in den drei folgenden
Monaten massenhaft vorhanden ist. Dagegen verschwindet dasselbe im Gatter-
schlager Teiche, der um 600 m o. d. M. niedriger als der Schwarze See liegt,
schon im September, im Sehwarzen.See lebt es noch im October. Das Holo-
pedium bildet im Schwarzen See eine wichtige Nahrung der Saiblinge und
Db
Forellen, was wir schon oben (Seite 39.) besprochen haben. In Folge dessen
hat das frühere massenhafte Auftreten des Holopedium aufgehórt. Das Holo-
pedium wurde bei Königsberg von Zaddach entdeckt und bisher noch in
Böhmen, Galizien, Frankreich, England, Schottland, Dänemark, Norwegen,
im nördlichen Russland, in Island, in Grönland und in Nordamerika gefunden.
Daphnia longispina, O. F. Müll. var. ventricosa, Hellich (Fig. 25) (Syn. Daphnia
brevipennis Sars). Diese von Hellich aufgestellte Art bildet eine Varietät
von Daphnia longispina О. F. Müller und ist mit Daphnia brevipennis Sars
Fig. 25. Daphnia longispina var. ventricosa, Hell.
identisch. *) (l. е. p. 293.) Im Jahre 1871 wurde dieselbe vom Prof Dr. Frič
und B. Hellich in grosser Menge im Schwarzen See in der Tiefe von 20 m
gefischt, jetzt haben wir dieselbe nur am 6. October 1892 in einer Tiefe von
5 m beobachtet. Wie schon erwähnt wurde, ist in demselben Monate der
Wasserspiegel fast um 3 m wegen der Schleusse-Reparatur erniedrigt worden,
und von der Zeit an sahen wir die genannte Art im Schwarzen See nicht
mehr. Dagegen war diese Daphnia im Teufelssee ununterbrochen vorhanden.
Ceriodaphnia pulchella Sars. Häufig in der
Uferzone, hauptsächlich an den von
Glyceria bewachsenen Stellen vom Juni
bis October. Im September erschienen
auch die Männchen.
Bosmina bohemica Hell. (Fig. 26.) Lebt in
der Mitte des Sees in einer Tiefe von
1 bis 15 m in reichlicher Anzahl vom
Juli bis September. Diese Art wurde vom
Hellich im Jahre 1871 im Schwarzen
See entdeckt und beschrieben W. Hart-
wig) sagt von der ähnlichen Bosmina EN. \
berolinensis Imhof: „Hatten die Stücke Fig. 26. Bosmina bohemica Hell. 90mal vergr.
—
*) J. Richard, Revision des Cladoceres. II. Partie. Paris, 1896.
"y W, Hartwig, Die Krebsthiere der Provinz Brandenburg, (Naturw. Wochenschr. Х Band.
Nr, 43. 1895.)
56
2—8 Eier im Brutraume, so war ich oft im Zweifel, ob ich sie als В. bohemica
oder Bosm. berolinensis ansprechen sollte. Die Stücke, welche ich ohne
Bedenken sofort als D. berolinensis ansprach, hatten meist keine Eier oder
Embryonen im Brutraume. Ich bin, nachdem ich eine grössere Anzahl von
Stücken beider Formen untersuchte, zu der Überzeugung gelangt, dass Bosmina
berolinensis Imhof keine Species ist, sondern nur aus jüngeren oder sonst wie
im Wachsthum zurückgebliebenen Stücken der Bosmina bohemica, Hellich
besteht.
|
Mm,
IN,
X
Fig. 27. Acantholebeis curvirostris O. F. Müll. 40mal vergr.
Acantholeberis ewrvirostris O. F. Müll. Diese Art haben wir im September im
Grundschlamme zwischen Glyceria und Sparganium in grosser Anzahl gefunden.
Der Hinterrand ist sehr lang beborstet, die Borsten brechen aber sehr leicht
ab. Diese sind auch nicht an der Figur dieser Art bei Hellich abgebildet.
(Arch. TIE pag, 09. Fig. 80.)
Ilyoeryptus sordidus Liév. (Arch. IX. 2. p. 53. Fig. 35.) Nur spärlich im Schlamme
von Brachsenkraut-Wiesen.
Eurycereus lamellatus, О. F. Müll. (Arch. II. 4. p. 239. Fig. 45.) Zwischen
Glyceria und Isoétes.
Acroperus leucocephalus Koch. (Arch. Ш. p. 79. Fig. 37.) Am Ufer und zwischen
Isoëtes, Glyceria und Sparganium vom Juni bis October gemein. Bildet die
Nahrung der jungen Saiblinge, bei
denen wir den Darm mit dieser
Art vollgestopft fanden.
Alonopsis elongata Sars. (Vig. 28.) nach
Hellich, Arch. III. p. 81. Fig. 39.)
у m Kommt am Ufer und zwischen
чаб. Isoëtes und Sparganium und am
< Grunde bis zu 15 m Tiefe in
grosser Menge vor. Sie hält sich
am Grunde und wurde vom Juni
Fig. 28. Alonopsis elongata, Sars (nach Hellich).
70mal vergr. al Lippenanhang. си Cutieularor-
nament, e Embryo. bis October beobachtet.
57
Alona affinis, Leyd. (Arch IX. 2. p. 108. Fig. 74). Nur spärlich im Boden-
schlamme bis zu 25 m Tiefe.
Alona guttata, Sars. (Hellich, Clad. pag. 92. Fig. 49. 50). Nur vereinzelt an
felsigen Ufern.
Pleuroxus excisus Fischer. (Hell. Clad. p. 99. Fig. 56. Nicht häufig im Litorale
und am Grunde bis zu 15 m Tiefe.
Pleuroxus nanus Baird. (Archiv IL. 4. Orust. p. 246. Fig. 59). Vereinzelt an dem
felsigen Ufer.
Pleuroxus truncatus О. Е. Müll. (Archiv II. 4. p. 244. Fig. 53). Nur spärlich
in der Uferzone.
Chydorus sphaerieus O. F. Müll. (Arch, IX. 2. Fig. 39). Ziemlich häufig am Ufer
und zwischen Glyceria.
Fig. 29. Polyphemus pediculus De Geer. 40mal vergr.
Polyphemus pediculus De Geer. (Fig. 29.) Lebt vorzugsweise an den felsigen
Ufern, wo es keine Vegetation gibt und zwar in der Regel in grosser Anzahl
Wir haben denselben vom Juni bis September beobachtet. Nach dem niedrigsten
Wasserstande im Jahre 1894 erschien diese Art im nüchsten Jahre nicht mehr.
Nachdem der See dieses Jahr vollgespannt wurde, erschien Polyphemus in der
Uferzone wieder.
Muschelkrebse (Ostracoda).
Cypria ophthalmica (Jur) (Arch. IX. 2. p. 56. Fig. 41) (Fig. 14 nr. 18). Ist der
einzige Muschelkrebs, der im Schwarzen See lebt. Er kommt häufig in der
Uferzone und am Grunde bis zu 25 » Tiefe vor. In einem nahe am Damm
gelegenen Tümpel, der mit dem See oft in Verbindung ist, trafen wir Cyclo-
eypris globosa (G. O. Sars), die wir aber niemals im See selbst fanden.
Spaltfüssler (Copepoda).
V H m N . .
Cyclops strenuus Fisch. (Arch. IX. 2. p. 57. Fig. 44). Lebt mit dem Holopedium
in der pelagischen Zone und setzt in einigen Monaten allein das Plancton
zusammen. Im Mai und im Juli sind die Nauplien und Metanauplien, die
58
durch grosse Fetttropfen lebhaft roth gefärbt erscheinen, häufig. Im August und
September sind die geschlechtsreifen Individuen in grosser Menge vorhanden.
Ende September sind wieder die Nauplien vorherrschend. Dieser Hüpferling
lebt in der pelagischen Zone grösstentheils in einer Tiefe von 1 bis 5 m,
doch trifft man ihn auch an der Oberfläche und in der Tiefe bis von 15 m.
Cyclops fuscus Jur. (Arch. III. 4. p. 218. Fig. 11). Lebt vorzugsweise in der
Uferzone und ist ein steter Bewohner der Brachsenkraut-Wiesen und zwischen
Glyceria und Sparganium. Die Exemplare waren dunkeloliv gefärbt.
Cyclops serrulatus Fisch. (Arch. Ш. 4. p. 222. Fig. 18). Häufig zwischen Glyceria
und Sparganium.
Cyclops nanus Sars. Diese Art hat Dr. Mräzek*) an einer von Sparganium be-
wachsenen Stelle im Schwarzen See gefunden. Wir haben dieselbe nicht
beobachtet, In dem neben dem Damm gelegenen Tümpel haben wir Cyclops
crassicaudis Sars gefunden. Dieser winzige Hüpferling war von einem kreide-
weissen Aussehen.
Canthocamptus Schmeili Mráz. Diese von Dr. Mrázek in Příbram entdeckte Art
wurde ausser Böhmen noch in Deutschland und in Schottland gefunden. Wir
haben dieselbe aus dem Bodenschlamm aus einer Tiefe von 15 m erhalten.
Diaptomus denticornis Wierz. (Fig. 24.) (Diaptomus castor b. Frič,
Sitzungsber. d. b. Ges. d. Wiss. 1871, siehe auch Seite 4 der
vorliegenden Arbeit.) Bei der Revision des vom Jahre 1871
stammenden Materiales fanden wir, dass die früher als Dia-
ptomus castor bezeichnete Art der von Wierzejski beschrie-
bene Diaptomus denticornis ist. In der Beschaffenheit des
fünften männlichen und weiblichen Fusspaares stimmten die
erwähnten Exemplare mit dieser Art gänzlich überein, doch
das letzte Glied der rechten, männlichen Antenne, zeigte
н { Zwei
рн nicht den charakteristischen Zahn, sondern nur einen stumpfen,
rechten männli- hyalinen Vorsprung (Fig. 30). Dies stimmt also mit den von
lichen Antenne үө а: б be See im Tatragebiree gefundenen Exem-
von Diaptomus ierzejski im Czorba-See im Tatragebirge gefundenen Exem
denticornis Wierz. plaren.”*) Der erwähnte Autor hält diese Varietàt nur für
eine Frühlingsform. Wierzejski hat diese Form Ende Mai
gesammelt, Frič hat sie im Juli gefunden. Wir haben diesen Diaptomus
weder im Schwarzen See noch im Teufelssee gefunden, obzwar ihn Frič und
Hellich im J. 1871 als häufig angeben. In Böhmen ist diese Art noch aus
dem Plóckelsteiner unl dem Arber-See im Bóhmerwalde bekannt.
Spinnenthiere (Araehnoidea).
Die Wassermilben (Hydrachnidae) sind im Schwarzen See nur durch einige Arten
vertreten. "Wir trafen dieselben an den von Glyceria und Sparganium be-
*) Mrázek, Dr. Al, Příspěvky k poznání sladkovodních Copepodü (Sitzungsber. d. к. böhm.
Ges. d. Wiss. 1893. VIII.).
в) Wierzejski A., Übersicht der Orustaceen-Fauna Galiziens. (Akad, d. Wiss. in Krakau 1895.)
59
wachsenen Stellen, wo sie nur vereinzelt leben. Folgende Beschreibung der
von uns gesammelten Hydrachniden des Schwarzen Sees verdanken wir Herrn
K. Thon.
Eylais setosa Koenike. Nur eine Nymphe. Diese stimmt mit der aus einem
Teiche bei Golé-Jenikau gefundenen Art, die Herr Е. Koenike in Bremen als
Eylais setosa anerkaunt hatte. Die vorliegende Nymphe weicht nur unbe-
deutend in der Form der Palpen von den reifen Exemplaren ab.
Diplodontus fuscatus Thon (Fig. 31.) weicht von der bekannten Art (Diplodontus
despieiens O. F. Müll.) so ab, dass man dieselbe als eine neue Art betrachten
muss. Das Männchen ist L:2 mm lang, der Leib ist kugelfórmig, etwas flach,
ähnlich wie bei D. despiciens. Die Farbe ist tief braun. Die Augen ähnlich
wie bei D. despiciens gestellt. Die Palpen weichen von dieser Art wesentlich
Fig. 31. Diplodontus fuscatus, Thon. 1. Von unten. 45mal vergr. 2. Palp. mit der Lippe.
3. Mandibel, 4. Genitalplatte.
ab. Das zweite Glied ist viel länger, die Dorsten sparsamer. Das vierte
Glied stärker und kürzer, das letzte, scheerenförmige Glied, mächtiger. Man-
dibel länger und schlanker als bei D. despiciens. Die Lippe weicht nur
wenig ab, das Rostrum ist länger und schwächer. Die Epimeren sind ver-
hältnissmässig kleiner und weiter von einander gerückt. Alle Borsten sind
feiner als bei D. despiciens. Die Genitalplatten sind viel schmäler und länger,
fast gerade, die Zahl der Stigmen eine geringere. Die Arme des Chitingerüstes
‚Sind stark und kurz. Die Oberfläche des Leibes ist granulirt.
Arrhenurus virens, Müll. Auf den Isoétes-Wiesen nur vereinzelt.
Die Tardigraden sind durch den Macrobiotus macronyx Duj. vertreten, der
in der Uferzone und zwischen den Algen auf den Brachsenkraut-Wiesen lebt.
Es werden auch einige Acariden in der Uferzone und auch zuweilen pelagisch
in der Mitte des Sees beobachtet, die zufällig aus dem Moose am Ufer in das
asser gelangen. Unter diesen war Stigmaeus scapularis ©. L. Koch häufig.
60
Die Insecten-Larven findet man im Schwarzen See nirgends in grósserer Menge.
Die Chironomus-Larven leben im Schlamme am Ufer und am Grunde, aber
immer nur vereinzelt,
Zwischen Glyceria und Sparganium kommen die Larven von Cloë und Nemura
Inseeten (Hexapoda).
vor und nur ganz vereinzelt eine Zibellula-Larve.
Ziemlich häufig ist da die Larve von Sialis lutaria L. (Fig 14. Nr. 11.)
An den Ufern sind die Köcherfliegen-Larven von
besonders von Chaetopteryx villosa, nebst einer näher unbestimmbaren Limno-
philus-Larve häufig.
Die Wasserwanzen sind durch die seltene Glaenocorisa cavifrons Thoms. und
die Wasserläufer durch die Hydrometra paludum Тарт. und Velia currens Fabr.
vertreten.
Am Ufer tummeln sich einige Wasserküfer Gyrinus natator L., Fydroporus
palustris L. und der seltene Hydroporus latus Steph. herum.
Systematische Übersicht der im Schwarzen See gefundenen Arten.
Hyalodiseus limax Duj.
Arcella vulgaris Ehbg.
Arcella vulgaris var. angulosa Ehbe.
Difflugia pyriformis Perty.
Difflugia acuminata Ehbg.
Difflugia urceolata Cor.
Difflugia globulosa Duj.
Difflugia arcula Leidy.
Centropyxis aculeata St.
Cyphoderia ampulla Leidy.
Nebella collaris Leidy.
Nebella bohemica Tar.
Euglypha ciliata Leidy.
Corythion dubium Tar.
Acineta crassipes Fr.
Euglena sp.
Glaucoma scintillans Ehbg.
Colpoda Steinii Maup.
Vorticella nebulifera Ehbg.
Euspongilla lacustris L.
Stenostoma leucops Ose. Schm.
Mesostoma rostratum Ehbg.
Monotus lacustris Zach.
Dorylaimus stagnalis Duj.
Stylodrilus Gabretae Vejd.
Tubifex rivulorum Lam.
'achydrilus sphagnetorum Vejd.
Aulostomum gulo Moq.-Tand.
Nephelis vulgaris Moq.-Tand.
Floscularia edentata Coll.
hotifer macrurus Schr.
Taphroeampa annulosa (osse.
Diaschiza paeta Gosse.
Monostyla lunaris Еро,
Metopidia lepadella Ehbg.
Holopedium gibberum Zadd.
Daphnia longispina О. Е. Müll.
ventricosa Hell.
Ceriodaphnia pulchella Sars.
osmina bohemica Hell.
Acantholeberis curvirostris O. F. Müll.
Ilyoeryptus sordidus Liiv.
Eurycercus lamellatus О. F. Müll.
Acroperus leucocephalus Koch.
Phryganea striata und
61
Alonopsis elongata Sars. Macrobiotus macronyx Duj.
Alona affinis Leyd. Chironomus (Larven).
Alona guttata Sars. Cloé (Larven).
Pleuroxus exeisus Fisch. Nemura (Larven).
Pleuroxus nanus Daird. Libellula (Larven).
Pleuroxus truncatus O. F. Müll. Sialis lutaria L.
Chydorus sphaerieus O. F. Müll. Phryganea striata L.
Polyphemus pedieulus De Geer. Chaetopteryx villosa Pict.
Cypria ophthalmica Jur. Limnophilus (Larven).
(Cyclocypris globosa Baird.) Glaenocorisa cavifrons Thoms.
Cyclops strenuus Fisch. Hydrometra paludum Fabr.
Cyclops fuscus Jur. Velia currens Fabr.
Cyclops serrulatus Fisch. Gyrinus natator L.
Cyclops nanus Sars. Hydroporus palustris Fab.
| (Cyclops erassicaudis Sars.) Hydroporus latus Steph.
Canthocamptus Schmeili Mraz. Salmo trutta.
Diaptomus denticornis Wierz (Salmo salvelinus.)
Eylaïs setosa Koen. (Coregonus maraena.)
Diplodontus fuscatus Thon. hana temporaria.
Arrhenurus virens Neum. Triton alpestris.
b) Der Teufelssee.
Ursprünglich hatten wir die Absicht nach Abschluss der Arbeiten am
Sehwarzen See die fliegende Station auf 1 oder 2 Jahre an das Ufer des Teufels-
sees zu übertragen. Nach reiflicher Erwägung der Unzugänglichkeit mittels Wagen
entschlossen wir uns die Untersuchung des Teufelssees von der Station am
Sehwarzen See aus durchzuführen. Auf Fürsprache des Herrn Oberfórster Komárek
verschaffte der Waldverein in Eisenstein einen Kahn nach dem Muster des von
Uns eebrachten und sind wir dem Vereine für die Gestattung der Benützung des-
selben zu Dank verpflichtet. Um die mit grosser Mühe hierhergeschafften Geräth
Schafften nicht jeden Tag zurücktragen zu müssen, sowie um Obdach bei starkem
legen zu finden, liessen wir nahe dem Fusssteige, der vom oberen Wege herab-
führt, ein kleines Häuschen von 4 CJ Meter Bodenflüche nach dem Entwurfe des
Herrn Oberfürsters Komárek herstellen. Trotz diesen zwei Hilfsmitteln war das
Übertragen des Materials mit vielen Unzukömmlichkeiten verbunden. Dazu gesellte
) Sich noch die günzliche Ruin der Schleusse, welche den Wasserspiegel um 2'/, m
herabsetzte und die Uferfauna stark schädigte. Es kann daher die nachfolgende
Schilderung der gemachten Erfahrung keinen Anspruch auf Vollständigkeit machen.
Es war aber doch behufs des Vergleiches mit dem Schwarzen See und bei |
dem Umstande, dass der Teufelssee um 30 m höher liegt, nóthig, denselben zu-
d gleich zu untersuchen.
62
Lage, Grósse, Zuflüsse und Entstehung des Sees.
Der Teufelssee lieet in derselben Gebirgskette wie der Schwarze See, von
dem er durch die 1343 m hohe Seewand getrennt ist.
Der Teufelssee liegt an der südöstlichen Seite der Seewand, die im Hinter-
srunde des Sees ebenfalls steil in den See herabfällt, so dass hier auch eine an
Gletscherphänomen erinnernde Cirkusbildung entsteht, ähnlich wie beim Schwarzen
See. (Fig. 32.)
Fig. 32. Der Teufelssee. (Phot. von F. Krátký in Kolin.)
Die Ausmass des Teufelssees beträgt 10'87 Hektar.
Am nördlichen Ufer mündet in den Teufelssee ein kleines Bächlein, das von
den Abhängen des Spitzberges (1199 m o. d. M.) herabfliesst, ein anderes Bächlein
stürzt gerade von der Seewand am westlichen Ufer herab. Andere Zuflüsse trocknen
im Hochsommer aus. Der Abfluss, der Seebach, mündet in den Eisenbach und dieser
in den Fluss Regen in Bayern. Somit gehört der Teufelssee zu dem Donaugebiete,
während der Schwarze See zu dem Elbegebiete gehört, da sein Abfluss bei
Klattau in die Uhlavka mündet.
Was die Entstehung des Teufelssees anbelangt, so gilt das von der Entste-
hung des Schwarzen Sees Gesagte. (Siehe pag. 29).
Die Tiefenmessungen.
Die Tiefenmessungen wurden am Teufelssee in der beim Schwarzen See be-
Sprochenen Weise (Seite 31) durchgeführt.
Die Tiefe wurde an 64 Punkten gelothet. (Fig. 33.)
Fig. 33. Tiefenkarte des Teufelssees nach 64 von Dr. Frič und Dr. Vávra durchgeführten Mes-
Sungen. о, 0, c Zuflüsse, d Abfluss. 1—19 markirte Messungspunkte, s die Schutzhütte. Der
Kreis in der Mitte deutet die Ausdehnung der gróssten Tiefe an.
64
Die grösste Tiefe liegt nicht wie im Schwarzen See nahe der Seewand,
sondern ziemlich in der Mitte des Sees, wo die Lothung 35 m als die grösste
Tiefe ergab. Die Ufer fallen hier auch nicht so steil ab, so dass der Boden des
Teufelssees eine kesselfórmige Vertiefung darstellt.
Temperatur, Farbe und Durchsichtigkeit des Wassers des Teufelssees.
Die Temperaturmessungen des Wassers ergaben, dass ähnlich wie im Schwarzen
See in einer Tiefe von 20 m bis zum Grunde eine stete Temperatur von 42^ bis
4'8*" C. herrscht. Wir hatten Gelegenheit die Temperaturmessungen nur in zwei ver-
schiedeneu Monaten durchzuführen, wegen der hier selten herrschenden Windstille.
Luft Oberfläche | 5m | 10 m | 15 m | 20 m | 25 m | 30—35 m
September 1896 .
|
Sal мБ. s 19:5 | 179 | 981 50 48 | 48| 46| 46
| d
| 130 | 119 102 58 146149 | 491 42
Die Farbe des Wassers stimmt nach Herr О. Wagner mit dem Nr. 15 der
Seala nach Ule überein.
Die Durchsichtigkeit des Wassers haben wir an einem hellen, sonnigen Tage
im September auf 430 cm bestimmt.
Fauna des Teufelssees.
Vom Teufelssee sagt dr. Етіс in der auf der Seite 4 erwähnten Abhandlung:
„Der Teufelssee hat schon eine viel geringere Tiefe, stimmt aber bezüglich der
Orustaceen ganz mit dem Schwarzen See, nur sind die Holopedien viel sparsamer
vorgefunden worden. Weil die Ufer gar nicht mit Schilf bewachsen sind, fehlen
auch hier die Lynceuse ganz.“
Die Ufer des Teufelssees sind gänzlich kahl, ohne jede Vegetation. Nur im
Jahre 1894, als der See noch vollgespannt war, fanden wir in der nordwestlichen
Ecke am Ufer eine kleine Wiese von Zanichelia palustris, die aber, nachdem der
Wasserspiegel um 250 cm herabgesetzt wurde, in Folge der Trockenlegung
gänzlich verschwand.
1. Pelagische Fauna.
Während unserer Arbeit am Teufelssee vom Jahre 1894 bis 1896 erschien
Holopedium gar nicht mehr. Dasselbe wurde noch von Hellich 1877 in reichlicher
LA
65
Menge gefangen. Während der erwähnten Zeit wurden die pelagischen Fänge nur
von Cyclops strenuus und von Daphnia ventricosa gebildet.
In nachstehender Tabelle sind die pelagischen Fánge chronologisch angeführt:
1894.
September
1895.
Juni
Juli
1896.
September
|
|
|
|
Oberflüche
5 Meter Tiefe
15 M. Tiefe
30 M. Tiefe
Oberfläche
1 M. Tiefe
9 M. Tiefe
3 M. Tiefe
5 M. Tiefe
10 M. Tiefe
15 M. Tiefe
20 M. Tiefe
95 M. Tiefe
Oberfläche
| Sehr spärliches Ma-
terial
Spärliches Material
Spärliches Material
Reichliches Material
Aufstellung der Schutz-
hütte
Spärlicher Fang
Reichlicher Fang
Reichlicher Fang
Reichlicher Fang
Reichliches Material
Spärliches Material
Spärliches Material
Cyclops strenuus
Daphnia (auch juv.)
ventricosa
Cyclops strenuus
Daphnia ventrieos:
(ohne Eiern)
Cyclops strenuus
Daphnia ventricosa
mit 1—2 Sommer-
eiern
Cyclops strenuus
Oyclops strenuus
Cyelops strenuus
Cyclops strenuus
Daphnia ventricosa
Oyelops strenuus
Daphnia ventricos:
(junge Stadien)
Dasselbe
Daphnia ventricos:
einige grosse Exem-
plare
Cyclops strenuus
Exuvien.
Cyclops strenuus
Jyelops strenuus
Cyclops strenuus
c
66
1896 1 M. Tiefe Reichlicheres Material| Cyclops strenuus
September viele Männchen
5 M. Tiefe Reichliches Material jyelops strenuus
einige Exemplare mit | Daphnia ventricosa
Sommereiern
10 M. Tiefe Spärliches Material | Cyelops strenuus
15 M. Tiefe Spürliches Material | Cyelops strenuus
| Einige Exemplare Daphnia ventricos:
2. Ufer- und Grundfauna des Teufelssees.
Hellich (1877) führt einige Lynceiden an, die er am Ufer des Teufelssees
gesammelt hat. Es sind Acroperus leucocephalus, Alonopsis elongata, Pleuroxus
excisus und Pl. truncatus. Dieselben Arten kommen auch im Schwarzen See
vor. Wir fanden nachstehende Verhältnisse:
1. An den Ufern.
Überall an den Ufern ist Polyphemus pediculus vorherrschend, gewöhnlich
in grossen Massen.
Hie uud da, wo Pflanzendetritus zwischen Steinblöcken angehäuft ist,
hält sich auch Alonopsis elongata und Acroperus leucocephalus auf.
Am westlichen Ufer, wo im Wasser viele Baumstämme liegen, trifft man
ausser den genannten Arten noch Ceriodaphnia pulchella und Eurycereus lamellatus.
Hier beleben den Wasserspiegel grosse Schaaren von Glaenocorisa cavifrons
und Gyrinus natator.
2. Fauna am Grunde.
Im Grundschlamme in einer Tiefe von 20 bis 35 m ist ebenfalls wie im
Schwarzen See fast alles todt.
Im Grundschlamme aus einer Tiefe von 20 m (siehe Fig. 33. zwischen Punkten
11 und 16) waren besonders auffallend leere Schalen und Köpfe von Bosmina
bohemica, obzwar wir dieselbe im Teufelssee in den Jahren 1898—1897 niemals
lebend fanden.
Auch Hellich (1877) führt dieselbe nicht aus dem Teufelssee an, so dass
man annehmen kann, dass dieselbe jetzt günzlich aus dem Teufelssee verschwunden ist.
Es wurden noch in diesem Schlamme einige Rhizopoden und Diatomeen, dann
zähe Excremente, vermuthlich von Phryganeen- und Chironomus-Larven, Blüthen-
staub von Nadelhólzern und Pflanzendetritus wahrgenommen.
67
Im Grundschlamme aus 35 m Tiefe wurde lebendig nur der Muschelkrebs
Cyclocypris laevis angetroffen. Der Schlamm ist da sehr zähe, riecht nach Eisen
und enthält viele Glimmerplüttchen. Ausser den Resten von Bosminen, Daphnien
und verschiedenen Inseetenlarven findet man nur macerirte Blättchen von Sphagnum
und Pflanzendetritus.
3. Bemerkungen zu den im Teufelssee gefundenen Arten.
Euspongilla lacustris. Auch im Teufelssee findet man im Grundschlamme zahl-
reiche Nadeln des Süsswasserschwammes, den Schwamm selbst haben wir
nicht beobachtet.
Holopedium gibberum. ` rie und Hellich führen dasselbe aus dem Teufelssee an,
sagen aber von demselben, dass es nicht in so grosser Menge vorhanden ist
als im Schwarzen See. Uns kam es während den Jahren 1893 bis 1896
nicht mehr zu Gesicht, so dass man annehmen kann, dass es gänzlich aus
dem Teufelssee verschwunden ist.
Daphnia longispina var. ventricosa Hellich. Lebt in ähnlichen Verhältnissen wie
im Schwarzen See. Sie bevorzugt eine Tiefe bis 15 m und war im Juli sehr
zahlreich vorhanden. Im September erschienen auch die Männchen.
Ceriodaphnia pulchella. An den Ufern ziemlich gemein. Im September fanden
wir auch viele Männchen.
Bosmina bohemica. Hellich hat dieselbe nur im Schwarzen See gefunden. Im
3rundsehlamme des Teufelssees sind aber viele leere Schalen und Köpfe von
Bosmina bohemica, im See selbst haben wir dieselbe auch nicht mehr wieder-
gefunden.
Polyphemus pediculus. Lebt an den Ufern oft in grosser Menge, und sammelt
sich hauptsächlich an flachen, mit Steinblöcken besetzten Uferpartien, wo er
schon mit blossem Auge wahrgenommen werden kann.
ICyclops strenuus. Setzt hauptsächlich das Plancton zusammen.
4. Verzeichniss der im Teufelssee beobachteten Arten.
Arcella vulgaris. Eurycercus lamellatus О. F. Müll.
Acroperus leucocephalus Koch.
Difflugia pyriformis Perty. Alonopsis elongata Sars.
acuminata Ehbg. Pleuroxus excisus Fisch.
globulosa Duj. Pleuroxus truncatus O. F. Müll.
Polyphemus pediculus De Geer.
Euspongilla lacustris L.
;ypria ophthalmica Jur.
Holopedium eibberum Zadd. ЈусІосургіѕ laevis О. Е. Müll.
Daphnia longispina var. ventricosa Hell.
Ceriodaphnia pulchella Sars. Cyclops strenuus Fisch.
Bosmina bohemica Hell. Cyclops fuscus Jur.
bt
Cyelops serrulatus Fisch. Chaetopteryx villosa.
Glaenocorisa cavifrons.
Diplodontus fuscatus Thon. Notonecta glauca.
Arrhenurus virens Neum. Gyrinus natator.
Perla (Larve). Salmo trutta.
Chironomus (Larve). Rana temporaria.
Phryganea striata. Triton alpestris.
Vergleich der untersuchten zwei Bóhmerwaldseen mit anderen Seen
Bühmens und mit den hochgelegenen Gebirgsseen überhaupt.
I. Vergleich der Bóhmerwaldseen mit einander und mit den Riesen-
gebirgsseen.
Ausser den zwei untersuchten Seen, nämlich dem Schwarzen See und dem
Teufelssee ist im Böhmerwalde als Gebirgssee nur noch der Plöckersteinersee an-
zusehen, der alle Eigenschaften des Gebirgssees trägt. Der schon in Bayern ge-
legene Arbersee weist eine üppige ausgedehnte Wasserflora auf, so dass auch die
Fauna einen vorwiegend litoralen Charakter trägt.
Die Fauna dieser Seen ist durch zwei Formen charakterisirt, die allen ge-
meinsam sind. Es ist Daphnia longispina var. ventricosa (Schwarzer See und
Teufelssee), und var. caudata (Plöckensteiner und Arber-See) und Diaptomus
denticornis.
Im Plöckensteiner See kommt ausserdem auch Heterocope saliens vor. Der
Schwarze See und der Teufelssee sind ausserdem durch das Holopedium gibberum
charakterisirt, das aber auch in einigen grösseren Teichen von Südbóhmen ge-
funden wurde.
| | Schwarzer Plöcken- |
| "an. | Teufelssee | Arber S. AES |
| Bee "i steiner 8. |
| |
" А | |
Holopedium gibberum . . . .| | bc
|
Polyphemus oculus . . . . .| J- Е | | |
Daphnia ventricosa .
Daphma Caudata с ү y PS |
}
Diaptomus denticornis . . . . + 4 F
Heterocope salienS .. . . . .| + | Fr
|
Ausser den Bóhmerwaldseen gibt es in Böhmen nur noch zwei Gebirgsseen,
die beiden Koppenteiche im Riesengebirge. Diese wurden schon zweimal vou Dr.
Otto Zacharias eingehend untersucht.
69
Die beiden Seen sind fast um 200 M. höher als die Böhmerwaldseen gelegen.
(Schwarzer See 1008 M., Teufelssee 1039 M., kleiner Koppenteich 1168 M., grosser
Koppenteich 1218 M. o. M.)
Die Böhmerwaldseen sind bedeutend grösser. Das Ausmaass des kleinen
Koppenteiches beträgt 2'9 Ha., des grossen Koppenteiches 6'5 Ha., des Teufelssees
10:87 Ha., des Schwarzen Sees 18:46 Ha.
Die Tiefe der beiden letztgenannten Seen ist ebenfalls bedeutender. Die grósste
Tiefe des kleinen Koppenteiches beträgt 6'5 M., des grossen 25 M., des Teufelssees
35 M. und des Schwarzen Sees 40 M.
Es sei noch bemerkt, dass das Decken aller der genannten Seen im Urgebirgs-
massiv eingebettet ist.
Interessant ist die Thatsache, dass der grosse Koppenteich und der Schwarze
See den Strudelwurm Monotus lacustris und das Brachsenkraut (Isoetes lacustris)
bewirthet, die beide in Böhmen nur in diesen zwei Seen vorkommen.
Das Holopedium gibberum fehlt aber in den Riesengebirgsseen. Aus dem
faunistischen Verzeichnisse der beiden Koppenteiche ist ersichtlich, dass viele Rhizo-
poden, Strudelwürmer, Räderthierchen, Cladoceren, dann die Forelle und der Alpen-
moleh den Bóhmerwaldseen gemeinsam sind.
Unser Verzeichnis der im Schwarzen See beobachteten Arten weist 83 Arten,
das von Dr. Zacharias*) aus dem grossen Koppenteiche 36 Arten auf. Dieser Unter-
schied ist wohl der Hilfe, die uns die übertragbare zoologische Station geboten
hat, zuzuschreiben.
Folgende Arten kommen sowohl im Schwarzen See im Böhmerwalde, als im
grossen Koppenteiche im Riesengebirge vor:
Difflugia pyriformis Monostyla lunaris
Difflugia' globulos: Daphnia longispina
Euglypta ciliata Alona affinis
Oyphoderia margaritacea Aeroperus leucocephalus
Vorticella sp. auf Cyclops Chydorus sphaericus
Stenostoma leucops Polyphemus oculus
Monotus lacustris Cyclops strenuus
Dorylaimus stagnalis Trutta fario
Rotifer vulgaris (macrurus im Schwarz. See) Triton alpestris
*) Dr. О. Zacharias und E. Lemmermann, Ergebnisse einer biologischen Excursion an die
Hochseen und Moorgewässer des Riesengebirges. Berlin 1896.
10
II. Vergleich der Bóhmerwaldseen mit anderen hochgelegenen
Gebirgsseen.
Am nächsten liegt uns der Vergleich mit den Tafraseem, deren Fauna durch
Wierzejski”) und Daday **) bekannt wurde.
Die Tatraseen sind ähnlich wie die Böhmerwaldseen durch das Vorkommen
von Holopedium gibberum, Polyphemus oculus, Diaptomus denticornis und Hetero-
cope saliens charakterisirt. Es ist fast die südliche Grenze von Holopedium, da
es in den Alpenseen nicht mehr zum Vorschein kommt.
Fauna der Alpenseen ist von Imhof und Zschocke "71 zusammengestellt.
Das Resultat dieser Forschungen zeigt, dass wir in hochgelegenen Gebirgsseen
eine überraschend kosmopolitische Fauna nebst nordisch-alpinen Formen antreffen.
Eine ziemliche Reihe von den Kosmopoliten treffen wir ebenfalls in den
Böhmerwaldseen. Es ist unter anderen Difflugia pyriformis, Dorylaimus stagnalis,
Daphnia longispina, Alona affinis, Pleuroxus excisus, Acroperus leucocephalus, Chy-
dorus sphaericus, Cyclocypris laevis, Cypria ophthalmica, )ус1орв strenuus, Cyclops
serrulatus, die sowohl in den Alpenseen, als auch im Flachlande wiederkommen.
Überraschend ist, wenn wir das Verzeichnis der Thierwelt der Seen des
Felsengebirges in Nordamerika betrachten, und nebst alten Bekannten aus unseren
Seen auch Holopedium und Polyphemus wiederfinden, Forbes +) führt folgende
Arten an:
Difflugia globulosa Burycercus lamellatus
Hydra fusca Simocephalus vetulus
Cyelops serrulatus Acroperus leucocephalus
Daphnia pulex Chydorus sphaericus
Sida crystallina Holopedium gibberum
Scapholeberis mucronata Polyphemus pediculus
Es ist ersichtlich, dass die Bóhmerwaldseen eine Fauna beherbergen, die am
meisten den Tatra-Seen ähnlich ist.
Zum Schlusse sei noch hervorgehoben, dass, wie wir es bei Schilderung der
Fauna der untersuchten Böhmerwaldseen besprochen haben, die Fauna der Seen
nicht gänzlich constant ist, sondern im Laufe der Jahre sich in Folge üusserer
Verhältnisse ändert, indem einige Formen, die einst sogar den Hauptbestandtheil
der Fauna zusammensetzten, verschwinden können, manchmal wieder neue erscheinen.
*) Dr. A. Wierzejski. Przegląd fauny skorupiaków galicyjskich. (Sprawozdanie komisyi
fizyograf. Akad. Um. w Krakowie. T. XXXI. 1895.)
**) Daday Beiträge zur Kenntniss der Microfauna der Tatraseen. (Term, Füs. XX.) 1897.
***) Zechocke F., Die Fauna hochgelegener Gebirgsseen. (Verh. d. Naturf. Ges. in Basel
Bd. XI. Heft 1.)
T) Forbes 8. A. A preliminary report on the aquatic invertebrate fauna of the Yellowston
National Park, Wyoming and of the Flathead Region of Montana. (Bull. of the U. S. Fish
Comm. for 1891. Wah. 1893.)
11
Durch unsere Arbeiten erscheint die Aufgabe der Untersuchung der beiden
Böhmerwaldseen nicht definitiv gelöst, was die Folge der schwierigen Verhältnisse
ist, mit denen wir zu kämpfen hatten, und spätere Forschungen werden hoffentlich
das entworfene Bild ergänzen.
Literaturverzeichnis.
Indem wir auf die neueren Literaturverzeichnisse bei Zschocke (35) und
Apstein (36) verweisen, führen wir hier nur einige der für unsere Arbeit wichtigen
Schriften an.
1 1871 Frič A. Über die Fauna der Bóhmerwaldseen (Sitzungsber. |
d. К. bóhm. Akad. d. Wiss. 1871 Prag). |
2 1872 Frič Dr. Ant. Die Krustenthiere Böhmens. (Arch. f. Lan-
desdurchf. v. Böhmen. II. Bd. IV. Abth.)
3 1813 Frič Dr. A. Über die Crustaceenfauna der Wittingauer Teiche
und über weitere Untersuchungen der Böhmerwaldseen.
(Sitzungsber. der k. böhm. Akad. d. Wiss. 1873 Prag.)
4 1877 Hellich B. Die Cladoceren Bóhmens. (Arch. f. nat. Landes-
durchf. v. Bóhmen.) Bd. ТП. IV. Abthlg.
5 1882 Taránek R. Monographie der Nebelliden Böhmens. Mit 5
Tafeln. (Abh. d. kónigl. bóhm. Ges. d. Wiss. VI. Folge
11. Band Nr. 8.)
6 1882 Wierzejski Dr. A. Materiały do fauny jezior tatraüskich.
Spraw. kom. fyz. t. XVI. |
1 1884. Vejdovskó F. System und Morphologie der Oligochaeten.
Prag.
8 1885 Bayberger Fr. Geographisch-geologische Studien aus dem
Böhmerwalde. (Petermann’s Mittheilungen Ergänzungs-
heft Nr. 81.)
9 1885 Imhof О, E. Studien über die Fauna hochalpiner Seen, ins-
besondere des Kantons Graubünden. (Jahresb. d. nat.
Ges. Graubünden. Jahrg. XXX.
10 1887 Imhof О, E. Über die mikroskopische Thierwelt hochalpiner
Seen. (Zool. Anz. X.) |
11 1887 Penck, Böhm u. Rodler. Bericht über eine gemeinsame Ex-
cursion in den Böhmerwald. (Zeitschrift d. deutsch. geo-
logischen Ges. 1887). |
12 1887 Zacharias Dr. O. Zur Kenntnis der pelagischen und lito- |
ralen Fauna norddeutscher Seen. (Zeitschrift f. wiss.
Zoologie. Band XLV. 2.)
13 1888 Imhof E. О. Die Vertheilung der pelagischen Fauna in den
Süsswasserbecken. (Zool. Anz. ХІ.)
ER
1890
1890
1891
1891
1891
1891
1892
1892
1893
1893
1894
1894
1894
1894
1895
1895
Imhof E. О. Das Cladocerengenus Bosmina. Zool. Anz. XIII.
1890
Selögo. Hydrobiologische Untersuchungen. 1. Zur Kenntnis
der Lebensverhältnisse in einigen Westpreussischen Seen.
Schr. d. Naturf.-Ges. zu Danzig. N. Е. Bot. 7. Heft. 8.
Richter E. Die Temperaturverhültnisse der Alpenseen. Ver-
handlung d. 9. deutseh. Geographentages in Wien 1391)
Vávra Dr. V. Monographie der Ostraeoden Böhmens. (Archiv
f. Landesdurchf. v. Bóhmen. VIII. Band Nr. 3.)
Zacharias Dr. O. Die Thier- und Pflanzenwelt des Süss-
wassers. II Bände. Leipzig.
Zschocke Dr. F. Weiterer Beitrag zur Kenntnis der Fauna
der Gebirgsseen. Zool. Anz. Nr. 860 u. 361.
Kafka F. Untersuchungen der Fauna der Gewässer Böhmens.
II. Fauna der böhm. Teiche. (Archiv f. Landesdurchf.
v. Bóhmen. VIII. Dand Nr. 2.)
Juerne J. de et Richard J. Sur la faune pélagique de quel-
ques lacs des Hautes-Pyrénées. (Assoc. fr. pour Pavane.
des sciences Congrés de Pau).
Forbes S. A. A preliminary report on the aquatie inverte-
brate fauna of the Yellowstone National Park, Wyoming
and of the flathead Region of Montana. (Dull. of the
U. S. Fish. Com. Washington).
Klapalek Е. Untersuchungen über die Fauna der Gewässer
Bóhmens. I. Metamorphose der Trichopteren. I. Serie.
(Archiv f. Landesdurchf. v. Böhmen).
I. Serie VI. Bd. Nro 5.
Il. Serie, VIII. Bd. Nr. 6.
Mrázek Al. Beitrag zur Kenntnis der Harpacticidenfauna des
Süsswassers. (Zool. Jahrb. v. Spengel. VII. Band.
Imhof E. О. Das Flagella'engenus Dinobryon. (Zool. Anz.
XVII. 1894).
Stingelin Th. Zwei neue Daphniden aus dem schweizer. Hoch-
gebirge. (Zool Anz. Bd. XVII).
Frič Dr. A. und Vávra Dr. A. Untersuchungen über die
Fauna der Gewässer Bóhmens. IV. Die Thierwelt des
Unterpoéernitzer und Gatterschlager Teiches als Resultat
der Arbeiten an der übertragbaren zoologischen Station.
(Archiv f. Landesdurchf. v. Böhmen. IX. Bd. Nr. 2.)
Zschocke F. Die Thierwelt der Juraseen. (Revue suisse de
zoologie. Тош. II. Livr. 2.)
Hartwig W. Die Krebsthiere der Provinz Brandenburg. (Nà-
turwiss. Wochenschrift. X. Band Nr. 43.)
Kofoid C. A. A report upon the Protozoa observed in lake
Michigan and the inland lakes in the neighborhood of
De
43
1895
1895
1895
1895
1895
1896
1896
1896
1896
1896
1896
1897
1897
1897
1897
1897
1897
„лї
Charleroix, during the summer of 1894. Bull. Michig.
Fish Comm. Nr. 6.
Stenroos R. E. Die Cladoceren der Umgebung von Helsing-
fors. (Acta Soc. Fauna. Faunica. XI. Nr. 2.)
Stingelin Th. Die Cladoceren der Umgebung von Basel.
(Revue Suisse de Zoologie. Bd. III.)
Wierzejski Dr. A. Przeglad fauny skorupiaków galicyjskich
(Sprawozdanie komysii fyz. Akad. Um. Kraków. T. XXXI.
Zacharias Dr. O. Über den Unterschied in den Aufgaben
wandernder und stabiler Süsswasserstationen. (Biolog.
Centralblatt. Bd. XV. Nr. 9.)
Zschocke 17. Die Fauna hochgelegener Gebirgsseen. (Verh.
d. naturf. Ges. in Basel. Bd. XI. Heft І.)
Apstein Dr. C. Das Süsswasserplankton. Methode und Re-
sultate der quantitativen Untersuchung. Kiel.
Illinois State Laboratory of Natural History. — Biennial
Report of the State Laboratory and special report of
the University Biological Experiment Station.
Richard J. Revision des Cladocéres Paris 1896.
Ward Н. B. А biological examination of lake Michigan in
the traverse Bay region. Bull. of the Michigan Fish
Comm. Nr. 6.
Zacharias Dr. O. Quantitative Untersuchungen über das
Limnoplankton. Berlin.
Zacharias Dr. О, u. Lemmermann E. Ergebnisse einer bio-
logischen Excursion an die Hochseen und Moorgewüsser
des Riesengebirges. Derlin.
Daday Dr. Eug. v. Beiträge zur Kenntniss der Microfauna
der Tatra-Seen. (Termeszetrajzi Füzetek. Vol. XX.)
Fritsch Anton MD. Fresh-Water biological Stations: Europes
Example. „Nat. Science". Vol. X. Nr. 61.
Kofoid C. A. Plankton Studies. Methods and apparatus in
use in plankton investigations of the biological expe-
riment Station of the University at Illinois, Bull. of
the" Hi, St. tab: of Nat; Hist Uro, Il Vol Vo REUS.
Scourfield D. J. Wanted, a British fresh-water Biological
Station. ,Nat. Sc.^ Vol. V. Nr. 59.
Wagner Dr. P., Die Seen des Bóhmerwaldes. Eine geo-
logisch-geographische Studie, zugleich ein Beitrag zur
Lösung des Karproblems. Leipzig.
Vesmír. Im Jahre 1897 wurde eine Reihe von Abhandlungen
über die Böhmerwaldseen veröffentlicht.
Inhalt.
UR ua We o» wy dU V ACNRL. (e EHE UA EUR ICE a) sd
Transport und Aufstellung der Hidgenden Station und Auszug aus dem Tagebuche . . .
Die Flora des Schwarzen Sees und des Teufelssees und ihrer Umgebung. Von Karl Polák
r
TER GER S cote da
Die Fauna der Umgebung des Schwarzen Sees und des
Chemische Zusammensetzung des Wassers aus dem Schwarzen See. Von Dr. J. Hannamann
Chemische Zusammensetzung des Wassers aus dem Teufelssee . . . . PN ETAPAS
A. Der Sehwarze See.
Lage, Grösse, Zuflüsse und die Entstehung des Schwarzen Sees . dieu EO D
Die Tiefenmessungen . . . ql ‚ ec ME QUESTI RNC кух
Temperatur, Farbe und Derchkichiigkeit: dos Schwarzen Вер «т
Algen des Schwarzen Sees. Von Prof. Dr. A. Hansgirg
Diatomeen des Schwarzen Sees. Von ern VOLU RENTEN NR IRRE EIN. ST M
Fauna des Schwarzen Sees.
Pelagische Fauna . . .. T nin ACT CU d EN A du Ew Meist
2. Ufer- und Bodenfauna . . . " T bi A
3. Verzeichniss der im RE Seo AIR ӨП Sue een
B. Der Teufelssee.
Lage, Grösse, Zuflüsse und Entstehung des Sees . . e . «een on ng.
Die Tiefonmessungen ne E бу» А At Ue ALI N MUN е
Temperatur, Farbe und Därchsiehtigkeit: ge. Wahsers des Teufelssees . . ..
Fauna des Teufelssees.
Pelagische Paund siens e s E e УЛЫ?
2. Ufer- und Grundfauna Sen T O DET Ra EE
3. Bemerkungen zu den im Teufelssee gefundenen Arten . . . . . . ..
4. Verzeichniss der im Teufelssee beobachteten Arten. . . e ue
Vergleich der untersuchten zwei Bóhmerwaldseen mit anderen Seen Bóhmens und mit den
See Ell Er e E e ct
AE eich der Bóhmerwaldseen mit einander und mit den Riesengebirgsseen
g H
. Vergleich der Böhmerwaldseen mit anderen hochgelegenen Gebirgsseen .
g
Literaturverzeichniss . . d е ў ылу jS FONTANA О RR ЛУ a
A
—офо—
14
28
24
28
31
88
85
36
39
42
49
62
63
66
ZWEITER BAND.
Zweiter Theil.
II. Botanische Abtheilung. Dieselbe enthält: :
Prodromus der Flora von Bóhmen von Prof. Dr. Ladislav Celakovsky (II. Theil
(Veraritten.) Drelsu oe ere tueur PS EEN EE fi. 2:60
IV. Zoologische Abtheilung. Dieselbe enthàlt :
a) Prof. Dr. Ant. Frié: Die Wirbelthiere Bóhmens.
Du Ы " j һ Die Flussfischerei in Bóhmen.
LA NUS " o e Die Krustenthiere Bóhmens Preis. . ...-.- fl. 3:—
V. Chemische Abtheilung.
Prof. Dr. Em. Воѓіску: Über die Verbreitung des Kali und der Phosphorsäure
in den Gesteinen Bóhmens. Preis . .. es ee ы Ue u OD Ab.
Preis dor ganzen zweiten Hälfte des zweiten Bandes (IIL, IV. u. V. Abth. zusammen) geb. fl. 5'—
DRITTER BAND.
I. Topographische Abtheilung.
Verzeichniss der in den J. 1877—1879 vom К. К. mil.-geogr. Institut trigonometrisch
bestimmten Höhen von Böhmen herausgegeben von Prof Dr. Karl Коїіѕёка und
Major R. Daublebsky von Sterneck EUIS i CAD UH areis b UU
II. Geologische Abtheilung.
I. Heft. Petrographische Studien an den Phonolithgesteinen Böhmens von
Prof DA Eiu Donio Eon Prane (oos INR a ea ee fl. 1:—
Il. Heft. Petrographische Studien an den Melaphyrgesteinen Böhmens von
Pro: Dy BINOS DREI en ee ск» н lore
UI. Heft. Die Geologie des böhmischen Erzgebirges (1. Theil) von Prof. Dk
@ їй АӨ qu UO HA LI FIC S DAC Sets Hd e SUE UON UR бүз ле к а. 2—
ПІ. Botanische Abtheilung. і
Prodromus der Flora von Bóhmen von Prof. Dr. Ladislav Gelakovsky. (IH. Theil
Schluss.) Preis. ah ( Ыз oso АШ bU
IV. Zoologische Abtheilung.
L Heft. Die Myriopoden Böhmens von F. V. Rosicky. IOS еро тИ 60 kr.
Il. Heft. Die Cladoceren Bóhmens von Bohuslav Hellich. Preise oe отт
V. Chemisch-petrologische Abtheilung.
Elemente einer neuen chemisch-mikroskopischen Mineral- un d Gesteinsanalyse
von Pron Dr. ОСУ КИШ We xen nea ror ius tes VOTATO,
VIE PDRP BAND.
No. 1. Studien im Gebiete der böhmischen Kreideformation. Die Weisses
berger und Malnitzer Schichten von Dr Anton Fri. Preis. .- d fi. 3° —
No. 2. Erläu terungen zur geologischen Karte der Umgebungen von Prag von
| J. Krejéí und R. Helmhacker ARE CARET E OREA ug "t as. fl. 4:50
No. 3. Prodromus der Flora von Böhmen von Prof. Dr. Ladislav Celakovsky.
(IV. Theil) Nachträge bis 1880. Verzeichniss und Register . . . PM “Л. 240
No. 4, Petrologische Studien an den Porphyrgesteinen Bóhmens von Prof. Dr.
Em. Boricky und Jos. Klvana ee Ee SE EN NAU
No. 5. Flora des Flussgebietes der Cidlina un d Mrdlina von Prof. Ed. Pospích al
fl. 1:—
No. 6, Der Hangendflötzzug im Schlan-Rakonitzer Steinkohlenbecken von Carl
АИА UV TA er EE EE EE .1l. 2—
FÜNFTER BAND.
No. 1, Erläuterungen zur geologischen Karte des Eisengebirges (Zelezné hory)
und der angrenzenden Gegenden im östlichen Böhmen von J. Krejéí un d
R. Helmhacker D , UA i dp rut RO ту жы бү Seno еее
No. 2. Studien im Gebiete der bóhmischen Kreideformation. III. Die Iser-
schichten. Von Dr. Anton Frič. ` Mi omm
No. 3, Die mittelbóhm. Steinkohlenablagerung von Carl Feistmantel . “ШО
No, 4, Die Lebermoose (Musci Hepatic Böhmens von Prof. Jos. Dédeéek. fl. 1'—
No. 5, Orographisch - geotektonische Übersicht des silurischen Gebietes im
mittleren Böhmen. Von Johann Krejčí ШЧ Karl Bolstmantel. i =- W А
No. 6. Prodromus der Algenflora von Böhmen. I. Th. Von Dr. A. Hensgirg. Н. 1:40
SS E CH St PP BAND.
No. 1. Über die Torfmoore Bóhmens in naturwissenschaftlicher und national-
No. 9
No.
No.
No.
No.
3
4.
ökonomischer Beziehung mit Berücksichtigung der Moore der Nachbar-
länder. Von Dr. Fr. Sitensky. I. Abth. Naturwissenschaftlicher Theil . . .fl.. 2:80
Die Süsswasserbryozoen’Böhmens. Von Josef Kafka. . ``... H." 190
Grundzüge einer Hyétographie des Königreiches Böhmen. Von Dr. F. J.
SPEI OLI QIMA о, % A Aa Dae cao RI EE VERIS PPS ТАЛ
Geologie des böhmischen Erzgebirges. II. Theil. Von Dr. Gustav C. Laube.
fl. 12:50
5. Untersuchungen über die Fauna der Gewässer Böhmens. І. Metamorphose
6
der Trichopteren. L Serie. Von Fr. Klapálek A е cao b vU
.Prodromus der Algenflora von Bóhmen. I. Th. Forts. Von Prof. Dr. Anton
Hansgirg Ек ти H. 8—
© 1 E ЕРЕ N DER BAND.
Die Flechten der Umgebung von Deutschbrod von Jos. Novák. , fl 1.—
Studien im Gebiete der bóhmischen Kreideformation. IV. Die Teplitzer.
sonrehton "won Bron Dre Ant ERO. US f Eu. | SE s . fl. 8—
Über die chemische Zusammensetzung verschiedener Ackererden und
Gesteine Bóhmen's und über ihren agronomischen Werth. Von Dr. Jos.
ШӨ ШЕШ ӨТ e cot, BON AU oco Ww, MX ACE у Na ur EA NV Ee
Die tertiären Land- und Süsswasser-Conchylien des nordw. Böhmen von
dal o u Ee QR RO s eR LR UE RSEN Eos ERA S PA E DEn
Die Myxomyceten Bóhmens von Dr. Lad. Celakovsky (Sohn). . . . .fl. 1:90
Geologische Karte von Bóhmen. Section VI. Entworfen von Prof. Joh Krejét.
Mit Belauterung von КОДАШ A. EIOS Preis 20 u... ier iq ens Ds o) MOTA
ACHTER BAND.
Übersicht der Thä tigkeit der nature, Landesdurchforschung v. J. 1864
bis 1890 von Prof. Dr. K. Kofistka Muer Bee E EN eg , fl. —:30
Untersuchungen der Fauna d. böhm. Gewässer. I. Fauna d. bóhm. Teiche
ТООСУ КН А Ee s a a Scu re a EE TE
3. Monographie der Ostracoden Bóhmens. Von Wenzel Vávra . . ..fl. 260
Prodromus der Algenflora von Bóhmen. Zweiter Theil. Von Prof. Dr. Anton
Hansgirg daba Ln Pase n Sla I MM SS M к А P eaa T ibi M Rabe E
. Recente und fossile Nagethiere Bóhmens. Verfasst von Josef Kafka. 1l.
Untersuchungen über die Fauna der Gewässer Bóhmens. I Metamorphose
der Dnchopreren He Serie: Von Prot, Bav de pls u. И 1:80
DN ES. UNTER BAN ГУ,
Studien im Gebiete der bóhmischen Kreideformation. V. Priesener
SICH chen. уоп, DIA КО К QUE LU SU t c Rt diy cd „Я. 19:25
Untersuchungen über dieFaunader Gewässer Böhmens. IV. Die Thierwelt
des Unterpoéernitzer und Gatterschlager Teiches als Resultat der Ar-
beiten an der übertragbaren zoologischen Station. Verfasst von Prof. Dr.
Dro ABOUT e dro qo E ETC
Das Moldauthal zwischen Prag und K ralup. Eine petrograph. Studie von Josef
ghet ul heilen A ИЙ Т еа AE A GE
- Die chemische Beschaffenheit der fliessenden Gewässer Bóhmens. I. Theil.
Hydrochemie des Egerflusses. Von Dr. Jos Hanamann .. ..f 150
Geologische Karte von Böhmen. Section III. Entworfen von Prof. Dr. Ant. Frič
IDEE o DS UM ОША USB уул EE .fl. 2/50
ZEHNTENR BAND.
Geologische Karte von Böhmen. Section IL. Entworfen von Prof. Dr, Amt КҮШ
EE dU EDO LUC ds e i iD Ое » fl;
Das ostböhmische Miocän von V. J. Procházka Wa P tare oH Le Т
Untersuchungen über die Fauna der Gewässer Bóhmens. III. Untersuchung
zweier Böhmerwaldseen, des Schwarzen und des Teufelssees, Durchgeführt auf der über-
tragbaren zoologischen Station. Von Prof. Dr. Ant. Frič und Dr. V. Vávra . f. 250
Druck von Dr, Ed. Grégr in Prag 1897 — Selbstverlag.
WHITNEY LIBRARY,
MUS. COMP, ZOOL.
STUDEN
im Gebiete der
BÜHNISCHEN KREIDEPORMATIUN
Palaeontologische Untersuchungen der einzelnen Schichten.
VI
Die Chlomeker Schichten,
VON
Prof. Dr. ANT. FRIČ.
Mit vielen Textfiguren.
ARCHIV DER NATURWISSENSCHAFTL. LANDESDURCHFORSCHUNG
VON BÖHMEN
(Band X. Nro. 4. Geolog. Abtheilung.)
egg
PRA 6G.
In Commission bei ER. ИТҮ АО. j
"1897
DAS ARKCHEFY
für die
naturwissenschaftliche Landesdurchforschung von Böhmen
I. bis V. Band: Redaktion von Prof. Dr. K. Kořistka und Prof. J. Krejčí,
VI. Band u. s. w.: Redaktion von Prof. Dr. К. Kofistka und Prof. Dr. A. Erig,
enthäit folgende Arbeiten :
ERSTER BAND.
I. Die Arbeiten der topographischen Abtheilung und zwar:
a Das Terrain und die Höhenverhältnisse des Mittelgebirges und des
Sandsteingebirges im nördlichen Böhmen von Prof. Dr. Karl Kořistka.
b) Erste Serie gemessener Höhenpunkte in Böhmen (Sect.-Blatt IL) von Prof.
DI. ОЕА;
c) Hóhenschichtenkarte, Section IL, von Prof. Dr. Kofistka. Preis fl. Ar
Preis der Karte app. . e er fl. 1:60
IL Die Arbeiten der geologischen Abtheilung. Dieselbe enthält:
a) Vorbemerkungen oder allgemeine geologische Verhältnisse des »örd-
lichen Böhmen von Prof. Johann Kreti.
à) Studien im Gebiete der böhm. Kreideformation von Prof. J. Kreióf.
c) Palàontologische Untersuchungen der einzelnen Schichten der bóhm.
Kreideformation u.s. үу. von Dr. Anton Fric,
d) DieSteinkohlenbecken von Radnic, vom Hüttenmeister KarlFeistmantel.
Preis I А, MP AS NM Tr mE OU een)
III. Die Arbeiten der botanischen A th«ilung. Dieselbe enthält: |
Prodromus der Flora von Bóhmen von Dr. Ladislav Celakovsky. (I. Theil.)
СУТО ORDER o du E E e e "un eR A Bis
IV. Zoologische Abtheilung. Dieselbe enthält:
a) Verzeichniss der Käfer Bóhmens vom Conservator Em. Lokaj. i
L) Monographie der Land- und Süsswassermollusken Böhmens vom Ass
stenten Alfred Slavik.
c) Verzeichniss der Spinnen des nördlichen Böhmen vom Real-Lehrer
Jost n POT oe АО s ON o FI CV qr S Kon uc HS PV Le ИН
V. Chemische Abtheilung. Dieselbe enthält:
Analytische Untersuchungen von Prof. Dr. Hoffmann. Preis. . ... 25 kr
Preis dos ganzen. Io Bandes (АИД. sv.) geb, un ee, Де БЕ
ГУ BEITER BAND.
Erster Theil.
I. Die Arbeiten der topographischen Abtheilung und zwar:
a) Das Terrain und die Höhenverhältnisse des Iser- und des Riesen-
gebirges und seiner südlichen und óstlichen Vorlagen von Prof. Dr. Kar
Koristka.
b) Zweite Serie gemessener Höhenpunkte in Böhmen (Sect.-Blatt IIL) von Prof.
Dr. Koristka.
с) Höhenschichtenkarte, Section IIL, von Prof. Dr. Kořistka: ў
d) Höhenschichtenkarte des Riesengebirges von Prof. Dr. Kořistka Preis
dieser Abtheilung ч z í jobs DN >
II. Die Arbeiten der geologischen Abtheilung. I. Theil enthält:
a) Prof. Dr. Ant. Frič: Fauna der Steinkohlenformation Böhmens,
5) Karl Feistmantel: Die Steinkohlenbecken bei Klein-Prilep, Lísek, 51160,
Holoubkow, Mireschau und Letkow.
c) Jos. Väla und R. Helmhacker: Das Eisensteinvorkommen in der Gegend
von Prag und Beraun.
d) R. Helmhacker: Geognostische Beschreibung eines Theiles der Gegend
zwischen Beneschau und der Säzava. Preis ...... ў ДО
П. Theil enthält:
Dr. Em. Воїіску: Petrographische Studien an den Basaltgesteinen Böhmen®
Preis AP ALT e Der aae UM, cie a MR а CA Re ao. ZU ae
Preis der ganzen ersten Hälfte des zweiten Bandes (I. und II. Abtheilung zusammen) geb. fl. 10'—
E
im Gebiete der
BÖHMISCHEN KREIDEFORMATION.
Palasontologische Untersuehungen der einzelnen Schichten.
YT
Die Chlomelker Schichten.
Von
Prof. Dr. ANT. FRIC.
Mit vielen Textfiguren.
(Archiv der naburwissenschaftlichen Landesdurchforschung von Böhmen.)
(Band X. Nro. 4. Geolog. Abtheilung.)
PRAG.
DRUCK VON Dr. EDV. GRÉGR. — KOMMISSIONS-VERLAG VON FR. RIVNÁC.
1897.
VORWORT.
Mit der vorliegenden Abhandlung über die jüngsten Schichten unserer
Kreideformation beschliesse ich die Reihe der Studien, die ich im Jahre 1864 an-
Sefangen und im Jahre 1869 zu veröffentlichen begonnen habe.
Es sind dies die von uns als Chlomeker Schichten bezeichneten
Sandsteine, welche den Priesener Schichten aufgelagert sind. Wir wählten diese
Bezeichnung aus dem Grunde, weil auf der Localität Chlomek bei Jungbunzlau
Zuerst ein zur Beurtheilung des palaeontologischen Charakters hinreichendes Ma-
teria] aufgefunden wurde. Bevor dies geschah, wurden diese Schichten von Prof.
Krejčí als Grossskaler Sandstein bezeichnet. Es sind dies Schichten, die meist als
Ueberquader bezeichnet wurden und die in Bezug auf die Fauna den Schichten
von Kieslingswalde aequivalent sind.
Der einzige Fundort, welcher Geinitz und Reuss Material lieferte, war
Kr eibitz, doch fehlten dort eben die für diesen Horizont bezeichnenden Arten,
Weil daselbst nur die tiefsten Lagen der Chlomeker Schichten entwickelt sind.
Die mangelhafte Erhaltung der Versteinerungen, die mit wenig Ausnahmen nur als
Steinkerne vorliegen, erschwerte sehr die genaue Bestimmung und oft musste zur
Anfertigung von Gypsabgüssen in die Negative geschritten worden, um wenigstens
eine annähernd richtige Bestimmung zu ermöglichen.
Palaeontologen, welche gewohnt sind mit prachtvoll erhaltenen Exemplaren
aus Frankreich, England, Deutschland und von Mastricht zu arbeiten, sehen freilich
Verüchtlich auf unser Material, aber uns bleibt nichts anderes übrig als es so zu
Verarbeiten, wie es vorliegt, und eine Vervollkommnung unserer Arbeit der Zukunft
zu überlassen.
Wir werden sehen, dass im Bereiche der Chlomeker Schichten mehrere
Petrefacten führende Horizonte vorkommen und auch die Gruppirung der Arten
po dem Umstande variert, ob wir es mit Ablagerung in grósseren Tiefen oder
mit Ufergebilden zu thun haben.
1*
Seit dem Erscheinen der Schriften von Walther ,Bionomie des Meeres“
ist der Werth solcher Arbeiten, wie es die vorliegende ist, ein sehr fraglicher und
deren Durchführung eine ziemlich undankbare Sache, aber die begonnene Schil-
derung der Aufeinanderfolge von palaeontologischen Horizonten unserer Kreide-
formation musste vollendet werden und wird doch späteren Forschungen zur
Basis dienen.
Der Umstand, dass eine Anzahl von Arten Protocardium Hillanum, Car-
dium productum und die Gattungen Acteonella, Nerinea und Keilostoma, die bei
uns in den cenomanen Korytzaner Schichten auftraten, später verschwanden, um
wieder in den Chlomeker Schichten aufzutreten, zeigt, wie sehr viel von den Facies-
verhältnissen in Bezug auf das Erscheinen mancher Arten abhängt.
In Bezug auf die Durchführung des illustrirten kritischen Verzeichnisses
verfolgte ich dieselben Grundsätze wie in den früheren Studien, indem ich mit
Rücksicht auf die einheimischen Freunde der Palaeontologie recht viele Abbil-
dungen gab und in Bezug auf Citate der nicht abgebildeten Arten mich nur auf
die bei uns leicht zugänglichen Schriften beschränkte.
Bei den Gastropoden halfen mir die vorbereitenden Studien über die Ga-
stropoden der böhmischen Kreideformation des Herrn Prof. Weinzettels, aus denen
auch viele Abbildungen mit seiner Einwilligung entlehnt wurden, wofür ich ihm
zum besten Danke verpflichtet bin.
Eine Zusammenfassung der Gesammtresultate meiner Studien über die
böhmische Kreideformation soll Gegenstand der nächsten Studie sein.
Prag, im August 1897.
Dr, 2. ETG,
l. Charakteristik und Gliederung der Chlomeker Schichten.
Die Chlomeker Schichten sind in Form von mächtigen Quadersand-
Steinen entwickelt, die nur an wenigen Orten Petrefacten führen. Sie wurden theils
als oberer Quader theils als Ueberquader bezeichnet, da die wenigen Petrefacten,
die Sie führten, auffallend von denen des unteren cenomanen Quaders (Korytzaner
Schichten) verschieden waren.
Petrefacten dieses Horizontes wurden zuerst von Reuss und zwar von Krei-
bitz angeführt,') aber als aus dem unteren Quader stammend betrachtet, reichten sie
nicht hin das Alter dieser Schichten zu präcisiren; dann wurden von Geinitz ?)
Mehrere Arten erwähnt.
Während man ausserhalb von Böhmen im Glatzischen durch die Arbeit
von Geinitz über Kieslingswalda") über den Reichthum der Fauna belehrt wurde,
blieben wir bei uns in den ersten Jahren der Landesdurchforschungsarbeiten ganz
Im unsicheren über den palaeontologischen Charakter dieser Quader, welche stellen-
Weise auf den Priesener Schichten gelagert erschienen, stellenweise aber direkt
den älteren Quadern der Iserschichten auflagerten, ohne dass zwischen denselben
еше Grenzsehicht erkannt werden konnte. Zu dieser Zeit nannte sie Prof. Krejčí
die Grossskaler Sandsteine. Erst nachdem am Chlomekberge bei Jungbunzlau und
beim Eisenbahnbau am Tannenberge zahlreiche Petrefacten gefunden wurden, er-
kannten wir ihre Ähnlichkeit mit denen von Kieslingswalda.*)
Da uns die Localitit Chlomek zuerst in Böhmen hinreichendes Material
an Petrefacten lieferte, so benannten wir diese Schichten Chlomeker Schichten.
Namentlich war es Cardium Ottoi, welches uns die Gleichältrigkeit mit Kieslings-
Walda erwies,
3 Die Hauptmasse der Chlomeker Schiehten besteht aus Quadersanden, welche
Im Habitus kaum von den Kokofiner Quadern der Iserschichten abweichen, aber
Viel mürber sind und leicht verwittern. Dass nicht alle diese Quaderpartien bereits
Verschwunden sind, hat man den Dasalten zu verdanken, von welchen sie vielfach
durchbrochen sind und wie von Nägeln festgehalten werden. (Vergl. Priesener
Schichten Profil. Nr. 20, 21, pag. 37, 88.)
') Reuss. Verst. z. B. p. l'haladomya caudata II. p. 18.
?) Das Quadersandgebirge, p. 60.
?) Versteinerungen von Kieslingswalda, 1843.
am
*) Archiv für Landesdurchf. I. Band II. p. 167.
ei ni
a. i i get
Fig. 1. Partie der Chlomeker Sandsteine unweit des Marienfelsens in Grossskal (Bad Wartenberg).
1. Feste Schichte mit grossen wagrechten Höhlungen. 2. Schichte mit unregelmässig vertheilten
Höhlungen. 3. Schichte mit kleinen in Reihen gestellten Höhlungen nach Spongien. 4. Oberhalb
des festen Sandsteins liegende Schichte mit zwei regelmässigen Reihen von Höhlungen. 5. Sandstein-
conglomerat mit Reihen von rundem Gerölle und einer weicheren mit Höhlungen versehenen Schichte.
Dasliegende der Chlomeker Quader sind in der Regel die Priesener
Schichten, wie man das deutlich in der Linie zwischen Böhm. Kamnitz und Krei-
bitz, dann bei Dneboh am Fusse des Muskiberges bei Münchengrätz (Priesener
Schichten pag. 39), bei Chlomek und an mehreren anderen Orten beobachten kann.
Oft verdeckt, aber der von den verwitterten Quadern herrührende Sand ganz das
Liegende und nur zahlreiche Quellen und üppige Vegetation verrathen das Vorhan-
densein der fetten Mergel der Priesener Schichten z. B. beim Bad Wartenberg
und bei Sobotka. (Fig. 2.)
Nordóstlich von Turnau bei Zbiroh und Vodérad liegen die Chlomeker
Quader direkt auf den Iserschichten, so dass die Grenzschichte nicht nachweisbar
Fig. 2. Chlomeker Schichten unterhalb des Muskiberges bei Waldek unweit Münchengrätz. Die Basis der Wände ist durch das Verwitterungsprodukt
der Quader in Form losen Sandes verdeckt.
(ш ozr әҷоцәәѕ) AQA `T
(ш err eqoqesg) UIJYIIÇƏIS
-198] OPPIA We ZAYIF IPSJ rr
"7
(ш eez әчоцәәс)
epeggeqpy ur uejqonpg ләЗләдиәѕѕтә M
"(ш етә "Qeeg) ue3qgorgog ıadıoquas
(ш er9 ayoyaag) yueıg сл)
‘(w 009 `Чәә$) (шәзвпәвцәвз(ү) SS19quouuv] сщ];
(ш 6т› IJA
-9eg) пәзцәтцәвләвү '$19qeouqog i1eqog $
(ш 916 equoqeeg) zyuumeyy
'q pun zygpay ur UPPPS
-SI9 AA fsnure1o2O0U[ уш ƏPUYM ISSI, 77
(ш с9с ERGuEER
чәпәвә ү
әрив A, ләеѕѕтт, ләр ossng
Y
)
/
'soS1oqeeugog uayoy
Sep essny we uojq]orqog IIZJIUJEN сү
Laugs)
unioqpeuue uoqoH әта) "Buaguauust pun essi} uayosiwz поцешшоуәрәлу Jap Bunjefi&] дәр (0014 sayas
"(ш TLE әҷоцәәѕ) Hamas ost 410ps1iouuoW jr
`(ш вот әчочәәз) uejqorqosaes ^oeqsienmq (T
ше uo4y9Ly9ag ләпел3 {10у ou?UOUO) ү)
[®ләпәг) пәр gowu pun T Arıpıy
5
Dpuouges 'g 511
a.
o
'VXDSHIOM En astoms
ist. Dies führte uns in den ersten Jahren
der Arbeiten zu der irrigen Ansicht,
dass die Priesener Sehichten an die
Grossskaler Quader bei Wartenberg nur
angelagert und daher jünger seien als
die Quader selbst.
Ein Hangendes der Chlomeker
Schichten giebt es eigentlich nicht,
denn dies sind die jüngsten Ablage-
rungen unserer Kreideformation, welche
dann nur selten mit etwas diluvialem
Lehm oder bloss von der Ackerkrume
bedeckt sind.
Die Lagerung der Quader der
Chlomeker Schichten ist durchwegs ho-
rizontal und auf dem Wege von Tan-
nenberg nach Schönlinde kann man die
wagerechte Anlagerung an das Urge-
birge gut beobachten. Die höchste
Schichte der Sandsteine ist sehr reich
an Pectuneulus Geinitzii, welcher das
letzte Thier der Kreideperiode bei uns
in Bóhmen darstellt.*)
Bezüglich der Lagerung der Chlo-
meker Schichten in ihrem Verhältnisse
zu den älteren Schichten unserer Krei-
deformation dürfte man aus dem in
Fig. 3. gegebenen schematischen Profil
die richtige Anschauung gewinnen. Im
ganzen sieht man, dass vom westlichen
Rande bei Tissa die Schichten alle
mässig nach Osten einfallen. Die ceno-
manen Korytzaner Schichten, die
bei Tissa in einer Seehöhe von 565 m
anstehen, liegen in Tetschen schon nahe
dem Wasserspiegel in 120 m Seehöhe,
wo sie zuweilen mit ihrer charakte-
rischen Versteinerung dem Pecten asper
aufgedeckt werden; nach Osten hin
verschwinden sie ganz.
Die sandigen Facies der Weissen-
berger Schichten mit Inoceramus,
*) Uiber die Lagerungsverhältnisse ver-
handelt Prof. Krejčí im Archiv für Landes-
durchforschung I. B. II. Abth. p. 50, 129, 157.
9
Welche die eigentlichen malerischen Felswände oberhalb Tissa in einer Seehöhe
von 615 m bilden, erheben sich in dem Elbethal bei Tetschen nur noch zur Höhe
von 295 m, um auch nach Osten hin ganz zu verschwinden. (Die Malnitzer Schichten
wies ich am Fusse des Schneeberges nach 530 m.)
Die Iserschichten bilden den Hohen Schneeberg in einer Höhe von
719 m, bilden im Elbethal die höchsten Gipfel der malerischen Sächsischen Schweiz
bis zu einer Höhe von 443 m (Prebischtthor), fallen dann bei Dittersbach stark
nach Osten ein und bei Rennersdorf liegen ihre höchsten Lagen nur noch in 371 m,
um unter den Priesener Schichten zu verschwinden,
Diese grauen feuchten Letten bei Limpach in einer Seehöhe von 400 m
verrathen sich überall durch die üppige Vegetation, durch Binsen, Krautfelder und
reiche Obstbaumzucht. Sie umsäumen die Basis der Chlomeker Schichten, unter
denen sie bei Kreibitz und B. Kamnitz verschwinden. Die darauf liegenden Quader
der Chlomeker Schichten, deren Basis in Kreibitz etwa 352 m beginnt, und am
Dachsenstein 600 m beträgt, haben demnach eine Mächtigkeit von beiläufig
258 m.
Die Petrefactenreichen oberen Schichten im Bahnhofe Tannenberg liegen
etwa 544 m Seehöhe, was desshalb interessant ist, weil die Gosauer Schichten am
Wolfgang-See, die meiner Ansicht nach mit den Chlomeker Schichten gleichaltrig
Sind, fast in derselben Höhe liegen und zwar vom 539 m (Wasserspiegel des Sees)
bis circa 559 m (Hotel Peter).
Das Auftreten der Chlomeker Schichten in Böhmen ist auf den von uns
Publieirten Geol. Karten Section II. und III. unter dem Titel Grossskaler Sand-
Stein angedeutet. Die nördliche Partie liegt nördlich von Böhm. Leipa
und reicht von da bis oberhalb Kreibitz, der Breite nach erstreckt sie sich von
Böhm. Kamnitz bis klein wenig nach Osten von Zwickau.
Die südlichere Partie ist in isolirten Partien östlich vom Iser-
flusso bei Jungbunzlau und Sobotka, dann von der Gegend von Turnau bis gegen
Jičín zerstreut,
Die beiden Partien waren gewiss einmal im Zusammenhang und der da-
Malige Meerbusen reichte viel weiter, als es die noch erhaltenen Sandsteine an-
deuten. Bei Kieslingswalda war einst das östliche Ufer, an dem sich vor dem Zu-
Tückziehen des Kreidemeeres aus Böhmen die mächtigen conglomeratigen Sand-
Steine ablagerten, deren sparsame Reste nun die Hirtensteine darstellen.
Die Verwitterung der senkrechten Flächen der Ohlomeker Quader seht
Sehr regelmässig vor sich, denn es bleiben in ungleichen Abständen horizontale
dünne, feste Schichten stehen und der zwischen ihnen gelegene lockere Sandstein
Wird durch Wind und Regen nur theilweise erodirt, so dass ungleich grosse ovale
Oder unregelmässige Höhlungen entstehen, die durch verschieden starke Säulchen
getrennt werden. (Fig. 4.)
Erinnert man sich, dass das Vorkommen von Höhlungen in den ähnlichen
Quadern der Iserschichten (Isersch. p. 67. 133.) als von Schwämmen herrührend
nachgewiesen wurde, so liegt der Gedanke nahe, dass auch hier organische Pro-
dukte des Meeres die Bildung dieser nun in Reihen stehende Höhlungen vorbe-
reitet haben.
10
Es erscheint wahrscheinlich, dass in gewissen Zeiträumen sich der Boden
des Meeres mit Schwämmen deckte, welche dann von Sand zugedeckt wurden, der
nun die festere nicht verwitternde Lage des Quaders darstellt. (Fig. 4. d)
Fig. 4. Chlomeker Quader mit Reihen von senkrechten Hühlungen nach
Spongien; (а) die durch feste Lagen (d) von einander getrennt sind.
(Bad Wartenberg unweit des Marienfelsens.)
Die Produkte der zerfallenen Chlomeker Quader decken oft als weisser
Sand ausgedehnte Partien und wurden bisher als Diluvialsande aufgefasst, z. В.
bei Tfni$t. Zuweilen werden die Chlomeker Sandsteine auch zu Wohnungen und
Kellerräumen benützt, wie man das z. B. bei Einsiedlerstein (Fig. 5.) wahrnimmt.
Fig. 6. Dünnschliff des Gesteines vom Tannen- Fig. 7. Dünnscbliff des Gesteines von Kreibitz,
berge, 48m. vergróssert."d]Brauner,pflanzlicher ^ vergróssert 48mal. № Quarzkórner, « Kohlen-
Detritus, k Quarzkórner, u Kohlentrümmer, trümmer, g Glauconit.
r rostrothe Körner und Platten.
Fig. 5. Der Einsiedlerstein bei Böhm. Leipa. Isolirte Scholle der Chlomeker Sandsteine, Nach einer Photographie des Herrn Eckert.
Die mikroskopische Untersuchung an Gesteinschliffen war nur an den fei-
neren Petrefactenführenden Schichten möglich und verdanke ich die Anfertigung
der Praeparate dem Herrn Dr. Jar. Perner.
Das eine Turritella füllende gelbliche Gestein vom Та nnenberg (Fig. 6.)
zeigt eckige Quarzkórner in einer braunen wahrscheinlich aus pflanzlichem Detritus
bestehenden Grundmasse, der nur spärliche pechschwarze Kohlentrümmer und ein-
жеше licht rostrothe Körner und Platten beigemischt sind. Kalkspathtrümmer sind
selten und von Foraminiferen keine Spur wahrzunehmen.
Das einen Steinkern von Cucculaea bildende Gestein von Kreibitz
(Fig. 7.) zeigt ein ganz verwaschenes Bild, an dem die Contouen der Quarz- und
Kalkspathkórner undeutlich sind. Glauconitkörner sind gross und deutlich, Kohlen-
trümmer spärlich, von organischen Resten nichts wahrnehmbar.
Das graue Gestein aus einem Ammoniten von Kieslingswalda (Fig. 8.)
zeigt grosse eckige Brocken von Quarz und Kalkspath, dann braune unregelmässige
Trümmer von Pflanzendetritus, rostrothe Kerne (r), Kohlendetritus (и) und Glau-
conit (9). Die grünliche Färbung mancher Gesteinsvarietäten rührt von Anhäufung
des Glauconits her.
Fig. 8. Dünnschliff des grauen Gesteines von Kies- Fig. 9. Dünnschliff des sogen. Eisensteines von
lingswalda, 48mal vergróssert. Æ Quarzkórner, Kieslingswalda, 48mal verer. л Quarzkörner,
b braune Trümmer, u Kohlendetritus, r rostrothe е Kalkspath, r rostrothe Kerne, u Kohlen-
Kerne, e Kalkspath, g Glauconit. detritus, b Pflanzenreste, y Glauconit.
Die festen in Platten auftretenden petrefactenreichen Kalksteine, welche in
Kieslingswalda ihrer Festigkeit wegen „Eisenstein“ (Fig. 9.) genannt werden, zeigen
am Dünnschliffe ein dichtes Gemenge von kleinen unregelmüssigen Quarz- und
Kalkspathkernen in einem braunen Magma eingebettet, das wohl pflanzlichen Ur-
sprungs sein mag, denn man gewahrt (z. B. bei Fig. 9. b) hie und da deutliche
Pflanzenfasern. Rostrothe Kerne, Glauconit und Kohlentrümmer sind auch hier
eingestreut. Foraminiferen fehlen auch hier.
RA
o2
Endlich wurde auch ein Dünnschliff
eines festen grauen Gesteines mit Am.
subtricarinatus aus den Prachover
Felsen bei Jitin angefertigt. (Fig. 10.)
Dieser zeigte meist grosse abgerundete
Quarzkórner und sparsame Kalkspath-
reste in einem braunen Magma ein-
gebettet.
Bei Betrachtung dieser Schliffe ist
es auffallend, dass nicht die geringste
Spur von Foraminiferen und Spongien-
nadeln wahrzunehmen war, die doch
für die übrigen Kreideablagerungen bei Vig. 10. Dünnschliff einer grauen Coneretion aus
uns so bezeichnend. sind. den Prachover Felsen, vergr. 48mal. d Brauner
Detritus, % Quarzkörner, c Kalkspath.
Der palaeontologische Charakter der Chlomeker Schichten.
Die in den Chlomeker Schichten vorkommenden Arten zerfallen in mehrere
Gruppen. Vor allem ist eine nahmhafte Zahl derer, welche durch alle Schichten
unserer Kreideformation entweder schon von den Korytzaner cenomanen oder we-
higstens von den Turonen Weissenberger Schichten angefangen durch alle jüngeren
Schichten hindurchgehen.
Mehrere haben die Chlomeker Schichten mit den Priesener gemeinschaftlich,
Ohne dass sie früher vorgekommen wären und zwar:
Ammonites Tannenbergicus Aporhais n. sp.
Scaphites binodosus Liepodesthes papilionacea
Hamites bohemicus Acteon doliolum
Trochus Engelhardti Cylichna eylindracea
Solarium baculitarum Leda siliqua
Scalaria Philippi Hemiaster regulusanus.
Aporhais arachnoides
Zum erstenmale treten in den Chlomeker Schichten 108 Arten auf, die in
hachfolgendem Verzeichniss aufgezählt sind.
Verzeichniss der Arten, die in den Chlomeker Schichten zum
erstenmale auftraten.
Nautilus sinuatoplicatus, Gein. Hamites Roemeri, Gein.
Ammonites Tannenbergieus, Fr. et Sch. Hamites Denn, Phil.
Hamiteg Striatus, Fr. et Schl. Helicoceras ellipticum, Mant. sp.
Hamites trinodosus, Gein. Baculites incurvatus, Duj.
14
Daculites Gallischi, Fr.
Turritella nodosa, Róm.
Turritella sexlineata, Róm.
Turritella nerinea, Róm.
Turritella iniqueornata, Drescher.
Omphalia ventricosa, Drescher.
Natica acutimargo, Róm.
Natica Geinitzii, D'Orb. sp.
Xenophora onusta, Nils. sp.
Trochus tuberculatocinctus.
Margarita radiatula, Forb. sp.
Keilostoma labiatum, Weinzettl.
ChemnitziaKieslingswaldensis
Weinz.
Aporrhais anserina, Nils.
Aporrhais arachnoides, Müll. sp.
Rapa costata, Röm.
Rapa quadrata, Sow. sp.
Tritonium proserpinae, v. Münst.
Fusus plicatus, Röm.
Cerithium Chlomekense, Weinz.
Cerithium fasciatum, Reuss.
Voluta semiplicata, Münst.
Nerinea cf. Buchi, Zeck.
Acteonella Beyrichii, Drescher.
Avellana Humboldti, Müll.
Avellana sculptilis, Stol.
Ringicula Hagenovi, Müll.
Dentalium laticostatum, Reuss.
Dentalium decussatum, Sow.
Cardium Ottoi, Gein.
Jardium Becksii, J. Müller.
Astarte multistriata, Sow.
Crassatella tricarinata, Róm.
Crassatella Bockschii, Gein.
Cyprina rostrata, Sow.
Cyprimeria Geinitzii, Müll. sp.
Trigonia alaeformis, Park.
Nucula impressa, Sow.
Pectunculus Geinitzii, D’Orb.
Arca tenuistriata, Reuss.
Arca Raulini, D’Orb.
Arca cf. vendinensis, D’Orb.
Mytilus lineatus, Sow.
Mytilus reversus, Gein.
Mytilus Galienei, D'Orb.
Mytilus inornatus, D'Orb.
Solen Guerangeri, D'Orb.
Solen lamellosus, Reuss.
Modiola flagellifera, Forb.
Modiola typica, Forb.
Pholadomya designata, Goldf.
Mactra porrecta, Gein.
Anatina lanceolata, Gein.
Tellina plana, Róm.
Tellina costulata, Goldf.
Venus Goldfussi, Gein.
Venus faba, Sow. sp.
Venus fabacea, Róm.
Avicula triloba, Róm.
Corbula striatula, Sow.
Gerwillia Holzappeli Fr.
Gerwillia ovalis, Fr.
Clavagella elegans, Müll.
Inoceramus Geinitzianus, Stol.
Inoceramus paradoxus, L. et G.
Plicatula inflata, Sow.
Ostrea Longirostris, Lam.
Paleocorystes callianassarum, Fr.
Hoploparia sp.
Callianassa Faujassi, Desm. sp.
Callianassa n. sp.
Hemiaster sublacunosus, Gein.
Cardiaster Cotteanus, Otto.
Cardiaster ananchytis, Leske.
Asplenites dubius, Vel.
Pteridoleima durum, Bayer.
Smilax panartia, Bayer.
Myrica acutiloba, Brongn.
Alnus Kefersteinii, Ung.
Quercus pseudodrymeja, Vel.
Quercus westfalica, Hos. et v. d. MK.
Quercus Velenovskyi, Bayer.
Ficus fracta, Vel.
Credneria superstes, Vel.
Dryandroides quercina, Vel.
Dryandroides geinoglypha, Bayer.
Cocculus extinctus, Vel.
Cinnamomum personatum, Bayer.
Laurus affinis, Vel.
15
Ld
Pisonia atavia, Vel. Rhus eretacea, Vel.
Platanus onomastus, Bayer. Cissites crispus, Vel.
Prunus cerasiformis, Vel. Aralia Chlomekiana, Vel.
Cassia melanophylla, Vel. Phillyrea Engelhardti, Vel.
Cassia atavia, Vel. Bignonia silesiaca, Vel.
Auffallend ist der Mangel an Foraminiferen, der wohl nicht ganz auf der
Gesteinsbeschaffenheit beruhen kann und wohl noch andere Gründe haben muss.
Bei Vergleich der Chlomeker Schichten mit auswärtigen Ablagerungen
ähnlichen Alters ist es vor allem klar, dass wir es mit demselben Niveau zu thun
haben, wie es aus der Gegend von Löwenberg in Schlesien von R. Drescher *) be-
Schrieben wurde. Namentlich sind folgende Arten die unsere Fundorte mit denen
von Lówenberg gemeinschaftlich haben hervorzuheben:
Ammonites subtriearinatus, Baeulites incurvatus, Glauconia (Omphalia)
ventricosa, Turritella nodosa, Turritella iniqueornata, Turritella nerinea, Acteonella
Beyrichii, Aporhais vespertilio, Voluta semiplicata, Cardium Ottoi, Pholadomya
nodulifera. Anatina lanceolata, Trigonia alaeformis ебе.
Die Vergleichung mit den Gosauablagerungen ist schon schwieriger wegen
der bedeutenden Faciesverschiedenheit, doch ist eine Reihe wichtiger Petrefacten,
die auf die Gleichalterigkeit dieser Schichten mit den Chlomeker hinweisen.
Vor Allem ist Cardium Ottoi anzuführen und Modiola flagellifera. Ausser-
dem ist das Auftreten der Gattungen Omphalia und Acteonella, wenn auch in an-
deren Arten auffallend.
Die von Schlónbach versuchte Parallelisirung mit den Schichten des Be-
lemnites Mercei entbehrt aller reeler Basis, denn das von Chlomek herrührende
einzige abgerollte Fragment ist absolut unbestimmbar.
Es ist sehr zu bedauern, dass die Belemniten bei uns nicht zur praecisen
Altersbestimmung mithelfen, doch darf man vermuthen, dass die Chlomeker Schichten
älter sind als die Schichten mit Belemnitella quadrata im nördlichen Deutschland.
Jedenfalls haben sie sich unter anderen Faciesverhültnissen, mehr als Uferablage-
rungen gebildet.
*) Zeitschrift der deutschen geologischen Gesellschaft 1863. Band XV. p. 291.
1
i
|
П. Beschreibung der im Bereiche der Chlomeker Schichten
untersuchten Localitäten.
Seit dem Jahre 1864 bis in die letzten Jahre wurde den Chlomeker Schichten
gelegentlich der Begehungen Aufmerksamkeit gewidmet, aber die Armut an Petre-
facten war Ursache, dass man ihren palaeontologischen Charakter lange nicht
sicherstellen konnte, bis zwei wichtige Aufschlüsse von Chlomek bei Jungbunzlau
und der Eisenbahneinschnitt am Tannenberg Licht in die Sache brachten.
Im Jahre 1864 beging ich mit Prof. Krejčí die Gegend vom rechten Elbeufer ab
bis an das Jeschkengebirge.
1865. Untersuchte ich die Gegend zwischen Jungbunzlau und dem Kozákow und
nahm genau das Profil am Chlomekberge bei Winafic auf.
1867. Unternahm ich einen Ausflug nach Kieslingswalde in der Grafschaft Glatz.
1868. Beuteten wir den Eisenbahneinschnitt in Tannenberg aus.
1883. Sammelte der Museumsassistent J. Kafka längere Zeit in Kieslingswalde
und nahm Detailprofile auf.
1887. Untersuchte ich die Gegend von Wartenberg und machte das Profil von dort
gegen den Kozákov.
1893. Untersuchte ich nochmals die Gegend von B. Kamnitz, Dittersbach, Kreibitz,
Tannenberg und Böhm. Leipa, dann den Chlomekberg bei Jungbunzlau.
1895 und 1896. Ordnete und studirte ich das Material aus den Chlomeker Schichten
und führte die Aufstellung der Sammlung der B. Kreideformation im Mu-
seum durch.
Ferner besuchte ich die Sammlungen in Salzburg, Dresden und Berlin und
machte mehrere Ausflüge in der Gosauformation am Wolfgangssee, wobei ich die
schöne Sammlung des Herrn Bezirksrichters Aust in St. Gilgen kennen lernte.
1897. Besuchte ich nochmal Kieslingswalda, besichtigte die Sammlung
des Herrn Lehrers Gallisch in Niederlangenau, dann das Museum in Breslau,
die Sammlung des Herrn A. Langenhan in Liegnitz, des Naturforschenden Vereins
in Górlitz und das Museum in Linz.
Im Ganzen wurden 14 Localitäten besucht und über 200 Arten in vielen
Exemplaren den Museumssammlungen eingereiht. (Im Saale Nr. 5 des neuen Mu-
seums sind jetzt alle Originale, über die in meinen Studien gehandelt wurde, auf-
gestellt.)
17
1. Chlomekberg bei Vinařice.
Im Süden von Jungbunzlau erhebt sich der Chlomekberg, der aus grauen
Mergeln der Priesener Schichten besteht, die nach oben hin mit 5 Bänken von
festeren und mürberen Sandsteinen wechsellagern. Ein im August 1865 am süd-
lichen Abhange aufgenommenes Profil fand ich im Jahre 1891 derart verwachsen,
dass es nicht wieder zu erkennen war. Beim ersten Besuche fanden wir in den
Sandsteinen ausser Spongiten kein einziges Petrefact. In den Mergeln ein Fragment
non Schlönbachia Texana. Später erfuhren wir von Prof. Em. Purkyně, dass man
beim Graben von Gründen zu einem Schafstalle in Winařic auf dem Berge
Fig. 11. Profil der oberen Partie der Schichten des Chlomekberges bei ;Vinafic, aufgenommen im
Jahre 1865. 1, 3, 5, 7 graue merglige Pläner vom Aussehen der Priesener Schichten. 2, 4. feste
Sandsteinbänke mit Pflanzenresten und Fucoiden, 6. Mürber brüunlicher Sandstein, der in einem
Steinbruch abgebaut wird. 8, 9. Schwache Bünke etwa in dem Niveau, in welchem weiter ostwärts
die petrefactenreichen Schichten gefunden wurden.
Chlomek auf Petrefacten führende Sandsteine gekommen sei. Ich reiste sogleich hin
und fand beim Verwalter Herrn Honzík eine Menge von Petrefacten, aber der
Sandstein war so mürbe, dass er untransportabel war und wir mussten die Stücke
mit Leinwasser tränken, um sie mitnehmen zu können. Später wurden festere Lagen
aufgeschlossen und unser Petrefactensammler Staska arbeitete dann mehrere Wochen
daselbst und brachte Hunderte von Exemplaren von diesem Fundorte, der seit-
dem ganz unzugänglich wurde, mit. Dies war nun zum erstenmale, dass wir die
Fauna der Quader, welche über den Priesener Schichten lagern, kennen lernten
9
E
18
und desshalb nannten wir diese Schichten „О hlomeker*. Wir erkannten bald die
Ähnlichkeit der Fauna mit der von Kieslingswalda und machten schon im I. Bande
des Archivs für Landesdurchforschung davon Erwähnung (II. pag. 59, 129 u. 157).
Der Erhaltungszustand der Petrefaeten dieses Fundortes deutet darauf hin,
dass sie im Bereiche der Uferbrandung lebten und abgelagert wurden, denn ihre
Schalen, wo sie sich erhalten haben, sind auffallend dick von krystalisirtem Kalk-
spathe gebildet und meist ganz abgerieben. In anderen Fällen fehlt die Kalkschale
und ausser dem glatten Steinkern hat man vor sich ein gutes Negativ der Aussenflüche
der Schale das Gelegenheit zur Anfertigung von guten Gypsabgüssen bietet. Das
Gestein, in dem sie liegen, ist ein mürber grobkörniger Sandstein ganz mit dem
übereinstimmend, der die Quader der Chlomeker Schichten zwischen Vinaric, S0-
botka und Grossskall bildet. Diese Petrefaeten führenden Schichten sind die obersten
der am Chlomekberge abgelagerten. Bei einem vor 2 Jahren hierher gemachten
Ausfluge fand ich keine Spur dieser so reichen Schichten und auch die Tradition,
dass dieselben einmal vorkamen, ging ganz verloren.
Die festen Bänke, welche mit den höchsten Lagen der Priesener Schichten
wechsellagern, sind vorerst sehr feste Sandsteine mit undeutlichen Spuren von
Pflanzenresten ähnlich wie sie nördlich von Böhm. Leipa vorkommen; die höheren
Lagen sind mürber, grobkórniger und werden in einem Steinbruche ausgebeutet.
Verzeichnis der beim Meierhofe auf dem Chlomek-Berge beim
Grundgraben zu einem Schafstalle gesammelten Arten.
Ottodus appendiculatus, Ag.
Nautilus Reussi, Fr.
Scaphites binodosus, Róm.
Baculites incurvatus, Duj.
Turritella sexlineata, Róm.
Turritella iniqueoruata, Dresch.
Turritella Noegerathiana, Goldf.
Natica acutimargo, Róm.
Natica dichotoma, Gein.
Margarita radiatula, Forb. sp.
Turbo decemeostatus, v. Buch.
Trochus Engelhardti, Gein.
Xenophora onusta, Nils.
Rissoa Reussi, Gein.
Solarium baculitarum, Gein.
Keilostoma labiatum, Weinz.
Aporrhais megaloptera, Reuss.
Aporrhais stenoptera, Goldf.
Liepodesthes papilionacea, Goldf. sp.
Кара cancellata, Sow.
Fusus Nereidis, Münst.
Tritonium Proserpinae, Münst.
Cerithium fasciatum, Reuss.
Cerithium Chlomekense, Weinz.
Voluta semiplicata, v. Münst.
Voluta elongata, Sow. sp.
Mitra Roemeri, D'Orb.
Acteon Doliolum, Müll.
Avellana Humboldti, Müll.
(Cyprina) Venilicardia van Reyi, Bosq.
Mutiella ringmerensis, Mantel.
Eriphyla lenticularis, Goldf. sp.
Trigonia alaeformis, Park.
Nucula semilunaris, v. Buch.
Nucula pectinata, Sow.
Nucula impressa, Sow.
Pectunculus Geinitzi, D'Orb.
Area subglabra, D'Orb.
Area cf. pholadiformis, D'Orb.
Arca sp.
Mytilus lineatus, Sow.
Clavagella elegans, Müller.
19
Dentalium glabrum, Gein.
Dentalium laticostatum, Reuss.
Dentalium medium, Sow.
Cardium productum, Sow.
Cardium Beksii, Müll.
Protocardium Hillanum, Sow.
Crassatella regularis, D'Orb.
Crassatella sp.
Solen compressus.
Solen Guerangeri, D'Orb.
Gaeniaemya designata, Goldf.
Pholadomya aequivalvis, Goldf.
Mactra porrecta, Gein.
Tellina plana, Röm.
Tellina strigata (?), Goldf.
Venus fabacea, Röm.
Corbula striatula, Sow.
Avicula triloba, Römer.
Gerwillia solenoides, Defr.
Inoceramus Cuvieri (?)
Lima granulata, Desh.?
Ostrea hippopodium, Nils.
Ostrea frons, Park.
Anomia subtruncata, D,Orb.
Petalopora seriata, Nov.
Serpula gordialis, Goldf.
Vola quadricostata, Sow. Serpula socialis, Goldf.
Exogyra lateralis, Nils. Knollen, welehe vermuthlich Spongien
Exogyra laciniata, D'Orb. angehóren.
Cylichna expansa, Fr.
2. Umgebung von Turnau, Wartenberg und Jičin.
Die Lagerung der mächtigen Quadersande der Chlomeker Schichten zwischen
Sobotka, Turnau und Jičin ist an den in der Studie über die Priesener Schichten
U 37. KT ОЛ Fig. 20., 21.) gegebenen Profilen ersichtlich. Man sieht daselbst,
wie sie den Priesener Schichten aufgelagert sind, die sich auch da, wo sie mit
Sand der verwitterten Quader maskirt sind, durch Quellen kenntlich machen.
Den sie manigfach durchbrechenden Basalten hat man ihre Erhaltung bis
auf den heutigen Tag zu verdanken.
Diese Partie der Chlomeker Quader ist äusserst arm an Petrefacten und
während man z. B. bei Grossskall nicht die geringste Spur von Versteinerungen
aufzufinden im Stande ist, ist in den Steinbrüchen am Fusse der Trosky die
emzige Pinna decussata sichergestellt worden.
Aus den Prachower Felsen erhielt ich von Dr. Erben ein Fragment von
Am. subtricarinatus aus einem festen grauen Knollen.
Aus der Gegend von Sobotka erhielt ich von Prof. Bernard eine Phola-
domya nodulifera.
Südlich von Jiéin sind die Chlomeker Sandsteine nur noch bei Podhrad
ausstehend, wo sie auf Priesener Schichten liegen, und 9 Bänke von Sandstein
erkennen lassen, zwischen welchen oben dreimal graue Latten eingelagert sind, aus
denen aber keine Petrefacten bekannt sind.
Die tiefste der ausgebeuteten Sandsteinbänke wird von den Arbeitern
„б ра1 ку“ genannt nnd hat 3:9 m Mächtigkeit, darauf folgt die beste untere
“age 8 m und eine mittlere 2 m, auf welche eine 1 m starke conglomeratige
Schichte folgt, die „Svrabäk“ genannt wird und undeutliche Abdrücke von kleinen
Muscheln enthält.
9k
20
Nun folgen die oberen Felsen „Svrchní skály“ 8'0 m, auf denen eine
Lage von grauen Mergeln liegt, die den Priesener Schichten ähneln und ganz
merkwürdig unterschlagene schwache Sandsteinbänke zeigen.
Nun folgen Schleifstein-Schichten „Brusäk“, dann eine Sandsteinschichte
,Cokle*, dann eine quarzige Bank „Baby“.
Zuletzt kommen drei sandige Lettenlagen, die durch schwache feste Sand-
steinbänke getrennt sind.
Das genaue Studium dieses Steinbruches würde eine wünschenswerthe
Aufgabe eines Geologen in Jiéin bilden.
3. Umgebung von Böhmisch Leipa.
Nördlich von Böhmisch Leipa kann man die Randgebilde der Chlomeker
Schichten studiren. Sie treten in Form von festen Blöcken auf, die z. D beim
Graben eines Brunnens bei der Ackerbauschule auf den höchsten Lagen der Prie-
sener Schichten aufgefunden wurden.
Dieselben kann man auch in den Eisenbahneinschnitten beobachten, z. D.
auf der Rampe beim Schranke am Eichberge, wo sie Spuren von Blattabdrücken
und Muscheln zeigen. Einen solchen losen aus den Chlomeker Schichten ausge-
waschenen Block trafen wir im Jahre 1865 auf einem Felde zwischen В. Leipa
und Pisnik. Derselbe war reich an Blattabdrücken und wir sprengten denselben
und machten eine reiche Ernte. Die bedenkliche Controverse, die wir dann mit
dem Besitzer des Feldes wegen Zerschlagung des Steines hatten, wurde durch
die gütige Intervention des M. Dr. Watzel geordnet.
Die Pflanzenarten, die von Dr. Velenovsky beschrieben wurden, hatten
vielfach einen tertiàren Charakter, aber das Auffinden einer Schuppe von Osme-
roides sowie von Steinkernen von Nucula und Cardium in demselben Block, sowie
die Übereinstimmung derselben mit den Pflanzen anderer Kreideablagerungen
lassen keinen Zweifel darüber, dass diese Pflanzen den Chlomeker Schichten
angehóren.
Weiter nórdlich treten die Chlomeker Sandsteine schon als grosse Linsen
von Quadern auf, z. D. am Knapphübel.
Dann erst werden sie mächtig und man kann am Tannenberge ihre Mäch-
tigkeit über 300 m schätzen.
Da diese Quadersande sehr mürbe sind, so sind sie an den Rändern der
ganzen Ablagerung oft als isolirte Schollen zu treffen, z. B. Schwoika, Slavíček
und Einsiedlerstein nördlich von Böhm. Leipa.
Verzeichniss der in dem harten Block zwischen B. Leipa und Pisnik
aufgefundenen Petrefacten.
Osmeroides Lewesiensis, Schuppe. Cardium (?)
Nucula Steinkern (wahrscheinlich sp. Lima (?)
impressa). Asplenites dubius Vel.
Pteridoleima durum, E. Bayer. Hymenaea elongata, Vel.
Gleichenia Zippei, Corda Cassia melanophylla, Vel.
Gleichenia camptoni, Heer. Rhus cretacea, Vel.
Myrica acutiloba, Brongn. Cissites crispus, Vel.
Credneria superstes, Vel. Aralia Chlomekiana, Vel.
Pisonia atavia, Vel. Phillyrea Engelhardti, Vel.
E ips AM NC
Chl. K B uh BL
Fig. 12. Stark verkürztes Orientierungsprofil in der Richtung von Aschendorf über B. Leipa nach
dem Tannenberge. Z. Iserschichten bei Aschendorf. Pr. Priesener Schichten. Æ B. Bóhmisch
Leipa. B' Brunnen bei der landwirtschaftlichen Schule. 5" Blöcke mit Pflanzenresten. К. Knapp-
hübel Chl. Ohlomeer Sandsteine. T. Petrefactenreiche Knollen am Bahnhofe Tannenberg.
4. Tannenberg.
Während des Baues der Tetschen-Rumburger Bahn begingen wir die Strecke,
sahen in Böhm. Kamnitz am Bahnhofe gut aufgeschlossene Priesener Schichten,
besuchten das Geburtshaus Zippes in Falkenau (von wo wir durch ihn schon vor
Jahren einen Am. subtricarinatus erhielten) und kamen dann zu dem tiefen Ein-
schnitte am Tannenberg, wo wir aufs angenehmste von einer Menge von Petre-
Fig, 13. Bahnhot Tannenberg. 1. Bahn nach Böhm. Leipa. 2. Bahn nach Tetschen. «) Quader
im mürben grauen sandigen Mergel eingelagert. b) Petrefaktenreiche Knollen. c) Feste fast
leere Bank.
fakten überrascht wurden, und hätten wir Tannenberg früher gekannt als den
n) m H H
Fundort am Chlomekberge, so hütten wir die uns beschäftigenden Schichten Tannen-
berger benannt.
Der Bahnhof mit den petrefactenreichen Knollen liegt in einer Seehóhe von
544 m und an dem westlichen Abhang oberhalb der Bahn nach Tetschen (Fig.
13. 2) fanden wir drei festere Bänke, die durch mürbe Schichten getrennt sind.
Die mittlere der drei Bänke besteht aus rundlichen flachen Knollen, welche un-
gemein reich an Petrefacten ist und in der wir die meisten der in nachstehendem
Verzeichnis angeführten Arten aufgefunden haben. Das Gestein ist grau ins grün-
liche und auf der Strecke gegen B. Leipa (1) fanden wir ausgetrocknete Blöcke,
die gelblich waren und in denen die Petrefacten mit Eisenoxyd roth gefärbt
erscheinen.
Verzeichnis der am Tannenberge gesammelten Arten.
Nautilus sublaevigatus D’Orb. ?
Nautilus rugatus Fr. et Schl.
Ammonites (Schloenbachia) subtricari-
natus D’Orb.
Ammonites (Placenticeras) D’Orbignya-
nus, Gnein.
Ammonites (Pachydiscus) Tannenber-
gicus Fr. et Schl.
Hamites bohemicus, Fr. et Schl.
Hamites striatus, Fr. et Schl
Turritella nerinea, Röm.
Turritella Naegerathiana, Goldf.
Turritella iniqueornata, Drescher
Glauconia (Omphalia) ventricosa, Dr. sp.
Natica acutimarga, Röm.
Natica (vulgaris) cretacea, Goldf.
Xenophora onusta, Nils. sp.
Lispodesthes (Aporrhais) papilionacea,
Goldf. sp.
Aporrhais (Cultrigera) arachnoides,
Müller
Aporrhais n. sp.
Aporrhais anserina, Nils. sp.
Rapa cancellata, Sow.
Rapa costata, Röm.
Fusus Nereidis, Münst.
Jerithium pseudoclathratum, D'Orb.
Voluta elongata, Sow. sp.
Nerinea ef. Duchi, Zeckeli
Acteonella Briarti, Gein.
Acteonella Beyrichi, Drescher
Avellana Humboldti, Müller
Cylichna expansa, Fr.
Cardium productum, Sow.
Cardium alutaceum, Münst,
Cardium Обої, Geinitz
Protocardium Hillanum, Sow. sp.
Isocardia cretacea, Goldf.
Astarte
Crassatella regularis, D’Orb.
Crassatella tricarinata, Róm.
Venilicardia, von Reyi Bosq.
)yprina rostrata, Sow.
Eriphyla lenticularis, Goldf. sp.
Суртітегіа Geinitzi, Müller sp
Trigonia alaeformis, Park.
Pectunculus Geinitzii, D'Orb.
Area subglabra, D'Orb.
Pinna nodulosa, Reuss
Pinna decussata, Goldf.
Mytilus (Cottae) lineat. Sow.
Mytilus cf inornatus, D'Orb.
Modiola flagellifera, Forb.
Modiola typica, Forb.
Glyeimeris Geinitzii, Holzapfel.
^anopaea perlongata, Fr.
Panopaea gurgitis, Brongn.
Goniomya designata, Goldf.
Pholadomya aequivalvis, Goldf.
Pholadomya nodulifera, Münst.
Tellina semicostata, Röm.
Tellina costulata, Goldf.
Venus fabacea, Röm.
Venus faba, Sow.
D
23
Avieula triloba, Róm. Pecten‘ virgatus, Nils.
Gervillia ovalis, Fr. Vola quadricostata, Sow.
Gervillia Holzapfeli, Fr. Ostrea frons., Park.
Gervillia solenoides, Defr. Exagyra laciniata, D'Orb.
Inoceramus Cuvieri, Sow. Anomia semiglobosa, Gein.
Inoceramus latus, Mant. Serpula socialis, Goldf.
Inoceramus paradoxus L. et G. Serpula gordialis, Goldf.
Lima multicostata, Gein. Bryozoa, Sp.
pia Hoperi, Mant. Cardiaster Ananchytis, Leske.
-ecten Nillsoni, Goldf. Flache Kohlengeschiebe mit Bernstein.
5. Kreibitz.
Geinitz, der aus der petrefactenleeren Sächsischen Schweiz endlich in
Kreibitz Petrefacten auffand, nannte dies einen ,sicheren Hafen für den Palaeonto-
logen, von wo aus er den Charakter der Schichten ruhig beurtheilen kann*.*)
Hier sammelte später durch viele Jahre Herr Grohmann aus Bóhm. Kamnitz, durch
Së Schematisches Profil vom Orte Kreibitz bis zum Bahnhofe Kreibitz. 1. Priesener Schichten.
üt Hi Mergel. 2. Unterer petrefactenführender Horizont. 3. Ziegelei, in der aus den Sandsteinen
bn ове von oben herabgestürzte Blócke liegen. 4. Oberer petrefactenführender Horizont
Bahnhofe. (Gleich den Schichten am Bahnhofe Tannenberg). B. Bach. Br. Brüuhaus. A, Fabrik.
Z. Ziegelei. Bh. Bahnhof. S. Strasse.
Welchen dann die Museen in Deutschland und namentlich in Dresden mit Petrefakten
B т Ich kaufte dann von ihm im Jahre 1864 eine Reihe dieser
Bud "wa Petrefacten und später erhielten wir auch mit der Zeidlerischen Sammlung
“a eme von Grohmann stammende Suite.
*) Quadersandsteingebirge p. 60.
Grohmann führte mich im Jahre 1864 zu dem Fundorte der sogenannten
Pechhütte. Erst im Jahre 1893 prücisirte ich diesen Fundort am Wege, der hinter
dem Gasthause beim Lówen Nro 270. bergauf und dann horizontal führt.
Ich erkannte, das diess der unterste petrefaktenführende Horizont sei, der
wenig jünger ist als die Priesener Schichten und dadureh erklärt es sich, dass
hier noch nicht so bezeichnende Arten vorkommen, welche auf den Horizont von
Kieslingswalda hinweisen möchten.
Es muss daher dieser im Orte Kreibitz selbst gelegene Fundort genau
unterschieden werden von dem in Ober-Kreibitz, hinter dem Dahnhofe aufgeschlos-
senen Steinbruche, der um vieles hóher gelegen ist und daher viel jünger ist, und
mit den Schichten am Tannenberger Bahnhofe übereinstimmt.
Das Verzeichniss der aus Kreibitz stammenden Arten muss mit Reserve
aufgefasst werden, denn die meisten Sachen rühren von dem Petrefactensammler
Grohmann her, der den Fundort nicht genau präcisirte. Reuss führt auch manche
Arten von Kreibitz an, aber nicht aus den Chlomeker Schichten, sondern aus den
unter denselben liegenden Priesener Schichten.
Verzeichniss der von Geinitz Reuss aus Kreibitz angeführten und
theils von uns gesammelten Arten aus dem unteren Horizont der
Chlomeker Schichten.
Baculites baculoides, Mant. sp. (viel-
leicht nur ein junger D. incurvatus,
Duj.)
Ammonites sp.
Turrifella Noegerathiana, Goldf.
Turritella multistriata, Reuss.
Turritella nodosa, Röm. Gein.
(Turritella alternans). Gein.
Natica vulgaris (eretacea), Goldf. Gein.
(Natica unicarinata, бейш.)
Trochus tuberculatocinctus,
Münst. беш.
Fusus Nereidis, Münst. Gein.
Aporhais vespertilio (anserina), Nils
Sp. Gein.
Tritonium proserpinae, v. Münst. Gein.
Fusus (Кара) quadratus, Low. Gein.
Crassatella (arcacea) regularis, D'Orb.
Oyprina (?)
Oyprimeria Geinitzi, Müller.
Trigonia alaeformis, Park.
Pectunculus sp.
Area Sp.
Arca striatula, Reuss.
Area subglabra, D'Orb.
Arca undulata, Reuss.
Panopaea n. sp.
(Panopaea plicata) Gein.
(Pholadomya aequivalvis, Goldf.)
Toredo sp.
(Tellina subdecussata).
Tellina costulata, Goldf.
Venus Goldfussi, Gein.
Venus fabacea, Róm.
Venus faba, Low. sp.
(Fusus elathratus). Gein.
(Nerinea bicincta). Gein.
üngicula (avellana) archiaciana. Gein.
(Acme concentrica).
(Acme comosa).
Dentalium glabrum, Gein.
Cardium alutaceum, Münst. Gein.
Protocardium Hillanum, Low.
(Venus laminosa).
(Inoceramus.)
Lima semisulcata, Nils.
25
Lima granulata, Deshais. Exogyra lateralis, Nils. sp.
Lima multicostata, Gein. Ostrea frons, Park.
Vola quadricastata, Sow.
Demselben Niveau gehört der Steinbruch neben dem Bahnhofe bei Ober-
Kreibitz an. Hier sind die Petrefacten in sehr grobem, mürben Sandstein sehr
schlecht erhalten, reichen aber hin die Übereinstimmung mit denen am Bahnhofe
Tannenberg zu constatiren,
Kieslingswalde in der Grafschaft Glatz,
Obzwar dieses Land, das einst zum Königreiche Böhmen gehörte, jetzt aber
im Besitze eines anderen Staates ist, so müssen wir die daselbst entwickelten
Kreidegebilde in das Bereich unserer Betrachtungen ziehen, denn hier erkennen
wir die Ufergebilde des grossen Kreidemeeres, das sich über das ganze nordöstliche
Böhmen ausbreitete und bis in die Grafschaft Glatz hinüber reichte.
Wir sind dazu namentlich durch den Umstand gezwungen, dass diese Ufer-
gebilde eben zu den uns beschäftigenden Chlomeker Schichten gehóren und beim
Vergleich mit ähnlichen Vorkommnissen in Böhmen erst ihre Altersverhältnisse
recht klaar werden.
Da unlängst in dem Werke von Langenhan und Grundey *) berichtet wird, wie
Schon im vorigen Jahrhundert Leop. v. Buch über Kieslingswalda schrieb, wie
Geinitz, Góppert und Gürich an der Palaeontologie dieses interessanten Ortes ge-
arbeitet haben und überdies Dr. Michael in Berlin demnächst, ausführlich über
Kieslingswalda publieiren will, so beschränke ich mich auf das zur Vergleichung
mit den böhmischen Vorkommnissen Nothwendigste.
Ich besuchte Kieslingswalda mit meinem Petrefaetensammler Staska auf längere
Zeit im Iahre 1867 und sandte dann 1883 den Museumsassistenten Herrn J. Kafka
dahin, so dass wir über ein reichliches Material von diesem Fundorte disponiren.
Im April 1897 besuchte ich nochmals Kieslingswalda, sammelte Manches und
besichtigte die Sammlung des Lehrers Herrn Gallisch in Niederlangenau, der
früher in Kieslingswalda wohnte und vor 13 Jahren vom Herrn Adjunkten Kafka
zum Sammeln angeeifert wurde. Auch besichtigte ich das Museum in Breslau,
m dem aber die Kieslingswalder Sachen nur mässig vertreten sind, und lernte auch
die Sammlung des Herrn Langenhan in Liegnitz kennen, welehe die meisten Ori-
Sinale zu seiner mit H. Grundey publicirten Arbeit enthält und der mir bereit-
willigst mehrere Belegstücke zur Vergleichung geliehen hat.
; In Bezug auf die Stratigrafie gebe ich blos ein schematisches Profil, um
die Vertheilung der petrefactenführenden Lagen anschaulich zu machen.
А *) Das Kieslingswalder Gestein. — Dieses Werk hat blos den Zweck, die einheimischen
Freunde der Naturwissenschaften auf die Vorkommnisse von Kieslineswalda aufmerksa m zu machen
und macht keinen Anspruch eine exacte wissen schaftliche Monographie zu sein. Jedenfalls liegt
in dessen Erscheinen ein Ausdruck des Bedürfnisses eines ähnlichen Buches, das längst von
berufener Seite hätte publicirt werden sollen.
|
26
Das Profil (Fig. 15) zeigt die Schichtenfolge, wie man sie lüngs eines Fahr-
weges unweit des Mittelhofes verfolgen kann.
Der Ausdruck „Eisenstein“ ist daselbst von den Steinbrechern für die äusserst
harten dunkelgrauen Knollen im Gebrauch und diese sind die Hauptfundorte für
die Petrefacten.
Localsammler sollten in der Zukunft jedes Petrefact genau bezeichnen, aus
welchem dieser 4 Eisensteinlager dasselbe stammt.
\ ); /
deser JN b. Hid eng KEN Jl А M ;
enk aoc eii " "geän
D А
Fig. 15. Schematisches Profil der Kieslingswalder Schichten, nach den Skizzen des Herrn Museums.
adjunkten J. Kafka aufgenommenen im Jahre 1983.
W. Der Weisswasserbach. A Fahrweg. 1. Lichte, geschichtete, weiche, spärliche Reste führende
Sandsteine. 2. Schichte mit spärlichen Blattabdrücken und Callianassa. За. Erste Eisenstein-
lage. Harter grauer sandiger Kalkstein. 35. Röthliche Schichte mit vielen Blattabdrücken. Ober-
und unterhalb derselben helle Sandsteine mit wenig Petrefacten. 4. Lichter Sandstein mit wenig
Petrefacten. ба. Zweite Bisensteinlage. 5b. Inoceramenschichte. 6. Dritte Eisensteinlage. 7. Vierte
Eisensteinlage. 8. Oberer Sandstein. 9. Grobkörniger Sandstein. 10. Conglomerat (Hirtensteine).
Den Schluss der Schichtenfolge bilden Conglomerate, welche nur noch in
sparsamen Resten als senkrechte flache Spaltsäulen übrig blieben und hier Hirten-
27
steine genannt werden (Fig. 16). An diesen sieht man ein mässiges Einfallen der
Schichtung nach dem Thale hin.
Fig. 16. Einer der sieben Hirtensteine oberhalb Kieslingswalda.
Verzeichnis der in Kieslingswalda gesammelten Arten.
Lamna Sp., 6 cm lang
Otodus appendiculatus Agass.
Corax heterodon Reuss
Nautilus sp. (junges von N. rugatus?)
Hamites trinodosus (=? angustus
Dixon.) |
Scaphites binodosus Röm.
Hamites bohemieus Fr. et Schl.
Baculites incurvatus Duj.
Ammonites (Placenticeras) D’Orbignya-
nus Gein.
Ammonites (Schlönbachia) subtricari-
Je natus D'Orb.
Turritella nodosa Röm.
Turritella multistriata Reuss.
l'urritella nerinea Roem.
Хайса (vulgaris) eretacai Goldf.
; atica dichotoma? Gein. (? Roemeri.)
айса bulbiformis Sow.
Natica Roemeri Gein.
Scalaria Philippi Rss.
Trochus Engelharti Gein.
Rissoa Reussi Gein.
Margarita radiatula Forb. sp.
Aporrhais anserina Nils. sp.
Lispodesthes papilionacea Goldf.
Aporrhais arachnoides Müll.
Rapa cancellata Sow.
Rapa costata Röm.
Tudicla (Rapa) quadrata Sow. sp. `
Fusus Nereidis Münst.
Fusus plicatus, Röm.
Voluta semiplicata Münster.
Chemnitzia Kieslingswaldensis Weinz.
in Lit.
Ringicula Hagenovi Müll.
Cylichna cylindracea Gein.
)ychlina expansa Fr.
Acteon doliolum Müll.
Acteonella Beyrichi Drescher
Avellana Humboldti Müll.
Dentalium glabrum Gein.
Dentalium polygonum Rss. ?
Isocardia cretacea Goldf.
28
Eriphyla lenticularis Goldf. sp.
Protocardium Hillanum Sow.
Card. productum Sow.
Cardium Ottoi бейш.
Clavagella elegans Müller.
Oyprina rostrata Sow.
Nucula pectinata Sow.
Anatina lanceolata Gein.
Mactra porrecta Gein.
Panopaea gurgitis Brongn.
Goniomya designata Goldf.
Veuus Royana D'Orb.
Venus faba Sow.
Tellina plana Róm.
Tellina costullata Goldf.
Tellina strigata Goldf.
Leda siliqua Reuss sp.
Modiola concentrica Goldf.
Leguminaria truncatula Reuss.
Gervilia solenoides, Defr.
Pinna decussata Goldf.
Corbula striatula Sow.
Pectunculus Geinitzii D'Orb.
Inoceramus cf. Koeneni Müll.
Inoceramus latus Mant.
Trigonia Vaalsiensis Boehm.
Trigonia alaeformis
Lima Hoperi Desh.
Vola quadricostata Sow.
Anomia subtruncata D'Orb.
Rhynchonella alata Lam.
Jalianassa antiqua Otto.
Oardiaster Ootteanus Otto.
Jardiaster ananchytis Leske.
Hemiaster sublacunosus, Gein.
Sequoia Reichenbachi Gein. sp.
Smilax panartia Bayer.
Alnus Kefersteinii Ung.
Quercus pseudodrymeja Vel.
Quercus westfalica Hos. et v. Mk.
Quercus Velenovskyi Bayer.
Ficus fracta Vel.
Dryandroides quercina Vel.
Dryandroides geinoglypha Bayer.
Cocculus extinctus Vel.
Cinnamomum personatum Bayer.
Laurus affinis Vel.
Platanus onomastus Bayer.
Prunus cerasiformis Vel.
Cassia atavia Vel.
jucalyptus angusta Vel.
Aralia coriacea Vel.
Bignonia silesiaca Vel.
Ш. Tabellarische Uebersicht
der in den Chlomeker Schichten in Böhmen und in Kieslingswalda
aufgefundenen Petrefacten.
Saurier.
Mosasaurus? (bei L. et G.) .
Pisces.
Oxyrhina Mantelli Ag.
Otodus appendiculatus 4g.
Corax heterodon Reuss
Lamna sp. :
Osmeroides Lewesiensis Ag. .
Mollusca.
Cephalopoda.
Nautilus sublaevigatus D’Orb.
Nautilus rugatus Fr. et Schl.
Nautilus Reussi Fr.
Nautilus sinuatoplicatus Gein,
Ammonites (Schlönbachia) subtricari-
natus D'Orb. .
Ammonites (Placenticer as) D'Orbi-
gnianus Gein. :
Ammonites (Pachydiscus) Tannenber-
gicus Fr. et Schl. ie Eer ТЖ
Scaphites binodosus pe '
amites bohemicus Fr. t Set,
Hamites striatus Fr. et $ М.
Hamites trinodosus Gein.
Hamites Roemeri Gein.
Hamites Beanii Phill.
elicoceras Reussianum D’Orb.
elicoceras ellipticum Mant. sp.
Baculites incurvatus Duj.
Baculites Gallischi Fr.
Gastropoda.
Turritella nodosa И sa re i
Turritella sexlineata Róm. . . . . -
urritella nerinea Am. . .
SIR ho to DP NEN
39
JMESEREREAEAE
|
111—4
HET
T THMdÓMdT TIT
LARA RA RA a Ra E
— E йк a ми уй Мы
|
УЕ ЧЕЧЕ | etd
|| денен ee
el ll орен
111
/-[-1-|+|+1+
m DREI PR eH
бы, ees] PR Ln am alo
mte oem E
| иы ак
р
чиде EE,
| —- |р ge
Baak Oe De E
—|—|—|—|—|— +
нс мөм
Sab ува тып Л
|
Turritella iniqueornata Dresch. . .|
Turritella multistriata Reuss. . . E
Turritella Noegerathiana Goldf. . |
Glauconia (Omphalia) ventricosa Diesel
Glauconia (Omphalia) ornata Drescher ?
Natica vulgaris Reuss (cretacea Sie
Natica dichotoma Gein. |
Майса acutimargo Röm. .
Natica bulbiformis Sow. .
Natica Roemeri Gein. .
Хайса Gentii Sow.
Хайса (Amauropsis) exaltata. Golf. Si
Rissoa? Reussi Gein.. . jit eig
Xenophora onusta Nils. sp.
Trochus Engelhardti Gein.
Trochus tuberculatocinctus Münst.
Turbo decemecostatus v. Buch
Margarita radiatula Forb. sp.
Solarium (Pleurotomaria) baculita-
rum Gene. „=, Oe
Keilostoma labiatum Weinz. in Lit. i]
Scalaria Philippi Reuss |
Chemnitzia noe Weinz. |
in lit. e
Aporrhais anserina Nils. sp.
Aporrhais arachnoides Müll. sp.
Aporrhais stenoptera Goldf. sp.
Aporrhais megaloptera Reuss sp.
Aporrhais sp. . .
Aporrhais (Lispodesthes) papilionacea
Goldf. sp. . an dien m e
Rapa cancellata Sow: 4
Rapa costata Jm.
Rapa quadrata Sow. sp. .
Tritonium иро v. Münst.
Fusus ne sp... o. vs
Fusus plicatus Rm.
Fusus Nereidis Münst.
Cerithium Chlomekense Weinz. in lit.
Cerithium fasciatum Reuss. . .
Cerithium ана D'Ovb. .
Voluta semiplicata Münst., . . . |
Voluta elongata Sow. sp.
Perutzer Schichten
J
| Korytzaner Schichten |
AlI E]
Weissenberger Sch.
E
| Malnitzer Schichten
Teplitzer Schichten
| Iser-Schichten
|
|
Priesener Schichten |
Ealain
EE
TEE ES E
+++ Lt
+1+
+++ ++++++
| Chlomeker Schichten
|
EF
]
Жара ic Ei
EELT SKS E
m - be кы ноен ек tegmen] mme
REA ыр я
а 1214 8 яаа 2
Ф © КҮШ зе léi
чә o Ké “ч R=] sl Б]
KH © eler EE
[5] = E) | bk: bi Ez!
D e Ф ES [Iz ‚a véi [5]
ESI u Ep EN Ф Gi [>] [v7]
[5] Di a ^| [75] n
[72] E o “ н
| CM DE C Boda m
@ t Я TRO: D Béier
Ф S Б ко ош ж
ECH Ne аа ж ош
2] Ed х Si 0
5 ERG g EH S
E t o Ше н £u K- =
Кш | EE e
® А нына о
Mitra. Hoemert «D'Onb. u eom ems e mii
Меен «Bucht. Zober iso E
Acteon ovum Du. ©... 22 | ||
Aoten udliolum Mai! nr. rcov Le
Acteonella Beyrichii Drescher . . . | — |—|—
Acteonella ef. Briarti Geín.— .—. :|— .—|—
Acteonella acuminata, Fr.. . . . .|—|— vw
Avellana: Humboldti Mill... . ch Les Lee
Avellana D'Archiaciana D'Orb. `. .| — | — |+
Avellana sculptilis Sto. . . . . . .|—|—|—.
Ringicula Hagenovi Müll. sn . . .|—|—- |
Oyliehna cylindraca Gein. . . . . .|——.—|—
ylichna expansa Pre . sei уз, .|— —|-—|
|
|
EE
L
Dentalium laticostatum Reuss . . .|—|—-|—
Demum melum ow V. o | ës
Dentalium decussatum Sow. . . wel —|—|—
Dentalium glabrum Gem. . ....|—|—|—
(E чө
2» Жыш.
EXEREEFEEFTETITEIFITI
FLTEEEEEFEEEEFEELE
3544341337322 24355
|
1
Pelecypoda.
Cardium productum Sow. . . . . .|— [+
Сата Ottol Geím-.-; va corso] m mms
Cardium Becksii J. Müller . . . .|—|—
Cardium alutaceum Münst. — . . .|—|—
Protocardium Hillanum Sow.. . . .|— T
Isocardia sublunulata D'Orb.. . . .|—|—
Isocardia cretacea QUO Uto eg amm s |—|—
AslnrioldQHEA Лонва - .— vu EE
Astarto multistriata Sow. . . . . .|—,—
Crassatella tricarinata Röm. . . . » | — | —
Crassatella Bockschii Gein. . . . .|— | —
ie
ls
==
ET
TE]
ISIN
SÉ
Crassatella regularis D'Orb. . . . .|—
enilicardia von Reyi Bosqu. . . .|—
(УША rosa, Sw. vs vs el
yprimeria Geinitzii Müll. sp. . . .|—
"utiella Ringmerensis Mant. sp. . .|—
Eriphyla lenticularis Goldf.sp.. . .|—
rigonia alaeformis Park. . . . . .|—
Nucula semilunaris v. Buch. . . . Er
Nueula peotinatar Sow: vic 0. ml
Yucula impressa Sow. cu СУЛ ee
Pectunculus Geinitzii D'Orb.. . . .|—
Arca Striatula Reuss . . 2 . ln
Arca tenuistriata Münst. . . . . .|—
ГЕТЕ ТЕЕ Та
LELI тта
ЕЕРЕЕ ТРЕЕ СЕРЕ EEE]
FEFFE LEELEE ELETT]
ВЕ ЕЕЕ ЕКЕТ ЕЕЕ ЕЕ
Arca Raulini .D’Orb. i
Arca cf. vendinensis .D’Orb.
Arca subglabra .D’Orb.
Scapharca ponticeriana Stol.
Pinna decussata Goldf. . ...
Pinna cretacea Sc hlottheim
Pinna nodulosa Reuss .
Mytilus lineatus Sow. .
Mytilus reversus G'ein. .
Mytilus Gallienei D'Orb. . . . . . .
Mytilus inornatus D'Orb. . . ...
Solen Guerangeri .D'Orb. 3
Solen lamellosus еи
Modiola flagellifera Forbes .
Modiola typica orb.
Panopaea (Glycimeris) gurgitis Brong gn.
Panopaea mandibula Sow. sp.
Panopaea Geinitzii Holzapfel . ;
Pholadomya aequivalvis @oldf. .
Pholadomya nodulifera Münst.
Pholadomya designata @oldf. .
Pholadomya perlonga Fr.
Mactra porrecta Gein. .
Anatina lanceolata Gein. .
Tellina plana Röm. .
Tellina semicostata ёт.
Tellina strigata Goldf. .
Tellina costulata Goldf. .
Venus Goldfussi Gein.
Venus faba бош. sp.
Venus fabacea Röm.
Avicula triloba ёт.
Corbula striatula Sow. .
Leda siliqua Reuss sp. j
Gerwillia solenoides Defr. .
Gerwillia Holzapfeli Fr. .
Gervillia ovalis Fr. .
Clavagella elegans Müll. .
Inoceramus Geinitzianus Stol.
Inoceramus Cuvieri Sow.
Inoceramus paradoxus Haenl.
Inoceramus latus Mant. .
Siliqua (Leguminaria) truncatula Reuss|
| Perutzer Schichten
Korytzaner Schichten
EHETBDBEEFEEBEEBEEBELBEEBEEBEBEEBHI
Weissenberger Sch.
DEPT Fa KEE)
FE FE ЕЛ HN
FSNEES
I+II I+I++I++I ETE EE I+II
Et 1
| Malnitzer Schichten
|
Iser-Schichten
ER
Se E Ee с ш SIEHE SS ш SEHE SEE
ke ЕТЕР
544934174343
+4 Teplitzer Schichten
EC ТЕРЕТНА РЕЧ ЧЕ ТУНУ ТА
EE
KEE EE
Priesener Schichten
Chlomeker Schichten
|
ch.
| Teplitzer Schichten
Perutzer Schichten
Korytzaner Schichten
Malnitzer Schichten
| Priesener Schichten
| Chlomeker Schichten
| Weissenberger
| Iser-Schichten
Lima Норегі Mant.. . . . . . . .|— A | Hi+—|+ m ele
Lima multicostata Gein.. . . . . lo 1 | ++ +1 1—|+
Lima semisuleata Nilss.. .....|—|1—ı+ ES des des
Lima granulata Desh. . { | - 1-11 /— AE AEN
Lima pseudocardium Reuss? . HE AE HE AE AE |
Pecten Nilssoni Goldy. l- l + äh |
—\4+ +4
Plicatula inflata Sow. .
Exogira laciniata D’Orb.
| Exogira lateralis Nils. sp. .
| Ostrea frons Park..
|
|
|
|
wer
sek
ES
мект ч аах
СЕБЕТ ЧЫ ЖЫ
Pecten virgatus Nilss. (curvatus Gein) eumd
Vola quadricostata Sow. . . . . . l ;
|
|l
|
|
|
zl Ё
Ostrea semiplana Sow. EE DE DE AE р |
Ostrea hippopodium Nilss. . pen Fi Fach 17 |
Ostrea longirostris Lamrk,. vm gane rea e үүт ach
Anomia semiglobosa Gein. . ids B EE E AE | +]
Anomia subtruncata D'Omb. .... © М 419 + |
|
М | | |
Brachiopoda. | | |
|
Rhynchonella alata Lam. oa — к —|——|—|-
agas Geinitzii Schlönd. . . . sen | HIHIHIHI +I HIH
| Bryozoa. |
| Petalopora seriata Mon... . . . .|— | e [җи жил, ео
|
Crustacea. | | |
| |
Palaeocorystes eallianassarum Jv. . .|— 1 | [— EE |
Podocrates Dulmensis Beks. . . . .| — | — SE DEE A
| loploparia a EE Bun Ue ушр e oes | луу | eis.
N Callianassa antiqua Otto. . . . .. Ud lend ier eni е | - mw
| EY |
Vermes. TE |
| Serpula gordialis Goldf- . . . . . .|—|-F|-F|- | +++ E:
| Serpula socialis Goldf. . . сой. МЕ mm om mper Lomas
à || | |
| Echinodermata. lang | |
Cidaris Subvesiculosn D'Orb. . . . . |. —1 a | Fiat | vi een
| Hemiaster ПЕШ ПШ D'UI. л р рт та кес ыз |
Hemiaster sublacunosus Gein. . . .|—|—|—,— | AE +- |
Cardiaster Cotteanus Otto. . . . i Blies iom: Kan ocn ысы кк,
| | | |
Cardiaster ananchytis Leske sp. .
Schizaster Roemeri n. sp. L. et G..|
Stellaster Schulzei Cotta et Reich
Plantae.
Asplenites dubius Vel.
Pteridoleima durum Bayer .
Gleichenia Zippei Corda spec.
Gleichenia comptoniaefolia Heer
Sequoia Reichenbachi Gein. sp.
Smilax panartia Bayer . . .
Myrica acutiloba Brongn. . .
Alnus Kefersteinii Ung. .
Quercus pseudodrymeja Vel.
Quercus westfalica Mos. et v. d. MK. |
Quercus Velenovskyi Bayer
Ficus fracta Vel. .
Credneria superstes Vel. .
Dryandroides quereina Vel. :
Dryandroides geinoglypha dnd
Pisonia atavia Vel. . . . .
Cocculus extinctus Vel. CIR
Cinnamomum personatum Bayer
Laurus affinis Vel.
Platanus onomastus Bayer .
Prunus cerasiformis Vel. .
Hymenaea elongata Ve/..
Cassia melanophylla Vel. .
Cassia atavia Vel.
Rhus cretacea Vel..
Cissites crispus Vel. .
Eucalyptus angusta Vel. .
Aralia Chlomekiana Vel. .
Aralia coriacea Vel.. .
Phillyrea Engelhardti Vel.
Bignonia silesiaca Ve. | з
2 Chondrites furcillatus 4. Römer 3
|
Perutzer Schichten
Korytzaner Schichten |
Weissenberger Sch.
Malnitzer Schichten
Iser-Schichten
Teplitzer Schichten
Priesener Schichten
Chlomeker Schichten
|
"Ет ЕҤ ЗЕР
E
i
ЕЛЕ н ЕТ БЕ E
| 1
| { | j 1 i i
IV. Kritisches illustrirtes Verzeichnis der iu den Chlo-
meker Schichten vorkommenden Versteinerungen.
Vertebrata.
Saurier.
Mososaurus sp.? Langenhan und Grundey. Das Kieslingswalder. Gestein und
seine Versteinerungen. Breslau 1891. pag. ТОД TRIB LZ
Schlanke Röhrenknochen und flache Deckknochen wurden wiederholt
in Neuwaltersdorf gefunden. Die Röhrenknochen haben die Gelenkenden
nicht erhalten. und es ist daher eine selbst annäherungsweise richtige Be-
stimmung unmöglich; es reichen die Funde blos hin nachzuweisen, dass
auch noch zur Zeit der Ablagerung der Chlomeker Schichten es grosse
Saurier am Ufer des Kreidemeeres gegeben hat. Da schlanke Röhren-
knochen bei Mosasaurus nicht vorkommen, dürfte es sich hier eher um einen
Ignanodonten uu In Böhmen a es bisher ähnliche Reste zu finden
Oxyrrhina Mantelli, Ag. Fr. Rept. u. Е. p. 7. Fig. 12.
Selten in Kiesling din dud ub enr em
Otodus appendieulatus, Ag. Fr. Rept. u. Fische, pag. VID. D
Ein einziges 20 mm langes Exe moli in den Ge Lagen der Chlo-
| meker Schichten in Vinafic.
Corax heterodon, Reuss. (Galeus pristiodontus, Ag.) — Tuy Жее E
Fig. 23, 94.
Selten in Kieslingswalda und Neuwaltersdorf. Nach Geinitz in Kreibitz
Lamna sp.
Ein riesiger Lamnazahn von 5 cm Länge befindet sich. in unserer
Sammlung von Kieslingswalda.
Osmeroides lewesiensis, Fr. R. u. F. p. 34 Fig. 55.
Eine Schuppe fand sich in Y an Pflanzenresten reichen Felsblock bei
Böhm. Leipa.
Cephalopoda. 24 sp.
(Belemnites Merceyi, Mind Fr. et Schl. Cephal. pag. 17.)
Unter dem Namen Belemnites Merceyi führten wir in genauntem Werke
ein unbestimmbares Fragment eines Delemniten von Chlomek an, von welchem
Schlónbach vermuthete, dass es zur genannten Art gehóren kónnte. Neue
№, Funde wurden nicht gemacht, wesshalb die Sache ganz unsicher bleibt.
autilus sublaevigatns, D'Orb. Fr. et Sehl. Ceph. p. 21. Tan 19. Fg d
Nicht sicher bestimmbare Steinkerne besitzen wir aus den Chl. Schichten
von Tannenberg.
Dieselben können eventuell junge Exemplare von N. rugatus sein.
m
36
Nautilus rugatus, Fr. et Schl. (Fr. et Schl. Cephalop. p. 28. Taf. 19. Fig mi
Taf. 15. Fig. 2. — Iserschichten, p. 90. Fig. 50.)
Von Tannenberg besitzen wir zwei Exemplare von 99 em Durchmesser,
die mit dichten 4 mm breiten Rippen geziert sind.
Nautilus Reussi, Fr. & Schl. (Fr. et Schl. Cephal. p. 25. Taf. 19. Fig. 4, 5.
Priesener Schichten, pag. 74. Fig. 41.)
Ein Steinkern von 15 mm Durchmesser aus dem groben Sandstein von
Chlomek zeigt an einer Stelle die für N. Reussi charakteristische Verzierung:
Nautilus sinuato-plieatus, Gein. (Geinitz Kieslingswalda p. 8. Taf. 1. Fig. 6)
Geinitz. Das Quadersandsteingebirge. 1849. pag. 110. L. G. das Kiesl. W.
Gest. pag. 9. Taf. II. Fig. 9.) Fig. 17.
Wir besitzen nur mangelhafte Fragmente dieser Art von Kieslingswalda.
Fig. 17, Nautilus sinuatoplicatus, Gein.“ von Kieslingswalda. Copie nach Geinitz.
Ammonites (Schlönbachia) subtriearinatus, D'Orb. R. Drescher. Kreide von
Löwenberg. p. 331 Taf. VIIL Fig. 3. Fr. et Schl. Cephalopoden pag. 26.
Taf. I. Fig. 1—8, Taf. 10. Fig. 1—3. — Priesener Sch. р. 74. Fig. 49
A. tricarinatus Schlüter. Ceph. d. deutsch. Kr. p. 44.) | )
Schon Zippe brachte unserem Museum ein Exemplar aus Falkenau iM
Leitmeritzer Kreise. Später fanden wir mehrere Exemplare in Tannenberg
und das Negativ eines sehr grossen Exemplares von 35 cm Durchmesser D
Kieslingswalda. Dieses letztere scheint dem Gestein nach aus den tiefere”
Lagen, etwa Nr. 4 des Profiles auf Seite 26 zu stammen. Nach Schlüter
soll der Name subtricarinatus D'Orb., mit welchem diese Art nun lange
bezeichnet wird, aufgelassen werden und die Art nur tricarinatus heissen."
Ammonites (Placenticeras) D'Orbignyanus, Gein. Fr. et Schl. Cephalop-
p. 36. Taf. 11. Fig. 2. — A. Vibrayanus D'Orb. bei Geinitz Kiesl. pag. ®
Ab Л Hu B. Fig.18.
Diese Art wurde zuerst von Kieslingswalda aus dem Horizont der Chlo- |
meker Schichten angeführt, später fanden wir dieselbe in schalenlosen Stein
$3 D ү D D a 5 P uf
*) Ich gedenke eine Reihe von typischen Exemplaren der böhm. Kreidecephalopoden n
Wunsch des Herrn Grossouvre in Abgüssen zu reproduciren, um das Studium derselben fremde
Forschern zu erleichtern.
|
37
kernen !in Tannenberg. Grossouvre betrachtet die böhmischen Exemplare
als zu Placenticeras Fritschi gehörig, welche Art er aus dem Cogniacien
Frankreichs beschreibt, was sehr unwahrscheinlich ist.
Fi
10. 18, Ammonites ‚D’Orbignyanus, Gein. Von Tannenberg. ?/, nat. Grösse. (Das untere Drittel
ist restaurirt. Die Höcker am Nabelrande etwas zu deutlich.)
Ammonites (Paehydiseus) Tannenbergieus, Fr. & Schl. Fr. et Schl. Cepha-
lopod. p. 37. Taf. 9. Fig. 19.
Ein einzigesmal beim Bau des Einschnittes bei Tannenberg von Herrn
Dlouhý gefunden. Der Sprengschuss vernichtete das Centrum, das dann
testaurirt wurde. Das Exemplar ist fast ganz aus Schwefelkies und wird
dem Verderben nicht lange widerstehen.
(Geinitz führt auch Am. varians Sow. von Kieslingswalda an und zwar
nach einem Fragment, das er nieht abbildet. Nach neuerer Untersuchung
desselben Autors sollen diese Fragmente auf eine Art aus der Verwandt-
Schaft von A. tricarinatus und trinodosus Schlüter hinweisen.)
“aphites binodosus, Róm. (Fr. et Schl. Cephal. p. 43. Taf. 14. Fig. 13.) Fig. 20.
Von dieser in Beziehung auf Ausbildung der Rippen und Knoten sehr
variablen Form besitzen wir ein Fragment einer Wohnkammer von Chlomek,
Welches in Bezug auf die Form, welche Langenhan und Grundey als eine
neue Art Sc. Kieslingswaldensis (p. 9. Taf. II. Fig. 1) anführen, übereinstimmt.
Das Exemplar von Kieslingswalda wurde mir von Herrn Langenhan ge-
fälligst geliehen und ich liess es photographisch reproduciren, um späteren
Onographen Gelegenheit zu geben, über die Berechtigung der neuen Art
Zu urtheilen, glaube aber nicht, dass zu der Trennung von binodosus Ursache
DR
Fig. 20. Scaphites binodosus, Кт. von Kieslingswalda. Coll. Langenhan, Nat Grösse:
2
39
vorhanden ist, wie man bei der Betrachtung der Figur bei L. u. G. hätte
vermuthen können.
Hamites bohemicus, Fr. (Ceph. Pag. 44. Taf. 13. F. 20.) Fig. 21.
Vig. 21. Hamites bohemicus, TUN
Ein Fragment aus dem gelben Sandstein von Tannenberg. Die Art
1 kommt schon in den Priesener Schichten vor.
lamites striatus, Fr. (Ceph. pag. 45. Taf. 13. Fig. 17.) Fig. 22.
Fig. 22. Hamites striatus, Fr. von Tannenberg.
Sandstein von Tannenberg kann mög-
Dieses Fragment aus dem grauen
t vorkommenden
licherweise als Wohnkammer des an demselben Fundor
H. bohemicus aufgefasst werden.
Hamites trinodosus, Gein. (Das Quadersandsteingebirge p. 118. Taf. IIL Fig.
4. а. b.).
Fragmente dieser typischen Art mit 3 Kn
lingswalda in dem sogenannten Eisenstein vor und ich sah dieselben in den
Sammlungen in Dresden und Berlin und auch wir besitzen ein gutes Fragment.
Hamites Roemeri, Gein. (H. intermedius, Róm. P. 92. XIV. Fig. 9.)
Wird von Geinitz aus Kreibitz und Kieslingswalda angeführt.
Hamites Beanii, Phil. (Gein. Kiel, p. 9. Кош. Kr. T. 13. F. 11.)
Wird von Geinitz aus Kieslingswalda angeführt. Rómer bildet ein kleines
Fragment mit regelmässigen Rippen und je zwei dorsalen Knotenreihen ab.
(Fr. et Schl. Ceph. p. 45. Taf. 13. к o2) e
oten-Reihen kommen in Kies-
(Hamites strangulatus, D'Orb.
Fr. Iserschichten, p. 137. Fig. 132.)
40
Diese Art, von der nur Steinkerne im grobkernigen Sandstein vorliegen
und von der es noch überhaupt zweifelhaft ist, ob sie ein Cephalopode ist,
befinden sich Fragmente von Neusorge bei Pankrac in Dresden und in der
geol. Reichsanstalt.
Helicoceras Reussianum, D'Orb. (Priesener Schichten p. 79. Fig. 62.)
Wurde als Hel. armatus von Geinitz aus Kieslingswalda angeführt. Wir
besitzen von daselbst das Fragment eines Exemplars mit Schale.
Helicoceras elliptieum, Mant. sp. Geinitz Nachtr. Taf. V. 1. 2. (Hamites ellipticus,
Mant.) — Hamites Geinitzi, D'Orb. Prodr. Et. 29. Nro 81.
Wird von Geinitz aus Kieslingswalda angeführt.
Baeulites incurvatus, Duj. (Fr. et Schl. Cephal. p. 51. Taf. 13.
Fig. 12) Fig, 29.
Wurde in sehr typischen Exemplaren in den grobker-
nigen Sandsteinen am Chlomek bei Jungbunzlau vorgefunden
und ist sein Vorkommen auch bei Kieslingswalda constatirt,
wo er von den Arbeitern fälschlich als Donnerkeil (Bele-
mnites) bezeichnet wird.
Baeulites Gallischi, Fr.
In der Sammlung des Lehrers Herrn Gallisch in Nieder-
langenau fand ich eine glatte Wohnkammer eines grossen
Baculiten nebst zwei undeutlichen Kammern. Das Stück
ist 15 cm lang, 4 cm breit, aber nicht so erhalten, um
genau studirt werden zu können. Es erinnert an die
grossen amerikanischen Arten, aber es muss das Auffinden
von besseren Exemplaren abgewartet werden.
(Turrilites sp.)
a eg Was aus Kieslingswalda als Turrilites angeführt wird,
Aus dem groben dürfte nur auf Fragmente von Helicoceras Reussianum zurück-
Sandstein am Chlo- VOR, s
mei bel Jungbons- zuführen sein.
lau. Nat. Grösse.
Gastropoda.
Turritella подова, Кот. (Nordd. Kreideg. p. 80. T. XI. Fig. 20.)
Kommt in Tannenberg und Kieslingswalda vor. — Fig. 24.
Fig. 24. Turritella nodosa, Róm. von Kieslingswalda.
41
Turritella sexlineata, Róm. (Verst. d. n. Kr. p..80.. Tab. XL Fig. 22.) Pig. 20.
Blos in zwei Exemplaren aus dem groben Sandstein von Chlomek und
wurde nach einem Gypsabgusse gezeichnet.
а b
Fig. 25, Turritella sexlineata, Róm. von Chlomek. а. Nat. Grösse. 0. Eine Windung vergrössert.
Turritella nerinea, Röm. (Geinitz Kiesl. p. 10. Taf. I. Fig. 16.) Fig. 26.
Wir besitzen grosse bis 7 cm lange Exemplare von Steinkernen von
Tannenberg. Die Negative gaben Gelegenheit zur Anfertigung von Gyps-
abgüssen, nach denen die beifolgende Zeichnung gemacht ist. Die Art kommt
nach Geinitz und Langenhan Grundey auch in Kieslingswalda vor.
Fig. эв, Turritella nerinea, Róm. von Tannenberg. Fig. 27. Turritella iniqueornata, Dre-
S Nat. Grósse. scher. Aus dem groben Sandstein
а. Nat. Grüsse. b. Fragment vergróssert. von Chlomek. a. Natürliche Grösse.
i b. Letzter Umgang 9mal vergróssert.
42
Turritella iniqueornata, Drescher. (Kreidebild. v. Löwenberg. Zeitschr. d. d.
Geol. Gesellschaft. XV. p. 333. Taf. IX. Fig. 1.) Fig. 27.
Es liegt ein einziges Negativ von Chlomek vor, nach dessen Abguss
die beiliegende Zeichnung gemacht wurde. Auf den stärkeren Rippen ist
bei schiefer Beleuchtung auch die Krümmung zu sehen. Von den bei Geinitz
(Kieslingswalda) unter dem Namen T. nerinea angeführten Stücken gehört
Fig. 17. wahrscheinlich dieser Art an.
Turritella multistriata, Rs. (Fr. Weissenberger Schichten p. 104. Fig. 38.)
Häufig und bis zu einer Länge von 8 cm in Tannenberg, Chlomek,
Kreibitz und Kieslingswalda.
Turritella Noegerathiana, Goldf. (Petr. Germ. Ш. p. 107. Taf. 197. Fig. 1.)
Mangelhaft erhaltene Exemplare, die durch vier gekrümmte Rippen kenntlich
sind, besitzen wir von Tannenberg.
Glaueonia (Omphalia) ventricosa, Drescher (Kreidebild. v. Lówenberg, p. 334.
"Rb. IX. И ор 28.
Diese Art kam zusammen mit Acteonella in einem flachen Schwefel-
kiesknollen in Tannenberg vor.
Der Steinkern war glatt und füllte nicht die Hóhlung nach der Schnecke.
Das Negativ eignete sich zum Abguss, nach dem die Zeichnung gemacht
wurde. Unser Exemplar stimmt mit dem von Drescher abgebildeten Exemplar,
aber die welligen Anwachsstreifen sind feiner.
Glauconia (Omphalia) ornata, Drescher. (Kreidegeb. Lówenberg, p. 335. Taf. IX.
pe 09%)
Fig. 28. Glauconia (Omphalia) ventri- Fig. 29. Natica dichotoma, Geinitz. Von
cosa, Drescher. Von Tannenberg. Nat. Ohlomek. 2mal vergr.
Grösse. Nach einem Gypsabgusse.
Ein schlecht, erhaltener Steinkern deutet darauf hin, dass auch diese
Art in Gesellschaft der vorigen, ähnlich wie in Lówenberg, in Tannenberg
vorgekommen ist.
Natica vulgaris, Reuss. (eretacea Goldf.) (Nat. lamellosa, Róm. — Gein. Kieslw.
p. 10. Taf. I. Fig. 21—29).
43
Von Kieslingswalda besitzen wir eine ganze Entwickelungsreihe von
Exemplaren von 2 mm bis 20 mm, die Mündung ist aber nirgend gut erhalten.
Natica dichotoma, Gein. (Gein. Kiesl. p. 10. Taf. I. Fig. 19.)
Das Negativ eines kleinen 12 mm breiten Exemplares ermöglichte die
Darstellung dieser mit diehotomirenden Rippen versehenen Art. Es bleibt
aber unsicher, ob dies die bei uns schon in den cenomanen Korycaner Schichten
vorkommende Art ist.
Natica (&yrodes) aeutimargo, Röm. (N. Kr. p. 83. Taf. 12. Fig. 14. — Holz-
apfel. Moll. d. Aachn. Kr. p. 145. Taf. XIV. Fig. 19—21.) Fig. 30.
Kin guter Steinkern aus dem groben Sandstein von Chlomek zeigt die
Gesammtform, ein Negativ ermöglichte die Darstellung der Mündung nach
einem Gypsabguss.
Natica bulbiformis, Sow — Gein. Kiesl. p. 10. Taf. І. Fig. 24, 9n uu. D'Orb.
p. 162. Taf. 174. Fig. 3.) Fig. 81.
Ein gut erhaltener Steinkern ohne Mündung aus dem Eisenstein in Kies-
lingswalda ist in unserer Sammlung.
Fig. 30. Natica (Gyrodes) acutimargo, Röm. von Chlo- Fig. 31. Natica bulbiformis,
mek. Prof. Weinzettl gez. Sow. von Kieslingswalda.
Natiea Roemeri, бейш. (Weissb. Sch. p. 105. Fig. 44.)
Ein Steinkern von Tannenberg stimmt mit der citirten Abbildung gut
überein.
Natica Gentii, Sow. sp. (Priesener Schichten p. 82. Fig. 66.)
Steinkerne besitzen wir von Kieslingswalda und Tannenberg. Das Ver-
hältnis zu Lunatia Geinitzi D’Orb. (Holzapfel p. 141.) lässt sich nach unseren
Exemplaren nicht präcisiren.
Amauropsis exaltata, Goldf. sp. (Litorina rotundata, Sow. bei Reuss. I. p. 49.
Taf. X. Fig. 15. Holzapfel. Aachner Kreide p. 189. Taf. IV. Fig. 22 und
25. — Hieher gehört wohl auch Litorina conica, Gein. Kieslingswalda, p. 10.
Taf. I. Fig. 24, 25.)
Unsere Exemplare von Kieslingswalda, deren Steinkerne 25 mm Länge
erreichen, haben die Mündung nicht erhalten und es bleibt ungewiss, ob
diess nicht blos grosse Exemplare von Natica cretacea Goldf. sind.
Rissoa Reussi, Geinitz. (Gein. Elbthalgeb. II. p. 163. Taf. 31. Fig. 6. — Weissen-
berg. Sch. p. 106. Fig. 46.)
44
Selten in den grauen Schichten von Tannenberg als Steinkern. In Chlomek
gaben gute Negative Gelegenheit zu Abgüssen. In Kieslingswalda kommt
die Art in den sog. Eisensteinen vor. Nach Holzapfel soll dies kaum eine
Rissoa sein, sondern eher zu Mesostoma gehören.
Xenophora onusta (Nils) (Trochus onustus, Nils Petr. Suec. p. 12. Tab. III.
Fig. 4. Fig. 32.
Steinkerne kommen selten in Tannenberg und Chlomek vor.
Trochus Engelhardti, Gein. (Priesener Schichten, p. 82. Fig. 68.)
Wir besitzen ein ganzes gutes Exemplar von Kieslingswalda und ein
mangelhaftes aus dem groben Sandstein von Chlomek.
Trochus tubereulatocinetus, Münst. (Goldfuss III. pag. 60. Taf. 181. Fig. 12.)
IUE 09.
Wir besitzen einen guten Steinkern von Kreibitz, der die doppelte
Knotenreihe an den Windungen erkennen lässt. Die Kanten stehen aber dichter
als bei der Goldfussischen Abbildung und sind an beiden Knoten eut entwickelt.
Das Goldfussische Exemplar stammt aus der Gasauformation vom Sonnenwendjoch
in Tyrol.
а b
Fig. 32. Xenophora onusta, Nils. Von Chlomek. Fig. 33. Trochus tubercu-
Nat. Grósse. latocinctus, Münst. Nat.
Grösse. Von Kreibitz.
Turbo decemeostatus, v. Buch. (Teplitzer Schichten, p. 75. Fig. 50).
Ein einziges Exemplar von Chlomek.
Turbo glaber, Müll. (Margarita radiatula, Forb. sp. Holzapfel, Mall. d. Aachner
Kreide, p. 171. Taf. ХҮП. Fig. 1—9. — Ach. Kreide, p. 43. Taf. V. Fig. 6.)
Fig. 84.
Wir besitzen Steinkerne von Kieslingswalda und Chlomek. Die Art ist
häufig im Grünsande von Aachen.
Solarium baculitarum, Gein. (Priesener Schichten, p. 84. Fig. 73).
Ein einziges Negativ dieser in den Priesener Schichten häufigen Art
besitzen wir von Chlomek.
Keilostoma labiatum, Weinz. in lit. Fig. 35.
Unterscheidet sich von den bekannten Arten hauptsächlich durch die
starke Wulst am Innenrande der Mündung und viel kürzeres Gehäuse,
Häufig in den Sandsteinen am Chlomek bei Jungbunzlau.
45
Sealaria Philippi, Reuss. (Reuss II. p. 114. Taf. XLIV. Fig. 14.)
Reuss führt die Art als selten von Kreibitz an. Die beigefügte Zeichnung
ist nach dem Reussischen Original aus dem Pyropenconglomerat gemacht.
Wir besitzen blos ein Negativ von Kieslingswalda.
Chemnitzia Kieslingswaldensis, Weinz. in lit. Fig. 37.
Fig. 34. Turbo glaber, Müller. Von Fig. 35. Keilostoma labiatum, Weinz. in lit. Von
Ohlomek. 3mal vergróssert. Chlomek. |
Die Art von Kieslingswalda ist nach Weinzettl der Chem. Stoliczkai
sehr ähnlich, aber die letzte Windung ist bauchiger, gegen die früheren
Windungen viel breiter. Die letzte Windung hat Zuwachsstreifen und im
oberen Theile auch Lüngsstreifen. Die oberen Windungen zeigen im oberen
Drittel eine deutliche kielartige vorspringende Linie. Wir besitzen nur 2
Exemplare.
N
Fig. 36. Salaria Philippi, Reuss. Fig. 37. Chemnitzia Kieslings- Fig. 38. Aporrhais апѕегіпа,
Copie nach Reuss. waldensis, Weinz. in lit. Von Nils. sp. Von Kieslingswalda.
Kieslingswalda.
Aporrhais anserina (Nils.) (Geinitz Kiesl. p. 9. Taf. I. Fig. — Rostellaria vesper-
tilio, Goldf.) Fig. 38.
Häufig, aber selten mit erhaltenem Flügel von Tannenberg und Kies-
lingswalda, Reuss bildet die Art von Kreibitz ab.
Aporrhais arachnoides (Müll) (Fr. Pries. Sch. p. 86. Fig. 80.)
Kin typisches Gewinde besitzen wir von Tannenberg.
Aporrhais stenoptera (Goldf) (Rostellaria stenoptera, Goldfuss, p. 18. Taf. 170.
Fig. 6.) Fig.,39.
46
Das abgebildete Exemplar von Ohlomek zeigt den Flügel von unten
und die Umgebung der Mündung.
Aporrhais megaloptera, Reuss. (Reuss Verst. d. b. Kr. I. p. 45. TAS ТАӘ.)
(В. Reussi var. megaloptera Weissenb. Schichten, p. 108. Fig. 50.)
Gute Steinkerne mit wohlerhaltenem Flügel besitzen wir aus dem groben
Sandsteine von Chlomek.
Aporrhais Tannenbergica, Fr. Fig. 40.
Diese Art steht der R. papilonacea nahe, aber der Flügel ist nach oben
in eine lange Spitze ausgezogen und am Gewinde reicht er nicht auf die
vorletzte Windung. Die Längsrippen sind sparsamer und zwischen den
Umgängen zieht sich eine doppelte Nathlinie. Mehrere Steinkerne von Tannen-
berg wurden zur Herstellung der Abbildung benützt.
Aporrhais (Lispodosthes) papilionacea (Goldf.) (Rostellaria papilionacea Taf.
170. Fig. 8. — Fr. Priesener Schichten p. 85. Fig. 77.)
Steinkerne besitzen wir aus dem groben Sandstein von Chlomek, dann
von Kreibitz, Tannenberg und Kieslingswalda.
Вара cancellata, Sow. (W. Sch. p. 110. Fig. 57).
Selten im groben Sandstein von Chlomek und in Kieslingswalda.
Iig. 39. Aporrhais stenoptera, Fig- 40. Aporrhais Tannenbergica, Fig, 41. Вара can-
Goldf. sp. Von Chlomek. Nat. Fr. Von Tannenberg. Nat. Grosse, cellata, Sow. Von
Grósse. Chlomek.
Rapa costata, Röm. (Nordd. Kr. p. 79. ай Sal, Lid. 10)
Geinitz führt die Art von Kreibitz und von Kieslingswalda an.
Rapa quadrata, Sow. sp. (Geinitz Elbthalgeb. П. p. 174. Pan 8O Fig: 16б, 1]
Nach Geinitz in Kreibitz und Kieslingswalda.
Tritonium proserpinae v Münst. (Fusus Proserpinae Mstr.
Petr. Germ. III. p. 23. Taf. 171. Fig. 17.) Fig. 42.
In dem tieferen Horizont der Chlomeker Schichten
in Kreibitz und уоп Chlomek.
Fusus plieatus, Röm. (Nordd. Kreide, pag. 79. Taf. XI.
Fig. 42. Tritonium pro-
Fig. 15. Langenhan u. Grundey, p. 9. Taf. П. Fig. gerpinae v. Münst. Von
e De Kreibitz. Nat. Grösse.
41
Fin gut kenntliches Exemplar befindet sich in der Sammlung des Herrn
A. Langenhan in Liegnitz. Die Abbildung, die er auf Taf. II. Fig. 24 giebt,
hätte sollen vergrössert gezeichnet werden.
Fusus Nereidis, Münst. (Priesener Sch. p. 86. Fig. 81.)
Selten in Chlomek und Tannenberg.
Cerithium ehlomekense, Weinzettl in lit. Fig. 43.
Ist verwandt mit C. belgicum v. Münst. aus dem Cenoman, ist aber
schlanker, die Windungen sind dicht berippt, die Rippen gebogen. Die Art
liegt in einigen mangelhaft erhaltenen Exemplaren von Chlomek vor.
Cerithium fasciatum, Reuss. (Verst. p. 42. Taf. X. Fig. 4.) Fig. 44.
Ein gutes Negativ von Chlomek ermöglichte die Bestimmung dieser Art.
Cerithium pseudoclathratum, D'Orb. (C. clathratum, Róm. p. 79. Taf. 11.
Кш ЫИ)
Wir besitzen blos das Fragment eines Negativs von Tannenberg.
Voluta semiplicata, Münst. (Goldfuss, p. 19. Taf. 70. Fig. 11.) Fig. 45.
Diese Art kommt in Chlomek, Kreibitz und Kieslingswalda vor. Fig. 45.
lim. 43. Cerithium Fig. 44. Cerithium fascia-
chlomekense. Weinz. tum, Reuss. Nach einem
in lit. Aus dem gro- Abguss von Chlomek ver-
ben Sandstein von gróssert.
Chlomek.
Vig. 45. Voluta semiplicata. Münst. Von
Kieslingswalda.
Voluta elongata, Sow. sp. (Weissenb. Sch. p. 109. Fig. 56.)
Ein Fragment des Negativs besitzen wir aus dem groben Sandsteine
von Chlomek.
Mitra Roemeri, D'Orb. (Weissenb. Sch. p. 110. Fig. 58.)
Selten in Chlomek, von wo wir blos zwei sehr gute Negative besitzen.
Nerinea ef. Buchi, Zek. (Gastr. d. Gosau, p. 34. ОМ
Mangelhafte Steinkerne, die in den Schwefelkiesplatten in Gesellschaft |
von Glauconia und Acteonella Briarti in Tannenberg vorkamen, gehören |
48
in die Nähe der N. Buchi Zekeli, aber der Erhaltungszustand erlaubt eine
genauere Bestimmung nicht.
Acteon ovum, Duj. (Gein. Elbthalgeb. П. p. 176. Taf. 29. Fig. 16, 17.)
Ein gutes Exemplar mit dicker, aber abgeriebener Schale aus dem groben
Sandsteine von Chlomek.
Acteon doliolum, Müll. (Aachner Kreide, p. 11. Taf. 3. Fig. 11. — Act. Reussi,
D'Orb. — Priesener Sch. p. 89. Fig. 93.)
Desitzen wir von Chlomek und Kieslingswalda.
Aeteonella Beyrichii, Drescher (Kreideg. v. Lówenberg, p. 337. Taf. VIX. Fig.
8—11. Fig. 46.) Selten in Tannenberg und Kieslingswalda.
Acteonella Briarti, Gein. Fig. 47.
In den Schwefelkiesplatten am Tannenberg kamen in Gesellschaft von
Glauconien und Nerineen auch Acteonellen vor, die in Gestalt und in der
Faltung der Spindel an A. Briarti erinnern, die bei uns massenhaft in den
Korytzaner Schichten vorkommt, aber sie ist noch einmal so gross. Von
dieser Form mit ganz verkürztem Gewinde besitzen wir nur 1 Exemplar.
Acteonella acuminata, Fr. Fig. 48.
Wir besitzen 8 Steinkerne dieser Art, die alle ein hohes Gewinde haben
und kaum mit der in Fig. 47 abgebildeten Acteonella mit ganz niedrigem
Gewinde zusammengezogen werden kann. Dieselben kamen in den Schwefel-
kiesplatten am Tannenberg mit Acteonella und Nerinea vor.
Fig. 46. Acteonella Fig. 47. Acteonella Briarti. Gein. Verkiester Fig. 48. Acteonella acu-
Beyrichii, Drescher. Steinkern. a. von vorne, 0. von oben. Nat. minata, Fr. Verkiester
Von Tannenberg. Grósse. Steinkern іп nat. Grösse.
Avellana Humboldti, Müll. (Müller, Aachner Kreide, p. 12. Taf. III. Fig. 15.
Priesener Schichten, pag. 89. Fig. 96.)
Kommt in Kieslingswalda, Tannenberg und Chlomek vor.
Avellana Archiaciana, D'Orb. (Geinitz, Elbthalgeb. II. p. 177.)
Kommt nach Geinitz in Kieslingswalda vor.
Avellana seulptilis, Stol. (Geinitz, Elbthal. II. p. 178. Taf. 29. Fig. 15.)
Grosse Exemplare in Kieslingswalda und nach Geinitz in Kreibitz.
Ringieula Hagenovi, Müll. sp. (Aachner Kreide. Suppl. p. 13. Taf. 3. Fig. 16.
К. pinguis, Müll. Auricula incrassata, Sow. bei Geinitz Kiesl. p. 11. Taf. I.
Fig. 26.) Fig. 49.
49
Häufig in dem sogen. Eisenstein in Kieslingswalda. Nach Holzapfel
häufig im Grünsand von Vaals.
Cylichna eylindracea, Loven. (Priesener Sch. p. 88. Fig. 92.)
"Gei Selten in Kieslingswalda im sogen. Eisenstein.
Cylichna expansa, Fr. Fig. 49.
Ein Exemplar von Tannenberg als Steinkern erhalten zeigt die Mündung
sehr gross, flügelartig ausgebreitet. Die Länge beträgt 25 mm, die Breite
99 mm. Auch von Chlomek besitzen wir ein Exemplar dieser Art von
gleicher Grösse.
Fip. 49. Ringicula Hagenovi, Müll. Von Kieslingswalda. Vergrössert.
Patella inconstans, Gein. (Elbthalgeb. П. p. 167. Taf. 30. Fig. 1, 2.)
teinitz führt diese Art aus Kreibitz an. Dieselbe erreicht 30 mm Länge
und ist durch zwei vom Wirbel nach dem Vorderrande ausstrahlende Rippen
gekennzeichnet.
Dentalium latieostatum, Reuss. (Reuss Verst. р. 41. Taf. ХІ. Fig. 3.) Fig. 50.)
Ist die häufigste und grösste Art der Chlomeker Schichten, die wir aber
nur von Chlomek besitzen.
Dentalium medium. Sow. (Fr. Pries. Sch. p. 90. Fig. 100.)
Selten als Steinkern und gutes Negativ in dem groben Sandstein von
Chlomek.
Dentalium glabrum, Gein. (Gein. Kieslingsw. p. 11. Taf. I. Fig. 27. Fr. Prie-
sener Sch. p. 90. Fig. 99.)
Selten in Kieslingswalda und Chlomek.
Fig. 50. Cylichna expansa, Fr. Von Tannenberg. Fig. 51. Dentalium laticostatum, Reuss.
Von Chlomek. A. B. Nat. Grösse.
C. Fragment vergrössert.
Pelecipoda.
Cardium (Granocardium) productum, Sow. (C. tubuliferum, Goldfuss. —
Drescher, p. 346. Taf. IX. Fig. 14.) Fig. 52.
Diese Art besitzen wir von Kreibitz, Tan
nenberg, Kieslingswalda und von Chlomek, auf
welchem jetzteren Fundorte trotz des groben
Sandsteins doch die dicke Schale gut erhalte"
ist und im Bau genau mit dem bei Drescher
dargestellten übereinstimmt. Diese Art gehört
zu denen, welche in Böhmen schon im Cenoma?
auftritt, später verschwindet, um in den höchste
Schichten wieder zu erscheinen.
'ardium Ottoi, Goin. (Gein. Kieslingswalda p. 14
, o
Taf. 1. Fig. 31—32. — Drescher Kreideb. Y
Lóvenberg. P. 347 (Taf. 9. Fig. 15.) C. Pectin!
Fig. 52. Cardium productum, Sow. = EE ( ois ).) ` aller.
Steinkern in Nat. Grósse. Von forme, J. Müller. — C. Becksii, J. Mü |
7 \ М r : 3 € Ma],
Chlomek. Frech. Zeitschr. d. d. G. Ges. Band 39, T?
ALLY RE ba
Die seit Jahren als Cardium Ottoi, Goin. bekannte und für den Но
rizont der Chlomeker und Kieslingswalder Schichten bezeichnende КОШ
wurde in neuester Zeit von Frech und Holzapfel zum Theil zu Card. рес!”
forme gezogen zum Theil als Card. Becksii von derselbeu abgetrennt.
51
Die Exemplare von Kieslingswalda zeigen bei gut erhaltener Schale die
Rippen gekernt und die Zwischenräume schmal (Fig. 53. А 1.), wo die
oberste Schichte fehlt erscheinen die Rippen schmal und die Zwischen-
räume breit (Fig. 53. A 3). In diesen Zwischenräumen liegt noch ein dicker
runder Stab (2) und zwei feine Leisten (4). Dei gründlich abgeriebenen
Fig, 53, Cardium Ottoi, Gein. 1. Steinkern von Kieslingswalda. 2. Oberfläche der Schale. 3. Schloss
vergrössert. A, Schale 6mal vergrössert. (1. Oberste Schichte. 2. dicker Stab. 3. schmale gekerbte
Rippen. 4. Zwei feine Leisten.)
(4. Form des Card. Becksii, J. Müller. 5. Schale vergrössert. В. Schale stärker vergróssert.
| Exemplaren von Chlomek erscheinen die Rippen schmal, elatt, die Zwischen-
räume doppelt so breit. (Fig. 53. 4 und 2.) Dies entspricht der als
О. Becksii angeführten Form. Das ©. Ottoi kommt häufig in Kieslingswalda
vor. Von Kreibitz, das den tiefsten Horizont der Chlomeker Schichten dar-
stellt, ist es nicht bekannt. Das Vorkommen dieser Art in der Gossau
4%
52
wird für die Parallelisirung der Chlomeker Schichten gewiss wichtig sein.
In Chlomek ist blos die Form mit scharfen Rippen häufig und von dieser
ist in Fig. 3. auch das Schloss dargestellt.
lardium alutaceum, Münst. Teplitzer Schichten, p. 77. Fig. 58. (Geinitz Kies-
lingswalda, p. 14. — Elbthalgeb. П. Taf. 18. Fig. 67.)
Selten und mangelhaft erhalten von Kreibitz, Tannenberg und Kieslings-
walda.
Protoeardium Hillanum, Sow. (Weissenb. Schichten, p. 113. Fig. 64.)
Diese schon in den cenomanen Koritzaner Schichten auftretende Art
findet sich häufig in Kieslingswalda, Chlomek und Tannenberg.
lsocardia eretacea, Goldf. (Kieslw. p. 15. Taf. П. Fig. 14. a. b. — Teplitzer
Schichten, p. 76. Fig. 54.)
Geinitz führt diese Art aus Kieslingswalda und Reuss aus Kreibitz an.
Wir besitzen ein gutes Exemplar mit beiden Schalen als Steinkern von
Tannenberg und mehrere von Kieslingswalda.
Astarte acuta, Reuss. (Weissenberger Schichten, p. 115. Fig. 73.)
Reuss führt die Art von Kreibitz an und wir besitzen ein schlechtes
Exemplar von Tannenberg.
Astarte multistriata. Sow.
Wird von Geinitz aus Kreibitz angeführt.
Crassatella tricarinata, Röm. (Römer: Могай. Kreidebild, р. 74. Taf. 9. Fig. 23).
Einen guten ganzen Steinkern besitzen wir von Tannenberg, sowie
mehrere bis 35 mm lange einzelne Schalen.
Fig. 54. Crassatella tricarinata, Röm. Fig. 55. Crassatella Bookschii, Gein. von Kieslings-
von Tannenberg. walda. (Copie nach Geinitz.)
Crassatella Bockschii, Gein. (Geinitz Kieslingsw., p. 12. Taf. IL. Fig. 17.) Fig. 55
Wird von Geinitz aus Kieslingswalda angeführt.
Crassatella regularis, D'Orb. (Gein Kieslw. p. 12. — Cr. arcacea, Róm. W. Sch.
Di TID EN (2,
Echte Steinkerne von 40 em Länge besitzen wir von Ohlomek und Tau-
nenberg. Exemplare mit Schale vou Chlomek und Kieslingswalda.
(Cyprina) Venilieardia van Кеуі, Bosquett. (Holzapfel. Mollusken d. Aachner
Kreide. Palaeontogr. Band XXV. p. 175. Taf. XVI. Fig. 1—8.) Fig. 56.
Diese Art ähnelt äusserlich der Cyprina ligeriensis (D’Orb, Pl. 275.)
aber wir besitzen ein gutes Schloss, das mit der bei Venilicardia von Holz-
apfel dargestellten Abbildung genau übereinstimmt und auch in der Dë
sammtgestalt mit der V. von Bet übereinstimmt. Wir besitzen gute Exem-
plare von Tannenberg, Kieslingswalda und Chlomek. Die C. rostrata, die
53
Geinitz von Kieslingswalda abbildet. Taf. IL Fig. 12. scheint ebenfalls
hieher zu gehören, zweifelhafter ist der (Fig. 13) abgebildete Steinkern.
Cyprina altissima, Fr. Fig. 57.
Diese Art gehórt in die
Nühe von Oyprina ligeriensis
und ist durch ganz bedeutende
Hóhe und dureh den Kiel ge-
kennzeichnet, welcher vom
Wirbel sich zum Unterrande
der Schale hinzieht. Der hin-
tere: Muskelansatz ist stark
vorspringend, die Mantelfalten
am hinteren Rande stark ent- а ne
; Fig. 56. Schloss von Venilicardia van Reyi, Bosquet.
wickelt. i Von Chlomek.
Cyprimeria Geinitzi, Müller sp.
(Lucina Geinitzii, Müller. I. p. 66. Holzapfel. Mollusken der Aachner Kreide,
p. 174. Taf. XII. Fig. 1—4.) Fig. 58. em
Diese, einer riesigen Eryphila äh- "m |
nelnde Muschel besitzen wir in einigen
Fig, рт, Cyprina altissima, Fr. а Steinkern der rechten Hälfte. Nat. Grösse. b Ansicht von oben
desselben Exemplars, c) Junges Exemplar von oben. Aus dem gelblichen Sandstein von Tannenberg.
54
Exemplaren von Tannenberg, Kiesllngswalda und ein mangelhaftes von
Kreibitz. Holzapfel führt sie aus dem Horizont des Grünsandes von Vaals
von mehreren Fundorten an und wird diese Art für die Parallelisirung der
Chlomeker Schichten gewiss sehr wichtig sein.
D . А 1 A
Fig. 58. Cyprimeria Geinitzii, Müller sp. Aus den grünen Sandsteinen in Tannenberg. Nat. Grösse
Mutiella ringmerensis, Mant. sp. (Geinitz Elbthalgeb. II. p. 61. Taf. 16. Fig.
11—18) Fig. 59.
Von dieser Art, welche in den tieferen Sehichten unserer Kreideformation
nur als Steinkern vorkam, besitzen wir von Chlomek aus den grobkernigen
Sandsteinen ein Exemplar mit sehr dicker Schale, an deren Oberflüche die
Fig. 59. Mutiella ringmerensis, Mant. sp. Exemplar mit Schale.
Aus dem grobkórnigen Sand-
stein von Chlomek, 4. Evemplar in nat. Grösse.
В. Kin Theil des Schlosses.
concentrischen Furchen sehr deutlich ausgeprägt sind und von feinen, aber
deutlichen Längsstreifen gekreuzt werden.
55
Das in Fig. B. dargestellte Schloss scheint einem abgerollten Exemplare
anzugehören.
Jüngere Exemplare von nur 4 cm Durchmesser zeigen sehr vorsprin-
gende concentrische Rippen, wie sie D’Orb. bei Corbis striatocostata (Pl. 281.
Fig. 1, 2) abbildet, doch glaube ich, das diess keine selbständige Art ist,
sondern nur eine Jugendform, bei der später diese stark vorspringenden
Rippen schwächer werden, wie dies an dem abgebildeten Exemplare (Fig. 59.)
zu sehen ist.
Eriphyla lenticularis, (Goldf.) (Lucina lenticularis, Goldf. Weissenb. Schichten,
De 110. Bio. 8.)
Exemplare mit Schale von Kieslingswalda, Steinkerne von Kreibitz,
Chlomek und Tannenberg.
pi s n DH e DËS AO. xt . d SE э
Trigonia alaeformis, Park. (Geinitz Kieslingsw. p. 114. Taf. II. 10.) Fig. 60.
Fio a i Е d
D T 60. Trigonia alaetormis, Park. а. Von vorne,
" von der Seite, c. von oben, d. Fragment der Schale.
Ich gebe die genaue Zeichnung eines
der besterhaltenen Steinkerne von Kies-
lingswalda, der sehr stark nach hinten
ausgezogen ist, sowie eine Probe der Art
der Kernung der Rippen.
Dass die Art der schon im Gault
auftretenden Form einer Reihe ange-
hört, ist wohl sicher und sie ähnelt in
der Wölbung der Schale mehr der alten Form als den später als Trigonia
limbata scabra und Vaalsensis angeführten Arten.
Will man die Art aus den Chlomeker Schichten nicht mit der Gault Art
vereinigen, dann bliebe wohl nichts anderes übrig, als ihr einen neuen
Namen zu geben, denn wenn auf die variirende Verlängerung der Schale
56
nach hinten und die Kernung der Rippen Gewicht gelegt wird, dann kann
man unsere Art mit keiner der bekannten Arten identifieiren.
Die Art liegt ausser Kieslingswalda noch von Kreibitz, Tannenberg und
Chlomek vor.
Nucula semilunaris, Gn. (Teplitzer Schichten, p. 92, Fig. 102).
Selten als Steinkern in Kreibitz und Chlomek.
Nueula peetinata, Sow. (Weissenb. Sch. p. 117. Fig. 79.)
Selten als Steinkern in Kieslingswalda, Kreibitz und Chlomek.
Nucula impressa, Sow. (Reuss. Verst. П, p. 6. Tab. 3, 4. Fig. 6, 7.) Fig. 61.
Diese von Reuss aus den Priesener
Schichten von Priesen und Luschitz, sowie
aus dem Pyropenconglomerate von Meronie
angeführte Art kommt in den grobkórnigen
Sandsteinen in Chlomek in grossen kräftigen
Exemplaren und guten Steinkernen vor.
Fig. 61. Nucula impressa, Sow. von Chlo-
тек. o Exemplar mit Schale. b Steinkern.
а b с
Fig. 62. Pectunculus Geinitzii, D'Orb. Nat. Grósse. а. Innenansicht eines Exemplars von Chlomek
в. Nach einem Gypsausguss. b. Exemplar mit Schale von Kieslingswalda. e. Fragment der Schale
vergrössert.
Pectunculus Geinitzii, D'Orb. (Prodrom. Et. 21, Nro 132. — Рес. sublaevis
Geinitz. Kieslw. p. 14. Taf. 2 Fig. 90. D'Orb. Prodrom. 21. Nro 132. Holz
apfel, Aachner Kreide, p. 210. Taf. XXIIL Fig. 11, 12. Taf. 126, Fig. 3.)
Da die Identificirung der Art mit P. sublaevis, Sow. sehr schwierig ish
so fasste D’Orbigni die Art von Kieslingswalda als eine neue auf.
b
Fig. 63. Arca vendinensis, D'Orb. a. Nat Grösse. b. Fragment vergrössert. Von О. Кге)"
jahnhof.
57
Bei uns kommt sie in Kreibitz, Tannenberg und Chlomek vor und ist
die letzte aller böhmischen Kreideversteinerungen.
Area vendinensis, D’Orb. (Pal. fr. p. — Taf, 315. Fig. 4—7 — wahrscheinlich
identisch mit Cueulaea gosaviensis, Zittl. Taf. X. Fig. 4) Fig. 63.
Häufig mit Schale und als Steinkern in den grobkernigen Sandsteinen
von Chlomek. Ein gutes Negativ, das zum Abgusse des abgebildeten Stückes
benützt wurde, fand ich im Steinbruche hinter dem Bahnhofe in Ober-
Kreibitz.
Arca striatula, Reuss. (Reuss. Verst. II. p. 15 Taf XXXIV; BM. 29)
Wird von Reuss aus dem glauconitischen unteren Quader (— Chlomeker
Schichten) angeführt.
(Arca Raulini, D'Orb. Ist von Kieslingswalda notirt und wird von Drescher aus
Lówenberg als fraglich angegeben, aber wir besitzen kein sicher bestimm-
bares Exemplar.)
Scapharca ponticeriana, Stol. (p. app Pl ХУП. Fig. 39. Im Texte als
Anomalocardia bezeichnet.) Fig. 64.
Gute Steinkerne, an denen man die drei
Längsfalten gut beobachten kann, stimmen
mit den Darstellungen von Stolička.
Exemplare mit Schale von Chlomek
zeigen dieselbe ganz abgerieben. Stein-
kerne aus dem grauen und auch aus dem
oelblichen Sandstein von Tannenberg.
Arca subglabra. D’Orb. (Iserschichten, p. 103.
Fig. 6Ta—c.)
Steinkerne häufig in Chlomek, Tan-
nenberg und Kieslingswaldá. Fig. 64. ef. Scapharca ponticeriana, Stol.
Pinna decussata, Goldf. (Geinitz Elbth. I. ШОШО
b 211. I DT. In ЕЩ. e 2з Weissenb, Schichten, p. 120. Fig. 86.)
Ist durch 8 Längsrippen auf der unteren Seite gekennzeichnet und ist
in den Chlomeker Schichten weit verbreitet und auch in Steinbrüchen, wo
kein anderes Petrefact zu eruiren ist, z. D. unterhalb der Trosky und in
Ebenso kommt sie in Kieslingswalda und
den Quadern von Grossskal.
Chlomek vor.
Pinna eretacea, Schlottheim (Gein. Elbthalgeb. IL p. 54. Taf. 14. Fig. 2, 3.)
Diese Art hat auf der unteren Hälfte nur 4, zuweilen nur 2 Längs-
rippen. Sie kommt in Kieslingswalda und Tannenberg vor.
Pinna nodulosa, Reuss. (Mytilus Neptuni. Fr. Weissenb. Sch. p. 120. Fig. 87.
— Priesener Schichten, p. 96. Fig. Bed
Kommt nach Reuss in Kreibitz, dann in Kieslingswalda und Tannen-
berg vor.
Mytilus (Septifer) lineatus, Sow. (Holzapfel, p. 216. Taf. XXV. Fig. 10—18.)
Fig. 65.
Unsere Exemplare sti
von Vaals abgebildeten überein.
mmen mit denen von Holzapfel aus dem Grünsand
58
Mytilus reversus, (Gein. Kieslingsw. p. 15. Taf. IIT. Fig. 11.)
Kommt nach Geinitz selten in Kieslingswalda vor.
Mytilus Galliennei, D'Orb. (Geinitz Elbthalgeb. І. p. 213. Taf. 48. Fig. 213.)
Fig. 66.
Kommt in Kreibitz, Kieslingswalda und Tannenberg vor.
Mytilus inornatus, D’Orb. (D'Orb. p. 277. Pl. 541. Fig. 8—5.)
Kin Exemplar von Tannenberg stimmt in der Form ganz mit dem von
D'Orbigni abgebildeten M. inornatus und zeigt eine schwache concentrische
Streifung, wie die Abbildung, ist aber nieht glatt polirt, wie es in der Be-
schreibung heisst.
Fig. 65. Mytilus lineatus! von Fig. 66. Mytlus Gailiennei, D'Orb.
Chlomek, Vergrössert. aus Kreibitz.
Fig. 67. Solen macromyus, Fr. von Chlomek. Fig. 68. Solen Guerangeri, D'Orb. A. Exem-
a. Mit Schale, 5. Steinkern. plar mit Schale in nat. Grósse von Chlomek.
B. Bteinkern.
Solen maeromyus, Fr. Fig. 67.
Dieser schmale Solen ist durch die ungewöhnlich grossen Muskelansätze
charakterisirt und kam im groben Sandstein in Chlomek vor. (Ist in die
tabellarische Uibersicht einzutragen.)
59
Solen guerangeri, D'Orb. (Pl. 351. Ке, ЭЗ.) Eig. 08.
Kam selten in den grobkernigen Sandsteinen als Steinkern in Chlomek vor.
Solen lamellosus, Reuss (Reuss: Verstein. Il. Fig. 16. Tab. 36. Fig. 5.)
Nach Reuss selten im glauconitischen Quader von Kreibitz.
Siliqua (Leguminaria) truncatnla Reuss. (Reus. Verstein. II. Fig. 17. Tab. 86.
Vig. 18, 16, 17. — Weissenb. Schichten, p. 123. Fig. 95.)
Selten in Kieslingswalda.
Modiola flagellifera, Forbes. (Mytilus flagelliferus, l'orb. Trans. Geol. Soc. London
NL, 199. риу к EID Уу. гч Zittel Biv. d. Gossau, p. 82. pl. XII. Fig. 2.
Geinitz Elbthalgeb. II. p. 55. Taf. 15. Fig. b)" Eig. 6v.
[Д
"Mo o WK? d vi ^ 1 А m Cl
Vis. 09. Modioia flagellifera, Forbes. Fig 70. Modiola typica, Forb. von l'annenberg.
on Tannenberg. Nach 2 Fragmenten a, Ganzes Exemplar in nat. Grösse. b. Gefalteter oberer
restaurirt. Nat. Grösse. Rand. Vergrössert.
Das fast ganze Exemplar eines Seulptursteinkerns besitzen wir aus dem
grauen Sandstein von Tannenberg. In Form und Sculptur erinnert diese
Muschel sehr an Mytilus plicatus aus der Juraformation (Goldf. Kar 190.
Big. 12),
Modiola typiea, Forb. (Zittl. Bw. d. Gossau. Taf. 11. Fig. 5. — Iserschichten
p. 106. Fig. 73.)
Steinkerne ohne Seulptur von Tannenberg stimmen in Form und Grósse
mit den von mir aus den Iserschichten abgebildeten Stücken.
Panopaea (Glycimeris) gurgitis Autorum.
Die meisten Exemplare von Tannenberg und Kieslingswalda ähneln in
der Stellung der Wirbel im vorderen Drittel der Goldfussischen Abbildung
60
(Petr. Germ. Taf. 153. Fig. 7.) In Kieslingswalda kommen bauchige Exem-
plare bis zur Länge von 28 cm vor.
(Glicimeris Geinitzii, Holzapfel).
Von Tannenberg besitzen wir Panopaeen, welche vielleieht zu der Aachner
Art gestellt werden kónnten, da sie die Wirbel fast in der Mitte haben,
aber die Übergünge aus Pl. mandibula zu dieser Art machen es fraglich.
Panopaea mandibula, Sow. (Geinitz. Elbthalgeb. II. Fig. 70. Tab. 18. Fig. 20, 21.)
Unter den Panopaeen von Tannenberg und Kieslingswalda kommen auch
Exemplare vor, welche zu dieser sehr kurzen Art gestellt werden kónnten.
Andere stimmen genau mit der von Holzapfel. Taf. XX. Fig. 1 abgebildeten,
aber nicht benannten Schale vom Preussenberge.
Pholadomya aequivalvis, Goldf. (Weissenb. Schichten, p. 124. Fig. 98.)
Häufig in Kieslingswalda, Chlomek, Tannenberg und Kreibitz.
Die Exempl. erreichen bis 6 cm Länge bei 4 cm Höhe.
Inocer. Ostrea Brachiopoda.
Pholadomya nodulifera, Münst. (Ph. elliptica, Münst. Goldf. p. 273. Taf. 158.
Figs 1. Gem. ОТ, Ж. рас. 19. Tat. 19, Fig. 2.) Е.
Fig. 71. Pholadomya nodulifera, Münst. von Tannenberg, Nat. Grösse, a. Seitenansicht. b. Vorder-
ansicht. c. Schwach geknotetes Exemplar.
Diese in Bezug auf Form, Zahl der Rippen und deren Beknotung sehr
variable Form besitzen wir von Tannenberg, Chlomek und Kieslingswalda
61
aber es sind kaum zwei ganz gleiche Exemplare vorhanden. Die besterhal-
tenen von Tannenberg stehen am Nächsten der Ph. elliptica Münst., es
kommen aber mit ihnen Exemplare vor, die der eigentlichen nodulifera
gleichkommen, andere, die zu Ph. Esmarki übergehen.
Ein Extrem mit wenig unbeknoteten Rippen kam unter den geknoteten
Formen am Tannenberg vor. (Fig. 71. c.)
Fig. 72. Pholadomya designata, Goldf. sp. Nat, Grösse. Von Kieslingswalda.
M ^ ME on ч
Fig. 73, Pholadomya perlonga, Fr. von Tannenberg. Nat. Gr. a. Von der Seite, b. von oben.
Unser Material wird einem zukünftigen Monographen der bóhm. Kreide-
bivalven Gelegenheit geben, an ganzen Reihen von Übergängen den geringen
Werth der bisher aufgestellten Arten nachzuweisen.
Pholadomya designata, Goldf. sp. (Petr. Germaniae, p. 264. Fig. 13. — Lycia-
nassa designata, Goldf.) Fig. 72.
Diese Art kommt in der normalen Form in Chlomek bis 7 cm, in Kies-
lingswalda bis 85 cm Länge vor und zeigt keine Neigung sich so stark
nach hinten zu verlàngern, wie es bei der folgenden Art der Fall ist.
Pholadomya perlonga, Fr. (Weissenb. Sch. p. 124. Fig. 99.) Fig. 73.
Schöne Exemplare der stark nach hinten verlängerten Art besitzen wir
aus den grauen merkligen Sandsteinen von Tannenberg.
Mactra porrecta, Gein. (Geinitz. Das Quadersandsteingebirge. Taf. 10. Fig. 15.)
Fig. 74.
Zu dieser Art gehören wahrscheinlich 5 Exemplare, die wir aus dem
groben Sandstein von Chlomek besitzen.
Anatina (Cereomya) lanceolata, Gein. (Kieslingsw. p. 12. Taf. П. Fig. 3. —
Elbthalgeb. p. 69. Taf. 19. Fig. 9.) Fig. 75.
Fig. 74. Mactra porrecta, Gein. von Fig 75. Anatina lanceolata, Gein. von Kieslingswalda.
Kieslingswalda. (Copie nach Geinitz.) (Copie nach Geinitz.)
Diese interessante Art wird von Kreibitz, Kieslingswalda und von Hoch-
wald bei Zittau angeführt. Unsere Sammlung besass nur ein schlechtes
Fragment von Kieslingswalda, aber kürzlich erhielt sie ein sehónes Exemplar
von demselben Fundorte vom Herrn Lehrer Galisch in Niederlangenau bei
Habelschwerdt, das mit dem von Geinitz abgebildeten Stücke vollkommen
übereinstimmt.
Tellina plana, Röm. (Reuss. Verstein. II. pag. 19. Taf. 36. Fig. 22. — Römer.
Nordd, Kreideb. Fig. 74, Taf. 9. Fig. 19.) Fig. 76.
щш n bna i
ктт EC aw b
Fig. 76. Tellina plana, Röm. «a. Steinkern von Chlomek. Vergróssert. б. Exemplar mit Schale.
Wir besitzen gute Steinkerne mit Schloss und Muskelabdrücken aus
dem Sandstein von Chlomek, Von Kieslingswalda kleine Exemplare mit
schlecht erhaltener Schale.
Tellina semicostata, A. Röm. (Reuss. Taf. 36. Fig. 11, 12. Fr. Weissenb.
SCH. р. 126, ШЕ. 102)
63
Von Tannenberg besitzen wir Exemplare von 42 cm Länge. Es sind
das Steinkerne mit spärlichen Resten der Schale. Reuss führt die Art von
Kieslingswalda an.
М
Reuss. Verst. IL. p. 18. Taf. 30. Fig.
Tellina strigata, Goldf. (Goldfuss. Petr. Germ. p 294. UTAL däit TE 1g: 1018
210
«Big. ui v.
Diese Art, welche Reuss aus den cenomanen Korytzaner Schichten von
Zlosejn darstellt, kommt in viel kräftigeren bis 45 mm langen Exemplaren
in Kreibitz und Kieslingswalda vor.
Die abgebildeten Exemplare rühren vou Chlomek her und die abge-
riebene Oberfläche der d
Verzierung.
icken Schale zeigt nur noch schwache Spuren der
Fig. 77. Tellina strigata, Goldf. von Ohlomek
a. Glattes Exemplar mit abgeriebener Schale.
b. Steinkern mit Muskelabdrücken.
162. Taf. XV. Fig. 11—16.) Fig. 78.
ma Н d KR ч; 5 r Ч
Telllna eostulata, Goldf. (Petr. Germ. Taf. 147. Fig. 19. Holzapfel. Aachn.
Kreide. p.
Kommt in Kreibitz, Tannenberg und Kieslingswalda vor.
«а
А
Fig. 78. Tellina costulata, Goldf. von Tan-
nenberg. A
Big. 7
. Nat. Grösse. B. Sculptur des
Steinkernes vergrössert.
9. Venus Goldfussi, Gein. von Tannenberg
Nat. Grósse.
Venus Goldfussi, Geinitz. (Elbthalgeb. II. p. 67. Taf. 18. Fig. 16, 17. — Venus
parva, Sow. bei Reuss.
Priesener Schichten, p. 97. Fig. 118.) Fig. 19.
Exemplare von 27 mm Durchmesser von
kerne.
Tannenberg sind blos Stein-
Geinitz führt sie von Kieslingswalda an.
Ob die Stücke zu Tapes nuciformis, Müller gehören, lässt sich wohl
naeh Steinkernen nicht entseheiden.
Venus (Tapes) faba, Sow. sp. (Gein. Kieslingsw. p. 13. Taf. II. Fig. 7, 8, 9
— Holzapfel, p. 165. Taf. XIII. Fig. 7—10.) Fig. 80 a, b.
Steinkerne sind häufig in Tannenberg und Kieslingsw
alda.
64.
Venus subfaba, D'Orb. (Prodrome de Palaeont. stratigrafique. II. p. 237.) Fig. 81.
Diese nach hinten verlängerte niedrigere Form kommt mit der V. faba
zugleich in Kieslingswalda vor.
Avieula triloba, Röm. sp. (Gervillia triloba Röm. Verst. p. 64. Taf. VIII. Е. 13.
— A. anomala, Gein. Kieslw. p. 15. Taf. III. Fig. 8. Fig. 82.
а
Fig. 80. Venus (Tapes) faba, Sow. sp а. Exemplar mit Schale. b. Steinkern. Von Tannenberg.
Nat. Grósse.
b
Fig. 81. Venus subfaba, D'Orb. von Fig. 82. Avicula triloba, Röm. sp. von Tannenberg.
Nat. Grósse. Nat. Grósse.
Das von Römer abgebildete Exemplar ist wohl nur ein Junges dieser
durch die drei Längswülste charakterisirten Art, welche in Kieslingswalda
eine ansehnliche Grösse erreicht und auch in Tannenberg die Länge von
6 cm besitzt.
Corbula striatula, Sow. (Goldf. Petr. Germ. II. p. 251. Taf. 151. Fig. 6.) Fig. 83.
Häufig in dem grobkörnigen Sandstein von Chlomek. Ein Exemplar
von Kieslingswalda mit erhaltener Schale zeigt gut die starken concen-
trischen Falten.
65
Leda siliqua, Goldf. sp. (Weissenb. Schichten, p. 118. Fig. 81.)
Selten in den sogen. Eisensteinen von Kieslingswalda.
Gervillia solenoides, Defr. (Weissenb. Schichten. p. 129. Fig. 109.)
Wird sehon von Reuss aus Kreibitz angeführt und kommt auch wirklich
als Steinkern in Kreibitz und Kieslingswalda vor.
"o € А "
Fig. 83. Corbula striatula, Sow. von Ohlomek. œ. Von Aussen, b. von Innen, бта] vergróssert,
е. Steinkern mit deutlichen Sehloss-, Muskel- und Siphonalröhren-Abdrücken vergróssert.
Gervillia Holzapfeli, Fr. n. sp. Fig. 84.
Exemplare mit wohlerhaltenem Schlossabdruck sind ähnlich der G. sole-
noides, aber das Schloss-Ligament trägt 6 (wahrscheinlich 9 ) schmale, durch
Fig. 84. Gervillia Holzapfeli, Fr. von Tannenberg. Nat. Grösse.
breite Zwischenräume getrennte Zähne. Der das Schloss tragende Flügel
ist nieht dreieckig wie bei G. solenoides, sondern gleich breit. Die Schloss-
zühne unter dem Ligament sind am Steinkern deutlicher, als es die Zeichnung
darstellt.
©
66
Gervillia ovalis, Fr.
Sowohl von Chlomek als auch von Tannenberg besitzen wir länglich-
ovale Gervillien, deren Schloss nur mit wenig Zähnen versehen ist.
Fig. 85. Gervillia ovalis, Fr. von Chlomek. Nat. Grösse.
Clavagella elegans, Müll. (Müll. Aach, Kr. Supplement, pag. 17. Taf. 8. Fig. 3.
— Holzapfel, Moll. d. Ach. Kr. Palaeontografica XXXV. p. 148. Taf. үш.
Figs 105 MT DIES 50.
Obzwar die Exemplare von Kieslingswalda viel kleiner sind als die aus
dem Grünsand von Vaals, so dürften sie doch zu der Aacher Art gehören.
Kin Fragment besitzen wir auch von Chlomek.
Wig. 86, Clavagella elegans, Müll. aus den Fisensteinen von Kieslingswalda. Nat. Grösse.
Bemerkungen über die Inoceramen.
Von Inoceramen werden von Reuss der I. mitiloides und Cripsi, sowie con“
centricus und Brongniarti aus Kreibitz angeführt, über welche sehr zweifelhafte
Angaben sich bei dem Abgange der Reussischen Originalexemplare nichts Sicheres
eruiren lässt; der wahre I. labiatus kommt in den quadrigen Schichten vom Alter
der Weisenberger unweit Kreibitz vor und mag so von Kreibitz, aber nicht aus
den Chlomeker Schichten eitirt worden sein.
Der von Geinitz als concentricus von Kieslingswalda abgebildete Inoceramus
wurde von Stoliezka als neue Art I. Geinitzianus aufgefasst.
Der I. tegulatus Gein wird von demselben Autor (Elbthalgeb. II. p. 45) als
eine schmale Form des I. latus aufgefasst.
67
Langenhan und Grundey führen von Kieslingswalda mehrere Alten an, zu
denen sie als Autor Herrn v. Haenlein, Rittmeister in Blankenburg am Harz
eitiren. Ich wandte mich an den genannten Herrn und erfuhr, dass seine Arbeit
über Inoceramen erst erscheinen wird.
Inoceramus Geinitzianus, Stoll. (I. concentricus, Gein. Kieslw. p. 15. Taf. 3.
Fig. 19. — Stoliczka. Pal. Ind. Cret. Fauna II. p. 407. Pl. 27. Fig. 45.)
Fig. 87.
Stoliczka hat die Identität der als In.
concentricus von Kieslingswalda angeführten
Art mit der indischen I. Geinitzii nach-
gewiesen. Derselbe soll einen Übergang
von І. striatus (concentricus) zu latus dar-
stellen.
Wir besitzen solche Exemplare auch
von Tannenberg.
Inoceramus Cuvieri, Sow. (Teplitzer Schichten,
p. 82. Fig. 74.)
Häufig in Tannenberg und Chlomek.
Inoceramus paradoxus, v. Haenelein. (Langen-
han et Grundey. Das Kieslingswalder Ge-
stein und seine Versteinerungen. (Pag. 11.
Tat, V. Big, 3.)
Diese grossen Inoceramen sind so stark Fig. 87. _ Inoceramus Geinitzianus.
involut, dass man im ersten Augenblicke — 9'^! bipes pee SES
glaubt einen Nautilus vor sich zu haben.
Wahrscheinlich ist dies nur eine in der Brandungsregion entstandene Form
einer bekannten Inoceramenart, die wohl schwer zu eruiren sein wird.
Inoceramus latus. (I. tegulatus, Gein. Kiesiw. Taf. VI. Fig. 11. — Elbthalgeb. Il.
p. 45.)
Der von Geinitz als tegulatus aus Kieslingswalda angeführte Inoceramus
soll nach Stoliezka blos eine schmale Form von I. latus sein. Wir besitzen
, nur wenig instruktive Exemplare.
Lima Hoperi, Mant. (Weissenb. Sch. p. 133. Fig. 121.)
х Selten und mangelhaft erhalten in Tannenberg und Chlomek.
Lima multicostata, Gein. (Isersch. p. 112. Fig. 82.)
Selten in Kreibitz (Reuss) und in Tannenberg.
Lima semisuleata, Nilss. (Weissenb. Schichten, p. 132. Fig. 115.)
Selten in Kreibitz (Reuss), dann in Chlomek, Tannenberg und Kies-
lingswalda.
Lima granulata, Desl. (Teplitzer Schichten, p. 83. Fig. 76.)
Selten in Kreibitz, Tannenberg und Chlomek.
Lima pseudocardium, Bn. (Cardium dubium, Geinitz. Kieslw. p. 14. Weissenb.
Schiehten, p. 133. Fig. 119.)
Reuss führt die Ar von Kreibitz, Geinitz von Kieslingswalda an. Es
ist aber zweifelhaft, ob es nicht nur Steinkerne von L. granulata waren.
Peeten Nilssoni, Goldf. (Weissenb. Schichten, p. 134. Fig. 194. — Iserschichten
pe 115. Fig 98.)
Selten in Kreibitz (Reuss), Kieslingswalda und Tannenberg.
Pecten virgatus, Nilss. (curvatus, Gein.) (Geinitz Kieslw. p. 16. Taf. 3. Fig. 13.
Weissenb. Schichten, p. 136. Fig. 127. — Holzapfel Aachner Kr, р. 229,
Taf. XXVI. Fig. 7—9.)
Selten in Chlomek, Kreibitz (Reuss), Tannenberg und Kieslingswalda.
Vola quadrieostata, Sow. sp.
Diese Art variirt an Exemplaren von Chlomek und Tannenberg во,
dass bald 3, bald 4 niedrigere Rippen zwischen den stürkeren sich befinden.
Plieatula inflata. Sow. (Goldfuss, Petref. Germ. IL Fig. 109. Taf. 107. Fig. 6.)
l'ig. 88.
Sehr selten in Chlomek.
ixogira laeiniata, D'Orb. (Isersch. p. 119. Fig. 93.)
Selten als grosser, bis!45 mm langer Steinkern
in Chlomek und Tannenberg.
Exogira lateralis, Nilss. sp. (Weissenb. Sch. p. 140.
Fig. 88. Plicatula inflata, Fig. 136.) :
Вот, SC a» Gute Oberschalen selten in Chlomek und Kies-
lingswalda.
Ostrea frons, Part. (Iserschichten, pag. 121. Fig. 96.)
Selten in Chlomek, in Tannenberg gute typische Exemplare.
Ostrea semiplana, Sow. (Weissenb. Sch. p. 141. Fig. 138.) Selten in Chlomek
und Tannenberg als Steinkern.
Ostrea hippopodium, Nilss. (Weissenb. Sch. p. 140. Fig. 137.
Selten in Chlomek.
Ostrea longirostris, Lmk. L. et G. Taf. IV. Fig. 4, 8.
Eine riesige Auster von Habitus der tertiären bilden Langenhan und
Grundey von Kieslingswalda ab. Das Ligament ist 6 cm, der erhaltene
Theil der Schale 27 cm lang, Gil, cm breit. Ich habe das Original nicht
gesehen, aber man versicherte mich, dass ein Zweifel über den Fundort
ausgeschlossen ist.
Anomia semiglobosa, Gein. (Geinitz, Quadersandsteingeb. Taf. XI.. Fig. 6—9. —
Weissenb. Schichten, p. 142. Fig. 141.)
Gute Exemplare, bis 3 cm hoch besitzen wir von Tannenberg, kleinere
von Chlomek und Kieslingswalda.
Anomia subtruncata, D’Orb. (Weissenb. Schichten, p. 142. Fig. 139.)
Diese mit precise centralem Winkel gekennzeichnete Art besitzen wir
von Chlomek und Kreibitz.
Rhynehonella alata, Lam. sp. (Gein. Kieslw. p. 17. Taf. Ш. Fig. 17.)
Kommt nach Geinitz in Kieslingswalda .vor. Unser Material ist ZU
mangelhaft, um über die Art eine Untersuchung zu gestatten,
69
Magas Geinitzi, Schlb. (Weissenb Sch. p. 145. Fig. 148.)
Sehr selten im Chlomek und Kreibitz. Was ich von Kieslingswalda als
Terebratula Walterdorfensis, Lang. und Gn. gesehen habe, dürfte wohl hierher
gehóren.
Bryozoa. |
|
Petalopora seriata, Nov. (Dr. О. Novák, Bryoz. der böl Kreidefor Kais |
; | URRE ák, Bryoz. der böhm. Kreideform. Kais.
Akad. Wien 1877. p. 41. Taf. IX. Fig. 21—28. Taf. X. Fig. 3, 4. — Iser- \
Schichten, p. 126. Fig. 111.)
Selten in Kieslingswalda. Nicht sicher bestimmbare andere Bryozoen |
besitzen wir von Chlomek. |
Crustacea. |
Palaeocorystes Callianassarum, Fr. (Fr. et K. Orust. p. 47. Fig. 68. Fig. 89. |
Diese Krabbe wurde zuerst durch Geinitz als der Thorax von Callia- jl
nassa aufgefasst, später aber von mir in oben eitirtem Werke als zu pa- |
| laeocorystes gehórig beschrieben.
Podoerates Dulmensis, Becks, (Geinitz Quader- sandstein Geb. p. 96. Taf. П.
Fig. 6. a, b. Fr. et Kafka Crustaceen, p. 21. Fig. 44. Nach Geinitz in Kies-
| lingswalda.
Glyphaea7sp.'
Ein Cephalothorax von Kieslingswalda als Steinkern deutet auf das Vor-
; kommen dieser Gattung hin, reicht aber nicht zur genaueren Bestimung. |
Callianassa;antiqua, Otto. (Róm. p. 109. Taf. 16. Fig. 25. — Geinitz Kieslw. p. 6. |
Taf. I.. Fig. 1. Fritsch und Kafka, Crustaceen der Böhm. Kreideformation,
p. 42. Text Figur 62—65.) Fig. 90. ||
:
|
|
ul
©
Fig. 59, Palaeocorystes Callianassarum, Fr. Kieslingswalda. 2mal vergróssert. в. Von oben. |
b. von der Seite, c. von vorne. |
70
Nach Revision unseres Materials blieb ich bei der früheren Auffassung
dass in Kieslingswalda nur eine Art von Callianassen vorkommt, denn die
Form der Scheerenfinger variirt so stark, dass nach derselben keine Arten
gebildet werden können.
Die Exemplare mit stumpfen Fingern wurden bisher als C. Fuujassı
aufgefasst, aber an demselben Exemplar ist oft die zweite Scheere mit
spitzigen Fngern versehen.
Vig. 90. Callianassa antiqua, Otto, von Kieslingswalda. «a. Restaurirtes ganzes Exemplar, ^. eine
Scheere, е. das Abdomen. Nat. Grösse.
Pollicipes glaber, Röm. (Fr. et K. Die Crustaceen der В. Kreideform. pag. ®
Fig. 13.)
Selten in Chlomek als Steinkern.
1
Vermes.
Serpula gordialis, v. Schloth.
| Selten in Kieslingswalda und Kreibitz.
Serpula Socialis, Goldf.
Selten in Kieslingswalda und Kreibitz.
Echinodermata.
Cidaris subvesieulosa, D'Orb. (Teplitzer Schichten, p. 97. Fig. i24)
NM Das Negativ eines Stachels besitzen wir von Ohlomek.
lemiaster Regulusanus, D'Orb. (Priesener Sch. p. T12."Fig. 147.)
Schlecht erhaltene Steinkerne besitzen wir von Kreibitz. Geinitz führt
die Art, die bei uns in den Priesener Schichten häufig ist, von Kieslings-
А ) мајда an (Mus. Dresden).
lemiaster sublaeunosus, Gein. (Geinitz, Elbthalgeb. П. p. 14. Tat, 4 «Fig. 5, 6.)
: Nach Geinitz in Kieslingswalda.
Cardiaster ananchytis, Leske sp. (Spatangus granulosus, Goldf. Petr. Germ. 1.
p. 148. Taf. 45. Fig. 8. — C. ananchytis, Geinitz, Elbthalgeb. IL. pag. 10.
Taf. 3. Fig. 4. Taf. 4. Fig. 7.) Fig. 91.
Fig, 91
х bei Tannenberg.
Cardiaster Ananchytis, Leske sp. Steinkern aus dem Dachsloche
Zeichnung des Prof. Novák.
Steinbrüchen im Dachsloch bei Tannen-
Die Steinkerne kommen in den
Aus seinen zur Publi-
berg vor und wurden von Dr. Ot. Noväk bestimmt.
cation vorbereiteten Tafeln gebe ich hier eine Copie.
12
Cardiaster Cotteanus, Otto. L. et G. Taf. L Fig. 17.)
Ein wohlerhaltener Steinkern aus Neu Waltersdorf wird von Langenhan
und Grundey abgebildet.
Schizaster Hoemeri, n. sp. L. et б. Taf. 1. Fig. 18.
Langenhan und Grundey bilden einen verdrückten Steinkern von Neu-
waltersdorf ab und beschreiben denselben als neue Art. was bei so mangel-
haften Erhaltung eine undankbare Arbeit ist.
(Asterias Sehulzii, Cotta) L. et. G. pag. 8. Taf. I. Fig. 19, 20.)
Die von Langenhan und Grundey angeführte Art wurde jedenfalls in
tieferen Schichten beim Bahnbau zwischen Glatz und Mittelwalde gefunden
und dürfte kaum dem Kieslingswalder Horizont angehören. Auch ich erhielt
von Herrn Lehrer Gallisch ein Exemplar, das bei Alt-Lomnitz gefunden
worden sein soll, aber dem Gesteine nach wohl aus dem Horizont der oberen
Quader der Sächsischen Schweiz (Iserschichten) stammt.
Porifera.
Cylindrites spongioides, Goepp. (Vora Act. Leap. XXII. p. 358. Taf. XXXV.
XXXVI. Fig. 1—4.) — (Spongites saxonicus, Gein. Iserschichten, p. 135.
Fig. 128.)
Dieses rüthselhafte Petrefaet kommt sehr häufig in den Chlomeker Sand-
steinen, die mit den mergligen Schichten wechsellagern, am Chlomekberge
vor. In dem Steinbruch beim Bahnhofe in Oberkreibitz fand ich grosse
Exemplare als Hóhlung, die eine hóckrige Beschaffenheit zeigte und darin
lag der glatte Steinkern als Ausguss des Hohlraumes des einstigen Schwammes:
Bemerkungen zu den Pflanzenresten.
Die Bearbeitung der aus Bóhmen und aus Kieslingswalda stammenden Pflanzen-
resten unternahm Herr Dr. Edwin Bayer und legte die Resultate am 96. Juni 1896
der königl gelehrt. Ges. der Wissenschaften in Prag in böhmischer Sprache nebst
deutschem Resume vor. In Nachfolgendem werde ich mich bei den dort neu be-
schriebenen Arten auf diesen Aufsatz „О rostlinstvu vrstev chlomeekych^ berufen.
Das aus Böhmen stammende Material rührt grösstentheils aus einem grossen
Block festen Sandsteins her, den wir zwischen Böhm. Leipa und Pisnik auf dem
Felde fanden und der aus den Chlomeker Schichten stammt. Das Material von
Kieslingswalda sammelte ich und Herr J. Kafka auf mehreren Exeursionen.
Asplenites dubius, Vel. (Velenovsky: Die Farne der b. Kreideform. pag. 16:
Taf. IL. Fig. 17—19.) Fig. 92.
Eine Aehnliehkeit dieser Blattüberreste mit der Gattung Asplenium
lässt sich nicht in Abrede stellen, allein eine definitive Bestimmung der-
18
selben ist bis jetzt unmöglich. Aus dem festen Sandsteinblock von Böhm.
Leipa.
Pteridoleimma durum, Bayer. (Resume, p. 31.) Fig. 9.
Diese 2 kleinen Farnüberbleibsel erinnern an Aspidien-Fiedern. Unter
den fossilen Farnen findet man eine Aehnlichkeit bei dem Aachener Pteri-
doleimma Kaltenbachi Deb. et Ett. Aus dem Sandstein von Böhm. Leipa.
Gieichenia Zippei, Corda sp. (Bayer. Resumé p. 31.) Fig. 94.
Ein kleines Bruchstück einer Blattfieder, allein gut erhalten, so dass
man daraus an die Existenz der Spec. daselbst sicher schliessen kann.
Sehr selten in Böhm. Leipa.
| №7
ig. 92. Asplenites dubius, Fig. 93. Pteridoleimma durum, Fig 94. Gleichenia Zippei,
Vel. von Bóhm. Leipa, nat. jayer, von Böhm. Leipa. CordaB. Leipa
Grösse, Nach Velenovsky.
g!
|
\
n ex
8-95. Gleichenia comptoniaefolia, Fig. 96. Sequoia Reichen-
eer, v, Böhm. Leipa. bachi, Gein. sp. Kislings-
walda. Nat. Grösse. Nach
Velenovsky.
Fig. 97- Smilax panarlia, Dayer.
Von Kieslingswalda.
1 e
Gleichenia comptoniaefolia, Heer. (Didymosorus comptoniaefolius, Deb. et Elbg.)
Fig. 95.
M In einigen Exemplaren in Böhm. Leipa. й
190іа Reichenbachi, Gein. sp. (Velenovsky: Die Gymnosp. der böhm. Kreide-
Form. p. 90. Taf. IX. Fig. 14. — Langenhan und Grundey: „Das Kieslings-
walder Gestein etc.“ Taf. VI. Fig. 2. als Getnitzia cretacea bekannt, von
Neuwaltersdorf.) Fig. 96.
Die drei Zweigüberreste, die wir von Kieslingswalda besitzen, bestättigen
wohl die Meinung Velenovsky’s 1. с. pag. 20., dass die tertiären Sequoien-
Arten zweifellos als die unmittelbaren Nachkommen der Kreide-Sequoien
aufzufassen seien.
Selten in Kieslingswalda.
Smilax panartia, Bayer. (Bayer Resume, p. 32.) Fig. 97.
Ein unverkennbar richtig bestimmtes Smilacoideen-Blatt. Die recenten
Arten Smilax californica Gray und S. aspera L. haben die ähnlichsten
Blätter.
Sehr selten in Kieslingswalda.
Myrica acutiloba, Brongn. (Bayer Resume, p. 32.) Fig. 98.
Das Blattfragment kann man am besten mit der M. acutiloba Brongn.
und der recenten Art M. asplenifolia Rich. vergleichen. Selten in Böhm.
Leipa.
Ch,
AL.
Fig. 98. Myrica acuti- Fig. 99. Alnus Kefersteinii, Ung Von
loba, Drongn. von B. Kieslingswalda.
Leipa.
Fig. 100. Quercus pseudodrymeja,
Vel. Kieslingswalda. Nat. Grösse
Nach Velenovsky.
Alnus Kefersteinii, Ung. (Bayer Resume, p. 33. Fig. 10.)
Diesen Blattabdruck kann man noch am besten mit den Blättern der
Alnus Kefersteinii vergleichen, wozu besonders die breitere Form der Spreite;
der dicke Hauptnerv und die nicht zahlreichen Secundärnerven einen
sicheren Beleg bieten. Selten in Kieslingswalda.
Quercus pseudodrymeja, Vel. (Velenovsky: Fl. d. b. Krdf. IL Th. pag. 17.
Taf. П. Fig. 21, 22. — IV. Th. pag. 13. Taf. VII. Fig. 10. — А. L«ngenhan
und M. Grundey: Das Kieslingswalder Gestein 1891. Taf. VI. Fig. 11, 15
als Phyllites Geinitzianus, Gópp. und Carpinites arenaceus Gópp. angeführt.)
Der tertiàren Art Quercus drymeja Ung. sind die uns vorliegenden
Exemplare sehr verwandt, sind aber grósser und etwas breiter. Diese
schöne Pflanze belehrt uns noch besser, als die weit häufiger vorkommende
folgende Quereus-Art, dass wir es hier mit echten Quercus-Blättern zu thun
haben. Selten in Tannenberg, häufiger in Kieslingswalda.
Quereus westfaliea, Hos. et. v. d. M. (Velenovsky: Fl. d. b. Krdf. П. Theil,
pag. 17. Taf. II. Fig. 20, 28. — IV. Th. pag. 13. Taf. VII. Fig. 7, 12, 13.
Fin
Gr 101. Quercus west-
Н 1108, Host. et v.d.M.
es] mgswalda. Natürl,
rössse, Nach Vele-
novsky.
\
Fig. 102. Quercus Velenovskyi, Bayer. Von Kieslingswalda.
Langenhan und Grundey: „Das Kieslw. Gestein“. 1891. Taf. VI. Fig. 18,
19,! 20.
Die Blätter, die wir in einer ziemlich reichen Anzahl besitzen, waren
von einer sehr variablen Form. Trotzdem erkennt man sie selbst an Bruch-
Stücken ziemlich leicht und die Zugehörigkeit zu der Gattung Quercus kann
auch nicht geleugnet Werden. Die häufigste Art in Kieslingswalda.
76
Quercus Velenovskyi, Bayer Resumé p. 33. Fig. 102.
Weder mit der Q. westfalica noch mit der Q. pseudodrymeja ist diese
Pflanze zu verwechseln, da diese 3 Blattabdrücke mit keiner von denjenigen
Arten, die Velenovsky beschrieben hat, identisch sein können und müssen
als selbständige Art anerkannt werden. Selten in Kieslingswalda.
Credneria superstes, Vel. (Velenovsky: Fl. d. b. Kreidef. I. Theil, pag. 15. (8.)
Taf Va Pig 80d Eig«08.
Es scheint, dass die Bestimmung dieser Dlattreste richtig ist und dass
wir es hier noch mit einer echten Credneria zu thun haben.
Von Böhm. Leipa.
Ficus fracta, Vel. (Velenovsky: Die Flora der bóhm. Kreidef. IV. Th. Taf. УШ.
Fig. 15. pag. 10.) Fig. 104.
7
Fig. 103. Credneria superstes, F'ig. 104. Ficus fracta, Vel.
Vel. Bóhm. Leipa. Nach Ve- Kieslingswalda. Natürliche
lenovsky. Natürl Grösse. Grösse,
Fig. 105. Dryandroides quercina,
Vel. Kieslingswalda. Nach Vele-
novsky. Natürl. Grösse.
Wenn auch vorläufig nur dieses alleinstehende Fragment vorliegt, 80
deuten doch nur alle Merkmale auf die Gattung Ficus hin. Das Kieslings-
walder Exemplar ist nach Velenovsky selbst von der tertiären Art Ficus
multinervis Heer, gar nicht zu unterscheiden. Selten in Kieslingswalda.
Dryandroides quercina, Vel. (Velenovsky: Die Flora der böhm. Kreideform.
П. Th. pag. 8. Taf. П. Fig. 88 —15. — IV. Th. pag. 18. Taf. VIL.2Fig. 8.)
Fig. 105 und 106.
Die Blattfragmente, die in den beiden Fundorten ziemlich häufig ver-
treten sind und gut übereinstimmen, weissen nach Velenovsky 1. с. pag. 13.
auf das identische Alter der beiden Fundorte hin und zugleich auf die Ahn-
77
lichkeit derselben mit der tertiären Ablagerungen. Velenovsky betont noch
l. c, dass ihm die Stellung dieser Blätter nicht richtig gedeutet zu sein
scheint und dass noch eine weitere Vergleichung mit der Gattung Myrica
nothwendig sein wird.
Ы.
lu
Fig. 106. Dryandroides quereina, Vel. von Kieslingswalda.
Dryandroides geinoglypha, Bayer (Resumé p. 35). Fig. 107.
Die ziemlich gut erhaltenen Blatthälften erinnern zwar stark an die
vorhergehende Art, allein die unter einem weit stumpferen Winkel auslau-
fenden und nicht so bogigen Secundärnerven ete. sprechen sehr für eine
pi andere Art. Selten in Kieslingswalda.
Isonia atavia, Vel. (Velenovský: Die Fl. d. b. Kreideform. IV. Th. p. 6. Taf.
ҮШ. Fig. 13, 14. — A. Langenhan und Grundey: „Das Kieslingswalder
Gestein“ 1891. Taf. VI. Fig. 8.) Fig. 108.
Diese Blattform stimmt sehr gut mit den zahlreichen Abbildungen überein,
welche in Ettingshausen's „Flora von Haering*, p. 43. als Pisonia eocenica
Ettg. beschrieben sind. Velenovsky hat sie jedoch des verschiedenen Alters
wegen getrennt. Von Kieslingswalda.
78
Cocculus extinctus, Vel. (Velenovusky: Fl. d.
Fig. 1, 3.) Fig. 109.
Ñ
Fig. 107. Dryandroides geinoglypha, Bayer. Von
Kieslingswalda.
Fig. 108. Pisonia
atavia, Vel. Bóhm.
Leipa. Nach Vele-
novsky. Nat. Grösse.
Fig. 110. Cinnamomum per- Tig.
sonatum, Bayer. Von Kies Vel.
I
N
SEENEN
111. Laurus afiinis.
Von Kieslingswalda,
lineswalda. Nach Velen. Nat, Grösse,
b. Krdfm. IV. Th. pag. 3. Taf. IT.
Fig. 109. Cocculus extinc-
tus, Vel. Kieslingswalda.
In halber natürl. Grösse.
Velenovsky stellt diese
schónen Blattabdrücke zu der
Gattung Cocculus hin und be-
spricht 1. с. eingehend die
Gründe, die ihn dazu geführt
haben. Selten in Kiesling$-
walda.
Cinnamomum personatum;
Bayer. (Resumé p. 35.) F. 110.
An dem erst später 8°-
fundenen und nicht abgebil-
deten Exemplare habe ich die
Richtigkeit dieser Bestimmung
noch besser erkannt. Selten
in Kieslingswalda. :
Laurus affinis, Vel. ( Velenovski í
Fl. d.b. Krdf. IV. Th. pag. 9
Tu, NG Pig 4,5, 4. 95. 77
Langenhan und Grundey : DaS
Kieslgsw. Gest. 1891. Taf. VL
Fig. 19. wird wahrscheinlich
hierher gehóren.) Fig, 111.
Es steht uns eine Reihe
schön erhaltener Exemplare
von dieser Art zur Verfiigung:
79
Die ganze Beschaffenheit des Blattes entspricht derjenigen, die wir bei der
Gattung Laurus wiederfinden, die Kieslingswalder Blütter aber sind von
denjenigen der Laurus Plutonia Heer, welche Art auch in den böhmischen
Kreideschichten vorkommt, speeifisch verschieden, folglich ist die neue Art
aufrecht zu erhalten. Häufig in Kieslingswalda.
Platanus onomastus, Bayer. (Resumé p. 35.) Fig. 112.
Ein schön erhaltenes Bruchstück, das den recenten Platanen-Blättern
sehr ähnlich ist. Dieser schöne Blattabdruck kann als ein weiterer Beweis
für die Existenz der genannten Gattung in der Kreideperiode dienen, denn
für die älteren Cenomaner Schichten haben sie Heer und besonders Vele-
novsky in seiner böhmisch abgefassten Arbeit „Die Flora des böhm. Ce-
noman’s“ unfehlbar bewiesen und genügend illustrirt. Selten in Kieslings-
walda.
|
Fig. 113. Prunus cerasiformis,
Vel. Kieslingswalda. Nach Vele-
novsky. Natürl. Grösse.
Fi i €
Б. 112, Platanus onomastus, Bayer von Kieslingswalda,
Prunus cerasiformis, Vel. (Velenovsky: Fl. d.b. Krdfm. IV. Th. pag. 8. Taf. VI.
Bi, A. 1) Fig. 113.
Die fossilen Blütter sind etwas breiter als bei Prunus Cerasus, kónnen
aber in jeder Hinsicht mit einigen Arten der Gattung Prunus gut verglichen
i werden. Selten in Kieslingswalda.
lymenaea elongata. Vel. (Velenovsky: Fl. d. b. Krdf. III. Theil, p. 10. Taf. V.
Fig. 3.) Fig. 114.
Dieses Blattpaar ist dem Blattpaare von Kuchelbad, welehes Velenovsky
l. е. unter demselben Namen anführt, sehr ähnlich und folglich ist es sehr
Wahrscheinlich, dass wir es da mit einer Pflanze zu thun haben, die sich
in der ganzen Kreideperiode Böhmens erhält. Selten in dem festen Sand-
stein in Böhm. Leipa.
‚assia melanophylla, Vel. (Velenovsky: Dio Flora der böhm. Kreideformation.
ТУ:; Труб: Bat. VEL, Fig. 1,,2,:.8,.9, 11,:12,)., Fig. AU
Langenhan und Grundey: Das Kieslgsw. Gest. 1891. Taf. VI. Fig. 14
ist nur ein Cassia-Dlatt und gehört sicher zu einer unserer beiden Arten
hin. Ich halte es für ein Blatt der Cassia melanophylla Vel.
Man kann nach Allem sicher schliessen, dass diese Blätter zu einer
Cassia oder wenigstens einer von den derselben nächst verwandten Gattungen
Fig. 116. Cassia atavia, Vel. Kies-
lingswalda. Nach Velenovsky. Zi
der natürl. Grösse.
Fig. 114. Hymenaea elongata, Vel.
Böhm. Leipa. Nach Velenovský.
Natürl. Grösse.
Fig. 117. Rhus cretacea, Velen.
Böhm. Leipa. Nach Velenovsky.
Natürl. Grösse.
Fig. 115. Cassia melanophylla.
Böhm. Leipa. Nach Velenovský,
Natürl, Grösse,
hin gehören. Die verzogene Blattspitze, durch die sich diese böhmische Art
von allen verwandten, fossilen Arten specifisch unterscheidet, kommt eben
wieder bei den lebenden Cassien öfter vor. Nicht selten im festen Sand-
stein von Böhm. Leipa.
Cassia atavia, Vel. (Velenovský: Die Flora der b. Kreideform. IV. Theil, Taf. УШ.
Fig. 3—7, 10, pag. 6.) Fig. 110.
81
Velenovsky sagt l. е. wörtlich: „Diese Blätter kann ich eigentlich von den
tertiären C. phaseolites oder C. hyperborea specifisch nicht unterscheiden.
Wenn die Sandsteine von Kieslingswalda der tertiären Zeit zugezählt werden
sollten, wie es z. B. Goeppert gethan hatte (Fl. d. Quadersf.), so müsste
C. atavia sowie einige andere Arten dieser Schichten mit den tertiüren
identifieirt werden. Die Flora dieser schlesischen Sandsteine entspricht
sehr gut derjenigen, welche in den Chlomeker Schichten Bóhmens begraben
ist. Diese Schichten werden aber von den böhmischen Geologen als die
jüngste Formation der Kreidezeit angesehen, 50 dass ich die Pflanzenab-
e :
pH 118. Cissites crispus,
p m. Leipa. Nach Vele-
Ovsk$. Natürl. Grösse.
Fig. 121. Aralía coriacea, Vel.
Von Kieslingswalda.
Bän 4; ` T ^ А
um 120. Aralia Chlome- Тіс. 119. Eucalyptus angusta, Vel. Fig. 122. Phillyrea Engelhardti,
dr Vel. Bóhm. Leipa. Vel. Bóhm. Leipa. Nach Vele-
ach Velen. Verkleinert. novsky. Natürl. Grösse.
drücke von Kieslingswalda z. B. jenen von Böhm. Leipa im Alter gleich
stellen muss. Ziemlich häufig in Kieslingswalda.
hus сгеќасеа, Vel. (Velenovsky: Fl. d. b. Krdf. IV. Theil, p. 7. Taf. IV. Fig.
7—19.) Fig. 117.
In der Flora von Häring sind sehr ähnliche Blätter als ws prisca
Ette. abgebildet. Um die Identität der beiden Blattarten zu constatiren,
6
82
wäre es nothwendig diese Abdrücke von В. L. mit den betreffenden Ort:
ginalen zu vergleichen. Häufig in dem festen Sandstein von Böhm. Leipa.
Cissites Crispus, Vel. (Velenovsky: Fl. d. b. Kreidef. IV. Theil, p. 12. Taf. IV.
Fig 0.) 10118.
Dieser Abdruck konnte zwar nicht zuverlässig bestimmt werden, scheint
aber mit einigen Cissus-Arten am besten übereinzustimmen. Selten in dem
festen Sandstein von Böhm. Leipa.
Eucalyptus angusta, Vel. (Bayer, p. 36. Fig. 19. — Langenhan und Grundey:
Das Kieslgsw. Gest. 1891. Taf. VI. Fig. 13 dürfte wahrscheinlich hierher
gezogen werden.) Fig. 119.
In einigen gut erhaltenen Exemplaren gefunden. Die Species ist unver-
kennbar. Selten in Kieslingswalda.
Aralia Chlomekiana, Vel. (Velenovsky: Fl. d. b. Kreidf. I. Theil, pag. 20 (13.)
TAL КҮШ) Big. 3.) Jig. 120.
Die Art der Theilung des Blattes, die Nervation, sowie die feste, leder-
artige Beschaffenheit der Spreite sprechen sämmtlich für eine Araliacee. ES
hat auch die Aralia quinquepartita, Lesq. die ähnlichsten Blätter. Sehr
selten im festen Sandstein von Böhm. Leipa.
Aralia coriacea, Vel. (Bayer, p. 27. Fig. 20.) Fig. 121.
Ein ganzes, schön erhaltenes, kleines Blatt, dass auf den ersten Blick
an Aralia dentifera, Vel. erinnert, bei näherer Betrachtung aber nur zu
Aralia coriacea zu ziehen ist. Selten in Kieslingswalda.
Phillyrea Engelhardti, Vel. (Velenovsky: Fl- d. b. Kreidef. IV. Th. p. 7. Taf. IV.
ШО кй, D)! Pig. 122
Langenhan und Grundey: Das. Kieslingsw. Gestein 1891. Taf. VI.
Fig. 7. dürfte wahrscheinlich hierhergehören, falls es nicht ein junges
Blättchen von Prunus cerasiformis ist. Es könnte auch mit einer Wein-
mannia-Art verwandt sein.
а Diese Blattart kann mit dem besten Erfolg mit
- den Blättern der jetzt lebenden Phillyrea latifolia
Kai / L. verglichen werden.
Bignonia silesiaea, Vel. ( Velenovsky: Die Flora der
bóhm. Kreideform. IV. Th. pag. 8. Taf. VII. Fig. 1,
9, 0,1], 15) fig. 198.
Diese Blätter können mit einigen Bignonien,
welche unpaarig gefiederte Blätter besitzen, ver-
glichen werden. Die Nervation ist sehr charakte-
ristisch und stimmt mit einer solchen von den
lebenden Arten gut überein. Die Blattspreite war
sehr lederartig, was auch bei den recenten Bigno-
nien der Fall ist. Häufig in Kieslingswalda.
Fig. 123. Bignonia silesiaca,
Vel. Kieslingswalda Nach Ve- (Chondritten fureillatus, A. Römer. Algae (Florideae)-
Es ist fraglich, ob diese wurmartigen, aber
verzweigten Überreste, die der Fig. 5. Tb. 46. Geinitz’s „Elbthalgeb.* Il.
entsprechen, einer Floridee, um so mehr gerade einer Gigartinaeee, ange-
lenovsky. Natürl. Grösse.
83
hören. Einem Algenkörper ist dieses Gebilde wohl ähnlich, es mag hier
also der Vollständigkeit wegen vorläufig unter diesem Namen angeführt
werden.
Alge?
Fig. 124, Chondrites furcillatus, A. Róm. Auf dem Sandstein von Fig. 125. Alge? Von Kreibitz
Chlomek. 1/ nat. Grösse.
Dieses Petrefaet war auf einem grossen Block der Chlomeker Sandsteine,
den ich in der Ziegelei in Kreibitz auf secundürem Lager vorfand, aber
nicht herausarbeiten konnte. Es scheint eine flache laminarienartige Alge
darzustellen.
|
d
T
|
Wi
|
I
|
Aschendorf . .
Bóhm. Kamnitz
Böhm. Leipa
Ohlomekberg .
l'alkenau
Grosskall
Hirtensteine .
Kieslingswalda
Knapphübel. . .
Kreibitz .
Vorwort
Alphabetisches Verzeichnis der untersuchten Localitäten.
Seite
21
21
20
19
21
19
27
25
20
23
Ober Kreibitz Bahnhof .
Písnik $
Podhrad bei Јел
Prachover Felsen
Schwoika
Slavíček
Sobotka
Tannenberg
Trosky
Voděrad
пла
I. Charakteristik abd идеке CH сао аР SECH
Der palaeontologische Charakter der Chlomeker Sc Шеба.
П. Вевс gien der im Bereiche der Chlomeker Schichten untersuchten Looalitäten
Chlomekberg bei Vinařice { à
2. Umgebung von Turnau, Wartenberg xii лий
3. Umgebung von Böhm. Leipa .
^ Tannenberg
. Kreibitz
ата іп дег тай hatt. Glatz. e
III. Tabellarische Uibersicht der in den Chlomeker Schic Шоп in ‚Bohnen Ad let
aufgefundenen Petrefacten
IV. Kritisches illustrirtes Verzeichnis der in Del Gase dide Шоп Eege ев
steiner ungen
Alphabetisches Verzeichnis der anter sachsen Lo calitàten.
Pag.
Pag. 35.
19.
Corrigenda.
"
Mosasaurus statt
7. Zeile von unten Zetten statt Latten.
Mososaurus.
ZWEITER BAND.
Zweiter Theil.
III. Botanische Abtheilung. Dieselbe euthält:
Prodromus der Flora von Böhmen von Brot Dr. Ladislav Celak ovsky (II. Theil
(Vergriffen.) Preis NECEM NC er fua qu US le ДИ
IV. Zoologische Abtheilung. Dieselbe enthält:
a) Prof. Dr. Ant. Frič: Die Wirbelthiere Bóhmens.
EE: A » ^ Die Flussfischerei in Bóhmen.
E ger ^ И " Die Krustenthiere Bóhmens Preis. . .. eo. 4 8'—
V. Chemische Abtheilung.
lod Dr. Em. Boficky: Über die Verbreitung des Kali und der Phosphorsäure
n ^ in den Gesteinen Böhmens Press u...“ "Ue WE a ME
Preis dor ganzen zweiten Hälfte des zweiten Bandes (IIL, IV. u. V. Abth. zusammen) geb. fl. 5'—
DRITTER BAIN D.
I. Topographische Abtheilung.
Verzeichniss der in den J. 1877—1879 vom К. К. mil.-geogr. Institut trigonometrisch
bestimmten Höhen von Böhmen herausgegeben von Prof Dr. Karl Kořistka und
Major R. Daublebsky von Sterneck Ne Ў Ka : .fl. 1:80
IL Geologische Abtheilung.
L Heft Petrographische Studien an den Phonolithgesteinen Böhmens von
Prof. Dr. Em. Boricky. Preis BO N E A ER NE I АШ
I. Heft. Petrographische Studien an den Melaphyrgesteinen Böhmens von
Реб Di Rime BOr ОД ИОД е а Ud po Hg
UI. Heft. Die Geologie des böhmischen Erzgebirges (L Theil) von Prof Dr.
Gustav Laube. Preis. ga Hee et Fa,
III. Botanische Abtheilung. ^
Prodromus der Flora von Bóhmen von Prof. Dr. Ladislav Oelakovsky.. (Ill. Leu
Schluss.) Preis . ^ ; en ERS eet Ko fl. 2:40
IV. Zoologische Abtheilung.
I. Heft. Die Myriopoden Bóhmens von F. Yi Rosicky. Prois ae ee MON) EU
Il. Heft. Die Cladoceren Böhmens von Bohuslav Hellich. Preis злу. ушей 1:00
V. Chemisch-petrologische Abtheilung
Elemente einer neuen chemisch-mikroskopischen Min eral-und Gesteinsanalyse
von Prof, Dr. Boricky. PIOS ruS Red DENN WM d s su fl. 1:40
vVIERTER BAND.
No. 1, Studien im Gebiete der böhmischen Kreideformation. Die Weissen
berger und Malnitzer Schichten von Dr. Anton Frič. Preis. . .—
No. 2, Erläuterungen zur geologischen Karte der Umgebungen von Prag von
ү бггеу und EE к i Крд fü 450
No. 3, Prodromus der Flora von Böhmen von Prof. Dr. Ladislav Celakovsky.
| (IV. Theil) Nachträge bis 1880. Verzeichniss und Register . . . er PU b 2220
No. 4, Petrologische Studien an den Porphyrgesteinen Dóhmens von Pror DE
: B Bofickv mi Toi Ee ur E dS H. 1:80
No. 5. Flora des Flussgebietes der Cidlina und Mrdlina von Prof. Ed. ra Acne
1 tl. 1:[-
No. 6. Der Hangendflótzzug im Schlan-Rakonitzer Steinkohlenbecken von Carl
К do deb is д =
Кер tm Antel Ve Ло ы n ULIS bs UN
FÜNFTER BAN D.
No. 1, Erlàuterungen zur geologischen Karte des Eisengebirges (Zelezné hory)
und der angrenzenden Gegenden im óstlichen Bóhmen von J. Krejéí und
N ега оке x dn us CU d RANDE Us
9.9, Studien im Gebiete der böhmischen Kreideformation. Ш. Die Iser-
N schichten. Von Dr. Anton Frié. iR RO о: ОО eng
о. 3. Die mittelbóhm. Steinkohlenablagerung von Carl Feistmantel . . 1 1:20
No 4. Die Lebermoose (Musci Hepatici) Böhmens von Prof. Jos. Dédeéek. fl. 1'—
0. 5. Orographisch-geotektonische Übersicht des silurischen Gebietes im
OU D M AS UU e GEN
mittleren Böhmen. Von Johann Krejčí und Karl Feistmantel. . . .fl. 2—
No, 6. Prodromus der Algenflora von Böhmen. L Ih Von Dr, А, Hensgirg. fl. 1:40
SECHSTENR BAND.
No. 1. Über die Torfmoore Bóhmens in naturwissenschaftlicher und national-
ókonomischer Beziehung mit Berücksichtigung der Moore der Nachbar-
länder. Von Dr. Fr. Sitensky. I. Abth. Naturwissenschaftlicher Theil. . . . fl. 2:80
Nu 2. Die Süsswasserbryozoen Bóhmens. Von Josef Kafka. . . . ‚fl. 120
No. 8. Grundzüge einer Hyétographie des gel ín ios Böhmen. Von Dr. F. J. n
Studniöka .. ; EE NU bes fl. 1:50
No. 4. Geologie des bóhmischen E rzgebirges. IL. Theil. Von Dr. Gustav Lei ru
fl. "ol
No. 5. Untersuchungen über die Fauna der Gewässer Dóhmens. I. Metamorphose
der Irichopteren. L Sene, Von Er тараа s 7.2.2... E, ШЦ
No. 6, Prodromus der Algenflora von Bóhmen. I. Th. Forts Von Prof. Dr. Anton
ET Ono Ии И BL s OD VACUA C Ad M, UU ылын Др E H ЖОШ
SIEBENTER B AUN D.
No. 1. Die Flechten der Umgebung von Deutschbrod von Jos. Novák. . .fl. 1.—
No. 2. Studien im Gebiete der bóhmischen Kreideformation. IV. Die Teplitzer.
Schichten Von Prof. Dr. Ant. Frié ant H. 8—
No. 8. Über die chemische Zusammensetzung "verschiedener Ackererden und
Gesteine Böhmen’s und über ihren agronomischen Werth. Von Dr. Jos.
Hanamann .. sed ORO ОЯ
No. 4. Die tertiären Land- und Büsswasser-Conehylien des nordw. Böhmen von $
Gottlieb KATRA v. J o2 ДНЮ
No. 5. Die Myxomyceten Böhmeus von Dr. Lad. Celakovsk y ! (Sohn) . iab io Sa LT: UAE
No. 6. Geologische Karte von Bóhmen. Section VI. Entworfen von Prof. Joh Krejéf.
Mit Erläuterung von Prof. Dr. A. Frič. Preis. . . . КЕЕ ous EN
ACHTER BAND.
No. 1. Übersicht der NE it der naturw. Landesdurchforschung v. н, 1864
bis 1890 von Prof. Dr. na en . fl —:30
No. 2. Untersuchungen goe Kai d. bóhm. Gewüsser. IL Fauna d. bóh m. Teiche
vOn Jos KATRA . ^... A o aU
No. 3. Monographie der Ostracoden Böhmens. Von Wenzel Varras 1. fi 1200
No. 4. Prodromus der Algenflora von Böhmen. Zweiter Theil. Von Prof. Dr. Anton
Hausgirg . 2 Mo A
No. 5. Recente und fossile Nagethiere Böhmen s. Verfass; von Josef Kafka. fl. 2.20 |
No. 6. Untersuchungen über die Fauna der EE yi Böhmens. I. Metamorphose |
der; Irichopteren. 1L. Serie. Von, Prof, Er, Klopalek «0. ил ә. de i b
NEUNTER BAND. a3
No.1. Studien im Gebiete der bóhmischen Kreideformation. V. Priesener Do
Schichten, Von Prof. Dr. Ant. Біб, i fl 3
des Unterpoéernitzer und Gatterschlager Teiches als Resultat der Ar:
No. 2. Untersuchungen überdieFaunader Gewässer Böhmens. IV. Die Thierwelt |
beiten an der übertragbaren zoologischen Station. Verfasst von Prof. Dr. |
Ant Erig und Dr Ve VAYA. "oi ee:
No. 3. Das Moldauthal zwischen Prag und Kralup. "Eine petrograph. Studie von Josef
А fl. 150
No. 4. Diechemische Beschaffenheit der fliessenden Gewässer Bóhmens. I Theil.
Hydrochemie des Egerflusses. Von Dr. Jos Hanamann . fl. 150
No. 6, Geologische Karte von Böhmen. Section III. Entworfen von Prof. Dr. Ant. Frié
Ue dg Poor Gustay UT V MOS MED ME, e, ү, PUR FORUM
ZEHNTER BAND.
“No. 1. Geologische Karte von Böhmen. Section П. Entworfen von Prof. Dr. Ant. F rié
und Prof. Dr. Gustav C. Laube. j deeg ee
No. 2. Das ostbóhmische Miocän von V. J. Procházka ein, VU
«No. 3. Untersuchungen über die Fauna der Gewässer Böhmens. III. Untersuchung
zweier Böhmerwaldseen, des Schwarzen und des Teufelssees. Durchgeführt auf der über-
tragbaren zoologischen Station. Von Prof. Dr Ant. Frič und Dr. V. Vávra .fl. 250
V ANY. 4, Studien im Gebiete der bóhmichen Kreideformation. VI. Die Ghio megi
Schichten. Von Dr. Ant. Fric M Tho
Druck von Dr. Ed. Grégr in Prag 1897 — Selbstverlag.
LIBRARY,
MUS, COMP. ZOOL.
JUL 17 1900
DIE CHEMISCHE
ОЕШ.
HYDROCHEMIE DER ELBE
und ihrer Zuflüsse aus den nördlichen und östlichen Theilen des Landes, sowie
einiger Zuflüsse aus dem nördlichsten Flügel des Erzgebirges.
VON
Dr. JOS. HANAMANN,
Vorsteher der agrieulturchemischen Versuchsstation Lobositz.
ARCHIV DER NATURWISSENSCHAFTL. LANDESDURCHFORSCHUNG
VON BÖHMEN
(Band X. Nro. 5.)
собо
PRA б.
In Commission bei FR. RIVNÁG.
"1898
DASARGCHIV
für die
naturwissenschaftliche Landesdurchforschung von Böhmen
I. bis V. Band: Redaktion von Prof. Dr. K. Kořistka und Prof. J. Krejčí,
VI. Band u. s. w.: Redaktion von Prof. Dr. K. Kořistka und Prof. Dr. A. Frič,
entháit folgende Arbeiten :
ERSTER BAND.
I. Die Arbeiten der topographischen Abtheilung und zwar:
а) Das Terrain und die Höhenverhältnisse des Mittelgebirges und des
Sandsteingebirges im nördlichen Böhmen von Prof Dr. Karl Kořistka.
0) Erste Serie gemessener Höhenpunkte in Böhmen (Sect.-Blatt IL) von Prof.
Dr. Kofistka.
c) Hóhenschichtenkarte, Section IL, von Prof. Dr. Kořistka. Preis fl. +—
TOSS ШӨ БАШЫ ар 4^ UV RES REO hie d bp WM d. e e icd . H. 1:60
IL Die Arbeiten der geologischen Abtheilung. Dieselbe enthält:
a) Vorbemerkungen oder allgemeine geologische Verhältnisse des nörd-
lichen Böhmen von Prof. Johann Krejčí.
h Studien im Gebiete der bóhm. Kreideformation von Prof J. Kreict.
с) Paläontologische Untersuchungen der einzelnen Schichten der böhm.
Kreideformation u. в. w. von Dr. Anton Егіё,
d) DieSteinkohlenbecken von Radnic, vom Hüttenmeister KarlFeistmantel.
Preis DANZA RAIN DA pi ADU. И REDE NT fl. 450
Ш. Die Arbeiten der botanischen A!theilung. Dieselbe enthält:
Prodromus der Flora von Böhmen von Dr. Ladislav Celakovsky. (I. Theil.)
(Vergniten): PIOS и 12) a vetas hos ir eV AUN И LUST TAE t. p.
IV. Zoologische Abtheilung. Dieselbe enthält:
a) Verzeichniss der Káfer Bóhmens vom Conservator Em. Lokaj. К
b) Monographie der Land- und Süsswassermollusken Bóhmens vom Assi-
stenten Alfred Slavík.
с) Verzeichniss der Spinnen des nórdlichen Bóhmen vom Real-Lehrer
HT amu e BAT : Proks ; os DR EE n xy
V. Chemische Abtheilung. Dieselbe enthält: р
Analytische Untersuchungen von Prof. Dr. Hoffmann. Preis... . . 25 kr
Frois das беден Bandes (Abths 1,018 Vo gebe vo EE f Mik
ZWEITER BAND.
Erster Theil.
I. Die Arbeiten der topographischen Abtheilung und zwar:
a) Das Terrain und die Höhenverhältnisse des Iser- und des Riesen-
gebirges und seiner südlichen und óstlichen Vorlagen von Prof. Dr. Karl
Kofistka.
b) Zweite Serie gemessener Hóhenpunkte in Böhmen (Sect.-Blatt IIL) von Prof.
Dr. Koristka.
с) Hóhenschichtenkarte, Section IIL, von Prof. Dr. Kofistka. |
d) Hóhenschichtenkarte des Riesengebirges von Prof. Dr. Kořistka Preis
dieser АОН uS er RV D e AU NAE ei A A
П. Die Arbeiten der geologischen Abtheilung. I. Theil enthält:
a) Prof. Dr. Ant. Frič: Fauna der Steinkohlenformation Bóhmens.
b) Karl Feistmantel: DieSteinkohlenbecken bei Klein-Prílep, Lísek, Stíleo,
Holoubkow, Mireschau und Letkow.
c) Jos. Vála und R. Helmhacker: Das Eisensteinvorkommen in der Gegend
von Prag und Beraun.
d) R. Helmhacker: Geognostische Beschreibung eines Theiles der Gegend
zwischen Beneschau und der Sázava. Preis .. ....... ©“. Дн
II. Theil enthält:
Dr. Em. Boficky: Petrographische Studien an den Basaltgesteinen Böhmens
LE CR oe HO Varı ao ante EE fl. 3:50
Preis der ganzen ersten Hälfte des zweiten Bandes (I. und II. Abtheilung zusammen) geb. fl. 10'—
Die chemische
Beschaffenheit der Miessenden Gewässer D
—
IO
II. Theil.
Hydrochemie der Elbe
und ihrer Zuflüsse aus den nördlichen und östlichen Theilen des Landes, sowie einiger
Zuflüsse aus dem nordöstlichen Flügel des Erzgebirges.
Von
Dr. Jos. Hanamann,
Vorsteher der agriculturchemischen Versuchsstation Lobositz.
(Archiv der nabturwissenschafblichen Landesdurchforschung von Böhmen.)
(Band X. Nro. 5.)
PRAG.
DRUCK VON Dr. EDV. GRÉGR. — KOMMISSIONS-VERLAG VON FR. RIVNÄC,
1898.
VORWORT.
3 Nach einem längeren Zeitraume folgt die Veröffentlichung des zweiten
Theilos * der Untersuchungen der chemischen Beschaffenheit der fliessenden
Gewässer Böhmens und zwar namentlich aller Zuflüsse der Elbe aus den
Nördlichen und östlichen Theilen des Landes, so wie der Elbe selbst, an
dreizehn verschiedenen Theilstrecken von ihrem Ursprunge bis zu deren
Austritt aus Böhmen erhoben, welche die fortschreitende Veränderung der
chemischen Beschaffenheit des Flusses entsprechend zum Ausdruck bringen
» dem Masse, als der Hauptfluss grössere Wasseradern des Landes auf-
nimmt, die aus verschiedenen Formationen des geognostisch so mannig-
faltig zusammengesetzten böhmischen Terrains kommen und daher von
Verschiedenartiger chemischer Beschaffenheit sind.
Rücksichtlich der Art und Zeit der Probenahme und der Methode
der chemischen Untersuchung der Wässer gilt das im ersten Theile unserer
Wasseruntersuchungen Gesagte, indem man sich auch hier der dort auf-
gestellten Normen und chemischen Untersuchungsmetlhoden bediente, um
de : I : `
N einheitlichen Vorgang bei der Arbeit zu wahren.
*) I. Theil. Hydrochemie des Egerflusses in denselben Blättern publicirt 1894.
Hydrochemie der Elbe.
Zuflüsse der Elbe aus ihrem Ursprungsgebiete,
dem Riesengebirge.
\ Das Riesengebirge, der bedeutendste Gebirgskamm zwischen den Alpen und
Skandinavien und der höchste Zug jener Gebirgsbildungen, die West- und Mittel-
Europa. mit Osteuropa verbinden, bildet bekanntlich mit dem Iser- und Jeschken-
Sebirge ein geologisch zusammenhängendes, krystallinisches Massiv, das nur oro-
Sraphisch von den beiden anderen Gebirgszügen getrennt ist. Das Riesengebirge
erinnert hinsichtlich seiner Naturbeschaffenheit und Höhe an die Alpen und stellt ein
Massengebirge dar, das als ein zusammenhängender, undurchbrochener Gebirgswall
mit grosser Steilheit nach Schlesien abdacht, während er nach Süden zu, in weiter
Verbreitung sanft abfällt, so dass es den Eindruck macht, als ob sich das Gebirge
von Nord nach Süd nach und nach aufgerichtet hätte und am Scheitel der Haupt-
Welle gebrochen wäre, an welchem dann der nördliche Flügel zur Tiefe sank. In
Seognostischer Beziehung lagert sich in diesem Gebirge um einen deutlich erkenn-
baren Centralstock ringfórmig ein Mantel krystallinischer Schiefergesteine, welche
den zum Hauptrücken parallelen Rücken sammt den von diesen auslaufenden
Jochen zusammensetzen.
Beinahe der ganze schlesische Antheil am eigentlichen Riesengebirge besteht
Aus Granitit, wogegen auf der Südseite bloss der Hauptkamm, sein südlicher Ab-
fall und der untere Theil des nördlichen Abfalles des Parallelrückens aus diesem
srobkörnigen, vorwiegend aus rothem Orthoklas, viel Oligoklas, wenig Quarz und
Nur aus schwarzem Glimmer bestehenden, leicht verwitternden Gestein gebildet
Ist, dem sich im Südwesten eine schmale lange Zone von älterem, echten, fein-
kórnigen, schwerer verwitternden Granit beigesellt, der die Felsenkuppen und fel
Sigen Kümme auf den langgestreckten Bergrücken des iranitit'S zusammensetzt.
jer eigentliche Granitit Rose's findet sich nur sehr untergeordnet im Riesenge-
birge, sehr verbreitet auf der Ostseite der Sudeten und am Ziegenrücken.
in Schlesien hat folgende Zusammensetzung :
Der Granitit von Warmbrunn
In
d
lii
6
EE a QUO DU DAT
TUE УКУ а epar bao A d od POR
INL rie vd IAM E T 0
Magnesia . . an T WO жг к, Юр
deed Eeer ок EE
КӨП e EE
AENOR A E n a n EE
Кее nun eed Vl ООО
Sunma ee aae SIE
An den Granit lagerte sich die südliche, Böhmen angehörige Schieferhülle
ab, welche die auf dem südlichen Rande des Hauptrückens hervorragenden Kuppen
und die von denselben auslaufenden Gebirgszweige bis an den Fuss des Gebirges
bildet, wo Gneis und Glimmerschiefer aus der quarzreicheren Abart in die glimmer-
reichere Felsart übergehen. Die Gneise beginnen erst im Iserthal, nehmen dann
rasch, besonders in der Umgebung von Rochlitz an Mächtigkeit zu und verlaufen
bei Freiheit nordwärts in's Rehhorngebirge. Mannigfach sind diese Gneisse ge-
staltet, bald urthonschiefer- bald glimmerschieferartig. Bei Klein-Aupa tritt eine
Gneisvarietàt auf, die als eruptiver Gneis bezeichnet wird und der sich im süd-
östlichen Terrain zu grosser Mächtigkeit entwickelt, indem er dort die Rücken an-
sehnlicher Berge ausmacht. In der Umgebung von Neustadt bis Kratzau bestehen
die über dem Granit liegenden Schiefer aus Gneis, der vielfach mit Graniten ver-
bunden ist, welche letztere durch ihren Dichroit ähnlichen Quarz mit dem Rum-
burger Granit des Lausitzer Gebirges übereinstimmen. Die krystallinischen Schiefer-
gesteine fallen von dem grauitischen Kern regelmässig ab. Das verbreitetste Ge-
stein im böhmischen Riesengebirge ist wohl der Glimmerschiefer, der die beiden
Ufer der grossen Iser einnimmt, sich östlich bis Klein-Aupa zur Landesgrenze, iM
Süden bis Hohenelbe und Ernstthal erstreckt. Freilich geht derselbe oft in Phyllit
über, der wieder die verschiedensten Varietäten von Fleck- bis zum Dachschiefer
zeigt. An der Ostseite verwandelt sich der Glimmerschiefer in Hornblendeschiefer,
der vom Rehhorn in einem schmalen langen Streifen bis Kupferberg läuft. Endlich
ragen an der südöstlichen Grenze im Mittelgebirge die rothen Sandsteine von
Trautenau und das Kohlengebirge bei Schatzlar aus den angrenzenden Vorlagen
hervor. Westlich grenzen die Granitite des Isergebirges auf eine weite Strecke
unmittelbar an die Diluvialgebilde.
Auf böhmischer Seite durchziehen zahlreiche Thäler das Gebirge. Die be-
deutendsten sind das grosse Iserthal mit dem Mummel- und Milnitzthal, das kleine
Iserthal, das Elbthal, das Thai der kleinen Elbe, des Seifenbaches und das der
Aupa und des Litschenbaches, durch welche viele bedeutende Zuflüsse der Elbe
die im Riesengebirge entspringen, landeinwürts ziehen. Sowohl auf dem Riesen
gebirgskamme, auf den muldenartigen Einsenkungen seines ausgedehnten Plateaus,
als auch auf seinen Lehnen, ja sogar auf seinen Abhängen kommen ansehnliche
Torfmoore vor, wie die „Weisse Wiese“, die ,Teufelswiese" und andere, die sich
von Neuwelt bis zum Elbegrund in einer durchschnittlichen Höhe von 1900 m aus
dehnen und unmittelbar auf den Verwitterungsprodukten des Urgesteines ruhen,
das in zahlreichen zerstreuten, nackten Felsblócken aus denselben hervorragt.
In dem geologischen Bau, in der Beschaffenheit, Mächtigkeit und in den
Lagerungsverhältnissen der Urgebirgsgesteine und in den verschieden, meist sanft
geneigten Flächen oder muldenförmigen Behältern zwischen den einzelnen hohen
Kuppen und in den Hochmooren sowie Torflagern, welche diese Einsenkungen
überkleiden, durch eine reiche Torfvegetation und dichte Knieholz- und Fichten-
bestände ausgezeichnet sind und auf diese Art die häufigen und ausgiebigen Nieder-
Schläge zurückhalten und vor allzu rascher Verdunstung bewahren, liegt die Ur-
sache der reichen Quellenbildung und der grossen Wasseransammlung im Riesen-
und Isergebirge. Der grosse Wasserreichthum dieses Gebirges in Verbindung mit
dem grossen Gefälle seiner Abflüsse schuf zahlreiche Fabriksanlagen und verur-
sachte die Ansiedlung einer starken Arbeiterbevölkerung in den Thalweiten.
In den genannten sumpfigen Terrains nun entstehen eine Menge sogenannter
Wassertümpel, deren Ansammlung die Moorerde begünstigt, die gleich einem
Schwamme das Wasser aufnimmt, zurückhält und nach allmähliger Sättigung langsam
abgibt. In dem ,weissen-^ und dem „Teufelsmoore“ entspringen viele Bäche und
Flüsse, so das „Weisswasser“, die „Aupa“, die kleine und grosse „Lomnitz“, welch
letztere in den beiden gleichfalls von diesen Mooren gespeisten Koppenteichen
ihren Ursprung nimmt. Ausser diesen Sümpfen ist das Elbemoor, welches südlich
mit dem Pantschemoor, westlich mit dem Navorermoor und nordwestlich mit dem
Grenzmoor zusammenhängt, die 12 bis 1400 m hohe Geburtsstätte der Elbe,
kleinen Iser, Mummel, der Zackel und Kochel, nebst vielen anderen kleinen Bächen.
Auch die „Mooswiese® und ,Müdelwiese" entsenden reichliche Wasseradern in die
Aupa und Elbe und bilden mit den obengenannten Hochmooren die Wasserreser-
Voire, aus denen die Thäler gespeist werden.
Die Elbe mit ihren obersten Zuflüssen entspringt im Granitit- und Glimmer-
Sehiefergebiet. Ihre stärkte Quelle ist das „Weisswasser“, welches schon die Römer
„Albis“ nannten und als die eigentliche Elbequelle ansahen, während wir ihre
westliche Quelle, das auf der Elbewiese entspringende Elbbrunnenwasser als die
Ursprungsquelle des Stromes bezeichnen. Der Elbbrunnen liegt in einer Hóhe von
1300 m südlich unter dem Veilchensteine. Der Abfluss vieler Tümpel und Moräste
vereinigt sich zu dem Elbebach, der kurz nach Aufnahme seiner Quellen vom
Rücken des Hochgebirges in den Elbgrund stürzt und in dem oberen Theile dieser
engen und tiefen Felsschlucht den schönen Elbfall bildet. Im weiteren Laufe von
etwa einem Kilometer fällt der Elbe in einem 360 m hohen Falle über die senk-
rechten Granititquadern des Elbgrundrandes das Wasser der Pantsche donnernd
Zu, welche auf der südlichen Strecke der Elbemoore im sogenannten Pantsche-
gebirge entspringt, dann das Pudelwasser, das Martins- und Bärenwasser, im
Glimmerschiefer und Granitit sich sammelnd, unzählige Wasserfälle bildend, über
zahlreiche Blöcke in schäumenden Cascaden in den wildromantischen, waldum-
schatteten, Granititelbegrund sich ergiessend, bei dessen Ausgange unter dem Fe-
stungsflügel die Elbe das an Wasser reichere, aus dem rechtsseitigen Thale her-
vorbrechende Weisswasser aufnimmt. Von der Quelle ist dasselbe etwa 14 km ent-
fernt und durch mehr als die ,Siebengründe" getrennt. Indem die Elbe südöstlich,
das Weisswasser südwestlich läuft, vereinigen sich beide Hauptquellen dieses Flusses
bei Mädelsteg in einer Höhe von 765 m.
Das Weisswasser entspringt in den Torfmooren der ,weissen Wiese* in
einer Seehöhe von 1400 m und vereinigt eine Menge kleiner Zuflüsse, welche sich
vom Hauptrücken des Gebirges zuletzt in den Teufelsgrund ergiessen. So das
Silberwasser, die Krummseifen, die aus mehreren auf der ,Teufelswiese" und der
kleinen Sturmhaube entspringenden Quellen entsteht, das Schwarz-, Lichel-, Floss-,
Roth-Wasser, welche alle die gleichnamigen Gründe durchfliessen. Riesige Granit-
kugeln, abgeschliffene Urgesteinsstücke, oft in Würfelform, nebst anderem, zahlreich
aufgeschichtetem Gerölle, bis zu grossen Steinblócken, bezeichnen den Lauf dieser
tosenden Wildbäche, die in ihren engen, von quarzreichen Glimmerschiefern über-
ragten, meist schauerlichen, mit Wald bedeckten, felsigen Abgründen und Schluchten
die letzten Verzweigungen des Hauptthales nach den Hauptrücken durchfliessen
und die wildromantischesten und finstersten Gegenden des ganzen Gebirges be-
rühren. Über die zahllosen Felstrümmer stürzen in zahlreichen schäumenden Cas-
caden und Wasserfällen die Zuflüsse der Elbe und erzwingen sich südlich durch
den engen Ausgang zwischen den glimmerschieferreichen Bergen des Krkonosch
und des Ziegenrückens, zwischen Fleckschiefergestein ihren Durchbruch.
In Spindelmühle nimmt die südlich fliessende Elbe das Klausenwasser und
die Gewässer des Plattenberges, des Planur und des Heuschober auf, die in Glimmer-
schiefer entspringen, braust zwischen den beiden Heidelbergen in einem matten:
reichen, stellenweise sich verengenden Thale über Felsen und Gerölle und setzb
bei eintretendem Thauwetter und heftigen Gewitterfluthen aus der oberen Gebirgs-
gegend mit fortgerissene, beinahe kugelförmig abgeschliffene Granititgeschiebe hier
oft in mächtigen Bänken ab.
Sämmtliche Flüsse und Bäche des Riesengebirges sind durch ihr ausser-
ordentlich frisches und krystallhelles Wasser ausgezeichnet. Diese Eigenschaft be-
halten sie ziemlich lange, bis sie in den Thälern durch die Abflüsse bedeutender
l'abriksanlagen verunreinigt werden. In normalem Zustande führen alle Riesen-
gebirgswässer wenig Wasser, was sich aber nach anhaltenden Niederschlägen als-
bald ändert. Dann füllen sich die Wasserläufe mit schlammigen Fluthen, die in
rasender Eile vorwärts treiben, an den Ufern wühlen und nagen, sie überfluthen
und grosse Verheerungen anrichten.
Anruhend folgt die chemische Zusammensetzung der Elbe und des Weiss-
Wassers,
Die Elbe,
geschöpft oberhalb des Mädelsteiges im Riesengebirge. Die Temperatur der Luft betrug 11:0? О
die Temperatur des Wassers 9:959 C.
In 1000 се des Wassers sind enthalten Gramme:
IN EUEUO TI ДЫ ueris. can sn Gu nt
МЕ us Vd? o diosa Cio aa AQ CON
ШЕШ sad cui. Жи Mas M OT DO
Magnesia ossis icc E AAO)
Eisenoxyd und Thonerde . . . . .0:00042
Sehwefelsáure |. ийне. iw 000200
Fürtrag . . 0:00663
m
Übertrag |. 0:00663
Kohlenkaure:; ME E OUO
Klasse 2.1. sooo UT
Salpetersäure: ue e GHG
eem EE BEER
Mere ESA
Sauerstoff ab für Chlor . . . . . 000081
Summa s о DOTT
(Organische Stoffe) Glühverlust hiezu . . . . . . . .0'00725
Gesammtrückstand - . . . . . . . 001098
In 100 Gewichtstheilen des Mineral-Rückstandes sind enthalten Przte:
МАО SE ehe 0219500
Kal у» ua ER a eU
Kalk dans eed le
Magnesia: аре A. ia MM
Eisenoxyd und Thonerde . . . . . 30
О OM
Kohlenahuner na EE,
Klee е EC
Salpstelsaute aus... Tu VES dete)
@ ЫШ ИД НН ВОВ
ОША ОО
Sauerstoff. ab für GBlonm o a LEN 2:90
Summar ea ОООО
Die Gesammthärte des Wassers betrug 0'21 Hürtegrade.
Die Reaction des Abdampfrückstandes war schwach alkalisch.
Chemische Zusammensetzung des Weisswassers.
Geschöpft vom Mädelsteige im Riesengebirge. Die Temperatur der Luft betrug 11° C,
die Temperatur des Wassers 9° C.
In 1000 се des Wassers sind enthalten Gramme:
Natron у. vum. и 000102
Kal ENEE
Le UE we a . 0:00158
Magnesia in ia. ee 0:00047
Eisenoxyd und Thonerde . . . . . 0700041
Schwefelsäure . . . ue Hr s TODOS
Köhlemsdure. soene oa MO. EK
| Кевін оте `. € Ae у у о EES
Salpetersäure ......... 0:00048
Ett erter, Ai ROC UL RR
Summa.. . . . . 0'01314
Suma
Sauerstoff ab für Chlor
Summa .
(Organische Stoffe) Glühverlust hiezu
Gesammtrückstand
EE EE
. 000022
TO OUAUA
. . 000565
. 001857
In 100 Gewichtstheilen des Mineral-Rückstandes sind enthalten Pzte:
Natron .
Kali .
Kalk
Magnesia . . . f
Eiscnoxyd und Tho
Schwefelsäure .
Kohlensäure
Kieselsäure .
Salpetersäure
Chlor
Summa
Sauerstoff ab für Chlor .
Snmma
nerde
14:86
2:40
19:93
3:64
317
10-68
ER
3:11
3:79
759
v 0151
171
. . 10000
Die Gesammthärte des Wassers betrug 0'224 Härtegrade.
Der Abdampfrückstand des Wassers reagirte sehr schwach alkalisch, sonst
war das Wasser farblos, geruchlos, feuerklar, in dicken Schichten i
des überaus klaren Wassers schwach grüngoelb.
st die Farbe
Die vereinigten Elbewässer des Hochgebirges besitzen oberhalb der Krausen-
mühle folgende chemische Zusammensetzung.
Das Wasser wurde am 9. September 1899 geschöpft.
Luft betrug 13 5° C, die Temperatur des Wassers 11" C.
In 1000 се des Wassers sind enthalten Gramme:
Chlornatrium
Natriumsulfat
Kaliumsulfat
Calciumsulfat
Caleiumnitrat
Caleiumearbonat .
Maegnesiumearbonat
Eisenoxyd und Thonerde
Kieselsäure
Summa
Glühverlust .
Gesammtrückstand .
. 0'00305
. 000295
. 0900135
. (00059
‚ ЧОТ
. 000440
. 000264:
. 000112
. 000520
. 002248
. 000965
. 003208
Natron .
Kali
Kalk .
Magnesio o Men
Fisenoxyd und Thonerde
Schwefelsäure
Kohlensäure
Kieselsäure .
Salpetersäure
Chlor d
Summa .
Sauerstoff ab für Chlor .
Summa
Die Temperatur der
‚ 0:00291
. 0:00073
. 0.003820
‚000126
0:00112
‚ 000263
. 0.008381
‚ 0:00520
. 000064
. 000185
‚ 002280
‚_. 000042
002949
il
In 100 Gewichtstheilen des Mineralrückstandes sind enthalten Gewichttheile:
Natron .
Kali .
Kalk .
Magnesia .
Eisenoxyd und höhere `
Schwefelsäure .
Kohlensäure
Kieselsäure .
Salpetersäure
Chlor EE
Summa
Sauerstoff ab für Chlor .
Summa
Die Gesammthärte des Wassers betri
Dei Hohenelbe hat die Elbe
12:01
3:26
14:21
5:62
4:99
ГО
14:75
28:18
2:85
i 8'25
(UC 30PRT
1'87
[10000
e 0'490 Härtegrade.
In 1000 се des Wassers sind enthalten Gramme:
. 0:00335
. 000204
02000)
000181
. 00004
‚ 000567
Ohlornatrium
Natriumsulfat
Kaliumsulfat
Calciumsulfat
Caleiumnitrat
Caleiumearbonat
Magnesiumcarbonat . 000302
Eisenoxyd und Thonerde . . 000110
Kieselsäure . . 000401
. 0702323
. 001020
. 008848
Summa
М Тоя i
Glühverlust hiezu
M jt
Gesammtrückstand
In 100 Gewichtstheilen des Mineral-Rückstandes sind enthalten
Natron .
Kali .
Kalk
Magnesia
Eisenoxyd und T бое :
Schwefelsäure .
Kohlensäure
Kieselsäure .
Salpetersäure
Chlor A
Summa
Sauerstoff ab für Chlor .
Summa
Die Gesammthärte des Wassers betrug
Natron .
Kali
Kalk .
Magnesia . d
Eisenoxyd und Thonerde
Schwefelsäure .
Kohlensäure
Kieselsäure .
Salpetersäure
Chlor dor cud
Summa .
Sauerstoff ab für Chlor .
Summa .
11:49
4:65
TAE
620
4.78
19:19
17:52
1727
9:10
8:18
10198
0:598 d coe
folgende chemische Zusammensetzung:
00026
‚ 000108
. 0'00897
. 00144
. 000110
. 000283
. 000407
. 000401
. 0700049
. 000208
. 002569
‚ 000046
. 0702323
Je `
12
Die Elbe lest von ihrem Ursprunge bis Hohenelbe 25:1 Km zurück, die
Höhendifferenz ihres Laufes beträgt 830 m, so dass sie ein Gefälle von 1:28 аш-
weist und obwohl sie in ihrem Laufe über den Abhang des Riesengebirges schon
einen grossen Theil ihres bedeutenden Gefälles verbraucht hat, bildet sie doch noch
den urkräftigen Motor zahlreicher Industrien und gelangt, nachdem sie noch mehrere
starke Zuflüsse empfangen hat, erst in der Ebene zu einem verhältnissmässig
trägen Laufe.
Bei Hohenelbe verlässt die Elbe das Urgebirge, indem sie durch verschie-
dene Dyasschichten eine südöstliche Richtung einschlägt. Unterhalb der genannten
Stadt fliessen ihr mehrere Bäche zu, unter denen der bedeutendste die „kleine
Elbe“ ist, die im Glimmerschiefer des Keil- und Plattenberges in 1300 m Seehöhe
entspringt und oberhalb Arnau in die Elbe füllt. Sie nimmt kleine Zuflüsse aus
Gneis, Glimmerschiefer und aus Felsarten der rothen Sandsteinformation, die hier
im raschen Wechsel folgen, auf, und setzt ihren Weg durch тобе, viel Glimmer
enthaltende, schiefrige Sandsteine bis Arnau fort. Vereint mit der grossen Elbe
beschreibt der Fluss über Arnau einen südöstlich gekrümmten Bogen, nimmt in
Arnau den aus der Vereinigung des Silber- und Forstbaches hervorgehenden Silber-
bach, dessen Quellen zumeist aus dem Rothliegenden hervorbrechen auf, und südlich
von Arnau die aus gleichem Gestein entspringenden, in rothen Sandsteinen sich
vielfach verzweigenden Wasseradern des bei Neustadtl einmündenden Olsbaches auf.
Die genannten Zuflüsse haben folgende chemische Zusammensetzung:
Die kleine Elbe.
Geschópft ober Proschwitz am 12. September 1892.
ln 1000 сс des Wassers sind enthalten Gramme:
Chlornatrium ........ 000486 NOT а Venter dul . . 0:00589
Nëtt мик. ©'00{60 genaue, pnta ОХООО
Kaliumsulfat ... .. . . . 0:00220 eelere И ат 10:09997
Kalımcarbonat Ee 090280 Magnesia . кой, ООО
Jaleiumearbonat . . . . . . 005244 Eisenoxyd uud Thonerde . . 0:00028
Magnesium 6 so obig ~- e 00ULUD Моруг еа oco . 000524
Eisenoxyd und Thonerde . . 0:00028 Kohlensäure л о. 008808
Kieselshure u... ш... 001158 Kıieselsaure ., Шил... e ve Un
Salpetersäure . . . . .:. . 0:0008€ Salpetersäure n uii: . . . . 000081
Summa 491. 008254 ШО ааа а vss бй ОЙ
Glühverlust hiezu . . 001247 Summa a . . . 008520
Gesammtrückstand . . . . . 009701 Sauerstoff ab für Chlor. . . 0:00066
DT,
Summa. . . . . 0'084b4
In 100 Gewichtstheilen des Mineral-Rückstandes sind enthalten "/,:
ЖАШ ЕКЕУ d. WA Ss o aoi oc EEN
EE
. 3474
HFürtrag.... « 45:8
Kalkar,
Übertrag 45'37
Magnesia . e 2:32
Eisenoxyd und Thonerds . 0'33
Schwefelsäure . 6:26
Kohleusäure 28:84
Kieselsäure . 13:64
Salpetersäure 1:08
Chlor OR 3'49
Summa ‚ 100:78
Sauerstoff ab für Chlor . 0'78
Summa . 100:00
13
Die Gesammthärte des Wassers betrug 3:21 Härtegrade.
Die Elbe tritt bei Jaroměř und Josefstadt in's Flachland, indem sie bei der
erstgenannten Stadt eine starke Krümmung nach Osten macht, und an ihrem linken
Ufer die von Nordosten her von Nachod kommende Aupa aufnimmt. Dei Jaroméf
hat sie vor der Vereinigung mit diesem Flüsschen folgende Zusammensetzung:
Chemische Zusammensetzung der Elbe oberhalb Jaroméi
vor der Vereinigung mit der Aupa im November 1892.
In 1000 cc Wasser sind enthalten Gramme:
Ohlornatrium . ‚000816 Na,O . 000764
Natriumsulfat . . 000758 KEO, . 0'00289
Kaliumsulfat ‚ 0:00534 СаО ‚ 003621
Calciumsulfat . 0:00660 MgO ‚ 0:00758
Jalciumcarbonat . 0:05831 Ее,О,
Magnesiumcarbonat . 0:01592 АО, ! ‚ 0.00958
Eisenozyd \ - 000058 SiO, { 000620
Thonerde | 80, . 0"01060
Kieselsáure . 000620 @ . 000495
Salpetersäure u. Kalk . 000243 (Ui ‚ 008899
011107 NO, ‚ 000160
Glühverlust .
Sauerstoff ab für Cl.
. (001605 Grm.
0'11219
. 000112
011107
In 100 Theilen des trockenen Rückstandes sind:
Na,O 6:889,
KO. . 260 ,
СаО. ‚ 32:60 ,
Mo) 6:82 »
і 278
Fürtrag 49387,
Übertrag . . 49:38*/,
OD POMA E er, NB
Ba TEE iy o as
i DEE CAE Si OR
Ка EE 2,0000.
Br. ura Mee s E TOF a e io A ` E
100:999/,
Sauerstoik. ар Ди OL и ШОИ
100°00°7,
Gesammthärte des Wassers 4'68.
Bei Josefstadt empfängt die Elbe die über Neustadt fliessende Mettau. Die
Gegend, durch welche sie ihren Weg fortsetzt, verarmt nunmehr an landschaftlichen
Reizen. Von Josefstadt fliesst die Elbe in einem mit alluvialen und diluvialen Ab-
lagerungen erfüllten Thale, das zwischen wellenförmigen Absätzen der Oberpläner
und Teplitzer Schichten südlich streicht und durchströmt in drei Armen das Städtchen
Smifitz, um sich nach Aufnahme des Trotinabaches in den weiten, aus zahlreichen
Sandschichten, Mergel und Letten bestehenden Elbekessel von Königgrätz zu ег-
giessen, wo sich ihr die vereinigte Adler zugesellt.
Diese beiden Flüsschen, die Elbe und die Adler setzen bei anhaltenden
Regengüssen und starken Anschwellungen die flache Gegend unter Wasser, das
sich in weiten Wiesenkesseln sammelt, welche durch Dämme getrennt, dem Wasser
den baldigen Abfluss gestatten. Von da an fliesst die Elbe durch ein durchaus
ebenes und steinloses Flachland, dessen Boden vorherrschend aus Sand, stellen-
weise nur aus Lehm besteht, krümmt sich bald südöstlich, bald südwestlich, nimmt
unweit Sezemie die Loučná auf und fliesst südlich bis gegen Pardubitz, wo sie
sich westlich wendet und diese Richtung bis Kolin beibehält. Obwohl nicht schiff-
bar, dient sie doch schon zum Holzflössen aus den nahen Waldungen, so dass sie
auch in dieser Hinsicht nutzbringend wird.
Bei Pardubitz hat die Elbe folgende Zusammensetzung:
'hemische Zusammensetzung der Elbe oberhalb Pardubitz
=
vor der Vereinigung mit der Chrudimka im November 1892.
In 1000 cc Wasser sind enthalten:
Oblornatrium . 0:01096 Na,0 . . .0:00905
Natriumsulfat . ... .0:00742 КО s EE
К КаШшШаШ иь О 00948 (d USUS
Caleiumsulfat , . . . . 000944 МЕО ШО
‚aleiumcarbonat . . 018789 SOL vicc M MIU
Magnesiumcarbonat . . 0'02272 QU. 7 e EEN
Eisenoxyd ) ; Kg ОООО
Thonerde | ele dig pase SiO. 4 172 000180
Fürtrag . . 0:19868 ("20878
Übertrag . . 019868 0:20878
RAR s vai DEA F'e,O, iu
Salpetersäure. . . & . 0UUÍSZ Al,O, | vive um
Kieselsäure . . . . . 000780 NO, оов
020992 021142
Sauerstoff ab für Cl. . 000150
020992
Glühverlust . . 002740
In 100 Theilen des trockenen Rückstandes:
IN Ar ы y EES NN
Oi CD ART NN vM
JO Oe ОА n RCM IN
Met йу о... aan,
Fe, L Ol
Ao; ] E,
E o tuc quu oc
О оа er О 1 DN AME
Gu ul us au
QD; o, Uy Gë IN. TOME
Nh, s ub o NN
100717],
Sauerstoff ab für Chlor: <. us... Win
100:00°%
Gesammthürte des Wassers = 9'78.
Von Pardubitz fliesst die Elbe durch eine auenreiche, mit Alluvialgebilden
erfüllte Niederung in vielerlei Krümmungen in westlicher Richtung fort. Ihre Ufer
Sind grösstentheils niedrig und werden daher bei höherem Wasserstande leicht
überflutet, zuweilen durchbrochen.
Während auf der rechten Seite der Elbe fruchtbare Alluvialgebilde, die
Segen Norden von diluvialen Sand- und Schotterablagerungen durchsetzt werden,
die Ebene und Thalsole bedec ken, erheben sich die linksseitigen Thalgehänge in
der Gegend von Přelouč und lassen den Oberpläner und die Teplitzer Schichten
zum Vorschein kommen, die hier weit hin gegen Norden die Unterlage des
Landes bilden.
Im weiteren westlichen Verlaufe herrscht sandiger Unterquader bis gegen
Elbeteinitz, Längs des Elbestromes liegen liebliche und weitläufige Auen in einem
Weiten vielgeschlängelten Flussthale, das sich erst von Elbeteinitz bis Kolin etwas
einengt, jedoch sanfte Gehänge besitzt. Bei Elbeteinitz zeigen sich die letzten
elimmerschieforigen Ausläufer des südlichen böhmischen Urgebirges.
0] ‚Zu den wichtigsten Zuflüssen der Elbe auf dieser Strecke gehört die
-hrudimka,
16
Zusammensetzung der Elbe oberhalb Kolin.
In 1000 ee Wasser sind enthalten Gramme:
Chlornatrium . . . .0:01090 Na,0 . . . 001045
Natriumsulfat . . . . 001220 KO 5.30% 2. 000001
Kaliumsulfat . . . . . 0'0099 UNO. ss 008200
Caleiumsulfat . . . . . 000748 MgO . . . 000964
Caleiumcarbonat . . . 013946 80,27. 72001089
Magnesiumcarbonat . . 0:02024 Оет 000099
Kieselsäure . . . . . 000762 MEN а не СОЯИ
Eisenoxyd | чл do. БОКОВ 810, EK LES
Thonerde f FeO, | 999405
Caleiumnitrat . . . . . 000255 А, А} ee à
0:21143 N:O, ..« 2:40 00188
0:21260
Sauerstoff ab für Cl. . 000117
0:21143
Glühverlust . . 002535 Grm.
In 100 Gewichtstheilen des Rückstandes sind enthalten:
Ban dumis ette ваи"
Be s Eu oss sit «уме e
DEL ss uus MAE EC EEN
МИ ОУ. ow, воме dor NN
BO, s uu vow HS E
CU. Wo LU cud Ate i ca RM у
(ln RUPEE THEY ce D ni г. 00е
Ее,О, І
ALO, T 0:50 „
DEUS Cu de x E rd atre PE
NUN e Ee, A
100:557/,
о ооо ку. VOD.
10000",
Vor Elbeteinitz durchbricht die Elbe den Glimmerschiefer, Gabro und Chlorit-
felsen, in südlicher Richtung und setzt ihren Lauf südwestlich bis Kolin fort. Vo?
dieser Stadt fliesst die Elbe nórdlich, dann nordwestlich über Podiebrad und Nim-
burg, hierauf rein westlich bis Čelakowitz im Aluvialgebiet. Um Kolin breitet
sich an ihrem linken Ufer vorzüglicher Weizenboden aus, am rechten saudige:
weniger fruchtbare Ablagerungen. Zu den äussersten Vorsprüngen an der Fläche
des südlichen Elbthales gehören der aus krystallinischem Hornblendegestein be-
stehende Friedrichsberg und die aus Gneis zusammengesetzte Hora. Der pláner-
sandstein, der nórdlich hervortritt, ist in der Ebene von Diluvialsand und Allu-
vionen reichlich bedeckt, da von Kolin angefangen das Elbthal breit und flach
17
wird und in einer ausgebreiteten Ebene liegt, in welcher Auen und Wälder mit
"ppigen Wiesen und Feldern mannigfaltig abwechseln, so dass diese Niederung zu
den anmuthigsten Gegenden Böhmens gehört. Zwischen Kolin und Podiebrad be-
decken die Gegend mächtige Alluvionen, welche dureh die häufigen, hier statt-
findenden Üuerschwemmungen reichlichen Zuwachs erhalten und längs des Flusses
wahre Marschländereien bilden. Bei Lititz empfängt die Elbe die Cidlina, bei Nim-
burg die Mrdlina. Das rechte Elbeufer gegen Nimburg ist wegen seiner Frucht-
barkeit berühmt, so dass dort nicht nur anspruchsvolle Feldfrüchte sondern auch
Küchengewächse reichlich und lohnend angebaut werden. Südlich und südwestlich
von der Elbe findet man zwischen fruchtbaren Äckern mit diluvialem und Fluss-
Sand überzogene Landstriche, die mit Wäldern und Weiden bedeckt sind.
Nordwestlich von Nimburg begrenzen wellenförmige, mit diluvialen Ablage-
tungen bedeckte Senon- und Turonschichten der Kreideformation die Gegend.
Die am rechten Ufer einmündenden Flüsse und Bäche kommen sämmtlich
aus der böhmischen Kreideformation, führen daher harte kalkreiche Wässer.
| Von Nimburg fliesst die Elbe ununterbrochen westlich in einer fruchtbaren
Ebene bis Öelakowitz, wo sie eine Insel bildet und von sumpfigen Niederungen
umgeben ist.
Chemische Zusammensetzung der Elbe oberhalb Celakowitz
im November 1892.
In 1000 ce Wasser sind enthalten Grammes :
Ghlornamiun 9... OU LOT NIU o. vs ULIS
Natriumsulfat . . . . 001243 KO Uy EE
Kalmmsulatee i9 Wein СЕО o се el SPD
Caleiumsulfat . . . — 000675 MO е 001188
Caleiumcarbonat . . . 013991 Sombra RENE
i Magnesiumcarbonat . . 002495 Öl . 0700726
КӨӨНӨ и ENEE tar a |
Fisenoxyd | IUIS ‚ 000907
Tioheidp: finc E ALO, | Ra
Jaleiummitrat . . . . . 000261 Fe,O, f „009204
022184 NO, er
0:22348
Sauerstoff ab für Ol. . 000164
(92184
Glühverlust 0024 Мут р. Liter.
In 100 Gewichtstheilen des Rückstandes sind enthalten:
Na,O ed dus Cui wo MUN MOLIS AE M 531%,
K,O 2:95 ,
СаО 36:98 ,
МеО 585,
pürtrvag . . . 0009]
18
Übertrag . . 50'59°/,
SO OV MN u ele A AAT LO
QULA id ose dead éd celere os AUR QNS
(lui dp qo euet mo lodi fos E
BIOS MA E ERR crm vits La
Ее,О,
ALO, | 0"91,
WE ie nern ee G a
100*74"/,
Бае ОШ ар. Mi Gk wiene ss etaa e OTA
100:00°7,
Gesammthärte des Wassers 9'85.
Auf der linken Seite empfängt die Elbe die Kleynaika bei Alt-Kolin, die
Planianka mit dem Schwojschitzer Bach bei Dobrichov, den Schemberabach bei
Sadtka, den Auwoler Bach, der bei Prezaü in 2 Arme getheilt einmündet, dann
noch einige Bäche von geringer Bedeutung.
Bei Taužim ergiesst sich die wasserreiche Iser in die Elbe und fliesst nord-
westlich über Brandeis gegen Obriství.
Eine ebene, sandige, bewaldete Landschaft dehnt sich auf dem rechten Ufer
der Elbe aus, auf dem linken erheben sich höhere Gehänge, welche sanft gegen
das Flussthal abdachen und dem dünngeschichteten, petrefactenreichen Quader-
sandstein der cenomanen Kreideschichte angehören und mit Löss und Gerölle in
der Thalsohle bedeckt sind. Das Hochwasser befruchtet die ausgedehnten Wiesen-
gründe. Als letzte Spuren des angrenzenden Gebirges zeigen sich Klippen von
Kieselschiefer.
Der niedrige Höhenzug, der sich bei Dfi$ gegenüber von Elbekosteletz aus
dem Alluvium erhebt und in nördlicher Richtung über V$etat bis Melnik ausdehnt,
gehört zum Gebiet des Weissenberger Pläner, der gegen Nordosten an Mächtigkeit
zunimmt und bei Melnik steil gegen die Thalsohle der Elbe abfällt.
Zwischen Weltrus und bei Obristvi breitet sich an der linken Stromseite
das Elbthal stark aus, indem es das Delta zwischen Moldau und Elbe bildet und
durch das Zusammenwirken der zwei grössten Flüsse Böhmens auf beträchtliche
Tiefen angeschwemmten Boden absetzte, unter welchem sich die Schiefermassen
des Grauwackengebirges verbergen,
Der Boden dieses Deltas besteht aus Flussschutt und lehmigen Flussalluvien.
Bei Tfebosnice mündet der Dysicer, dem Kalkgebirge entquellende, unweit Melnik
bei Schopka der mit dem Forellenbach vereinigte Goldenbach in die Elbe. Auf den
nahe an die rechte Seite der Elbe vordringenden, mit Weingürten durchsetzten
Höhen folgt die Stadt Melnik, vor der die Elbe, ehe sie sich mit der Moldau үе!“
einigt, folgende Beschaffenheit hat:
19
Chemische Zusammensetzung der Elbe oberhalb Melnik
geschöpft im November 1892 ober der Zuckerfabrik.
Chlornassum.. . . . . 001208 NED ОТИ
Natriumsulfat . . . . . 001088 KOT a CIPUE
Caliumsultat . . x . + 001400 ОХО S a OOD
Jaleiumsulfat . . . . 000445 Moo 000915 |
Jaleiumnitrat . . . . . 000255 SOR RON OTT
Caleiumearbonat . . .0:13039 (Up eS TRE ONT
Magnesiumearbonat . . 001986 NO, с 000288
Thonerde ОО ООНГО
Eisenoxyd | EE MIL C. ОШООО
Kieselsäure . . . . .0:00955 F 0; | 000148
0:20514 ALO, |
0206719
Sauerstoff ab für Cl. . 000165
0:20514.
Glühverlust . . . 0'023 Grm.
In 100 Gewichtstheilen sind enthalten:
NA Vu s у eg, 7
Eg E E MN я
QR e mor ap AE
МЕО о deeem Ee
BU ENGER Ww EE CN
s RR NON E EE a
Ng TT Pd EN
UO sias ы AUI ee EBORE,
BD. dedu M D VA
Ее,О, |
ALO, | MUN EE а
100-807].
Sauerstoff ab-für. Ol: u... ur u 080
100°0077,
Härte des Wassers = 8'89.
Von Melnik bis Berkowitz breiten sich fruchtbare Gefilde aus.
Die Verengung des Flussthales beginnt erst wieder zwischen Unterbefkowitz
und Raudnitz. Die Elbe biegt, nachdem sie das freundliche Liboch umspielt hat,
Ihren Lauf scharf gegen Südwesten um, beschreibt einen weiten Bogen um das
Kalkreiche Flügelland, welches sich um den vorgeschobenen Ripberg des Mittel-
Sebirges ausbreitet bis Raudnitz, und strömt dann nördlich in das erweiterte
Elbthal, das durch die Jahrhunderte lange Arbeitsleistung der Eger und der Elbe
E. einem mit sehr fruchtbaren Lóssablagerungen erfüllten ausgedehnten, bis an die
Hóhen des Mittelgebirges reichenden Becken umgestaltet wurde.
Zwischen Wegstüdtl und Raudnitz (lehnen sich südlich der Elbe bewaldete
әк
2
20
Sandbóden aus, die nordwestlich mit fruchtbaren Rübenbóden abwechseln. Die gegen
Theresienstadt und Bauschowitz sich ausbreitende Ebene ist von Lósslehm, Merzel
und Sand bedeckt. Nördlich und östlich steigt aus der breiten Thalsohle ein flach
gewelltes, den höheren Etagen der Kreideformation angehórendes Terassenland an,
über welches sich die Basalt- und Phonolitberge des Leitmeritzer Mittelgebirges
erheben.
Die bis hart an die Elbe vorgeschobenen Terassen zwingen dieselbe bei
Kfessitz ihren nórdlichen Lauf nach Westen abzuündern.
Chemische Zusammensetzung der Elbe bei Kressitz vor Leimeritz
im November 1892.
Chlornatrium oi er 0.012 Na Ол RI
Natriumsulfat . . . < 001145 RO у у EE
Kaliumsulfat .'... ve 0009178 ОАО ОООО
jalemumsulab. . ~ . .0'00054 ЛЕО У O00840
Caleiumnitrat ; . . . . 0:00255 SOS mE ООВ
Caleiumcarbonat . . . 008398 GIN V HU QUU
Magnesiumearbonat . . 001776 SUL V c LULA S
Bisenoxyd dada Fe,O, dip pe
Thonerde | iru DO ND ALO, { ` vm
Kieselsáure . . . . . 001138 Na n OUS
015660 QU, а vc DER
0:15837
Sauerstoff ab für Cl. ~ 0:00177
70:15660
бЙШүетш& . . . 0'024 00р.
In 100 Gewichtstheilen des Rückstandes sind enthalten :
МОО ОЛ нк x QUU AC et ТОП,
OG ac у vnl cp n o NE
MOI EE
EE cuu ОАЭ И
deed 0:86 ,
2V3
BU. nur uio AUI validi: DUM у
NE uuu uh vir i Ga PRET.
NO an а aeo auteni de Pla
O E ил. daier EE
Qiu anb. inb EE RO QU
101-147],
SIE ОШ Ар TI^ ORION... ere
100:00°7,
Gesammthärte == 6'19.
21
Vor Leitmeritz empfängt die Elbe die Eger, welche sich in zwei abge-
sonderten Armen in dieselbe ergiesst. Von da an trägt sie grössere Schiffslasten
und Dampfer und wird als bedeutungsvolle Wasserstrasse intensiv ausgenützt.
Während ihr rechtes Ufer die rebentragenden Abhänge des Kreidegebirges bilden,
dehnt sich eine weite, mit Lösmergel und Allluviallehm bedeckte fruchtbare Ebene
an ihrer südlichen Seite bis an das südwestliche Plänerplateau gegen Brozan und
Lobositz aus, die den Namen der nordböhmischen Weizenkammer führt.
Nach dem Hinzutritt der Eger hat das Wasser der Elbe bei Lobositz fol-
gende Zusammensetzung :
In 1000 ee des im November 1892 geschöpften Wassers sind enthalten :
Ohlornatrium . . . .001503 N84... 00:01818
Natriumsulfat . . . . 001181 tele
Kaliumsulfat . . . . . 0'00978 C80: о. 0047589
Caleiumsulfat . . . . . 000804 М0: 2090895
Caleiumnitrat . . . . . 0:00258 Fe,O, |
к к HE A
Caleiumearbonat . . . 007739 ALO, |
Magnesiumearbonat . . 001732 BIO, а ОВИ
Eisenoxyd | БО. ООВ
; Se ET UI :
Thonerde f i QI». REDE OUO
Kieselsáure . . . . . 000982 CQ; v 20.004312
0:15305 N.O, . 000100
0:15511
Sauerstoff ab für Cl. . 0:00206
015305
Glühverlust . . 0'0250 Grm.
In 100 Gewichtstheilen des Rückstandes sind enthalten:
Jahr 1892 Jahr 1891
KEIER nee len EDU у, уба КОШ
RO оО ое ОИ,
Ee e т 17 c ИНА м
We ne a Об
We OH, GH $
ALO, | DSL ОЦ
NA uua «vs so A E ER at
SIL nee nee oda NU Aloe
MOS E ER KENG ы
O I rt 28:08 ,
»
Glo TOUS I Ar ea UO NC dM 6:51 „
[ОЛУБ s en н OIL AN,
Sauerston ab fur. ОШО | 909 050 à 1:46 ,
10000 eet ed
Gesammthärte 1892 = 5:90; 1891 = 6'61.
22
Der gewaltige Loboschberg hemmt den weiteren westlichen Lauf der Elbe
und indem sie daher bei Lobositz einen weiten Bogen um den am entgegengesetzten
Ufer vorspringenden Basaltberg „Radobyl“ beschreibt, wendet sie sich nördlich,
(durehbricht das böhmische Mittelgebirge bei Grosstschernossek durch eine Scholle
von Gneiss und Hornblendegestein in diesem engen, auf beiden Seiten von den
Felsmassen des erruptiven Mittelgebirges eingeschlossenen Thale, welches sich bei
Libochowan nur auf eine kurze Strecke östlich kegelförmig erweitert, fliesst sodann
in abwechselnd links und rechts abbiegenden, grösseren und kleineren Windungen
zwischen hohen rebenumkränzten Phonolit- und Basaltbergen eingeengt bis Aussig,
die malerische bóhmische Schweiz und die Obstkammer Böhmens bildend, unter-
halb welehem Orte ihr Wasser nach dem Hinzutritt der Bila folgende Zusammen-
setzung hat:
Chemische Zusammensetzung der Elbe unterhalb Aussig (beim neuen
Hafen)
geschöpft im November 1892.
In 1000 ce Wasser sind enthalten Gramme :
Chlornatrium . . . . 001464 Na,O . . 001252
Natriumsulfat . . . . 001090 KO Eus ООо То
Kaliumsulfat -z « « 0:00952 CaO . . . 004534
Caleiumsulfat.. . . . . 0:01202 MgO . . .0'00889
Jaleiumnitrat . : . 20:00266 Fe,0, posee
Caleiumearbonat . . . 007050 A10, | E
Magnesiumearbonat . . 001867 О л ыт 0.0108
Eisenoxyd u. Thonerde . 0°:00208 Gl S DT UUS SS
Kieselsäure =. oun 10:00995 Alt ERC:
0:15094 NEQU OUO
СО VAN
015294
Sauerstoff ab für Cl . 0°C0200
015094
Glühverlust — 0:02301.
In 100 Gewiehtstheilen des Rückstandes sied enthalten:
NOD QS EU qut RV NB.
EO Lo UR d Nodes e
EN no os узды NOR
MgO 589 „
Ко Ок + АШО » 37.5 e 195,
Иче KEE
HE u xou eterne E Why ООШ,
оу улыл HZ RUD S
Fürtrag.. . .94:29"/,
CO,
28
Übertrag . . . 94:29"/,
ОО О cie PME
Db s оир ылыы н NCC NE
101:895/7
Sauerstoff ab. dur Ok e ee
100-00°/,
Gesammthürte = 577.
Der Hauptstrom des Landes von zahlreichen Dampfern und fruchtbeladenen
schweren Zillen befahren und belebt, eilt nun nordöstlich der nördlichen böhmischen
Grenze zu. Das Stromthal verläuft hier fortwährend zwischen mächtigen Bergen,
wo in jüngeren Zeiten unseres Planeten die beiden Naturgewalten, das Wasser im
Ansturme, das feste Gestein in der Abwehr miteinander im harten Kampfe lagen,
als dessen Resultat wir die viel bewunderten Naturschönheiten unseres paradi-
sischen Elbthales geerntet haben, das sich bei Tetschen etwas erweitert, bevor es
dem Flusse gestattet, unterhalb dieser Stadt in das Gebiet des malerischen Sand-
steingebirges zu treten. Hier hat das Elbewasser nach Aufnahme des Polzenflusses
und des Ewawerbaches folgende Zusammensetzung :
Zusammensetzung der Elbe oberhalb Tetschen.
(Geschópft im November 1892.)
ln 1000 ee Wasser sind enthalten:
Chlornatrium . . . . 001481 INA: (QS к „ОШОДО
Natriumsulfat . . . . 001044 КО EH
Kaliumsulfat . . . . . 001046 (Ja NEE e
Caleiumsulfat . . . . 001307 Mame aor 20200890
Caleiumnitrat . . . . . 006550 (Al,O, + Fe,O,) . 0:00153
Jaleiümearbonat . . . 0'00615 SOL Voy оО
Magnesiumcarbonat . . 001881 BIO, a a OOO
Eisenoxyd u. Thonerde . 0 00153 O4 1 2) 0995
Kieselsture . . . . . 001056 NOS T aver РИН
0:14 091 QO; ти ОЗО
0:14933
Sauerstoff ab für Ol. . 000196
01491
Glühverlust = 0:02280 Gr.
In 100 Gewiehtstheilen des Rückstandes sind enthalten:
N. Re 8222,
EOS e, 881
ER рн ОНОО и
MgO d. deu оа E 6:06 „
F60, |
de Lbs VACANS KD мые ы LE c n
АО, | |
Fürtrag. . .48°48°/,
Übertrag . . 48:43"],
c NNI EL E MES, ае
E xc AD gir cn
NANI i eae MU E EM
Cu d o Lure cis dra шу i REL E
cor uicit aret у, E DUAE E
101:34"/,
Sauerstoff ab für Cl . . ... Sub oi.
10000].
Gesammthürte — 5:58.
Zwischen Tetschen und Herrenskretschen bildet das Elbthal eine in das
Sandsteinplateau tief eingefurchte Gebirgsspalte, deren hohe und steile, prüchtig
Y
bewaldete Lehnen dieser Gegend einen Gebirgscharakter verleihen.
о
betrachtungen
über die chemische Zusammensetzung der Elbe von ihrem Ursprunge
bis zu ihrem Austritte aus Böhmen.
Nachdem, wie früher bemerkt, die Wasserproben der Elbe in einem und
demselben Zeitraume anfangs November des Jahres 1892 an verschiedenen Stellen
ihres Laufes geschöpft wurden, ist es gestattet, einen Vergleich zwischen den er-
haltenen analytisehen Resultaten zu ziehen und aus der übersichtlich geordneten
Zusammenstellung der chemischen Zusammenstellung der Elbestrecken von ihrem
Ursprunge bis zu ihrem Austritte aus Bóhmen ergibt sich nachstehendes Bild der
aufeinanderfolgenden Veränderungen ihrer chemischen Beschaffenheit.
Aus der Zusammenstellung folgt zunächst die fortschreitende Zunahme des
Elbewassers an Härte, an Mineralstoffen und organischen Stoffen bis zum Eintritt
der Moldau bei Melnik, wo die ausgiebigste und kalkürmere Hauptwasserader des
Landes die Moldau die Elbe von 9 auf 6 Härtegrade und von 205 mg mineral.
Rückstandes im Liter auf 157 mg plötzlich vermindert, selbstverständlich in der
trockensten Jahreszeit und nach deren Vereinigung durch die weiteren Zuflüsse
des Landes keine so wesentliche Veründerung in der Zusammensetzung des Wassers
der vereinigten Flüsse mehr stattfindet.
Während das Elbewasser bei Mädelsteg nur 13, bei Hohenelbe 23 mg Mi-
neralstoffe im Liter enthält, hat es bei Jaroméf vor der Einmündung der Aupa
schon 111 mg, also fünfmal so viel Rückstandsmenge als wie bei Hohenelbe, bei
'ardubitz, doppelt soviel fixen Rückstandes als wie bei Jaroméf und zeigt bei Ce-
lakowitz die grösste Härte mit 9:85 Grad und den höchsten Gesammtrückstand
von 245 mg p. L. Von da an nimmt die Concentration des Elbewassers nach Ein-
mündung der Iser und anderer kleiner Zuflüsse wieder etwas ab, sinkt aber erst
nach Aufnahme der Moldau hinter Melnik auf einen Gesammtrückstand von 181 md
pr. L. der nach dem Zuwachs der Eger bei Leitmeritz eine wesentliehe Vermenrung
25
nicht mehr erfährt und je nach dem Rückstande der drei Hauptflüsse des Landes
wechselt.
Das Natron ist im Elbewasser in geringerer Menge vorhanden als in dem
Wasser der Moldau und der Eger. Der absolute Gehalt des Wassers an diesem
Alkali wächst von 1'74 mg proportional dem zurückgelegten Wege bis 11:18 mg
p. L., bei Celakowitz erhöht er sich nach der Vereinigung mit der Moldau und
Eger auf 125 mg. Sprechender ist noch der Vergleich der Nationgehalte in den
Abdampfrückständen des Elbwassers, die sich anfänglich auf 14"/, des Rückstandes
belaufen, durch den Zufluss kalkreicher Bäche eine relative Verminderung der an-
Sehnlichen Natronmenge im Rückstande erfahren, bei Hohenelbe auf 11, bei Ja-
roméf auf 7, in den weiteren Flussstationen auf 5°/, d. R. sinken und erst wieder
nach Einmündung der Moldau auf 75"/,, nach dem Hinzutritt der Eger auf 8'6"/,
d. R. steigen.
Das Kali nimmt im Wasser der Elbe beständig zu. Es steigt von 0'3—0'4 mg,
vom Ursprungsorte bis zu 7:57 mg р. L. bei Melnik, sinkt von da an auf 5:3—5:6 mg
in den tieferen Theilstreeken des Elbeflusses. In Procenten des mineralischen Rück-
Standes ausgedrückt, schwankt die Kalimenge zwischen 2:42—4:65 mg pr. L., ist
am höchsten bei Hohenelbe und hält sich im unteren Laufe der Elbe nach dem
Hinzutritt der Moldau ziemlich unverändert bei 3:4—3:8"/, des mineralischen Rück-
standes. Der Kalk anfangs kaum 1:5 mg im Liter im Riesengebirge betragend,
nimmt von Hohenelbe an rapid zu, beträgt bei Jaroméf 3:6 mg, wächst aber bis
Pardubitz bis auf 82:0 mg, die es bis Melnik beibehält. Durch das weiche Moldau-
wasser verarmt die Elbe nach der Aufnahme dieses mächtigen Flusses auf 50 mg,
nach Einmündung der Eger auf 47 mg und verlässt mit beiläufig 43—45 mg die
Landesgrenze, stets die trockenste Zeit des Jahres vorausgesetzt.
Auch in Prozenten des Rückstandes erhöht sich der Kalk von 12°,, beim
Mädelsteg auf 33°/, bei Jaroměř, bis 39:4"/, bei Pardubitz, füllt wieder hinter
Melnik auf 32"/, ohne im weiteren Verlaufe wesentlich abzunehmen und tritt mit
beiläufig 30*/, Kalk im Rückstand aus Böhmen aus.
Ähnliche Verhältnisse ergaben sich bezüglich des Magnesiagehaltes des
Wassers, nur beträgt die Menge desselben anfänglich nur den vierten Theil des
Kalkes, im weiteren Verlaufe den fünften, zuletzt den sechsten Theil desselben.
Den grössten Magnesiagehalt zeigt das Elbwasser bei Pardubitz und Kolin, einen
etwas geringeren in der unteren Elbstrecke von Leitmeritz bis Tetschen. Anders
gestalten sich die prozentischen Magnesiaantheile des trockenen mineralischen Rück-
Standes, die schon bei der Krausemühle im Riesengebirge 5—6°/, betragen und
Sich mit Schwankungen von 5—6"/, des Rückstandes in sämmtlichen angeführten
Theilstrecken der Elbe bis an die nördliche Landesgrenze verfolgen lassen.
Die Schwefelsäure beträgt am Ursprungsorte der Elbe bei Mádelsteg 1—2 mg
im Liter, erhóht sich aber plötzlich bei Jaroméf auf 10:6 mg, bei Pardubitz auf
14 mg, bei Kolin auf beinahe 16 mg, bei Lobositz und Aussig auf 17:6 mg, bei
Tetschen bis auf 18 mg im Liter, nimmt also fortschreitend zu, bleibt aber unter
der Hälfte derjenigen Menge, welche die Eger bei Leitmeritz enthält.
In Prozenten des trockenen mineralischen fixen Rückstandes ausgedrückt
zeigt das Elbewasser im Riesengebirge 10—12°/,, von Jaroměř bis Öelakowitz etwa
26
1—8^/|,, nach Einmündung der Moldau 9"/, der Eger 11—12"/, Schwefelsäure und
behált diese Menge von Aussig bis Tetschen unveründert bei. Das Chlor, in der
Regel als Kochsalz, nimmt im Elbwasser von 1 » pr. Liter angefangen fort-
während zu, erreicht bei Hohenelbe 2 mg, bei Jaroměř 5 mg, bei Pardubitz 6:6 mg,
bei Kolin 7 mg, bei Leitmeritz 8 mg, bei Lobositz 9 mg, die es bis Herrens-
kretschen beibehält.
In Prozenten des Rückstandes ausgedrückt, trifft man im Gebirgswasser der
Elbe grössere, durchschnittlich 8"/, betragende, im mittleren Theile des Elblaufes
von Pardubitz bis Melnik etwa 3:3"/, nach Aufnahme der Moldau D"/, der Eger
6^/, die sich von Lobositz bis Tetschen ziemlich gleich erhalten.
Interessant ist die absolute Zunahme der Salpetersäure pr. Liter von 0D mg
bis 1:7 mg, dagegen in Relativzahlen des trockenen mineralischen Rückstandes die
Abnahme von durchschnittlich 2—3°/, des Rückstandes im obersten, bis je auf
1°/, und unter 1°/, im mittleren und untersten Stromtheile.
Betrachtet man endlich die Zunahme der Kieselsüure, so nimmt ihre Quan-
tität im Elbwasser stetig zu, von 4 mg auf 6—9:10 mg in den verschiedenen
Theilen des Flusses steigend. In Prozenten des Mineralrückstandes findet man
anfangs einen hohen Kieselsüuregehalt, der bis 30"/, des Rückstandes betrügt, der
sich aber nachdem die Elbe das Hochgebirge verlassen hat, im Flachlande auf
5—4°/, des Rückstandes vermindert und auf etwa 7°/, bis Leitmeritz wieder steigt,
von da an unverändert bleibt.
Die Quantität der organischen Stoffe wächst im Flusswasser der Elbe fort-
gesetzt, doch vertheilt sich die Menge in den bedeutenden, stetig zunehmenden
Wassermassen, oxydirt, zersetzt und präzipitirt sich im Strombette in solcher Art
und Weise, dass eine auffallende Verschlechterung des Wassers nur in der tro-
ckenen Jahreszeit zu beobachten ist.
Die Wirkungen fliessender Gewässer sind zweifellos in der Jetztzeit die
mächtigsten mechanischen Agentien der Bodenbildung. Die Feinheit der Absätze
wechselt natürlich im Verhältnis zu der Geschwindigkeit und Menge des betreffenden
Wassers, die deponirten feinsten Alluvien sind von cultureller Wichtigkeit. Man
hat sogar die fortdauernde Fruchtbarkeit Egyptens ausschliesslich der Zufuhr und
Bereicherung durch den Nilschlamm zugeschrieben, neuere sehr eingehende wissen
schaftliche Untersuchungen haben dargethan, dass man dieselbe auch da findet,
wo — wie in Fajum — nur das klare Wasser hinkommt. Die im Wasser gelösten,
vom Boden, über den sie sich ergiessen, zurückgehaltenen Salze, von denen die
meisten unentbehrliche Nährstoffe sind, bereichern ebenfalls die Matten, Wiesen
und Äcker und tragen wesentlich chemisch und physikalisch zur Fruchtbarkeit
des Landes bei.
Da aus Vegetationsversuchen bekannt ist, dass die Pflanzen Salpetersäure
aus wässerigen Lösungen am raschendsten aufnehmen können, dass die Salpeter-
säure das beste stickstoffhaltige Nahrungsmittel der chlorophylhaltigen Pflanze ist,
80 kann eine Wiese selbst durch berieseltes Bachwasser ebensoviel Stickstoff aus
dem Wasser wie aus der Atmosphüre durch Niederschlige empfangen, besonders
aber Kalk und Alkalien, da sie in der lóslichsten Form vorhanden sind, sehr leicht
aufnehmen. Da die Bäche und Flüsse als natürliche Drains sümmtliches, den Boden
27
durchsickerndes Wasser aufnehmen, könnte wohl von einigen, nicht sehr in Betracht
kommenden Fehlerquellen abgesehen, der Stickstoffgehalt des Wassers den Stick-
stoffverlust der Bodenfläche darstellen, deren Sickerwässer endlich mit dem ab-
fliessenden Regenwasser den Fluss bilden.
Man müsste dann aber die Wasserproben zu einer Zeit sammeln, wo der
Einfluss der Wasserorganismen vernachlässigt werden kann und nur Quellwasser
die Flüsse speist, also in der kältesten Jahreszeit, im Jünner oder Feber unter
Berücksichtigung der Thatsache, dass sich aller gelóste Stickstoff in den Flüssen
Sehr rasch in Salpetersüure verwandelt und sich die Stickstoffbestimmung auf die
Ermittlung des Salpeters- und Ammoniakstickstoffes beschränken könnte. Man würde
Щ den fliessenden Wässern zu dieser Zeit gewiss grössere Salpetersäuremengen
finden als in der heissen Jahreszeit, weshalb ihre jährlich den Hauptwasseradern
Zufliessende Menge nur durch das ganze Jahr sich wiederholende Bestimmungen
ermittelt werden sollte. Eine solche Bestimmung ist von Prof. Dr. Fr. Ulik*) im
Jahr 1877 vorgenommen worden. Es wurden während eines Jahres täglich im
Profile von Tetschen die Salpetersäure- und Ammoniakmengen des Elbwassers be-
Stimmt. Auf Grund dieser Zahlen berechnet (DIE die gesammte exportirte Stick-
stoffinenge eines Jahres durch die Wasseradern Böhmens zu 5,175.312 kg. Auf
einen Hektar böhmischen Landes entfielen hievon 2:15 kg, die aber durch den
Regenstickstoff im Betrage von etwa 7 kg pr. Hektar Boden, dreifach ersetzt würden.
Dieser Stickstoffverlust ist bedeutend kleiner, als er sich aus den Analysen der
Drain- und Lysimeterwässer, die aus Culturbóden mit grossem Nitrificationsvermögen
abgeleitet wurden, ergeben müsste. Besonders tief wurzelnde und perennirende
Kulturpflanzen und Gewächse saugen die Salpetersäure des Bodens schneller auf,
als sie durch Regenwasser aus dem Obergrunde ausgewaschen wird und entziehen
schnell dem Berieselungswasser den gebundenen Stickstoff in Form von Salpeter-
Säure, Auch vermögen die Pflanzen insbesondere die Schmetterlingsblüthler, freien
Stickstoff der Luft durch Symbiose mit mikroskopischen Organismen zu fixiren in
zme nährfähige Form umzuwandeln, aus der sie ihren Stickstoffbedarf decken
können, nach welcher epochemachenden Entdeckung Hellriegels uns die Stickstoff-
Ausfuhr durch die Flüsse nicht mehr zu beunruhigen braucht. Übrigens bilden die
Wiesen das Reservoir, worin die durch das Bach- und Flusswasser dem Meere
stetig zurinnenden, dem Boden entstammenden Pflanzennährstoffe aufgefangen, der
Wirtschaft nutzbar gemacht werden können. Im Rieselwaser werden die Salpetersäure
und das Kali prozentisch am höchsten von den Pflanzen ausgenützt, weshalb Riesel-
Wiesen für den ihnen in geringster Menge zukommenden Nührstoff, die Phosphor-
Säuredüngung, so dankbar sind.
*) Abhandlungen der k. bóhmischen Gesellschaft der Wissenschaften VI. f. 10. Bd. 1880.
со
e
zusammensetzungs der Elbe
an verschiedenen Punkten ihres Laufes vom Riesengebirge bis Tetschen im Herbst des Jahres
In 100 Gewichtstheilen des Mineralrückstandes sind
enthalten Gewichtstheile:
|
CES B = = А ск се ВЕ. 2
IO S "d CRM "ED. 5 =
Ф :5 E a Di E ы eor N 20 N ES
ar =: 255=9$ „alt S.T
Su - o == = EE 3313
ES = ааа =>, Sis
Stoffe a2 а jagg E. 555 Е
"3 = оъ гаре E- ud кәм Ee
о 5 = mmu БФ Ste Ee A
EE Е нв ks G E:
о = о Sa © c
© > so > а
1 E Эт Е ER, plu 150 1792 ла dB
Natron 1486| 13:67; 12-91 11-49 6:88 431 4:94 531 5:49 7:58 8:51 8:3 8:22
Kali . 2 40 3411 3:26 4:65 2-60 9-49 2:54 2 95 *69 3:36 3:46 3°41 3°81
Kalk 12:23 | 12-17 | 1427| 17-10. 32:60 | 39-41 | 38:81! 36:98 6:91, 32:02| 31:06 | 30:04 ! 29:30
Magnesia ds. cs 3641| 8.06) 5-62 620! 682, 516| 456 535: 461| 540! 539| 589, 606
Eisenoxyd und Thonerde 317, 3:30| 499 473 048| 039| 050 091 070| 086 084| 1:38! 1-04
Schwefelsáure 10:68 | 16°10 | 11:73| 12:19 954 6:70 749 1:46 740 905 10:37 | 11:65. | 12:41
Kohlensáure 12:81 479 1475, 17:59 3060| 34:57, 34:03 33-65 33-03 | 29:53 2817 97 03 | 26:32
Karsehaure - EN SX с 31-11 | 29:38] 93-18 | 17:27 5.68, 310 3:60 4:09 4:66 721 6:42 6:59 713
Salpetersäure 3:72 3:69 2-85 2:10 144| 148 079 077 0:82 1:07 111 116 1:18
Chlor 759 | 12:96 8:25 873 4-45 | 317 3.29 3:21 3:56 5:00 5:96 5:88 5°87|
In einem Liter Wasser waren enthalten Mg:
Mineralischer Rückstand 13 13 29 23 111 209 211 221 205 157 153 151 148
Härte 022. 021 049 060! 468| 978| 955| 9:85| 8-89 6-19 | 590! 577 5:58
Glühverlust 6 7 9 10 16 27 25 24 23 24 25 23 23
Gesammtrückstand 19 20 31 33 127 236 236 245 228 181 178 174 | 171
In einem Liter Wasser sind
enthalten Millizramms :
= E =
= | 39 =
E E © =
Зз шю 2| ое Ф а
E 255 c
Stoffe = ED a
De
E
Natron 1:92 174| 291 2:61 7164; 905! 10-45 | 11-78 | 11:13| 11:85 | 13:13, 12:52 | 12:15
Kali x күс woo E C Er 0:81 0:48 0:73 1:08 2:89 5:10 5:31 6:55 1:57 5:26 5:29 5:15 5:63
Kalk 158 155 3:20 3:07 | 36:21 | 82:72 | 82:05, 82:02| 7572| 50:15 | 17:53 45:34 43:85
Magnesia 047 . 0:39 1:26 144 | 758 1082| 9:64, 5:88, 946 8-46 8:25 8:89 8'95
Eisenoxyd und Thonerde 041, 0.42| 112| 110| 053| 082, r05| 204| 143, 1735| 1?8| 2-08 153
берке bame u. u асле 5 1:38 2-05 9-63. 283| 1060| 1406 | 15:83 | 16:53 | 1519 14-18| 15:87 17:58 | 18:35
Kohlensäure 159 061| 331! 407| 33:99 | 72-58 | 71:96 | 74:63 | 67-77 | 46:23 | 49:19 | 40:80 3895
Kieselsäure 402| 8.4| 5.201 401| 620] T7T80| 762| 907, 955| 1139| 982, 9-95 | 10:56
Salpetersäure 048 | 047) 064] 049|- 1:60 |. 3:821 2168|: 14912 168) 1681-1701 IRB, t7
Chlor 0:98! 1-65 1:85 2:08, 495, 665, 695, 726 730. 783] 912, 8:88) 8:68
66
30
Zuflüsse der Elbe aus
dem Riesengebirge.
Der Silberbach.
Geschöpft bei Theresienthal, kurz vor seiner Vereinigung mit dem Forstbach.
In 1000 се des Wassers sind enthalten Gramme:
Ghlornatrtum = u p www 20100648
МАСИ er TR S. emp v umso 000800
Kalumsnltab = sw des e UO,
Calo ШЖ e nee O10 02/0
Caleiumearbonat . . . . . .0:06804
Magnesiumcarbonat . . . . 001285
Fisenoxyd und Thonerde . . 0'00015
Kieselsäure 55.5 24 wo v 000802
Salpetersäure . So (rk mU DNUDU
SUMME T iow vow ОТОТ
Glühverlust hiezu . . . . . 001085
Gesammtrückstand . . . . . 0'12456
Natron .
Kali
Kalk .
Magnesia .
Eisenoxyd |
Thonerde |
Schwefelsäure .
Kohlensäure
Kieselsäure .
Salpetersäure
Chlor :
Summa
Sauerstoff ab für Chlor.
Summa .
. 000718
. 0700268
. 008925
. 000612
. 000015
. 000872
. 003666
. 000952
. 0:00039
. 0:00893
. 011460
. 000089
„ OTIB
In 100 Gewichtstheilen des Mineral-Rückstandes sind enthalten "/,:
Natron . 6:31
Kali . 2:36
Kalk d 34:52
Maßtiesiaa re dee PIC OP Us ee S nr at: DIO
Eisenoxyd und Thonerde. . . . . 013
Schwefelsäure . 7:67
Kohlensäure 32:24
Kieselsüure . 881
Salpetersäure 0:84
Chlor AENT a DG
Summa . 10078
Sauerstoff ab für Chlor. vu d UN
Summa . 100°00
Die Gesammthärte des Wassers betrug 478 Härtegrade.
Der Forstbach.
Geschópft bei Herrmannseifen am 9. Oktober 1892.
In 1000 ec des Wassers sind enthalten Gramme :
Balu E ahn Uu EE ENEE HIE
Natriumsthat Уз. No 08.002897
eu ru Cl е o, roD DU M
Fürtrag . . . 003953
Natron .
Kali .
Kalk .
Fürtrag .
. 601612
. (700161
‚005100
. 0706933
Übertrag .
Caleiumsulfat
Caleiumnitrat
Caleiumcarbonat .
Magnesiumcarbonat
Kieselsüure .
Summa .
Glühverlust .
Gesammtrückstand .
,.0:08958
0.191092
Übertrag .
UNDIS Magnesia .
. 000289 Schwefelsäure
. 0:08791 Kohlensäure
. 07028835 Kieselsäure .
ОООО Salpetersáure
. 011954 Chlor í
. 001175 Summa .
Sauerstoff ab für Chlor.
Summa .
91
‚ 0:06933
. 001350
. 0701880
. 005353
. 001900
. 600190
. . 0700460
. 018066
. 000109
. 011951
In 100 Gewichtstheilen des Mineral-Rückstandes sind enthalten "/,:
Natron . 9:81
Kali . 0:90
Kalk 2840
Magnesia . \ 152
Greg BE EE ШМ
ENEE EE EE
re EE EE
МАТОВОГО: 1 u vn u ee ДО
Chlor EE Vn BOO
Summam s ОООО
elt Eet ah für @ ШО Ун s OON
Snmma . 100:00
Die Gesammthärte des Wassers betrug 6'8 Härtegrade.
Der Oelsbach.
Geschöpft bei Neustadtl.
In 1000 ee des Wassers sind enthalten Gramme:
Chlornatrium
Natriumsulfat .
Kaliumsulfat
Caleiumsulfat
Caleiumearbonat .
Magnesiumearbonat
Eisenoxyd und Thonerde
Kieselsäure .
Salpetersäure
| Summa .
Glühverlust hiezu
Gesammtrückstand .
. 000898 Natron .
‚001706 Kali
. 0:00815 Kalk .
. 000792 Марека о edis node
. 0:07997 Eisenoxyd und Thonerde
. 07020038 Schwefelsäure .
. 000015 Kohlensäure
. 001250 Kieselsäure .
. 000190 Salpetersäure
. 015091 Chlor eu.
. 0011785 Summa .
. 016876 Sauerstoff ab für Chlor.
Summa .
. 000916
. 0:00441
. 004805
. 000954
. 000015
. 001801
. 004567
. 001250
. 000190
QUITO,
S0 75135
. 000044.
. 015091
In 100 Gewichtstheilen des Mineral-Rückstandes sind enthalten "/,:
Ма Оу E MIC а ы O ON
ee ЖТ ОТ ee EEN)
Ee de E A
Magnesia CE Re 6:32
Lisenoxyd und. Lhonerde . 175. 2 — 010
SEET deer Л PA ES
ТОШТЕ В ои ROG
ЮЛе В ЫЛ RE
ЕШ ПАШ i ier ао рО
ТИШЕ SL Му м UC Аук «зл. PSU
SU. EIER
Samorstom am ОШО К К mor ote QUII
Summa . ..... ОУ,
Die Gesammthürte des Wassers betrug 6:13 Härtegrade.
Ein starker Zufluss der Elbe ist weiter
die Aupa.
Obwohl das Quellengebiet der Aupa seinem Umfange nach doppelt so gross
ist, als dasjenige der Elbe, so empfängt erstere aus dem Hochgebirge doch nicht
mehr Wasser als die letztere, weil ihr die zahlreichen Reservoirs der wasserreichen
Hochmoore fehlen. Die Aupa entspringt ebenfalls am höchsten Rücken des Riesen-
gebirges, am Fusse der Schneekoppe, unfern der östlichen Hauptquelle der Elbe
auf der weissen Wiese, im Granitit, in 1423 m Seehöhe und ergiesst sich bald
nach ihrem Ursprunge über die steilen und hohen Granitfelswände, die sich durch
die Urschiefer in Stöcken und Gängen Bahn brechen, mit einem malerischen hohen
Wasserfall in den Aupagrund, wo sie theilweise unter den Schutthalden von Gra-
nitit und Urschiefern verschwindet, mit denen die Sohle des Kessels angefüllt ist.
Die Aupa durehfliesst den tiefen Riesengrund, der westlich vou den Glimmer-
schieferfelsen des hohen Brunnberges, östlich durch den breitgewölbten waldbe-
deekten Rosenberg, nördlich vom Wall des Koppenplanes und der Granititpyramide
der Schneekoppe eingeschlossen ist, in silberschlängeldem Bande auf saftiggrünem
Thalgrunde und nimmt nach und nach alle Wässer des südöstlichen Urgebirges auf.
Als unbedeutender Gebirgsbach zwar verlässt sie den schauerlichen Riesen-
grund, erhält aber schon von den nordöstlichen Abhängen des Brunnberges einen
bedeutenden Zuwachs von, in Glimmerschiefer-, Gneis- und Fleckschiefern ent-
springenden Bergwässern, unter dem Kuhberge die kleine Aupa, deren Quellen-
gebiet vorwiegend in Gneis- und Glimmerschiefern verläuft und nimmt bei dem
Dorfe Klein-Aupa auch das vom Forstkamme herabkommende Fichtigwasser auf,
Gewässer, die durch Vereinigung einer Menge kleiner, von der Корро und dem
Forstkamme herabrieselnder Wasseradern entstehen, dann die Kolbe, deren Zuflüsse
in den Urschiefern des Kolbenberges und Alberndorfer Kammes entspringen, das
Blaugrundwasser vom gneis-geformten Keil- und Fuchsberge, Zehgrundwasser und
den Seifenbach bei Marschendorf, der auf der Ostseite des Spiegelberges m
Glimmerschiefern entspringt und andere Bäche, die aus zahlreichen Hochgebirgs-
Quellen gebildet werden.
Erst bei der Einmündung in den Zehgrund machen die steilen Felswände
im Thale des wilden Aupa’er Gebirgsbaches sanfter ansteigenden Gehängen Platz,
die aber stellenweise die Thalsohle so einengen, dass sie fast aus dem rinnenför-
migen Flussbett emporsteigen.
Das mittlere Gefälle der Aupa von ihrem Ursprunge bis Parschnitz verhält
Sich im Mittel wie 1:41 bei einer Weglänge von 31:1 Km und der-Höhendifferenz
von 764 m und indem sie das sehr starke Gefälle immer mehr einbüsst, verlässt
816 mit ihrem Eintritt in das Städtchen Freiheit das Hochgebirge und kommt in
(ie Formation des Rothliegenden, wobei das Thal den Charakter eines Hochge-
birgsthales verliert. Unterhalb Trautenau nimmt die Aupa auf ihrer rechten Seite
den Johannisbaderbach und zur linken den aus bewaldeten Porphyrkegeln des
Raabengebirges entspringenden Litschebach auf, durcheilt in südlicher Richtung
Niederes Bergland, eigentlich ein vom Aupathale und dessen Nebenthälern vielfach
durchsehnittenes Plateau, das östlich von dem aus Arcose, rothem thonigem Con-
Slomerat und rothen Sandstein zusammengesetzten, gegen -das Aupathal sanft ab-
dachenden Faltengebirges begrenzt wird.
Sandige Schieferthone der mittleren Dyasformation bilden die Ufer der Aupa
bis Světlá, wo ihre steilen Thalwände aus unterem Quadersandstein gebildet werden.
Kleinere Zuflüsse entquellen aus den Plänerschichten, die man längs des Nordrandes
der böhmischen Kreideformation in den Thälchen der terassenförmigen Anhöhen
Verfolgen kann, welche sich am Fusse des höher ansteigenden permischen Berglandes
von Gradlitz über Hofiéka gegen die Апра zwischen Baucin und Skalitz abteufen-
Von Skalitz fliesst die Aupa südwestlich durch ein fruchtbares Alluvial-
3ebiet gegen Jaroměř, wo sie in die Elbe mündend, dem grossen Thalkessel von
Königgrätz zueilt.
Es folgen nun die chemischen Zusammensetzungen der Aupa.
Die kleine Aupa.
Geschöpft bei der Kreuzschenke, nördlich von Dunkelthal.
In 1000 cc des Wassers sind enthalten Gramme :
Ohlomatrium . |. . . . . 0500199 NAR Ls a oer D UEM
Natriumsulfat `... . . 000219 Eb. 16s e DENM
Kaliumsulfat vum oec OL E o a 001608
aliumearbonat . . . . . . 00008 Мае vA EIERE
Mleiumcarbonat `... . 002326 Eisenoxyd und Thonerde . . 0:00010
Tagnesiumcarbonat mcd c OO О Schwefelsäure . . . c 000906
"Isenoxyd und Thonerde . . 0:00010 plage . ect. . . 0701400
Kieselsäure ne OR ОШОО Kieselshubos sans A S sc 000158
Alpetersäure . . . RENE Salpetersäure ori. = <.. 000096
| Summe. с. 00441. Elte eene
Zeeche Ee Summa . . . . 004408
sammtrückstand . . . . 005309 Sauerstoff ab für Chlor . . . 000027
ео vi p HE E
3
34
In 100 Gewichtstheilen des Mineralrückstandes
Natron .
Kali .
Kalk .
Magnesia . d
Eisenoxyd und T'honerde ;
Schwefelsäure .
Kohlensäure
Kieselsäure .
Salpetersäure
Chlor ah
summi es.
Sauerstoff ab für Chlor.
Summa
sind enthalten
5'11
178
29:34.
1'58
0:22
4:64
31:52
16:93
0:81
28
. 100°61
0°61
ТОТО
Die Gesammthärte des Wassers betrug 1'77 Härtegrade.
Die grosse Aupa.
Geschópft hei der Kreuzschenke, nórdlich von Dunkelthal.
In 1000 ce des Wassers sind enthalten Gramme :
Chlornatrium . 000161 Natron .
Natriumsulfat . . 000352 Kali
Kaliumsulfat . 000059 Kalk .
Kaliumearbonat . 000178 Magnesia .
Caleiumearbonat . ..0*08282 Eisenoxyd und Түй
Magnesiumcarbonat 000436 Schwefelsäure .
Eisenoxyd und Thonerde . . 000009 Kohlensäure
Kieselsäure . . 0:00605 Kieselsäure .
Salpetersáure . 000080 Salpetersáure
Summa ^. 905100 Chlor |
Glühverlust hiezu . 0:00675 Summa
Gesammtrückstand . „10:05775 Sauerstoff ab für Chlor .
Summa .
Si H
[о ш
‚ 0:00289
. 000145
‚001810
‚000208
. 0:00009
. 000223
‚ 0701705
. 000605
. 0:00080
‚ 000098
70:05122
. 0:00022
. 005100
In 100 Gewichtstheilen des Mineral-Rückstandes sind enthalten "/,:
Natron .
Kali .
Kalk .
Magnesia .
Eisenoxyd und T honer de
Schwefelsäure .
Kohlensäure
Kieselsäure .
Fürtrag .
4:69
2:84
9549
4:08
0:18
431
93:48
11:86
. 96:04.
Übertrag . . 96:94
SHEET ЮТ
Г E ee EE
Summa . 10048
Баео abstürsGhlor. 001108 0:43
Summa . 100:00
Die Gesammthärte des Wassers betrug 2'10 Hürtegrade.
Die Aupa.
1 m ‚ TP . D . op " DH
Geschöpft oberhalb der Etrich’chen Spinnerei, respective unter der Brücke am östlichen Abhange
des Lerchenberges bei Jungbuch.
In 1000 ec des Wassers sind enthalten Gramme:
Chlornatrium . 000814 Natron .
Natriumsulfat . 000600 Kali
Kaliumsulfat ‚ 0:00595 Kalk
Caleiumsulfat
. 0001238
Mauftesig d RS MEL T,
Kisenoxyd und Thonerde
Caleiumcarbonat . 001084
Magnesiumcarbonat . (01158 Schwefelsäure
Eisenoxyd und Thonerde . 000029 Kohlensäure
Kieselsäure . . 001618 Kieselsäure
Salpetersäure . 0:00070 Salpetersäure
Dumma
. 012089
Chlor
. 008015
Glühverlust hiezu .
. 015104
1 m
Gesammtrückstand .
Summa
Sauerstoff ab für Chlor
Summa
. 000693
. 0.003822
. 004090
. 0700597
0:00022
. (700686
. 07036178
. 001618
. 000070
. 0700404.
. 0:12200
«ООО
. 012089
In 100 Gewichtstheilen des Mineralrückstandes sind enthalten */,:
Natron ie DIS
IR но en 2:06
Kalk UD PO
Magnesia . . pir 493
Eisenoxyd und Thonerde 0:18
Schwefelsäure DO
Kohlensäure . 90:44
Kieselsäure uod
Salpetersäure 0:58
Chlor USA rw Ac O
Summa 100:91
Sauerstoff ab für Chlor 0:91
Summa . 100:00
Die Gesammthärte des Wassers betrug 4:85 Härtegrade.
8%
Die Aupa.
Geschópft oberhalb Jaromér.
In 1000 ec des Wassers sind enthalten Gramme:
Chiornatrium o vo oos 0.011390 Nett о ее 0:000 DI
Kalumsultat EES ШАО Ee (OO DAI
Eleng ebe geet 0101000. Kalk oca ca erae ts; NO ORODU
Caleiumearbonat . 1... 007128 Ма О, eut лк ДООНУ
Magnesiumcarbonat . . . . 002291 Eisenoxyd und Thonerde . . 0:00037
Eisenoxyd und Thonerde . . 000087 Schwefelsäure . . . . . . .0:01354
БЕНДЕ о 000 DN, Kohlensäure . . . . . . . 004884
Organische Stoffe . . . . . 002685 BINSNAUS 6. vov ОООО
Summa . . . «..0:16438 CRM S uu TUERI C Ape METTE
Summae s a e ОВОО
Sauerstoff ab für Chlor. . . 0:00163
Sunma s › 2922 0:18 (005
In 100 Gewichtstheilen des Mineral-Rückstandes sind enthalten "/,:
ПАО E qus d AU viet 010)
Kal EE,
e EEN CN
Мае (02 NO, e qve uo ТИВ
Eisenoxyd und Thonerde. . . . . 027
Schwafelsätte sn, 0. NER RV ur we 20159
Köklensaute ow ea M e DD
eeh d 9 wenn... wen. on AE
ОШЕН ee ness ECHT
Summa i xs XOT
Бе о ab, Tubs ОШО, wow cu 139
Summe, ООО
Die Gesammthärte des Wassers betrug 6'17 Härtegrade.
Sümmtliche Aupa-Wasserproben sind Mitte September 1892 geschöpft worden.
Während die Quellen der Aupa kaum einen Härtegrad aufweisen, nimmt
das im weiteren Laufe stark anschwellende Flüsschen an Härte und Concentration
der Lósung zu, so dass es bei Dunkelthal 2:1 Hürte und 51 Milligramms per Liter
Rückstand, bei Jungbuch 4:8 Härte und 120 Milligramms Rückstand, bei Jaroměř
kurz vor seiner Vereinigung mit der Elbe 6'17 Härte hat und 187 Milligramms
Rückstand gibt.
Aus dem procentischen Vergleich der Rückstände des Wassers von seinem
Ursprunge bis zu seiner Einmündung lassen sich weiter folgende Ergebnisse ableiten.
neral-
Der Kalkgehalt beträgt von Anfang an ein Drittel des ganzen fixen Mi
rückstandes. Die Magnesia vermehrt sich im Rückstande auf das Doppelte unc
beträgt zuerst etwa 4 zuletzt 8 Perzent des Rückstandes Ebenso verdoppelt 8
die Schwefelsäure und beträgt zuletzt 9:85"/,. Die Kieselsäure fällt auf den vierten
ich
37
Theil ihrer ursprünglichen Menge. Die Natronmenge macht constant 5%, des Rück-
Standes aus. Die Kali- und Chlormenge sowie die Glühverluste nehmen zu.
Zuflüsse aus dem Adersbacher Sandsteingebirge.
Die Meitau und ihre Zuflüsse.
Abgetrennt von der grossen Erstreckung des Kreidesystemes über das nord-
östliche Böhmen erscheint im Braunauer Landeszipfel eine isolirte Sandsteininsel,
die als der Überrest eines mächtigen Sandsteingebirges angesehen werden kann,
welches das ganze Becken von Grüssau über Adersbach bis Reinerz in Schlesien
bedeckte.
Die ungleichartigen Gesteinschichten leisteten den Fluthen des Regenwassers
ungleichen Widerstand und so wurde durch fortgesetztes Auswaschen endlich der
grösste Theil der Sandsteindecke zerstört und es blieben nur noch die abenteuer-
lichen Felsgruppen und zerrissenen Felswünde stehen, ein wahres Felsenlabyrinth,
das heute den Wallfahrtsort zahlloser Touristen bildet. Einem Becken gleichend,
dessen aufgebogene, völlig hügelige Ründer einem mehr sandigen Plänerkalkstein
angehören, bedecken die Adersbacher, theils aus mittel-, theils aus grobkörnigem
Sandstein bestehenden Felsen, den unterlagernden Pläner. Der Thon und Kalk-
Silicat-Kitt, welcher die quarzige Grundmasse bald fester bindet, bald sich so ver-
Mindert, dass der Sandstein allen Zusammenhang verliert und zerfällt, wird nur
langsam durch die Kohlensäure des Regenwassers zersetzt.
In diesem sandigen Terrain entspringen mehrere klare Wässer, welche die
Quellen der Mettau bilden, so der aus der Voigtsdorfer Haide hervorbrechende
Adersbach, der südöstlich laufend, das Adersbacher Thal durchzieht und alle aus
dem genannten Gestein hervorquellenden Wässer der pittoresken Felsenstadt auf-
nimmt.
Am Fusse des Holsterberges vereinigt sich der Adersbach mit dem jenseits
der Landesgrenze entspringenden Raspenauer Bache, der südwestlich zwischen den
Malerischen Sandsteinen, zwischen Lössmergel über Markelsdorf das Plateau am
Ostrand in einem tiefen Bett durchzieht, gegen welches sich alle Tiefenlinien des
Terrains senken.
Unter glauconitischem Sandstein und aufgethürmten oberen Sandsteinschichten
der Iserstufe entspringt im Nordosten von Adersbach die Erlitze, die in südlicher
Richtung durch Drewnitz und Starkstadt über Hronov der Mettau zufliesst.
Zwischen Adersbach, Starkstadt, Polic und Machov breitet sich der Pläner
"uf wellig hügeligem Terrain aus, in welches sich die Mettau mit ihren Zuflüssen
ziemlich tief einschneidet, so namentlich bei Polic und Zabokrky und indem sie
Noch einige kleine Zuflüsse aus den östlich gelegenen Policer Sandsteingebirgen an
Sich reisst, durchfliesst sie ein enges und felsiges Thal, das sich erst oberhalb Bi-
lowes erweitert und das Faltengebirge vom Mensegebirge scheidet.
Am rechten Ufer empfängt hier die Mettau den aus rothen Conglomerat-
Sesteinen und südlicher aus Arcose der Dyasformation weitere kleine Zuflüsse,
58
durchsetzt dann das Gestein des unteren Dyas und läuft bei Nachod zwischen den
westlichen Ausläufern des Mensegebirges durch Phyllit bis Neustadt, wo das herr-
schende Gestein wieder aus Plänerkalk besteht, der nur an den felsigen Gehängen
des Mettauthales dem Urthonschiefer weicht.
Zwischen Phyllit fliesst dann die Mettau südlich durch ein enges, tiefes,
schauerliches, mit Waldungen bedecktes Felsenthal; die sogenannte „Hölle“ (Peklo),
umspült in einem scharfen Bogen den Felsen, auf dem die Stadt Neustadt steht,
wo man auch die allmählige Abdaechung des Urgebirges unter den aufgelagerten
angeschwemmten Gebirgsgliedern vorzüglich beobachten kann und empfängt noch
den im Höllenwalde im Phyllit entspringenden Wolesnikerbach und einige unbe-
deutende, im Mittelquader der Kreideformation ihren Ursprung und Lauf nehmende
Zuflüsse, mit denen vereint sie zwischen Lössgehängen weiterfliesst, bis sie unter-
halb Neustadt das schöne Flachland betritt und westlich durchzieht, mit frucht-
baren Alluvionen bedeckt, reichlich bewässert und endlich bei Josefstadt in die
Elbe fällt.
Chemische Zusammensetzung der Erlitze.
Geschöpft bei Böhmi-ch-Weckelsdorf den 1. Oktober 1893.
In 1000 ce des Wassers sind enthalten Gramme:
Chlornatrium, se sart соба NAWON. et AE E ы. ОШ ДЕ
Naprmsulfat. о ты, 000220 KE Ие а DO
Kalumaulfat.u... se н 00D Ld КАШ аре оен. ОИС
Galciomsulfat . . 204i. >.. UD Magnesia e. E, a eus ОШ LSU
Calorutearbonsbs ere o IU LUE Eisenoxyd und Thonerde . . 000095
Magnesiumcarbonat . . . . 0701230 Schwefelsäure vue" ... 000892
Fisenoxyd und Thonerde . . 000095 Kohlensäure . ..... ... .0:04154
тезе 4 n ee „000620 Kiegelsäure. er eoe air те ae DRIED
Salpetersaurer Kalk . . . . 0'00544 Salpetersäure . . . . .« .0:00398
Оет BEIER М MR DU RDUM
Ger ОЕ EN Summa a 4.1020
Gesammtrückstand . . - . . 0:13467 Sauerstoff ab für Chlor.. . . 0'00088
Cte MN
Summa s eoe О
In 100 Gewichtstheilen des Mineral-Rüekstandes sind enthalten "/,:
M sea EE Y ud M FS,
eg Ke
Oe E u a EE
Mansa, erine oas ор
Eisenoxyd und Thonerde . . . . . 0:80
MINN OË Lo. UHR pae mos c HB
Ion ondas us E e
ISIGSoISdUTO ^ weno itte oT TURAE MEO
SONT 8:01
Fürtrag . DER VD
Salpetersäure . .
39
Übertrag . . . 97:45
Chlor aeo a n dog Mb ДАШЫНА?)
Summa ern voe TO
Sauerstoff ab für Chlor. . . . . . 074
Somma warn o. dU
Die Gesammthärte des Wassers betrug 5'49 Härtegrade.
Chemisehe Zusammensetzung des Adersbaches.
Geschópft bei Ober-Weckelsdorf den 1. October 1893.
In 1000 ec des Wassers sind enthalten Gramme :
Chlornatrium . . . . . . 0:00482 NAON у с. зай, ОООО
Kaliumsulfat |... 000246 fue, Let e EC Н ШШШ
Caleiumsulfat . . . . . . . 0'00421 КАШ ну ыз лыт NU Ai olg
Üaleiumearbonat . . . . . . 006587 Марте n.o 4 МЫ
Magnesiumearbonat . . . . 000869 Eisenoxyd und Thonerde . . 000078
Eisenoxyd und Thonerde . . 000078 Schwetelsäute:. x... » «o. 000001
Kieselsäure EE re КОШО Kohlensäure. a ыз ы ve - 008363
Salpetersäure a a NDR Biegelgtgeg е a «ШОО
Summa . . . . . 009182 Salpetersäure . . . . . . . 000058
Glühverlust hiezu . . . . . 000403 Cla qat edd MM MEINER IT
Summa . 009585 Summa . 5 D'ODZA]
Sauerstoff ab für Chlor. . . 0:00059
summas ОГО
In 100 Gewichtstheilen des Mineral-Rückstandes sind enthalten "/, :
Nato e td a E ag
Tees ЛЛК ҮА AMI PARU. НУ ао
een HET TE IU a
Мериба | DAT gel RO ons 4'51
Eisenoxyd und Thonerde . . . . . 085
ООСО c E
Kohlensäure 36:52
(EE A (SU. vr uoa ios EE M M
Salpetersäure...» +. 0:58
Le loy Ыр: ME M He
Summa rl. oos OR
Skuerstott ab tum Chlor. we... 064
Summa EE NEE,
Die Gesammthürte des Wassers betrug 4:43 Härtegrade.
à Nach Belohoubek enthält das Mettauwasser geschöpft bei Nachod in einem
Liter 01425 fixer Stoffe, der Glühverlust betrug 0"0100, der fixe Rückstand 0'1325
Gramme. In diesem Rückstande waren enthalten 0:05530 Kalk, 000811 Magnesia,
(00515 Schwefelsäure und 0:00460 Chlor.
40
Chemische Zusammensetzung der Mettau.
Geschöpft oberhalb Josefstadt im November 1891.
In 1000 ce Wasser sind enthalten Gramme:
ОШОДА ИШ УЛ ун нм. 0.008206 WENNER HEI:
АЕ ШШШ ӘД eege erer Cie Kal u EE ler)
ie tun D ОООО o ee: de EN
Ооа . 000901 Magnesia, arva ND eler
Caleiumearbonat . . . . . . 010444 Eisenoxyd und Thonerde . . 0:00088
Magnesiumcarbonat . . . . 001911 Schwefelsäure . . . . . . 001423
Eisenoxyd u. Thonerde . . . 0:00088 Konlensaure vss on DEE
Кее НО EE ee ОООО
Sus. 10 040904 Chlor . RE ПОШ ИШ
Ont V eDIMSU. MOZU. „з. е... ap Ша 00000
Gesammtrückstand . . . . . 0'17689 Sauerstoff ab für Chlor. . . 0:00113
Summa. . . . 016564
In 100 Gewichtstheilen des Mineral-Rückstandes sied enthalten "/,:
МИКОШ Ул ерл RR Mie a АЕ
ICA rusa ET. e d
КИШ ANT уу MEA rts rr нө, DEN E
Maguesià . . . . E Dr x DIU
Kisenoxyd und genge ee Оа)
Schwefelsäure . . . ANTI AE d SE S DO
ICODIGDSTUTQ s л у, АВО
Kieselsatme rn sors И ИВ
ФЫ@ ОАО mul HOP Ee
Summa. . . . 10068.
Sauerston ap. für Ohlop« vot eec ONG
Bumm. .10000
Die Gesammthärte des Wassers betrug 7.49 Hürtegrade.
Die zwei wasserreichsten Zuflüsse, aus denen die Mettau entsteht, die Er-
litze und der Adersbach stimmen in ihrer chemischen Zusammensetzung mit ein-
ander überein, wie es nicht anders zu erwarten war, da sie gleichartige Gestein-
schichten durchziehen, weshalb auch die Mettau bei Nachod eine gleiche Zusammen-
setzung aufweisen muss, wie sich aus der Analyse von Belohoubek überraschend
ergibt. Werden die einzelnen Analysenwerthe auf Hundert Gewichtstheile des Mi-
neralrückstandes überrechnet, so erhält man folgende Mengen:
Mettau bei Nachod : Erlitze: Adersbach :
KAE ow ier iat 41:69"/, RR at SW
Magne rt ЛУ л o APR Wi LA NSW DD.
Sehwatelsiuro:: e EE EE ВШ: наив Ў
Chlor . A VETE dA OUO dO Dr.
In ihrem weiteren Merian nimmt die Mettau kleine Wasseı Adei auf, die
ihren Gehalt an Schwefelsäure bedeutend erhöhen, während das Verhältniss der
41
übrigen Mineralstoffe ungeändert bleibt. Der absolute Gehalt an Mineralstoffen und
die Härte des Wassers nehmen zu und steigen von 91 und 119 auf 165 Milli-
gramms, die Härte von 4 und 5 auf 7'/, Grade per | Liter in der Zrockensten
Zeit des Jahres.
Zuflüsse aus dem Adlergebirge.
Die wilde und stille Adler mit ihren Zuflüssen.
Das bóhmisehe Adlergebirge erhebt sich aus dem Thale der Mettau nord-
westlich von Nachod ziemlich schroff und streicht in südöstlicher Richtung bis zum
Durchbruch der wilden Adler bei Nesselfleck. Während aber das Adlergebirge im
Norden entlang der schlesischen Grenze einen geschlossenen Kamm bildet, zeigt
es sich im Süden mehr als offenes Gebirge. Jenseits der Landesgrenze zwischen
Reinerz und Glatz im nórdlichen Theile des Mensegebirges, in den hochgelegenen
Forsten des hauptsächlich aus Pläner bestehenden Hochplateaus, der Seefelder
entspringt die wilde Adler. Längs des nördlichen Abfalles des Adlergebirges mitten
im Gneisgebiet zieht sich ein enger Streifen von Pläner vom rechten Adlerufer
bis Bürnwald, während am linken Ufer Gneis vorwaltet. In ihrem südlichen Laufe
scheidet die Adler durch ein flach rinnenförmiges Thal fliessend, das böhmische
Adlergebirge vom Glatzer-Gabelschwerdter Gebirge, bis sie am südlichen Fusse
des Adlergebirges, unterhalb Nesselfleck, durch ein enges, felsiges Thal südwestlich
m Böhmen einbricht.
Die westlichen kleinen Zuflüsse der Adler, so lange sie als Grenzbach ver-
läuft, entspringen zumeist dem rothen Gneis; der vorherrschend aus diesem Gestein
Zusammengesetzte böhmische Kamm fällt steil in das Thal der Adler ab, stufen-
weise dagegen westwärts in das Innere des Landes.
Nach den Aufnahmen der Landesgeologen waltet Muscovitgneis im Adler-
gebirge vor, ‘bestehend aus weissem und röthlichem Orthoklas, grauen Quarz und
weissen Glimmer, der gegen die beiden ersten Bestandtheile sehr zurücktritt. An
diesen grenzt Biotitgneis, der durch reichlich vorhandenen Glimmer von ersterem
unterschieden ist und besonders im Quellengebiet der wilden Adler im engen Ver-
bande mit dem erstgenannten zu finden ist.
Oberhalb Klösterle setzt die wilde Adler durch eine schmale Amphibolzone,
dann durch grauen Gneis und Glimmerschiefer ihren Lauf in einem engen, von
Malerischen, hohen, meist steilen Felsen eingeschlossenen Thale, später in zahl-
teichen Windungen durch grauen Gmeis mit reissendem Gefälle fort, das ihr auch
den Namen der wilden Adler eintrug.
Mit dem Eintritt der Adler in den Mittelquader und Pläner bei Nekoř
Werden die Gehänge des Flüsschens niedriger, vermindert sich die Steilheit des
Bettes und die Adler durchfliesst einen ebenen, breiten, mit Alluvialschichten über-
Zogenen Thalgrund, der nordöstlich über Senftenberg bis Zachlum reicht. Auf dieser
Strecke empfängt die wilde Adler einige, im Urgebirge zwar entspringende, je-
doch in mittleren Plänerschichten der Kreideformation sich sammelnde und nach
kurzem Lauf bei Senftenberg einmündenden Bäche, wie den Rokenitzer- und Kune-
Walderbach.
Westlich von Senftenberg bei Zachlum tritt der Fluss in das Lititzer Ge-
birge, berührt grauen Gneis und durchwindet sich dann S-förmig in dem merkwür-
digen Granitstocke vou Litie, den er in einem tiefeingeschnittenen, wildromantischen
Thale passirt, um nach kurzem Laufe wieder die Mittelquader und Plünerschichten,
die theilweise an seinen Ufern emporragen, zu durchlaufen, bis er sich wieder
rauschend durch die malerische Pottensteiner Granitschlucht stürzt, worauf sich
sein mit Urfelsgeschieben angehäuftes Bett erweitert und besonders sein rechtes Ufer
verflacht. Nach reichlichen Niederschlügen vollführt die Adler in ihrem wilden Laufe
Unterwaschungen und richtet durch Ab- und Überschwemmungen grossen Schaden an.
Die wilde Adler vereinigt alle Gewässer, die auf der Westseite des Adler-
gebirges vorherrschend im Gneisgebirge entspringen und sich durch Zuflüsse aus
den niedrigeren Pläneranhöhen an Kalk anreichern, unter welchen die Stiebnitz und
die Alba die bedeutendsten sind. Erstere entspringt am Lotzenberge in den hoch-
gelegenen Solnitzer Waldungen im rothen Gneis nimmt kleinere Zuflüsse aus
Glimmerschiefer und quarzreichem Thonschiefer auf und tritt bei Pečín in die ge-
schichteten Plänerablagerungen. Letztere entspringt im Schierlingsgraben, zieht
alle kleinen Wässer des abwechselnd aus grünen Schiefern, Glimmerschiefer und
Gneis zusammengesetzten Hochgebirges an sich, durchbraust ein enges, felsiges
Thal mit reissendem Gefälle und fällt, nachdem sie den Unter-, Mittel- und Ober-
quader der Kreideformation berührt hat, bei Castalovie in die Adler.
Jenseits der wilden Adler löst sich das zumeist aus rothem Gneis beste-
hende Kammgebirge mehr und mehr in wellenförmiges Kuppelland auf, zieht aber
in unveränderter Richtung über Wichstadt und Gabel zur mährischen Grenze.
Im Altvaterwalde, im Grulicher Gebirge nimmt die stille Adler ihren Ur-
sprung in grauem Gneisgestein und verstürkt sich durch kleinere, aus gleichartigem
Gestein emporquellende Zuflüsse. Lösswände und Quaderschichten begleiten sie auf
ihrem westlichen Zuge bis Wichstadt, wo sie kleinere Zuflüsse aus rothem Gneis
empfängt, den sie in einem südlich verlaufenden felsigen Thale bis Gabel durch-
zieht, den unterhalb dieses Ortes anstehenden Syenit durchsetzt, um in einem an
Schotter reichen, plötzlich nordöstlich verlaufenden Bett bis Geiersberg, von da
an wieder südlich zu fliessen, auf welchem Wege ihr einige kleinere Zuflüsse aus
dem Mittelquader der Kreide und dem rothen Sandstein des Rothliegenden zu-
fallen, die sich nach jedem Regen roth trüben.
Bei Landsberg tritt die Adler in das südliche, an malerischen Felspartien
reiche Mittelgebirge, dessen Fuss abwechselnd Plänerkalkstein und Quadermergel-
schichten hie und da von Streifen des Rothliegenden unterbrochen, bedecken.
Östlich von Ohotzen, wo das Plänergebiet höher ansteigt, stösst man auf
unreine, grane, gelbe oder röthliche, sandig-kalkige, wahrhaftige Iserschichten
„Exogyrussandsteine“, die sich dann zu beiden Seiten der stillen Adler über
Brandeis und Wildenschwert ausdehnen. Die stille Adler durchbricht in einem
Querthale zwischen Kerhatic, Wildenschwert und der Ruine Landsberg diese Pläner-
mulde, in die sie so tief eingeschnitten ist, dass unter den waldigen Sandstein-
lehnen Granit, Phyllit und permische Sandsteine in der Thalsohle sichtbar werden.
Das Thal der Adler nordwürts von Chotzen zeichnet sich durch malerisch senk-
rechte Felswände der Iserschichten, die mit hohen Weissenberger Schichten wechseln
/
48
Unterhalb Chotzen erscheinen diese
sonst sind Diluvial- und Alluvial-
und nackten Mauerwünden gleichen, aus.
Plänerschichten nur an der linken Adlerseite,
Schichten vorherrschend.
Von Chotzen fliesst die stille Adler durch niedriges Hügelland bis Tinischt,
wo sie sich mit der wilden Adler“ vereinigt. Ihr Gefälle ist ein viel sanfteres,
als das ihrer wilden Namensschwester und beträgt auf 12 Meilen respective 91 Am
472-5 m. Nach ihrer Vereinigung durchströmt die Adler in nordwestlicher Richtung
das wiesenreiche Flachland, nimmt bei Hohenbruck den „Dödina-“ oder „goldenen
Bach“ auf, mit dem sich mehrere kleine, in der warmen Jahreszeit oft wasserarme
Bäche vereinigen. Von Hohenbruck fliesst die Adler westlich den Niederungen der Elbe
zu, in die sie bei Königgrätz einmündet. Der Zufluss „goldener Bach“ genannt, ent-
Springt auf der Herrschaft Opotschna bei Giesshübel im Amphibolschiefer und
Glimmerschiefer, durchfliesst dann die grünen Schiefer südlich von Bistrey, wendet
Sich in einem kühnen Bogen unterhalb Mofti plötzlich nordwestlich, um durch die
Sanfteren Gehänge des Weissenberger Pläner bis Chabof zu fliessen, wo er sich
in zwei Arme theilt, von welchen der nördliche nach Dobruschka geht und sich
mit dem kleinen, in Phyllit entspringenden Goldbach vereinigt, während der süd-
dliche Arm westlich von Opotschna durch das eingerissene Plänerplateau des
Mittelquaders die breite alluviale Thalweite erreicht, die der nördliche Arm um-
spannt und durch den er verstärkt, als Dödinabach in südwestlicher Richtung der
Adler zustrómmt.
Chemische Zusammensetzung der wilden Adler.
Geschöpft oberhalb Senftenberg, den 25. August 1893.
In 1000 cc Wasser sind enthalten Gramme:
. 000641
Chlornatrium . 0:00404 МОИ d. ee
Natriumsulfat . 000456 (d EE ‚ 000918
Natriumearbonat . . . 000889 Kalk 10:09275
Kaliumsulfat
Caleiumearbonat .
Magnesiumcarbonat
Kisenoxyd u. Thonerde .
. 000820
‚ 004184
. 000586
‚000016
Magnesit n s done e
Eisenoxyd und Thonerde
Schwefelsäure .
Kohlensäure
.
‚ 000219
. (00016
‚ 0:00257
. 002429
Kieselsüure ‚ 000765 Kieselsäure ..... ‚ 000765
Salpetersäure . . 000040 Salpetersäure . . . . +. . 000040
| Summa .
Glühverlust hiezu
ii
Gesammtrückstand
ООО,
. 001655
. 018165
Chlor os ee Ww s
Summa .
Sauerstoff ab für Chlor.
Summa .
0
In 100 Gewichtstheilen des Mineralrückstande
з sind enthalten
. 9:02
Nation. E Eege
МИ EE S TUO
Kalk". 82:00
Fürtrag .
‚ 44:09
. 000245
. 007165
H
. 000055
E MET
44.
Die Gesammthärte des Wassers betrup 9:66 Härteerade.
~
Chemische Zusammensetzung der Zdobnice (Stiebnitz).
Übertrag j
Magnesia . ; el, A
Eisenoxyd und Thonerde .
Schwefelsäure .
Kohlensäure
Kieselsäure .
Salpetersäure
Chlor
Sauerstoff ab für Chlor .
Summa .
Summa .
44:09
9/92
. 0:28
. 8'61
94:15
10:76
. 0'56
. 3'45
. 10077
SOC
. 100*00
Geschópft vor Wamberg am 26. August 1893.
In 1000 ce des Wassers sind enthalten Grammes :
Ohlornatrium . 00014 Natron .
Natriumsulfat . 000668 Kali .
Natriumcarbonat 000817 Kalk.
Kaliumcarbonat . 0:00597 lU b DU C
Caleiumearbonat . . 008308 Eisenoxyd und Thonerde
Magnesiumcarbonat
Eisenoxyd und Thonerde
Kieselsäure .
Summa .
Glühverlust hiezu
Gesammtrückstand
In 100 Gewichtstheilen des Mineralrückstandes sind enthalten si
. 000491
. 007916
Schwefelsäure .
. 000069 Kohlensäure
. 000549 Kieselsäure .
. 0706663 Chlor EU
. 0:01953 Summa .
Sauerstoff ab für Chlor.
Summa .
Natron 126)
Кап 6:00
Kalk vdd id
Magnesia Ag e 345
Eisenoxyd und Thonerde 1:02
Schwefelsäure 5:59
Kohlensäure . . 84:85
Kieselsäure 8:08
Chlor 1:56
Summa .
Sauerstoff ab für Chlor
Summa .
100:85
0:35
IO
Die Gesammthärte des Wassers betrug 2:1 Hürtegrade.
. 000855
. 000401
. 001850
‚ 000284
‚000069
. 000874
. 002364
. 000549
‚000106
‚ 006808
‚ 000094
‚ 006184
Dë
45
Chemische Zusammensetzung der wilden Adler.
Geschópft bei Adler-Kosteletz am 4. November 1893.
In 1000 ec des Wassers sind enthalten Gramme:
éen. отоо womens LA
EU... veles CORE DUM
ES 5. 521627420 wan О
Magnesia . . . SE UE S е)
Eisenoxyd und Thonerdé . кос 110190 е
Sebeefelsäuge . ee ss 001152
Kohlensäure +. u... u 4 00104268
Kiesdabumb +... ooo RR
Salpetersäure . . . . » 7 QUOS
С SR UL ESSE Sd
Summa . . . . 015153
Sauerstoff ab für Chlor . . . . . 000105
Summa. . . .0:15048
d Glühverlust hiezu . . . » . - 091587
| Summa . . . . 016635.
In 100 Gewichtstheilen des Mineralrückstandes sind enthalten "/,:
` 4 Cua ME
Kb, CIS Er I M
Wale sux S autre d OE
Magnesia . . . - о
Eisenoxyd und Thonerde iUt. A а,
SoOlWeftelSAUPG u. e esemi . 7:66
Kohlensäure . ca QNM uU NU NO
el EI S. (Le cn. u dere „809
Salpetersäure s » es re.“ 2:58
\ hw Vo uo RN cu UN
| Summa. . . . 10070
| Sauerstoff ab für Орог. ses +... _, 010
ue 10000
Die Gesammhärte des Wassers betrug 5'8 Hörtegrade.
Chemische Zusammensetzung der Alba.
Geschöpft bei Castalovic am 19. August 1893.
In 1000 ce des Wassers sind enthalten Gramme:
Natriumehlorid . . . . . . 000648 Nuet Ge г. е 7 99060
Natriumsulfat . . . . . . . 000611 WR et ET EL 000800
Kaliumsulfat re . . 000444 DEn DEES
| Kaliumcarbonat CMT SAG Magnesia . . . . . 0:00495
Caleiumnitrat . . . . . . . 0700268 Eisenoxyd und Thonerde . . (000088
| Fürtrag . . . 002061 Fürtrag. . . 006346
. 0702061
. 008494
. 001039
‚ 0:00088
20900820
3019507
I0 01195
s 0515002
Übertrag .
Calciumcarbonat .
Magnesiumcarbonat
Eisenoxyd und Thoner de
Kieselsäure WIN
Summa .
Glühverlust hiezu
Gesammtrückstand .
In 100 Gewichtstheilen des Mineralrückstandes sind enthalten "/. :
0
Natron .
Kali .
Kalk
Magnesia .
Kisenoxyd und Thonerd&
Schwefelsäure .
Kohlensäure
Kieselsäure .
Salpetersäure
Chlor .
Summa .
Sauerstoff ab für Chlor
Summa .
Die Gesammthürte des Wassers betrug 5:5
Übertrag .
Schwefelsäure .
Kohlensäure
Kieselsäure .
Salpetersäure
Chlor IO
Summa .
Sauerstoff ab für Chlor.
Summa .
. 4:89
zu
38:75
. 8:96
. 010
488
94:4
‚660
. 1:88
; 3:14
. 100 Dl
071
7 100:00
4 Härtegrade.
Chemische Zusammensetzung der stillen Adler.
Geschöpft bei Wi
Idenschwert.
In 1000 се des Wassers sind enthalten Gramme:
Chlornatrium . 000489
Chlorkalium . 000118
Kaliumsulfat . 0:00261
Caleiunsulfat . 0:00729
Caleiumnitrat . 000570
Öalciumearbonat . 012102
Magnesiumcarbonat . 0009571
Kieselsäure . . 000558
Summa . a 015784.
Glühverlust hiezu 0:04204.
Gesammtrückstand . . 019988
Natron .
Kali
Kalk
Magnesia .
Eisenoxyd und T ае
Schwefelsäure
Kohlensäure
Kieselsäure .
Salpetersäure
Chlor ee
Summa .
Sauerstoff ab für Chlor .
Summa .
‚ 0706346
. 000548
. 004811
. 000825
000109
. 000398
. 012596
. 0700089
.0:1250%
. 0700233
. 0:00215
‚ 07340
0:00456
Spuren
‚ 0:00549
. 005808
‚ 0:00558
‚ 000815
. 0:00323
015851
70:15784
47
In 100 Gewichtstheilen des Rückstandes sind enthalten:
SEEN V ТУ ror ro NE
ICH nA Н TOT Po VeL e MIND
DE nus ct EOS T x A NONE
MABBIOSIRL TRI esa E Mte qe 2:89
Sóhweteliltüré , 2:02 5.20297 CV 98
ANTO MODERN E M E et,
Ш: qui. lex ua UO
Sulpétergiufé аи 2:38
ОФ SEN 2:05
Оа Kane 100 41
Sauerstoff ab für Chlor . . . . QUT
Summa iuo 10000
Die Gesammthärte des Wassers betrug 7:98 Hürtegrade.
Chemische Zusammensetzung der stillen Adler.
Geschöpft bei Borohrädek am 1. Oktober 1893.
In 1000 ec des Wassers sind enthalten Gramme:
Chlomatrium . . . . . . . 0'00681 МАШ Яй uc EENS
Nateiumsulfat . . . .... .000036 КАШЫ кл ул Wm ODER
КЕШЕА suus. + 000811 ТО EE ОВЕ UD
Caleiumsulfat . ШИЛ М, TONO O Magnesia . . . - 000695
Caleiumearbonat . . . . . .011218 Eisenoxyd und Thonerde . +» 0:00142
Magnesiumearbonat . . . . 0018312 Sehwefelsáure . ы . . . . 000678
Eisenoxyd und Thonerde . . 000142 Kohlensäure. «dod ovest OO 0105025
КООН ... . s .. s S 00008р Kisselaküre duu 43 О00680
Salpetersäure . . . . . . 000052 Salpetersäure . . . . + . . 0700052
Summan О it CHlor А ООА О
Glühverlust hiezu . . . . . 001075 Summa. . . . 0'15436
l Summa . Ee gos BE Sauerstoff ab für Chlor. . . 000093
Summa. «s. 0015945
[n 100 Gewichtstheilen des Mineralrückstandes sind enthalten "/,:
Mn src eda vt MR MEN
Ira: LEE ЫМ d 193
Mee Eh ECKE 41:55
Magnesia . . . Md ER
Eisenoxyd und Thonerde LO on vea ED
etel roro sd s EN PUR SERE neuen nn и" 4:42
Kohlensäure noctes or (7 90:00
Kieselsäure . . . - M Rer. IL
Salpetersäure . «+... Ls . 0:34
RON re Deu
48
hertig a a са ОТРЯ
AE 4 2*09
Suma 0 sai
Thank AD Tun О о. HEN
Summa. ОООО
Chlor
Die Gesammthärte des Wassers betrug 7:24. Härtegrade.
Chemische Zusammensetzung des Dédinabaches.
Geschópft vor Hohenbruck am 17. August 1893.
In 1000 ec des Wassers sind enthalten Gramme :
Nawumenlorid ООС 00091 Natron .
Ма ашаа AEN Kali
КИШШШ@ШОПФ su ance tu 000041 Kalk . i
Calciumsiifat оо e 000045 MOONEN e BEE
Caleiumnitrat жоЛ „70.111, 000086 Eisenoxyd und 'Thonerde
Calciumcarbonat . u ar eus Op T200 Schwefelsäure
Magnesiumearbonat . . . . 001906 Kohlensäure
Eisenoxyd und Thonerde . . 0:00297 Kieselsäure
Kieselsäite soa e „rar... 000952 Salpetersäure
Summe mn. 2 0229/09 Chlor EE
Glühverlust hiezu . . . . . 004051 Summa .
Gesammtrückstand . . . . . 028491 Sauerstoff ab für Chlor.
Summa .
In 100 Gewichtstheilen des Mineralrückstandes sind enthalten
INBULOIE E eoe reu weis, we Ow SD
а LINT uo se E
dell
ЕТЕДА 0042) 20 кто О ОЯ
Eisenoxyd und Thonerde . . . . . . 098
hl kuer rel Krk ee LE E дд
Konlensaute ooa ll
OROIT EEN
SUIDOLO SUDO V р, у OUS QUAND SI TB
GIO Pos M CR ооо WI DOT
summa vo OS
SOUGPBLOITIBD SAP ШО ке en ТУЛ ОАО
sumta v ...8100:00
Die Gesammthärte des Wassers betrug 11:26 Härtegrade.
. 0:243'16
0
E
‚001185
. 000886
010050
. 000908
. 000291
‚ 001766
‚ 008566
. 000952
. 000057
. 000482
. 02449
. 000108
у”
Chemische Zusammensetzung der vereinigten Adler.
Geschöpft oberhalb Königgrätz im November 1891.
In 1000 ce Wasser sind enthalten Gramme:
Natriumchlorid dor RE CH Natron aio bite iiv ovs ye EN
Natriumsulfat . . 2 . . . . 001108 Kali . v ases eae unte QA T)
Kaliumsulfat . . . л . . 000859 Kalle san ann Ree
Caleiumearbonat . . . . . . 010904 Маслова Ee o0 0600
Magnesiumearbonat . . . . 001398 Eisenoxyd und Thonerde . . 0'00053
Eisenoxyd u. Thonerde . . . 0:00053 Schwefelsäure . . . . etu ЧОЛОО
Salpetersäure . . . . . . (000205 Kohlensäure 24 v6 tub ous em 005087
Kieselsäure .. . . . . . . 000902 Kieselsäure. лу» AC 0100908
Sunma о 0 ОВОО Salpetersäure . . v . ........0:00205
Glühverlust hiezu . . . . . 003280 Chlór (4:7 en. s dp quor qui e ODDS
Gesammtrückstand . . . . . 019580 Эа. md. ОБА
Sauerstoff ab für Chlor... . . 000119
summas. 20 T6200
In 100 Gewichtstheilen des Mineral-Rückstandes sind enthalten °/,:
NAT OH NS oS ERI MUN VT Md EO
Kauf: as oe Secun Wo MH ORE S
КЕШ PO А e rois.
Magnesia, „ia... ДИ Ee
Eisenoxyd und Thonerde . . . . . . 0:82
Schwefelsäure . . . dr SUMA PO
Kohlensaürei ws CECA ОТЕ ОВ ЧӘ
КӨПТӨН у Arne 200008
Sälpetersatine aut ne до E
Biel e san GG 8:20
Summa. . . . 10064
Süterstofb-ab ME ОШО se ur OSEE
Summa, . . 100:00
Die Gesammthärte des Wassers betrug 7:03 Härtegrade.
Iu der trockenen Jahreszeit ist die wilde Adler bei Senftenberg wasserarm,
d im Frühjahr und im Sommer schwillt sie nach starken Niederschlügen bedeutend
pn und wälzt sich schüumend und rauschend in ihrem vertieften Bette. Sie führt
JN klares und weiches Wasser, selbst im Hochsommer und Herbst, das an dieser
Stelle ihres Laufes eine sehr verdünnte Salzlösung darstellt. Die wilde Adler ent-
Se nur 61 Milligramms per Liter Mineralstoffe, die nach heftigen Niederschlägen
BS nune ihres sw en und o mehr verdünnt werden, so dass —
їз ann kaum mehr als wie 80—85 Milligramm per Liter beträgt: 66 1 rozent
5 mineralischen Rückstandes macht der kohlensaure Kalk, 18%, das Kali und
atron aus. Nachdem sich die an Alkalien reiche Stiebnitz (Zdobnice) und andere
deine Zuflüsse in die wilde Adler ergossen haben, e;thült dieselbe bei Adler-
Osteletz schon 150 Milligramm Mineralstoffe im Liter (in der regenärmsten Zeit)
4
50
und im Rückstande bei gleichem Kalk- und Alkaliengehalt die doppelte Schwefel-
sáuremenge.
Von der stillen Adler unterscheidet sich die wilde Adler in ihrer chemischen
Beschaffenheit durch einen grösseren Alkalien-, Schwefelsäure- und Kieselsäure-,
dagegen durch einen geringeren Kalkgehalt ; weshalb sie auch eine geringere Härte
als die stille Adler besitzt.
Einen an Schwefelsäure reicheren Zufluss empfangen die vereinigten Flüsschen
durch den Dédinabach bei Hohenbruck, der sich durch grössere Härte auszeichnet.
In der Zusammensetzung der vereinigten Adler bei Königgrätz spiegelt sich das
Bild der chemischen Beschaffenheit der Mischung beider Flüsschen sehr deutlich
ab und je nachdem ob es in dem Quellengebiet der stillen oder der wilden Adler
reichlichere Niederschläge gibt, wird die Beschaffenheit des Adlerflusses bei König-
grütz bald mehr derjenigen der wilden oder der stillen Adler zuneigen. Die Diffe-
renzen werden sich auf die Alkalien und den Kalk beziehen, keineswegs aber be-
deutende sein.
Die Chrudimka.
Entspringt in den waldigen Bergen bei Heraletz, versammelt eine Menge
kleiner Gebirgsbäche und Waldquellen und fliesst mancherlei Krümmungen und
einen scharfen Bogen bildend, nordwestlich durch die offene Gebirgsgegend bei
Hlinsko und Trhov, wo sie malerische Parthien durchläuft und Woharka genannt
wird und tritt bei Kamnitz in ein engeres zum Theil felsiges Thal, das sie nord-
westlich durchschneidet und zwischen den Burgruinen Wigstein und Oreb östlich
durchzieht. Die Chrudimka verändert diese Richtung unter Nassaberg in eine nórd-
liche, welche sie in ihrem weiteren Verlaufe durch das Gebirge und bei ihrem
Eintritt ins flache Land bis zu ihrem Ausfluss in die Elbe bei Pardubitz beibehält.
Der grösste Theil dieser ausgedehnten Gebirgsgegend gehört bekanntlich
dem Gneiss an, der in manigfachen oft sehr interessanten Abünderungen in der
nördlichen Verflachung bis Hlinsko vorherrscht, zum Theil in Glimmerschiefer
übergeht. Die wichtigsten Nebenbäche fliessen ihr aus dem Nassaberger, Reichen-
berger, Leitomischler Gebirge zu. Die zahlreichen Urfelsgeschiebe, die ihr Bett
noch im tiefen Lande erfüllen, sind Beweise von der Schnelligkeit und Kraft, mit
der sie das Gebirge durchschneidet, so wie die Überfluthungen, womit sie die
Ebene heimsucht, von ihren periodischen Wassermengen Zeugnis geben.
Die Zusammensetzung der Chrudimka ist oberhalb Hlinsko folgende:
In 1000 ec des Wassers sind enthalten Gramme:
МАТОО ЩО о et. o 100:00804 Майли Der de (01046
Natriumsulfat ^ e, Чил 0:00864 Kalt it ate amic t EN Mor 346
Natriumcarbonat . . . . . . 000788 Kalk u, uy io А АШ 00755
асат оопа v) wes 000501 Magnesia ; | 000248
Caleiumearbonat . . . . . s 0701848 Eisenoxyd und T EH . 000099
Magnesiumcarbonat . . . . 000510 Schwefelsäure pui 000205
Eisenoxyd und Thonerde . . 000099 _ Kohlensäure. u MÉ 001825
d - (
Fürtrag . . . 004425 Fürtrag. . . 004019
. 0:04425
. 000014
0:00925
^. 005364
. 001782
. 007146.
Übertrag .
Salpetersäure
Kieselsäure M
Summa ,
Glühverlust hiezu
Gesammtrückstand
Übertrag |
Kieselsäure
Salpetersäure
Chlor ELA
Summa .
Sauerstoff ab für Chlor .
Summa .
In 100 Gewichtstheilen des mineralischen Rückstandes sind:
Natron .
Kali
Kalk
Magnesia .
Eisenoxyd und Thonerde
Schwefelsäure .
Kohlensáure
Kieselsäure .
Salpetersäure
Chlor
Summa .
Sauerstoff ab für Chlor
Summa .
19:50
20:40
14:08
. 4:58
. 1580
3:82
24-10
11.24
1305806
ЭМИ
. 10220
„220
. 10000
Die Gesammthärte des Wassers ist — 1:09.
51
. 004019
. 000925
. Q'00014.
. 0:00524
. 005489
. 000118
Bei Pardubitz hat die Chrudimka folgende Zusammensetzung:
In 1000 ce Wasser sind enthalten Grammes :
. 0:01288
. 001621
‚ 000403
. 000515
. 008982
. 001558
Chlornatrium
Natriumsulfat
Kaliumsulfat
Kaliumearbonat .
Calciumearbonat
Magnesiumearbonat
Eisenoxyd
Thonerde
Kieselsäure Р
Organische Stoffe .
Summa
000190
. 0:00810
015367
Glühverlust == 0:09875.
Na,O
K 0
СаО
MgO
DU.
Cl
CO,
Ree
Eh
SiO,
. 001390
. 000569
. 005030
. 000124
. 001098
. ("00182
. 0704932
. (00190
. 000810
0:15525
Sauerstoff ab für. Cl.
..0:00176
(15349
In 100 Theilen des Rückstandes sind enthalten :
INS".
KO
Fürtrag .
8:24
2.9
oo
‚1161
52
Übertrag. . . . . 1161
E зн res Le ORCI 206%
AER SR
Fe,O, xk
AL,O, ате" S
о AB dig V o CO EDO ro X90
BER ros ecu а oS OM
NES
EE a us d Tat
Organische Stollen nenn ЕШ
100:99
1:04
Summa. . . . 99:95
Gesammthärte des Wassers 6:006.
Der Cydlinabach entspringt an der Westseite des aus Mandelstein beste-
henden kuppelfórmigen, mit üppiger Waldung bedeckten Berges Tabor auf der
Herrschaft Lomnitz aus einer Quelle, die südlich gegen Ji&in fliesst und dort ins
Flachland tritt bei Smidar den vom Levinerberge kommenden Zlatniebach, bei
Chlumetz den Distritzbach aufnimmt, dann westwürts flissst und unterhalb Liebitz
in die Elbe mündet.
Das Quellengebiet dieser Zuflüsse besteht hauptsächlich aus rothen Sandstein
der permischen Formation aus Quadersand- und Plänerkalkstein der Kreideformation,
durch welche sich die Cydlina bis zu ihrer Einmündung in die Elbe schlängelt.
Die Mrdlina entspringt bei Marquartitz, vereinigt alle kleinen Gewässer, welche
in der Hochebene des Bunzlauer Bezirkes entspringen und fliesst bei Nimburg in
die Elbe. Sie entsteht aus zwei Büchen in waldreichen Anhóhen. Beide durch-
schneiden den aus Plünerkalk bestehenden Boden der Herrschaft Kopidlno in der
Richtung von Nord nach Süd. Es sind dies die Bäche Leština und Bystritz.
Ersterer entsteht bei dem Dorfe gleichen Namens, durchläuft mehrere wasser-
reiche Teiche und vereinigt sich bei RoZdalowitz mit der Bistritz, welche aus ei-
nigen kleinen Wasseradern auf der Herrschaft Kost gebildet wird.
Beide Bäche pflegen zur Sommerszeit fast auszutrocknen, und schwellen erst
im Frühling oder Herbst betrüchtlicher an und verursachen in den Thälern, die
sie überschwemmen, bedeutenden Schaden.
Wie nach der Formation, in welcher sie entspringen und sich vornehmlich
bewegen, nicht anders zu erwarten stand, sind die Wässer der beiden genannten
Flüsschen in chemischer Beziehung kalkreich aber gypsarm, daher sehr harte, durch
organische Stoffe verunreinigte, auch an Alkalien arme Wässer, welche durch Ab-
kochen an Härte sehr verlieren und dann von 19 auf 7 deutsche Härtegrade herab-
gehen. Magnesia enthalten sie nicht in grósseren Mengen.
Da die Wasserproben zur Zeit der gróssten Trockenheit genommen wurden,
so zeigen die beiden Flüsschen zur Zeit grösseren Wassergehaltes natürlich DI
drigere Härtegrade und halten nur den Vergleich untereinander aus, wenn gie ZU
gleicher oder in ähnlicher Zeit geschöpft wurden.
Cydlina
geschöpft oberhalb der Zuckerfabrik des Ortes Libitz am 24. September 1895.
Im 1000 сет des Wassers sind enthalten:
Chlornatrium . . . . .0:0260 E о 0.0242
Natriumsulfat . . . . .0:0940 KO: orr ОТ
Kaluımsullaus ШОРТА СаО КОШО
УТОМИ ое ODIT MgO . . 00185
Caleiumearbonat . . . . 01959 50, . 00886
Magnesiumearbonat . . 0:0388 CO, . 0:1065
Kieselsuunesse erne. -100190 SiO, . 00190
Summa . . . .0:8426 CI . 0.0158
0:8461
Sauerstoff ab für Ol. . 0:0035
Glühverlust . . . . 00625 0:3426
In 100 Gewichtstheilen des festen Rückstandes sind:
NONE E Ee
E
Deg, ue EEN
ee uh en зу
Б@ ich Va a PNE
ЛАО ee
BIO, E
ОР ОА . 461
Summa. 510109
Sauerstom. ab Tur Оо onec 221002
100:00
Gesammthärte des Wassers = 19'1.
Mrdlina
geschópft oberhalb der Zuckerfabrik zu Nimburg am 24. September 1895.
In 1000 сет des Wassers waren enthalten:
Galörnättium s o a a QOLIE МАО о 10/0209
Natriumsulfat . . . . . 00456 KO, cu 200125
Kahumsuülfat . ls е 00281 СаО . 0:0987
Caleiumsulfat . . . . . 0:0385 MgO . 00434
Caleiumcarbonat . . . . 01516 Fe,0, . 0:0009
Magnesiumcarbonat . . 00911 50, . 00560
Benoxyd. . . . u... 2. 00009 CO, . 01144
Kieselsáure . . . . . . 00181 SiO, . 00181
summas «0901 OI . . 00068
Summa . 03166.
Sauerstoff ab für Ol . . 0:0015
Glühverlust . . . 00568 0'8751
53
In 100 Gewichtstheilen des festen Rückstandes sind:
RRE ou ad воо Жө ча hegg
Keno КУ ү M К оО
CA C A Ин л мо куе есу 0 0
БШШ К СОО EE EE N QUE
ESL M EE
ED CNN pnt LINE
DS m da уа.
Sa De oer uci edet EC oA
Аан О a nn ein шш
E RER АЙЛИ ON ce ue cU DU
100*00
Gesammthärte des Wassers = 15°8.
Hydrochemie der Iser.
Zuflüsse der Elbe aus dem Iser- und Riesengebirge.
Die grosse Iser.
In geologischer Beziehung ist der nordwestliche Theil der Sudeten zwischen
der Neisse und Iser, das Isergebirge genannt, ein Massengebirge, welches bekanntlich
ID mehrere Zweige zerfällt. Das böhmische Isergebirge umfasst die Friedländer
Ausbuchtung und reicht im Inneren des Landes bekanntlich bis Grottau, heichen-
berg und Rochlitz. Es besteht aus langgezogenen, nordwestlich verlaufenden, un-
regelmässig gegliederten Gebirgszügen, die gegen Süden sanft abdachen.
Das Vorland des böhmischen Isergebirges bildet im Süden das aus Granit
bestehende Schwarzbrunngebirge mit seinen kuppengekrönten Rücken und dem
Pfichowitzer, aus Phyllit geformten Gebirgskamm, der westlich gegen den Kamnitz-
bach und östlich gegen den Iserfluss steil abfällt; hinter diesem Gebirgszuge erhebt
Sich bekanntlich ein Gebirgsstock von 900—1000 m Seehöhe mit einzelnen, noch
höheren Kuppen, von denen die höchste, die Tafelfichte 1122 m Seehöhe erreicht.
Der hohe Iserkamm und der Wohl'sehe Kamm bestehen vornehmlich aus
Gneis, der am Nordwestrande dieses hohen Gebirgszuges strichweise verläuft und
das Kerngestein, den Granit überlagert. Geologisch hängt daher das Iser- mit dem
Riesengebirge zusammen, mit dem es durch den Neuwelter Pass verbunden, und
durch das Thal des hier entspringenden Iserflusses orographisch geschieden ist.
Es behält als Unterlage hauptsächlich grobkórnigen Granit und Granitit, der durch
Sl'Üssere Feldspathkrystalle ein porphyrartiges Aussehen gewinnt und von jüngeren,
die sanften Wölbungen und flachen Hügel des Vorlandes zusammensetzenden Ur-
Schiefern überlagert wird.
Es ist bekannt, von welcher Wichtigkeit die Natur der Gebirge für die
cuellenbildung ist. Wie man sieht, verbreitet sich das Quellengebiet der Iser im
"Tonn, im Gneis, Glimmerschiefer und quarzreichen Schiefern, welche in ihren
Spalten und Rissen Wasser aufnehmen nnd als wasserdurchlassende, nicht ge-
Schichtete Gesteine gelten. Zwar besitzen sie nicht die Zerklüftungen, Gebirgs-
Spalten und Hohlrüume vieler geschichteter Gesteine, die ihren Grund in der eigen-
lümlichen Zusammensetzung dieser Gesteine haben, doch auch sie werden von
56
einer Menge Spalten und Haarröhrehen durchzogen und gekreuzt, die bei den Gra-
niten sehr klein sind, schwächer untereinander communiziren, während sie bei den
Urgebirgsschiefern weit zahlreicher, tiefergehend, unter einander vielfach verbunden
auftreten, so dass sich in ihnen sehr viele, von der Niederschlagsmenge und der
Bedeckung der Gegend mehr oder weniger ausgiebige Quellen bilden können, deren
Austritt erst dann erfolgt, wenn sie entweder durch wasserdichtere Gesteine oder
undurchlassende Erdschichten in ihrem Versickern aufgehalten, auf eine unebene
oder abschüssige Unterlage gelangen, wo sie der Schwerkraft folgend, sich sammeln
und verlaufen können oder in mehr oder minder geschlossen geformte Quellspalten
dringen, aus denen sie nach dem Gesetz der Kraftwirkung communizirender oder
heberförmiger Röhren durch Wasser oder Gasdruck so weit gehoben werden, bis
das Gleichgewicht oder ein Uiberlauf stattfindet.
Die eigenthümliche Beschaffenheit des betrachteten Terrains mit seinen
langen, gezogenen, in nordwestlicher Richtung streichenden, aus Reihen von Berg-
kuppen bestehenden, den höchsten Theil des böhmischen Grenzgebirges einnehmen-
den Bergrücken, auf denen man sehr häufig die Zwergkiefer und das Knieholz
mit hochstämmigen Fichten untermischt, meist an sumpfigen Moorgründen findet,
das rauhe an Niederschlägen reiche, vielfach verzweigte Gebirge begünstigt das
Hervorbrechen zahlreicher Quellen, die sich in ihrem Verlaufe zu wildbrausenden
Gewässern vereinigen und zum grössten Theile dem Flussgebiete der Oder, zum
kleinsten Theile zu dem der Elbe gehören.
Nicht nur auf dem Hauptgebirgskamm, dem nördlichen Wohl’schen Kamm,
der Tafelfichte, sondern auch an mehreren anderen Punkten trifft man in den
Wäldern und auf den Rücken der Berge ausgedehnte Hochmoore an. Diese Wasser-
reservoirs haben durchwegs eine südliche Abdachung.
Da aber auch das reich bewaldete Gebirge landeinwürts sanft abfällt, 50
gewinnen die niedergehenden Meteore Zeit sich zu sammeln und zu verbreiten
und aus dieser Lage und vegetativen Bedeckung erklärt sich der grosse Wasser-
reichthum der böhmischen Zuflüsse, während die Bergwässer auf der nördlichen
Seite nur einen schmalen, steil abfallenden Berggürtel zu durchfliessen haben, daher
weit geringere Wassermengen aufzunehmen vermögen.
Die Iser entspringt im Urgebirge am Südfuss der Tafelfichte, empfängt
zahlreiche Zuflüsse aus den Waldungen des hohen und mittleren Iserkammes an
der Landesgrenze, deren Quellen ebenfalls noch im Urgebirge hervorbrechen, durch-
zieht die rothen Sandsteinablagerungen, dann die böhmische Kreide- respective
Sandsteinformation und nimmt auf diesem Wege viele, darunter nicht unbedeutende
Gewässer auf, deren Zusammensetzung der Reihe nach betrachtet werden soll. Aus
meilenlangen Moorgründen quillt die grosse und die kleine Iser, welche durch
wilde Schluchten brausen, deren Abhänge den hochromantischen finsteren Isergrund
bilden. Die Iser nimmt die wasserreiche Mummel, die Milnitz, die kleine Iser und
andere Bäche aus dem Urgebirge auf, ferner die Voleska, die Popelka, die Tample,
die Kamnitz, den Zernovnik und den Spitzerbach aus der rothen Sandsteinformation.
in ihrem weiteren Verlaufe den Dolanek, die Mohelka, die Zaberka, die Libunka,
die Zehrowka und die Bela, welche aus den Thülern der böhmischen Kreidefor-
mation hervorbrechen, auf und betritt ein Kind des Hochgebirges bei Jungbunzlau
5T
das weite Gebiet der Ebene, welches sie bis Taužim, ihrem Vereinigungspunkte
mit der Elbe, durchfliesst.
Die grosse Iser "uid aus mehreren Quellen am nordöstlichen Abfall
des Wohl'sehen Kammes in leicht verwitterndem Granitit zwischen dem Drehsler-
berge und E divitiis. durchzieht die auf dem breiten Rücken des Gebirges
abgelagerten Torfmoore, zwischen dem hohen und mittleren Iserkamm, nimmt von
diesen beiden Gebirgsrücken viele kleine Gewüsser auf und bildet auf diesem Wege
die Grenze gegen Schlesien.
Auch die kleine Iser entspringt im Granitit, in dem sumpfigen Terrain am
Hinterberge usd fliesst zwischen dem Wohl’schen und mittleren Iserkamm über die
Iserwiese.
Nach ihrer Vereinigung mit der grossen Iser unter dem kaulichten Buch-
berge, dem höchsten Basaltkegel des deutschen Mittelgebirges, berührt sie schon
Ziemlich wasserreich das Riesengebirge unterhalb Wurzelsdorf.
Die bedeutendsten Zuflüsse erhält die Iser jenseits der Landesgrenze, aus
den südlichen Ausläufern des hohen Iserkammes un dden westlichen Enden der
der Kranichswiese. Dort fliesst der in Granitit entspringende grosse Milnitzbach in
Südlicher Richtung und nimmt alle Wässer auf, die an der westlichen Seite der
Elbewiese und des Kesselberges aus Glimmerschiefer und quarzreichen Schiefern
hervorquellen. Einer der wasserreichsten Zuflüsse ist ferner der Mummelbach, der
ап der nördlichen Abdachung der Kesselkoppe in 1300 m Seehöhe seinen Anfang
Nimmt. Im westlichen Laufe vereinigt auch die Mummel zahlreiche Wasseradern
des Gebirges. Granit und Granitit bilden das nördliche, vom Hauptkamme des Rie-
Sengebirges abstürzende Gehänge dieses Baches, Glimmerschiefer die südliche, in
übereinander gelagerten Blöcken aufgethürmte Begrenzung der zahlreichen Thal-
furchen.
Mil vielen kleinen Zuflüssen bereichert, fällt die Mummel oberhalb Harrachs-
dorf über eine 9 m hohe Granitstufe abstürzend, zahlreiche Geschiebe und Bänke
übersprudelnd, als wildschäumender Gebirgsbach in die grosse Milnitz.
Die kleine Iser (das Kesselwasser; nicht zu verwechseln mit dem vorhin be-
brachteten, gleichnamigem Flüsschen) an der Südseite des Krkonosch und Kessel-
berges in Fleckschiefern entspringend, bewegt sich südwestlich zwischen metamor-
Phosirten Glimmerschiefern, nimmt von den Gehängen der sie umschliessenden
langen Bergrücken, ebenfalls aus Glimmerschiefer viele kleine Zuflüsse auf, betritt
Unterhalb Wittkowitz das Gebiet des von Dioryt und krystallinischem Kalk durch-
setzten Phyllites, verwandelt bei Hrabatshof, einen grossen Bogen beschreibend,
Ihre südliche Richtung in die nordwestliche und durchläuft das von rothen per-
Mischen Sandsteinen gebildete, mit Diluvial- und Alluvialablagerungen reichlich
erfüllte Iserthal bis Ernstth: i, wo sie als schäumender Bergbach in die grosse Iser
einmündet,
н Die Iser legt von der Brücke bei Wurzelsdorf, wo sie das Riesengebirge in
55 d
me m Seehöhe berührt, bis nach Ernstthal, wo sie es bei 390 m wieder verlässt,
| Km zurück; die Höhendifferenz beträgt 165 m, das mittlere Gefälle 1:116.
Chemisehe Zusammensetzung der grossen Iser
in der Nähe ibres Ursprungs, geschópft über den Iserhäusern am nördlichen Abfall des mittleren
Iserkammes, den 15. August 1893.
Das Wasser war sehr klar, hatte einen schwachen Stich in’s Gelbe, rein
geruchlos.
In 1000 ec des Wassers sind enthalten Gramme:
FARNE SI I TP EM
ЖАП te M a EE RENG
ТАТ IU, QT, Te EISEN
ME A, 5/71 «07V V8 EE
Eisenoxyd und Thonerde . . . . . 0:00021
Schwefelsäure arrra . . «s. 10-00092
ISODLOI BAD ie vio deae ER Od T
Kieselsäure а Vou» dou 000246
Salpetersaure EE cellula vss ООО
V o) wit Ба ы EE . 000176
SUMME, ws x T647
Sauerstoff ab für Chlor . . . . ..0:00089
ША su ss 0101008
Der Glühverlust betrug 0'00943 gr.
In 100 Gewichtstheilen des Mineralrückstandes sind enthalten xo
MENU uoce irae s IRE ы a ee
le Aere d
e vts D 2D
bibant eo Neu Mo qe av A ош d eld
Eisenoxyd und Thonerde . . . . . . 181
lgl lt deg И
ИСТЕСЕН О ГК E SUN
Kohlensäure . Ee л EL
Vie WA COS, ed OU pM
Chlor . WIN e EH RP TN EN
SUIDA T EE
Satersto ab fur Ohlom 27V 9$ me. DS
ООА 10000
Die Gesammthärte des Wassers betrug 0'26 Härtegrade.
Chemische Zusammensetzung der Milnitz.
Geschópft bei Neuwelt am 30. August 1893.
Das Wasser war feuerklar, abgesehen von einem Stich in's Gelbe fast farb-
los, geruch- und gesehmacklos. Wie das vorhergehende Wasser sehr weich. Die
Reaktion des eingedampften Rückstandes war schwach alkalisch, der Rückstand
selbst braun gefärbt, von moorartigem Geruch, sobald er mit Salzsäure aufgekoché
wurde. Das Wasser enthielt auch Spuren von Phosphorsüure.
In 1000 ee des Wassers sind enthalten Gramme :
NAHE l.l. vuv ОЛИИ
KANNE у, у у... тоу qr BOIS
КАШУ (ОУ VEU PO EE
Mipuedia .... 10. eo oS HOMO
Беноа уз е, о ое ARTNET
Schwefelsäure Be rac NIT,
Kohlensäure ае о ОТООСУ
Kiesdlwüüre . .... ИККИ? Opere
Salpetersäure `. mun e 0000002
Cal е a vxo SER EE
Summa: sos ОЧ@ОТО
Sauerstoff ab für Chlor . . . . . 0:00029
Summa . . . v EE
Der Glühverlust betrug 0:009bi gr.
In 100 Gewichtstheilen des Mineral-Rückstandes sind enthalten °/,:
ХОШ, О уле. Ж ы EE PD
КӨЙ бул e E AE E, Genk La
КАШ 111, ауз 10:29
MAE. ce sos esos SCOPE
Eisenoxyd >... Sx UNT е,
ӨЙӨӨ. з Ar mente
Köklensdure e rers т НОЕ
Kiel. o No e,
Salpetersäure v». < PURO, о. 200
СШ o... soos EVA RS EEN
Summa p, . . . 10148
Sauerstoff ab für Chlor. . . . . . 148
Summa es ae. 100.00
Die Gesammthärte des Wassers betrug 0:33 Härtegrade.
Chemische Zusammensetzung der Mummel.
Geschöpft oberhalb Harrachsdorf am 29. August 1893.
Das Wasser war sehr rein, feuerklar, gelb gefärbt, geruch und geschmack-
IUS тъ : N Ra 1
; reich an organischen gelösten Stoffen. Der Rückstand war dunkelbraun, von
Moor
artigem Geruch.
In 1000 се des Wassers sind enthalten Gramme :
ам asco een OO
Koll. wa our en ы ARE
Kal. Va о оа е D na OT
Magnemi t ece ERROR
Eisenoxyd und Thonerde . . . . 000162
BURDA EN E Rb
60
Übertrag .
Phosphorsáure
Schwefelsäure
Kohlensäure
Kieselsäure
Salpetersäure
Chlor . EATEN
Summa .
Sauerstoff ab für Chlor
Summa .
Glühverlust hiezu .
Gesammtsumme .
In 100 Gewichtstheilen des Mineral-Rückstandes sind enthalten "/, :
Natron .
Kali .
Kalk
Magnesia E е
Eisenoxyd und Thonerde .
Phosphorsäure
Schwefelsäure .
Kohlensäure
Kieselsäure .
Salpetersäure
Chlor ER,
Summa
Sauerstoff ab für Chlor.
Summa
Chemische Zusammensetzung der kleinen Iser.
(Des Kesselwassers.)
. 000799
. Spuren
. 000018
. 000808
. 000435
. 000049
. 000194
. 001863
. 0*00043
. 001820
. 001502
. 0708322
IP T
11:76
UA
1:98
8:90
. Spuren
4:29
16:92
24:89
2:69
10:66
. 102:36
2:36
. . 100700
Die Gesammthärte des Wassers betrug 0:22 Härtegrade.
MN
Geschöpft von ihrer Einmündung in die grosse Iser bei Ernstthal, nordwestlich von Starkenbach,
den 4. September 1892.
Das Wasser war klar, farblos, geruchlos.
In 1000 ce des Wassers sind enthalten Gramme:
Natron
Kali
Kalk
МЕ ӨЗ A "S te IT
Eisenoxyd und Thonerde
Schwefelsäure
Kohlensäure .
Fürtrag .
. 0700884
. 000480
. 004278
. 000514
. 000052
. 001070
ek
. O11115
61
Übertrag. . . . . 011115
Kieselsäure о ОДЕВ
SünetérWdie ^... so Ee
Chlor . Ab. HU de wie oe P DATOS
Summa. . 1; 2012874
Sauerstoff ab für Chlor . . . . . 000074
Summa! . vx 29012800
Glühverlust Мел... . . . . 001586
Gosammtsumme . . . . 014886
И Die muthmassliche Bindung der gefundenen Bestandtheile gibt folgende
Zusammenstellung :
Ghlornatmiame al vdd оО: ООА
Netriumsulfati 55200200 р 548 4100101280
Kaliumsalfat ina ne 9 10 CHE
Kaliumnitratı sea note TOTO
"aleumearbonat . . .. . . « .» 007375
Magnesiumearbonat . . . . 001208
Eisenoxyd und Thonerde . . . . 000052
| APP POP ts
Summa . . . . . 012800
In 100 Gewichtstheilen des Mineralrückstandes sind enthalten ^/,:
Kan 2 72-2. vi A (ip обу
d Ee la die Ka us ооо
iod a apos E We Are . 88:42
МИНА A EE E Я 448
Eisenoxyd und Thonerde . . . . . 041
Ce EE o omo ИВ
Konlensauler 45. 0. З ВАР)
ТАТО weten ee LUD
И eer t
Chlor a EE
Summa os ENSUITE
Sauerstoff ab für Chlor. . . . . . 057
Summe, we, T0000
Die Gesammthärte des Wassers betrug 5'08 Härtegrade.
Nachdem die /ser in ihrem südlichen Laufe die Milnitz und die Mummel
Aufgenommen und metamorphosirte Urthonschiefer durchlaufen hat, betritt sie das
Gebiet des wirklichen Phyllits und der Quarzschiefer und durchsetzt diese Gesteine
m einem romantischen engen Thale, in das noch mehrere kleine Bäche einmünden,
ID südöstlicher Richtung bis Ernstthal.
62
Chemische Charakteristik dieser Wässer.
Die Quellwässer der grossen Zser, der Milnitz und der Mummel, welche
dem reinen Urgebirge entspringen, sind ähnlich und für das sie durchsetzende
Quellengebiet charakteristisch, zusammengesetzt. Bei diesen drei mächtigen Wasser-
adern des Iser- und des Riesengebirges waltet zunächst die Kiesels&ure vor und
beträgt fast ein Viertel der übrigen fixen Bestandtheile. Da diese Wässer Hoch-
moore durchfliessen, sind sie auch reich an Humussäuren und Moorsubstanzen,
überhaupt an organischen Stoffen, und zeigen grosse Glühverluste und in stürkeren
Schichten gelbe bis braune Farbentóne. Es sind aber krystallhelle, sehr weiche
Wässer, mit einem fixen Rückstand von nur 16—20 Millieramm im Liter; mit
einem Glühverlust von 9—-15 Milligramm und einer Härte von nur 0:92— 0:83
Graden. Ausser der Kieselsäure bilden Alkalien den Hauptbestandtheil ihrer
Rückstände, während der Kalk und die Magnesia nur in geringen Mengen anwesend
sind. Auch führen sie nur geringe Schwefelsäuremengen.
Die sämmtlichen vereinigten Wasseradern des Hochgebirges, welche unter-
halb Ernsthal die grosse Iser repräsentiren, sind dort schon, weil sie kleine Zu-
flüsse aus kalkreicheren Gesteinen erhalten, wesentlich anders, und zwar folgender-
massen zusammengesetzt:
Chemische Zusammensetzung der Iser bei Ernstthal.
Geschöpft bei Ernstthal am 4. September 1892. Die Temperatur der Luft betrug 13:5? ©, die
Temperatur des Wassers 11:09 C.
In 1000 се des Wassers sind enthalten Gramme:
NERO Uu EST EE EES E
IU ӨМ, ERU IC LUI tg
Kalk vou ener UE. КГ ТОТА
ME Viu Je SON Л Кы ООЙ?
Eisenoxyd und Thonerde . . . 0:00098
СОНА s, ceu etes DOT
ISQDIGne duro ee NENG
tee tte d e ES EE
DüipsterBEUTO о m am e EE
ОШО oor m wh Era . 0:00295
Summa u e 0'04681
Sauerstoff ab für Chlor. . . . . .0:00066
SUMME: EDERT
Die muthmassliche Bindung der gefundenen Bestandtheile gibt folgende
Zusammenstellung :
BE et unas ius aan ms obo 000486
NONE o Tr dabat 072004
NROBITIBOATDOBSS ebe
Kaltundarbondt. кажу 1 250100909
ОВ o ani ae RO T
6:
Übertrag. . . . 0'01347
Канатай. 0: DREH ACEL
EIN о = 2.010528
Magnesiumcarbonat ...... bes
Eisenoxyd und Thonerde . . . . 000028
Kieselsäure Mir Ва d ae
Simma EE:
Glühverlust biozu i +... о 5001919
Gesamıntsumme . . . . 006128
In 100 Gewichtstheilen des Mineral-Rückstandes sind enthalten "/,:
Netron E ORNA ОВ
Kal. ee ea a
Kal za
Magnesia.. . . XN o ANON
Eisenoxyd und Thoher de EEN
ооа. 1 E un, EE
KREE ne ne
are irn ice Д0
Salpetersäure SE 1:56
ODIO Su euer er oo Vm ne 6:39
ООА a er ЖЕТПЕ 42
Sauersuoi ab für ОШО eu 1:42
dumma x ООО
Die Gesammthärte des Wassers betrug 1:27 Härtegrade.
Bei Ernstthal führt die Iser schon fast doppelt soviel Kalk als wie Natron.
Der Kieselsiüregehalt hat sich um ein Drittel vermindert.
; Der stark abschüssige weitverzweigte Oberlauf der Iser und ihrer Zuflüsse
in dem bewaldeten moorreichen Isergebirge bringt es mit sich, dass die Iser nach
Thauwetter und heftigen Platzregen stark anschwillt und in dieser Region, namen-
lich bei Loužek gefürchtete Überschwemmungen und beträchtlichen Schaden in
Feldern und Wiesen anrichtet.
Bei Sittow wendet sich die Iser südwestlich und tritt aus dem Hochgebirge
in das an Melaphyr reiche, von permischen Sandsteinen gebildete Mittelgebirge.
Das Iserthal verliert den Charakter eines Engpasses und beginnt sich zu erweitern.
Der Fluss verfolgt in zahlreichen scharfen Windungen das sandige Gestein und die
am rechten und linken Ufer dominirenden Melaphyrgehänge bis Semil und Bi-
tauchov, wo das Thal wieder enger und seine von Dioryt und Kalk durchsetzten
Thonschiefe rgehünge steiler werden, so dass sich in der Gegend von Eisenbrod der
Thalgrund stark verengt und dem mit wilden "Dosen durchrauschenden Fluss ge-
ringen Spielraum gestattet. Weiter abwärts verflachen sich die Ufer und erheben
Sich erst bei Dolanek wieder.
Chemische Zusammensetzung der Iser bei Eisenbrod.
Geschópft oberhalb Eisenbrod am 6. September 1899.
In 1000 сс des Wassers sind enthalten Gramme:
Natron
Kali
Kalk
Magnesia HE vena
Eisenoxyd und Thonerde
Schwefelsäure
Kohlensäure
Kieselsäure
Salpetersäure
Chlor А
Summa .
Sauerstoff ab für Chlor
Summa .
. 000988
. 000442
. 001825
. 000826
. (00253
vU OUS
. 0702285
. (00802
. 0700085
. 0:00360
UNO
. 007612
Die muthmassliche Bindung der gefundenen Bestandtheile gibt folgende
Zusammenstellung :
Chlornatrium
Natriumsulfat
Natriumearbonat
Kaliumearbonat
Kaliumnitrat .
Caleciumearbonat
Magnesiumearbonat
Eisenoxyd und Thonerde
Kieselsäure Ph
Summa
Glühverlust a
(Gesammtsumme .
. 0:00593
. 000669
. 000653
. 000540
. 000159
. 0:03259
. 000684
. 000958
. 0:00802
. 2007612
. 001595
0:09137
In 100 Gewichtstheilen des Mineralrückstandes sind enthalten CA
Natron .
Kali
Kalk
Magnesia . SMS
Eisenoxyd und Thonerde
Schwefelsäure
Kohlensäure
Kieselsäure ,
Salpetersäure
Fürtrag .
13:00
Do
2401
‚ #29
Кї,
„ОШ
29:20
10:55
MIA
DUO
65
Übertrag... . 9681
Chloe. er
Summa. . . . 10105
Sauenstoft ab für Оо wes 100
Somme se ONU
Die Gesammthärte des Wassers betrug 9:28 Härtegrade.
1] Oberhalb Turnau durchbricht die Iser das Melaphyr- und krystallinische
Glimmerschiefergebirge und schafft sich durch den schmalen, kantigen cenomanen
Sandsteinrücken von Friedstein und Lab einen engen Durchgang. Die in das Thal
herabgehenden Felsen sind in zahlreiche mauerartige Blöcke zerklüftet und stürzen
bei Lab steil zur Iser herab. Durch eine enge Spalte windet sich nun die Iser
Zwischen 200 m hohen Sandsteinfelsen bis Turnau, wo sich das Thal erweitert.
In dieser Gegend zeigt die Iser folgende chemische Zusammensetzung:
Die Iser bei Preper nächst Turnau.
Geschöpft am 4. September 1892. Die Temperatur der Luft betrug 17:09 О, die Temperatur
des Wassers 14:09 C.
In 1000 сє des Wassers sind enthalten Gramme:
Natron ne Vin ann. ОООО
Kalle a a ae A a
Kalk P LEE CEV erg
Magnesia . . HON Cam Y00489
Eisenoxyd und Tüsierfe RENE m 75
Schwefelsäure . . . . Qs ov e LO ONES 9.
КОҢ ӨЛЕШ бын 1. cis mca o SCATTER.
Kieselsitites v vto Aa ua оне ОАО
Salpetersäure. „тоа > WUNDER
laten eru s ub i oU DOE
о ОООО
Sauerstoff ab für Chlor . . . . . 000082
Summa ar .en ООО
7 Die muthmassliche Bindung der gefundenen Bestandtheile gibt folgende
isammenstellung :
Natriunmehlotid x. oco мды eiit nO ODE
Natriumsulfat . . AC RI EU QU (SP)
Kaas E
(eat u ua TONO SS
Rieger c7 775 vs ЧИМЕ
Jaleiumearbonat . . . . . . . . 004196
Magnesiumcarbonat . 000922
Eisenoxyd u. Thonerde "e e RR NND,
Fürtrag. . . . . (01044
5
66
Übertrag . . . . . 001044
зуу. @10@
Kieselsäure GEN
Summa. . . .0'07495
Glühverlust hiezu „2. А ООВ)
Gesammtsumme . . . 008805
In 100 Gewichtstheilen des Mineralrückstandes sind enthalten "/,:
ТМА el EE EA RE
E am EG GEM
Ie ale esa s M pU TBI Od
Magnesia . . Mte LH 5:86
Eisenoxyd und Thonerde .' | . | ; 2:8;
БШКДАН 120 EE QUID
KOMIE rO NA mur WE
ГООО 3 EECH
БЕО EE
(OIOV ЛД А MO dU EE
Sana. ТОРО"
Sanerstoit.ab-tur ОШО amd
Samimir in aey 000
Die Härte des Wassers betrug 9:96 Härtegrade.
Unterhalb Turnau treten die Abhänge zurück, werden niedriger und um-
spannen ein weites, mit fruchtbaren Alluvial- und Diluvialgebilden erfülltes Thal,
durch welches die Iser ihren weiteren Lauf nimmt. Die Erhöhungen des Bodens
und die zahlreichen Felsenschluchten, welche das über Münchenerätz reichende
Flussgebiet in weiten Bogenlinien begrenzen, werden von zahlreichen Wasseradern
durchströmt, welche sämmtlich zum Gebiet der Iser gehören. Zahlreiche Teiche
liegen in der wasserreichen Ebene.
Die Iser durchstrómt die Hochebene, welche sich allmählig mit sanft wellen-
förmiger Oberfläche nach Süden gegen das Elbthal abdacht. Die Gehänge des Iser-
thales sind steil, zum Theil felsig, die kalkigen und sandigen Ablagerungen der
- Kreideformation beherrschen die ganze Gegend und bilden hier den Untergrund
und die Felsarten, die in den Thaldurchrissen in ihren eigenthümlichen, schroffen,
zerrissenen Formen anstehen.
Oberhalb Jungbunzlau hat die Iser folgende chemische Zusammensetzung:
Die Iser bei Jungbunzlau.
Geschöpft am 4. Sept. 1892.
In 1000 cc des Wassers sind enthalten Gramme:
ЖШН EE EEGEN DUM
Ier E USD
Kalk | verte coeno КЛОН БАГИ ШОШ
Magnesia. . . . nt, KO DIE
КШ ЕН rn ORZ
heben,
Übertrag. . . . 008215
Eisenoxyd und Thonerde . . . . . 0700098
E eeben e 2068 n decr UD
Kohlensäure . . . ueritate 20100008
Kaeselsturea;, vou ИТО е
Salpetersäure . . . .. 4.22000 194
ОШОН vetus, E
Summa ss . 0110283
Sauerstoff ab für Chlor . . . . . 000111
Sinn. Sen ОТО Та,
; Die muthmassliche Bindung der gefundenen Bestandtheile gibt folgende
Zusammenstellung d
Natpiünchlonid 20.» het ж ELTE
Natriumsultate w-P0 992 EE
Tea tm Оа TUN
Kalümnitrat . . 2000000 how 6000004
Kalımeanbonab.. а ОООО
Caleiumcarbonat due e Nurs lk
Magnesiumcarbonat . . . . . . .0:01459
Eisenoxyd und Thonerde . . . . 000098
КБО ао E ШШ
Bumgg . . . 010110
Gltihyerlust. hiezu . ak qu ОООО
Gesammtsumme . . . . 018160
In 100 Gewichtstheilen des Mineral-Rückstandes sind enthalten:
NAD LONG EE LO MN "as ur dade ropas
К А АРНА
Kalk 36:89
Magnesia: il 595 X у oto c PM
Eisenoxyd und Thonerde. . . . . UD
5:28
34:08
Schwefelsäure
Kohlensäure
Kıeselsäure 404 о a. кл мы MEE)
Salpetersäure... . . s. a dro Rare eU
Chlor. ao
Summa . ... + 100:68
Sauerstoff ab für Chlor . . PU NT ROS
Summus NG > a 10000
Die Gesammthärte des Wassers betrug 6'91 Härtegrade.
IS vis i enit wer EE und iugi da neen mm we y 3
_ “ш sich stets mehr erbreitenden Thale, dessen Oberfläche meistens aus ebenem
aufgeschwemmten Land besteht, aus welchem sich nur unbedeutende Hügel empor-
Östlich von der Iser verlieren sich die Isersandsteine bald, indem sie Di-
0"
68
luvialschotterablagerungen und verschiedenen Mergeln Platz machen. Etwas hóher
gelegen ist der westliche Theil dieses Isergebietes, der sich am rechten Ufer der
Iser hinzieht und aus Plünerkalk und Sand zusammengesetzt ist. Von Benatek bis
Starkov dehnt sich eine mit mächtigen Sand- und Schottermassen bedeckte weite
Ebene, welche die Iser südwestlich durchfliesst und durch fruchtbare Alluvionen
bis Tau$im gelangt, wo sie sich mit der Elbe vereinigt. Kurz vor ihrer Vereinigung
mit dem Hauptfluss hat die Iser folgende chemische Zusammensetzung:
Die Iser bei Tausim.
Geschöpft am 5. September 1892.
In 1000 cc des Wassers sind enthalten Gramme:
А ORC eee Cea d ue QNO Db
Ten tis ae une dd
Tenor A Iv о LO TERN
Magnesia iUis Wine qe о TOND IT O
Eisenoxyd und Thonerde . . . . 000116
Schwetelsaure Cu Quee Bed 91010001
Kohlensäure . . v Кий. COMES
Kieselskure. о nod Lor ox 0p
Balpetersauter ov eel o id. 0:00120
СТОИ E eui ier, Ed
Summa. . . . (018469
Sauerstoff ab für Chlor =. . . . .0:00124
Summa. . . . . 018345
Die muthmassliche Bindung der gefundenen Destandtheile gibt folgende
Zusammenstellung :
État Dee hp s v UNUS
Norias ia a a 000
КИШИ ШШЕН er. E ee HUE |
jaleiumsulfat . . vui th s C MEMO PET
б uh Kent dene eno ОЛДО
JACET ее ОООО
Magnesiumcarbonat . . . . . . . 001587
Eisenoxyd und Thonerde . . . . 600116
Тезе v eh QI M NL. voc UU
SUMMER К our o DL AO
Glübverlust.hie20. ve 3 002140
Gesammtsumme . . . 020485
In 100 Gewichtstheilen des Mineralrückstandes sind enthalten "/,:
ИШҮ А а EE Eh?
HI Ve rk Сиб» ui Ogre ande
КАШЫН “ДӨ c. Dude 5d
Масава |, Н lee
Fürtrag. . . . 5094
Die Gesammthärte des Wassers betrug
Übertrag
Eisenoxyd und Thonerde
Schwefelsáure
Kohlensäure .
Kieselsäure
Salpetersäure
Chlor REN
Summa .
Chlor
Summa .
Sauerstoff ab für
100`67
100:00
50:94
0:63
5:46
. 95:00
4:96
0:68
3:00
0:67
8:28 Härtegrade.
eo
al D ч 4 :
Chemische Zusammensetzung der Iser an verschiedenen Punkten ihres
Laufes vom Isergebirge bis Tausim.
UE
Iser-
1 ||
Bestandthe:le | quelle
—
|
|
Ernst- | Eisen
thal |
brod
| Turnau
Bunzlau
Tausim
6:56
8:43
36:89
4:30
0:60
5'28
3498
4:40
1:20
8/04
6:91
| 1628
20:5
183°3
12
10:58
576
59:46
6:95
0:98
1d 39853
56:58
{
1:94
4:99
|
Beton: ceu eg vgl SA „8:681: 05:000804
Ee 90е eee
BU "Zi e or as (gae WEEN
Magnesia . . . .| 861 395 | 499) 586
Eise »noxyd und Thonerde ў oil 061 | 3'89 9:88
Schwefelsiure | 5672| 4858| 500| 644
Kohlensäure i Eer | 15:42 | 25:28 | 29:20 3143
Kieselsiure . . ... | 28:05 | 19:39 | 1055 | 602
Salpetersäure 1:06 1:56 | 1:19 1:9
Ce | 1095 | 639 | 4T74| 484
Auf einen Liter Wasser (1000 ce) entfallen :
Härtegrade 096 | 197 | 228 | 296
Mineralrückstand mgn EE TOO WT | 1041 750
lühverlust mgm . MNT 15:1 15:2 то
xesammtrückstand mgm . | 25:4 61:2 91:8 KEN)
Auf 100 Mineralstoffe kom- |
men organische Stoffe . | 59 38 20 d
Iu einem Liter sind enthalten Mgms :
Bion е. розата ЕШ o0
BU. ус ore ume en DEP OE
Kalk "| 181 | 1094| 1825 | 28:50
Magnesia ; || DNR, 1 IB |. DD |. $89
Bisenoxyd u. Thonerde . | 0:921 Q'98 1 2:03 ID
Schwefelsäure | 0:92 Dil) ln 4'82
Kohlensäure | 248 | 11765 | 99:35 | 28:57
\leselsäure EA? || 451 8:95 | 802 451
Salpetersäure . . . ..| oi 072, 085) 098
Chlor i .| ve 295) 860 862.
| |
|
In 100 Gewichtstheilen des Mineral-Rückstandes sind enthalten Gewichtstheile :
5:00
29:42
89:40
412
0:63
D:46
3500
4:96
0:68
8:00
|. 828
| 1834
| 914
| 2048
|. 12
9:14
444
12:29
1:56
116
10:01
64:23
9:09
1:26
5:51
70
Aus vorstehender Zusammenstellung der Salzrückstände des Iserflusses von
verschiedenen Theilstrecken seines Laufes geht hervor, dass das ursprünglich sehr
weiche, an organischen Stoffen reiche Wasser der Quellen des Iserflusses auf seinem
Wege zur Elbe durch die zahlreichen Zuflüsse aus dem dieselben umgebenden und
sie durchsetzenden Kreideterrain an alkalischen Erden derartig bereichert wird,
dass seine Härte im zunehmenden Verhältnis von 0:3 Härtegraden auf 8 Grade steigt.
Gleichzeitig vermehrt sich in 100 Gewichtstheilen des fixen Rückstandes der
Kalkgehalt des Wassers von 11 auf 39, also fast auf das Vierfache, während
die Magnesia nicht zunimmt, sondern fast stets 4°/, ausmacht, die Schwefelsäure
zwischen 5—6"/, schwankt, das Kali von 6'6 auf 2:4"/,, das Natron von 18:5 auf
5°/, fällt. Der anfänglich sehr hohe Kieselsäuregehalt vermindert sich von 28°
nahe am Ursprunge der Quelle, bis 5°/, vor der Einmündung in den Hauptfluss,
das Chlor von 11 auf 3"/, und zwar fällt der Chlorgehalt nicht successive, sondern
gleich bei Ernstthal schon auf 6?/, der gesammten Mineralstoffmenge herab.
Die Quantität der organischen Substanzen vermindert sich von 59%, auf
12°/, nach und nach; der Gesammtrückstand eines Liters Wassers steigt aber von
25'4 bis auf 204:8 mgm.
Die absolute Menge der organischen Stoffe im Wasser des Flusses nimmt
mit dessen Grösse zu, die relative Menge dagegen ab.
Was die absoluten Mengen einzelner Mineralstoffe des Wassers betrifft, so
führt die Iser schon 3 Milligramm Natron bei den Iserhäusern, fast 6 Milligramm
bei Ernstthal, 9 bei Eisenbrod. Von da an wächst die Natronmenge nicht mehr,
sondern erhält sich mit geringen Schwankungen bis zu ihrer Einmündung in die
Elbe auf gleicher Höhe.
Die Iser ist in ihrem Oberlaufe schon bei Ernstthal kalkreich, sie wird es
natürlich noch bedeutend mehr in dem Masse als ihr zahlreiche Zuflüsse aus dem
Kreidegebirge zugehen. Am Ursprunge kaum 2 Milligramm Kalk enthaltend, wächst
derselbe in den angeführten Orten auf 10, 18, 23, 59, 72 mgm pr. Liter. Die
grössten Kalkmengen werden der Iser zwischen Turnau und Jungbunzlau zugeführt,
wo ihr auch thatsächlich die wasserreichsten Bäche aus der Kreideformation
zufliessen.
Der absolute Gehalt an Magnesia steigt von 0'5 mgm auf fast 2 mgm bei
Ernstthal, auf 3, 4, 7, 7', mgm in den übrigen Theilstrecken, erhöht sich also
wieder zwischen Turnau und Jungbunzlau am meisten.
Das Kali steigt von 1 auf 2, 4, 2, 5, 4 und zeigt Zu- und Abnahme;
grosse Unregelmässigkeit, im Allgemeinen eine Zunahme.
Die Schwefelsäure wächst in dem Verhältnis von 1 zu 2, 4, 5, 8 und
10 mgm per Liter, während die geringen anfänglichen Salpetersäurequantitäten
des Wassers bei Eisenbrod ihr Maximum erreichen und sich bis zur Einmündung
in die Elbe ziemlich gleich bleiben.
Das Chlor zeigt eine stetige Zunahme. Anfangs beträgt es im Liter 02,
dann 0'9, dann 8:6, 3:6, 4:5, zuletzt 55 Milligramm. |
Die Kieselsäure erhält sich in ziemlich constanter Menge von Ernstthal bis
Tausfm in der dnrchschnittlichen Höhe von 8 mgm per Liter.
11
Betrachten wir weiter die Zuflüsse der Iser aus den jüngeren Formationen,
80 tritt uns eine namhafte Zahl derselben entgegen, deren Zusammensetzung das
Ursprungsgestein nicht verlàugnet.
Zuflüsse der Iser aus der rothen Sandsteinformation.
Die Woleika mit ihren Zuflüssen, der Popelka, der Tample u. Rokitka.
Die Woleska entspringt unweit des Dorfes Rovnatov zwischen Melaphyr-
bergen in rothen Sandsteinschichten. Im Quellengebiet dieses, nach Regengüssen
Stark anschwellenden und sich fürbenden Baches herrschen braunrothe Schieferthone
der oberen und Arkose der mittleren Dyasformation. Die Woleska durchbricht bei
Studenetz den Melaphyr, fliesst südlich in einem an Löslagern reichen Thale bis
Lewin Oels, wendet sich dann westlich gegen Zdiretz, wo am Fusse des Lewin-
berges die Wasserprobe des Baches genommen wurde, läuft südlich bis Alt-Paka,
0 sie den kleinen Zufluss, die Rokitka empfängt und hierauf bis Oustí, wo sie
die am Berge Reditz entspringende Popelka aufnimmt.
Das Quellengebiet der Popelka gehört ebenfalls der rothen Sandsteinfor-
mation, Die Höhenpunkte werden aus Mandelstein gebildet, welcher sich hier be-
Sonders mächtig aus dem Sandsteine hervorhebt und sehr mannigfaltige Gesteins-
arten zeigt. Bei Lomnitz läuft der Bach von Nordost nach Südwest, von da östlich
bis zu seiner Einmündung in die Woleska, dureh ein aus Arkose gebildetes, hie
und da mit Löss bedecktes Thal, das sich bei der Brodkamühle, wo die unter-
Suchte Wasserprobe geschöpft wurde, plötzlich nördlich wendet, bald darauf wieder
östlich gegen Oustí öffnet und diesem Bache den Zufluss in die Woleska erleichtert.
Die Woleska empfängt südlich von Bela noch den Templebach, der in einem
Ten Lössablagerungen erfüllten nordöstlich streichenden Thale aus den mittleren
Schichten der Dyasformation hervorbricht, aus diesen auch ein kleines Bächlein
erhält und dann den Ort Tample durchsetzt. Mit all’ diesen Zuflüssen durchzieht
die Woleska, sich nordwestlich wendend, in scharfen Windungen die Arkose bei
dei, den untern rothen Dyassandstein bei Blazivka und fällt bei Semil in
€ Iser,
d Chemische Zusammensetzung der Woleska.
‘eschöpft westlich vom Lewinberge oberhalb Alt-Paka, am 10. September 1892. Die Temperatur
der Luft betrug 13:2 О, die Temperatur des Wassers 11:5? С.
In 1000 ce des Wassers sind enthalten Gramme :
Ne E е . 001908
. 0:00340
ICRI me зыл к ee
Kake уН e LC ШОО
Magnesia ^. vc Ua . 0701296
Eisenoxyd und Thonerde 0:00104
(Фр c. 0 Кеш 00.088
Die
Zusammenstellung :
muthmassliche
Übertrag .
Schwefelsäure
Kohlensäure
Kieselsäure
Salpetersäure
Chlor . ЕЕ
Summa
Sauerstoff ab für Chlor .
Summa
indung der gefundenen
Natriumchlorid .
Natriumsulfat
Natriumcarbonat
Caleiumearbonat
Magnesiumcarbonat .
Eisenoxyd und Thonerde
Kieselsäure
Kaliumcarbonat
Salpetersäure N
Summa .
Glühverlust hiezu . |
(xesammtsumme .
. 007848
. 0:00248
. 005851
. 002162
. 000960
. 000475
. 016850
. 000108
. 0167492
Destandtheile gibt folgende
. 000785
. 000440
SMIT
. 0:08759
. 002121
. 000104.
. 002162
. 000498
. 000260
. 0161742
. 2.0:02050
Отар
In 100 Gewichtstheilen des Mineral-Rückstandes sind enthalten "/,:
Die Gesammthürte des Wassers betrug
ЖЕШСП DA EE
Kali
Kalk
EAR vae rie. HC М»
Eisenoxyd und Thonerde
Schwefelsäure
Kohlensäure .
Kieselsäure
Salpetersäure
Chlor . SA I M
Summa .
Ла
2'08
„29:82
775
0:62
1:48
. 94:95
‚2:92
1:55
2:84.
100:65
Sauerstoff ab für Chlor 0:65
Summa . 100:00
672 Hürtegrade.
EE
18
Chemisehe Zusammensetzung der Popelka.
Geschöpft bei Ousti, nördlich von der Brodkamühle am 9. September 1892. Die Temperatur der
Luft betrug 17:0" C, die Temperatur des Wassers 13:0? C.
In 1000 се des Wassers sind enthalten Gramme:
Natron
Kali
Kalk
Масе v e e IN
Eisenoxyd und Thonerde
Schwefelsäure
Kohlensäure .
Kieselsäure
Salpetersäure
Chlor . D A
Summa .
Sauerstoff ab für Chlor
Summa .
Die muthmassliche Bindung der gefundenen
Zusammenstellung :
Natriumchlorid .
Natriumsulfat
Kaliumsulfat .
Kaliumcarbonat
Caleiumcarbonat
Magnesiumcarbonat .
Eisenoxyd und Thonerde
DESEN
Salpetersäure M Y
Summa .
Glühverlust hiezu $
Gesammtsumme .
. 0:00345
. 0:00435
. 003640
. 001548
. 0:00105
. 00081
. 0704146
. 001950
. 0:00040
. 000656
. . 0:13632
. 000148
. . 013484
Bestandtheile gibt folgende
. 001081
. 0700623
. 000057
. 000578
. 0:06500
. 00839250
. 000105
. 001250
. 000040
. 0713484
. 001560
. 015044
In 100 Gewichtstheilen des Mineralrückstandes sind enthalten ^/,:
Natron .
Kali .
Kalk .
МЕ Ө НҮ ое
Eisenoxyd und Thonerde .
Schwefelsäure .
Kohlensáure
Kieselsäure .
Salpetersäure . ‚
Fürtrag .
. 621
20-10
20:98
. 11:48
Een Ое,
. 280
95:20
Ge Ri
. 0:80
96:20
Übertrag... к ^. ..96:28
loas i d UV ope AE x nd sud
Summa. . . .10l0
ае ab fr CHOP. E EE,
summa 53 E AER,
Die Gesammthürte des Wassers betrug 5'81 Härtegrade.
Chemische Zusammensetzung der Tample.
Geschópft den 8. September 1892 am nórdlichen Abhange des Jivaberges oberhalb Béla, wo der
Bach in die Woleska fällt. Die Temperatur der Luft betrug 149° C, die Temperatur de3
Wassers 120° C.
In 1000 ec des Wassers sind enthalten Gramme:
Na monec cow oem o Rp DAD
abeng We ШШШ
Б RUE ale
Magnesia `` eg al ADD ie ROM
Eisenoxyd und Thonerde . . . . 000095
Schwefelsäure BER MAER
Kohlensäure A EAR
(e EE Dale)
Kelte gebeten oH qo OZQU
(ЕШ Ж Ыы UV o e кулк LO DE
Summa . . . . 023348.
Sauerstoff ab für Chlor . . . . . 000148
МИА V. v tano t ДОДО)
Die muthmassliche Bindung der gefundenen Bestandtheile gibt folgende
Zusammenstellung :
Natramichlontdr yes ООВ
ot d А NEE lr
СОТТОО ve, ОООО
OX mmo bona ОТВ
. Magnesiumearbonat . . . . . . . 002910
Eisenoxyd und Thonerde . . . . . 0:00095
EUREN
ӨШ Ө БЕШ Ө ^ ove EECH,
Summa 4960/20200
Gltchverlust-hiezu s.s v < e s: + 006405
Gesammtsumme . . . . 0'26605
In 100 Gewichtstheilen des Mineralrückstandes sind enthalten "/,:
NEON И о
KA К somit Ded een EE а UA
d Be dob I Ton buo TDI
FUTURE iee da ote д]
REESEN
і
©
Übertrags ou" А! О ©
Magnesia . AIO GM A DR SENT A
Eisenoxyd und Thonerde . . . . .042
Schwerelsäure и ОИ ОНИЕ
КЕШ АӨ . ov ш и е CHE
ЗОТИ о EE
Баево" . ОЕ и E
CODE, REN Re Ао БЮ
Summa. . . . 100'64
бег О ab für ODore Оох
Summan. о ..100:00
Die Gesammthärte des Wassers betrug 9:25 Härtegrade.
Das härteste Wasser führt der Woleska die Tample zu, mit 266 Milligramm
Gesammtrückstand. Weicher ist das Wasser der Popelka. Die Untersuchung der
Rokitka ist missglückt. Man ersieht aber aus der endlichen Zusammensetzung der
Woleska, dass die drei Zuflüsse in der mineralischen Zusammensetzung ihrer Rück-
Stände eine grosse Ähnlichkeit zeigen müssen. Es sind kalk- und magnesiareiche Bäche.
Die Zuflüsse aus dem Friedländer Hochgebirge.
Die Kamnitz entspringt im Hochgebirge von Friedland im Granititgestein
Zwischen dem 1084 m hohen Schwarzenberg und dem 843 m hohen Buchschacht,
Wo ihre in Torfmooren weitverzweigten Quellen aus sumpfigen, auf verwittertem
Granitit ruhenden Lagern hervorquellen.
Gleicher Abstammung ist das Tannwasser, welches die Kamnitzquellen unter-
halb Josefsthal verstärkt.
| Aus den sumpfigen Moorniederungen zwischen Granititbergen bezieht auch
lie weisse und schwarze Desse östlich und westlich von dem 1120 m hohen Sieg-
Nübel ihre wasserreichen Quellen, die von Nord nach Süd durch Granitit bis
Tiefenbach laufen, wo sie sich vereinigen und durch ein enges und felsiges Thal
| Südöstlich bis Tannwald fliessen.
| | Die Kamnitz eilt südlich durch Antoniwald und Albrechtsdorf, nimmt auf
lesem Wege einige kleine, aus Granit und Granitit quellende Gebirgsbäche auf,
rimt mit starkem Gefälle durch die südlichen Ausläufer des Isergebirges, durch
die industriereichen Orte Morchenstern und Tannwald und vereinigt sich im letzt-
| Senannten Orte mit der Desse.
| Als stattliches Flüsschen passirt die Kamnitz dann von Nord nach Süd ein |
ehges vielfach gewundenes, felsiges Gebirgsthal in der Region des talgartigen |
honschiefers.
Aus Phyllit fliesst der Kamnitz der an den Abhängen des granitischen
y Warzbrunnberges entspringende Welleschnitzer Bach zu und der Iser bei Eisen-
| "Od der, gleichfalls im Granit entstehende, seine meisten Zuflüsse aber aus Phyllit
16
beziehende und dieses Gestein durch eine felsige, enge Thalschlucht durchsetzende
Zernovnie mit dem parallel laufend, die Kamnitz den dioritreichen Phyllit in einem
schónen wildromantischen, von Nord nach Süd ziehenden Thale bis Spalov durch-
setzt, wo sie sich in die Iser ergiesst.
Chemische Zusammensetzung des Kamnitzbaches
Geschöpft am 13. September 1892 bei Spalov oberhalb Eisenbrod.
ln 1000 ce Wasser sind enthalten Gramme : |
NOUO SN E EE
Kol Ih a (re у у, {00198
IGI NOTANT WE ER NE e HO TOS
Magnesia vta h клк лл ы ШШ Оё
Eisenoxyd und Thonerde . . . . 000094
EEN CHE
le le Ee Ee REH
Kieselsalia KEE ООЯТЬ
WANDBLOLBAUNG , 3 u 000080
ME e 0'00285
Summa... . ,(05]88
Sauerstoff ab für Chlor . . . ‚ 0:00064.
Summa . . . 30:05069
Die muthmassliche Bindung der gefundenen Bestandtheile gibt folgende
Zusammenstellung :
Ghlomattium. о NLA |
Мабила а: Aar ейн x, radi 3000864
ue Cie ERD,
Caleiumcarbonat ni оО LOOSS
Magnesiumcarbonat . . . . . . .0:00416
Eisenoxyd und Thonerde . . . . 0:00094
T1688 aert JU У 150100015 |
Belpetersinte .. Qo eov s. „000080 {
Summa . . . . . (05069
Glühverlust ШӨ, "u. 21010 200900510
Gesammtsumma . . . . . (Y 0559
In 100 Gewichtstheilen des Mineral-Rückstandes sind enthalten "/,: |
Майсор lan: иш zen оов |
БЕШ ge, m ER. вш s, so OD
ШШШ ТУ rod) eun. E EE ETE
МЕ ӨӨ Ah cop ләй deg fr dea
Eisenoxyd und Thonerde . . . . . 185 |
Fürtrag . . . . . 4445
Übertrag. 2 04445
Schwetelsture . decus sos! certe e ШӘ
Konlenadura is ac vocet edente ОДОВ
ТЕВНО is Mind wen 18:00
Salpetersäure . . . 03 5 mg тшт ОВ
(КИШ vau О us 002
Summa uou ШОЮ
Salerston. ab. dub ОШО t. i o S d 20
UIS te ООО)
Die Gesammthärte des Wassers betrug 1:70 Härtegrade.
Der Zernovnik entspringt im Granit des Schwarzbrunnberges aus melreren
Quellen, die bei Schumburg und Laban hervorbrechen, sich zur Wasserader des
Zernovnfk vereinigen, und fliesst als munterer Gebirgsbach von Nord nach Süd
dureh die Thonschiefer von Zasada, später durch das Gebiet des Dachschiefers in
einem vielgewundenen Thale nach Eisenbrod, wo er in die Iser fällt.
Chemische Zusammensetzung des Zernovnikbaches.
У М i М ‘m ^ ал Тт
Geschópft nördlich von Eisenbrod. Die Temperatur der Luft betrug 13:9? C, die Temperatur des
Wassers 12'89 C.
Natron dose Sod ЕТО Оа И
TOR. ENEE
Kalk и nuuc OUS К 2000902
Magnesia . 5. 7 PONES HORNO)
Eisenoxyd und Thonerde ECHO E
SE EEGENEN
КОШФ@ Ое C Peces M E T
КТБ о ОШОО
Balpetersüute о и EHM
ОШ Ve Ce E SEET
Summa . . . . . 004164
Sauerstoff ab für Chlor . . . . . 0:00089
Summa vv 2 MSOOITD
Die muthmassliche Bindung der gefundenen Bestandtheile gibt folgende
Zusammenstellung :
Обл os 04 С 000001
Natrrutusulfatu 9M. ou MER AE CHE
Katumsulfatewow x oe QU
Yaleiumsaltatieses V vs HORTUS 20:001 00
отоо сароби a. e ana) o 0001541
Magnesiumcarbonat . a EK
Eisenoxyd und Thoneide exo DOLO
Fürtrag. . . . 008840
78
Übertrag .
Kieselsäure
Salpetersäure SC
Summa .
Glühverlust hiezu .
Gesammtsumme .
WË Uu S i dud y 10:53
Kali . 3:07
Kalk 28:36
МЕШ lc 5:04
Eisenoxyd und Thonerde . 0'47
Schwefelsäure . 178
Kohlensäure 28:48
Kieselsäure . 14:13
Salpetersäure 373
Chlor iE neta . 969
Summa „10218
Sauerstoff ab für Chlor . bet M ТӨ
Summa 100:00
. 003347
. 000576
. . 0900159
‚ 004075
. . 001940
In 100 Gewichtstheilen des Mineral-Rückstandes sind enthalten gn
Die Gesammthürte des Wassers betrug 1:99 Härtegrade.
Der Zbitzerbach, welcher am linken Ufer der Iser unterhalb Eisenbrod zu-
fliesst, ist ein kleiner Bach, dessen Quellen aus Quadersandstein, Melaphyr und
Phyllit sickern und der ein kalkreiches Terrain (den Phyllit durchsetzt hier reichlich
kórniger Kalkstein) durchläuft.
Chemische Zusammensetzung des Zbitzerbaches.
Geschöpft kurz vor seiner Einmündung in die Iser südlich von Eisenbrod. Die Temperatur der
Chlornatrium
Natriumsulfat
Kaliumsulfat
Caleiumsulfat
Caleiumnitrat
‚aleiumearbonat .
Magnesiumcarbonat
Luft betrug 13:9" C, die Temper
ratur des Wassers 115° C.
In 1000 се des Wassers sind enthalten Grammes:
. 000435
. 0:00973
. 0700288
. 0700043
. 000293
. 014079
. (01776
Eisen, Mangan und Thonerde 0:00140
Kieselsäure
Glühverlust hiezu
(Gesammtrückstand
032001095
. 019046
ОООО
. 019186
Summa .
Natron .
Kali
Kalk .
Magnesia ns
Майа с, Дн арад
Eisenoxyd und Thonerde
Schwefelsäure .
Kohlensäure
Kieselsäure .
Salpetersäure
Chlor
Summa .
Sauerstoff ab für Chlor .
Summa .
‚ 000655
‚000158
‚ 008002
‚ 000846
‚ 0:00085
‚ 000055
‚ 0:00703
‚0:07124
‚ 0:01025
0:00198
‚ 0:00264
- 0:19105
. . 0:00059
019046
-1
In 100 Gewichtstheilen des Mineralrückstandes sind enthalten */,
Natron . E toca at rA
ICE Pi adii o E EE ША
КАШ a ns А тш а И a A20
Magnesia . они ДЕ
Маеш END)
Eisenoxyd und TE E E
Schwefeisture инен жеш «9.90109
Let е EN
E nee elek 0e
SEI GER DEE
Chlor pO er аа TU
Soma s, opo es NOS
ОЕЕО ab far Chior. Оо
SUA ee . 100:00
Die Gesammthärte des Wassers betrug 9'18 Hürtegrade.
Zuflüsse aus dem Kreidesandsteingebirge.
Die Sandsteinablagerungen östlich vom Mittelgebirge bilden bekauntlich in
der ausgedehnten Erstreckung von Jungbunzlau über Turnau bis zur Elbe bei
Königinhof eine Hochfläche, die bei Melnik und Altbunzlau beginnend, als einför-
mige, von flachen Hügeln unterbrochene Hochfläche allmählig gegen Norden an-
steigt und von felsigen Thàülehen und Schluchten durchfurcht ist. Nördlich von
сааны werden diese Thäler tiefer und zahlreicher, während sich auch das
Plateau höher erhebt und bei Böhm. Aicha und Sichrov den Charakter eines kup-
pirten Berglandes annimmt.
Überall trifft man die charakteristischen orographischen Merkzeichen der
tiefen Thäler mit ebenem Thalgrunde und steilen, oft vertikalen Thalwänden, die
an der Sohle kein Schuttwall zu begleiten pflegt und oben flache, in steilen Wünden
oft terassenförmig aufsteigende Höhenzüge.
Die Verwerfungsspalten und Klüfte von nahezu südnördlichem Streichen mit
Schwacher Ablenkung gegen Osten sind am deutlichsten in der Teufelsmauer bei
Böhm. Aicha ausgeprägt. Viele Thäler folgen diesen Dislocationslinien. Gelblicher,
Stobkürniger, durch Kalkconcretionen und sandigkalkige Lagen ausgezeichneter
Sandstein. Wechseln in dieser Gegend mit Lagern eines sandigthonigen Mergels der
Petrefactenreichen Iserstufe, in deren Bereich ziemlich starke Quellen auftreten,
während im vorherrschenden Sandstein dieses Plateau’s namentlich im Hochsommer
eine grosse Quellenarmut herrscht.
Den Senkungslinien entsprechend, fliessen von Nord nach Süd mehrere
Bi äche, von denen der Mohelkabach der bedeutendste ist.
Typisch treten in diesem Gebiet die von Frič noch dem Senon hinzugerech-
neten, von der geologischen Reichsanstalt der Turonstufe beigezählten Iserschichten
80
des bóhmischen Sandsteingebirges in der mächtigsten Entwicklung auf und zwar
von Turnau bis Neu-Benatek entlang des Iserflusses, nordwürts bei und über
Mscheno, Weisswasser, Dauba und Auscha bis Bóhm. Leipa zum Mittelgebirge
reichend. Gegen Norden beherrscht der hohe Kamm der basaltischen Teufelsmauer,
der Rollberg und mehrere andere Basaltkegel, gegen Süden das phonolithische Bó-
sigpaar, das beschriebene Terrain.
Der Dolanekbach.
Der Dolanek entspringt im Mittelquader und Pläner südlich von Zabolky
und berührt in seinem südlich gerichteten Laufe nur die genannten Gesteinsschichten,
aus welchen ihm noch einige unscheinbare Zuflüsse, namentlich bei Slappa an
Wasser bereichern. Er mündet nach kurzem Laufe bei Dolanek in die Iser.
Chemische Zusammensetzung des Dolanekbaches.
Geschöpft bei Turnau vor seiner Einmündung in die Iser. Die Temperatur der Luft betrug
18:50 C, die Temperatur des Wassers 19° С,
In 1000 cc des Wassers sind enthalten Gramme:
. 000668 Natron i
. 0 00075 а E
. 000885 ка
. 000781 Ne uerg a RUN
. 015714 Eisenoxyd und Thonerde . . 0:00023
. 000434 Schwefelsäure . : ‚ 0:00626
. 000023 Коренот 101 D. COUTE
Chlornatrium . .
Natriumsulfat
Kaliumsulfat
Caleiumsulfat . ;
Caleiumearbonat .
Magnesiumcarbonat
Eisenoxyd und Thonerde
000887
. 000181
. 009101
. 000201
Kieselsäure . 002469 Kieselsäure . 0709462
Salpetersäure 0:00377 Salpetersäure А . 0:00877
Summa . . 020819 ӨӨ dir READER, ‚ 000405
Glühverlust hiezu . . 009068 Summa . . 10:20910
‚ 0:00091
. 022887
Gesammtrückstand . Sauerstoff ab für Chlor .
Summa .
In 100 Gewichtstheilen des Mineral-Rückstandes sind enthalten Seel
МАТОШ о EE KT
dE ds . 0:87
Kalk UM Й ; 48:11
Magnesia . ; . 0:09
Eisenoxyd und Thor uud
Schwefelsáure . vise sol
Kohlensäure din Ше
Kieselsäure . . .
Salpetersäure .
Fürtrag .
BENT ISP O^]
Vici 1:81
98:49
oo
m
Übertrag TEU, 9849
ERR а rc TM a a
Summa. . . . 10044
Sauerstoff ab für Chlor. . . . . . . 044
Summan. OO 10000
Die Gesammthärte des Wassers betrug 9:38 Härtegrade.
Die Mohelka.
Das Mohelkathal verläuft fast nur in dem Iserquader und Pläner der böh-
mischen Kreideformation und bildet die tiefste Furche in der hóheren Terrasse der
zwischen Reichenau und Münchengrätz liegenden, vielfach durchschnittenen und
bewaldeten Sandflüche. Im oberen Theile gehórt das Thal den Phyllitgebirgen des
Jeschken, in seinem mittleren und unteren Laufe dem Isersandsteinplateau an. Bei
Kukau vereinigt der Mohelkabach beinahe sämmtliche an der Südseite der bewal-
deten Jeschkenausläufer entspringende Waldwässer. Die kleinen Quellen der Mo-
helk: entspringen im Granit des Kaisersteines und im Phyllit von Jersemanitz,
durchbrechen bei Lessen den Melaphyr, Dyassandstein und Porphyr und waschen
sich durch den cenomanen Sandsteinfelsen oberhalb Liebenau ein schmales Rinnsal aus,
Im Oberlaufe ein Gebirgsthal, in das die waldigen Gelände steil abfallen,
Vom rauschenden Gebirgsbache durchsetzt, erweitert sich der Thalgrund gegen
Liebenau beckenfórmig und mündet in das Sandsteingebirge, das die Mohelka zu-
erst in der Richtung von Nord nach Süd bis zum Sichrover Schlosse durchfliesst,
hierauf einen westlichen Lauf einschlägt, bei Slawikow die in einem rinnenförmigen
kurzen Querthale im Mittelquader und Pläner von Nord nach Süd fliessende Wo-
harka und bei Libitz den in gleicher Richtung laufenden Jeschkabach aufnehmend.
Letzterer entsteht durch Vereinigung des im Pläner und Melaphyr entspringenden
Raschen- und :des am Fusse der basaltischen Horka emporquellenden Modlibow-
baches, welche nordöstlich und nordwestlich von Böhm. Aicha in engen Sandstein-
thälern verlaufen, unterhalb dieses Ortes sich vereinigen und bei Liebitz in die
Mohelka einmünden.
| Ausser diesen Zuflüssen erhält die genannte Mohelka noch die kleine Mo-
helka, welche in der Umgebung des basaltischen Jelinkaberges entspringt, südlich
über StraziSt in einem in Sandstein tief gefurchten Thale über Neweklowitz bis
Podhora làuft, sich unterhalb dieses Ortes mit ihrer Namensschwester vereinigt
Und kurz darauf bei Mohelnitz in die Iser füllt. Nach Aufnahme all' der genannten
Zuflüsse zeigt die Mohelka folgende chemische Zusammensetzung :
In 1000 ce des Wassers sind enthalten Gramme :
Ohlornatrium . 2 2 2.2. . 000914 ee EE
Natriumsulfat © . . . . . . (00797 Kalle OR ENER
овоа o. . 0.7. 0000829 КАШЫ cron etu MUR ACD 011200
Üaleiumsulfat . . . . . . . 001078 Magnes WIR
Caleiumearbonat . . . . . . 019296 Eisenoxyd und Thonerde . . 000115
Fürtrag . . . 022774 Etitrag ^ EE
6
Übertrag. . . 022114 Übertrag , . . 019929
Magnesiumearbonat . . . . 000756 Schwefelsäure sobtu . . . . 001812
Eisenoxyd und Thonerde . . 000115 Kohlensäure x: 20... 0708880
Kieseiseute 55 wa AU ОООО Кезен nod cook 20 ООШ
Salpetersäure . . . . . . . 000200 Salpetersäure . . . . v 000250
Summa ,. . . . 0:24595 СШ кү suh ned vatis ENSCH,
Glühverlust hiezu . . . . . 003210 Summa. . . 094125
Gesammtrückstand . . . . . 021805 Sauerstoff ab für Chlor . . . 000133
Be,
Summa. . . . 024595
In 100 Gewichtstheilen des Mineralrückstandes sind enthalten "/,:
NAO vue EE al
TORIS i IH EE
КЕШ eed Ouen, e e MOD
Magnesia. . . MOM SOEUR S PT MO
Eisenoxyd und Thonerde . . . . . . 045
BOINE TE Nerv EP и TON
EE Re mes ou cod DLE
IIHROIBALLO 02 22 EA eer BAH
Salpetersäure KEE
DEE e О
Bummi ov^ 70710909.
Guer B El tb Е Оа
Genk 4^2 27720000:
Die Gesammthürte des Wassers betrug 11:75 Härtegrade.
Geschöpft bei Mohelnitz, nördlich von Münchengrátz am 7. September 1892.
Die Temperatur der Luft betrug 14" C, die Temperatur des Wassers 13° C.
Am rechten Ufer fliessen der Iser ferner zu
die Zabertka.
Das Quellengebiet dieses Baches liegt ganz in der Iserstufe der böhmischen
Kreideformation. Nördlich von Zabert entspringt die Zabertka, durchsetzt bei Lesnov
die basaltische Teufelsmauer und fliesst als sogenannter Dolankabach von Nord
nach Süd in einem engen von schroffen Quadern und Felsen eingeschlossenen
Thale über Neweklowitz bis unterhalb Kloster, wo sie in die Iser fällt.
Die herrschenden Felsarten sind hier Quadersandstein und Plünerkalk, die
bei Mohelnitz in Felsmassen zum Vorschein kommen.
Chemische Zusammensetzung des Zabertkabaches.
Geschópft oberhalb Kloster (Münchengrätz). Die Temperatur der Luft betrug 15:5" С, die Tem-
peratur des Wassers 12:8" C.
In 1000 ec des Wassers sind enthalten Gramme:
СШ ӨШ, 0700777000825 WË D ehr SU SS QU HN 001470
Näteiumsulfat SPT 057 70:00865 RRE U a MUN . 000319
Fürtrag . . . 000688 Fürtrag. . . 001189
Übertrag . . 000683
Natriumcarbonat . 0701949
Kaliumcarbonat ‚ 0:00468
Caleiumcarbonat . 0.19651
Magnesiumcarbonat . 0:00831
Eisenoxyd und Thonerde . 000098
Kieselsäure . . 0:00855
Salpetersäure . o UN E
Summa . ‚ 0724604.
Glühverlust hiezu . 001980
Gesammtr ЧАД:
. 026584
Übertrag .
Kalk .
Magnesia .
Eisenoxyd und өрдө
Schwefelsäure .
Köhlensuüre. oon
Kieselsäure
Salpetersäure
ТОРИ men. Ў
Summa .
Sauerstoff ab für Chlor .
Summa .
н SNC
83
. 001789
. 011005
. 000396
. 000098
. 0700206
. 010039
. 000855
. 000064
. 000196
. 024648
. 0700044.
. . 024604
Wi
In 100 Gewichtstheilen des Mineral-Rückstandes sind enthalten ^/,:
Natron SCH Aere
e e 1:29
Kalk Ce 4418
Magnesia . { 1:61
Eisenoxyd und Thoner de 040 |
Schwefelsäure . 0:84. |
| Kohlensäure о, EEN |
| [47 075. 0 ИУ. en tee EEN
| Salpetersáure 026
Chlor Lnd id teu OR
Summa . 10018
Sauerstoff ab für Chlor . 0:18
Summa . 100:00
| Die Gesammthärte des Wassers betrug 11:55 Hürtegrade.
| Am linken Ufer fliessen in dieser Gegend der Iser ferner zu:
die Libunka.
Sie entspringt im Quadersandstein oberhalb Libuň, über welchen sich an
| einzelnen Punkten Basaltkegel erheben. Vom westlichen Fusse des Basalthügels
| Welisch zieht, in nordwestlicher, das linke Ufer des Libuükabaches begrenzender
tichtung, ein mit Waldungen bedeckter, aus cenomanem Quadersandstein beste-
hender Bergrücken, der romantische Felsenpartien in sich schliesst, und in das
Libuiikathal abzweigt. Hohe und schroffe Felsen ziehen sich auch im unteren Laufe
des p; aches, der ein malerisches Thal zwischen den berühmten Gross-Skaler Felsen-
| Wànden und dem Kosakower Gebirge bewüssert. Bei Ktowa empfängt die Libuüka
die Weselka, welche in einem rinnenförmigen Thale in der Formation des rothen
"üdsteines und Mandelsteines entspringt, nach kurzem Laufe über Rovensko in
le Libuüka einmündet. Gegen Turnau erweitert sich das mit fruchtbaren Diluvial-
Bebilden erfüllte Thal und gewährt unterhalb Turnau der Libuüka den Ausfluss
in die Iser,
Chemische Zusammensetzung des Libunkabaches.
Geschópft südlich von Turnau vor seiner Einmündung in die Iser. Die Temperatur der Luft
betrug 16:5? C, die Temperatur des Wassers 16:0? C.
In 1000 се Wasser sind enthalten Gramme:
Chlornatrium ‚ 001063 Natron .
Natriumsulfat . 0700128 Kali
Kaliumsulfat . 000121 Kalk .
Caleiumsulfat . 0700868 Magnesia .
Caleiumearbonat .
Magnesiumcarbonat
Eisenoxyd u. Thonerde .
Kieselsäure
Salpetersäure "
Summa .
Glühverlust hiezu
sesammtrückstand .
. 0:13366
„001188
. 000118
. 001550
0:00150
«S. 020802
209000830
. 022631
Eisenoxyd und Thonerde
Schwefelsäure .
Kohlensáure
Kiöselsäure: фто
Salpetersáure
Chlor
. 000881
. 0:00390
. 007842
. 000828
‚000118
. 001253
. 006790
. 001550
. 000150
. 000645
Summa . ‚ 020447
Sauerstoff ab für Chlor. . . 0:00145
Summa . . 0:20302
In 100 Gewichtstheilen des Mineral-Rückstandes sind enthalten "/,:
Natron .
Kali .
Kalk
Magnesia' . VO MM
Kisenoxyd und Thonerde
Schwefelsäure .
Kohlensäure
Kieselsäure .
Salpetersäure
Chlor
Summa .
Sauerstoff ab für Chlor .
Summa .
434
102
38:62
. #08
» 0'58
"OTt
38:44
. 764
. 0:74
. 3:18
ЖЕЛ ИШЕ
201
. 100'00
Die Gesammthärte des Wassers betrug 9:00 Härtegrade.
Die Iser empfángt am linken Ufer weiter noch:
die Zehrovka.
Dieser Bach entspringt bei Madéjov in den oberen Schichten der Kreide-
formation. Unweit Kienov vereinigen sich fünf Thalgründe, denen ebensoviele
Wasseradern entquellen und die sich mit dem bezeiehneten Quellwasser zu einem
kleinen Bache vereinigen. Dieser Bach nimmt seinen Lauf nordwestlich durch die
Gross-Skaler Felsen, empfängt kleinere Zuflüsse aus den Felsensehluchten de®
oberen Quadersandsteines, durchfliesst den Zehrover Teich und ergiesst sich ober-
85
halb Březina in die Iser. An dieser Stelle hat der Bach folgende chemische Zu-
Sammensetzung `
In 1000 ec des Wassers sind enthalten Gramme:
Blilomatrium .. . а. 12200008965 Natron eg sois ле CL 1001824
ааа оа... 001201 Kol. a OT
Natriumcarbonat . . . . . 001061 [Gal e n ms „ең О ODSS2.
Balumearbonab . . <.. . 3 )0691 Magnesia . SW . . 0700984
Caleiumearbonat . . . . . .0:09932 Eisenoxyd und ee „=. O:00120.
Magnesiumcarbonat . . . . р erc SEU
Eisenoxyd und Thonerde . . 000120 Kohlensäure ^... na ШО
else. 2... vss MOIODR Kisaoldantó 4 sacas e hor AE
Salpetersäure . . . . . . . 0:00040 Salpetersäure . . . .. . 000040
una su vs . 011540 Oo I ons UN OLD.
Glühverlust hiezu . . w 0'02980 Samma oss EE
Gesammtrückstand . . 020520 Sauerstoff ab für Chlor. . . 0'00118
Stimme a e EL TD)
In 100 Gewiehtstheilen des Mineralrückstandes sind enthalten °/, :
Natron «opngiotwul-Roan mcs. sab ooa:
Kali. ў . 2:69 |
tel Et EE 33 53 |
Magnesia . UM . 562
Bisenoxyd und Misere u EE СОА
Sehwefelslubo. i. Les решен е e.
КОНЕ eov sS E ШОН ОС
SEIS IAS ЛЛУ оо
| | Salpetersäure GE . 02€
Си
Summan ТООБА
Sauerstoff ab für Chlor. . . . . . . 0:67
SUN u obs ОООО
Die Gesammthärte des Wassers betrug 7:27 Härtegrade.
Geschöpft vor der Strasse nach Podol, nördlich von Münchengrätz. Die
Temperatur der Luft betrug 10:0" C, die Temperatur des Wassers 13:6" C.
Die Béla.
| Im Plänersandstein von Neudorf entspringen mehrere Quellen, deren Wasser
Sich in kleinen Teichen sammelt, aus welchen es in den durch Podol fliessenden
Mühlbach Böla abfliesst, der selbst wieder in der Sandsteinformation entspringt und
mit diesen Zuflüssen bereichert über Weisswasser in westlicher Richtung auf Klein
eisel läuft, wo er in die Iser fällt.
86
Chemische Zusammensetzung des Bélabaches.
Geschöpft bei Bakow ober den Papierfabriken am 18. September 1892. Die Temperatur der Luft
betrug 17:0" C, die Temperatur des Wassers 14:0" C.
In 1000 ec des Wassers sind enthalten Grammes:
ОШ Пай ^L. ous" e 7 OOOD Neu... o ener EEN
МЯТА о 60 0088 IST RE REI
ТИОТ Тае u. ете o ss TODO Kalk e viros MERE
ter Hektik Magnolian, eiet e TI HERE
Caleiumcarbonat . . . . . . 018089 ùisenoxyd und Thonerde . . 0:00093
Magnesiumearbonat . . . . 0:00264 Schwefelsäure... . . . . 001285
Eisenoxyd und Thonerde . . 0:00098 Kohlensdute >. +... 00. ООБОЙ
Isteselsaute e RA EG Kieselsätte 007000708
Salbetershüre e, . DE OD Salpetersäure . "1. 000195
Summa sn DURO Chlor ` (voa UU ESI AO
Glühverlust hiezu . . . v 001000 Summa. . . . .0:22694
Gesammtrüekstand . . . . . 024126 Sauerstoff ab für Chlor. . . 000183
ET,
TUE . 022561
In 100 Gewichtstheilen des Mineral-Rückstandes sind enthalten "/, :
О DEE
ПАЙ УУ е C GES
МАШ ТКО oh M EC ж ENEE
МЕ В UE bM ini US IS DNI ш a ШО
Eisenoxyd und Thonerde . . . . 041
EE Uer ir VT
КОА ВЕ OL" En EEN
lee Ee e o I ORIS
АСЕТОВА ех uon оо Rude et WURST
СЛОВИ n ue E ln ATO
Summis S. cover LOUIDU
Sauerscolt ар tUr СОШО 009
Dumme a 27 P TOQTQU
Die Gesammthärte des Wassers betrug 10:87 Härtegrade.
Charakteristik der Wässer aus der Sandsteinformation.
Aus den angeführten Analysen ergibt sich deutlich der Kalkreichthum, die
Härte und die Concentration der in der Kreideformation entspringenden Wüsser.
In der trockensten Jahreszeit sind der Zabertkabach und die Mohelka die an Mi-
neralstoffen reichsten Wässer dieser Kalkquellen. Das Wasser der genannten Bäche
enthält fast gleich viel 246 Milligramm per Liter fester Mineralstoffe, von dene?
s0°/, aus kohlensaurem Kalk, 3°/, aus kohlensaurer Magnesia bestehen. Dagegen
ınthält die Mohelka 5°6°/,, die Zabertka kaum 1 Prozent des fixen Rückstandes
an Schwefelsäure.
81
An Alkalien, Chlor und Kieselsáure sind die genannten Wüsser sümmtlich
arm, mit Ausnahme der Zehrovka, welche grössere Natronmengen enthält.
Es ergaben die Bäche:
TER CERN SER Kohlen- аф иза,
Si | Gesammt- Mineral- ^ | Baurem. SE und
| 2 Baeh I Rück- | Rück- | Harte | Kalk |Magnesia| Natron
| & | stand | stand Graden | des Mineralrückstandes in 2,
. | Die Mohelka . . A deg адв tege В 48
2. | Die Zabertka | 206 246° | 110 WI 61
| E | Die Bela ай 225 | 109 | 19 | pon E2
| 4 |DerDolmek . .-.| 228 | 208 | 94 | 16 | 8 27
5. | Die Libunka . . | 226 | 208 90: и Vra 62
| 6. | Die Zehrovka | 205 175 8 | 63 | 11 130 |
| | | | | |
Die Schwefelsäure ist in den Rückstünden dieser Wässer zu 5-—6?/, ent-
halten.
Die Glühverluste sind geringe, sie wechseln zwischen 19—30 Mgrm per
Liter bei einer Rückstandsmenge von 200 Mgrm.
Kurz ausgedrückt lautet die Charakteristik dieser Wässer. Es sind überaus
kalkreiche, an anderen Bestandtheilen arme Bachwässer.
In der Gegend, welche die genannten Miche durchziehen, liegen zwischen
sterilen Plateau's oft quellenreiche Thäler. Die starke Zerklüftung der Kalk- und
Sandsteinfelsen gestattet den atmosphärischen Niederschlägen rasch in die Tiefe zu
versickern, was an vielen Orten grosse Wasserarmuth zur Folge hat. Doch sammeln
Sich die Niederschlagswüsser an thonigen Unterlagen, brechen an vereinzelten Thal-
stellen hervor und zeichnen sich dann durch ırstaunlichen Wasserreichthum aus.
Die Quellen sind daher in diesen Gebirgszügen weniger zahlreich aber ergiebig,
im Gegensatz zu den tertiären Ablagerungen, welche gewöhnlich lockerer, reicher
an Sandschichten und Klüften, veränderlicher im Schichtenfalle als die secundären
Ablagerungen nicht wie diese die Erscheinung darbieten, dass sie auf grosse Strecken
hin gar keine Quellen liefern, an anderen sehr reiche Wasseradern spenden.
Zuflüsse der Elbe aus dem nordöstlichen Flügel des Erzgebirges.
Die Biela.
Das oberste Quellengebiet der Biela liegt in der Bernsteingruppe des öst-
lichen Erzgebirgsflügels in der Umgebung von Katharinaberg.
Im Obergebirge liegt eine Hochfläche, die sich nur in dem dicht bewaldeten
Rücken des Neuhauser und Bernauer Revieres mit dem Bärenstein, dem Beerhübl
und in den östlich sich anschmiegenden Hügelbergen zu grösserer Höhe erhebt. Der
Bärenstein selbst bildet den Knotenpunkt dreier durch flache Thäler getrennter in
ihrera Streichen immer weiter auseinander weichender langgezogener Bergrücken
88
Die Wasserscheide läuft sehr nahe am südöstlichen Rande hin. Ein wenig frucht-
bares bewaldetes Hochplateau, dessen südóstlicher Abfall sich in unzühlige schmale
kurze Querrücken mit ebensolchen schluchtenfórmigen Thälern gliedert, die eine
weitverzweigte Entwässerung des Gebirgskammes gestatten, charakterisirt auch den
nordöstlichen Flügel dieses Gebirgszuges. Dieser Theil des Erzgebirges besteht
nach den Untersuchungen der Geologen namentlich Laubes, vorwiegend aus Haupt-
gneiss, dem sich beschrünkt die Gruppe der Glimmerschiefer beigesellt und die
besonders in der südwestlichen Ecke dieses Gebirgstheiles entwickelt sind. Der
Hauptgneiss, der typische Gneiss des Erzgebirges wird aus gut krystallisirte weissem
gelbem oder röthlichem Orthoklas, graulichem Quarz und aus beiden Glimmern,
von welchen der dunkle, Biotit, gewöhnlich vorherrscht, gebildet.
Er zeichnet sich durch grossen Glimmergehalt, leichte Verwitterbarkeit und
chemisch durch einen 64—66"/, betragenden Kieselsäuregehalt aus.
Der in einzelnen ausgedehnten Stócken auftretende rothe Gneiss wird als
Eruptivgestein betrachtet, der den grauen Gneiss durchbrochen hat und charakte-
risirt sich wie bekannt, durch grössere Widerstandsfühigkeit, gegen die Einflüsse
der Atmosphäre und des Wassers durch relative Glimmerarmuth und höheren 73
bis 75°/, betragenden Kieselsäuregehalt.
In diesem Bergzuge folgen noch graue kleinkörnige Gneisse, die bald glim-
merreicher, dann mehr glimmerschieferartig und wieder mehr feldspathreich und
gut charakterisirt sind. Zwischen Uhrissen und Göttersdorf durchsetzen langgezo-
gene Dioritstreifen den Gneiss von Ladung bis Cernitzhübl ein von Westen nach
Osten durch den Kisenberger Thiergarten verlaufender Granitzug. Im Südosten
und Osten senkt sich der Hauptgneiss unter die Braunkohlenformation der Ebene,
ohne dass sich jüngere Gebilde von ausgesprochenem Diluvialcharakter dazwischen
legen. Dagegen fehlt es nicht an Alluvionen, Schutt-, Sand-, Kaolinlagern und
Torfmooren.
Am Rücken des Gebirges in der Umgebung von Katharinaberg finden sich
bodenartige Vertiefungen und wasserdichte Schichten verwitterten Granit- und
(meissgesteines und infolgedessen günstige Bedingungen vorherrschend für Hoch-
moorbildungen.
In diesen Morästen und Waldgesenden, zwischen dem Steinhügel und dem
Scharberge grösstentheils in den Raizenhamer Mooren entspringen die Quellen der
Biela, fliessen über Kallich auf Beraun herab, an der Westseite des bewaldeten
Beerhübels in einer Schlucht an dem Gebirgsgehänge südöstlich über Rodenau,
Uhrissen und westlich von Görkau.
Die sich östlich anreihenden Thäler mit schluchtenartigem Charakter ver-
mitteln namentlich den Abzug des schmelzenden Schneewassers im Frühjahre, da
die kleinen aber zahlreichen Quellen, welche am südlichen Abfalle des Erzgebirges
herabrieseln in der warmen Jahreszeit fast vertrocknen, bei Thauwettern und nach
heftigen Gewittern die Niederung aber überfluthen und dann in Folge der abstür-
zenden Lage der Thalgründe, Schlamm, Boden und Gesteinstrümmer in grosser
Menge herabführen und im Alluvialdistrict des ehemaligen Kummersees absetzen.
89
Schon im Gebirge verstärkt sich die kleine Biela durch verschiedene Zu-
flüsse, tritt westlich von Górkau in die Ebene, durchfliesst die mit Alluvionen
reichlich erfüllte Ebene des noch Anfangs dieses Jahrhunderts als See bestandenen
Später durch den begüterten Besitzer trocken gelegten Kummerer Wiesendistrictes
bis zum Einflusse des Grundbaches und wendet sich dann nach Brüx.
Aus Norden fliessen der Diela auf dieser Strecke aus dem Erzgebirge viele
kleinere aber reissende Bäche zu: der Altbach, der am Adelsberge und Bärenstein
im grobflaserigen und Augengneiss entspringt, der Flössbach (Weissbach), der sich
àn der Landgrenze unter dem Dürrtannenberge in Flasergneissen bildet und westlich
an dem steilabfallenden 883 m hohen Schwarzberg zwischen den Übergängen von
Granit und schuppig-schieferigen Flasergneiss, aus dem sich Felswünde zu beiden
Seiten des Baches erheben, über Rascha durch den Rauschengrund dem Thale
zueilt. Die Gehänge dieses Grundes besteheu ebenfalls aus flaserigem Hauptgneiss,
in dem sieh Nebenquellen dieses Baches verlaufen, beim oberen Teiche aus roth-
gefleckten Muscovitgneiss.
Der Ratschitzer und Brückner, sowie Ladunger Bach entspringen in den
vielen Gründen unterhalb des Wieselsteines. Das Quellwasser rinnt durch zwei-
Slimmerigen Hauptgneiss und durch Wieselsteinporphyr.
Auf der rechten Seite empfängt die Biela den aus dem sogenannten Alaunsee
und den Teichen zwischen Udwitz und Komotau abfliessenden aber wasserarmen
Seebach, ebenso den Lumpgraben, in welchen die kleinen, oft austrocknenden, in
der Ebene zwischen Póswitz, Pülna und Styritz entspringenden Gewässer zusammen-
"innen, den Serpinamorast durchlaufen und bei Zlatnik in die Biela münden.
Diese Gegend bedecken mächtige Löss- und diluviale Ablagerungen zwischen
Pöswitz und D. Zlatnik, die neben und über tertiärem Sand- und Schotterablage-
tungen auch Schieferthone und bittersalzführende Schichten einschliessen.
, Von Brüx windet sich die Biela durch die westlichsten Ausläufer des hier
mit Erdbrandgesteinen durchsetzten basaltischen Mittelgebirges über Sellnitz auf
Bilin, wo sie Zuflüsse aus dem Plänerkalk, Basalttuff und von den umgebenden
bewaldeten Basalt und Phonolithenbergen erhält. Der Raschitzer und Grundbach
fliessen der Biela östlich von Oberleutensdorf über Maria-Ratschitz und Priesen
am linken Ufer bei Jostanitz zu. Der durch Vereinigung des Ladunger, Riesen-
berger und alten Grundbaches entstehende Saubach, dessen feinvertheilte Wasser-
adern in parallel verlaufenden Gründen im östlichen Wieselsteingebirge in ver-
Schiedenen Gneisen quellen, durchfliesst den Liptitzer Teich und vereinigt sich bei
Dux mit der Biela. Die Biela sammelt somit alle Wässer, die am steilen Gehänge
des Erzgebirges entspringend, aus dessen Thälern zu kleinen Bächen vereinigt,
ablaufen und die Saazer und Teplitzer Thalebene bewässern. Aus der Saazer Ebene
tritt die Biela beim „Schlammiger“ Berge in das Mittelgebirge und sammelt, indem
Ме es an der nördlichen Seite durchfliesst, alle Wässer, die am nördlichen Abhange
p Mittelgebirges zusammenrinnen, mit denen sie vereinigt, bei Aussig in die
e fällt.
90
Chemische Untersuchung des Uhrenbaches bei Riesenberg
in der Nàhe von Osseg.
In 1000 cem sind enthalten :
Onlochatum зу RACH Ne D
Natriumsulfat . . . .0'01674 BU ro tu ur (UU
Kalumsultau TEE GR О о: . 0701650
Kaliumearbonat . . . . 0:00284 WR о, ДД
saleiumearbonat . . . 0702940 DO ur PO A LS
Magnesiumcarbonat . . 000945 SO en oh LP,
Kieselsäure . . . . . 001150 DEE OU)
Summa SG IUS EE n eis 0.000000
Summa . . 008400 `
Organ. Glühverlust . . 001050 Sauerstoff ab für Cl. . 0'00148
ООУ E ome vr ODDO 0708261
In 100 Gewichtstheilen des mineralischen Rückstandes sind:
^ HN VS le AM у ш у är
la EE у
@ cp LR RU RE!
MUT e e WO E a KT
Ud oa M 5 ICON о vod aU, |
IR Be us cO H |
RE EE |
NEEN |
Summa . . . 101779
Sausıstoit-abı tur OHIO 02.05. so UB |
Samai uns 100,00 |
Gesammthürte == 2728. |
Chemische Untersuchung des Weissbaches bei Kopitz bei Brüx. |
Im 1000 eem Wasser sind enthalten: |
Natriumchlorid . . . . 0:01622 NaO . . .0'01648 |
Natriumsulfat . . . . 001804 KV ео ООба |
Kaliumsulfat . . ... . 001687 CAO e a V OZTU
Caleiumsulfat . . . . . 0'00484 MU n NUDO
jaleiumnitrat . . . . 000164 Kal. е WEE EISE
Galeiumearbonat . . . 6003919 QU S ue co EO |
Magnesiumcarbonat . . 0:01209 SIO; 3.220 2.0. 0:01200 |
Eisenoxyd . . . . . . 000085 80, 17.75. ^ (02088 |
Kieselsáure . . . . .001450 INQUIS А EDM
Summa. . . . 012874 OPT S к ОО
Summa . . 012596
Sauerstoff ab für Cl . . 0:00222
Glühverlust , . . . 0'02660 Summa . , 0'12374
In 100 Gewichtstheilen des mineral. Rückstandes sind enthalten:
NaO .
K,O
СаО
MgO
Bert:
CO,
SiO,
80,
NO,
Cl
Sauerstoff ab für Chlor
Summa .
Gesammthärte = 32.
Summa .
TEE
oral
. 19:80
4:65
. 0:69
. 19:05
„чл
. 16:68
0:87
795
ТОЯ
(Sep,
. 100:00
Chemische Untersuchung des Mühlbaches bei Bilin
in der Nähe der Flaschenfabrik.
In 1000 cem Wasser sind enthalten:
Natriumchlorid . . . . 0'01406
Natriumsulfat . . . . . 008826
Kaliumsulfat . . . . .0:00461
Kaliumearbonat . . . 001257
Caleiumearbonat . . . 0183401
Magnesiumcarbonat . OHIE
(Eisen- und | 0-00189
Aluminiumoxyd) | { TA
Kieselsäure . . . . . 004618
Summa . .0'36939
Мао
neo
СаО
МО
(BO, =
A1,0,)
DORT:
CO, .
SiO, .
CI
Summa .
Sauerstoff ab für Chlor .
Glühverlust . . . 00520
Summa .
0:02416
. 001106
. 001505
. 005616
l 0:00182
. 0702367
. 019418
‚ 004618
‚ 000853
(31181
0:00192
‚ 0:36939
In 100 Gewichtstheilen des miueral. Rückstandes sind enthalten:
Na,0 .
K,O
СаО
MgO uud d Tu
(FeO, + АО)...
БО, жү.
CO,
SiO,
Fürtrag .
6:54
2:09
. 20:32
. 15:20
0:49
6:41
39
. 12:49
. 98:21
91
Übertrag «98:21
CI LAT YA КАЛ Zol
Summa . . 100:52
Sauerstoff ab für Cl 0:59
Summa . ^. 10000.
Gesammthärte des Wassers —
15:24.
Chemische Untersuchung des Priesenbaches bei Bilin.
In 1000 eem Wasser sind enthalten:
. 001947
. 0077194
. (05611
. 001701
Natriumchlorid
Natriumsulfat .
Natriumcarbonat
Kaliumcarbonat .
Calciumnitrat . . 000448
Calciumcarbonat . 0:06700
Magnesiumcarbonat ‚ 0:08250
Eisenoxyd und Thonerde 0:00058
Manganoxyd . 000043
Kieselsäure . 0:01085
(Organische Stoffe)
Glühverlust . 0:08260
025696
Na,O
K,O
Ja)
MgO
Mn,O, . IN
(Fe,O, + ALO,) .
CO, .
SO
SiO,
NO,
Cl 4
Summa .
Sauerstoff ab für Chlor
. (07152
. 001160
. 0703905
. 001548
. 000042
. 000058
. 007545
0:04391
. 0.01085
. 000295
OL LEN
. 028962
000266
028696
In 100 Gewichtstheilen des mineralischen Rückstandes sind:
N&,O .
K,O
СаО
Moi
Mn,O,
(Fe,O,
CO,
80,
SiO,
NO,
Ol
+ ALO,) .
Sauerstoff ab für Chlor
Gesammthärte = 61.
ОД
4:04
. 18761
5:39
0:15
0:20
..26:29
. 15:80
8°18
1:03
d. 4:12
100:92
Ge 0:92
10000
Summa .
Summa .
93
Chemische Untersuchung des Zischkabaches bei Bilin.
ln 1000 ccm Wasser sind enthalten:
Natriumchlorid . . . . 002595 NO «x scene xov: ШОО
Natriumsulfat . . . . . 008404 Klier u , . «. 0.02340
Kaliumsulfat . . . . . 004827 ЮО x ass ds EN
Caleiumsulfat . . . . 003383 Meo ss РИШ VIVONO RU
Caleiumnitrat , . . . . 0'00617 (FeO, + ALO,) . . . 000105
Caleiumearbonat . . . 018930 SUE d uos NS Edo ix 0:08112
Magnesiumcarbonat . . 014742 DOS EE
Eisenoxyd und Thonerde 0:00105 SI, vo vx Oui co USER
Kieselsáure . . . . . 001624 Nau Lk Де , , 4 000406
054121 S Ke AM ID . . 001514
0:55082
3lühverlust . . . . . 000282 Sauerstoff ab für Chlor 000355
Summa. . . . 0'54727
Rückstand von alkalischer Reaction.
Ín 100 Gewichtstheilen des mineral. Rückstandes waren enthalten:
WA a E E ear a 9:29
KOs E aa E . #98
| ОО E A E, D 22:8
| МО zort pg ros ab nd dte 12:83
(Fe,O, + АЦО): о. гас wine o 0'19
BS Si a a T E
О@ En 29:82
| BU... е и eos era 1 2:97
| NS... nop ОИН 014
| О ү geen жула С 2:88
Summa . . . . 100:65
Sauerstoff ab für Chlor. . . . . . . 0'65
Summa. . . . 10000
: Gesammthärte = 2:20.
Chemische Untersuchung des Abflusses aus dem Liptitzer Teich bei Dux.
In 1000 cem Wasser sind enthalten:
Chlornatrium . . . ..'0'02920 NEG. sn. OT
| Natriumsulfat . . . . 0'25252 EU ns ООВ
Kaliumsulfat . . . . ..0'02561 (UR P e LAS Ma 0:05827
Calciumsulfat . . . . . 0'00466 MU... an eaa s.s EE
Caleiumearbonat . . . 0:09991 (Fe,O, + Al,O,) . . . 000159
Magnesiumcarbonat . . 007484 BOX ‹ 2:00 10610
Eisenoxyd und Thonerde 0:00159 SiO, -. еа ERBE
Fürtrag . . 0.48833 QU e у ү . . 008216
Fürtrag . . 050041
94
Übertrag . . 048833 Übertrag . . 0:50041
Kieselsäure . . . . . 0:02080 Cl FORO PUN Soros Re Ru print
Summa... 051413 ISumma ОТЕТ
Sauerstoff ab für Chlor 0:00399
Glühverlüust - . e s ..0:04580 Summa . . . . 051413
In 100 Gewichtstheilen des mineral. Rückstandes waren enthalten:
Ма ОТА ev QUEM oer E sese d AD
Nu афа dioec Pbi exce
ЗАО ooo dd QUE I ERES THOU
MEOG S e, dv WCG LA аео В
(Fe,O, + ALO, ) ov o MA OH ОВ
A SCHE oU 40
SiO, РОТ B a EMU
ООЛ Se ofertas. sr. 10710
М. МИШ ОО ДД
Summat, ОО: CR
TEEN ER Тир ОШОЛ о. ee
ООО. ОООО
Gesammthärte — 10:79.
Chemische Untersuchung des Saubaches bei Liptitz Dux. |
Verunreinigt mit Grubenwüssern.
In 1000 ccm Wasser sind enthalten: |
Natriumchlorid . . . . 002803 NV: И ee lg |
Natriumsulfat . . . . . 0'26630 KOS vr ООО |
Kaliumsuliat ne VO АО sos EH DUT E |
BH ke 7 09v 7002918 MU a res (Up
)aleiumcarbonat . . . 007287 ӨО —9 ALOS T у, 000100
Magnesiumearbonat . . 007182 i e qud eeler |
Eisenoxyd und Thonerde 0:00155 STU a grep cue t ET |
Kieselsáure . . . . . 002708 QUIC EC ы ш, огл ШШ UOS |
Summa A 2 20752100 ае лее D EE
Summa. . . . 052484
Sauerstoff ab für Chlor 0:00384
Githverlust а. 0704880 Dumina ia 2052100
In 100 Gewichtstheilen des mineral. Rückstandes sind enthalten :
Nagy ту ы arena se КЇР
Maa E e ANO
Val EE ШОЕ
MU EE E e Т A
Fürtrag. узу . 4488.
95
Übertrag. . . . 4438
(16,0, + АШО e vu cube uan 0:30
80, e uU M EU tapa:
BEL CS s. у T DL UN 5:19
Kee EE A LION
N Pau MNA Ro ОШ
Summa. . . . 10074
Sauerstoff ab für Chlor . . . . . 074
Summa . . . . 10000
Gesammthärte des Wassers = 10'0? d. Gde.
Chemische Untersuchung des Bilaflusses
ober der Tuchfabrik bei Udwitz.
In einem Liter Wasser waren enthalten Gramme :
Natriumchlorid . . . . 0"00541 NaO 229 uc Ойрот а
Natriumsulfat . . . . 000912 KO CX. EEN
Natriumearbonat . . . 000500 CaO URN UMS ОШОО е
Kaliumearbonat . . . 0:00359 Mun. ун л ыл, ARD
Caleiumearbonat . . . 00:1275 FeO, + ALO, . . . . 000046
| Magnesiumearbonat . 0°00640 ENN RE c OUS
| Eisenoxyd -|- Aluminium- Or P EAD RO
буй volor Ор за ОИША DU. оао Ee
Kieselsáure . . . . . 000185 NO... aM а ТЮШЮ
| Salpetersäure . . . . . 000180 ЕШЫМ,
| Summa . . . 004588 Summa . . . 004662
| Sauerstoff ab für Chlor . 0'00074
| | 004588
In 100 Gewichtstheilen des Mineralrückstandes sind enthalten:
| Ni. Ө RR нт, VP OE
| КОЧА EDITOS ОЮА
| Qn sos us a e u л фи a
И О Ee,
(Fe,0, AOD ae 1:00
jo. ERU ARA EON REA,
EIU, euch EE ОИ и 408
QUE V us Ros AUD ‚ 20°02
ОРУ, (950, DEE
С) ra ee
SUMME... 0» k 7 10160
Sauerstoff ab für Chlor . . . . . . 1'60
100:00
Gesammthärte = 1'1.
Chemische Untersuchung der Biela bei Brüx
ober der Spiritusfabrik.
In 1 Liter Wasser sind enthalten:
МИСТ Los mere o UND APO INA QU ann SNE
МАЮ e tv uiae TEE I ОИ о ODD
Fu OU. te ио DO 1 LIU ОНО)
КОО 2o hc ov 000609 MEO oU osx is cc HM OZ
CaCO, RE e ge H KE, МИЧ кык veli ОООО
Waha кру Fe,0, + ALO,. . . .000814
BO, ec ATO V Ces 0100814. SOS у vC doo vU UT
МО о OU M B HIS EES
5104... KEE är Qatar а t 0'94004
NO 25. 099 05, 20S UG zn амы Ат, ОО
Summa. . .0:'81479 о ОКВ ао
Summa. . . 082071
Sauerstoff ab für Chlor . 000599
Summa. . . 081479.
Glühverlust per 1 Liter = 0:015605 grm.
In 100 Gewichtstheilen des Mineralrückstandes :
Ма и SUI vos c Meo. SLE
JEE, ET
GR E E e ele
M E EO. MAE urs OS]
Ee Oe MN AT Kee HEEN
кеда M Qus A: 20
ВОК. Ча КО c e I DO FIT,
IAS I MER Uu VC es KY Ооа O
UNE o gno MVP IR у л MEE
NEUE ee AEE UTR e AE
Ul e ceu E cV oe res оо did
БИЙИ е QU NE
Ten ко. ab für. RE EH
Summa s. 100100
Gesammthürte = 9:33.
Der eingedampfte Rückstand reagierte stark alkalisch.
Chemische Untersuchung der Biela bei Bilin
unterhalb des Poren bei Sauerbrunn.
In 1000 cem Wasser sind enthalten:
NAO о B prin IO Nun Uo. s UNE
МАЕ e ODIO KO... Ve
Fürtrag . . . 018689 Fürtrag . . 0:19001
| | | | | | | | | | | | | | |
| | | | | | | | | | | |
" | | | | | | u0y9S79] | | | / | | | | | | | |
A | | | | | j | | | | | | | | |
u | | | | | | bissn ge? | | | | | | | | | | =
| | | | | | | | | | | | | | | SL
| | | x2180q0" | | | | | | | | d
I | | | | | 71 7 7 | К | | | | | | | D
| | | | GEET д” | | | | | | | Se
0) | | | | | | | v] MourpmT и тт. | | | | | | | SC?
| | d 7 | | | | | | =
6 | d La Ko gu" == pe? | | | | KEE m
| | | ES | | 1 | | | | | | t
ZE | | | E | | PEU | | | | | | | | =
L deg — uno x | | | | | pu a m Ф
4 | © | | | | | | | (
| | uqnproq i del | | | | | 0 Gei
9 | | = | | | | SA ч PT T T mM——— | УУУУ, | | | | (o ves
| | see AB | | | ШЫ du UN O, A LII M) DAP y) y | | | © war
› | | | | Bites | | LIWOALDL: | | | | | | —— ul 1001100 | | | >
$ | | | | | рента Soma oi | | | | | | m —— | | | =
| | | | | | | | "Tt | = ==
‚ | | | | | IQIIUIYOJ | | | | | | | | i = D
| | | | | MEDIA | | | | | Sc Ке,
А | | | | | | | Әрә | | | | E =
z | | | | | | | | DIJSLI PPW 90) A | | gr S
| | | | @ | | | а
| | | ЧУУЛ » j |
/ | | | | HISSDMESTOM E | | * SÉ
| E |
| | | elt | ни | | 1 ab)
á , ШЕШ. аон шз E М QUE s уз 32. 3 с uS
e m E Mi ы а S Фу % + ЕУ Lo ES °з a М RI : SUA O1 IA S $ S N © uS E RE N S N 3 5 х 3 > ne
y | | | | uoos2r | Вир,
el en Fees e
| | | rm | | — =
zJ | | | | | лде}, | | ай We
| | | | | | «7190907 | | | Lp
H | | | | | | à | | | | L- ©
| | | | | | 1212u2! | | | | |
0/ | | | | | | | | 71 / | | | U) c
i | | | 12717930 | | | i D
6 1 | | | | | © 7: 7: t | | | | | ы 04 >
u I 91403/D]9 | | | - |
9 | | E | N А d Lt | | | | E “|. 5:
| E S )01 | | | o
1 | | | 3| $ uo | | | | i CA
| | S d S D e | | |
9 | | | | ыле - 220 PVA | | | | © er со
| v | | |
Se 4ә шогу? | | | | | (em I Ф
аў A^ | | | | o
| 2qqouowoj] | | | | Lk? © ES
? | | | | | d 2 O E
| oppmuruoasmpn | | | = N
e | | ? / | | | Ss = Е
" | | (отору ә) | | | : <= Es agn
g | | | | | D |
ылы Ln е AISSDMSSTOM | | | = | с L O
| | | | | | | ү D_ Ф
| | | | ч
| | © e
MS + + у N - d : 9ju9820ug m © ә e Si S3 AS 5 с у; S RS ә x x N 9o © + “ш D Be E
ic dim Ki
Я . =
| BER | | | | @
£l | | | 1225727 : | | T С?
e | | Diss) | | | ES | = 2
> Ж | ISSY / T | | | | | ы
d | du | | Lo c m iis
4 | | 7150907 | | | qe ET о
| | | | | | | ү >]
| | x2242u10! | | Se | ES
0/ | | х]1мәш)197 | | | \ SC S
TUE | | | | z |
л | | | | | | / © Ф а)
e | рне 97404012) | | | | | | d è c5 Zap
| E q | í | | | | | \ N ©
| | | | | LEN 4270] | CH | | | Ise i "Ss ep
4 | [SS | | | | | LI E = =
, | | Hu 219 n pavq | | | | un. х 5
9 | | | | (MM | | / m ы
surve | | HEH | CZ | | is
үтенү! t | di | тла] |
г | | | | ү pem ЦИЙ |
| | 2479120 | | | | | |
| | | BITTEN | | | | SC | | |
| | і | | | | (
| | DIINSIOƏ PON IQI | | i | | KÉ
TRUE | LISSDMSSTIM | | | Su | | |
| ч | | | | |
| | | | | | | | | | |
; 8juooo0Jg ЭО О В 4 3 SL S OS X o" у e a ei s
Übertrag . . 018689
Nae 2 ost SEA
Ks Ke
LE EELER
Mog as 0. 09095
Re, + ALO, . . . . 000150
a EEN
NG ro we ae sto NUMOS
BROS ee EE
Summa. . . 060520
Glühverlust = 0'04205 g.
Übertrag .
СаО
MgO Sach
FeO, + ALO,..
80, |
CO,
NO,
SiO,
Cl m.
Summa .
Sauerstoff ab für Chlor .
. + 060520
Summa .
In 100 Gewichtstheilen des Mineral-Rückstandes :
№,О .
K,O
Ja)
MgO . Ke
Fe,O, + ALO, .
SO, í
CO,
NEON
SiO,
Cl
Sauerstoff ab für Chlor
Summa .
Gesammthärte = 6'05.
Der eingedampfte Rückstand reagiert
Summa .
. 25°59
5'80
. 10:57
T16
0'25
¿ie uer
. 2601
9/44
5:98
IE 2:08
“10006
0:66
. 10000
e schwach alkalisch.
. 019001
. 006400
. 0704330
. 000150
. 008884
. 016288
. . 0:02081
‚ 002015
Ge ODOLI
. 060920
0:00400
Chemische Untersuchung der Biela oberhalb Türmitz.
9
Die Probe ist oberhalb des Einflusses der Schönfelder Grubenwüsser, am 25.
Feber 1896 genommen worden. Das untersuchte Wasser war klar, farblos, geruch-
und gesehmacklos, abgedampft hinterliess es einen schmutziggelblichen, sehr schwach
alkalisch reagirenden Rückstand, der bei 150" C getrocknet, von einem Liter Wasser
= 398:6 Milligrammes betrug.
In 1000 eem Wasser (1 Liter) sind «
Chlornatrium . . . . . 002618
Natriumsulfat . . . . 0'08205
Kaliumsulfat . . . . . 002866
Calciwnsulfat .....0. 010097
Caleiumnitrat г. эл .:.0:01292
Fürtrag . . 0'25138
thalten Grammes :
Natriumoxyd .
Kaliumoxyd
Caleiumoxyd .
Magnesiumoxyd .
Manganoxyd
. 0705002
. 001550
. 0:06502
. 002980
. 0700048
Fürtrag . . 016082
7
98
Untersuchung der Grubenwässer, welche in den Duxer Bach fliessen.
Übertrag .
Calciumcarbonat
Magnesiumcarbonat
Kieselsäure ;
Eisenoxyd und Alumi-
niumoxyd
Manganoxyd
Summa .
Organische Stoffe .
. 025138
. 07084179
. 0706258
. 001430
. 0700025
. . 0700048
. 036318
. 006500
Übertrag . . 0:16082
Thonerde u. Eisenoxyd | 0:00025
Lithiumoxyd . Spuren
Phosphorsäure . Spuren
Kieselsäure . 001430
Schwefelsäure ‚ 0171986
Salpetersäure . 0:00850
Kohlensäure . 0:05008
Chlor . EH REH
Summa . . 086956
Sauerstoff ab für Chlor . 000366
Summa .
Gesammthärte des Wassers = 10:6 deutsche Härtegrade.
Biela bei Türmitz.
. (36590
In 100 Gewichtstheilen des mineralischen Rückstandes sind enthalten:
NaO .
K,O
СаО
MgO
(890, + ALO) ...
Mn,O,
SiO,
$0,
МО,
CO,
Cl
Summa .
Sauerstoff ab für Chlor
Summa .
Natriumchlorid . 002641
Natriumsulfat ‚ 011844
Natriumcarbonat . 008268
Kaliumcarbonat . 009061
Caleiumcarbonat . 004821
Magnesiumcarbonat . 0703326
Kieselsäure ООМА О
Summa . . 040092.
. 19:60
425
re)
815
0:08
0'14
3:02
. 8249
2:88
etis
à 445
101:00
1:00
100:00
Na,O ‚ 014029
KO . 001409
Ja) . 0021100
Mot) . 001584
so, . 010053
SiO, . 001195
CO, . 007958
Cl c e е^ 001609
Summa . . . 0'40455
Sauerstoff ab für Chlor . 0:00363
Summe . . 040092
99
Eulauer Bach.
Am Abhange des Nollendorfer Berges, in 701 m Höhe, entspringt am Erz-
gebirge in krystallinischen Schiefern der Eulauer Bach. Die zwischen Tellnitz und
Kninitz liegende Steinwand trennt das Teplitzer von dem Eulauer Thale und bildet
die Wasserscheide zwischen dem, das Aussiger Tertiärbecken durchfliessenden und
bei Aussig mündenden Kleische- und dem Eulaubache, der das ausgedehnte, enge,
östlichst streichende Eulauer Längsthal durchrieselt und bei Bodenbach in die
Elbe fällt.
Bei Oberwald kommt noch der Gneiss als die Hauptformation des eigen-
tlichen Erzgebirges unter dem Quadersandstein zum Vorschein und hier ist geo-
gnostisch das östliche Ende dieses Urgebirgszuges, dessen Bildungen aber unter den
aufgelagerten Massen des mächtig entwickelten Quadersandsteingebirges fortsetzen.
Östlich von der Steinwand liegt Pläner, dessen Ablagerung am Gehänge Aussiger
Mittelgebirges über Klein-Kahn, Königswald gegen das Elbethal abfallend, fortsetzt.
Auf seinem ostwärts gerichteten Laufe nimmt der Eulenbach alle am süd-
lichen Gehänge des Schneeberges des höchsten Punktes des nördlichen böhmischen
Sandsteingebirges die meist durch enge Thalgründe und Felsschluchten rinnenden
kleinen Gewässer, sowie mehrere am Hut, Lothar und Pfaffenberge im Basalt ent-
springende Quellen auf. Der Boden des ganzen Gebietes, in den sich die Eulau
mit starkem Gefälle bewegt und tief eingewaschen hat, gehört vornehmlich dem
sogenannten Isersandstein der mittleren Quadersandsteinstufe an, nur in dem tiefen
Thaleinschnitte kommt auch unterer Quader zum Vorschein. Die Bachbreite stellt
nur eine ebene Rinne im Thalgrunde vor, dessen Gehänge von steilen, fast ver-
tikal emporstrebenden reichbewaldeten, sandigen Felswänden gebildet werden. Das
romantische Eulauthal birgt jetzt viele Fabriken, die das Gefälle des über Königswald,
Riegersdorf, Eulau und Bünaburg fliessenden Baches ausnützen. Der Eulauer Grund
erweitert sich kesselförmig erst bei seinem Eintritte in das Elbethal bei Bodenbach.
Die Zusammensetzung des Eulaubaches war folgende:
In 1000 cem Wasser sind enthalten:
Chlornatrium . . . . . 0'01081 МАО а 70:020909
Natriumsulfat . . . . 008481 KO 8 и OT
Kaliumsulfat . . . . .001106 Qa 0r a i V ve ur eec OU HEEL
Caleiumsulfat . . ‚ 000583 MEO op wu ERR
Caleiumearbonat . . . 007446 le,O 3
Magnesiumearbonat . . 001716 ALO | E NOS
Eisenoxyd Ce ELLE WC
Thonerde vro с NEQU Us NA UE. MAU OILS
Salpetersäure . . . . 000148 Qi ER Ale
Kieselsäure . . . . .0'00901 SIUS DN NEL ict OUO
Organische Stoffe . . . 001182 QU uu dq d 200100000
Summa -~ O11990 Organische Stoffe . . . 001182
Summa. +. kt
Sauerstoff ab für Chlor . 000148
Summa . 011155
Tr
100
In 100 Theilen des trockenen Rückstandes
Gesammthärte des Wassers betrug 5:58.
Die Wasserprobe wurde oberhalb Bodenbach-Ulgersdorf den
O
1893 genommen,
М№а,О .
K,O
Ja)
MgO
Ее,О, |
ALO,
80,
Na,O, .
CO,
510,
Cl
Organische Stoffe .
Summa .
Sauerstoff ab für Chlor .
c
Summa .
LG
sind:
10076
4,9908
"ul dis
3:36
. 94:88
4:76
. 0:28
JU SO
0:88
28:08
5:07
3:69
6:65
. O83
D
эЛ
October
LN SIL
Hydrochemie der Elbe . ... PAN E e
Chemische Zusammensetzung der Elbe und en ҮШҮК. Мн Ө КАНЫ NE
Beschaffenheit der Elbe oberhalb der Krausenmühle VA
» " 5 s , Hohenelbe
(елине НВОи ЕТЕ der Klemmen Iulius an. А e Re e COR
Chemische Zusammensetzung der Elbe bei Jaroměř. . . . . .. i SC
Bei РАШИД ЖОНУ Gelnkowitz, Melnik, Ett ee oL RE On
ЗӨТ АБВ und deuschen,. Л. vos йб uS ee ER CU PM NA НМ e T C у
Betrachtungeu der chemischen Veränderung der Elbe von ihrem Urprunge bis zu ihrem
Austritt aus Bóhmen . . . А ОАО
Hydrochemie der Elbzuflüsse ans SEN Ries KN EE EE
Chemische Zusammensetzung des Silberbaches . . nr aue Kc E Be NA RE D
ў я Forstbaches
4 ` OO EE ЕАО R A av.
$ ж Uer denen AUDA sse TUN
j „ der grossen Aupa s.i { NORTE RE TH em
a á der. venemgton MODA a o gioi HE AEN
Die Zuflüsse aus dem Adersbacher Sandsteingebirge :
Chemische Zusammensetzung der Erlitze . à
dos Aders hachos meo org Y Cs vta NC
" 7 der Mettau
Die Zuflüsse aus dem Adlergebirge:
Die chemische Beschaffenheit der wilden Adler bei Senftenberg
» D
5 б d eeh Ce
n я » der wilden Adler bei Elbekosteletz
М " A der AIDE. s s AEQ TAN ы np pe I a ае
" r Р der stillen Adler bei Wildenschwert
» я y » & bei Borohradek
» á M des Dédinabaches . . . . e
n d Zusammensetzung der vereinigten Adier bd K ónigézkté
» N » der OBPIQUBEA Del ЕКО nenn.
» ү 5 * bei Pardubitz
» " S der Cidlina und der Mrdlina
Hydrochemie der Iser.
Chemische Beschaffenheit der grossen Iser
der Millnitz
» ?
Chemische Beschaffenheit der Mummel. .
m » der kleinen Iser
Chemische Charakteristik dieser Wässer
Chemische Zusammensetzung der Iser bei Gestëft
bei Eisenbrod, Turnau, Jungbunzlau und Tauzim
Die Zuflüsse der Iser aus der rothen Bundvieloiormation
Chemische Zusammensetzung der Woleska ober Altpaka
5 » der Popelka bei Oustí .
s si der Tample bei Béla
Die Zuflüsse aus dem Friedländer Hochgebirge
Chemische Beschaffenheit des Kamnitzbaches
» » des Zernownikbaches
, d des Zbitzerbaches
Die Zuflüsse aus dem Kreidesandsteingebirge
Zusammensetzung des Dolanekbaches
v der Mohelka
" „ Zabertka .
^ „ Libunka
» el EE AE
e BUS eeh We e E ee
Die Zuflüsse der Elbe aus dem nordöstlichen Flügel des Erzgebirges
Chemische Zusammensetzung des Uhrenbaches
» M ,. Weissbaches bei te
5 „ Muühlbaches bei Bilin
* ir „ Priesenbaches Ў s
Die chemische Zusammensetzung des Žischkabaches bei Bilin
des Abflusses aus dem Duxer Teich
des Saubaches . . . .
der Bila bei Udwitz ...
der Bila bei Brüx u. Bilin
S der Bila bei Türmitz A
Chemische Beschaffenheit des Wassers des Eulaubaches Kc ECH
ZWEITER BAND.
Zweiter Theil.
II. Botanische Abtheilung. Dieselbe enthält:
Prodromus der Flora von Böhmen von Prof. Dr. Ladislav Celakovsky (II. Theil
CVergrlffen.) "Ве uk u. b а i И fl. 2:60
IV. Zoologische Abtheilung. Dieselbe enthàlt:
a) Prof. Dr. Ant. Frič: Die Wirbelthiere Bóhmens.
ОЈ S " р Die Flussfischerei in Böhmen.
лор e » » Die Krustenthiere Böhmens. Рев. од ge
V. Chemische Abtheilung.
l'rof. Dr. Em. Boticky: Über die Verbreitung des Kali und der Phosphorsäure
in den Gesteinen Bóhmens. Preis . .. ... Vinc PR UA 60 kr.
I'reis dor ganzen zweiten Hälfte des zweiten Bandes (IIL, IV. u. V. Abth. zusammen) geb. tl. 5*—
DRITTER E AUN D.
I. Topographische Abtheilung. '
Verzeichniss der in den J. 1877—1879 vom К. К. mil.-geogr. Institut trigonometrisch
bestimmten Höhen von Böhmen herausgegeben von Prof Dr. Karl Koristka und
Major R. Daublebsky von Sterneck о оион. su t eos ae NU
IL Geologische Abtheilung.
I. Heft. Petrographische Studien an den Phonolithgesteinen Bóhmens von
f
то ШО ТЕТО БОГОК ya bre ote у TI us a El
Il. Heft. Petrographische Studien an den Melaphyrgesteinen Böhmens von
Proh Dr Rn Ree Oe Eer fl. 1:—
ПІ. Heft. Die Geologie des böhmischen Erzgebirges (I Theil von Prof. Dr.
GUSTAV Ше КОРО ЫЕ, e GR E anc E kk,
UL Botanische Abtheilung. £
Prodromus der Flora von Böhmen von Prof. Dr. Ladislav Celakovsky. (III. Theil
SChluBa.) Prois. s» К ИА fl. 27-40
IV. Zoologische Abtheilung.
L Heft. Die Myriopoden Bóhmens von Е. V. Rosicky. Preis. `. . .. . . 60 kr.
li. Hett. Die Cladoveren Böhmens von Bohuslav Hellich. Preis. . . . . .fl. 1:60
V. Chemisch-petrologische Abtheilung
Elemente einer neuen chemisch-mikroskopischen Mineral- und Gesteinsanalyse
von Prot ШОН ОТО ОУ PNIS e o T NS Is fl. 1:40
VIERTEDR BAND.
No. 1. Studien im Gebiete der bóhmischen Kreideformation. Die Weissen
berger und Malnitzer Schichten von Dr. Anton Frič. Preis. . . й. 3'—
No. 2. Erläuterungen zur geologischen Karte der Umgebungen von Prag von
К J. Krejčí und R. Helmhacker EE AM DO
No. 3. Prodromus der Flora von Bóhmen von Prof. Dr. Ladislav Celakovsky
(IV. Theil) Nachträge bis 1880. Verzeichniss und Register . . . bros um УЙШ aU
No. 4, Petrologische Studien an den Porphyrgesteinen Bóhmens von Prof. Dr.
Hm BOTIR Y und Jos Klvana eren dedit E di; NC
No. 5, Flora des Flussgebietes der Cidlina und Mrdlina von Prof. Ed. Pospichal.
il. 1—
onitzer Steinkohlenbecken von Carl
Nod a MM. Re fl. 2 —
No. 6. Der Hangendflötzzugim Schlan-Rak
Feistmantel. CU OTRA TER ee
FÜNFTER BAND.
No. 1, Erläuterungen zur geologischen Karte des Eisengebirges (Železné hory)
und der angrenzenden Gegenden im östlichen Böhmen von J. Krejčí und
R. Helmhacker RAP AA de uper BA зш dei „A. 2—
No. 9. Studien im Gebiete der böhmischen Kreideformation. IIL Die dag
H 3»—
schichten. Von Dr. Anton Егіб, .
Die mittelbóhm. Steinkohlenablagerung von Carl Feistmantel . . 4. 1:20
o. 8. ч "
Хо, A Die Lebermoose (Musci Hepatici) Bóhmens von Prof. Jos. Dědeček. fl. 1'—
5. Orographisch - geotektonische Übersicht des silurischen Gebietes im
mittleren Böhmen. Von Johann Krejčí und Karl Feistmantel. . . .fl. 2—
No. 6, Prodromus der Algenflora von Böhmen. I. Th. Von Dr. A. Hensgirg. fl. 140
SECHSTER BAND.
No. 1. Über á!e Torfmoore Bóhmens in naturwissenschaftlicher und national‘
ökonomischer Beziehung mit Berücksichtigung der Moore der Nachbar-
länder. Von Dr. Fr. Sitensky. I. Abth. Naturwissenschaftlicher Theil. . . . fl. 2:80
No. 2. Die Süsswasserbryozoen Böhmens. Von Josef Kafka. x s E
No. 3. Grundzüge einer Hyétographie des Königreiches Böhmen. Von Dr. Е. J.
Studnicka nr, E EE EE eg Hit
No. 4. Geologie des böhmischen Erzgebirges. II. Theil. Von Dr. Gustav C. "ee
fl.. 25
No. 5. Untersuchungen über die Fauna der Gewässer Bóhmens. I. Metamorphose
der Trichopteren. L Serie. Von Fr. Klapálek Vic WEEN PL ДОШ)
No. 6. Prodromus der Algenflora von Böhmen. I. Th. Forts. Von Prof. Dr. Anton
Hansgirg А ed WEE EN ve а
SIEBENTENR BAND.
No. 1. Die Flechten der Umgebung von Deutschbrod von Jos. Novák. . .f. 1.—
No. 2. Studien im Gebiete der böhmischen Kreideformation. IV. Die Teplitzer.
Schichten Von Prof. Dr. Ant. Fri u ы, : PAROI dun Ra
No. 3. Über die chemische Zusammensetzung verschiedener Ackererden und
Gesteine Bóhmen's und über ihren agronomischen Werth. Von Dr. Jos.
IHanamann ON EE A esos A
No. 4. Die tertiären Land- und Süsswasser-Conchylien des nordw. Böhmen von
Oro dU UTD. KUTRA etu. vw u qe ag RO И
No. 5. Die Myxomyceten Böhmens von Dr. Lad. Celakovsky (Sohn). . . .f. 120
No. 6. Geologische Karte von Böhmen. Section VI. Entworfen von Prof. Joh Krejčí.
Mit Erläuterung von Prof Dr A, Pri&j/Prei$.,. ...24.6. bis ved v WE de o 1,
ACHTER BAND.
No. 1. Übersicht der Thätigkeit der nature, Landesdurchforschung v. J. 1864
bis 1890 von Prof. Dr. К. Kořistka dive cum. PU D DIPL Niro A с о
No. 2, Untersuchungen der Fauna d. bóhm. Gewüsser. IL Fauna d. bóhm. Teiche
MODO. IS DIR a puso es pel e c EN oS UK orc UAR E LUI A le TE
No. 3. Monographie der Ostracoden Bóhmens. Von Wenzel Vávra . `. .f 260
No. 4. Prodromus der Algenflora von Böhmen. Zweiter Theil. von Prof. Dr. Anton
Dach, D Ah am de Eo VISTA eu Y LUN eni Po ee ОНИ
No. 5. Recente und fossileNagethiere Böhmens. Verfasst von Josef Kafka. fl. 2.20
No. 6. Untersuchungen über die Fauna der Gewässer Bóhmens. І. Metamorphose
der Trichopteren. IL. Serie. Von Prof. Fr. Kiapálek . sss s e f 1%]
NEUNTER BAND
No. 1. Studien im Gebiete der böhmischen Kreideformation. V. Priesener
Schichten. Von. Brot Drm Ant, Prion o on REN PETR ОГУ Я. 3:—
No. 2. Untersuchungen über die Fauna der Gewässer Bóhmens. IV. Die Thierwelt
des Unterpoéernitzer und Gatterschlager Teiches als Resultat der Ar-
beiten an der übertragbaren zoologischen Station. Verfasst von Prof. Dr.
а ВОС ШОО VOV ETE eV VEU Sk nee Уй а а DNA CN UE Н
No. 3. Das Moldauthal zwischen Prag und Kralup. Eine petrograph. Studie von Josef
BR: e eva EE е Ы V Mb eer ДН
No. 4. Diechemische Beschaffenheit der fliessenden Gewässer Bóhmens. I. Theil.
Hydrochemie des Egerflusses. Von Dr. Jos Hanamann . ... . .fl 1:50
No. 6. Geologische Karte von Böhmen. Section Ш. Entworfen von Prof. Dr. Ant. Frič
ПЕ Prob Qusthy C Laube. e o e S LEE ONU OT EPOR TE
ZEHNTER BAND.
No. 1. Geologische Karte von Böhmen. Section II. Entworfen von Prof, Dr. Ant. Frič
hu Dr, Gustav О Dovu 6. 2o EC ."eflo 280
No. 2. Das ostböhmische Miocän von V. J. Prochäzka V ^ 4 Ka fl. NISUS.
No. 3. Untersuchungen über die Fauna der Gewässer Bóhmens. III Untersuchung
` zweier Böhmerwaldseen, des Schwarzen und des Teufelssees. Durchgeführt auf der über-
tragbaren zoologischen Station. Von Prof Dr. Ant. Frič und Dr. V. Vávra H. 9:50
Nr. 4. Studien im Gebiete der bóhmichen Kreideformation. VI. Die Chlom memi
\ P'ohiohten "vox Dr Ant, E TIG P E NN ROT
Nr.5. Die chemische Beschaffenheit der fliessenden tewässer Böhmen.
II. Theil. Hydrochemie der Elbe. Von Dr. Jos. Hanamann . Gre, ТО
Druck von Dr. Ed. Grégr in Prag 1898 — Selbstverlag.
FOSSILE UND RECENTE
RAUBTHIERE BÖHMENS
(CARNIVORA).
VERFASST VON
JOSEF KAFKA,
ADJUNKT DER GEOLOGISCH-PALAEONTOLOGISCHEN ABTHEILUNG DES MUSEUMS
DES KÖNIGR. BÖHMEN.
MIT 55 TEXTFIGUREN.
ARCHIV. DER NATURWISSENSCHAFTLICHEN. LANDESDURCHFORSCHUNG
VON BÓHMEN. (BAND X., No. 6).
DR
PRAG.
In Kommissionsverlag bei Fr. hivná&. — Druck von Dr. Ed. Grégr à syn.
1903.
DAS ARCHIVY
für die
naturwissenschaftliehe Landesdurehforsehung von Böhmen
enthält bishor folgende Arbeiten :
ERSTER BAND:
I. Die Arbeiten der topographischen Abtheilung und zwar:
Das Terrain und die Höhenverhältnisse des Mittelgebirges und des
Sandsteingebirges im nördlichen Böhmen mit einer Höhenschichtenkarte
Section П. von Prof. Dr. Karl Kořistka. Preis К &— der Karte app...» К 820
IL. Die Arbeiten der geologischen Abtheilung. Dieselbe enthält:
a) Vorbemerkungen oder allgemeine geologische Verhältnisse des nörd-
lichen Böhmen von Prof. Johann Krejčí.
b) Studien im Gebiete der bóhm. Kreideformation von Prof J. Krejčí.
c) Paläontologische Untersuchungen der einzelnen Schichten der böhm.
Kreideformation u.s. w. von Dr. Anton Frič.
d) DieSteinkohlenbeeken von Radnic, vom Hüttenmeister Karl Foistm antel.
Eres vus La E ENEE
ПІ. Die Arbeiten der botanischen Althcilung. Dieselbe enthält:
Prodromus der Flora von Böhmen von Dr. Ladislav Celakovsky. (I. Theil.)
KG ТТ e Bh E ee REO a ы. Ж
IV. Zoologische Abtheilung. Dieselbe enthält:
a) Verzeichniss der Käfer Böhmens vom Conservator Em. Lokaj.
b) Monographie der Land- und Süsswassermollusken Böhmens vom Assi-
stenten Alfred Slavík.
Verzeichniss der Spinnen des nórdlichen Bóhmen vom Real-Lehrer
Emynuej Borta Pris... VeL ve VAS Ip Hn ea ER
V. Chemische Abtheilung. Dieselbe enthält:
Analytische Untersuchungen von Prof. Dr. Hoffmann. Preis.. ... 50h
Preis des ganzen Ie Dandet (АЮ uobis y en a Ce a R
ZA4AWEITER BAND.
Erster Theil.
L Die Arbeiten der topographischen Abtheilung und zwar:
Das Terrain und die Höhenverhältnisse des Iser- und des Riesen-
gebirges und seiner südlichen und óstlichen Vorlagen mit einer Hóhen-
schichtenkarte Section III. und des Riesengebirges von Prof. Dr. Karl
Kořistka.
Preis dieser Abtheilung EE ТК ШМ E A Жа ETE
II. Die Arbeiten der geologischen Abtheilung. I. Theil enthält:
a) Prof. Dr. Ant. Frič: Fauna der Steinkohlenformation Böhmens.
b) Karl Feistmantel: DieSteinkohlenbecken bei Klein-Pfrílep, Lísek, Stílec,
Holoubkow, Mireschau und Lotkow.
c) Jos. Väla und R. Helmhacker: Das Eisensteinvorkommen in der Gegend
von Prag und Beraun.
d) R. Helmhacker: Geognostische Beschreibung eines Theiles der Gegend
zwischen Boneschau und dor Salz YN PIS ,.,...‚,‚ ТОЯ
II. Theil enthält:
Dr. Em. Boficky: Petrographische Studien an den Basaltgesteinen Bóhmens
Preis СОД MUR Ret Wc Ve RE c aou E e P qua uh Lo we odd e TTE PE TM
Preis der ganzen ersten Hälfte des zweiten Bandes (I. und II. Abtheilung zusammen) geb. K 20:—
Zweiter Theil.
IIL Botanische Abtheilung. Dieselbe enthält: А ;
Prodromus der Flora von Bóhmen von Prof. Dr. Ladislav Celakovsky (П. Theil)
(Vergriffen.) Preis MUN K 520
с
IV. Zoologische Abtheilung. Dieselbe enthält:
а) Prof. Dr. Ant. Frié: Die Wirbelthiere Bóhmens.
ke Ó b ў Die Flussfischerei in Bóhmen.
Die Krdsvouthiore Böhmens Preise. 4. or
c) » H ” H
V. Chemische Abtheilung.
Prof. Dr. Em. Воѓіску: Über die Verbreitung des Kali und der Phosphorsäure
И Wen UOS EE OU HLO S DEOS a RD
Preis der ganzen zweiten Hälfte des zweiten Bandes (IIL, IV. u. V. Abth. zusammen) geb. К 10'—
FOSSILE UND RECENTE
JIERE BÖHMENS
(CARNIVORA).
RAUDT
VERFASST VON
JOSEF КАНКА,
ADJUNKT DER GEOLOGISCH-PALAEONTOLOGISCHEN ABTHEILUNG DES MUSEUMS DES KÖNIGR, BÖHMEN
MIT 55 TEXTFIGUREN.
ARCHIV DER NATURWISSENSCHAFTL. LANDESDURCHFORSCHUNG VON BÖHMEN.
(Band X., No. 6.)
5"
PRAG.
COMMISSIONSVERLAG VON FR. RIVNÁC. BUCHDRUCKEREI DR. ED. GRÉGR A SYN JN PRAG
1908
|
|
|
Vorwort.
Seit Herausgabe meines ersten Beitrages zu einem genaueren Studium der
(recenten u. fossilen) Säugethierfauna Böhmens sind bis zur Herausgabe dieser
Arbeit in böhmischer Sprache (1901) acht Jahre verflossen. Den grössten Theil
dieser Zeit nahmen meine Arbeiten in den Sammlungen des böhmischen Museums
im Laufe ihrer Uebersiedelung und der neuen Anordnung in Anspruch.
Das diluviale Material, welches die Stütze für das Studium der meisten
fossilen Reste bildet, war für mich infolge dessen beinahe bis zum J. 1898 fast
vollstàndig unzugünglieh, so dass ich mich eine lüngere Zeit nur auf die Vorberei-
tungsstudien für die zweite Partie der Säugethiere, nämlich der Raubthiere
beschränken musste.
Dadurch findet der etwas lange Intervall zwischen der Herausgabe beider
Arbeiten seine Aufklärung.
Inzwischen konnte ich einige neue Lokalitäten durchforschen und eine
Reihe von neuen ausführlicheren Daten für die schon bekannten Fundstellen
ansammeln, sowie auch im Auslande vergleichende osteologische Studien verfolgen,
für welche hier in Prag an tauglichem Material mangelt; so namentlich habe ich
meine Studien im Berliner naturhistorischen Museum, theils auch in der dortigen
landwirthschaftlichen Hochschule an hunde-, katzen-, theils auch marderartigen
Raubthieren durchgeführt.
Wie eben in der vorigen Arbeit „Nagethiere Bóhmens* biete ich auch da
nicht nur das neue, was meine eigene Arbeit hervorgebracht hatte, sondern im
Einklange mit der Tendenz der Landesdurchforschungs - Archiv - Arbeiten eine
Uebersicht der auf diesem Erforschungs-Gebiete der heimischen Fauna zusammen-
gebrachten Kenntnisse mit Rücksicht auf die hieher einschlägige Literatur.
Josef Kafka.
Neue Beiträge zur Kenntniss der böhmischen Diluvial-
Ablagerungen.
Es gibt nicht viele neue Lokalitäten, welche seit Herausgabe meiner ersten
Arbeit in unserem Diluvium entdeckt oder genau untersucht wurden. Die Funde,
welche im Berounka- Thal im Laufe einiger Jahre gemacht wurden, luden zu einer
genaueren Untersuchung des Terrains zwichen Karlstein und Beraun ein, welche
jedoch ein negatives Resultat brachte, soweit sie mit den verfügbaren Mitteln
durchgeführt werden konnte.
Eine vollständig neue und interessante Höhlenlokalität ist nur die Kalvarien-
schlucht bei Reporej.
Gänzliche Abtragung der Felsen, in welchen einst die Höhle Turská Maštal
existierte, trug zu einer vollständigen Erschöpfung dieser Lokalitàt bei, bei
welcher Gelegenheit mehrere neue Funde gemacht wurden.
Im freiliegenden Löss der Umgebung von Prag sind nur wenige neue Funde
zu verzeichnen und von diesen die meisten, mit Ausnahme von Lagomys, sind
mit Fragezeichen zu bezeichnen.
Von anderen Lokalitäten Böhmens wurden genauer die Lössablagerungen bei
Türmitz untersucht und Belege für ihre Analogie mit den Lössablagerungen in der
Umgebung von Prag gesammelt. Einige andere Autoren (Dr. J. N. Woldfich und
J. Киба) widmeten ihre Aufmerksamkeit den Sandablagerungen und aerodynamischen
Erscheinungen.
Die Resultate dieser theils eigenen, theils von anderen Autoren durchge-
führten Forschungen führe ich in den folgenden Kapitelu an.
Kostelik und andere Hóhlen u. Felsklüfte am Beraunfluss.
Die Kalkfelsen, welche im Devon Mährens und im Jura zu einer so manig-
faltigen Höhlenbildung mit berühmten diluvialen Ablagerungen Anlass gaben,
bieten bei uns in dieser Hinsicht einen weit ungünstigeren und beschränkteren
Boden dar.
Die meisten und interessantesten Funde aus diesem Gebiete habe ich
grüsstentheils schon in meiner ersten Arbeit gewürdigt.")
Hier folgt nur ein Bericht über weitere Nachforschungen, wenn auch diese
grüsstentheils ein negatives Resultat gebracht haben. Es dürfte so jedenfalls das
*) Recente u. fossile Nagethiere Böhmens. Archiv für naturw. Landesdurchforschung
Bd. VII. Nro. 5.
D
festgestellt werden, was Schon einmal und in wie weit es untersucht wurde und wo
man nun vielleicht noch etwas in der Zukunft erwarten kónnte.
Bald nach Herausgabe meiner erwähnten Arbeit über die Nagethiere, wo
die St. Prokopihöhle beschrieben ist, wurden durch das Kalkabräumen weitere
Verzweigungen dieser Höhle entdeckt; in diesen fand ich leider keine Ablagerungen,
keine Travertinbildugen mit organischen Resten mehr vor, sondern nur Kalkstein-
irümmer, welche hie und da mit Kalksinter brekeienartig gebunden wurden, auch
eingeschleppte Pflanzenästchen, welche mit Kalksinter überzogen sind. Einige
winzige, jedoch interessante Stalagmit-Bildungen brachte aus diesen Höhlen Herr
Ing. V. Fiala.
In demselben Thale höher bei Reporej wurde jedoch eine neue Schlucht
im Kalvarienberge entdeckt, welche eine Menge von manigfaltigen Knochenresten
darbot und welche weiters unten selbstständig behandelt werden soll.
Ich untersuchte weiters die recht zahlreichen Löcher und Höhlungen, welche
sich in den Kalksteinen an beiden Ufern des Beraunflusses zwischen Karlstein
und Beraun vorfinden und von deren Inhalt bisjetzt nichts bekannt wurde.
Diese Untersuchung wurde mit folgendem Resultat durchgeführt:
1. Die Höhle Kostelik am rechten Ufer des Beraunflusses unweit von
Karlstein hat ihre Oeffnung ganz in der Nähe der Bahnstrecke, und diese Oeffnung
führt in eine ziemlich geräumige Aushöhlung, welche schon im 18. Jahrh. oft
besucht wurde, wie es die Inschriften an der Höhlenwand beweisen.
Ich liess hier versuchsweise einen 3 m mächtigen Schacht abteufen ohne
überhaupt was anderes zu finden als einen feinen, gelben Sand. Denselben Sand
führt auch die kaminartige Schlucht, welche sich von der hinteren Partie der
Höble emporzieht und wahrscheinlich irgendwo am Hochplateau der silurischen
Felsen ihre ursprüngliche Oeffnung hatte, durch welche diese Sandablagerungen
eingeschwemmt wurden. Der Charakter dieses Sandes deutet sehr wahrscheinlich auf
seinen Ursprung aus den verschwundenen Kreideschichten bin, welche einst die
Oberfläche des silurischen Plateaus bedeckten und deren Reste noch in diesem
Gebiete wahrzunehmen sind. Es wurden hier gar keine organischen Reste, nicht
einmal alluvialen Ursprungs vorgefunden und die Lage und sowie der Charakter
der Höhle lassen wohl sehr wahrscheinlich vermuthen, dass sie weder dem Menschen
noch den Raubthieren als Zufluchts — oder längeren Aufenthaltsort diente, weil
sie gewiss auch vom Hochwasser des Flusses berührt wurde. Bestimmt liesse es
sich nur durch Abgrabung des Bodens vor der Höhle und Abtäufung ihrer Ablage-
rung in eine grössere Tiefe feststellen.
2. Die Höhle am Кабак. Einige Minuten aufwärts am Nebenbache Кабак
erblickt man in der höchsten Lage der Felsen am linken Ufer eine Oeffnung, welche
in eine geräumige Aushöhlung hinführt, auf deren Boden man eine recht ausgiebige
Anhäufung von einer schwarzen und aschenartigen Ablagerung vorfindet. So weit
ich hier in die Tiefe eindringen Konnte, änderte sich der Charakter der Ablage-
rung in keiner Weise und da die Tiefe der Höhle in den zugänglichen Räumen
keinesfalls gross ist, scheint es sehr wahrscheinlich zu sein, dass hier keine
andere, als diese alluviale Ablagerung zu finden ist. Hier dürfte auch eine voll-
ständige Abrüumung der Ablagerung nieht so kostspielig sein wie in der Höhle
Kostelik.
Die hier befindliche alluviale Ablagerung ist hauptsächlich aus Fleder-
máuse- und Eulenkoth mit zahlreichen Insektenresten, hie und da auch kleinen
Säugethierknochen zusammengesetzt. Die Höhle stellt wie andere Felsenlöcher
dieser Umgebung nur eine Aushöhlung ohne kaminartigen Verbindung mit der
Oberfläche des Plateaus und mit einem flachen, steinernen Boden vor.
3. Die kleineren Löcher, welche man recht häufig in verschiedenen Höhen
insbesonders am linken Ufer des Beraunflusses erblickt und welche meistens
unzugänglich sind, wurden von mir erüsstentheils untersucht, indem ich mich
mittelst einer Leine vom oben herablassen liess.
In einigen fand ich nur den harten Kalkfelsenboden ohne jeweiler Ablage-
rung vor, andere kann man als verlassene Zufluchtsstätte der kleinen alluvi-
alen Raubthiere oder einiger Raubvögel bezeichnen. Es wurden hier Überreste
von folgenden Arten aufgefunden:
Vulpes alopex L. Arvicola arvalis Pall.
Putorius putorius L. Sorex vulgaris L.
Felis domestica L. Lacerta agilis L.
Vesperugo sp. Corvus corax L.
Arvicola amphibius L. Turdus sp.
Der Charakter der vorgefundenen Knochen ist gewóhlich ganz bestimmt
alluvial, dennoch kommen sehr schón braungefürbte und glänzende Knochenreste
vor, welche sehr den ältesten Resten z. В. aus Sudslavic oder aus mährischen
Höhlen ähnlich siud, das insbesonders in den ganz trockenen und vor jeder
Feuchtigkeit geschützten Löchern, wo die Reste in einer sehr feinen Lehmschicht
in schmalen Klüften eingelagert sind.
Das Resultat dieser Nachforschungen deutet auch darauf hin, das auch die
grösseren Höhlungen eine nahmhaftere Ausbeute, was die diluviale Fauna anbelang
nicht versprechen, und dass also die Aufgrabungen in denselben nicht anempfohlen
werden können, solange nicht Mittel auf Forschungen vorhanden sind, welche ein
volständig negatives Resultat darbringen können.
Kalvarien-Schlucht bei Repora.
Die Kalksteine der Konépruser Etage (/f,), in welchen in den letzten Jahren
zahlreiche Steinbrüche aufgemacht wurden, sind recht häufig von Spalten und
Klüften durchgedrungen, welche oftmals erst bei dem Steinbrechen entdeckt werden.
Ihre Mündungen, Ausgänge und Kaminüffnungen sind entweder von einer alluvialen
Ablagerung zugedeckt, oder durch Kalkiufiltration vollständig versperrt.
Einen ähnlichen Charakter besitzt auch die Kalvarienschlucht bei Repora,
welche in einem Felsen der Gemeinde Holin im Steinbruche Nr. 3 ursprünglich
geóffnet wurde; in der damals zugänglich gewordenen Ablagerung dieser Schlucht
"CO
sollte ein Menschenschüdel gefunden worden sein, dennoch nicht einmal dieser,
noch weniger andere Details sind gerettet oder nur zur Kenntnis gebracht worden,
Erst im Jahre 1893 beim Abschuss eines grósseren Theiles des Felsen wurde
in dem benachbarten Steinbruche Nr. 4 ihre Fortsetzung, nämlich eine grosse,
horizontal gelegene, mit Ablagerung vollständig gefüllte Schlucht entdeckt. Als in
Fig. 1. Kalvarienschlucht bei Repora. Durchgang inmitten der vorderen und hinteren Ab-
theilung der Schlucht, durch Kalksteinblöcke und Trümmer gesperrt; links empor zieht sich der
mit Kalkinfiltration gesperrte Kamingang.
der Ablagerung viele Knochen aufgefunden wurden, brachte es der Kalkwerks- und
Kalksteinbrüche-Verwalter Herr J. Nesmérák der Verwaltung unseres Museum zur
Kenntnis und so fand ich die Gelegenheit die Fundstelle nüher zu untersuchen.
Der Stand, in welchem ich die Schlucht am 18. Juni 1893 gefunden habe,
ist durch die Fig. 1 photographisch dargestellt, welche uns sogleich auch ein
interessantes Hóhlenprofil vorführt, das wir in Bóhmen noch nicht erkannt haben.
9
In einer Höhe von 25 m über dem Geleise der Duxer Eisenbahn lag hier
horizontal der Schluchtboden in einer zugänglichen ‘Länge von 8:5 m. Links verlief
das Sehluchtende, stark verschmälert in südöstlicher Richtung noch etwas weiter
in die Felsenmasse. Die aufgemachte Schluchtpartie wurde mit einer sanft gegen
die Schluchtausmündung (d. h. gegen den Westen) emporsteigende (zur Zeit meiner
Untersuchung schon grósstentheils abgebrochene) Kalksteindecke geschlossen.
аша ec,
EE e e
ANS
ta
Voraus. Gy
| / / / A
* f
/
Fig. 2. Profil der. Kalvarienschlucht bei Repora. A Vordere Abtheilung, welche im Stein-
bruche Nro 3 geöffnet wurde. 3 Hintere Abtheilung im Steinbruche Nro 4. v Kalkstein. X Durch
Infiltration gesperrte Kamingang. o Ackererde. h Die unterste rothlehmige Diluvialschicht mit
Raubthier- und grossen Säugethier-Knochenresten. $ Unregelmässig abgelagerte Geschiebe und
Kalksteintrümmerschicht. ¿ Dunkle, breceienartige Schicht mit zahlreichen kleineren Säuge-
thier-Knochenresten. » Obere Schicht mit Fledermausguano.
Diese Decke befand sich in einer durchschnittlichen Höhe von 2 m. Gegen
Westen wurde die Schlucht durch einen mächtigen Kalksteinblock verengt und auf
dieser Stelle theilte sich eine, durch Kalkinfiltration gefüllte Abzweigung in süd-
westlicher Richtung ab. Auf derselben Stelle befand sich die Ausmündung des
kaminartigen Ganges, welcher sich bis zur Höhe von 6 m emporzog; derselbe war
unten 1 m, höher nur 70 und auf der höchsten zugänglichen Stelle nur 60 cm
breit; in seiner unteren Abtheilung wurden nur spärliche Kalksteintrümmer vor-
gefunden, die mittlere Partie war vollständig leer und die obere Oeffnung mit
Kalkinfiltration gesperrt und mit der Ackererde zugedeckt. Die untere Oeffnung
führte in die vordere, gegen Westen sich hinziehende Schluchtabtheilung, welche
etwas geräumiger war als die hintere und ihre 3 m hohe Ausmündung in dem
Steinbruche Nr. 3 hatte.
Im Ganzen war hier also den 18. Juni 1893 eine horizontal gelegene Schlucht
von 16 m Länge vorhanden, welche mit dem Felsenplateau durch einen 6 m hohen
Kamingang verbunden wurde (Fig. 2).
10
Diese Schlucht wurde in der hinteren Abtheilung fast vollständig bis zur
Decke mit Ablagerung ausgefüllt, dagegen in der vorderen Abtheilung wurde nur
der Boden mit einer Ablagerung bedeckt.
Es war hier nur eine gering mächtige Lehmschicht mit einer Kalksteintrümern-
lage. Im Lehm sollte hier, wie schon oben erwähnt wurde, ein Menschenschädel vor-
gefunden worden sein, sonst aber waren die Knochenreste hier schon recht spärlich.
Die Ablagerung in der hinteren Schluchtabtheilung wurde in einer Höhe
von 60—70 em ober dem Boden aus einem feuchten, róthlichen, stark kalkhaltigen
Lehm gebildet, in welchem sich die Hauptfundstelle der diluvialen Knochenreste
vorfand; es waren dies Hyaenen-, Bären-, Hirsch- und Auerochsknochen, welche
sehr feucht und vom Kalk durchgedrungen wurden, so dass sie sich an der Luft
gelóscht haben und mussten durch Leimimpregnation gerettet werden.
Auf dieser Lehmschicht ruhte eine steinige Schicht, welche meist aus Kalk-
steintrümern bestand, in einer ungleichmässigen Mächtigkeit abgelagert und fossil-
frei war.
Es folgte dann eine, durchschnittlich 1 m mächtige Schicht von einem
dunkelbraunen feuchten Lehm mit einer grossen Menge kleinerer Knochenresten,
welche stellenweise breceienartig verbunden wurden. Der grösste Antheil an diesen
Knochenresten gehört dem Dachse und "dem Fuchse, theils auch der Wildkatze
und dann der von diesen Thieren eingeschleppten Beute, nämlich dem Hasen,
Ziesel, Hamster, Wühlmäusen, verschiedenen Vögeln u. dgl, auch einigen Thieren
schon, welche auf die Nachbarschaft des Menschen hinweisen, nämlich dem Huhn,
Ziegenjungen u. ähnl.
Diese Schicht war ziemlich bröckelig und locker und wuchs wahrscheinlich
sehr schnell auf, so dass recht bald die Schlucht für die grösseren Thiere zu eng
wurde; als zu derselben Zeit auch die Kaminöffnung durch Kalkinfiltration und der
Haupteingang durch die Kalksteintrümmer verengt wurde, konnten in diese Schlucht
nur noch die Fledermäuse eindringen, deren hier eine grosse Menge hausen musste,
denn die oberste Schicht: wird in einer Mächtiekeit von 20—30 cm aus nichts
anderem als aus dem Fledermäuseguano mit grosser Menge von Insektenresten
gebildet. —
In ihrer dreischichtigen Ablagerung stellt uns die Kalvarienschlucht drei
Perioden dar:
I. Eine diluviale Periode mit charakteristischen grossen Raubthieren (Hyaene
und Bär) und der von ihnen eingeschleppten Beute.
IL Eine allwiiale Periode mit kleineren Raubthieren sammt ihrer Beute.
III. Kine recente Periode mit dem Fledermausguano.
Die erste Periode (Schicht A) weist folgendes, was die Artenzahl anbelangt
ziemlich kleines, jedoch an Knochenmenge recht ergiebiges palaeontologisches
Inventar auf:
Hyaena crocuta Erxl. Cervus elaphus L.
Ursus arctos L. Bos sp.
Capra sp. (abgenagte Re-to).
Ti
Die zweite Periode (Schicht f) ist an Artenzahl sowie an Knochenmenge
die reichste:
Vulpes alopex L. Lepus cuniculus L.
Felis catus L. Cervus eapreolus L.
Meles taxus Bodd. Cervus elaphus L.
Canis familiaris palustris Rütm. Ovis sp.
Lepus timidus L. Sus scrofa L.
Talpa europaea L. Arvicola amphibius L.
Oricetus frumentarius Pall. Arvicola arvalis Pall.
permophilus citillus L.
Die dritte Periode (Schicht n) führt noch eine Reihe der Resten der zweiten
Periode nämlich der kleinen Nagethiere und Insektenfresser weiter fort, zu diesen
kommen jedoch zahlreiche Insekten- und Fledermausreste; die letzteren sind jedoch
ziemlich selten, dagegen häufig:
Cricetus frumentarius Pall. Spermophillus eitillus L.
Arvicola amphibius L. Käferflügel.
Im ganzen besitzt auch die diluviale Periode dieser Ablagerungen einen
jüngeren Charakter, denn einerseits fehlen hier vollständig Spuren der charakte-
rischen Tundren- und Steppenfauna, andererseits der schroffe Uebergang in die rein
alluviale Periode weist darauf hin, dass nicht nur der Bär, von welchem es wohl
bekannt ist, aber auch die Hyaene die ganze diluviale Periode bei uns überstanden
hat und vielleicht noch zur Zeit des ülteren vorhistorischen Menschen hier lebte.
Die zweite Periode fällt jedenfalls schon in das Zeitalter des menschlichen
Geschlechtes, wie darauf schon die eingeschleppten Reste der Hausthiere hindeuten,
unter welchen auch der Schäferhund auftritt. Auch wurde hier ein Dachsknochen mit
einer Fraetur aufgefunden, welche nur nach Verwundung mit einem Jagdgewehre
entstehen konnte. Wahrscheinlich zieht sich das Ablagern dieser zweiten Schicht
weit in die alluviale Zeit und wird durch Anhäufung der Reste der dritten Periode
ganz allmählich beendet.
Turská Mastal bei Beraun.
Das Resultat meiner ursprünglichen Erforschung dieser Fundstelle ist schon
in meiner Arbeit „Recente und fossile Nagethiere Böhmens“ ausführlieh angeführt.
Bei der nachträglich vollständigen Abräumung der Felsen wurde noch ein weiteres
Material erworben, welches nur theils in unsere Museumssammlungen gelang theils
in einer neuen Publication des Prof. J. N. Woldfich*) erörtert wurde.
Aus Formen, welche auf dieser Lokalität vorher nicht bekannt waren, sind
in diesem Berichte angeführt worden:
*) Dr. J. N. Woldřich, Fossilní zvifena Turské Maštale u Berouna v Cechách a rozsedliny
Louvernéské ve Francii. Schriften der bóhm. Akademie II. Cl, II. Jahrg. 1593.
12
Leopardus pardoides (Ulna) Wold.
Elephas primigenius Blumb.
Bos sp.
Cervus canadensis var. maral, Ogil.
Equus caballus fossilis Rütm.
Equus caballus fossilis, minor Woldr.
Sus sp.
Im Materiale, welches unseren Sammlungen einverleibt wurde, sind mit Aus-
nahme des Leop. pardoides und Cer. canadensis alle übrigen vertreten; die Reste
vom Bos und Sus wurden zahlreicher aufgefunden und als Bos brachyceros Rütm.
und Sus europaeus erkannt, nebstdem wurde auch Rangifer tarandus konstatirt.
Leopardus pardoides Woldř. kann wohl nicht unberührt bleiben, was in dem
speciellen Theil dieser Arbeit näher besprochen und begründet ist. Ulna, welche
unter diesem Namen angeführt wird, ist jedenfalls eher ein Felis lynx als Leopar-
dus. Bei dem vollständigen Abbau der Höhle wurden in den hinteren Felsklüften
noch jüngere, postdiluviale und alluviale Ablagerungen entdeckt, aus welchen folgende
Arten herstammen:
Jervus elaphus L.
Cervus capreolus L.
Capra sp.
Meles taxus Bodd.
Felis catus L.
Esox lucius L.
|
|
|
|
|
Sus scropha 1.
Von Dr. Woldfich wurden Reste des kanadischen Hirschen und des Mamuts
abgebildet, welche Kratz- und Schnittspuren tragen, die vielleicht von einer Spitze
oder von einem Feuersteinmesser herrühren kónnten, woraus man auf die Gegen-
wart des Menschen schliesst. Die Abwesenheit des Rennthieres schien jedoch
Dr. Woldrich als hinreichender Grund zu einem Urtheil zu sein, dass der Mensch die
Höhle Turská Maštal nicht bewohnt hat. Wie solche Schlüsse aus der Luft gegriffen
sind, beweist der Umstand, dass das Rennthier dennoch in der Turská Mastal ge-
funden wurde, obwohl nach meiner Meinung ein derartiger Einzelnfund auch für
eine entgegengesetzte Schlussfolgerung nicht hinreichend ist.
Das Endresultat der Durchforschung der Höhle Turská Maátal weist nach
Dr. Woldfich's und meinen Bestimmungen folgendes palaeontologisches Inventar auf:
Felis lynx L. (syn. Leopardus pardoides Sus scropha L.
Woldr.). Elephas primigenius Blmb.
Felis catus L. Bos brachyceros Rütm.
Hyaena crocuta Erxl. Ibex sp.
Lupus vulgaris foss. Woldf. L. Capra sp.
spelaeus Goldf. hangifer tarandus L.
Cervus elaphus L.
Cervus canadensis var. maral. Ogil.
Cervus capreolus L.
Rhinoceros tichorhinus G. Fischer Equus caballus fossilis Rütm.
(Atelodus. Merckii?) Equus caballus fossilis minor Woldr.
Sus europeus L, Esox lucius L.
Ursus spelaeus Rosm.
Vulpes alopex foss. Woldr.
Meles taxus Bodd.
13
Dr. Woldřich führt einen Vergleich dieser Fauna mit der Fauna der Lou-
vernénschen Hóhle in Frankreich durch, welchen Vergleich man auf Grund der jetzt
vervollständigten Uebersicht jedenfalls genauer durchführen капи’)
Yemeiuschaftlich beiden Lokalitäten sind folgende Formen: Meles taxus,
Vulpes alopex foss., Hyaena crocuta, Elephas primigenius, Rhinoceros tichorhinus,
Sus scropha, Equus caballus, Bos, Cervus elaphus, Cervus elaphus canadensis,
Rangifer tarandus, Canis lupus, Ursus ferox und Ursus spelaeus, Felis pardus oder
Felis lynx, und fehlt eigentlich in der Turská Maštal auch Felis leo spelaea nicht,
denn der Löwe wurde in der nächsten Nachbarschaft aufgefunden. Nebstdem finden
wir hier noch mehr um Ibex sp. Capra 8р, und aus der jüngsten Zeit noch Felis
catus und Cervus capreolus.
Es ist beachtungswerth dabei, dass ап beiden Lokalitäten folgende ältere
und jüngere Formen beisammen aufgefunden wurden:
Felis spelaea neben Felis leo | imderiDbtv.iHoble.
Bos primigenius neben Bos taurus |
Cervus eanad. neben Cervus elaphus L.
Sus europeus neben Sus scropha.
Eine derartige Gesellschaft gibt Gaudry **) Anlass zur Folgerung, dass
sich die heutige Race in derselben europäischen Gegend entwickeln konnte, dass
also die diluviale (Mamuth-)Epoche mit der Jetztzeit eng zusammenhängt. Dieselbe
Ansicht vertheidigt auch Dr. Woldřich, so dass es mich sehr wundert, warum er
meinen Ausführungen entgegensteht, welche diese Ansicht nur unterstützen, wenn
ich behaupte, wie ich’s auf Seite 35 u. 36 meiner Arbeit „Nagethiere“ gethan habe, dass
die ältere Diluvialfauna, welche unsere Fluren schon in der praeglacialen Periode
belebt hatte, nur allmählich den jüngeren Formen wich, und dass die Jetztzeit nur
eine eng zusammenhängende Fortsetzung der diluvialen Periode bildet, so dass wir
noch heutzutage hier die relicten Formen der Tundren- und Steppenfauna begegnen,
obzwar inzwischen die Gegend einen Charakter des bebauten oder waldigen
Bodens bekam.
Die Höhle in Kobyla.
Bei meiner Schilderung des „Červený Lom“ (Nagethiere, Seite 19) habe ich
die Erwühnung über eine Hóhle gemacht, welche ich in diesem Kalkbruche damals
besucht habe und deren Verbindung mit einer anderen Hóhle ich damals vermuthete,
obwohl ich dieselbe umsonst zu sicherstellen suchte.
Der Kalksteinbruch „Öerveny Lom“ war an der Südseite des bewaldeten
Hügels Kobyla bei Suchomast gelegen und eine kleine Oeffnung, welche auf meiner
Abbildung mit J bezeichnet ist, führte in eine geschlossene und geräumige Aus-
hóhlung, die sich gegen den Norden zog. Durch fortgesetztes Steinbrechen in diesem
*) Dr. Woldřich, Foss. zvitena Turské Maštale, Seite 12.
** Alb. Gaudry, Matériaux pour lhistoire des temps qu
1876—1892. :
aternaires. Paris Fase. L—1V.
14
Hügel wurden die theils gedeckten Höhlenpartien geöffnet und bei der Gelegenheit
iz] © ©
einige neue Knochenfunde gemacht, deren ein Theil durch die Güte des Н. Kalk-
werksverwalters V. Suchomel aus Beraun in die Museumssammlungen gelangt ist.
Diese Reste besitzen einen vollständig anderen Charakter als die Reste
aus dem Červený Lom und ihr Äusseres weist entschieden auf eine jüngere
Periode hin.
Es sind das übrigens Reste zweierlei Art; die einen stammen jedenfalls aus
den oberflächlichen alluvialen Ablagerungen und sind es hauptsächlich Reste von
Pferd und Hirschen, die anderen sind jedenfalls etwas älter und gehören der
Hyaene und einem Hunde an. Das ganze palaeontologische Inventar dieser Fund-
stelle, soweit es uns vorliegt, beschränkt sich also vorläufig nur auf diese
Hyaena crocuta Erxl.
Canis ferus Bourg.
Equus caballus G.
Cervus elaphus L.
diluviale Formen:
und alluviale Formen :
Die Lössablagerungen bei Türmitz.
Mit Beihilfe des Н. Seehars, Lehrer in Türmitz wurden die dortigen Löss-
ablagerungen wiederholt ausgebeutet. Die hiesigen Funde, welche theils nach
Berlin dem H. Prof. Nehring, theils in das Landesmuseum in Prag vertheilt wurden,
stammen nicht aus denselben Fundstellen und aus gleichen geologischen Verhältnissen.
Ich habe deswegen die türmitzer Lokalitäten mehrmals besucht um in Gesellschaft
H. Seehars die näheren Verhältnisse der Einzelnfunde sicherzustellen.
Obwohl die dortige Lössablagerung schon ihrem Bildungsmaterial wegen,
welches aus den tertiaeren Schichten und Basalttrümern herstammt, auf den
ersten Blick ein von den Lössablagerungen der Umgebung von Prag verschieden-
artiges Aussehen besitzt, lässt sich dennoch auch hier eine ähnliche Ablagerungs-
art verfolgen.
Die diluvialen Ablagerungen ruhen hier auf einer tertiaeren Unterlage,
welche besonders aus Sandsteinen besteht, so dass die unterste Lage der diluvialen
Schichten aus sandigen Ablagerungen gebildet wird. Es sind dies lockere, stellen-
weise auch lehmhaltige Sande, welche hie und da in verschiedenfarbigen Schichten
wechseln, bald mit einer dünnen Schicht des diluvialen Lehms und der Acker-
krumme bedeckt sind, bald jedoch dagegen eine Unterlage von mächtigen dilu-
vialen Ablagerungen bilden.
Auf diesen letzteren Stellen sind die Sandschichten mit einer mehr oder
minder mächtigen Basaltgeschiebe- und Basalttrümer-Schicht bedeckt, deren Elemente
meistens sehr wenig vom Wasser abgerollt sind.
Die Sandablagerungen, welche auch häufig grössere Sandsteinblöcke ent-
halten, könnten leicht noch für eine tertiaere Schicht gehalten werden, wenn für
ihre secundäre Lage die palaeontologischen Funde nicht ohne Bedeutung wären.
15
Vom Н. Seehars wurden eben in dieser Sandschicht mehrere] Reste aufge-
funden, welche sich in unserem Besitz befinden und aus welchen insbesonders
folgende eine Erwähnung verdienen:
Felis Leo spelaeus Filh.
Hyaena crocuta Erxl.
Elephas primigenius Blmb.
Rhinoceros tichorhinus Cuv.
Equus caballus foss. Rütm.
Das stimmt auffallend mit den Funden in der Umgebung von Prag sowie
auf anderen Lokalitàten überein, denn die Geschiebe-, Geróülle- und Sandschichten,
welche die unterste Lage unseren frei abgelagerten Diluvialschichten bilden, sind
wohl als Horizont der grossen Süugethiere und Raubthiere, der ältesten diluvialen
und praeglacialen Fauna bekannt.
Fig. 3. Schematisches Übersichtsprofil dureh die diluvialen Ablagerungen in der Um-
gebung von Türmitz. : Tertiaerer Sandstein. @ Die unteren, mehr oder minder sandigen und
geschichteten Ablagerungen. /' Die erste Vegetationschicht (Tabakschicht der Prager Umgebung).
Ls Loesablagerung; hohe, kompakte Lebmschicht, oben mit (B) Basalttrümern und Basalt-
gerölle gemischt. 4^ Zweite Vegetationschicht. Pd Unregelmüssige Lehmanhäufungen. A—B Ältere
B Aschgruben. A Ablagerung mit Asche. K Jüngere schwarze Kultur-
vorhistorische Schichten.
(Umenscherben). o Ackerkrumme. (Theilweise nach
schichten mit archaeologischen Gegenständen
Aufzeichnungen vom H. Seehars).
Die auf den Sandschichten aufruhenden Ablagerungen sind vorerst aus einem
sandigen Lehm gebildet, der theils in geschichteten, verschiedenfarbigen Lagen
auftritt und oberst mit einer deutlich braunen Schicht abschliesst. Ich erblicke in
dieser Schiehtenstufe eine Analogie der Schiehtung bei Podbaba (Nagethiere Seite 10.
Profil 3, 4 u. 5), welehe ich als Ablagerungen der Tundren-Periode bezeichnet
habe und welche mit der ersten Vegetationsschicht (braunen Tabakschicht) abge-
schlossen sind. Diese Ausicht findet ihre Bestätigung durch Auffindung des
Rennthiers, Elens und Lemmings; also der Formen:
16
Fig. 4. Detail-Profil dureh die Lóss-
ablagerung bei Türmitz. € Tertiaer Sand-
stein. р Sandige, gewöhnlich weissliche
Schichten mit Knochenresten von Löwen
und grossen Säugethieren; praeglacialer
Horizont. » Sandiglehnige, verschieden far-
bige Schichten mit Resten vom Rennthier,
Lemming und Ellen mit einer Vegetation-
schicht k' abgeschlossen. M Untere san-
dige Lage des diluvialen Lehms mit Mol-
lusken. Z Oberer gelber Ziegellehm mit
Erdlóchern der Murmelthiere (s) und oberst
mit einer Lage der Basaltgeschiebe. Die
Schichten M und Z bilden den Steppen-
horizont, welcher mit der zweiten Vege-
tationschicht (%*) abgeschlossen ist. Pd Un-
regelmässig abgelagerter, gelber Lehm der
jüngsten Steppenperiode. A Ältere vorhisto-
rische Schichten. K Jüngere vorhistorische
Schichten. o Ackerkrumme.
Rangifer tarandus L.
Alces palmatus.
Myodes torquatus.*)
Auf die erste Vegetationsschicht, welche
wahrscheinlich eine Verkohlung der Vege-
tationsdecke (vielleicht auch eine Folge eines
Grasbrandes) darstellt, folgt die Hauptablage-
rung des ungeschichteten, kompakten Lehms.
In der untersten, lockeren, weil noch mehr san-
digen Lagen desselben finden sich Schnecken-
häuschen. Eine Art derselben (Helix strigella
Drap) wurde sogar schon unter der Vege-
tationsschicht angetroffen. In den kompakteren
Lagen, welehe hóher folgen, erblickt man die
Murmelthier- und Ziesel-Erdlöcher, welche in
eine bedeutende Tiefe eindringen, wo in den-
selben von H. Seehars sehr viele Knochen-
reste aufgefunden wurden, insbesonders von
folgenden Arten:
Spermophilus rufescens Keys & Blas
Arctomys bobac fossilis Nehr.
Alactaga saliens foss. Nehr.
Putorius putorius L.
Vulpes alopex foss. Woldr.
Rangifer tarandus L.
Bos sp.
Ovis sp.
Ibex sp.
So haben wir vor unseren Augen hier
denselben Steppenhorizont, welehen ich in
den Lóssschichten der Umgebung Prags kon-
statiert habe und dessen Charakter vollständig
analogisch ist d. h. in den untersten Lagen
sandiger Lehm mit Mollusken, höher kom-
pakter Lehm mit Erdlöchern der Murmelthiere.
Diese Lehmablagerung schliesst oben mit
einigen geschichteten Lagen ab, in welchen
die Gerölle und Trümer (besonders die von
Basalt) wieder auftauchen, welche Erscheinung
ebenfalls in der Umgebung Prags wahrnehmbar
ist, nur dass die Dasalttrümer hier durch
Gerölle und Geschiebe aus Rotheisenerz,
Kieselstein u. dg. vertreten sind. — Auch in
х) Myodes torquatus wird vom Dr. Prof. Nehring angeführt und stammt sehr wahr-
scheinlich aus dieser Schicht.
17
Türmitz kommt in diesem. Horizonte eine zweite Vegetationsschicht als eine Analogie
der Oberen Tabakschicht der Umgebung von Prag (Nro.9 des Profiles von Podbaba) vor-
Weiter gegen die Oberfläche vermehren sich die Gesteinstrümer, welche
besonders aus Basaltbruchstücken und tertiaeren Schichtenabkömmligen zusammen-
gesetzt sind und allmühlich vom schwarzen und rostigen Boden durchgedrungen und
mit Ackerkrumme bedeckt werden.
Auf einigen Stellen folgt jedoch noch weitere Ablagerung; in diesem
Falle erblickt man im Hangenden der oberen Vegetationsschicht unregelmässige,
hügelige Anhäufungen vom gelben Lehm (gelber Dachziegellehm, Nro. 12 des Profiles
von Podbaba bei Prag), in deren Vertiefungen aschhaltige Schichten der vorhistori-
schen Periode abgelagert sind.
Das palaeontologische Inventar der Türmitzer Fundstellen ist jetzt infolge
dieser neueren Forschungen recht reichlicher als zur Zeit der Herausgabe meiner
„Nagethiere“. Ich säume also nicht dasselbe vom neuen hier anzuführen und zwar
auf Grund des Materials unserer Museumssammlungen, welches theils von mir,
theils von Fr. Blažka (die Mollusken) bestimmt wurde uud vervollständige dasselbe
auch durch die Berichte und Bestimmungen des Prof. Nehring und Dr. Woldfich,')
sowie durch die neuesten Mollusken-Bestimmungen des MUDr. J. Babor.
Felis leo L. Equus caballus foss. Rütm.
Ursus spelaeus’). Equus cabalus var. germ. Nehr.
Hyaena crocuta Erxl. Н A foss. minor. Wold.
Vulpes alopex foss. Woldi.
Vulpes alopex L. (ganze Skelette)
Putorius putorius L.
Arctomys- bobae foss. Nhrg.
Spermophilus rufescens K. s. Bl. (ganze
Skelette).
Alactaga saliens foss. Nehr.
Myodes torquatus *).
Cervus (elaphus?) L.
Rangifer tarandus L.
Alces palmatus foss. Nord.
Bos sp. (Nehrg )
Bos. primigenius Boz.
Bos. brachyceros foss. Woldr.
Ovis sp.
Ibex sp.
Elephas primigenius Blmb.
Rhinoceros tichorhinus Cuv. (anstatt Atel.
antiquitatis und Atel. Merckii (?) des
Verzeichnisses, Nagethiere s. 29),
Sus sp.
Helix (Vallonia) pulchella Müll.
Helix (Fruticicola) hispida Müll.
Helix (Euomphalia) strigela Drap.
Helix (Eulota) fruticum Müll. var. tur-
fica Stav.
Helix (Xerophila) striata Müll.
Galeionella acicula Müll.
Pupa (Pupilla) muscorum Müll.
Succinea (Lucem) oblonga Drap var.
humilis Drouét.
Hyalinia (Vitrea) diaphana Stav.
!) Prof. dr. А. Nehring. Einige Notizen über die pleistocaene Fauna von Türmitz in Böhm.
Neues Jahrb. f, Miner. etc. 1894—1I. — Ueber fossile Skelette von Steppen-Nagern aus dem nórd-
lichen Böhm. ib. 1897—IL. Ueber Alactaga saliens fossilis Nehrg. ib. 1898—П. — Prof. dr. J. N.
Woldřich Steppeufauna von Aussig in Böhmen. Verhand, d. k. К. geol. Reichsanstalt Wien 1888. —
Dil. Fauna und der diluviale Mensch von Aussig = Türmitz. (Beitr. zur Urg. Böhmen). Mitth. d. anthr.
Ges. Wien XIX. Bd. 1889. MUDr. J. Babor. Mökkysi čes. plistocaenu a holocaenu.
2) Laube Gust, Ueber einen Fund diluvialer Thierreste im Elblöss bei Aussig. Sitz. d. b.
Ges. d. Wiss. 1874.
*) Nehring. Ueber foss. Skelette von Steppen-Nagern aus dem nórdl. Böhmen. Neues Jahrb. 1897.
9
2
|
|
|
|
|
TY
Ziegelei Bulovka bei Kosir.
Diese Lokalität wurde einer genaueren geologisch-palaeontologischen Erfor-
schung von Dr. J. N. Woldfich*) unterworfen. Einige Reste aus derselben
befinden sich auch in den Museumssammlungen. Dr. Woldfich führt von hier
folgende Fauna (die gesperrt gedruckten Namen bezeichnen die Formen, welche
für die Umgebung von Prag als neu angesehen werden) auf:
Foetorius putorius fossilis Woldf. Lepus variabilis Pallas.
Foetorius erminea Keys & Blas. Lagomys pusillus foss. Nehr.
Cricetus vulgaris fossillis Woldf. Alactaga jaculus foss. Nehr.
Arvicola amphibius L. Dos primigenius Bop. (?)
h gregalis foss Nehr. Ovis argaloides Nehr. (?)
Spermophilus rufescens Keys & Blas. Rangifer tarandus L.
Spermophilus guttatus Temm. (?). Atelodus antiquitatis Brandt.
n fulvus Hensel (?) Atelodus Merckii Brandt. (?)
Arctomys primigenius Kaup. Equus caballus fossis Rütm.
Equus caballus fossilis minor Woldf. Helix striata Müll.
Turdus spec. (?) Helix p ulehella Müll.
Pupa muscorum Müll. Cionella lubrica Müll.
In diesem Verzeichnisse kommen zwei Artennamen vor, welche dem jetzigen
Standpunkt nicht entsprechen. Mit einer Bezeichnung Arctomys primigenius. Kaup.
steht der Autor trotz aller seiner Mühe die von mir sichergestellte Existenz
des Bobaks in Böhmen zu bezweifeln, ganz einsam da.**) Die Bezeichnung Alactaga
jaculus foss. Nehr. wurde von Prof. Nehring selbst in Alactaga saliens foss. Nehr.**")
umgeàndert,
Aus den für die Steppenperiode bezeichnenden Arten führt hier der Autor
zwei, für die Umgebung Prags neue Formen an. Die eine ist ^ Lagomys pusillus
, 5 gomys p
Joss. Nehr., welche in den Lössschichten dieser Gegend bis jetzt nicht aufgefunden
wurde, die andere Spermophilus guttatus Temm. bezeichnet der Autor selbst mit
einem Fragezeichen. Im Materiale unserer Sammlungen befindet sich eine Menge
von Resten kleiner Ziesel, welche ich bei Bearbeitung der Nagethiere als Spermo-
philus guttatus zu bezeichnen geneigt war; eine genauere Vergleichung zwang
*) Fossilni fauna stepní z Ko&ffské Bulovky u Prahy a její geologicko-fysiograficky
význam. Rozpr. бев. Akad, Tf. IL. Roč. VI. & 1. 1897. Die Art und weise, in welcher Autor in
dieser seiner Publikation gegen mich auftritt, habe ich auf einem anderen Orte (Vesmír Jahrg.
XXVII. S. 20.) einer entsprechenden Beurtheilung unterworfen.
**) Siehe darüber die Publikationen des Prof. Nehring, insbesonders die wiederholte
Bestätigung meiner Ansicht in der Schrift: Ueber fossile Skelette von Steppen-Nagern aus dem
nördlichen Böhmen. (Neues Jahrb. f. Mineral. etc. 1892), wo es wörtlich steht: Die 3 wohler-
haltenen Schädel nebst den Unterkiefern tragen die durch Hensel festgestellten Charaktere des
Bobaks in ausgeprägtester Form, so dass an der Bestimmung nicht der geringste Zweifel
möglich. ist.
"**) Prof. Dr. A. Nehring: Ueber Alactaga saliens fossilis Nehr. Neues Jahrb. f. Minera-
logie etc. 1898.
19
mich jedoch bei der Ansicht zu verbleiben, dass es sich hier nur um kleine und
junge Formen des gemeinen Ziesels Spermophilus cifillus handelt.
Unsere Ansehauungen über den Charakter der Steppenfauna in der Um-
gebung von Prag, erleiden dadureh also keine Änderung.
Auch die geologischen Profile, welche den Lössablagerungen der Ziegelei
Bulovka entnommen wurden, stimmen mit dem idealen schematischen Profile, das
in meinen „Nagethieren“ auf Seite 10 dargestellt ist, vollständig überein und der
von mir konstatierte Horizont der Steppenfauna fällt mit dem Horizonte der Profile
von Bulovka zusammen.
Etwas mehr Bedeutung gehört dem Faktum an, dass hier einige neue,
obwohl im Ganzen sehr spärliche Belege für die Existenz der Tundren-Fauna in
der Umgebung Prags festgestellt wurden, deren Horizont ich ebenfalls schon in dem
Profile von Podbaba in der sogennanten ,Suleovka* mit Vielfras- Resten konstatiert
habe. In der Bulovka wurden unsichere Reste des Schneehasen (Lepus variabilis)
aufgefunden. Wie oben bei Türmitz angeführt wurde, ist dieser Horizont in den
freien Lössschichten bei uns auch schon durch Lemming (Myodes torquatus), Ellen
(Alees palmatus) und Rennthier (Cervus tarandus) charakterisiert. —
Die Raubthiere der Tertiaerformation, des Diluviums
und der recenten Periode Böhmens.
Das Bild, welches unsere Heimat in Betreff der zeitlichen Verbreitung und
Entwicklung der Raubthiere auf dem Boden des europaeischen Kontinents liefert,
ist wohl nur ein sehr geringes Fragment des Ganzen, welches auch sonst noch
grosse Lücken aufweist.
Die Funde in unserer Tertiaerformation sind äusserst spärlich und be-
schränken sich auf einige wenige Reste aus dem Süsswasserkalk von Tuchofic
Jedenfalls kann man diese Reste nicht für die einzigen Repraesentanten der tertiaeren
Raubthierfauna Böhmens halten, wenn wir auch geneigt wären, sich mit der kleinsten
Anzahl der Raubthiere zu begnügen; denn es ist schwer zu glauben, dass damals
bei uns ein einziges Raubthier nämlich Amphiocyon gelebt hat.
Die anderen Gruppen der tertiaeren Säugethierfauna weisen ziemlich manig-
faltige und zahlreiche Formen auf, unter welchen das Dinotherium, die Nashörner
(Aceratherium), Tapire, Vertreter der Schweinefamilie, riesige Hirsche und kleinere
Antiloppen (Amphitragulus) die typischsten waren. Diese Thiere wurden gewiss
von einer zahlreicheren Raubthiersuite verfolgt, deren Reste uns jedoch bisjetzt
unbekannt geblieben sind.
Übrigens ist es nicht unerklürbar. Dort, wo die Sedimente allmählich
und ruhig im Wasser abgelagert wurden, sind die Reste der Landthiere, seien sie
Säugethiere oder Vögel (bei diesen noch in grösserem Masse) immer selten; nur
in den Schlupfwinkeln oder in Ablagerungen, welche ihren Ursprung plötzlichen An
9%
E
20
schwemmungen oder Anhäufungen durch den Wind, das Wasser oder einer Eruption
verdanken, kommen die Reste der Landthiere häufiger vor.
Eine lapidare Bestätigung findet dies durch die diluvialen Funde, welche
viel häufiger in den Zufluchtstätten, Höhlen und Schluchten als in den freien
Lóssablagerungen sind, und welche eine durch Anzahl der Arten und Menge der
Individuen imposante Fauna geliefert haben. Die freien Lóssablagerungen liefern
etwas ähnliches nur dort, wo man Spuren einer schnellen Anhäufung wahrnimmt,
oder dort, wo in denselben Erdlócher als Zufluchtstütte der Landthiere gegraben
sind. —
Auch empirisch lässt sich da ein Beweis liefern. Ich habe einige Jahre
hindurch die allmähliche Verschwindung eines Hundesskeletes im Walde verfolgt.
Auf der Stelle, wo der Hund erschossen wurde, konnte man sein Skelet im ersten
Jahre noch beisamen finden; im nächsten Winter zerfiel jedoch das Skelet und ver-
schwand theilweise im Moos und Rasen; einige Knochen waren auf der Stelle nicht
mehr zu finden, da sie bereits auf weitere Entfernung, wahrscheinlich von Nagern
weggeschleppt wurden. Im dritten Jahre konnte man hie und da an der Oberfläche
nur einzelne Extremitäten- Knochen wahrnehmen, der Schädel befand sich schon
in einer Entfernung von einigen Metern und die kleinsten Knochen konnte man
auf einer Fläche von LO m? auffinden. Im 4. Jahre war von dem Schädel keine Spur
mehr, die Anzahl der grösseren Knochen wurde auch dezimirt und an der Ober-
fläche schien es, dass das ganze Skelet schon verschwunden ist; denn die letzten
Spuren desselben wurden schon in der Humusschicht vergraben und mit Gras und
Moos verdeckt. Ich suchte sie auf und fand, dass manche erodirt, theilweise zer-
malmt sind und dem vollständigen Zerfallen nahe stehen. Nun ist die Frage: was
bleibt denn künftigen Zeiten aus diesen Knochen übrig ehe sich diese oberflächliche
Erdschicht in das uralte Archiv umwandelt, in welchem wir heute solche Spuren
suchen? Gewiss nichts oder nur sehr wenig.
Und so erklärt sich die Zersplitterung solcher Reste in allen freien, all-
mählich gebildeten Ablagerungen und auch die Unvollständigkeit unserer Funde in
Betreff der Artenzahl, der Individuenmenge und der Skeletvollständigkeit. So ist
es wohl erklärlich, dass wir von einer Art manchmal nur einen Zahn, von einer
Anderen nur einen Schädeltheil, in anderen Fällen wieder nur die Extremitäten
gefunden haben.
Dank der Ablagerung in Schluchten und Höhlen sind so die Reste der Raub-
thiere im Diluvium viel zahlreicher vertreten als in unserem Tertiaer. Auf diesen
Fundstätten finden wir fast alle Typen: den Löwen, die Katze, den Luchs, den
Bären, die Hyaene, den Wolf und Fuchs, die Fischotter, den Dachs, auch die
Marder und ihre Verwandte.
Die Funde in den freien Lössablagerungen beschränken sich schon nur auf einige
Arten; von den grossen Raubthieren kommt hier vereinzelt der Löwe und der Wolf
vor, sehr selten begegnet man den Bären und die Hyaene, öfters wohl den Hund
selten in den oberen Schichten den Fuchs, die Marder und Iltis und diese meistens
nur in den Erdlöchern.
Was die Horizonte anbelangt, in welchen die einzelnen Arten vorkommen,
soll erwähnt werden, dass der Löwe als Relict der posttertiaeren Periode schon
21
in den unteren groben Geróllen, nicht selten stark erodirt aufgefunden wird.
Eine etwas spätere Periode der Tundrazeit charakterisieren neben dem Vielfrass die
Wölfe und Füchse und die Steppenperiode neben einigen Fuchsarten hauptsächlich
die Marder und Iltise.
Der Bär mit der Hyaene lassen sich von der ältesten Zeit bis in die jüngste,
sogar in die recente Periode verfolgen; später gesellen sich zu ihnen der Wolf und
die Katzen (Wildkatze und Luchs), welche ebenfalls bis in die recente Periode hier
verbleiben. Die Fauna der Steppenschluchten: der Marder, Iltis, Wiesel und Dachs,
an Ufern der Gewässer auch die Fischotter, geht in die recente Periode ohne
irgend welcher Änderung über.
Einige grosse Raubthiere, welche in die recente Periode übergehen, sind
erst in den letzten Jahrhunderten, manche sogar in den letzten Jahrzehnten ver-
schwunden, so die Hyaene wahrscheinlich schon in vorhistorischer Zeit, der Bär,
der Wolf, der Luchs und die Wildkatze dagegen erst in den 50. und 40. Jahren
des XIX. Jahrhunderts.
Nur eine endemische Raubthierart wurde vom Menschen gezähmt, d. h. der
Wolf — oder ein ihm nächstverwandter wilder Hund und der begleitet schon den
vorhistorischen Menschen in einigen, verschieden gestalteten Formen und ist jetzt
Dank seiner natürlichen Variabilität in unzähligen Varietäten und Formen weit
verbreitet. Die Hauskatze stammt nicht von der endemischen Wildkatze ab, sondern
ist eine importirte Form anderen Ursprungs.
Die Jetztzeit weist bei uns überhaupt nur ziemlich spärliche Relicte der
ehemaligen Raubthierfauna auf; aus den Caniden ist es nur der Fuchs und dann
einige Vertreter der Musteliden.
Raubthiere. Carnivora.
Wenn wir die systematische Eintheilung Trouessart’s*) behalten. so zerfallen
die Raubthiere in zwei Gruppen: Carnivora creodontia und Carnivor:
vera (seu Fissipedia). Die erste Gruppe weist nur die ausgestorbenen tertiaeren
Formen auf, von welehen keine aus Bóhmen bekannt ist. Unsere Fauna beschránkt
Sich also nur auf die zweite Gruppe.
n . D H SN
Echte Raubthiere. Carnivora vera (seu Fissipedia).
Die echten Raubthiere sind fleischfressende oder omnivore Süugethiere mit
einem vollständigen, sehr charakteristischen Gebiss, welches aus 6 Schneidezähnen
(ausnahmsweise 4), 4 Eckzühnen, welehe die übrigen Zühne weit überragen, und
einer Reihe Lücken- und Hóckerzühne verschiedenen Charakters besteht.
Die Lückenzähne (Praemolaren) fehlen oft theilweise, oder sind als scharfe,
einzaekige schneidende Zühne entwickelt. Der letzte Praemolare im Oberkiefer und
Dr. E. Trouessart Catalogus Mammalium. Berlin 1897.
29
der erste Backzahn im Unterkiefer sind gewóhnlich sehr stark als sogenannter Reiss-
oder Fleischzahn entwickelt. Hinter dem Reisszahn folgen erst die echten
höckerigen Molaren, welche einstweilen verkümmern. Der Reisszahn und die höckerigen
Molaren sind meistens die typischsten Merkmale für einzelne Gattungen, manchmal
auch für einzelne Arten.
In dem übrigen Knochengerüst sind charakteristisch: Das Fehlen oder eine
rudimentäre Entwicklung des Schlüsselbeins, der gestreckte Schädel mit meistens
stark entwickelten Leistenkämmen, die 4—b5zehigen Extremitäten und die meist
entwickelten Penisknochen. Die Zehen tragen Krallen, welche bei einigen Raub-
thieren rückziehbar sind. Das Scaphoideum und Lunare sind verwachsen, Astragalus
durch eine Trochlearinne gekennzeichnet. Sie sind Zehen- (z. B. die Hunde und
Katzenartigen) oder Sohlengünger (wie z. B. die Düren).
Der typischste Zahn im Gebiss der Raubthiere ist der Reiss- oder
Fleischzahn, welcher das Gebiss in zwei Partien theilt: a) vor ihm liegen die
scharf zugespitzten Praeomolaren, welche oft neben dem Hauptzacken noch zwei
Nebenzacken besitzen, und einen Charakter des Reiss- und des Schneidezahnes in
sich verbinden; 0) hinter dem Reisszahn liegen die echten Höckerzähne, deren
höckerige Krone einen breitflächigen, daher zermalmenden Charakter besitzt.
Der Reisszahn selbst ist durch seine Form und Grósse für einzelne Typen
charakteristich. In der Abbildung Fig. 5. sind die Reisszähne aus dem Ober- und
Unterkiefer der vier Raubthiertypen, nämlich die des Löwen, des Bären, der
Hyaene und des Wolfes veranschaulicht und es genügt folgendes dazu anzuführen :
A. Reisszahn des Unterkiefers:
a) beim Löwen und bei den katzenartigen Raubthieren ist der Reisszahn gross,
kurz, zweizackig ohne des inneren Zackens und ohne Talon *) (Fig. 5;
A 8. 4)
b) beim Bären ist dieser Reisszahn lünglich, vierseitig mit einem grossen Talon,
welches die hintere Hälfte bildet; die vordere Hälfte besitzt drei charakte-
ristische Höcker (ph), der Talon weist einen Aussenhócker und zwei Innen-
hócker; die ganze Zahnkrone ist stark verflacht und besitzt einen Höcker-
zahn-Charakter (Fig. 5. D 3. 4.)
c) der Reisszahn der Hyaene ähnelt einigermassen durch seine Zweizackigkeit
dem Reisszahne der Katzen, ist jedoch bedeutend länger und besonders
der Hinterzacken ist als eine schneidende Klinge entwickelt. Am Vorder-
rande befindet sich eine Wulst (v) und am Rande des hinteren Höckers ein
Höckerchen (A) Fig. 5. B. 3. 4.)
beim Wolfe und bei den hundeartigen Raubthieren im allgemeinen ist der
untere Fleischzahn verlängert und vorne mit zwei Aussenzacken und einem
schwachen, weit nach hinten gerückten Innenzacken versehen. Talon stark
entwickelt, aussen und innen durch einen Hócker begrenzt. Der Innenhócker
trägt ein Sekundürzückchen.
EH
—
*) Hypoconid, ein schneidender oder grubiger Anhüngsel.
23
jih zh oh t
Ge?
Л pu
[ `
о "E
|
Ra
A B e D
Fig. 5. Reisszähne der vier Raubthiertypen: A des Löwen, B der Hyaene, C des Wolfes,
D des Büren. 1. Die Reisszühne des Oberkiefers in der Seitenansicht, 2. dieselbe von Unten
gesehen, 3. die Reisszähne des Unterkiefers in der Seitenansicht, 4. dieselbe von Oben gesehen.
ph Vorderaussenzacken, z% Hinteraussenzacken, Ah Hauptzacken, wh Innenzacken, v Wulst,
h Höckerchen, ż Talon.
В. Reisszahn im Oberkiefer:
a) Beim Zöwen und den katzenartigen Raubthieren ist der obere Reisszahn
allgemein sehr lang, aussen dreizackig: mit einem höchsten Hauptzacken
in der Mitte (Ah), mit einem niedrigeren (ph) Vorderzacken und mit einem
niedrigeren (zh) hinteren Schneidezacken. Stark entwickelt ist hier der
Innenhöcker (Fig. 5. A 1. 2.)
b) Beim Bären ist der obere Reisszahn zweihöckerig; Vorderzacken (ph) ist
konisch und höher, der Hinterzacken (zh) etwas niedriger. Dem Hinter-
zacken gegenüber steht ein schwach entwickelter Innenhöcker (vA) (Fig. 5.
IH 25
с) Die Hyaene besitzt einen ungewöhnlich starken, oberen, dreizackigen Reiss-
zahn. Der inmitten stehende Hauptzacken (AA) ist der höchste, der
Vorderzacken (ph) ganz niedrig und der Hinterzacken (zh) als eine läng-
liche schneidende Klinge entwickelt. Am Vorderrande steht ein starker
Innenhöcker (vh) (Fig. 5. В 1. 2.)
24
d) Der Wolf und die hundeartigen Raubthiere besitzen einen recht kurzen,
obwohl etwas mehr quer verlängerten oberen Reisszahn als die Bären, der
aussen zweihöckerig und mit einem, etwas nach vorne gerückten Innenhöcker
versehen ist.
II IV
Fig. 6. Die Eekzühne der grössten Raubthiertypen mit Durchsehnitten. I. Der Löwe.
II. Der Bär. II. Die Hyaene. IV. Der Wolf. Sp der untere, 80 der obere Eckzahn von innen.
P die Vorder- oder Rückenseite des Eckzahns. sd Vorder-, si Hinterleisten (sd—si Flächen-
theile die von den Leisten begrenzt ist. V Eckzahngipfel. s Unregelmässige Leisten.
Die Eckeühne der Raubthiere werden fossil sehr oft vereinzelt aufgefunden.
Ihre Form und Habitus ist im Ganzen ziemlich charakteristisch, so dass man nur
im Falle einer vollständigen Abnutzung oder Beschädigung der Oberfläche bei der
Jestimimung in Verlegenheit gelangt.
Es folgt hier eine vergleichende Tabelle (Fig. 6.) der vier Eckzahn-Typen :
vom Löwen, Bären, von der Hyaene und dem Wolfe, zur welchen folgendes bei-
zufügen ist:
a) Der Eckzahn des Löwen ist schlank und mit wei minder oder mehr
scharfen Leisten an der Innenseite versehen; diese zwei Leisten stehen 80
nahe bei einander, dass sie nicht viel mehr als ein Viertel der Umfangs-
fläche des ganzen Zahnes begrünzen, welche zwischen ihnen stärker gewölbt
erscheint. Der untere Eckzahn ist etwas mehr bogenfórmig gekrümmt als
der obere, welcher gerader erscheint. (Fig. 6. [.)
25
b) Der Bär besitzt einen, zur Basis der Krone sich weit verstárkenden, daher
mehr robusten Eckzahn als der Lówe. Auch hier sieht man zwei Leisten,
jedoch weit voneinander entfernt; die eine bildet die innere Mittelkaute
in der Richtung der Längsachse (s?) und ist gekerbt, die andere ist sehr
stark entwickelt und befindet sich an der Innenseite stark gegen den Rücken
oder vorderen Kamm des Zahnes gerückt. Beide Leisten schliessen mehr als
ein Drittel der ganzen Umfangsfläche des Zahnes ein und diese von ihnen umge-
schlossene Fläche ist ebenso gleichmässig gewölbt wie die Aussenfläche.
Der Eckzahn in seinem Ganzen ist sanft gebogen. (Fig. 6. H.)
c) Die Hyaene hat einen kurzen und stumpfen Kekzahn mit groben Leisten,
welche unregelmüssig vertheilt sind und sich gewöhnlich nur auf einem
Theile der Oberfläche hinziehen. Der Eckzahngipfel selbst ist oft abgenützt.
(Fig: 6. ШИ)
d) Der Eckzahn des Wolfes ist recht schlank, an der Innenseite so stark ge-
bogen, so dass eine gebrochene Linie entsteht; derselbe besitzt nur eine
Leiste, welche ziemlich schwach gekenntzeichnet ist, sich in ihrem Verlaufe
gegen die Spitze dem vorderen Kamme des Zahnes nühert, in der unteren
Hälfte jedoch weiter von demselben abbiegt und zwar auf dem oberen Eck-
zahne in einer sanft gebogenen, auf dem unteren in einer scharf gebogenen,
fast gebrochenen Linie. (Fig. 6. IV.)
Die Katzen. Felidae.
Die in unserer recenten Fauna nur durch die Hauskatze, in der fossilen
jedoch durch eine ganze Reihe sogar der grössten Formen vertretenen katzen-
Fig. 7. Schema des Zahnsystems der katzenartigen Raubthiere. J Schneidezähne. C Eck-
zühne. P, Р, im Oberkiefer und P, P, im Unterkiefer sind die Praemolaren. Р, im Oberkiefer
und M, im Unterkiefer sind die Reisszühne. M, im Oberkiefer der Hóckerzahn.
26
artigen Raubthiere sind durch einen charakteristischen Bau des Skeletes, insbe-
sonders des Schädels sowie des Zahnsystems gekennzeichnet.
8. 1. 8—2. 1
3. 1. 2-—9. 1 (—2)
auf, denen auf jeder Seite ein Eckzahn zugestellt ist, der scharf, konisch, auf
beiden Enden fast gleich stark ausgebildet ist und nicht selten vorne und hinten
zugeschürft erscheint. Die Backenzahnreihe ist auffalend verkürzt; es fehlen hier
1—2 Lückenzähne, von den Praemolaren stehen 2—3, oft nur 2 in jedem Kiefer;
von diesen bildet die letzte obere einen sehr breiten Reisszahn. Die Höckerzähne
sind im Unterkiefer zwei (von diesen der erste als Reisszahn, der zweite ver-
kümmert oder fehlend), im Oberkiefer ein entwickelt. Der untere Reisszahn ist
dureh zwei divergirende Aussenhócker gekennzeichnet, der Innenhócker fehlt und
der Talon ist meistens recht schwach entwickelt.
Zahnformel: weist oben sowie unten 6 Schneidezähne
Aus dem übrigen Skelett ist besonders der Humerus durch sein foramen-
entepycondyloideum charakteristisch. Die vorderen Extremitäten sind gewöhnlich
fünfzehig, die hinteren vierzühig und der Penisknochen ist klein.
Die katzenartigen Raubthiere Böhmens gehören in eine einzige Unter-
familie:
Felinae.
Diese ist nur durch eine Gattung Felis mit drei Untergattungen: Uncia,
Felis und Lynchus vertreten. Es sind das folgende:
Felis (Uncia) leo L. spelaea Goldf.
Felis (Felis) Catus L. und die domesticirte Felis domestica.
Felis (Lynehus) lynx L. und pardina Temm.
Der Löwe. Felis (Uncia) leo L. spelaea Goldf.
(Leo spelaeus Filol. Felis spelaea Goldf.)
In manchen diluvialen Ablagerungen der Mittel- und Südeuropa und zwar
sowie in den freien Lóss- oder Gerölle-Schichten als auch in den Höhlenablage-
rungen, finden sich zerstreut Überreste eines grossen katzenartigen Raubthiers
vor, welches die Einen als Tiger, die Anderen jedoch als Lówen bestimmen.
So z. В. führt Blainville in seiner Ostéographie die Reste aus der Liner-
vieiler Höhle und ebenso auch Siebold einige Funde aus den diluv. Ablagerungen
bei Senckenberg als Tiger auf.
Obwohl es nicht vollständig ausgeschlossen ist, dass auch der Tiger das
Mittel- und vielleicht auch das West-Europa bewohnen dürfte, den grossen Dick-
háutern aus ihrer Urheimat Asien herfolgend, scheint dennoch seine ehemalige
geographische Verbreitung weit beschrünkter zu sein.
Dementgegen ist der Löwe noch aus der historischen Epoche in Süd-
europa bekannt und wurde jedenfalls früher noch weiter gegen Norden in Mittel-
21
europa verbreitet, so dass seine Bestimmung in den diluvialen Resten jedenfalls
mehr Wahrscheinlichkeit für sich hat, wenn auch manche Reste wegen Mangel
ihrer Erhaltungszustandes und wegen Mangel markanter Unterscheidungsmerkmale
beider Arten eine genaue Bestimmung von einem exakt. osteologischen Standpunkte
nicht immer zulassen.
Ce
Fig. 8. Der Löwe Unterkiefer von Podbaba.
Nebstdem sind jedoch mehrere Fälle vorhanden, wo die Bestimmung eines
Löwen gar keinen Zweifel hervorruft.*)
Die Überreste, welche in den Sammlungen des böhmischen Museums vor-
handen sind, sind folgende:
Ein Unterkiefer eines kleineren Exemplars, welcher in den unteren Geróllen,
welche das Liegende des Lehms in Podbaba bilden, gefunden wurde; die Eekzähne
sind abgeschlagen, die übrigen Zähne stark corodirt. Wahrscheinlich lag der Unter-
Obr. 9. Ein Löwenschädel von Neudorf bei Bakov.
ыт
*) Siehe darüber nüheres in Dr. J. J. Brands — J. N. Woldfich’s Schrift „Diluviale
europaeisch-nordasiatische Süngethierfauna. (Mém. de D Acad. d. S. Petersbourg VII. Serie
T. XXXV.) und in J. F. Brand’s „Untersuchungen über die Verbreitung des Tiegers.“ (Mém. de
P Acad. imp. des Sciences de St. Petersbourg 1859).
28
kiefer eine längere Zeit auf der Oberfläche der Gerölle, bevor er von den Lehm-
schichten bedeckt wurde.
Eine Unterkieferhälfte eines grösseren Exemplars aus derselben Lokalität,
eben auch durch die Corosion stark beschädigt.
Ein grósserer Theil eines stark beschädigten
Schüdels mit Unterkiefer (Wig. 8.) aus derselben Loka-
lität, wo er in den unteren Lehmschichten aufgefunden
wurde.
Ein riesiger vollständiger Schädel, ziemlich gut
erhalten, aus Neudorf bei Bakov (Fig. 9.)
Bruchstück eines Unterkiefers eines grossen Exem-
plars und einige Extremitütenknochen aus dem Sande,
der das Liegende des diluvialen Lehms bei Türmitz
bildet, wo in der letzten Zeit von dem Lehrer Н. F.
Seehars wieder neue Reste aufgefunden wurden.
Ein sehr schön erhaltenes Metacarpus eines Rie-
Senexemplars aus der Umgebung von Turská Mastal
in der Umgebung von Tetin (Fig. 10.)
Einige minder oder mehr beschädigte Wirbel aus
den unteren Lehmschichten bei Podbaba, einige Kiefer-
bruchstücke aus Báné und Vysočan, sowie ein Kekgahn
eines Riesenlöwen aus der St. Prokopihöhle,
Aus allen diesen Überresten dürften nur die
stark corodirten Unterkiefer von Podbaba den Tiger
andeuten, ihr Erhaltungszustand jedoch lässt keine ge-
nauere Bestimmung zu. Die übrigen Überreste gehören
jedoch dem Löwen, meistens sehr starken Thieren an.
Ausser den hier angeführten Lokalitäten (Pod-
baba, Вапё, Vysočany, St. Prokop, Türmitz, Neudorf bei
Bakov) ist der Löwe auch von Sudslavitz (Dr. Wold-
Lich) bekannt.
Fig. 10. Metacarpus vom
Löwen aus der Umgebung Der Luchs. Felis (Lynchus) lynx Т.
von Turská Maötal bei
^ is i Yin Е 4 e du
Tetín. °/, der natürl. Grösse. (Lynchus lynx Gray (bei Dr. Woldřich. Přehled fauny obratlovců,
Lysacus lynx Gray.)
Das zweitgrösste katzenartige Raubthier Böhmens ist der Luchs, der bei
uns bis in die jüngste Zeit sich aufgehalten hat. In der ersten Hälfte des vorigen
Jahrhunderts wurde der Luchs meistens in Mitteleuropa bis auf kleine Uber-
reste in den Karpathen, vollständig ausgerottet. Aus den Karpathen kommt er
zeitweise nach Mähren.
29
Pig. 11. Der Luchs. Felis (Lynchus) lynx L. Das letzte Exemplar, welches in Böhmen erbeutet
wurde. Photogr. nach dem ausgestopften Exemplare des Museums des Königr. Böhmen, das im
J. 1835. in der Umgebung von Tabor erschossen wurde.
In Böhmen wurde eine grössere Anzahl der Luchse noch im 18. Jahrh.
(109 Stück in der Umgebung von Winterberg *) erschossen. Im böhmischen Museum
Fig. 12. Unterkiefer u. Phalang des Luchses (Felix lynx L.) aus der Felskluft bei Beraun.
——
*) Dr. A. Frič Wirbelthierfauna Böhmens. (Archiv für Landesdurchforsch. II. Theil 4. Abth.)
30
befindet sich ein Exemplar, welche im J. 1835 in der Umgebung von Tábor
erlegt wurde.
Diesen mitteleuropäischen Luchs hält Milvart für eine Varietit des kana-
dischen Luxes (Felis (Lynx) canadensis Desm.) und P. Matschie unterscheidet
unseren Luchs als eine mittel- und südosteuropäische, zugleich auch als eine
mittelasiatische Form von zwei anderen Formen, von welchen die eine als ein
Nachkomme der eircumpolaren Art die abzweigende nordeuropäische und nordasia-
tische Form bildet, die andere dagegen der südeuropäische Lynx pardina Temm ist.
Im ganzen jedoch gehóren diese mittel- und nordeuropüischen Formen, wenn
sie sich auch habituell unterscheiden lassen, wohl einer einzigen Art an.
Trotzdem, dass dieses Thier bis noch im 19. Jahr. bei uns gelebt hat, sind
dessen fossile und subfossile Reste ziemlich selten.
Die Felskluft bei Srbsko nächst Beraun, welche von dem Obering. J. Neu-
mann entdeckt wurde, bietet die zahlreichsten Reste; nebst dem schón erhaltenen
Unterkiefer (Fig. 19.) auch zahlreiche Phalangen und Extremitütenknochen.
Felis (Lynehus) pardina Temm.
(Leopardus pardoides Woldr., Leopardus pardus Gray beim Woldřich). ")
Aus der Turská Mastal führt Dr. Woldřich unter der Bezeichnung Leopardus
pardoides Woldř. eine Katze an, welche er früher schon unter derselben Bezeichnung
aus der Höhle Vypustek in Mähren beschrieben hat.
Unter diesem Namen wurde jedoch schon im J. 1846 von Owen eine ter-
tiaere Form aus dem englischen Pliocaen **) beschrieben, welche keinesfalls mit
dieser diluvialen Form identisch ist, so dass die Bezeichnung Woldrich’s überhaupt
nicht haltbar ist, wenn auch die Zugehórigkeit zur Untergattung Leopardus nicht
fraglich wäre.
Der aus der Turská Ma$tal beschriebene Knochenrest reicht zur Deutung
und genauen Bestimmung der Art nicht aus, wie es Dr. Woldřich selbst zulässt.
Aus dem Umstande, dass aus der Vypustekhöhle in Mähren ein Unterkieferbruch-
stück von ihm als Leopardus bestimmt wurde, lässt sich doch nicht deduciren,
dass auch der Ulnarest aus der Turská Ma&tal derselben Art angehören muss. Dem-
entgegen die nüher aufgefundenen und zahlreichen Überreste des Luchses in der
Felskluft bei Srbsko laden zur Vergleichung mit dem Luchse ein. Und wirklich
zeigt diese Vergleichung deutlich, dass die Ulna aus der Turská Mastal nicht einem
Leoparde sondern einem Luchse angehórt; aus der Felskluft bei Srbsko ist in den
Museumsammlungen eine stürkere Ulna vom Luchs vorhanden, welche eher noch
mächtiger ausgebildet ist, als die fragliche ans der Turská Маа]. Und auch die
Vergleichung mit der Ulna eines Leoparden, sowie mit der Ulna der europäischen
und amerikanischen recenten Luchse (Felis lynx und F. lynx canadensis) zeigt, dass
es sich hier nur um eine Ulna von Luchs handelt.
*) Dr. J. Woldřich. Beiträge zur Fauna der mührischen Höhlen. Verhandl. d. k. k. Geol.
Reichsanstalt 1880. Fossilni zvífena Tursk6 Maštale. Schriften der Böhm. Akad. IL. Cl. Jahrg Il.
**) Owen. Ніве. Brit. Foss. Mam.
31
Ich möchte infolge dessen eher die Ansicht vertheidigen, dass es sich bei
den beiden Überresten (aus der Turská Maštal und aus der Vypustekhöhle) um
oben angeführte südeuropäische Form des Luchses Felis (Lynchus) pardina Temm
handelt, was jedenfalls eine richtigere Bezeichnung wäre, so lange man nicht zu
einer besseren Deutung der Überreste und Aufklärung der unhaltbaren Ве-
zeichnung Leopardus pardoides kommt.
Die Wildkatze Felis eatus L.
(Felis ferus Bourg. Felis minuta Schnerl., Felis magna Bourg.)
Die Wildkatze wurde in Bóhmen wahrscheinlich schon zur gleichen Zeit
mit dem Luchse ausgerottet. Die letzten sicheren Exemplare wurden im Südböhmen
um J. 1836 erschossen. Es scheint jedoch, dass die Wildkatze auch vor dieser
Zeit nicht so häufig war, wie der Luchs, denn im ganzen Jahrhunderte vom Jahre
1720- -1828 wurden auf der Domaine Winterberg nur 29 Wildkatzen erbeutet (in
einzelnen Jahren 1—5 Stück, sehr oft keine).*) Eine, bisher nicht bewährte Nach-
richt erzählt, dass noch im J. 1875 ein Exemplar in der Burg Kost erbeutet
werden sollte. Das Exemplar dieser Provenience soll sich im Privateigenthum des
H. E. Lokay befinden.
A B
Fig. 13. A Schädel einer recenten Haus- B Schädel der Wildkatze (Felis catus L.)
katze. aus der Kalvarienschlucht bei hepora.
Auch die älteren alluvialen und diluvialen Überreste sind nicht allzusehr
häufig, Die alluvialen Überreste gehören meistens schon der Hauskatze oder einer
verwilderten Hauskatze an, welche letztere alljährlich in tausenden Exemplaren
erschossen wird, wobei sehr oft die habituelle Aehnlichkeit zur Deutung als
Wildkatze verleitet.
Los TEN RE
к) Dr. A. Frič. Wirbelthierfauna Bóhmens.
In den übrigen Ländern Europa's kommt jedoch die Wildkatze immer noch
häufiger vor als der Luchs, insbesonders in Südeuropa, in dem deutschen Mittel-
gebirge und in England.
Die habituellen Unterscheidungsmerkmale, welehe für die Wildkatze der
Hauskatze entgegen, gewöhnlich angeführt werden, sind nicht immer die typischsten
Es ist zwar sicher, dass die Wildkatze durchschnittlich grósser und schwerer ist
als еше Hauskatze desselben Alters und Geschlechts, dass sie auch einen plum-
peren Kopf, eine diehtere und länger Haarbekleidung, einen breiteren, stärkeren,
jedoch kürzeren Schwanz besitzt, welch’ letzterer sich nicht wie bei der
Hauskatze auffallend nach der dünn beharten Spitze verjüngt sondern abgestumpft
endet; alle diese Merkmale können jedoch leicht bei verwilderten formen der
Hauskatze verführen. Mehr durchgreifendes Merkmal für die Wildkatze ist, dass
ein schwarzer Sohlenfleck sich nur auf die Fusswurzel der Hinterläufe beschränkt.
Bei der Hauskatze soll dieser Sohlenfleck bis zur Ferse hinreichen, was jedoch
nur bei entsprechender Behaarung (grauen, weissen) deutlich hervortritt, dagegen
oft verwaschen erscheint. Dieses Merkmal bei der Hauskatze ist wohl eine Erb-
schaft nach der Falbkatze (Felis maniculata), von welcher sie abstammt.
Auch das Skelet bietet den Palaeontologen sehr wenig durchgreifende
Unterscheidungsmerkmale dar. Der robuste Skeletbau der Wildkatze wird oft auch
von der verwilderten Hauskatze oder mehr noch von ihren, im Verwilderungs-
zustande geborenen Nachkommen erreicht, so dass nur die schlankeren Formen
einiger Skelettheile die Basis einer vergleichenden Arbeit bieten, welche nur beim
grossen Vergleichsmateriale erfolgreich sein kann.
Sonst gibt es da noch weniger Unterscheidungsmerkmale als beim Löwen
und Tiger.
Es ist daher unrecht nur auf Grund von verschiedenen Knochendimensionen
und kieineren Abweichungen die Arten unterscheiden zu wollen.
Aus Böhmen und Mähren führt Dr. Woldfich diese Arten auf:
Felis catus Bourg. [Sudslavice, Sipka],
„ Jera Bourg. [Sudslavice, Čert. Dira, Зірка],
, magna Bourg. [Sudslavice, Čert. Díra],
» minuta Schmerl (nicht Bourg.) [Sudslavice].
Liebe führt Felis catus ferus aus der Vypustekhöhle iu Mähren auf.
Obwohl nicht ausgeschlossen ist, dass zur Diluvialzeit in Mitteleuropa und
so auch in Bóhmen einige grossen Katzen aus dem weiten Osten (so namentlich
die Steppenkatze Felis manul) leben konnten, wurde keine derselben in den oben
erwähnten Formen erkannt. Es bleibt also vorläufig nichts anderes übrig, als alle
diese kleineren und grósseren Formen nur als Varietüten oder Abkómmlinge der
europäischen Wildkatze (Felis catus L.) zu betrachten, deren Variabilität einen
so untergeordneten Charakter hat, dass auch die Unterscheidung dieser Varietäten
nach zufällig vorkommenden kleinen Überresten ganz unverlässlich erscheint. Sie
ist auch ohne Bedeutung dem Faktum gegenüber, dass die recente Periode bei un$
wirklich nur eine Wildkatzenart aufweist, sowie den Fakten gegenüber, dass unsere
Hauskatze von keiner unserer diluvialen Wildkatzenart abstammt.
Diese Unterscheidung dürfte also nur für die thiergeographischen Studien der
diluvialen Epoche eine Bedeutung haben, müsste jedoch von einem ausreichenden
Vergleichsmaterial unterstützt werden, damit die ursprünglichen Formen womöglich
festgestellt und nicht nur neue, nichts bedeutende Artennamen erfunden werden.
Die Wildkatze wurde fossil in Bóhmen ziemlich selten aufgefunden, so in
Sudslavic (Dr. Woldřich) und in der Kalvarienhöhle bei Reporej.
Fig. 14, Wildkatze. (Felis catus L.) Exemplar, welches in Südböhmen im Jahre 1836 erbeutet
wurde. Photogr. des im Museum des Königr. Böhmen ausgestellten Stückes.
Dieser Umstand hängt wahrscheinlich mit der Lebensweise der Wildkatze
zusammen, welche selten die Höhlen und Felsklüfte aufsucht, sondern mehr ein
Baumthier ist. Die Waldfauna jedoch, wenn sie nicht von den Raubthieren in ihre
Schlupfwinkel verschleppt wird, weist sehr geringe Überreste aut.
Die Hauskatze. Felis domestica Briss.
Es wurde schon oben bei der Wildkatze angedeutet, wie sich die beiden
Arten habituell unterscheiden.
Die Grösse des Sohlenfleckes charakterisirt die Hauskatze solange derselbe
dureh die Färburg des Haarkleides infolge Kreuzung im Zustande der Domesti-
kation nicht verwischt erscheint. Dieses Merkmal ist auch das ursprüngliche Kenn-
zeichen der wilden Form, von welcher die Hauskatze abstammt und wurde darauf
in neuerer Zeit wiederholt von Nehring aufmerksam gemacht.
Es liegt eben darin ein Beleg dafür, dass unsere Hauskatze von der euro-
päischen Wildkatze nicht abstammt; dementgegen ist es ganz sicher, dass unsere
Hauskatze dieses Merkmal mit der ostafrikanischen Katze Felis maniculata ge-
meinschaftlich hat und wirklich nicht ausgeschlossen ist, dass diese Katze die
Urmutter unserer Hauskatze ist. Dr. Nehring spricht die der Wahrheit sehr nahe
stehende Ansicht aus, dass unsere Hauskatze ebenso wie der Haushund ihren
Ursprung mehreren wilden Formen verdankt, insbesonders, soweit man's sicher
stellen kann, zwei Formen, deren eine aus dem südóstlichen Asien, die andere aus
dem nordóstlichen Afrika herstammt. Die Hauskatzen wurden aus beideu diesen
Gegenden nach Europa gebracht und kreuzten sich hier theilweise auch mit der
europäischen Wildkatze.
Die Belege für diese Anschauung haben nach den Ausführungen Nehring’s
mehr historischen, als naturhistorischen Charakter. Die Hauskatze, welche durch
die Domestikation der ostafrikanischen Katzen erzogen wurde, war ein heiliges Thier
in Egypten und wurde von da nach Griechenland und Italien importirt, von wo sie
erst im Mittelalter nach Mitteleuropa gelangte; wie es scheint, waren hier zu
derselben Zeit auch schon die aus Asien importirten Hauskatzen, insbesonders die
Angorakatzen, welche nach Pallas wahrscheinlich von der Steppenkatze Felis
manul abstammen.
Es ist wohl möglich, dass die Domestikation sich weder in Egypten noch in
Asien auf eine einzige wilde Art beschränkte, wenn auch die eine oder die andere
(also z. B Felis maniculata in Egypten und Felis manul in Asien) durch ihre Domesti-
kations fähigkeit dabei ein Übergewicht gewonnen hat.
In Mitteleuropa kennen wir kein Volk, welches sich mit der Domestikation
der wilden Katze beschäftigen könnte, und wurde so die europäische Wildkatze
überhaupt nicht domestieirt, also weder Felis catus L., noch weniger eine andere
der Felis maniculata verwandte Art, wie es Dr. Woldfich meint.*)
Es lässt sich wohl nicht bestreiten, dass in dem heutigen Hauskatzen-Kon-
tingent ein Theil des europäischen Wildkatzenblutes circuliert, und zwar infolge von
Kreuzung, zur welchen in früherer Zeit den verwilderten oder halbverwilderten
Hauskatzen mit der Wildkatze Gelegenheit geboten war. Seit der Ausrottung der
Wildkatze verschwindet jedoch allmählich der Einfluss dieser Kreuzung und es tritt
hie und da von Zeit zu Zeit nur atavistisch auf.
Die Reste der Hauskatze in den Erdschichten haben überall einen alluvialen
Charakter und sind auch verhältnissmässig häufiger vertreten als die Reste der
Wildkatze; sie kommen jedoch nur in den oberflächlichen Ablagerungen der Höhlen
und in den Schlupfwinkeln in der nächsten Nachbarschaft der menschlichen Wohnungen
vor. Solche Überreste kennen wir aus den obersten Schichten in den Höhlen bei
St. Prokop, Turská Maá$tal, Kalvarienschlucht, Felskluft bei Srbsko und aus den
freien Lössablagerungen bei Podbaba.
*) Brandt-Woldrich, Dil. nord. eur. asiatische Säugethierfauna Seite 36,
Hunde. Canidae:
Die hundeartigen Raubthiere sind im Exterieur dureh einen gestreckten
Kopf mit einer langen spitzigen Schnauze, mit stumpfer feuchter Nase, durch
schlanke Füsse und eingezogenen Rumpf charakterisirt. Die Vorderfüsse haben 5,
die Hinterfüsse 4 Zehen mit wenig gekrümmten Krallen, welche mit unbeweglichen
und stumpfen Spitzen versehen sind.
Die innere Zehe der Vorderfüsse ist kurz und hóher gestellt als die übrigen.
Der Schwanz gewóhnlich langhaarig; beim After besitzen sie keine Drüssen, oder
höchstens eine am Schwanzgrund.
Das wichtigste der anatomischen Merkmale ist die Zusammenstellung des
Zahnsystems. Dasselbe besteht aus 6 minder oder mehr deutlich 2—3 lappigen
Schneidezähnen, 4 konischen und scharfen Eckzühnen, 2—4 Lückenzähnen, hinter
welchen ein charakteristischer Fleisch- oder Reisszahn folgt worauf die Reihe 1—3
Höckerzähne schliessen. Der Reisszahn im Oberkiefer ist länglich, zweispitzig, mit
einem grossen Innenhöcker, im Unterkiefer aussen und Vorne zweispitzig mit einem
schwachen, nach Hinten verschobenen Innenhöcker und einem ziemlich grossen
Talon, welcher aussen und innen von einem kleinen Höcker begrenzt ist; der
Innenhöcker besitzt eine untergeordnete Spitze. Die Zahl der Höckerzähne ist für
einzelne Gattungen charakteristisch; so besitzt nur 1 Höckerzahn der brasilia-
nische /cíycyon, 2 obere und 1 unteren der Cuon, 2 in jedem Kiefer die Gattung
Canis, 2 obere und 3 untere Thous u. s. W.
Die Familie zerfällt systematisch in 3 Unterfamilien:
1. Amphicyoninae, welche in unserer Fauna durch eine einzige tertiaere Art
vertreten ist.
9. Simocyoninae, eine Gruppe von miocaenen Formen, welche im Böhmen
nicht vertreten ist.
3. Caninae, welche alle übrigen lebenden und fossilen Formen umfasst.
1. Urhunde. Amphicyoninae.
Die fossilen Hunde sind im europäischen, asiatischen und nordamerika-
nischen Eocaen und Miocaen verbreitet.
Die Gattung Amphicyon (Pseudocyon) Lartet hat ein charakteristisches
Hundegebiss. Nach Zittel ist der starke Eckzahn im Oberkiefer hinten mit einer
Scharfen Kante versehen, welche zuweilen gekerbt ist. Die ersten drei Praemo-
laren des Oberkiefers sind auffallend klein, dagegen der Reisszahn gross und
massiv mit zwei scharfen Aussenspitzen und einem schwachen Innenhócker. Auch
die Höckerzähne sind mächtig und meistens nur zwei vorhanden, da der dritte
bald ausfällt.
Im Unterkiefer ist der Eckzahn etwas schwächer, die vorderen drei Prae-
Molaren klein und einspitzig, der vierte besitzt ausser der Hauptspitze noch eine
8
36
hintere hochgestellte Nebenspitze und einen höckerartig angeschwollenen Basalrand.
Der Reisszahn ist sehr massiv und dreispitzig, seine Vorderspitze ist niedrig, die
innere Spitze schwach und stark gegen Hinten verschoben, sein Talon sehr breit
mit einem starken konischen Aussenhöcker und einem schwachen Innenhócker.
Fig. 15. Amphicyon bohemicus Schl. 1. Fleischzahn. 2. Eckzahn (?) 3. Derselbe im
Querschnitt.
Ausser zwei viereckigen Höckerzähnen findet man zuweilen auch noch einen dritten,
querovalen, kleinen mit einer Wurzel.
Aus dem böhmischen Miocaen und zwar aus dem Süsswasserkalk von Tucho-
fic verzeichnen wir die Überreste von
Amphicyon bohemicus Sehlosser.")
Zwei ziemlich vollständige Reisszähne (Fig. 15.) gehören unzweifelhaft
dieser Art an. Ein Eckzahn, welchen M. Schlosser ebenfalls dieser Art zuzählt,
zeigt eine auffallende Querrunzelung, welche bei den Raubthieren nirgends Ana:
logie findet. Ich bezeichne also die Zugehórigkeit dieses Zahnes zur genannten
Art mit einem Fragezeichen.
2. Die echten Hunde. Caninae.
Diese Unterfamilie ist in der Fauna Bóhmens durch zwei Gattungen Canis
und Vulpes vertreten, in der nahen Nachbarschaft in Mähren noch durch eine dritte:
Cuon, deren Urahnen, soweit es bekannt ist, bis in das Eocaen zurückreichen.
*) Die von mir in der böhmischen Publikation dieser Arbeit als Amphicyon resp. Pseudocyo?
lemanensis aufgeführte Art wurde indessen von Schlosser (Zur Kenntniss der Fauna der bóhm.
Braunkohlenformation) als Amphicyon bohemicus identificirt, obwohl es möglich ist, dass wir 68
in Bóhmen mit zwei Arten dieser Gattung zu thun haben.
31
Im Gebiss besitzen die Caninae 4 Praemolaren, der vierte obere bildet den
Reisszahn, wogegen im Unterkiefer der erste echte Molare als Reisszahn ent-
wickelt ist.
EN
gi ру"
vin: bet Ш
e "А Zh N
Fig. 16. Ober- und Unterkiefer des Wolfes. Seitenansicht. P Praemolaren. M Echte Back-
zühne, P, Oberer Reisszahn. M, Unterer Reisszahn.
Die zwei erwähnten Gattungen unserer Fauna vertreten zugleich zwei
Hauptäste dieser Gruppe nach Huxley, nämlich die 7'hoiden und Alopecoiden.
Thoida.
Thoida bilden eine Gruppe, welche die Wölfe Europas und Asiens (Unter-
gattung Lupus), die wilden Hunde und Haushunde (Canis) mit der Gattung Cuon,
dann die Schakale Nordafrikas (Untergattung Lupulus), Nord- und Ostasiens (ja-
ponischer Nyctereutes Tem.) und Südamerikas (Untergattung Tous u. a.) umfasst.
Der Wolf. Canis (Lupus) lupus L.
Der Wolf gehört zu den Raubthierformen, welche erst in jüngster Zeit aus
unseren Gegenden verschwunden sind. Nach Amerlings Angabe wurde der letzte
Wolf in Böhmen im J. 1850 erbeutet, wahrscheinlich war es nur ein Flüchtling aus
dem Tatragebirge oder von Galizien. Häufiger war der Wolf im Böhmen noch im
18. Jahrh., so dass z. B. im J. 1740 bei Wittingau 6 Stück, in den J. 1721—1756
auf der Domaine Winterberg 45 Stück erbeutet wurden.
Eine stete Existenz des Wolfes seit der Diluvialzeit bis in die recente
Periode hin, bestätigen zahlreiche Überreste, welche beinahe in allen Ablagerungen
und in allen deren Schichten, den ältesten sowie in den jüngsten vorkommen.
Auf diesen Ueberresten kann mann auch verschiedene Entwickelungsstufen
der körperlichen Grösse und Kraft studieren. Ia der ältesten Zeit, wo das Thier
38
in seiner vollen Freiheit und Existenz nicht gehindert war und sichere Zuflucht-
stätte und genug entsprechender Nahrung überall vorfand, war es auch gross-
wüchsig, und stark entwickelt, wie wir noch heutzutage die Wölfe in manchen
menschenleeren Gegenden z. B. in Sibirien finden.
Im Laufe der Zeit mangelte es dem Thiere immer mehr an gedeihlichen
Existenzbedingungen und so kann man eine Dekadenz in seiner körperlichen Ent-
Fig. 15. Unterkiefer und Oberkiefer vom Wolf und Hund von Oben und Unten gesehen.
1. Oberkiefer eines Wolfes. 2. Unterkiefer eines Wolfes. 3. Oberkiefer einer Dogge, welche die
Verkürzung der Schnauze und Deformation der Zahnstellung und Zahnformen infolge der Do:
mestikation darstellt. — i Schneidezähne, с Eckzähne, p,—p, Praemolaren (p, im Oberkiefer =
Reisszahn), m,—m, echte Molaren (m, im Unterkiefer — Reisszahn).
wickeiung verfolgen. Wir finden so in den jüngeren Schichten immer schwächere
Individuen auf und sind gewiss nicht weit von der Wahrheit entfernt, wenn wir
behaupten, dass dieser schwächere Wolf ein taugliches Material für die Domesti-
kation lieferte, welche von dem Menschen schon in der vorhistorischen Zeit be-
trieben wurde. Es ist dabei immer noch beachtenswerth dass bei dem recenten
Wolfe die verschiedenen Existenzbedingungen eine Variabilität hervorrufen,
welcher gewiss auch der diluviale Wolf unterworfen war. Der Wolf der Jetztzeit
ist in den waldigen Gebirgsgegenden grösser und stärker, *) in den sumpfigen
*) Dr. L. Heck: Das Thierreich, Säugethiere.
39
Niederungen dagegen kleiner und schwächer; der südlichste, bis hinter das Hima-
© LC Ae er) ? 3
layengebirge verbreitete Wolf (C. 1. pallipes) ist überhaupt kleinwüchsig, ebenso
gebirg p 8,
klein ist der pflanzenfressende Wolf in Japan (C. 1. hodophyllax Tem.), dagegen
gross, und zwar weiter gegen Norden immer grósser ist der, fast schon ausgerottete
nordamerikanische Wolf (C. 1. occidentalis).
Die Variabilität, welche hier zum Vorschoin kommt, ist sehr breitgreifend
und mannigfaltigen Ursprungs. Am häufigsten kommt vor:
1. Geographische Variabialität, welche durch die verschiedenen Verhältnisse
des Klima, des Bodens und der Nahrung hervorgerufen wird; sie ist auch in
kleineren Distrikten möglich, wo die Existenzbedingungen genug variiren. Nicht
minder häufig begegnen wir auch die
9. Individuelle Variabilität, welche auf natürlicher Neigung zur Variation
beruht, wenn auch ein äusserer Anstoss dazu fehlt.
‘d
3. Eine Variabilität infolge der Geschlechts- und Altersverhältnisse ist wohl
eine gewöhnliche und ganz regelmässige Erscheinung; endlich bei den gezähmten,
domesticirten oder in Gefangenschaft gehaltenen Thieren ruft die
4. Variabilität infolge der Domestikation sehr schnelle und nahmhafte Ver-
änderungen hervor. Die Wirkung dieser Verhältnisse, welche wohl in der Natur
selbst nicht vorkommt, ist jedoch immer dazu geeignet die natürliche Variabilität,
deren Ursachen andere sind, leichter aufzuklären. In dieser Hinsicht bilden be-
sonders die Veränderungen, welche bei den wilden Thieren infolge der Gefangen-
schaft platzgreifen, sehr interessante und schätzenswerthe Belege für andere
Variabilitätserscheinungen.
In welcher Richtung sich die Variabilität im Allgemeinen äussert, das
beweisen wohl zu unserem Zwecke besonders die vergleichenden osteologischen
Studien. Es folgt aus diesen:
1. dass gewisse Skelettheile und Skeletformen mehr einer Variabilität unter-
worfen sind als die anderen;
9. dass auch gewisse Verhältnisse eine besondere Wirkung auf die Varia-
bilitàt gewisser Skelettheile ausüben.
In erster Richtung sei hervorgehoben, dass der Schädel in seiner ganzen
Form und einzelne seine Theile insbesonders, z. B. die Form des Unterkiefers,
die Gestalt der Zähne oder des ganzen Gebisses den mannigfaltigsten Verände-
rungen unterliegen.
In zweiter Richtung ist es besonders der ganze Habitus der allgemeinen
kórperlichen Entwicklung, mit welcher ein gröberer oder feinerer Dau und die
Formenvariabilität des Skeletes und seiner Theile zusammenhängt.
40
Das Variabilitätsresultat liefert eine Formenmannigfaltigkeit, welche nur
genaue vergleichende Studien in eine einzelne Typenreihe verbinden können.
Mangel an solchen Studien, sowie die Umstände der hier angeführten
Neigung zur Variabilität, führten dazu, dass man im Diluvium eine Reihe von
Arten und Variatäten des Wolfes unterscheidet, welche unter dem Namen
Lupus vulgaris fossilis Woldr.,
Lupus Suessii Woldr.,
Lupus spelaeus Goldf.
und anders, noch (Canis lupus versch. Autoren, Lupus spelaeus Woldr. u. s. w.)
angeführt werden.
Der Wolf und der Hund.
Ein vergleichendes Studium, welches den Werth der oben angeführten
Formen feststellen soll, muss aus einer Vergleichung der beiden Haupttype:
des Wolfes und des Hundes im Allgemeinen hervorgehen, um zuerst die wirklichen
Kennzeichen kennen zu lernen, dureh welche sich beide Type zu unterscheiden
pflegen; auf diesem Wege wird es wohl möglich sein die constanten Kennzeichen
zu konstatiren, sowie die zu finden, welche bei dem einen oder anderen Type, in
welcher Richtung und in welchem Maasse variiren. Der allgemeine Charakter des
Fig. 19. Schädel des Wolfes Canis Lupus L. Seitenansicht '/, nat. Gr.
Wolf- und des Hundschädels Canis lupus L. und Canis familiaris L. (Vig. 19. u. 20.)
ist in der Hauptsache ein und derselbe. Doch macht der Schüdel des Wolfes im
Ganzen einen Eindruck, als wenn er in der Schnauzengegend mehr zugespitzt
würe. Dieser Eindruek hat seinen Ursprung in dem Umstande, dass die Joch-
bógen beim Wolfe etwas senkrechter von der Schlüfengegend abstehen als bei dem
41
Hunde, so dass der Wolfschüdel in dieser Partie etwas breiter zu sein scheint, und
dass die Oberschüdelpartie, welche von den Scheitelknochen gebildet wird bei dem
Wolfe in einen schmäleren und schärfer abgegrenzten Schädelkamm ausläuft. Bei
dem Hunde biegen die Jochbögen gegen die Schädelseiten sanfter um und die
Oberschädelpartie ist in einem allmähligen Übergange breit und stumpf abgegrenzt.
An der Stelle, wo die unteren Ränder der Hinterhauptsschuppe an die Scheitel-
knochen sich anfügen, sieht man bei dem Wolfe eine deutliche Einschnürrung,
bei dem Hunde jedoch nur eine mehr oder minder deutliche Vertiefung. Das sieht
man am besten an einer Hinteransicht des Schädels. Bei dem Wolfe breitet sich
die Hinterhauptschuppe von oben nach unten sehr allmählig aus und in demselben
Verhältnisse wird auch die Schläfenknochengegend allmählig breiter, so dass die
ganze Configuration recht schlank aussieht, wogegen beim Hunde die Hinterhaupts-
schuppe schon inzwischen den Rändern der Zwischenscheitelknochen deutlich breiter
erscheint und noch mehr sich längst der Schläfenknochen erweitert.
Charakteristisehe Differenzen kann man noch in der Form des Unterkiefers
verfolgen. Hier ist der allgemeine Charakter der Schlankheit des Wolfschüdels
durch eine schmale Form, und überall gleichmässige Höhe des Knochenkörpers
des Unterkiefers angedeutet, derselbe verengt sich nur allmählig nach vorne, seine
untere Kannte ist ziemlich seharf begrenzt und ihre Linie ist nur sanft gebogen.
so dass sie gegen den hinteren Winkelfoitsatz in einem seichten Bogen ausläuft.
Beim Hunde dagegen ist die untere Kante breit, stumpf und stark gebogen, so
dass sie gegen den Winkelfortsatz einen mehr oder minder scharfen Bogen bildet.
Diese Differenz lässt sich auch mathematisch nachweisen, wie wir weiter unten
sehen werden.
Alle diese, hier angeführten Merkmale sind desto auffälliger differenzirt, je
entfernter die domesticirte Form des Hundes von der ursprünglichen wilden Form
ist. Man kann so an dem Hundschädel verfolgen, wie allmählig bis auf das
Ausserste die Schnauzenpartie kürzer, der Oberschädel kugeliger wird und der
Unterkiefer in einen monströsen Bogen übergeht. Mit dieser Umformung hängt auch
die allmählige Umgestaltung der Zahnstellung zusammen, м0 besonders die Prämo-
laren eine mehr oder minder quere Stellung gegen den Reisszahn einnehmen.
Neben diesen hier angeführten Kennzeichen, werden von verschiedenen
Autoren (Gaudry, Woldřich u. d.) noch weitere Merkmale des Zahnsystems als
Charakteristisch angeführt.
So wird es behauptet, dass beim Wolf (Canis lupus) der Reisszahn im
Oberkiefer ebensolang oder nur wenig lünger ist als die beiden Hóckerzühne
Zusammen; dagegen soll beim Hunde (Canis ferus Bourg und Canis familiaris L.)
derselbe Reisszahn bedeutend kürzer sein als die Länge der beiden Höckerzähne.
1 soll die Stellung des Innenhöckers des oberen Reiss-
dass dieser Innenhöcker mehr oder minder nach vorne
des Reisszahns. Wenn wir
Sehakale und Hunde in
Ein anderes Merkm:
<ahns bilden; dadurch,
gerückt ist, wechselt die innere und äussere Länge
eine grössere Reihe der Gebisse von Wölfen, Füchsen,
42
dieser Richtung untersuchen, kónnen wir im Allgemeinen wohl bestätigen, dass
dieser innere Ansatz immer kürzer d. h. nach hinten gerückt erscheint, je näher
wir zu den typischen Wolfsformen kommen, dagegen jedenfalls lànger d. d. nach
vorne gerückt erscheint, je näher wir zum Type der Schakale und noch näher
zum Type der Füchse kommen. Eine genaue Vergleichung zeigt jedoch, dass in
Fig. 20. Schädel des Haushundes (Canis familiaris L.) Seitenansicht in '/, natürl. Grösse.
den Grenzen einer einzelnen Gattung es ganz verfehlt erscheint, einem solchen
Merkmale eine grössere Bedeutung zuzuschreiben, wie es weiter unten nach-
gewiesen wird.
Vergleichende Studien über das Gebiss des Hundes
und des Wolfes.
Um das Wesentliche der oben angeführten Merkmale zu ermitteln, habe ich
zahlreiche, genaue Messungen an den Gebissen der recenten und fossilen Wölfe
und Hunde durchgeführt, wozu mir theils das heimische, theils das osteologische
Material der Berliner Sammlungen zu Gebote stand. *)
Die Messungsresultate sind in den hier folgenden Tabellen übersichtlich
zusammengestellt. Die angeführten Formen werden mit den Namen bezeichnet,
unter welchen sie beschrieben oder etiketirt sind, um die Verwandtschaft oder
Identität der einzelnen Formen klar zu stellen, welche unter verschiedenen
Namen angeführt werden.
*) Es sei mir gestattet hier besonders dem H. Regierungsrath Dr. K. Möbius, Direktor
des zoologischen Museums in Berlin und dem H. Prof. A. Nehring meinen Dank auszusprechen
für die Bereitwilligkeit, mit welcher Sie mir die Ihrer Verwaltung anvertrauten Sammlungen zugüng-
lich machten.
43
Verhältniss der Fleischzahnlänge im Oberkiefer zur Gesammtlänge
der beiden Höckerzähne.
| | Länge der| Länge De
Bezeichnung der Art Proveniénk beiden des Reiss-| Differenz
oder Form Р Hócker- | zahns onim
zühne mm| mm
a) Länge der Höckerzähne ist grösser als die
Länge des Reisszahnes.
Canis famil, molossus . | Rec. Berlin A. 14710 . 18:5 18:30 02
Janis famil. borealis Labrador Berlin Nro. 447 | 197 19:5 02
Canis famil. ‚ | Papuaner Berlin , 4711 | 1475 | 1450 0:25
Lupus vulgaris Gray . | Inv. I. Woldřich. Caniden
Seite 27. . . 26 25`5 0:5
Janis lupus occidentalis | Berlin А. 318 . 26 20:0 0:5
Canis lupus ; Berlin A. 3308 . . 27 275 0:5
Canis hodophylax Berlin Nro. 25544 19 2980 0:5
Canis familiaris сӯ . Berlin „ 3425 25°5 25 0:5
Canis fam. . Kalvarienschlucht . . 16°5 16 0:5
Lupus spelaeus “Wold. . | Rabenstein X. Woldřich
Caniden Seite 97. . .| 295 28:5 NG
Lupus Suessi Wold. Nussdorf XII. Woldřich
Caniden Seite 27 26 25 ГО
Janis hodophylax Berlin 20.040. , . 7. .] 08 22 10
Canis lupus Rec. Posen. Berl. 1. Н.
12927: "ИШ, 26:5 1:0
Canis familiaris Cairo. Berlin 2786 20 19 10
Canis familiaris Berlin 3436 16:5 15:5 1:0
Janis fam. borealis . Berlin A. 1500 16:5 15:5 1:0
Canis lupus . . Rec. Mus. a. 76 26 29 1:0
Canis f am palustr. Rütm.| Berlin Land. Hochsch. 1 15:15 1:95
Canis fam. laniarius Berlin A. 3431. . 22 20:5 1:5
Canis fam. Rec. Pinsch. сў Berlin 2619 | 17 15:5 1b
Canis lupus . Foss. Turská Ma&tal . .| 255 24 1:5
Lupus spelaeus W oldř. | Lüttich XI. Woldřich Ca-
niden Seite 27 . beer 28 2:0
Canis lupus . vec. Finland aus Gefan-
genschaft Berl. L. H. 28'5 26:5 20
Canis famil. Rec. Halbwilder Hund Berl. | 16 14 ER
Janis famil. — Berl. 22.140 1 201 | 1875 9:0
Canis fam. matr. opt Jeit.| Strádoniee Mus. . . 20 18 20 |
Canis lupus . Foss. Beroun Coll. Mus. . | 275 25:5 9:1
Canis fam. Rec. Russischer Vorsteh-
hund Berlin сӯ 1403 23 20:80 9-9
Canis fam. pomeranus . | Rec. Beduiner Hund. Berl. | 20 1000 2D |
Canis fam. grayus Rec. Berlin. A. 3437 21:5 19 20
Canis fam. | | МАС ME 185 | 925 |
Canis fam. ‚| , Berl Leonardin 2615 | 25 22:5 25 |
Canis fam. (seoticus?) ^ „ А. 9422 21 18:30 2'10 |
Canis fam. grayus A d SA 0 21 270. |
Canis fam. М p А. CT geg 21 18 3:00
Canis familiaris 4 , QBerlfn А. 3440| 205 17:5 9:00 |
44
i Länge den Li ünge
| Bezeichnung der Art рон ie CILE des Reiss-| Differenz
oder Form Iócker zahns mm
zühne mm mm
| Canis famil. . Кес. Dernardin сў Berlin |
Mo rers ke UI ач 24:5 jl l'oeil 95:00
Canis famil. molossus . | Rec. Berlin A. 2739 22 1875| 825
Canis familiaris Rec. Coll. Mus. a 86 23:30. 20 840
Canis familiaris Rec. Coll MUS ... 21 160 9:40
| Canis fam. brevipilis —.Q Berlin A. 9447 . .| 16 12 4:00
| Canis fam. - Neufundl. Berlin 2510 . | 24:5 20:5 400
Canis intermedius Woldr. | Foss. Weickersdorf . 28 19 400
| Canis canerivorus — Berlin . . й Ki 12:D 450
| Canis famil. . Rec. Coll. Muss. Nro. 9 21 22:5 4:50
| Janis fam. aquaticus ee, Вие. 22:5 ite 475
| Canis jubatus Rec. © Berlin 4081 . 28 175 5:50
| Canis jubatus Rec. d Berlin 4031 26:5 19 750
| b) Die Länge der Höckerzähne gleicht der Länge des Reisszahns |
Canis famil. grayus . Rec. cj Berlin A. 3451 .| 16 16 | —
Canis famil. islandicus ү o А. 8450. 15°8 15°8 —
| Canis lupus . Rec. in Gefangensehaft ge-
boren Berl. 2227 . . 22:5 225b | —
Canis lupus . | Rec. сӯ Türkei Berl. І. Н. | 955 255 | —
Canis lupus L. . . | — Sarepta Berl. L. H 4152 | 26 BR wel
Canis lupus . | — Karpathen Berl. L. Н. 394) 25 EB d
Canis latrans же, О И Borbe n2. 20 Чу т
Lupus vulgaris Gray . | Indiv mittl. Grösse III. . |
| Woldřich Canid. Seite27.| 26 26 | —
Lupus spelaeus Hohlenstein IX. Woldřich |
Caniden Seite 27. 28 Z5 a n
Lupus vulgaris
Canis lupus .
Canis lupus .
Canis lupus .
Canis lupus
Janis lupus Ch
Lupus vulgaris Gray
Lupus vulgaris Gray
Lupus vulgaris Gray
Gray .
Lupus vulgaris "Gray -
Grosses © IV. Woldřich
Сама. Seite 27 . .
Rec.Siebenbürgen Berl. 4316
Foss. Turská Ma&tal schwarz
Grosses Ind. VI. Woldřich
Canid. 199108590 Ee
Кес. Volyň. Berlin L. Н.
Gan gan
Rec. Berlin 4944 .
Rec. Berlin 6563 . . 4
Grosses cj V. Woldi. Canid.
Seite 9T . | |
Sehr grosses Ind. VII.
Woldr. Can. str. 27.
Junges Ind. II. Woldrich
Can. str. 27
с) Die Länge der Höckerzähne ist kürzer als die Länge des Reisszahns.
25:00
27:00
25:00
26
110
— 2:50
— 0:5
05
- 1:00
- 10
— 1:25
= 200
- 3:0
35
45
Wenn wir aus dieser Tabelle die Speciesformen von Canis lupus herausnehmen,
bekommen wir folgendes Bild:
Bezeichnung der Art Provaniens Differenz |
oder Form mm
a) Höckerzähne länger als Reisszahn besitzen : |
|
Lupus vulgaris Gray . Junges Individ. . | +05
Canis lupus L. à Rec. Berlin 25.544 | - 0:5
Lupus spelaeus Woldi. Rabenstein X. | -+10 |
Lupus Suessii Woldr. Nussdorf XI. . +10
Janis Jupus L. Roci Rosen... e 4- ГО
Canis lupus L. Ko Coll usa 66D. dob eru ue 4-10
Canis lupus L. 3 .| Foss. Turská Mastal. Coll. Mus. +15
Lupus spelaeus Woldt. . Lutych ХІ. r 2:0
Canis lupus L. Rec. Finland (aus Gefangenschaft) + 2:0
Canis lupus L. Foss. Beroun Coll. Mus. - 2:0
b) Höckerzähne und Reisszahn in gleicher Länge besitzen:
Canis lupus L. Rec. in Gefangenschaft geboren . =
Canis lupus L. Rec. су Türkei . mms
Canis lupus L. Rec. Sarepta . жет
САВ оров S vo. Rec. Karpathen . =>
Lupus vulgaris Cray Indiv. mittl. Grösse nac sh Woldřich mn
Lupus spelaeus Hohlenstein IX. nach Woldrich . =
c) Höckerzähne kürzer als der Reisszahn besitzen:
Lupus vulgaris Gray . Grosses © nach Woldřich — (5
Ganis lupus Dus a. Rec. Siebenbürgen Pu. e geet — (5
Lupus vulgaris Gray . Grosses Indiv. VI. nach Woldřich . — 10
sanis lupus L. Foss. Turská Maštal, schwarz — 10
Canis lupus L. Rec. Volyn . — 1'10
janis lupus L. Recent — 1:25
Canis lupus: um... Recent — 2:00
idm vulgaris Gray . Grosses cj nach Woldřich - 2:50 |
Lupus vulgaris Gray . Sehr grosses Indiv. nach Woldřich — 3:00 |
Lupus vulgaris Gray . Junges Indiv. II. nach Woldrich — 3:50
Die wilden oder halbwilden Hunde aus der Tabelle Seite 43 u. 44 herausge-
nommen, bieten folgendes Dild:
a) Höckerzähne länger als Reisszahn besitzen:
Canis familiaris borealis von Labrador .
»
der Papuanen . .
H
von Kairo
palustris Rütm. .
halbwild Berlin .
matrim. opt. Jeiteles
pomeranus. Beduiner Hund
intermedius Weickersdorf . .
Differenz
.02 mm
тоу
ХШ ft
Ое
Сао
О
оа Ом
У
D Uer
b) Hóckerzühne und Reisszahm in gleicher Länge besitzt nur
Canis familiaris islandicus.
c) Höckerzähne kürzer als der Reisszahn wurden bei keinem Hunde gefunden
Die Haushunde aus der Tabelle Seite 43 und 44 bieten folgendes Bild:
a) Höckerzähne länger als der Reisszahn besitzen:
Canis familiaris molossus (Buldog) .
aus Kalvarienschlucht . . .
ohne nähere Bezeichnung Berlin
» ” » »
laniarius (Fleischhauerhund)
gryphus (Pinsch) M
ohne nähere Bezeichnung Berlin
grayus (Russischer) . .
s. (Penim ,
» Berlin)
Leoninus
(scoticus?) . Lf
EUR US US GU us
(ohne nähere Bezeichnung Berlin) .
sancti Bernhardi
molossus (Buldog) .
Differenz
.02 mm
AR
UN 7
2 Qu y
dan
alla ty
Ж, M
BIER 3
Deen Ger
KK ER
РОЛ"
ZA
DD ay
5:00. «9
900
DNR e?
(ohne näherer Bezeichnung Berlin) . 3:30. ,
HI n » »
сано
terrae novae Foundl.
(ohne nähere Bezeichnung Berlin)
aquaticus (Pudel) . . .
. 3'40 ,
.400 ,
.400 ,
; 4500)»,
E rte ge
47
b) Hóckerzühne ebenso lang wie der Reisszahn besitzt nur Canis familiaris
gray us.
c) Höckerzähne kürzer als der Reisszahn findet man bei keinem Haushund vor.
Resumee dieser 59 Messungen ist folgendes:
Der Reisszahn erscheint im Ver- |
hältnisse zu den Höckerzähnen |
e — "UU " "
länger gleich lang | kürzer |
RETE |
Der Wolf Canis lupus. . . 10 6 10 |
Wilder oder halbwilder Hund = 1 9 |
Haushund КУНЕШ — 1 29 |
|
Gaudry *) sagt in Betreff dieser Verhältnisse:
. dass die europäischen Hunde den Reisszahn immer länger oder wenigstens
so lang haben wie die. beiden Höckerzähne zusammen ;
. dass die Haushunde den Reisssahn immer kürzer oder höchstens so lang
haben wie die beiden Höckerzähne zusammen:
. dass die wilden Hunde in dieser Richtung den Wölfen näher stehen.
Wenn wir jedoch die Resultate der hier angeführten Messungen in Be-
tracht ziehen, so finden wir:
Dass zwar ein längerer Reisszahn (als die beiden Höckerzähne) ausschliess-
lich bei den Wölfen vorkommt, dass sogar Hunde, seien es wilde oder halb-
wilde überhaupt mit einem solchen Reisszahn nicht gefunden wurden, dass
jedoch dagegen ebenso häufig Fälle vorkommen, wo der Wolf einen kürzeren
Reisszahn besitzt, welche Fälle sogar so häufig sind, dass man sie nicht
als eine Ausnahme betrachten kann;
dass die Haushunde dem Reisszahn zwar immer kürzer haben als die beiden
Höckerzähne. Dieses Merkmal hat jedoch eine sehr beschränkte Bedeutung
und nur in Verbindung mit den übrigen Merkmalen des Schädels, denn
die Wölfe mit einen kürzeren Reisszahn sind keinesfalls selten ;
dass die wilden oder halbwilden Hunde, insoweit sie von mir untersucht
werden konnten, in dieser Richtung mehr zu den Haushunden als zum
Wolfe inkliniren.
besse
*) Matérieaux pour Vhist. des temps quater. IV. Fasc. S. 125.
48
Aus dem Vergleiche mit anderen Wolfsarten und mit amerikanischen sowie
asiatischen Hundearten, welche hier in Uebersicht angeführt wurden, geht klar
hervor, dass die Bigenschaft unserer Haushunde, sowie ihrer wilden oder halb-
wilden Vorfahren und Zeitgenossen, nämlich die grössere Länge der Hóckerzühne
auch diesen fremden Formen eigen ist, so z. В. dem Camis lupus occidentalis,
Canis hodophylaz, Canis jubatus, Canis cancrivorus u. s. w.
Dr. J. N. Woldřich *) unterscheidet auf Grund desselben Merkmals folgende
Formen :
Lupus vulgaris fossilis Woldf. Auf Seite 20. der eitirten Abhandlung wird
folgenderweise gekennzeichnet: Die beiden Höckerzähne sind im Verhältniss zum
Pleischzahn schmächtiger und zusämmengenommen im erwachsenen Zustande kürzer
als der Fleischzahn. Durch Messung stellt der Autor nur einen Fall sicher und
das noch mit einem Fragezeichen, weil die Länge der Höckerzähne unvollständig-
keitshalber nicht genau gemessen werden konnte.
Lupus spelaeus Goldf. **) Auf der Seite 22. der citirten Abhandlung heisst
es: Der Fleischzahn ist, selbst wenn er eiue etwas geringere Länge besitzt, äusserst
kräftig; die beiden Höckerzähne, besonders der erste, und kräftiger, sind zusammen
länger als der Fleischzahn oder mindestens gleich lang.
Lupus Suessi? Woldř. wird nur durch Form und Stellung des Reisszahns
und der Höckerzähne (Seite 25.) gekennzeichnet, ihre Längenverhältnisse werden
nicht in Betracht gezogen und nur aus der Tabelle ersehen wir, das der Reiss-
zahn um 1 mm kürzer sein soll als die Höckerzähne.
Wenn wir nun diese Angaben mit unseren Messungsresultaten vergleichen,
so finden wir, dass längere Höckerzähne nicht nur die Formen Lupus Suessii und
Lupus spelaeus sondern auch die Formen von Lupus vulgaris besitzen, so dass
dieses Merkmal eben so für die fossilen wie für die recenten Formen seine Be-
deutung einbüsst.
Verhältnisse der inneren und äusseren Länge des Fleischzahns im
Oberkiefer.
Die Messungsresultate von einer grösseren Anzahl der Schädel bieten auch
ein ziemlich lehrreiches Bild über die Stellung des vorderen Ansatzes des Fleisch“
zahns im Oberkiefer, welche einen Einfluss auf den Unterschied zwischen der
*) Ueber Caniden aus d. Diluvium.
**) Der Autor fügt zu dieser Species seinen Namen, was keinesfalls mit den Terminologie“
regeln im Einklang steht; es gehört dieser Species oder Form nur die Autorbezeichnung Goldf.,
wenn auch der neue Autor die Meinung hegt, dass er die Art oder Varietät anders und genaue!
specifieirt hat.
49
äusseren und inneren Länge desselben ausübt, das eben dadurch, dass dieser
Ansatz mehr oder minder nach vorne gerückt oder nach hinten angedrückt
erscheint.')
lal " )ifferenz |
| | Fleischzahnlänge M
| im Oberkiefer у;
| Die Form Provenience 7 TUE дє
| | Aussen | Innen EE
| | | ы me
| mm | mm yn.
|
Inm os
| a) Den Fleischzahn aussen kürzer besitzen
die Formen: °)
Ganis fam. Sancti Bern- |
ludi, ... . 20... 0 Belu Таб а а 2100. A10 LOL
(CRISI Tale ae Ал s AD osos АВТО | ALIEN AR
| » o &quaticus .| Рай, Berlin . . . . . .| 1775 1800 | 028
de n | 'apuaner Hund Berlin4711 | 14:50. 1475 --0:25
| Siebenb. Berl. L. Н. 4376| 27:00 27:80 | --0°80
DALISHIUDUS о | |
Canis latrans . . . .| Oregon L. Н. . . . . .! 2000 2030 | J-0:30
Canis canerivorus . .| Berlin Mus. . . . . . .| 1250 | 13:00 | -+0:50
Canis lupus . . . . .| Berlin 8444 . . ... ...| 2300 2850 --0:50
О Geen d 27748808; „аар 2700 |. 2760. Log
$588 ss йлы 2150 |. 2899. 7-00
» Nau МА, o ge TAN EY »
.| Podbaba foss) . . . . .| 2000 | 20:50 --0:50
» HU
| Canis hodophylax . . Berlin 2554 . . . . . .| 18:00 19:00 | -+0:50
famil. pomeran. . | Beduiner Hund Berlin .| 1750 1800 --0:50
|
, famil... ..|Berlm А. 8486. . . . .| 1550 | 1600 +050
| 10:50
fam. (aquaticus) . | $ Berlin A. 3440 . . .| 1750 1800
1) Die Formen, welche Woldřich in seiner Schrift „Ueber Caniden aus d. Diluvium* an-
führt, konnten hieher nicht eingereiht werden, denn die genaueren Messungen werden vom
Autor nicht angegeben,
2) Auf der Innenseite wurde die Länge bis zum vorderen Kronenrand dieses Ansatzes gemessen.
4
50
Die
Canis fam.
» »
H
n n
sanis famil
Canis fam.
Canis fam.
n ? m
Canis matr.
Canis jubatus
Form
terrae novae
Leoninus
grayus
Canis familiaris
Canis lupus .
iaris
laniarius
borealis .
opt. Jeit. .
N Canis lupus .
Canis famil
Canis lupus
» n
n ЕД
» »
LJ »
HU n
| Janis famil
| Canis fam.
Canis fam.
Canis fam.
Janis fam.
Canis fam.
n
Canis famil. .
Canis famil.
Canis famil.
Canis famil. .
Canis famil.
Canis famil,
Canis famil.
Canis famil.
Canis lupus .
Oanis palustris Pn.
Canis hodophylax
iaris
b) Den Fleisch
Canis jubatus
06 cidentalis
Canis lupus .
(Suessii) .
fricator
grayus .
molossus .
borealis
grayus .
c) Den
(seotius?) .
Leoninus
grayus
molossus
brevipilis
Canis lupus . j
Canis fam. islandicus
Provenienz
|
|
Berlin 2510 . .
Pinsch сў Berlin 2619
POr. OLD 145 S PNIS
cj Berlin A. 3451 vui
Kalvariense un Repora
Sarepta Berl. H. 4182
In deg ett gebor.
Bori BPPT ER :
ler ap Hund Der lin i
Berlin A. 3431.
Berlin A. 1500.
Strádonice . А
С Berlin 4081. .°. .
Kos G efangenschaftF inland
Berl. L. H. А
Foss. Beroun
Berlin І. H..
Berlin 25546 .
Berlin 3425 .
O Berlin 4031
Berlin A. 318 i
Fat. sehr grosses Ind.
É taie 1292 . ;
Türkei cj Berlin L. Н.
Im Gefangenschaft wobor. Berlin 2226
Sibirien Berlin L. Н. 4210
Turská Maštal, schwarz
Karpathen Berlin c. 394 .
Schlucht bei Srbsko, Ganzer Schädel
Cairo Berl. 2786 . .
Berl. A. 4060
Berl. A. 3437
Berl. A. 3433
Berl. A. 2789
Labrador Berl. 447 .
Russischer сў В. 1403
Fleischzahn aussen länger
Berlin A. 8422.
Berlin A. 8489 .
Berlin 2615
Indianer Dogge .
Berlin Mus. .
Berlin 14710 .
О Berlin A. 8441. . . .
Wolyn. Berlin L. H. 2193
Berlin А. 8452.
zahn innen und aussen gleich lang hesitzen:
Fleischzahnlänge | Differenz |
im Oberkiefer aus derIn.
bet sms — —-| nenselte
Aussen | Innen J, 2
mm mm mm
|
20:50 21:00 | + 0:50
15:50, 16:00 |- 0:50
2250 | 21:80 |- 0:70
16:00 | 167514075
16:00 17:00 | + 1:00
26:00 27:00 | + 1:00
21:00, 22:00 | + 1:00
14:00 15:00 | + 1:00
20:50) 21:50 | 1:00
15:50| 16:50| + 1:00
18:00 19:00 | -- 1:00 |
19:00 20:80 | -+ 1:80 ,
|
2650 28:00 | -+-1'50
25:50 27:00 | + 1:50
15-75 | 1775 | -+ 2:00
99-00 |. 25/50 | +- 3:50
99-05 | 25:50 | + 3:50
10017 1.000 KS
25°60| 2550 Se
26:50 |. 26'50 ht
25:50. 25:50 Ke
22:50|. 22:50 >
26:80 26:80 =
2500, 25:00 е
2500 | 25:00 ©
24:00 | 2400 e
19:00 | 10100 Es
9*00 9:00 ins
19:00 | 19:00 n
1800 | 1800 be
1875 18 75 rr
19:50 19:50 =
20:80 20:80 КЕ
besitzen:
18:30 | 18:00 | — 0:30
1850, 18:00 | — 0:50
2250| 21:80 | — 0'70
21:00 | 20:20 | — 0:80
22:00 | 21:00 | — 1:00
18:30 17:00 | — 1:30
12:00 10:00 | — 2:00
26:00, 24:00 | — 2:00
15:80 13 00 | — 2:80
51
Resumee der 49, hier angeführten Messungen der äusseren und inneren
Länge des Fleischzahns im Oberkiefer ist folgendes:
Der Fleischzahn ist aussen
S MS: и TU VPN) EIS
| lünger gleichlang kürzer
De? Wolt Canis lupis. assai. wat a 1 | 7 9
Wilder oder halbwilder Hund . . .. = == 2
айон ах aussen wa N H 7 15
Aus diesem Resumee geht klar hervor:
Einen Fleischzahn im Oberkiefer, der aussen länger und innen kürzer wäre,
bei dem also der innere Ansatz nach rückwärts gerückt ist, finden wir ausschliesslich
bei den Haushundformen. Dieses Merkmal darf dennoch nicht für die Haushunde
als charakteristisch betrachtet werden, denn nicht nur ausnahmsweise, sondern recht
häufig dieser Ansatz bei den Haushunden nach vorn gerückt erscheint, so dass
die äussere und innere Länge des Fleischzahns gleich sind oder sogar die innere
Länge die äussere um 0:20— 1:00 mm übertrifft. Und in dieser Eigenschaft steht
dem Haushunde sehr nahe der europäische Wolf sowie die asiatischen und amerika-
nischen Wölfe und eben auch die halbwilden oder fossilen Hunde, bei welchen
dieser Unterschied bis auf 2 mm sich steigert.
Dr. Woldfich charakterisirt die von ihm angeführten Formen in dieser
Richtung folgendermassen :
Lupus spelaeus. Der innere Ansatz des Fleischzahns ist mehr nach vorne
gerückt, sodass die Länge des Zahnes am Aussenrande gemessen kürzer ist (etwa
um 1 mm) als innen.
Lupus vulgaris foss. Der innere Ansatz des Fleischzahnes ist (überein-
Stimmend mit dem lebenden L. vulgaris Gray) mehr nach rückwärts gerückt, so
dass die Länge dieses Zahnes am Aussenrande gemessen gegen die am inneren
Ansatz gemessene höchstens gleich oder etwas kürzer ist.
Lupus Suessü. Der innere Ansatz (des Fleischzahns) ist sehr schwach, weit
nach vorne gerückt und seine Wurzel ist schief gegen den harten Gaumen ge-
richtet. Es sollte demnach seine Länge am Aussenrande ziemlich kürzer sein als
die innere, es werden jedoch vom Autor keine Messungen angegeben.
Aus Vergleich dieser drei Definitionen geht klar hervor, dass diese Formen
beaitzen sollen :
4*
a) einen am Aussenrande kürzeren Fleischzahn (bis um 1 mm) Lupus spelaeus ;
b) einen am Aussenrande kürzeren oder gleich langen Fleischzahn Lupus
vulgaris foss.
с) einen am Aussenrande kürzeren Fleischzahn (bis um 2 mm) Lupus Suessii.
Eigentlich besteht hier demnach keine wesentliche Differenz, was vollständig
mit den oben angeführten Messungsresultaten übereinstimmt.
Die Verhältnisse des Uuterkiefers.
Unterkiefer. Für die Höhenverhältnisse des horizontalen Astes des Unter-
kiefers unter dem Fleischzahn ist sehr schwer bestimmte mathematische Regel
zu finden, denn die Länge des Unterkiefers variirt sehr beträchtlich und dadurch
unterliegt auch das Verhältniss jener Höhe zu dieser Länge einer grossen Ver-
änderlichkeit, obwohl schon dem blossen Auge ersichtlich erscheint, dass da eine
gewisse Regel obwaltet.
Die von mir auf einer grösseren Schädelanzahl durchgeführten Messungen,
lassen doch wenigstens folgende Resultate zu ziehen.
1. Die Länge des horizontalen Astes bei dem Haushunde und seiner halb-
wilden sowie subfossilen Vorfahren, insoweit sie gemessen werden konnte, bewegt
sich zwischen 98 bis 151 mm, die Höhe desselben Astes unter dem Fleischzahn
dabei zwischen 16:5—-28:D mm.
2. Die Länge des horizontalen Astes bei den Wölfen steigt vom 130 mm
bis auf 202 mm; seine Höhe unter dem Fleischzahn erreicht eine Dimension von
28 mm erst bei den Individuen, bei welchen die Länge mindesten 160—170 mm
ja sogar auch 180—190 mm misst, sie steigt jedoch bis auf 35 mm, wird aber
auch nur 21 mm. gross.
Es folgt daraus, dass die grósste Hóhe des horizontalen Astes, welche bei
den Hunden vorkommt, der Wolf erst bei einer Länge desselben erreicht, welche
um 10—20 mm in einigen Füllen sogar um 30 - 40 mm grösser ist.
Die Domestikation übt auf den Schädel des Hundes und des Wolfes einen
Einfluss besonders durch Verkürzung der Schnauze und des Unterkiefers aus. Im
Unterkiefer ruft diese Verkürzung eine Formumbildung hervor, sodass der Unter-
kiefer wie zusammengedrückt, untere Kante des horizontalen Astes bogenförmig
und seine Höhe unter dem Fleischzahn bedeutend grösser erscheint.
Die Verkürzung der Schnauze hat eine Umbildung in Gebissstellung ZU
Folge; die Premolarenreihe welche bei dem Wolfe und wilden Hunde eine gerade
Richtung hat, wird bei den domestieirten Formen zickzakfórmig und mehr oder
minder quer gegen die Lage des Fleischzahns gestellt.
Es wird weiter als charakteristisch auch das Verhältniss der Fleischzahn-
länge zur Höhe des unter ihm gemessenen horizontalen Astes angeführt, was
durch Messungen in den folgenden Tabellen dargestellt ist.
dem Fleischzahn gemessen) bei folgenden Formen:
te) el
53
Der Fleischzahn ist kürzer als die Höhe des horizontalen Astes (unter
Species
Lupus vulg. foss.
Canis lupus juv. .
К » grosses cj
bi e. ЛОБУ
Canis lupus .
Lupus spelaeus
» »
n HI
Lupus vulg. gross. ©
Papuaner Hund
Canis lupus .
" А
Canis matris opt. Jeit.
Lupus spelaeus
» ul
» n
Canis lupus .
Lupus spelaeus
Canis intermedius
Lupus spelaeus
Canis lupus .
Lupus Suessii .
Woldt S. 20.
perl 2221.
Woldr. S.
B. Mus. 4136 .
INT e TOO
Woldr. S. 30 .
$ ҮШ. .
28.
n
Berlin 4711
Foss. M. Boh.
B. M. 2123
Strädonice
Woldr. S. 30.
B. Mus. 394 .
Woldř. S. 30.
Mus. Boh.
Woldf. $8.
M. Berl. 1292
Mus. Boh.
Woldf. S. 30.
28 .
pU
Lokalität
Parignana
In Gef. gebor.
Gailenreuth
Siebenbürgen
Türkei
Hohlenstein
Gailenreuth
Podbaba
Unt. Wolga
Zeiselberg
Streitberg
Goffontaine
Karpathen
Streitberg
Podbaba
„Вуй Skála
Posen
Schlucht b. Srbsko
Nussdorf
Gailenreuth XI.
Länge des
Fleisch-
zahns
kiefers
Hóhe des
Unter-
béi
oo
Differenz
54
Der Fleischzahn ist länger als die Höhe des horizontalen Astes (unter d. Fleischzahn gemessen)
bei folgenden Formen:
Species
Lupus vulg. foss.
Canis lupus rec. .
Canis lupus .
Canis latrans
Canis palustris Rüt.
Canis lupus .
Lupus vulg. foss.
Canis lupus . .
Canis lupus . . .
Lupus vulg. foss.
Canis lupus . .
Lupus vulg. .
Der Fleischzahn ist kürzer als die Hóhe des horizontalen Astes (vor
Lupus vulg. vel. ind. .
я » Bross .
Canis lupus . . .
Lupus vulg... oí
» b. UTE
Nro.
Woldf. 99 .
Mus. Boh.
M. Berl. 4152 .
e amperu,
Berlin L. H.
Mus. Boh.
Woldf. Seite 28 .
й 39 .
я X ` me
B. M. 4210
Mus. Boh.
Woldr. 99
Berlin L. H.
Woldf. 28 .
Woldf. 28
Mus. Boh. ..
NOLO B8 riw s
Rer,
Lokalitàt
Býčí Skála
Sarepta
Oregon
Turská Maštal
Goffontaine
Hohlefels
Sibirien
Kotlárka
Rabenstein
l'inland (aus Gef.)
mittl. Indiv.
Turská Майа]
bei folgenden Formen:
Sa| sE] g |
оа | авч 5
ard CIE ES
Kä GR t н А 5
301 30 Loi
30 39:8 | +02
28:5 28:8 -+ 02
215 21 -- 0:5
20 19:5 | -J- 0:5
30:5 30 405
29 28 + 1'0
30 39 +10
301 99 111
29:8 98:8 | +15
30 98'5 +15
28 26 + 2:0
32 295 | +25
29 26 30
32 29 j- 39:0
30 97 + 8:0
98 245 | +35
30 24 + 6'0
dem Fleischzahn gemessen)
Species
Canis Sp.
Janis lupus BN
Lupus vulg. сў gross .
Lupus spelaeus . .
Ll »
Canis lupus .
” ” d
Canis fam. SÉ
Lupus spelaeus . .
Lupus vulg. 9 velká .
Papuaner Hund . .
Canis (Hund)
Lupus spelaeus
АШ: spelaeus . . .
Canis famil. (Settr d
Canis lupus . . .
Canis famil. nov. f.
Canis fam. borealis
Lupus spelaeus
Lupus Suessii . .
Canis matris opt. Jeit. .
Nro.
MV DOS v. o9
Berlin М...
M. B. ?123
Woldr. p. 27
Woldr. p. 39
» ”
Mus. foss.
M. B. 394.
M. B. 2515 а
Wolar, D oU v.
ТОЙ 98:6 es
M. В. 4711
M BON CTS
Woldf. p. 30
Woldr. p. 30
M. B. 1650
M. B. 1292
M. B. 2510
M. B. 447.
Woldr. p. 30
Woldf. p. 30
M Bow у,
Woldi. p 30
Lokalität
Strädonice
Grönland
Unt. Volga
Hohlenstein II,
Podbaba
Karpathen
Podolien
Zeiselberg
Podbaba
Býčí Skála
Goffontaine
Posen
Labrador
Streitberg
Gailenreuth
Schlucht b. Srbsko
Nussdorf
un
D В 0 Ai S N
US Saral А
[7] ю Ф а,
был Jon Фр D
95 [24 E:
н о Apt
29:6 29:8 — 0'3
23:9 235 | — 08
28:0 28:5 — 0:5
30:0 31:0 — 1:0
320 330 — 10
EEN 93:0 1:0
230 245 — 1'5
275 39:0 | — 15
26:3 28'0 — 1:8
31'1 33:0 — 1:9
29'0 31:0 — 2.0
14:9 16:9 — 2*0
28'0 26*0 — 9:0
300 33:0 — 30
30:0 EEN — 8:5
26:0 29:5 — 98:5
290 RENG — 4b
23:6 28'0 — 45
218 26:5 — 47
28'5 EEN — 50
29:5 34:5 — 50
280 33:0 — 50
29:5 35:0 5:5
55
Der Fleischzahn ist länger als die Höhe des horizontalen Astes (vor
dem Fleischzahn gemessen) bei folgenden Formen.
gegen së
Länge Höhe d.
b na Mee as den. A ZOE e,
pecies Nro. Localität Ge Astes eni
vor dem "
zahns Reissz.
|
Lupus vulgaris foss. | Woldr. p. 28 . | — 80 94 |-60
Canis lupus . . . .| M. B. 4210 . .| Sibirien 998 95 |+48
Lupus vulg. foss. .| Woldr. p. 29 .| Hohlefels 80:1.|.26 +41
Canis fam. Bern. .| M. B. 1583 . . | = 25 20:8 :|+47
Lupus vulg. foss. .| Woldf. p. 29 . Goffontaine 3 26 |+4
Cadis Iipus. . b s | M. Bie . | Finland, aus Gef. | 32 28 1-4
" airov opor TM RA | Turská Mastal | 30 263 |+37
Lupus vulg. foss. .| Woldf. p. 29 .; Býčí Skála 801, 265 |--83:6
Lupus vulg... 25.7] Woldk. p. 28^. = 28 245 4- 9:5
" B PU NM Ж Ў AES о | — 29 26 E Bu
f E e e 82 |99. |4-8'0
Lupus vulg. foss. . d Dar Rabenstein 28 25 |+30
Canis lupus . . . . | Mus. Boh. Kotlárka 50 27. --8'0
b pis бена е Виа То. ) In Фар сер. | 23 20 +380
Canis palustris Ruh. — — 20 17. |4- 8*0
Canis. lupus IN B. AUS aiii Sarepta 28:5 E20. 250
Canis fam. . Spitz | M. B. 1415 . . — T 140 --Z1
Canis lupus. . . ./ M. B. . . . .| Turská Mastal | 305 | 255 1-20
Canis latrans i M. B. 3304 . . Oregon 915: 1915 LEID
Canis fam. . Pinsch | M. B. сў 2619 — 165 | 150. |4- 15
Lupus vulg. . . . .| Wald, p. 28 . — 29 28 |--1
Lupus vulg. foss. .| Woldf. p. 29 . Parignana 275127 H-05
ORUM 10008 A 6 Уу. Recent 30:0 | 295 |-- 075
^ $050. . .| M. В. 4736 . .| Siebenbürgen 99:0| 285 4-05
Ў йы б wy aah 1599. e Türkei ' 28 28: kr =
Resumee der 41 hier angeführten Messungen in Betreff des Verhältnisses
der Fleischzahnlänge zur Höhe des horizontalen Astes unter ihm:
Fleischzahn als die Höhe
des horiz.
Typus Astes unter
kürzer länger ihm
Wolf Canis lupus H 12
Canis lupus foss. . . 2 4
Lupus spelaeus . T 13
Lupus Suessii 3 -
Jo MEE REOR, E А
Wilder oder halbwilder Hund . . . 3 1 |
56
Resumé der 47 Messungen von Länge des Fleischzahns und ihres Ver-
hältniss zur Höbe des horizontalen Astes vor ihm:
| Fleischzahn als die Höhe
| des hori-
n" о. uum Ge zontalen
kurzer lünger Astes vor
ihm
Canis lupus . . .. o 6 15
Canis lupus foss. . . . "UEM Logs - 5
Буй 01а4@85. "ДАУ о „ш, 6 =
БЕУ alte STIMA, И AUN E —
p— 5 sedilia, I
Wilder oder halbwilder Hund . . . . 4 1
Eegeluef, а pM eda 4 D
Aus diesen Übersichten geht hervor:
1. Dass einen kürzeren Fleischzahn als die Hóhe des horizontalen Astes
vor ihm (zwischen dem Fleischzahn und dem letzten Lückenzahn gemessen) nicht
nur die recenten, sondern auch die fossilen Wölfe besitzen, seien sie als Lupus
spelaeus oder Lupus Suessii bezeichnet, dass weiter noch auch die fossilen halb-
wilden und recenten Hunde ähnliche Verhältnisse aufweisen, so dass dieses
Merkmal keinesfalls ausschlieslich und charakteristisch für die Form Lupus spe-
laeus gilt.
9. Dass zwar die Form Lupus Suessii in dieser Richtung die grösste Dif-
ferenz aufweist, jedoch nicht damit einzeln dasteht, da auch bei anderen Formen
(so z. B. bei Lupus spelaeus, vom Autoren des Lupus Suessii bezeichneten)
eine gleiche Differenz besteht und nicht weit davon (nur 0'3—0'5 mm) der
recente Wolf aus Posen und Eskymohund aus Labrador entfernt sind, sodass
diese Differenz nicht ausschliesslich und charakteristisch für die Form Lupus
Suessii ist.
3. Dass zwar die Form Lupus Suessii einen absolut höchsten horizontalen
Ast des Unterkiefers (in der Partie unter und vor dem Fleischzahne) besitzt, dass
jedoch auch in dieser Richtung Fälle bekannt sind, wo die Formen welche als
Lupus spelaeus bezeichnet sind, einen gleich hohen, oder noch bóheren horizon-
talen Ast besitzen und auch recente Wölfe mit gleicher Eigenschaft gefunden
werden.
4. Dass zwar die Formen Lupus vulgaris und Lupus vulgaris fossilis einen
Fleischzahn besitzen, welcher gewöhnlich länger ist als die Höhe des horizontalen
Astes vor ihm, dass jedoch dementgegen Formen mit einem kürzeren Fleischzahn
unter den recenten Wölfen nicht selten sind.
5. Dass also die Differenzen, welche in diesen Verhältnissen obwalten, einen
ausgesprochen individuellen Charakter besitzen, dass sie also keine morphologische
Merkmale für Race, Varietàt oder Art sind.
57
Endlich soll noch ein anderes Merkmal charakteristisch sein: beim Lupus
spelaeus soll nämlich der horizontale Ast des Unterkiefers seine stärkste Ent-
wieklung unter dem Fleischzahn erreichen, so dass hinter ihm seine Höhe nur
noch sehr wenig zunimmt. Dementgegen soll beim L. vulgaris und L. vulg. foss.
der horizontale Ast des Unterkiefers, noch hinter dem Fleischzahn an Breite be-
deutend zunehmen.
Wenn wir diese Verhältnisse einer Messung unterwerfen, so finden wir:
1. Dass die Höhe des horizontalen Astes (zwischen dem Fleischzahn und
dem ersten Höckerzahn gemessen) hinter dem Fleischzahn bei allen den ange-
führten Formen kaum merkbar sich ändert. So z. B. ist diese Höhe gleich gross
beim Lupus spelaeus (Zeiselberg, Goffontaine), Lup. vulg. foss. (Goffontaine) und
Lupus vulg. foss. (Woldřich f. 28), um 0'5- -1 mm kleiner erscheint beim Lupus
spelaeus (Streitberg) und Lupus vulg. foss. (Hohlefels), um 00—25 mm kleiner
erscheint beim L. spelaeus (Streitberg, Hohlenstein, Býčí Skála) und L. Suessii
(Gailenreuth, Nussdorf); dagegen um 0'5—1 mm grösser ist beim L. vulgaris
(Woldf. 28) Lupus vulg. foss. (Býčí Skála, Perignan, Rabenstein) und um 15
bis 2 mm grösser ist beim L. vulgaris (Woldf. 28. V.)
Es folgt daraus, dass die Hóhe des horizontalen Astes in der bezeichneten
Gegend nicht nur beim Lupus spelaeus sondern auch bei allen den übrigen For-
men abwechseld gleich gross, kleiner oder grósser erscheint als in der Partie
unter dem Fleischzahn, dass also ihre Abkürzung für die Form Lupus spelaeus
nicht charakteristisch ist.
9. Dass die Höhe des horizontalen Astes hinter dem zweiten Hóckerzahne
nicht als ein Merkmal, welches von der Race oder Form abhängig ist, bezeichnet
werden kann, sondern dass die Veränderlichkeit an dieser Stelle von Alter und
individuellen Entwicklungszustand abhängt. Seine Höhe in dieser Partie ist immer
grösser als unter dem Fleischzahn; um wieviel, das hängt davon ab, ob die untere
Kante des horizontalen Astes einen grósseren oder kleineren Bogen bildet. Diese
Differenz bewegt sich zwischen 0'5—10 mm. Bis zur Differenz von 6 mm finden
wir abwechselnd alle Formen von Lupus spelaeus, vulgaris und Suessii, und
zwischen diesen Grenzen bewegt sich auch diese Differenz meistens auch bei den
Hunden. Eine höhere Differenz von 6:5—10 mm kommt bei jüngeren Wölfen
(Lupus vulgaris und vulg. foss. und eben auch bei Hunden vor.
Die Entwicklung des Unterkiefers zeigt im hóheren Alter immer eine
grössere Streckung und infolge dessen vermindern sich die Differenzen zwischen
den einzelnen Hóhen um so mehr, je Alter die Individuen werden.
Wenn wir die Messungsresultate in dieser Richtung rekapituliren, so finden
wir, dass wirklich die kleinste Differenz bei den stattlichsten, d. h. bei den
ältesten Individuen vorkommt, wogegen bei Individuen bei welchen der horizontale
Ast unter dem Fleischzahn nicht höher als 26—30 mm ist, diese Differenz nur
1—10 mm ausmacht und unter 6 mm bei den Individuen sinkt, deren horizontaler
Ast 31— 35 mm hoch ist.
Ganz analogisch verhält es sich bei dem Hunde, wenn wir diese Verhält-
nisse bei einem Typus in verschiedenen Alters- und Entwicklungsstufen verfolgen.
58
So z. В. ein und derselbe Typus eines vorhistorischen Hundes aus Stradonic
weist auf einem älteren Schädel eine Differenz von + 3:5 mm (welche z. В. bei
dem L.spelaeus vorkommt) und auf einem jüngeren Schädel von demselben Fund-
orte eine Differenz von +45 mm (welche ähnliche der L, Suessii aufweist) und
auf einem anderen, jüngeren Schädel eine Differenz von + 7 mm (welche man bei
dem L. vulgaris vorfindet).
Fig. 21. Canis lupus Oberschädel in einem diluvialen Lósskindel von H. J. Sedf bei Beraun ge-
funden A von unten, B von der Seite.
Man kann daraus schliessen, dass einzelne Formen wie L. spelaeus und L.
Suessii nur ältere, stärker entwickelte Individuen eine und dieselbe Form
darstellen.
Auf Grund der vorerwähnten Vergleichsstudien lasse ich hier eine specielle
Beurtheilung der aufgeführten diluvialen Wolfsarten folgen.
Lupus vulgaris fossilis Woldr. stimmt vollständig mit dem recenten Wolfe
Canis lupus überrein und es ist gar nicht nöthig, ihn als eine besondere Form
von dem letzteren zu unterscheiden. Bei beiden diesen Wölfen herrscht, was die
Verhältnisse der Grösse und Länge der Höckerzähne und des Fleischzahns im
Oberkiefer, als auch die Verhältnisse der Fleischzahnlänge und der Höhe des
horizontalen Astes im Unterkiefer anbelangt, eine ganz gleichmässige Variabilität.
59
Die Höckerzähne sind bald kürzer, bald wieder gleich lang und bald wieder länger
als der Fleischzahn des Oberkiefers, und der Fleischzahn im Unterkiefer ist bald
kürzer, bald wieder länger als die Höhe des horizontalen Astes vor ihm. Es ist
überhaupt nicht richtig, dass der Fleischzahn des Unterkiefers auch bei den
schwüchsten Individuen lünger oder nur unbedeutend kürzer sein sollte als die
Höhe des horizontalen Astes vor ihm. Alle übrigen osteologischen Differenzen sind
überhaupt nur Resultate der gewöhnlichen Variabilität und fallen gar nicht in
Betracht.
Lupus spelaeus soll vor Allem die Form Lupus vulgaris durch seinen starken
Gebiss und robusten Skelettbau übertreffen. Es ist dennoch sicher, dass ein starkes
Thier eine vollstándig individuelle Erscheinung ist, wie es auch die Gróssenver-
hültnisse des Fleischzahns im Ober- und Unterkiefer beweisen, dass auch die
recenten Wölfe die Grösse der als Lupus spelaeus aufgeführten Formen nicht nur
erreichen, sondern dieselbe sogar übertreffen. Es ist auch nicht charakteristisch
für diese Form, dass die beiden Hóckerzühne stürker und zusammen länger oder
Fig. 22. Der Wolf. Canis lupus (var. spelaeus). Unterkiefer von Turská Mastal.
mindestens ebenso lang als der Fleischzahn sein sollten, denn dasselbe kommt auch
bei den Formen vor, welehe als Lupus vulgaris, L. vulgaris foss. und L. Suessi
bezeichnet sind. Es ist zwar richtig, dass der Fleischzahn des Unterkiefers auch
bei den stärksten Individuen immer kürzer ist als die Höhe des horizontalen Astes
vor ihm, aber dasselbe kommt auch bei den recenten Wölfen vor und es ist daher
sehr willkürlich einzelne fossile Individuen aus diesem Grunde als Lupus spelaeus
zu bezeichnen.
Es lässt sich auch nicht läugnen, dass die Höhe des horizontalen Astes
unter dem Fleischzahn ihre grösste Entwickelung erreicht und dass sie hinter ihm
nur noch wenig (höchstens um 42 mm) grösser wird; dennoch wie es höher ge-
zeigt wurde, hängt dieser Umstand nicht mit der Form und Art, sondern mit der
individuellen Entwiekelung, mit der Grösse und Alter des Thieres zusammen.
Diese hier angefürten Umstände muss recht die Vergleichung der ganzen
Skelette bestätigen, welche mir im Mangel an vergleichenden osteologischen Mate-
Beim Herrn Prof. Nehring in Berlin habe ich Skelette von
rial nicht möglich war.
60
grossen recenten Wölfen gesehen, die schon augenscheinlich darauf hinweisen ;
der H. Prof. Dr. Nehring hatte jedoch den Beweis sich vorbehalten, dass diese
recenten Formen mit dem diluvialen Lupus spelaeus identisch sind.
Lupus Suessii Woldf. Diese Form soll den Autoren”) nach vom L. vul-
garis fossilis und L. spelaeus vorerst durch Form und Stellung des Fleischzahns
und beider Höckerzähne im Oberkiefer unterschieden werden.
Der Fleischzahn soll demnach schmal und länglich sein, mit einem schwachen
weit nach vorne gerückten inneren Ansatz ohne Spur einer sich gegen Hauptzacken
hinziehenden Leiste versehen und die Wurzel des letzteren soll schief gegen die
Mittellinie des Gaumens verlaufen. Die Stellung des Fleischzahnes selbst ist pa-
ralell mit der Mittellinie des Goumeus, wogegen sie beim L. vulgaris foss. und L.
spelaeus einen bedeutenden Winkel bilden soll; auch soll der Fleischzahn etwas nie-
Fig. 23. Der Wolf. Canis lupus (var. Suessii Woldi.) A Oberschädel aus der Felskluft bei
Srbsko '/, natürl. Grösse. B Bruchstück des Unterkiefers.
driger sein als bei den letzt genannten Formen. Alle diese Merkmale sind derart
primitiver Art, dass man bei der nachgewiesenen individuellen Variabilität derartigen
Verhültnisse des Gebisses bei einer und derselben Art ihnen gar keinen Werth zu-
schreiben kann. Fleischzähne mit einem stark vorgerückten Vorderansatz, deren
Wurzel infolgedessen schief gegen die Mittellinie des Gaumens verlaufen, habe
*) Woldr. Ueber Caniden aus dem Diluvium p. 25.
61
ich sehr oft bei den recenten Wölfen vorgefunden (diese Form hat eine Differenz
bis 9 mm zwischen der äusseren und inneren Länge des Fleischzahns zu Folge,
siehe Seite 49). Dass dieser Ansatz keine, gegen den Gipfel des Hauptzaekens sich
hinziehende Leiste besitzen soll, ist wohl nur eine Täuschung, denn selbst die
Zeichnung Woldrich's Taf. IV. Fig. 8. eine Spur derselben aufweist, dieselbe
Spur, welche auch dort zurückbleibt, wo die Leiste vollständig abgeschliffen
ist; so z. B. ein Gebissbruchstück von C. lupus aus Turská Maátal, dessen stark
abgenutzte Zähne auf ein sehr altes Individuum hinweisen, besitzt einen Fleischzahn
mit derartigem, stark vorgerücktem Vorderansatz, dessen Wurzel ebenso schief
gestellt ist und dessen Oberflüche ohne Spur einer Leiste ist, ohne dass dieser
Bruchstrück mit Rücksicht auf die zugehörigen zugleich aufgefunden Unterkiefer-
reste zur Form L. Suessii zugestellt werden könnte.
Ein weiterer Unterschied der Form L. Suessii von den beiden anderen
soll im Oberkiefer in der Form und Stellung der Hóckerzühne bestehen.
Der erste Höckerzahn soll innen ziemlich breit und massiv mit einem mehr
viereckigen Umriss sein, wogegen bei L. vulgaris und spelaeus diese Form mehr
oval ist. Auch die Stellung dieses Höckerzahnes gegen die Mittellinie des Gaumens
soll fast senkrecht sein oder richtet sich eher nach vorne, wogegen bei den übrigen
Varietäten eher nach hinten gerichtet ist. Der zweite Höckerzahn ist verhältniss —
mässig schmäler und seine innere Hälfte ist bedeutend kleiner und am Vorderrande
nicht so stark ausgetieft.
Der Eckzahn soll bei L. Suessii kleiner, aber stärker und verhältnissmässig
dicker sein, die Schnauze, die vorne niedriger ist, soll in der Stirnpartie stark
emporgebogen werden, 80 dass sie oberhalb der vorderen Augenhöhlen verhältniss-
mässig höher ist und infolgedessen die Schnauze selbst im Ganzen kürzer
erscheint.
Auch diese nach Woldřich angefürten Merkmale sind bei den Wólfen und
Hunden einer grossen Variabilität unterworfen, sodass selbst ihre Relativität und
Unbestimmtheit dafür sprechen, dass es sich um winzige und nicht massgebende
Abweichungen handelt.
< Ich schliesse mich aus den allen hier angeführten Gründen vollständig den
Anschauungen Nehrings an, dass im unseren Diluvium nur ein Wolf eines einzigen
Typus und Art lebte, dessen stürkere Individuen bezeichnet werden kónnten als
Canis lupus var. spelaeus Goldf., insoweit sie durch einen starken, schmalen
Unterkiefer gekenntzeichnet sind, oder als
Canis lupus var. Suessii Woldí., insoweit sie einen starken, aber hohen
Unterkiefer besitzen; dagegen immer und alle Funde wo man diese Merkmale nicht
unterscheiden kann, dürfen nur als
Canis lupus fossilis m. bezeichnet werden.
Die Überreste vom Wolf- Canis lupus sind in unseren Sammlungen aus
folgenden Fundstellen vertreten.
Kotlářka und andere Fundstelle im Löss bei Podbaba; ein Unterkiefer
eines schwächeren Wolfes und Unterkiefer von stärkeren Individuen (var.
Spelaeus).
62
Beraun. Oberschädel, vollständig in einer Concretion (Lósskindel) einge-
schlossen; nur die Zahnreihen sichtbar (Fig. 21.).
Turská Mastal. Zwei Unterkiefer von zwei verschiedenen Individuen,
Bruchstücke des Oberkiefers, alles mit schwarz gefärbten Zähnen (var. spelaeus
Fig. 22.).
Srbska Siuj. Ein ganzer Oberschädel mit zwei Bruchstücken vom Unterkiefer
(var. Suessii Fig. 23.); zahlreiche Gliedmassenknochen.
Serveny Lom. Einzelne Zähne (Eckzahn, und Praemolaren aus dem Unter-
kiefer, Höckerzähne aus dem Oberkiefer) und einzelne Phalangen.
Der Hund.
Ausser dem Wolftypus tritt im Diluvium auch schon ausgesprochener Hunde-
typus auf, die Reste jedoch, welche von dem letzteren auf verschiedenen Stellen
aufgefunden wurden, sind derart selten und unvollständig, dass sie uns nicht ge-
währen ein vollständiges und verlässliches Bild vom dessen Typus anzuschaffen.
Aus den meistens nur bruchstückweise vorkommenden Ueberresten kann man nur
soviel sicherstellen, dass es sich hier um Hunde verschiedener Grösse handelt. Das
kann wohl kein Kriterium für verschiedene Arten bilden; es ist leicht möglich,
dass wir da nur verschieden grosse Individuen, oder auch verschiedene Ragen
oder Varietäten einer und derselben Art vor Augen haben.
Der Umstand, dass schon aus der vorhistorischen Periode einige Hunde-
Racen oder Varietäten genauer bekannt sind, lässt wohl vermuthen, dass auch ihre
Vorfahren im Diluvium einige verschieden gestaltete Formen bilden könnten, sicher
ist es gewiss nicht.
Bei der Unzulänglichkeit der vorhandenen Überreste bleibt es immer fraglich,
ob wir in einem oder adnerem Falle mit einer Race oder einer Varietät, oder
überhaupt manchmal nur mit einem kleinsten Exemplare einer grösseren Rage zu
thun haben und man kann infolge dessen die diluvialen Formen nur vermuthlich
nach den vorhistorischen Formen beurtheilen, Selbstverständlich kann man unter
diesen Umständen die diluvialen Hundeformen nicht als einige selbstständige Specien
unterscheiden, deren Ursprung überhaupt noch im Dunkeln sich birgt.
Wenn wir von dem Standpunkte ausgehen, dass im Pliocaen hauptsächlich
nur Wolf, Schakal und Fuchstypus bekannt sind, dass weiter im Oligocaen nur
Urfüchse (Cynodictis) und Urhunde (Amphicyon) zum Vorschein kommen, können
wir den Ursprung des jetzigen Hundes nur in diesen Formen suchen, solange uns
neue Funde nicht anders belehren werden.
Die geographische Verbreitung des Hundes sowie die Verschiedenheit seiner
Formen in verschiedenen Weltgegenden weist darauf hin, dass sein Ursprung nicht
einheitlich ist, sondern dass durch Kreuzung mehrerer Arten vom Wolf, Fuchs
und vielleicht auch Schakal ein Thier eines gemischten Charakters entstanden ist,
welches wir als Hund bezeichnen.
63
Der Hund war schon vor 4000 Jahren ein Hausthier des Menschen und
damals schon in einer Reihe von differenzierten Formen, wie es die Zeichnungen,
Inschriften und Mumien des altegyptischen Hundes wohl genügend beweisen. Er
war auch schon ein Geführte des vorhistorischen Menschen in den Pfahlbauten,
in dem Bronze- und neolitischen Zeitalter und auch da waren es schon minder oder
mehr difterenzirte Formen. Wenn wir alsdann seine Spuren weiter in die Ver-
sangenheit verfolgen, finden wir im echten Diluvium einige Formen eines gemein-
samen, gemischten Typus.
Es lässt sich wohl heute noch nieht bestimmt entscheiden, ob dieser Typus
des diluvialen Hundes entweder erst den Anfang der Hundegeneration andeutet,
welche sich später so mannigfach verzweigt hatte, oder ob wir da schon mit einem
Resultate einer fertigen Abzweigung von anderen, älteren, wenig bekannten
oder gar unbekdnnten Formen, oder vielleicht auch mit Kreuzungen einer Reihe
von solchen Formen zu thun haben.
Es ist schwer zu sagen, wie dieser Typus des Hundes sich wirklich aus-
bilden konnte. Meine Ansicht geht dahin, dass ein Prototypus des wilden Hundes
schon in ältesten Perioden der Diluvialzeit im Naturwege aus Vorfahren von einem
Wolfentypus sich entwickelt hat, dass dieser Prototypus einerseits durch die ihm
angeborene Variabilität infolge der Verschiedenheit der Verhältnisse, in welchen
er lebte, andererseits durch Kreuzung mit anderen verwandten Formen, mit Wölfen,
Füchsen und vielleicht auch Schakalen in eine Reihe von verschiedenen, grösseren
und kleineren Formen sich umgebildet hat. Es ist sehr wahrscheinlich, dass eine
oder andere Form des Hundes solcherweise sein Ursprung auch vom Wolfe ab-
leiten kann.
Ich halte also dafür, dass einige kleinere oder grössere, minder oder mehr
verschieden gestaltete Racen des diluvialen Hundes einem gemischten Typus an-
gehören, welcher ebenso wie der Wolf selbst einer Variabilität, infolge der Ver-
schiedeneit der Lebensverhältnisse unterworfen war, einer Variabilität, welche zwar
analogisch, aber noch grösser war. Dieselben Abweichungen, welche man in Aus-
bildung einzelner Partien des Skeletes beim Wolfe wahrnimmt und welche zur Be-
zeichnung einzelner Formen als — spelaeus, vulgaris foss. oder Suessii geführt
haben, finden sich auch beim Hunde vor.
Es ist dabei gar nicht nöthig und auch nicht richtig jede diese abweichende
Form auf Grund dessen von den ähnlichen Formen des Wolfes abzuleiten, denn
beiderlei Formen haben sich nicht auseinander sondern, parallel, selbstständig neben
sich entwickelt. Dass dem wirklich so ist, beweist der Umstand, dass die Differenzen
nach welchen man die abweichenden Formen z. B. eines vorhistorischen Hundes
(wie es auf Seite 58 gezeigt wurde) analogisch wie bei dem Wolfe (als spelaeus
Suessii, vulgaris) bezeichnen könnte, bei einem und demselben Typus, nämlich beim
C. familiaris praehistorieus var. intermedius vorkommen.
Die Forschungsresultate, welche in eine entferntere Vergangenheit hinreichen,
zeigen uns, dass aus den Urhunden, von welchen hóher gesprochen wurde, zwei,
anscheinlich sehr abweichende Zweige, nämlich die bärenartigen und hundeartigen
Raubthiere hervorgegangen sind.
64
Auf welche Weise diese Abzweigung stattgefunden hat, können wohl erst
weitere Funde von fehlenden Übergangsformen erläutern, ebenso wie es der Fall
ist bei der Differenzierung des Wolfes und Hundes, deren letzteren man weiter als
in's Diluvium nicht verfolgen kann ; im Pliocaen sind nur Wolf- Schakal- und Fuchs-
type bekannt, jedoch keine Hundetype und im Oligocaen kennen wir überhaupt
nur Urfüchse (Cynodietis) und Urhunde (Amphicyon) als die ältesten Vorfahren
dieses Raubthierzweiges. —
Es ist sehr wahrscheinlich, wie weiters bei den diluvialen Hundeformen ge-
zeigt wird, dass der Typus des Hundes aus einigen kleineren und grósseren Wolf-
varietäten hervorgegangen ist, welche noch jetzt leben und zwar dass es entweder
durch weitere direkte Variabilität infolge geographischer und klimatischer Verhält-
nisse oder durch Kreuzung mit Fuchs und Schakai geschehen ist.
Die bisherige Bezeichnungsart der einzelnen Hundeformen in vorhistorischer
und diluvialer Periode war nicht einheitlich und entspricht auch nicht den wirk-
lichen biologischen Anschauungen und nicht minder auch den Nomenklaturregeln.
Besonders die diluvialen Formen, welche als Vorfahren der späteren Va-
rietäten aufgestellt wurden, sind als Arten bezeichnet, wogegen die vorhistorischen
und recenten Formen, welche aus denselben hervorgegangen sind, man als Varie-
täten bezeichnet, als ob eine Art in eine Varietät umgewandelt werden konnte
(ich sage nicht, dass eine Art in mehrere Varietüten nicht zerfallen kónnte); dem-
entgegen ist da wohl ein ganz umgekehrter Process im Gange, nämlich dass die
ursprünglichen Kreuzungs- und Variabilitätsformen sich später stabilisiert haben
um doch noch nicht eine jede für sich selbsstündige Art, zu bilden, da alle
zusammen erst unter den Hut einer gemeinschaftlichen Art einbezogen werden.
Wir müssten der ersteren Bezeichnungsart folgend die heutigen Varietäten und
Racen des Haushundes als Varietäten mehrerer Arten bezeichnen und nicht, wie
wir es wirklich und im Einklang mit der Sachlage der Entwicklung thun, als
Varietäten einer einzelnen Art.
Ich nehme also für den diluvialen Hund als für einen gemeinschaftlichen
Haupttypus die einheitliche Bezeichnung Canis ferus (nach Bourgignat) an, welche
ursprünglich schon als eine Bezeichnung von wildem diluvialen Hund gemeint
wurde, und ordne ihm die übrigen, immer noch nicht genau bekannten Formen
als Varietäten unter.
Für die vorhistorischen und recenten Hunde genügt uns vollständig die
Artbezeichnung der domestizierten Form Canis familiaris mit Varietütsbezeichnung
seiner verschiedenen Racen, wobei der vorhistorische gezähmte Hund als Canis
familiaris praehistoricus bezeichnet, werden kann.
Diluvialer Hund. Canis ferus Bourg.
In den diluvialen Ablagerungen Frankreichs, Deutschlands, sowie bei uns
wurde ein wilder diluvialer Hund sichergestellt, welcher in einigen minder oder
mehr deutlichen Grössen oder Varietäten auftritt.
'anis ferus var. ferus Bourg.
Ein grósserer diluvialer Hund, dessen Reste zuerst in Lunel-Vieil aufge-
funden und vom M. Seures, Duvreuil und Jeanjean abgebildet und von Bour-
gignat!) als Canis ferus mit Übersicht der Fundorte angeführt wurden.
Seine Reste bestehen aus Fragmenten des Oberkiefers. Struckmann fand
in der Einhornhóhle einen Unterkiefer, weleher von einem vorhistorischen Jagdhund
(Canis familiaris praehistoricus var. matris optimae Jeit) kaum zu unterscheiden
ist. Aus Böhmen führt Woldřich?) Bruchstücke des Oberkiefers eines ähnlichen Hundes
aus Sudslavic an und fügt bei, dass seine Dimensionen ebenfalls auch mit denen
eines vorhistorischen Bronzehundes übereinstimmen.
Ich selbst habe Überreste dieser Varietät nirgends konstatieren können. Ob-
wohl die Kenntniss dieses Thieres nur auf Fragmenten beruht, bin ich dennoch
überzeugt, dass ein grosser wilder Hund im Diluvium existiert hat.
Eine nähere, genauere Charakteristik dieses Thieres bei der bekannten Varia-
bilität dieser Gattung ist wohl auf Grund dieser Fragmente keinesfalls möglich
und man kann nichts anderes sagen, als dass es ein Hund von der Grösse eines
Jagdhundes war. In Sudslavic fand Woldřich nur zwei Bruchstücke des Oberkiefers
mit Fleischzahn und den Höckerzähnen und einen rechten Zwischenkiefer, einen
linken oberen Stosszahn und zwei Praemolare; diese Reste denten auf die nahe
Verwandschaft dieses grossen diluvialen Hundes mit dem Wolfe hin und es ist nicht
ausgeschlossen, dass es ursprünglich nur ein kleinerer Wolf der Steppe oder Nie-
derung ist, dessen Analogie wir in dem jetzt lebenden Schilf- und Waldwolf in Ga-
lizien und Ungarn finden. Es wurde schon früher darauf hingewiesen, wie schnell
der Wolf einer Variabilität unter dem Einflusse der klimatischen und geographi-
schen Verhältnisse unterworfen ist, und so ist es nicht nöthig, zu weit umherzu-
greifen, um die Erklärung dieser auffälligen Umwandlungen und deren Stabilisie-
rung zu finden,
“anis ferus var. Mikii Woldr.
Ein Hund, der etwas kleiner ist (in der Grösse eines Schakals) als der vor-
hergehende, wurde von Dr. Woldfich auf Grund von Ober- und Unterkieferbruch-
stücken aus Čertova Díra in Mähren beschrieben?) Autor sprach die Meinung aus
dass dieser Hund ein Vorfahre des vorhistorischen Canis familiaris praehistoricus
var. palustris Rütm. sein konnte.
Seine Erscheinung füllt mit dem Ende der postglacialen und mit dem Anfange
der Steppenperiode zusammen. Später schrieb Dr. Woldřich noch einige Extre-
mitätenknochen aus Sudslavie in Böhmen dieser Varietät zu und sagt, dass diese
1) Bourgignat. Recherches sur les ossements de Canidae de France.
2) Woldřich J. N. Diluviale Fauna von Sudslavic. 3. Bericht.
зу Dr. Woldřich Beiträge zur Geschichte des fossilen Hundes. Mitth. d. anthrop. Gesell-
schaft Wien. XI. Bd. 1882,
66
vollständig mit den Resten des vorhistorischen О, famil. praeh. var. palustris Rütm.
aus Slavikovie in Mähren übereinstimmen.
Auch die Kenntnis dieses Hundes ist nur fragmentarisch. Ausser den Bruch-
stücken des Oberkiefers und des Unterkiefers aus der Čertova Díra fand Dr. Woldřich’)
einige Bruchstücke von Extremitätenknochen und kleinere Phalangen, deren Zuge-
hórigkeit zu dieser Forn nur hypothetisch ist. Es sind dabei auch verschiedene
Individuen vertreten und wäre jedenfalls empfehlenswert diese Reste mit dem
recenten Schakal genauer zu vergleichen.
Es ist überhaupt genug auffällig, dass gerade der Schakal Comte (Lupulus) aureus
im mitteleuropaeischen Diluvium nicht genau sichergestellt wurde, obwohl Nehring?)
dafür hält, dass demselben einige Reste aus der Hoeschenhöhle bei Neumühle an-
gehören,
Obwohl es also sehr wahrscheinlich ist, dass eine, kleinere Varietät eines
wilden Hundes schon im Diluviun existierte, ist es doch nicht möglich dieselbe
auf Grund der bisherigen Funde als vollständig bekannt zu bezeichnen. Ihren
Ursprung könnte man ehestens aus der weiter unten angeführten mittelmässigen Race
(C. ferus var. intermedius) abzuleiten und zwar entweder als Resultat einer weiteren
Variabilität unterm Einfluss von klimatischen und geographischen Lebensverhältnisse
oder als wahrscheinliches Kreuzungsresultat mit Schakal oder Fuchs, in welch’
letzter Richtung die recente Periode gute Beispiele leistet.
Canis ferus var. hereynius Woldi.?)
Aus Sudslavie führt Dr. Woldřich als Canis hereynius Wold‘) einen Unter-
kiefer eines Hundes an, welcher noch kleiner erscheint als der vorher angeführte
C. f. Mikii, und meint, dass derselbe ein Vorfahre des vorhistorischen Hundes
sein kónnte, welchen aus italienischem Terramare Strobel als Camis fam. Spalleti
Strob (nach meiner Bezeichnung C. famil. praeh. var. Spalleti Strob) beschreibt.
Später fand Dr. Woldřich noch andere Bruchstücke vom Unter- und Ober-
kiefer. Ausser Sudslavic wurde ein derartiger Hund nirgends aufgefunden und es
scheint, dass wir da keine bestimmte, stabilisierte Form, sondern nur zufällige
Abweichung oder überhaupt nur kleinere oder jüngere Individuen der vorherigen
Form vor uns haben. Man kann also diese Form als noch weniger begründet beur-
theilen als die vorige.
') Dr. Woldřich. Ueber die Diluv. Fauna von Sudslavic. II. Theil. Sitzb. der mathem.
naturw. Classe d. Kais. Akad. Wien. 1882. a 1884.
?) Nehring Tundren u. Steppen d. 194.
*) Dr. Woldfich Ueber die dil. Fauna von Sudslavic. П. III. Theil. Sitzb. S. math. naturw.
Classe der Kais. Akad. Wien. 1882 a. 1884.
*) Im Kataloge von Trouessart ist diese Varietät fehlerhaft als Abart des Wolfes angeführt,
wahrscheinlich infolge dessen, dass es ebenso auch Zittel gethan hat.
67
Janis ferus var. intermedius Woldr.')
Ursprünglich führte Woldřich diesen Hund, der eine Grösse des Schäfer-
hundes besitzt, aus Sudslavic an und schreibt dieser Form auch andere Funde
zu, so den Römer’schen aus der Zbyjecer Höhle bei Ojcov und den Liebe'schen
aus der Vypustek Höhle in Mähren; selbst bestimmt er so auch einige Reste aus
Predmosti in Mähren.
Diese Form ist jedenfalls eine mehr typische und stabilisirte Erscheinung
als beide vorherigen, denn auch in dem frei abgelagerten Loess bei Podbaba und
in den Ablagerungen der Schlucht bei Srbsko, habe ich Reste aufgefunden,
welche denen aus Sudslavic vollständig entsprechen. Ein vollständiger Unterkiefer
aus der Podbaba kann wohl als einem derartigen Hund angehörig gedeutet werden,
obwohl derselbe ganz gut auch einem jungen Wolf angehören kann. Diese Zuge-
hörigkeit nach ähnlichen Einzelnfunden zu entscheiden ist wohl sehr schwerlich
und ungewiss. Solche Ueberzeugung habe ich auch bei recenten und vollständigen
Schädeln gewonnen, welchen die Bezeichnung ihres Ursprungs fehlte; in gewissen
Stadien wurde es überhaupt nicht möglich einen Wolf von einem halbwilden und noch
weniger von einem wilden Hund bestimmt zu unterscheiden. Wie weit beschwerlicher
und unsicherer ist es bei einzelnen Bruchstücken des Schädels oder einzelnen
Knochen des Skelettes!
So auch die fragmentarischen Funde dieser Form, welche uns eben beschäf-
tigen, lassen keine nähere Charakteristik zu, als dass es sich hier um eine hunde-
artige Form von Grösse eines Schäferhundes handelt. Auch Nehring stellte die von
ihm aufgefundenen Reste nur mit Frage in die Verwandtschaft mit dieser Form.
Im Ganzen ist es eine Form, welche inmitten zwischen den oben genannten
Varietäten, das heisst zwischen dem grössten C. ferus var. ferus und dem kleinsten
C. f. var. Mikii und hercynius stebt. Man dürfte kaum fehlgreifen, wenn man
diesen Hund in die Verwandtschaft stellte oder direkt von den kleinsten Wölfen
abzuleiten suchte, welche in der recenten Fauna durch die weit nach Osten ge-
rückten Formen Canis pallipes Sykes. und dem japanischen C. hodophylax Tem.
vertreten sind.
Eine nähere Charakteristik, welche uns bei diesen diluvialen Formen, nàm-
lich bei dem C. ferus var. ferus und C. ferus var. intermedius auf Grund der dilu-
vialen Funde fehlt, erkennen wir mit einer grösseren Wahrscheinlichkeit aus den
vollkommeneren vorhistorischen Funden, denn die vorhistorischen Hunde var.
matris optimae und var. intermedius dürften wohl direkte Nachkommen der dilu-
vialen Formen sein, da sie mit ihnen, soweit wir e8 beurtheilen können, vollständig
übereinstimmen.
Vorhistorischer Hund. Canis familiaris praehistoricus m.
Auch der vorhistorische Hund kommt in einigen Variüteten vor, welche haupt-
sächlich dureh ihre Grösse sich unterscheiden. Es sind folgende:
1) Woldřich J. N. Diluviale Fauna von Sudslavic 3. Bericht.
5*
68
Canis familiaris praehistorieus var. decumanus Nehr.
Der grösste vorhistorische Hund, welcher wahrscheinlich einen Vorfahren
der jetzigen deutschen Dogge vorstellen dürfte, und von Prof. Nehring beschrieben
wurde.
Seinen Ursprung dürfte man von einem Wolfe des Charakters eines Canis
lupus var. Suessit Woldr. ableiten.
Aus Böhmen werden derartige Reste von Dr. Woldřich ') aus Hradist bei
Kuttenberg angeführt. Den betreffenden Fund habe ich umsonst im Museum in
Kuttenberg nachgesucht, wo er sich befinden soll.
Fig. 24. Canis familiaris praehistorieus var. decumanus Nehr. Podbaba. '/, natür. Gr.
Aus der Podbaba besitzen die Sammlungen des Landesmuseum in Prag Unter-
kieferreste eines derartigen Hundes, welche etwas kleiner sind (Fig. 24.) und deut-
liche Zeichen der Domestikation aufweisen (die stark gebogene Unterseite des
horizontalen Astes). Auch der Knochencharakter weist auf etwas jüngeres Alter
hin; der Unterkiefer stammt wahrscheinlich aus den vorhistorischen Grabstätten,
welche im dortigen Loess häufig sind.
Vorhistorischer Jagd- und Vorstehbund. Canis familiaris praehistoricus
var. matris optimae Jeit.
Ein etwas kleinerer Hund als der vorige, zuerst von JeWeles?) aus Olmütz
beschrieben, dann auf anderen Fundorten z. B. am Stahrenberger See, in Regens-
burger Hóhle, in Auvernier am Neuenburger See u. a. Stellen wieder aufgefunden.
Aus Böhmen zuerst von Woldřich °) aus Strädonic, aus Hradist bei Kuttenberg und
1) Woldřich. Beiträge zur Urgeschichte Bóhmens. Mitth. d. anthr. Ges. Wien. Bd. XVI. 1886.
?) Jeitteles L. H. Die vorgeschichtlichen Alterthümer der Stadt Olmütz und ihrer Umge
bung. Mitth. d. ап гор. Ges. in Wien, Bd. ХҮП, 1872.
*) Dr. Woldfich. Ueber den Haushund von Strádonic. Mitth. d. anthrop. Ges. Wien Bd.
XII. 1882.
69
Caslau *) angeführt, Ed. Naumann " unterscheidet zwei Ragen dieser Varietät, eine
vom robusten Bau eines Parforcehund, die andere schlankere und feinere auf die
Art eines Vorstehhundes. Unsere Schädel aus Strädonic stimmen hiemit überein und
gehóren der ersteren Rage an.
Es ist ein charakteristischer Typus eines schon domestizierten Hundes,
dessen Existenz in vorhistorischer Periode keinem Zweifel unterliegt.
Fig. 25. Vorhistorischer Jagdhund (Canis familiaris praehistoricus var. matris optimae Jeit.)
Ein Schädel aus Strádonic in !/, der natür, Grösse.
Fig. 26. Vorhistorischer Jagdhund (Canis familiaris praehistorieus var. matris optimae Jeit.)
Ein Schädel aus Strädonie in !'/, der natür. Grösse.
t) Dr. Woldřich. Beiträge zur Urgesch. Böhmens. Mitth. d. anthr. Ges. Wien Bd. XVI
1886. und XIX. Bd. 1889.
5) Ed. Naumann. Die Fauna der Pfahlbauten am Starnberger See. Archiv für Antrop. Bd.
ҮШ. Braunschweig 1875.
10
Dieser grosse Hund dürfte wohl als direkter Nachkomme des gróssten dilu-
vialen Hundes (oder des kleinsten Wolfes) Canis ferus var. ferus angesehen werden
Der Schädel dieses Hundes, welcher als der Bronzezeit angehórig kurz auch
Bronzehund genannt wird, hat nach den Messungen von Jeiteles eine Basallänge
171—189 mm (bei den kleinsten Individuen noch 162 mm); die Länge des läng-
Fig. 27. Vorhistorischer Schäferhund (Canis fam. praehistoricus var. intermedius.) Ein Schäde
aus Strädonic von oben in !/, der natür. Grösse,
lichen und schmalen Gaumens verhält sich zu seiner grössten Breite wie 100: 65:85
Dennoch ist die Schnauze länglich und ziemlich zugespitzt, so auch das ganze
Schädelprofil von der Seite flach und mässig gewölbt erscheint; auch die Scheitel-
knochen zeigen eine nur mässige Wölbung.
Die Schädel unserer Sammlungen haben eine Basallänge von 174—180 mm
und das Verhältniss der Länge und Breite des Gaumens 100: 66:5.
Vorhistorischer Schäferhund. Canis familiaris praehistorieus var. inter-
medius Woldi.
Auch dieser Hund ist eigentlich ein Bronzehund, denn seine Reste kommen
regelmässig in den Aschenschichten der vorhistorischen Bronzezeit-Ansiedelungen
vor. So wurde er zuerst aus Weikersdorf und Pulkawa in Oesterreich von Dr.
Woldfich ') beschrieben, dabei auch ein Bruchstück des Unterkiefers von Blaschim
1) Dr. J. N. Woldřich. Ueber einen neuen Haushund der Bronzezeit. Mitth. der Anthr.
Ges. Wien VII. Bd. N. 4 und 5.
2
in Bóhmen angeführt. Derselbe Autor führt ihn weiter noch von Libáň bei Jiein *)
undaus Strádonic, aus der Sipka-Hóhle und der Čertova Díra ın Mähren an ?). Aus diesen
Funden habe ich die Strádonicer Hunde bei der Hand, auch einen Schädel aus
dem Särka-Thal und von diesen meist gut bewahrten Schädeln rühren auch meine Ab-
bildungen her.
Der Schädel dieses Hundes ist durch eine, als bei dem vorigen, kürzere Schnauze
gekennzeichnet, wogegen das Ende derselben in der Partie der Stosszahnalveolen
verhültnissmüssig breiter ist; auch die Stirngegend und die Oberkiefer sind
Fig. 28. Vorhistorischer Schäferhund (Canis fam. praehistoricus var. intermedius.) Ein
Schädel mit dem Unterkiefer aus Strádonic von der Seite in !/, der natür. Grösse.
bedeutend breiter; der Hinterschädel erscheint höher gebaut und die Wölf-
bung der Scheitelknochen besonders in der hinteren Partie ist deutlich grösser
als bei dem vorigen. Auch die Gesammtgrösse des Schädels weist einen Unter-
schied auf. Die Schädel unserer Sammlungen haben eine Basallänge von 165—170
mm, der Weikersdorfer Schädel vom Woldfich gemessen 164 mm und. Verhältniss
der Länge des Gaumens zu seiner grössten Breite 100: 72 22.
Vorhistorischer Torfhund. Canis familiaris praehistorieus var. palustris
Rütm.
Eine Hunderace, welche zuerst als eine konstante Erscheinung von Rütimeyer?)
aus den Pfahlbauten der Schweiz beschrieben wurde. Später beschrieb Canestrini')
eine ähnliche Form unter dem Namen Canis familiaris minor aus der Umgebung
von Modena, welche wahrscheinlich identisch ist. Naumann 5) konstatirte die Existenz
1) Dr. J. N. Woldřich. Beiträge zur Urgeschichte Böhmens. Mitth. ib. Wien 1884.
?) Dr. J. N. Woldfich. Ueber den Haushund von Strádonic, Mitth. ib. Bd. ХП. 1882.
зу Rütimeyer L. Fauna der Pfahlbauten der Schweiz. Basel. 1861.
*) Canestriui. Oggeti trovati sulle terremare del Modenese. Modena 1866.
5 Naumann Edm. Die Fauna der Pfahlbauten im Staruberger See. Arch. für Anthro-
pologie. Braunschweig 1875. Bd. VIII.
12
dieser Race auch in den Pfahlbauten von Bayern und auf eine noch allgemeinere
Verbreitung derselben wies Jeiteles‘) hin. Aus Böhmen führt den Torfhund
dr. Woldfich?) aus Strädonic an. Ein Torso des Schädels, auf welchem diese
Behauptung beruht, befand sich früher in der Collection Dr. Berger, mit welcher
es ins Museum gelengte; ich finde, dass es sich hier eher um einen jungen
Schäferhund handelt.
Derselbe Hund wird weiters aus den neolithischen Fundstellen bei Kutten-
berg (Hradiště, Hrádek bei Čáslav) angeführt ^. Inwieweit diese Bestimmungen
richtig sind, konnte ich nicht konstatiren, da die betreffenden Stücke im Kutten-
berger Museum nicht zu finden sind.
Einen guten Beleg für die Existenz dieses Hundes in Bóhmen liefert die
jüngere Periode in der Kalvarienschlucht bei Repora (Fig. 29.).
Ausser dem auffälligen Unterschied in der Grösse zeigt der Schädel des
Torfhundes auch andere, ganz charakteristische Kennzeichen ; sein Scheitel ist
flach, hóchstens erst an der Spitze in einen kleinen Kamm übergehend, die
Ke
TN
Fig. 29. Vorhistorischer Torfhund (Canis fam. praehistoricus var, palustris Rütm.) Ein Schädel
aus der Kalvarienschlucht bei Repora in '/, natür, Grösse.
Schnauze ist kurz und der Übergang derselben durch die Stirngegend jedenfalls
steiler als bei den vorigen Formen; der Hintertheil des Schädels dem Vordertheil
entgegen ist verhältnissmässig breiter.
Jeitteles gibt die Basallänge der von ihm gemessenen Schädel auf
130—152 mm an, Woldrich auf 134 (?); unser Schädel aus der Kalvarienschlucht
hat eine Länge von 137 mm, Verhältniss der Gaumenlänge zur Gaumenbreite bei
Jeitteles 100 : 69:69 ist bei dem unseren Schädel auffülliger 100 : 76.
Becenter Haushund. Canis familiaris L.
Es dürfte wohl zu weit führen, wenn wir uns hier mit allen den Varietäten
und Ragen des Haushundes beschäftigen sollten, welche jetzt in Böhmen gezogen
4) Jeitteles. Die Stammväter der Hunderassen. Vídeň 1877.
5) Dr. J. N. Woldřich. Uiber den Haushund von Strädonie, Mitth. d. anthrop. Ges. Wien.
Bd. XII. 1882.
°) Dr. J. N. Woldřich. Beitr. z. Urg. Böhmens. Mitth. d. апт. Ges. Wien XVI. Bd.
1886. a XIX. Bd. 1889.
18
werden. Mann findet unter denselben viele aus der Fremde importierte Ragen,
theils auch eine Menge von Racen, welche durch moderne Aufzucht oder durch
zufällige oder absichtlich herbeigeführte Kreuzung entstanden sind.
Der endemische Hund, welcher auf unserem Boden aus den wilden oder halb-
wilden Racen des Diluviums und Alluviums entstanden ist und weiter gezüchtet
würde, weist im Ganzen nur wenige Racen oder Varietäten auf, von welchen folgende
aufgeführt zu werden verdienen.
Der Schäferhund. Canis familiaris var. pecuarius.
Der Schäferhund, so wie wir ihn heute kennen, ist wohl nicht älter als
circa 200 Jahre; er wurde aus dem älteren und vorhistorischen Schäferhund
(Canis familiaris praehistoricus var. intermedius) durch eigene Domestikation und
vollkommenere Dressur gezüchtet. Der vorhistorische Schäferhund war ein noch
halbwilder Hund, welcher zu den Heerden der Hausthiere nur mehr mechanisch ge-
bunden war (er wurde vom Schäfer an der Leine geführt), um diese vor dem
Raubwild zu schützen. In seinem Blut und in seinem Benehmen hielt sich lange
und zwar bis zur Zeit der Ausrottung des Wolfes viel Charakter eines Wolfen-
typus und es ist sehr wahrscheinlich, dass sein diluvialer Vorfahre Canis ferus
var. intermedius direkt aus kleineren Wolfracen entstammt und dass diese bis zu
ihrer Ausrottung auf seiner Entwickelung theilgenommen haben. Erst durch die
Ausrottung dieser mitwirkenden Wolfsracen fand eine vollständige Domestikation
dieses Hundes. und eine selbständigere Entwicklung seiner Rage statt, welche da-
durch jedoch geändert wurde, so dass sie neue Varietäten bildete und zwar andere
z. B. bei uns, wo der Wolftypus noch länger anhielt (insbesonders in Ungarn),
andere wieder in England, wo die sogenannten Collies auf eine besondere Voll-
kommenheitsstufe gebracht wurden, und andere endlich im Südeuropa, von wo
zu uns aus ihrer Reihe der Pudl gebracht wurde, welcher in seiner Jagdfähigkeit
das Anzeichen seines Ursprungs bewahrt hat, zu welchem Zwecke er früher auch
wirklich benützt wurde.
Der Haushund. Canis familiaris var. domesticus.
Unter dem Namen des Haushundes wird eine ganze Reihe von Racen und
Schlägen angeführt, welche keinesfalls einheitlich erscheint, das heisst, keinesfalls
einen und denselben Ursprung hat; unter diesen existiert wohl noch eine ganze
Menge von Bastarden, deren Ursprung sehr oft nicht einmal in die nächste Ver-
gangenheit zu verfolgen ist.
Vom wissenschaftlichen Standpunkte meinen wir hier den eigentlichsten und
ältesten, verhältnissmässig auch den reinsten Haushund, nämlich den Spitz
Canis familiaris domesticus — pomeranus), welcher bei uns immer seltener wird,
in den benachbarten Gebieten Deutschlands immer noch ziemlich häufiger be-
gegnet wird.
14
Der Spitz ist auch in seiner heutigen Form Alter als der jetzige Schüfer-
hund, denn mit kleinen Abweichungen lässt sich seine Entwickelung weit in die
Vergangenheit verfolgen und es hat viel für sich die Meinung einiger Autoren,
dass er seinen Ursprung von dem Hüter der Pfahlbauten, das heisst von dem
Canis familiaris praehistoricus var. palustris Rütimayers ableiten kann, welcher
weiters von den kleineren Wildhunden des Diluvium herstammt, in deren Blut viel
vom Schakal enthalten ist, und welche wir auf der Seite 65 und 66 unter die
Varietäten Woldrich’s C. Mikii und C. f. hercynius eingereiht haben.
Aus demselben diluvialen und vorhistorischen Stamm können wohl auch
andere Racen des Haushundes abgeleitet werden, so wahrscheinlich der Wachtel-
hund (Canis familiaris brevipilis), in deren Verwandschaft Rütimayer selbst diesen
Hund am nächsten stellt.
Die interessanteste Analogie einer solchen Entwickelung stellt im Norden
der Eskimohund Canis familiaris borealis und bei den Papuanen Canis hiber-
nicus dar.
Kleiner Jagdhund (Canis familiaris sagax).
Der kleine Jagdhund, welcher mit Leichtigkeit seines hochbeinigen Körpers
eine rege Beweglichkeit und einen schnellen Lauf, sowie vollkommene Eigen-
schaften eines Jagdthieres verbindet, gehört ebenfalls zu den ältesten Haushund-
ragen an. Seine Gestalt finden wir schon in den altegyptischen Hieroglyphen abge-
bildet und die Schädel der Bronzehunde (Canis famil. praehistoricus var. matris
optimae Jeitt.) sind ganz bestimmt Schädel seiner alten Vorfahren, welche mit
grosser Wahrscheinlichkeit von den grössten Wildhunden des Diluvium (Canis ferus
var. ferus Bourg.) sich ableiten lassen, in deren Blut sich viel vom echten Wolfs-
blut birgt, wenn es sogar nicht gewisse Wolfsracen der Ebene sind, wie es auf
der Seite (65.) erórtert wurde. Es wurde auch schon gesagt, dass Naumann unter
den Bronzehunden zwei Racen gefunden hat, nämlich eine schlankere, welche auf
den Vorstehhund (Canis fam. grajus) und eine robustere, welche auf den Parforce-
hund (Canis fam. gallicus) der Jetztzeit hinweist; dieser Anschauung stimmt auch
Jeitteles bei und ebenfalls wird dieselbe durch die bei uns gefundenen Schüdel
bestätigt.
Grosser Jagdhund, Dogge (Canis familiaris anglicus).
Hunderagen, welche wir heute unter dem Namen der englischen und deutschen
Dogge kennen, sind jedenfalls Resultate der absichtlichen Aufzucht der Neuzeit.
Das Material hiezu lieferte jedoch ein endemischer grosser Hund, welcher stellen-
weise auch in anderen starken Hacen auftritt, sehr oft jedoch in verschiedene
missgebildete und fortwährend veränderliche Formen ausartete.
Dass ein solcher endemischer Hund schon seit der Diluvialzeit bei uns lebte
und später domestizirt wurde, das scheinen einige, obwohl seltene Funde zu bezeugen,
45
welche in der vorhistorischen Zeit unter dem Nehring'sehen Namen Canis familiaris
praehistoricus var. decumanus zusammengezogen werden dürften und deren Ur-
sprung von den gróssten Hunden oder einigen Wólfen Diluviums (Canis lupus var.
Suessii und Canis ferus var. ferus) abgeleitet werden kónnte.
Die Wahrscheinliehkeit dieses Entwiekelungsganges wird durch die allge-
meine Körpermächtigkeit, namentlich durch die Grösse und Stärke des Schädels,
bei diesem insbesonders durch den stark ausgebildeten Unterkiefer unterstützt
Nichtsdestoweniger bleibt noch übrig, neue und sichere Belege für diese Anschauung
zu sammeln, als welche bis heutzutage vorliegen.
Gattung Cuon.
Diese Gattung hat wohl in der Fauna Böhmens keinen Vertreter, derselbe
wurde jedoch in Mähren, 1) Würtemberg °) und in Frankreich ?) gefunden, sodass
es nicht ausgeschlossen ist, dass derartige Reste auch in Böhmen aufgefunden werden
könnten, obwohl vorläufig nur ein negatives Resultat der eingeleiteten Nachforschung
zu verzeichnen ist.
Die Hauptmerkmale dieser Gattung sind:
1. Der Unterkiefer besitzt nur einen einzigen Höckerzahn (m,), welcher
relativ kleiner ist als bei dem Wolfe; derselbe besitzt auch nur eine Wurzel,
wenn auch durch eine Leiste die Zweitheilung angedeutet wäre. Es ist wohl
achtzugeben, denn anch bei den Wölfen und Hunden kommt es vor, dass der zweite
. Höckerzahn (m,) fehlt; Nehring selbst führt einen solchen Fall bei einigen Hunden,
drei Wölfen (Canis lupus) und einem Canis latrans an und auch in unseren Samm-
lungen findet sich ein Schädel, dessen Unterkiefer einerseits ohne diesen Höcker-
zahn ist, wogegen andererseits derselbe entwickelt ist; an der Stelle des fehlenden
Höckerzahns sieht man gar keine Spur, selbst keine Spur der Alveole oder ihrer
Verwachsung.
2. Der Fleischzahn im Unterkiefer (m,) hat nur einen, ziemlich kurzen und
schmalen Zacken; der Nebenzacken an der Innenseite des Hauptzackens ist sehr
schwach entwickelt; das Talon besitzt nur eine kegelförmige Spitze, wogegen bei
der grössten Anzahl der Caniden zwei deutliche Spitzen entwickelt sind.
3. Die Höckerzähne m, inf. und m, sup. sind relativ kleiner und einfacher
als bei den Wölfen; m, inf. hat nur einen deutlich entwickelten Höcker und an
Stelle der zwei übrigen, welche man bei den Wölfen sieht, nur ganz winzige Er-
höhungen.
1) Dr. A. Nehring. Diluviale Reste von Cuon, Ovis, Saiga, Ibex und Rupicapra aus Mähren.
N. Jahrb. f. Mineralogie etc. 1891 Bd. II. — Dr. J. N. Woldfich. Beiträge zur diluvialen Fauna
Mährens. Verhandl. d. k. k. geol. Reichsanst. 1881. — Fr. Maška. Pravěké nálezy ve Stramberku.
?) Dr. A. Nehring. Uiber Cuon alpinus foss. Nehr. nebst Bemerkungen über einige andere
foss. Caniden. Neues Jahrb. f. Miner. etc. 1890 Bd. II.
sur les ossements de Canidae. Ann. de Soc. géol. 1875 — VI.
3) Bourgnignat. Recherches
16
Es werden in der Literatur (siehe Bemerkungen (Seite 75) angeführt :
Cuon europaeus Bourg. aus Öertova Díra, aus den Höhlen: Sipka in Mähren, Mars
de Vence in Frankreich und aus Banarie.
Cuon Edwardsianus Bourg. aus Vypustek (?) in Mähren, aus den Höhlen Mars de
Vence und Lunel Vieuil in Frankreich.
Cuon alpinus foss. Nehr. aus dem Steppenloch in Würtemberg.
Alopecoida.
Eine Gruppe von hundeartigen Raubthieren, deren typischer Vertreter die
Gattung Vulpes in Europa, Asien und Nordamerika ist. Weiters gehören hieher
die südamerikanischen Gattungen Urocyon und Ictieyon und die südafrikanischen
Lycaon und Otocyon an,
Der Fuchs. Vulpes.
Der Fuchs, welcher in Europa in einigen Arten und Abarten schon seit
der diluvialen Epoche stark verbreitet ist, scheint im Tertiaer die ältesten Vorfahren
in der Gattung Galeeynus und in dem Fuchse Canis curvipalatus von Siwalik zu
besitzen.
Vom Wolfe und seinen Angehörigen unterscheidet sich der Fuchs auffällig
nicht nur durch seinen Körperbau und das ganze Exterieur, sondern auch durch sein
Skelettbau, insbesonders durch den Charakter des Schädels und des Gebisses
Nicht so auffallend ist der Unterschied zwischen dem Fuchse und einigen Hunden,
mit welchen er manche verwandte Formen aufweist.
Charakteristische Differenzen beruhen im Folgenden: Der Fuchsschädel ist
ziemlich verlängert, hinten relativ breiter, vorne sehr schmal und die lange
Schnauze geht in die Stirngegend ohne besondere Aufwölbung über; etwas
solches begegnen wir bei den Hunden recht selten und auch in solchem Falle wird
die schmälere Schnauze des Fuchses genug auffällig bleiben. In der Ausbildung
der Stirngegend sowie in der Form der orbitalen Ausläufer lässt sich der Fuchs
von manchen Hunderagen schwerlich unterscheiden, obwohl die Verengung des
Fuchsschädels hinter den orbitalen Ausläufern immer auffälliger erscheint ebenso
wie die schnelle Verschmäleruug der Nasalknochen, welche über das Ende des
Oberkiefers niemals deutlich weiterreichen. Die Gehörknochen, von länglich ellip-
lischer Form sind immer mächtiger gewölbt als bei dem Hunde und das Keilbein,
welches beim Hunde immer flach ist, hebt sich bei dem Fuchse kammartig auf;
die Foramen ineissiva sind bei dem Fuchse immer länger und höher.
Das Gebiss des Fuchses, welches, was die Anzahl und Stellung der Zähne anbe-
langt mit dem des Hundes übereinstimmt, ist durch tiefer eingezakte Schneidezáhne
und durch lange und dünne Eckzähne gekenntzeichnet, welche letztere jedoch immer
den Charakter der Gattung Canis verwahren, wie wir ihn auf der Seite 25. kennen
gelernt haben. Die Lückenzühne haben den Hauptzacken stark zugedrückt und der
——— À €
11
hintere Nebenzacken fehlt entweder vollständig oder tritt nur in der Form
eines verstümmelten Höckers anf. Der untere Fleischzahn ist durch ein grosses
stumpfes Talon und einen starken Innenansatz charakterisiert, welch letzterer
schief gegen die Mittellinie des Gaumens gerichtet ist; dieser Fleischzahn ist
immer ziemlich länger als die beiden Höckerzähne zusammen. Der obere Fleisch-
A. Schädel von oben. — B. Gebiss,
Fig. 31. A. Schädel eines diluvialen gemeinen Fuchses (Vulpes alopex foss.) aus der Um-
gebung von Aussig. — В. Ein Bruchstück des Unterkiefers.
18
zahn dagegen ist immer kürzer als die beiden hinter ihm folgenden Höckerzähne,
jedoch dieser Unterschied ist nicht so auffällig wie bei dem unteren Fleischzahn.
Der Skelettbau zeigt im Ganzen schlankere Formen als bei dem Hunde
und auch die Wirbelstachel und Rippen sind schwächer.
Auch der Fuchs ist einer starken Variabilität unterworfen, obwohl dieselbe
nicht so stark entwickelt ist wie bei dem Wolfe und Hunde. Man findet infolge
dessen sehr leicht neue abweichende Formen, es ist jedoch nicht richtig eine jede
solche Form gleich als etwas selbständiges zu bezeichnen. Mit Rücksicht auf
diese Verhältnisse ziehe ich die bekannten Formen in die drei folgende Arten
zusammen:
Der gemeine Fuchs. Vulpes alopex L.
(Syn. Canis vulpes ';. Vulpes vulgaris Briss.)
Die einzige, bei uns noch jetzt lebende Form, welche schon im Diluvium
zuerst wahrscheinlich am Amfange der Steppenperiode erschienen ist; damals
nur sporadisch gewesen vermehrte sie sich fortwährend so, dass gegen Ede des Di-
luvium der gemeine Fuchs hier so zahlreich war, dass er alle übrigen Tundren-
Böhmen
SICUT
Füchse
u‘ |
ааа a
Ni ous ba
"ët dut | SR
EN
Fig. 32. Karte der geographischen Verbreitung des gemeinen Fuchses in Böhmen.
Zusammengestellt von der waldwirthschaftlichen Sektion des Landesculturrathes für das Königreich
Böhmen.
19
und Steppenformen verdrängt hat. Fossiler (diluvialer) gemeiner Fuchs gleicht
vollständig dem recenten, so dass es gar nicht nöthig ist denselben als Vulpes
alopex fossilis (Vulpes vulgaris foss.) abzuscheiden. "Was Woldřich unter dem
Namen Vulpes minor Schmer. anführt, ist gewiss auch nichts anderes als eine
Fig. 33. Polarfuchs. (Vulpes lagopus L.) Ein Recenter Schädel noch einem Exemplare des
Berliner Museums in '/, natür. Grösse.
kleinere Varietät oder nur kleinere Race des gemeinen Fuchses. Zur Charakte-
ristik einer solehen Abweichung genügt, was schon früher in Betreff des Hundes
gesagt wurde.
Den gemeinen Fuchs kennen wir aus unserem Diluvium von Sudslavic, Schlucht
bei Srbsko, Turská Маќбаї, Lochower Steinbruch in Prachower Felsen, Kalvarien-
hóhle und Umgebung von Aussig. In der Jetztzeit werden jährlich in Böhmen
Fig. 34. Eisfuchs oder Polarfuchs (Vulpes lagopus L.) Schädelfragmete in natür. Grösse
aus Sudslavic. Kopie nach Woldřich (Dil. Fauna von Sudslavic. II. Theil. T. I. f. 13—14).
immer noch 8500—4000 Füchse geschossen. Die dichter bewohnten und weniger
bewaldeten Gegenden der Ebene (siehe die Karte Fig. 32.) weisen den niedrigsten
Abschuss von ca 10 Stück jährlich auf. Im Brdagebirge, in bewaldeter Partie des
Urgebirgs-Hochlandes im südlichen und südóstlichen Bóhmen, sowie theils auch
in den gebirgigen Gegenden der Kreideformation im nordöstlichen Böhmen macht
jährlicher Abschuss bis 70 Stück. Mit diesen Gegenden hängen nur noch wenige
80
Distrikte (auf der Karte sind sie schwarz bezeichnet) zusammen, welche die Insel der
ehemaligen stärkeren Verbreitung des Fuchses andeuten und wo sich der jährliche
Abschuss bis auf 170 Stück beziffert.
Der ältesten Periode unseres Diluviums gehören zwei Fuehsforinen au, welche
heute noch für Tundre und Steppe charakteristisch sind, nämlich Vulpes lagopus
L. und Vulpes meridionalis Nordm.
Eisfuchs oder Polarfuchs. Vulpes lagopus L.
(Syn. Leucocyon lagopus L.)
Der Eisfuchs hat eine robustere Gestalt als der gemeine Fuchs, was sich
insbesonders durch die kürzeren Füsse, eine kürzere Schnauze, sowie auch durch
den hinter den postorbitalen Fortsätzen weniger eingeschnürten Schädel zeigt. Von
dem gemeinen Fuchs unterscheidet er sich auch dadurch, dass die Nasalknochen
den Rand der unteren Schneidezähne überragen und dass der auffallend kürzere
Zwischenkiefer oberhalb des Vorderrandes des 2. Lückenzahns endet. Im Gebiss wird
als besonders charakteristisch die gleiche Länge des oberen Fleischzahns und der
oberen Höckerzähne, sowie die Winzigkeit des letzten unteren Backzahns hervor-
gehoben. Das Exterieur zeigt wohl grössere und wichtigere Unterschiede, so dass
die Selbstständigkeit dieser Art nicht bezweifelt werden kann, obwohl einzelne
Fragmente des Skelettes im fossilen Zustande oftmals von denen des gemeinen
Fuchses kaum zu unterscheiden sind. Das bezeugt wohl auch die Unsicherheit, mit
welcher bei verschiedenen Autoren die einzelnen Reste bald der, bald wieder
anderer Art zugeschrieben werden") . Aus Böhmen kennen wir den Polarfuchs
hauptsächlich nur aus Sudslavie, in neuerer Zeit wurden fragliche Reste auch in
der Umgebung von Beraun gefunden. Die Sudslavicer Funde sind von Dr. Woldfich
beschrieben und abgebildet^). Siehe die Kopie Fig. 34.
Der diluviale Steppenfuehs. Vulpes meridionalis Nordm.
(Syn.: Vulpes meridionalis Woldř., Canis fossilis meridionalis Nordm. Vulpes moravicus Woldr.)
Im Diluvium kommen auf manchen Stellen Füchse vor, welche kleiner sind
als der gemeine Fuchs und welche nicht als Polarfuchs bestimmt werden kónnen.
Eine solche Form wurde von Nordmann °) als Canis fossilis meridionalis Nordm.
bezeichnet. Seine Beschreibung weist darauf hin, dass es sich hier um einen klei-
neren (als der gemeine) Fuchs handelt, welcher wohl etwas grósser ist als der
jetzt lebende Steppenfuchs Vulpes corsac., aber dennoch dieser Art sehr nahe steht.
1) Siehe die Bemerkung Woldfich's ,Diluviale Fauna von Sudslavic“ IIT. Theil p. 992.
2) Woldfieh J. N. Die Fauna v. Sudslavic I. Theil. T. Ш. S. 22, 23, П. Theil, T. I.
S. 13—15, T. IL 8. 1—2, T. III. S. 15—16, überall nur kleine Fragmente.
*) Nordmann Palaeontologie Südrusslands. Helsingfors 1858.
81
Woldřich führt aus Mähren (Býčí Skála nach Wankel) und aus Böhmen
(Sudslavic) dieselbe Art an *), eine Art ebenfalls aus der Býčí Skála und von Sudslavie
unter dem Namen Vulpes morav cus Woldr., auf welche sich eine ausführliche
Beschreibung °) bezieht, aus welcher hervorgeht, dass diese Art durch einen relativ
breiteren Gaumen als der gemeine und der Polarfuchs gekennzeichnet sein
soll und dass sie sich in der Grösse dem Vulpes meridionalis Могат. nähert. Woldřich
Fig, 35. Steppenfuchs- 1. 2. Vulpes meridionalis Nordm., Schädel von der Seite und von Unten
nach Woldřich in !/, natür. Grüsse. — 3. 4. Vulpes moravicus Woldt. Schädelfragment von der
Seite und von Unten von Sudslavic.
selbst lässt eine Möglichkeit zu, dass diese Art auch mit dem Steppenfuehs Vulpes
corsac verwandt ist, jedoch einen näheren Beweis musste er wegen Mangel am
vergleichenden Material zu einer späteren Gelegenheit verschieben.
4) Fehlerhaft als Vulpes meridionalis Woldf. bezeichnet, da der Artenname von Nord-
mann herrührt. Über Caniden aus dem Diluvium S. 47., Diluviale europaeisch-nordasiatisch Fauna
von Brandt-Woldfich S. 42. Diluviale Fauna von Sudslavic Ш. Theil 987.
5) Über Caniden aus dem Diluvium 8. 48. Dil. Fauna von Sudslavic III. Theil S. 990.
6
82
Die heutigen Steppengegenden Osteuropas und Sibiriens sind von zwei
Fuchsarten bewohnt, mit welchen man diese Formen einzig und allein vergleichen
kann, nämlich von dem Korsak und dem Karagan.
Der Korsak ist kleiner als unser gemeiner Fuchs und im Exterieur ganz
auffallend von demselben zu unterscheiden. Im Skelet kónnen beinahe nur die Di-
mensionen der erwachsenen Individuen zur Unterscheidung der beiden Arten
führen.
Der Karagan ist etwas grósser, sodass er inmitten zwischen dem Korsak
und dem gemeinen Fuchs steht.
Der Korsak kommt nach Tilesius') auf allen tatarischen Steppen von der
Wolga bis zum Kaspischen Meere und durch ganz Mittelasiea bis zum Bajkalsee,
aber nicht in den nördlicheren nnd kälteren Zonen vor. Karagan soll nach Evers-
mann in den südlicheren kirgisischen Steppen und westlich vom Ural nicht vor-
kommen, wurde jedoch von Lehmann in den Orenburgischen Steppen (wahrscheinlich
nur in ihren hinteruralischen Partien) gesehen. Nach Tilesius kommt er in den Ural-
steppen, Kirgisischen, Tobolsken, songorischen und Irtysch-Steppen, und zeitweise
auch mit dem Korsak vor.
Diese geographische Verbreitung im Einklang mit der geographischen Ver-
breitung der übrigen Steppenformen, welche bei uns entdeckt wurden, wie z. B.
Spermophilus rufescens, Sperm. fulvus, Alactaga saliens foss. Nehr., Arctomys
bobac etc., weist darauf hin, dass wahrscheinlich auch diese zwei Steppenfüchse
ehemals in Mähren und Böhmen verbreitet waren. Welche dieser zwei
Arten es eher sein konnte, oder ob vielleicht beide hier vorgekommen sind, lässt
sich auf Grund des vorhandenen Vergleichsmaterials nicht entscheiden?) Was
Nordmann und Woldřich veröffentlicht haben, scheint anzudeuten, dass die Form
„meridionalis“ als Karagan, die Form „moravicus“ (charakteristisch durch den
relativ breiten Gaumen) als Korsak bezeichnet werden dürfte, obwohl man es keines-
falls sicher behaupten kann; die Form „moravicus“ kann wohl auch eine kleinere
„meridionalis“, und diese letztere ein grösserer Korsak sein, wie ез z. B. bei dem
diluvialen Bobak vorkommt, welcher zwar vollständig mit dem recenten überein-
stimmt, doch verhältnismässig grösser erscheint.
Ich ziehe also beide Arten unter die ursprüngliche gemeinschaftliche Be-
zeichnung Nordmanns als zwei sehr nahe verwandte oder sogar identische Steppen-
fuchsformen zusammen, deren Vergleich mit dem Karagan und Korsak nothwendig
erscheint und wahrscheinlich zur Einreihung der diluvialen Formen zu diesen recen-
ten Arten führen wird.
Aus Böhmen kennen wir diese kleineren Steppenfüchse aus Sudslavie, nicht
ganz sicher aus der Kluft bei Srbsko, aus Mähren von Býčí Skála. Abbildungen
D Citirt von Nehring in ,Tundern und Steppen“.
^) Leider wurde, soviel ich weiss, das von Nehring versprochene Vergleichsmaterial
nicht veröffentlicht,
83
siehe bei Woldřich (Dil. Fauna von Sudslavic etc.) I. Th. T. UI. Fig. 17—21
(Fragmente und einzelne Knochen), IL Th. T. I. F. 10—12 und Ш. Th. T I.
F. 1—4 ein fast vollständiger Schädel, welchen ich hier in verkleinerter Kopie:
(Fig. 35) reproduziere.
Die Bären. Ursidae.
Grosse omnivore Raubthiere, welche von den übrigen hauptsächlich durch
ihre vielkantigen und vielhöckerigen Backzähne, sowie durch Mangel der typischen
(zackenartigen) Fleischzähne sich unterscheiden. In ihrem Skelettbau sind sie nicht
weit entfernt von den hundeartigen, obwohl ihr Skelett mächtiger und plumper
erscheint. Das Skelett und das Gebiss weisen auf einen gemeinschaftlichen Ursprung
beider Gruppen hin, welcher wahrscheinlich in den tertiären Urhunden (Amphi-
eyoninae) zu suchen ist, von welchen eine Uebergangsform die Gattung Ursavus ')
den direkten miocaenen Vorfahren der diluvialen Bären bildet.
Die bis jetzt lebende europäische Art, der braune Bär (Ursus arctos Lin.),
gehört den Raubthieren an, welche in Böhmen erst im vorigen Jahrhunderte aus-
gestorben sind.
Dieser Art gehört auch die grösste Anzahl der aufgefundenen fossilen und
subfossilen Reste an.
Der Bär ist in seinem Skelette, besonders in seinem Schädelbau einer nicht
minder manigfachen Variabilität unterworfen als der Wolf. Dr. E. Schäff bewies
dies auf 38 Schädeln, welche aus einem ziemlich beschränkten Terrain her-
stammten.")
Infolge dieser Variabilität ist auch die Existenz verschiedener diluvialen
Arten fraglich, welche als Ursus arctoideus, priscus etc. unterschieden werden.
Etwas auffälliger erscheint der MHöhlenbär (Ursus spelaeus), aber auch dieser weicht
osteologisch vom Ursus arctos nicht so weit ab, dass eine Artabsonderung dadurch
begründet würe; die Hauptsache dabei bilden die Dimensionen des Kórpers. Dr. M.
Kříž *) veröffentlichte einige Schüdelmessungen des mährischen Höhlenbärs, welche
bezeugen, dass der Höhlenbär bis zweimal so gross war wie der braune Bär. Die
grösste Schädellänge beträgt z. B. beim Höhlenbären bis 715, beim braunen Bären
auch nur 395 mm.
Ausser der Grösse werden noch mannigfache Merkmale für die Form U. spe-
laeus angeführt, welche charakteristisch sein sollen, für die Praxis jedoch ohne
Bedeutung sind. Ihren Werth kann man folgendermassen beurtheilen:
!) M. Schlosser: Ueber die Bären und bärenähnlichen Formen des europäischen Tertiärs.
Palaeontographiea 46. 1899. — Ursus oder Ursavus etc. Centralblatt f. Miner., Geol. u. Pal-
1900, Nr. 8.
2) Ueber den Schädel von Ursus arctos L. von Dr. Ernst Schäft, Archiv für Natur-
geschichte I. 1899.
з) Medvěd jeskynní (Ursus spelaeus). Vesmír XAX. 8.. 134.
84
Der Schädel des Höhlenbären zeichnet sich durch hohe, steil aufsteigende
Stirnpartie aus; den erwachsenen Individuen fehlen alle drei vorderen Praemolaren
m Ober- und Unterkiefer, wogegen bei dem braunen Bären (U. arctos) wenn nicht
zwei, dennoch einer derselben sich vorfindet, oder deren Alveolen angetroffen werden.
A
Fig. 36. Der Schädel des Bären: A. Höhlenbär (Ursus arctos var. spelaeus Blmb.) aus
den mährischen Höhlen. — В. Der braune Bär. Ursus aretos L. Beide aus der Sammlung
des Herrn Dr. M. Kriz. Nach einer Photographie (bei beiden Schädeln aus derselben Entfernung
genommen) des Herrn Dr. M. Kříž in '/, natürl. Grösse.
Leider ist die Wichtigkeit dieser Merkmale mehr als zweifelhaft. Die oben
citierten Untersuchungen Scháff's zeigen wohl, was für eine Variabilität in der Auf-
wölbung der Stirnpartie besteht. Wenn man dann z. D. sagt, dass Ursus priscus
Cuv., welcher gemeinschaftlich mit dem Höhlenbären vorkommen soll, ein beinahe
85
ebenso mächtiges Thier ist wie dieser, dass jener aber durch eine niedrigere Stirn-
partie gekennzeichnet werden soll, bedeutet es wohl im Lichte dieser Betrachtungen
gar nichts. "
Was die Ausbildung der Praemolaren anbelangt, kann man von dem jetzt-
lebenden braunen Bären (Ursus arctos) über die Form Ursus priscus zu dem Höhlen-
bären (U. spelaeus) einen deutlichen Uebergang verfolgen, welcher uicht dermassen
mit einer Artenverschiedenheit als mit der Altersstufe und körperlicher Entwicklung
zusammenhängt. Wenn wir bei dem braunen Bären entweder zwei Praemolaralveolen
oder (gewöhnlich zwei) pflockartig entwickelte Praemolaren vorfinden, sehen wir bei
dem mächtigeren U. priscus eine Spur nur von einem Praemolar und bei dem U. spe-
laeus nur scharf entwickelte Kieferkanten ohne Praemolaren und ohne Alveolen
oder Praemolarspuren. Das gilt jedoch nicht allgemein, denn z. B. gleich ein Unter-
kiefer eines braunen Bären aus unserer Sammlung hat keine Spur von einem Prae-
molar P, (er besitzt nur P, und P, wie beim U. priscus) und dasselbe kann sich
wohl selbstverständlich auch beim U. priscus wiederholen, so dass bei einem alten
U. priscus auch der Praemolar (oder seine Alveole) P, vollstándig verschwinden
und nur der Praemolar P, wie beim U. spelaeus übrig bleiben kann. Es ist schon
aus dem ganzen Entwieklungsgange ersichtlich, wie die Praemolaren P, und P,
zum Verschwinden geneigt sind. Man fehlt also gewiss nicht, wenn man diesem
Merkmale keine Wichtigkeit zuschreibt und wenn man sagt, dass auf Grund dessen
alle diese drei Arten nur als drei Alters- und Entwicklungsformen einer einzigen
Art zu betrachten sind, oder dass der Höhlenbär (U. spelaeus) nur ein müchtigerer
Vorfahre des braunen Bären ist und dass der U. priscus einen Uebergang zwischen
diesen beiden vermittelt.
Der Höhlenbär konnte seine höchste Entwicklung nur dort erreichen, wo er
von der Natur durch passende Zufluchtstätte und ausgiebige Nahrung unterstützt
wurde. In unseren Gegenden war es am ehesten das Mittelmühren mit seinen
mächtigen und häufigen Höhlen, welche in Böhmen recht selten sind. In Böhmen
konnte der braune Bär nie eine solche Mächtigkeit erreichen, so dass im Ganzen
sehr selten solche Reste sind, welehe man als Höhlenbär bezeichnen kann, dagegen
begegnen wir recht häufig Ueberreste von dem schwächeren U. arctos.
Der Unterschied der beiden Varietäten U. arctos typ. und U. arctos var.
spelaeus, was die körperliche Dimensionen anbelangt, ist manchmal recht gross, es
kommen jedoch Fälle vor, wo ein U. arctos var. spelaeus ziemlich klein und U. arctos
typ. ziemlich gross sind, so dass sich beide Varietäten sehr annähern.
Der typische braune Bär (U. arctos) des Diluvium übertrifft analogisch auch
die grössten recenten Formen seiner Art.
Die auffälligsten Unterschiede in dieser Richtung zeigte Dr. M. Kříž auf
zwei Schädeln: auf einem des mächtigsten Höhlenbären und einem des kleinsten
recenten Zwerg des braunen Bären (Fig. 36). Eine genauere Belichtung dieser Ver-
hältnisse stellt die folgende Vergleichstabelle dar, in welche ich theils eigene
Messungen des mir zugänglichen Vergleichsmaterials, theils einige Messungen
Schüffs und Dr. M. Kříž eingereiht habe. Zum Vergleiche sind auch Maasse eines
vorhandenen Eisbärschädels beigefügt.
86
ме, - — — e emm pg —
Ursus arctos var. Ursus arctos typ. Lu
Spelaeus "lu `
a Kreep, S ©. = ai
SE BE |85 hes шй јен |s3s[a32|28
16 . : Шш "© бы edo DC NT x
SA Ba GA ei 5 д SS "дада SA
| | | |
Die grösste Schädellänge | | | |
vom Aussenrande des in | | | | |
Mitten stehenden Schneide- |715 *) 550 | | 452 | 895 | 310 | 376 — |430:5
zahns über die Stirnpartie | |
und Schädel bis zum Rande | |
d. Schädelkamms gemessen | |
" M À—— | — | _____ 12 _ pe — | ==
| | |
Differenz der grössten | e | ,; M. a Ié
Р ^ : 05 | — 02 25 40 | 2 — |555
oberen u. d. Basallünge 286458 15 1,229 P үө |
Basallänge des Schädels | | |
v. Aussenrande d. Schneide- | 478 | 445 | 390 | 970 | 270 (ans) 331 | 375
zühne bis zum Rande des |
Foramen Magnum |
TON E REN d
| Durchschnitt von For. 80 el, | B9 ap ао debde danii Y BÀ |
magnum | |
Sea box er | jb шш... | | DEL. egeo. al ufa
Schüdelbreite in der ha ‹ ?
t В lisa I: F 209:3 эр (5
Jochbogenpartie 840 | 300 | 165 | 155 |209:3| 293 | 240
Bal. a ein ды 4) й | E El n
Länge des hint. Back- Р GEN, da bs. al Ey Ba
zahnes des Oberkiefers 92 149.5 | 860 | 28 315] 35 |347 26
Unterkieferlänge 9089.|.210. 12502]. — 1. 190. 1.185 256 | 250
Länge der drei oberen | vun | gg 79| 10|585| т4 [73,5| 59
Backzähne SEN "E
22. А 4 TR EE TE, ERR TEE VE NS |ы
Länge der drei unteren | o; i -
i 9 9 — 5 — ; 50
Baclizülino JD. [oos 2 70 )8 80:4
| E ай Um
| *) Diese Differenz gegen die Basallänge (237 mm) scheint unmóglich zu sein, da in
| anderen Füllen dieselbe höchstens 105—195 mm betrügt. Durch ihre Grósse ist jedoch
| hauptsüchlich die Auswólbung der Stirnpartie dokumentiert.
Ein Unterkiefer des Höhlenbären von St. Prokop, welcher den vollständig-
| sten Fund dieser Art in Böhmen vorstellt, ist ziemlich klein; es kann wohl, da das
Ende abgebrochen ist, nicht genau gemessen werden, dürfte jedoch kaum länger
sein als 257 mm und gleicht also einem Unterkiefer des braunen Bären, welches von
| Dr. Schäff (Nr. 1758) gemessen wurde; die drei hinteren Backzühne sind 99 mm |
| lang, also bei einer fast gleichen Länge beider Unterkiefer ziemlich mächtiger eut-
wickelt als bei dem recenten Unterkiefer, wo sie nur 80'4 mm messen. Ganz typi- |
81
scher Schädel eines braunen Bären von Bohdalec ist der grósste aller gemessenen
Schädel dieser Form und nur um 55—58 mm kürzer als die typischen Schädel des
Höhlenbären und noch um 15 mm (in der Basallänge) länger als der mächtige
Schädel des recenten Eisbären.
Ueberhaupt stellen die Messungen, welche
in dieser Tabelle zusammengestellt sind, mit allen
den Messungen, welche von Dr. Schäff durchge-
führt wurden, ein sehr lehrreiches Variabilitätsbild
im Schädelbau der Bären vor. Es ist da ersicht-
lich, dass insbesonders die relativen Verhältnisse
zwischen den einzelnen Dimensionen eines Indivi-
duums bei einem anderen begreiflicherweise in-
folgedessen nicht eingehalten sind, dass der Schädel
bald in einer, bald in anderer Richtung anders
entwickelt ist.
Am auffälligsten ist es in der Wölbung der
Stirnpartie, welche in den Differenzen der grössten
Schädellänge und Basallànge dokumentiert ist,
welche bei den ältesten Bären 105—125 (bei
einem von Dr. Kříž sogar 237) mm, bei den flach.
stirnigen gewöhnlich [nur 40—62, aber auch nur
15—86 mm (nach Schäff) aufweisen.
Im Verhältnisse der Schädelbreite zur Basal-
länge sehen wir oft, dass bei kleineren Individuen
der Schädel verhältnismässig breiter ist, als bei
den grösseren, wie es z. B. gleich die beiden nach
Schäff eingereihten Schädel beweisen.
Ganz analoge Verhältnisse (oder besser ge-
sagt Missverhältnisse) erscheinen in der Länge
der drei Backzähne im Vergleiche zur Länge des
ganzen Unterkiefers, sodass z. B. bei einem kürzeren
Unterkiefer von St. Prokop diese Backzähne länger
sind als bei einem grösseren Unterkiefer des
mährischen Höhlenbären unserer Sammlung; bei
fast gleich grossen recenten Unterkiefern des brau-
nen Bären Nr. 3 und 6 macht die Differenz 12 mm
aus. Aehnlich variirt auch die Länge der oberen
Baekzahnreihe. Dr. Schäff führt л. B. Schädel mit
einer Basallänge von 296, 293, 308 mm und mit
einer Backzahnreihe von 64, 68 und 70:2 mm Länge
an, wogegen andere von ihm gemessene kleinere
Schädel mit einer Basallinge von 2755 und
280:5 mm eine längere Backzahnreihe (12:3, 73 mm)
besitzen.
Fig. 38. Ursus aretos var. spela-
eus Blmb. Unterkiefer eines Höhlen-
bären aus der St. Prokophöhle bei Prag
in natürlicher Grösse.
88
Und so findet man in jeder Richtung Belege für eine Variabilitàt dieser Art
und für gegenseitige Uebergünge zwischen U. spelaeus und U. arctos, welche ihre
Zusammenziehung unter eine einzige Art argumentieren.
Dei diesen vergleichenden Studien dürfen wir nicht vergessen, dass wir da
mit Bärenschädeln von Thieren zu thun haben, welche in äusserst verschiedenen
Lebensverhältnissen existiert haben. Der recente Bär Mitteleuropa's lebt lüngst
schon nicht in den günstigen Verhältnissen, welche zur diluvialen und theils noch
am Anfange der vorhistorischen Zeit obwalteten. Dadurch erklärt sich der manchmal
sehr grosse Unterschied in den körperlichen Dimensionen.
Wo in dieser Entwicklungsreihe die Form des braunen Bären aufhört und
die Varietät des Höhlenbären anfängt, ist wohl schwerlich zu unterscheiden und man
kann für beide nur die äussersten Spitzen als maassgebend betrachten. бо dürfte
der Höhlenbär Ursus spelaeus auf dem Gipfel seiner Entwicklung charakterisiert
werden: durch die grosse Aufwölbung der Stirnpartie bei den Schädeln, deren Basal-
länge 400 mm übertrifft und deren hinterer Backzahn (des Oberkiefers) durchschnitt-
lich са. 50 mm lang ist; in der Entwicklung des Unterkiefers zeigen sich die Dimen-
sionen dieser Varietät in einer Länge von са. 260 mm und in einer Länge der drei
Backzähne, welche 85 mm übertrifft; weiters ist der Unterkiefer durch vollständigen
Mangel beider vorderen Praemolaren (P, und P,) charakterisiert, so dass neben den
drei Backzähnen nur der Praemolar P, entwickelt ist. (Fig. 37.)
Ein typischer brauner Bär, Ursus arctos, erreicht in der Basallänge des
Schädels immer weniger als 400 mm, der hintere Backzahn des Oberkiefers ist immer
kürzer als 40 mm, der Unterkiefer ist kürzer als 250 mm und neben dem Prae-
molar P, ist immer noch P, (oder wenigstens eine Alveole), wenn auch nicht P,
(oder Alveole) vorhanden. Die Länge der hinteren drei Backzühne erreicht höchstens
80 mm. — j
Für analoges Vergleichen anderer Skelettheile in dieser Riehtung ist
leider kein genügendes Vergleichsmaterial vorhanden und es bleibt nichts übrig
als derartige Studien auf spütere Zeit zu verschieben, bis vielleicht ein solches
vorhanden sein wird.
Fig. 37. Ursus aretos Lin. Ein Schädel des braunen Bären aus den Sandablagerungen
am Bohdalec bei Prag.
Der Bär hielt sich in Böhmen seit der Diluvialzeit bis in die Hälfte des
19. Jahrh. auf. Die letzten Bären wurden hier im Böhmerwald erjagt; einer der-
selben befindet sich im böhmischen Museum und der gemessene Schädel gehört
89
demselben Individuum an; im Jahre 1856 wurde im Salnauer Reviere ein Där erlegt,
der ausgestopft im Ohrader Museum bei Frauenberg aufgestellt ist. Noch im
J. 1864 soll eine Bärenspur im Satawer Reviere bemerkt worden sein.
Fossile Ueberreste sind in Böhmen nicht so häufig wie in Mähren.
Ursus arctos var. spelaeus Blumb. ist in den Museumssammlungen bestimmt
nur durch unzahlreiche Fragmente aus der St. Prokopihöhle bei Prag (Unterkiefer
und einige Zähne, Phalangknochen und dgl.) vertreten.
б. Zahälka') führt ihn aus dem pyrophaltigen Geschiebe bei Dfeméie (frag-
lich, wahrscheinlich U. arctos L.) und G. Laube?) aus dem Loess im Elbegebiet
bei Aussig an.
Ursus arctos L. kommt vor: in dem frei abgelagerten Loess bei Podbaba
(Kotlářka), in den Sandablagerungen am Bohdalec (Fig. 37) und in kleineren Höhlen
und Schluchten (Turská Mastal, Öerveny Lom, Kalvarienschlucht bei Repora).
Dr. J. N. Woldřich führt ihn aus Sudslavic und in den vorhistorischen Funden bei
Hradek (Caslau) und Neu-BydZow an.
Familie Hyaenidae.
Unterfamilie Hyänen. Hyaeninae.
Die Hyänen sind schon seit ihrem Erscheinen im oberen Miocaen endemische
Raubthiere der alten Welt. Nur eine einzige Gattung Borophagus wurde von Cope
aus dem Plistocaen Amerikas beschrieben.
Fig. 40. Schädel der diluvialen Hyäne (Hyaena crocuta var. spelaea) aus Trebesic
bei Caslau in !/, natürl. Grösse.
1) Příspěvek k poznání geol. pom. pyropových štěrků v Čes. Středohoří. Zprávy spolku
geol., v Praze 1885.
2) Ueber einen Fund diluvialer Thierreste im Elblöss b. Aussig а. d. E. Sitzb. der kön.
Gesellsch. Prag 1874.
90
Die Gattung Hyaena Zimm., welche der Fauna Böhmens angehört, stellt
uns Raubthiere vor, welche durch einen im Gegentheil zu anderen Raubthieren
mitunter monstrósen Skelettbau, einen stark verkürzten Schädel und ein Gebiss aus
ungewöhnlich starken, massiven, zur Zertrümmerung und Zermalmung von Knochen
geeigneten Zähnen charakterisiert sind. Dem Skelette verleihen seinen Haupt-
charakter die verlängerten Vorderfüsse, welche die steile Stellung des Rückens
bedingen, im Gebisse sind besonders die Praemolare von einem massiven Bau,
wogegen die Fleischzähne in scharfe, flügelartige Klingen auslaufen. Der obere
Fleischzahn (P,) ist länglich (Fig. 5, 1. 2.), ungemein mächtig, dreizackig; der
mittlere oder Hauptzacken ist der höchste, der vordere ganz niedrig und der
hintere als scharfe Klinge ausgebildet ; auf dem inneren Vorderrande befindet sich
ein starker Innenhöcker.
Der untere Fleischzahn ähnelt von aussen einstweilen durch seine Zwei-
zackigkeit dem Fleischzahne der katzenartigen Raubthiere (Fig. 5, B. 3. 4.), er ist
jedoch ziemlich länger und besonders der Hinterzacken als eine längliche schnei-
dende Klinge entwickelt; an seinem Vorderrande trägt er eine erhabene Wulst und
hinter dem Hinterzacken einen kleinen Höcker. Die Eckzähne der Hyäne (Fig. 6)
sind stumpf und kurz mit groben, unregelmässig vertheilten Furchen. Die Eckzühne
und Praemolaren sind gewöhnlich stark abgekaut.
Gefleckte Hyäne. Hyaena crocuta Zimm.
(Syn.: Hyaena spelaes Goldf., H. crocuta foss. Lyd.)
Aus den jetzt lebenden Hyänenarten war die gefleckte Hyäne (Hyaena cro-
cuta Zimm.), welche jetzt auf Nordafrika beschränkt ist, zur Diluvialszeit weit
Fig. 41. Fragment eines Oberkiefers der diluvialen Hyäne (Hyaena crocuta var. spelaea)
aus Turská Maštal bei Beraun. Wenig verkleinert.
91
über ganz Mitteleuropa bis England verbreitet, wie es die zahlreichen Funde
ihrer Reste meistens in Schluchten, Felsrissen und Hóhlen mitsammt mit abgekauten
Knochen beweisen; auch in den freien Lóssablagerungen wurden derartige Ueber-
reste gefunden. Osteologisch unterscheidet sich die recente Hyäne von der diluvialen
in keiner Richtung; man kónnte da nur Differenzen in den Gróssen aufführen, die
jedoch nicht solche Dimensionen erreichen, wie bei den Bären. Das ist wohl ganz
natürlich und leicht begreiflich. Die Hyäne hielt sich in unseren Gegenden nicht so
lange auf wie der Bür, obwohl ihre Spur ziemlich weit ins Alluvium reicht, und
wich nach Süden hin, wo sie immer noch die günstigen Bedingungen ihres Daseins
findet, so dass hier nicht viel Anlass zu einer Aenderung, Variabilität oder Ver-
kümmerung gegeben wurde. Wenn wir also die Schädel einer diluvialen und einer
recenten Hyäne aus Nordafrika vergleichen, haben wir da vor unseren Augen zwei
Individuen derselben Art, deren Lebensverbältnisse sich nicht viel geändert haben,
sodass gewisse Entwicklungsabweichungen nur als Folge einer verschiedenen Alters-
stufe oder geographischen Lage zu betrachten sind.
Fig. 42. Fragment eines Unterkiefers der diluvialen Hyäne aus der Kalvarienschlucht be
hepora in !/„ nat. Grósse.
Dimensionendifferenzen zwischen dem diluvialen Hyänenschädel aus Tfebesie
bei Óaslau und einem recenten Schädel der gefleckten Hyäne aus Nordafrika,
welcher sich in den Museums-Sammlungen befindet, veranschaulicht folgende
Uebersicht:
: . Unterkiefers- Lä . ob.
Scheitellänge Basallänge ` Stirnbreite y fps am др
lünge Backzahns
Diluviale Hyüne 815 mm 270 mm 90mm 210 mm 47 mm
Recente gefleckte Hyäne 210.5 2853.4 80/15, 177: 1% К
Aus dem europüischen Diluvium werden einige Arten angeführt, welche jedoch mit den
übrigen zwei jetztlebenden Arten (H. stricta Zimm. und ZH. brunnea Thub.) verglichen werden
können. So namentlich die südfranzösischen Arten H. prisca M. d. Serr., H. intermedia M. d. Serr.
Н. Monspessulana Croix et Jobb. und wahrscheinlich auch H. antiqua Lank. aus dem englischen
Red Cray und H. arvernensis Croiz aus Auvergne sind nichts anderes als 77. stricta, deren oberer
Backzahn M, ziemlich gross und dreiwurzelig ist und deren unterer Fleischzahn durch eine deut-
lich entwickelte innere Spitze und ein Talon gekennzeichnet ist. Andere aus Auvergne und Toskano
angeführte Arten (H. Perrieri Jobb.) sind eher der H. brunnea ähnlich.
Die Hyäne des unseren Diluvium unterscheidet sich von der gestreiften Hyäne
(Н. stricta) durch bloss einwurzeligen oberen Backzahn M, und einfachen unteren
Fleischzahn, an welchem die bei der gefleckten Hyäne so gut entwickelte innere
Spitze und Talon verkümmert sind.
Die Hyäne ist im Diluvium Bóhmens ziemlich häufiger als der Bär, obwohl
sie früher verschwunden ist. Ihre Reste kommen fast gleich zahlreich in den
freien Lössablagerungen wie in den Höhlen und Schluchten.
Aus dem Löss besitzen wir einen schönen Schädel aus Trebe$ie bei Caslau,')
Schädelfragmente aus der Umgebung von Aussig und Türmitz und aus der Um-
gebung von Prag; aus den Höhlen stammen die Ueberreste aus Turská Maštal,
Üervenf Lom bei Suchomast, St. Prokopihöhle bei Prag, und die jüngsten, welche
schon mehr alluvialen Charakter besitzen, aus der Kalvarienschlucht bei Йерога
und aus der Hóhle Kobyla bei Suchomast.
Marderartige Raubthiere. Mustelidae.
Diese kleinen, sogar auch kleinsten Raubthiere unserer Fauna besitzen einen
kurzen, in der Scheitelpartie ziemlich breiten Kopf und kurze, niedrige Füsse. Der
Schädel ist durch Verkürzung der Schnauze und Ausbreitung der niedrigen hinteren
Partie gekennzeichnet, was besonders bei einigen Marderarten und namentlich bei
den Fischottern auffällig ist; die Verkürzung der Gliedmaassen führt zu einem
plumperen Bau derselben und des ganzen Skelettes. — Das typische Gebiss
а 2 , 7 T =) weist in jedem Kiefer 4 Praemolare, im Oberkiefer 1—2, im Unter-
kiefer 2—1 Höckerzähne auf. Der Charakter dieser Zähne nähert sich sehr dem
der hundeartigen Raubthiere. Der obere Fleischzahn (ebenfalls P, wie bei den
Hunden) besitzt zwei starke Aussenzacken mit einem auffällig starken Innenhöcker.
Eine auffällige Form hat auch der vor ihm stehende Praemolar (P,), welcher drei-
höckerig und viereckig ist. Recente Formen und übereinstimmend mit ihnen auch
die diluvialen besitzen im Oberkiefer nur einen Höckerzahn, der zweite verschwindet
bei diesen Raubthieren sehr frühzeitig und findet sich nur bei einigen ausgestor-
benen Formen auf. Der untere Fleischzahn (M,) ist sehr lang, mit einem stark
entwickelten, grubenartigen Talon, dessen Aussenrand höher ist als der Innenrand.
Der hinter ihm stehende zweite Molare (M,) ist gewöhnlich klein und öfters fehlt er
vollständig. Im Exterieur sind diese Raubthiere meistens durch feinen Pelz und
Analdrüsen, welche ein unangenehm riechendes Sekret absondern, gekennzeichnet.
Biologisch besitzen sie einen gemischten Charakter, in welchem die Fleischfresser
mit den Omnivoren gemischt erscheinen. Phylogenetisch leitet man ihren Ursprung,
wie es auch Schlosser behauptet, von den Viveriden ab, deren Charakter neben dem
Hundecharakter bei ihnen ziemlich deutlich ausgeprägt ist, auch nach den Verände-
rungen, welche er bis zur recenten Zeit erlitten hat. Im Ganzen theilen wir die
Gruppe in drei Unterfamilien: Melinae, Mustelinae und Lutrinae.
1) Vesmír V. Seite 265.
|
|
|
|
|
93
Unterfamilie: Dachse. Melinae.
Die Dachse besitzen eine sehr verkürzte und breite Sehnauze und flach ge-
wölbte Scheitelpartie. (Fig. 42.) Charakteristisch ist auch der kleine Fleischzahn
des Oberkiefers (Fig. 42 p,) mit einem besonders grossen Innenhócker, so dass er
im Ganzen eine dreieckige Form erhält; der hinter ihm stehende Molar (m,) ist
auffällig gross (zweimal grösser als der Fleischzahn); wenn er nicht abgekaut ist,
besitzt er 3—4 Höcker, andererfalls eine Grube und sein Umriss ist fast viereckig.
Der untere Fleischzahn besitzt einen grossen, grubenartigen Talon, und der hinte-
ihm sitzende Molar (m,) ist sehr klein. Der Schädel, sowie die kurzen, mehr oder
weniger gekrümmten Füsse sind von einem robusten Bau. Iu unserer Fauna ist durch
einzige Gattung und Art vertreten:
Der gemeine Dachs. Meles taxus Bodd.
Der grósste unserer jetzt lebenden Marder, der sich von den übrigen durch
einen gedrungenen, niedrigen und breiten Körper, sowie durch einen omnivoren
Charakter unterscheidet. Nach den zahlreichen, besonders alluvialen Ueberresten
war der Dachs früher namentlich in den gebirgigen und bewaldeten Gegenden
unseres Vaterlandes viel häufiger als heutzutage, wo er allmählich stets seltener
wird. Die Zeit seiner gróssten Verbreitung füllt mit dem Ende der Diluvialzeit und
mit der praehistorischen Periode bis zum Anfange der historischen Epoche zu.
sammen, da seine älteren Ueberreste nicht zu häufig sind, obwohl es unzweifel-
haft erscheint, dass er schon in den ersten Zeiten des Postglacials hier hausste,
und seine Spuren, wie es scheint, auch bis in die jüngste Periode der tertiären
Epoche hinreichen.
Solche Erscheinungen einer so langen und mannigfachen zeitlichen Verbrei-
tung können wohl Autoren, welche ihre Forschung, wie z. D. Hehm, auf den etymo-
logischen Ursprung der topographischen Bezeichnungen stützen, Anlass geben, dass
solche Thiere erst zur Zeit ihrer gróssten Verbreitung in die betreffenden Gegenden
eingezogen віпа.!)
So z. B. Hehm verfolgt den Ursprung des Namens „Dachs“ bei den Ger-
manen und seine Verbreitung bei den romanischen Vólkern und schliesst daraus,
ebenso wie bei dem Hamster, auf die Verbreitung dieser Sáuger in der Richtung
vom Osten zum Westen zur Zeit der grossen Völkerwanderung. Dagegen zeigen
wohl die sicheren Diluvialfunde, dass diese Thiere schon längst früher bei uns
gelebt haben, dass ihre Menge zunahm und wieder sich verminderte, und dass auch
ihr Verbreitungsgebiet sich dermaassen änderte, wie sich die klimatischen und
Vegetationsverhültnisse geündert haben. Die topographischen Bezeichnungen, welche
sich auf diese Thiere beziehen, rühren aus einer jüngeren Zeit her und auch ihr
1) Hehm. V. Culturpflanzen und Hausthiere in ihrem Uebergange aus Asien nach Griechen-
land und Italien, sowie in das übrige Europa, Berlin 1877, sowie die gegensprechend Ansicht Nehring’s
in „Tundren und Steppen“, 8. 200.
94
älteres Verbreitungsgebiet zieht sich (bis heutzutage) weit nach Osten, su dass es
leicht begreiflich ist, dass die von Osten herziehenden Vólker ihren Namen mit-
gebracht haben; das alles hängt aber keinesfalls mit Wanderungen dieser Thiere
zusammen.
B
Vig. 52. A. Sehädel eines diluvialen Dachses (Meles taxus Bodd.) aus der Kalvarienschlucht
bei, Repora. Ansicht" von oben in '/, nat. Grüsse. B. Schema des Oberkiefers von unten mit dem
charakteristischen Fleischzahn p, und Hóckerzahn m,. C. Schema des ganzen Gebisses von der Seite.
Aus Bóhmen besitzen wir die ültesten Reste des Dachses aus den freien
Lóssablagerungen bei Podbaba, wo sie in der Zone der Steppenfauna vorkommen.
Das ist keinesfalls überraschend, denn der Dachs gehört noch heutzutage zu den
Bewohnern der südrussischen und Wolga-Uralischen Steppen an, nach Nazarov !)
1) Nehring Tundren und Steppen Seite 101.
—————
|
|
|
|
95
kommt er sogar noch auf den wüstenartigen kirgisischen Sandsteppen vor. Die sehr
zahlreichen Reste in der Kalvarienschlucht bei Repora sind jünger; rein alluvialen
Charakter haben die Schädel und Knochen aus den Felslóchern im Riesengebirge
bei Ober-Rochlitz (von dr. Port ca. 100 Stück gefunden), obwohl sie stellenweise im
Kalkschaum eingewachsen sind.
Unterfamilie: Mustelinae.
Die Unterfamilie Mustelinae schliesst in sich zwei abweichende Zweige: der
erste, vertreten durch die Gattung Gulo, bildet gewissermaassen in osteologischer
und biologischer Beziehung einen Uebergang von den Dachsen (Melinae) zu dem
anderen Zweige, den eigentlichen Mardern (Musteleae).
Zweig: Guloneae.
D
Einzige Gattung Gulo, deren einzige Art Gulo luscus L. unter verschiedenen
Synonymen als Gulo borealis, arcticus, sibiricus, leucurus und im Diluvium als
7ulo spelaeus Goldf. angeführt wird.
Vielfrass. Gulo luscus L.
(Syn.: Gulo borealis Nilss. Gulo spelaeus Goldf.)
Der grösste unserer Marder, welcher in der Grösse den Dachs übertrifft,
in unserer Fauna jedoch schon ausgestorben ist. Nichtsdestoweniger ist die Zeit
der ehemaligen Verbreitung dieses Marders in Mitteleuropa nicht weit in der Ver-
gangenheit entfernt, denn der Vielfrass lebte noch im 18. Jahrh. in Norddeutsch-
land und Podolien. Auch aus der vorhistorischen Zeit sind Vielfrassreste, so nament-
lich aus den Pfahlbauten der Schweiz, bekannt.
Ausser der Grösse zeichnet sich der Vielfrass durch ein massives Gebiss,
einzackige Praemolare und starke, massive Fleischzähne aus. Der obere Fleischzahn
(Fig. 43, B. p,) ist sehr breit, mit zwei niedrigen Aussenzacken und ungemein
müchtigem Innenansatz, sodass seine stumpf dreiseitige Form eher auf den Fleisch-
zahn des Dachses oder des Fischotters als auf den Fleischzahn der eigentlichen
Marder mahnt; der einzige Höckerzahn des Oberkiefers ist aber nicht der Länge nach wie
bei dem Dachse, sondern quer wie bei dem Marder gestellt und besitzt eine stumpf
dreiseitige Form, welche aussen von zwei kleinen, stumpfen, stärkeren Höckern, auf
der Innenseite von einem schwächeren Höcker und starkem wulstigen Rand begrenzt ist.
Auch der untere Fleischzahn ist von einer massiven (Gestalt; er ist jedoch
etwas verlängert, vorn mit zwei niedrigen Aussenzacken ohne einem Innenzahn,
hinten mit einem kurzen (kürzeren als bei dem Dachse), grubenartigen Talon
versehen.
96
Der Vielfrass als getreuer Nachgänger des Rennthiers ist ein arktisches
Tbier, dessen Spuren sich bis zum 70? n. B., Knochenreste ja sogar noch bis zum
75° verfolgen lassen. Dem Rennthier ist er bis nach Mitteleuropa gefolgt. Seine
Spuren wurden in unserem Diluvium im Löss bei Podbaba (Oberschädel und einige
Gliedmaassenknochen), im Červený Lom bei Suchomast und von Dr. Woldřich in
Sudslavie sichergestellt; er ist auch aus Mähren durch Wankel (Pfedmost und
Sloup) bekannt, von Woldrich wurde er in der Sipkahöhle und von Liebe in der
Vypustekhöhle konstatiert. Desgleichen werden seine Reste aus zahlreichen Höhlen
Deutschlands, Polen, Englands, Frankreichs angeführt und reichen weit nach Süden
bis in das Pyrenäengebirge und nach Istrien hin.
Fig. 43. Vielfrass (Gulo luscus L.), A. Schädel aus dem Löss bei Podbaba in '/, natür. Grösse
(Seitenansicht.) B. Oberkiefer von Unten,
Diese Reste wurden früher überall als Gulo spelaeus Goldf. beschrieben,
aber auch hier zeigte es sich, wie bei anderen diluvialen Formen, dass keine osteo-
logischen Differenzen bestehen, welche die Aufstellung einer selbständigen diluvialen
Art rechtfertigen dürften, und dass also auch der diluviale Vielfrass vollständig
identisch mit dem recenten ist, obwohl hie und da einige Reste auf ein mächtigeres
Thier in demselben Verhältnisse hinweisen, wie wir es schon bei dem Bären, bei
der Hyäne und anderen diluvialen Thieren (Biber, Alpenmurmelthier) gesehen haben-
Was seinen biologischen Charakter anbelangt, ist der Vielfrass überwiegend
ein Thier der Gebirgstundra ` gud der mit derselben zusammenhängenden Gehölze,
er kommt jedoch oft auch in die Tundra der Niederung herunter, theils dem Renn-
thier folgend, theils die Menschenansiedelungen aufsuchend, deren Vorräthe er gern
ausbeutet. Es ist zwar nicht ausgeschlossen, dass er im Winter mit dem Henn:
thier auch die Steppe besuchen kann, ein Steppenthier ist er deswegen keinesfalls.
————— -
|
|
|
|
97
In Europa kommt er heutzutage nur in Skandinavien und Nordrussland vor, wo er
südlichst im Winter bis zu den Baschkiren kommt, auch nur dem hieher wandern-
den Rennthiere folgend. In Asien zieht sich sein Verbreitungsgebiet durch das nörd-
liche Sibirien bis in das Kaméatkaland; die südliche Grenze dieses Gebietes deutet
Altaj an. In Nordchina und im Amurgebiet kommt er regelmässig an der Wald-
grenze vor.
Bei uns erschien er in der Postglacialperiode, in welcher das Rennthier am
häufigsten war, dennoch war er hier nicht zahlreich vertreten und verschwand auch
bald wieder, da er sich den veränderten klimatischen Verhältnissen nicht angepasst
hat, wogegen das Rennthier noch lange hier hauste.
Zweig: Musteleae.
Die echten Marder sind bei uns durch zwei Gattungen: Mustela und Putorius
vertreten. Im Vergleiche mit dem Dachse besitzen sie einen mehr länglichen Schädel,
welcher schon durch die geschmälerte Schnauze diesen Charakter bekommt. Der
obere Fleischzahn (Fig. 43. B. p,) zeichnet sich durch einen starken Innenansatz
Fig. 44. Gebissschema der Marder (Waldmarder, Mustela martes). A Seitenansicht. В Ober-
kiefer von unten.
aus, welcher seitlich und deutlich abgeschnürrt ist; der Fleischzahn selbst hat eine
dreiseitige Form und ist verhältnismässig länger als bei dem Dachse. Der hinter
ihm sitzende Hóckerzahn (m,) steht nicht wie bei dem Dachse in der Richtung
der Längsachse, sondern ist quergestellt, auch nicht viereckig, sondern eher drei-
seitig, dreihöckerig und kürzer als breiter. Der zweite Höckerzahn (m,) bei ein-
heimischen Marderarten fehlt. Im Unterkiefer besitzt der Fleischzahn (Fig. 44. A.
m,) einen deutlicheren hundeartigen Charakter als bei dem Dachse, ist zweizackig
mit einem mässig entwickelten grubenartigen oder schneidenden Talon. Die Glied-
massen sind verhältnismässig länger und schlanker.
-1
Gattung Mustela. Marder.
Die echten Marder sind, was den Kórperbau anbelangt, die schlanksten aller
I 1
8-1 42
zahn des Oberkiefers ist quergestellt, stark verlängert, gegen die Innenseite aus-
gebreitet und mit einer starken Wulst begrenzt. Der untere Fleischzahn (M,) hat
einen Innenzacken und grubenartigen Talon. Der zweite Backzahn ist ziemlich
gross, stumpf, 4—Bkantig, mit einer glatten oder mässig höckerigen Krone. Im
Exterieur ist der eylindrische Schwanz so lang wie die Hälfte des Rumpfes. Zwei
Arten Mustela Martes L. und M. foina Erxl. unterscheiden sich im Exterieur
ziemlich leicht durch die Haarkleidfärbung und die Struktur des Gaumens, im Skelett
jedoch, ausser einigen ziemlich minutiösen Kennzeichen am Schädel und Gebiss,
gibt es keine Differenzen.
marderartigen Raubthiere. Das Gebiss ist normal | d Der einzige Hócker-
Baummarder (Edelmarder). Mustela martes L.
Im Exterieur leicht erkenntlich nach dem gelblichbraunen H aar am Oberkórper
dunkelbraunem am Sehwanz und Beinen, und nach einem roth- oder dottergelben
Fleck an der Kehle und der Brust; Füsse fast schwarz, Wollhaar am Grunde róthlich
Fig. 45. Gaumen und Oberkiefergebiss unserer Marderarten. A Baummarder (Mustela
martes). B Steinmarder (Mustela foina). p, Dritter oberer Praemolar, aussen concav, bei B der-
selbe convex. p, Oberer Fleischzabn und m, Höckerzahn.
grau, an der Spitze licht rostgelb. Die Gaumenleisten (Fig. 45 A.) in deutlicher
Anzahl von 6—7 sind nur vorne hinter den Schneidezähnen bogenartig (3), alle
übrigen in einen Winkel auslaufend und die hintersten durch die Mittellinie des
Gaumens unterbrochen. Die Fussohle ist dicht behaart, mit 7 Zehenballen.
Im Skelett bietet die besten, obwohl minutiósen Kennzeichen nur das Gebiss,
und. zwar in der Form des dritten Praemolars (p,), in der Lünge des oberen
Fleischzahns (p,) und in der Breite des oberen Höckerzahns (m,).
99
Bei M. martes ist der 3. Praemolar des Oberkiefers auf dem äusseren Rande
schwach concav, auf dem inneren stark convex; der obere Fleischzahn (am Aussen-
rande gemessen) ist gleich lang wie die Breite des Höckerzahns.
Im Ganzen zeigt der Edelmarder etwas schlankere Formen, namentlich sein
Schädel ist etwas länger gestreckt als beim Steinmarder; diese Verhältnisse ändern
sich jedoch mit dem Alter. Bei dem Edelmarder entwickelt sich schon im 2. Lebens-
jahre ein Schädelkamm, welcher bis zur Stirngegend reicht, wogegen seine Ent-
wicklung beim Steinmarder langsamer fortschreitet, sodass er bis zur Stirngegend
nur bei sehr alten Thieren oder überhaupt nie hinreichen soll.
In zoogeographischer Beziehung haben beide Arten in dem fossilen Zustande
eine gleiche Bedeutung. Ueberwiegend sind es Waldbewohner, welche bei uns
wirklich am Anfange der Diluvialzeit, namentlich ihrer Tundra- und Steppenepoche
seltener waren und desgleichen wie der gemeine Fuchs mit der Zunahme der
Wälder, d. h. eines für ihre Entwicklung günstigeren Bodens, sich vermehrt haben
Fig. 46. Baummarder (Edelmarder, Mustella martes L.) Schädel eines erwachsenen Thieres
A von oben, B Seitenansicht in natürl. Grösse.
Beide Arten kommen auch heute zuweilen in der Steppe vor, namentlich dort, wo
diese an Wälder grenzt oder bewaldete Inseln umgibt. Nichtsdestoweniger bilden
sie in solehem Terrain eine Ausnahme und so sind auch die fossilen Funde aus
der waldlosen oder waldarmen Periode ziemlich selten.
Häufiger kommen ihre Reste in den höheren Lagen der Lössablagerungen
oder in subfossilen Knochenanhäufungen der Felsenlöcher und Schluchten vor. Sehr
oft lassen die fragmentarischen Funde eine genaue Artbestimmung nicht zu. Sichere
ү*
100
Ueberreste des Edelmarders kennen wir aus Sudslavic, Podbaba, subfossil aus der
St. Prokopihöhle, nach Woldfich und Liebe auch aus der Vypustekhöhle in Mähren.
In der Jetztzeit werden jährlich in Böhmen 1000—1200 Stück abgeschossen.
Steinmarder (Haus- oder Dachmarder). Mustela foina Erxl.
Sein grau- oder gelbbrauner Pelz mit weisslichem Wollhaar, welcher auf
den Füssen und am Sehwanze dunkelbraun bis schwärzlich ist und einen weissen Kehl-
fleck besitzt, làsst ihn wohl ziemlich leicht im Exterieur vom Baummarder unter-
scheiden.
Die Gaumenleisten (Fig. 45 В) in einer Anzahl von 8— 9 sind alle bogenfórmig,
hinten fast gerade und durch die Mittellinie des Gaumens unterbrochen. Die Fusssohle
ist nieht so dicht behaart wie beim Steinmarder, so dass die nackten Zehenballen
deutlicher sind.
Im Gebiss ist der dritte Praemolar biconvex, der obere Fleischzahn (am
Aussenrande gemessen) immer länger als die Breite des Höckerzahnes.
Der Schädel ist kürzer gestreckt und sein Schädelkamm soll überhaupt nie
oder erst im hóheren Alter zur Stirngegend reichen.
Der Steinmarder, wie es scheint, sucht eher schon weniger bewaldete ja
sogar lieber felsige Gegenden oder die Nachbarschaft der menschlichen Ansiede-
lungen auf und hauset in den letzteren oft ziemlich regelmässig.
So war der Steinmarder seinerzeit ziemlich häufig in Prag selbst." In den
bewaldeten Gegenden Südbóhmens wird er nicht so zahlreich abgeschossen wie der
Edelmarder, obwohl von dem ganzen Lande mehr Pelze in das Geschäft kommen
als vom Edelmarder (3000—4000 Stück).
Auch fossile Funde sind ziemlich seltener. Nicht sicher kennen wir ihn aus
Sudslavic und aus der Schlucht bei Srbsko, desgleichen unsicher sind die Reste,
welche Woldfich aus der Certova Díra anführt.
Vergleich einiger Schädel beider Marderarten.
Bei der Bestimmung verschiedener Marderschädel auf Grund der oben er-
wähnten Merkmale fand ich vielfach Abweichungen von denselben, welche verdienen
näher betrachtet zu werden. Herr Wenzel Frič, Naturalienhündler in Prag gab mir
zur Disposition eine grössere Reihe von Marderschädeln, deren genauere Messung
zu sicheren Resultaten führte.
Die Untersuchung dieses Materiales resultirt im Folgenden:
') Dr. Ant. Frič „Säugethiere Bóhmens*. Archiv für naturw. Durchforschung Bóhmens П.
101
Wirklich charakteristisches Unterscheidungskriterium beider Arten bietet die
Länge der Schnauze: ein erfahrenes Auge unterscheidet in der Seitenansicht sehr
leicht die verkürzte Schnauze des Steinmarders (M. foina) von der länger ge-
streckten Schnauze des Edelmarders (М. martes).
Desgleichen charakteristisch ist auch, dass M. foina keinen Schädelkamm
besitzt, wogegen М. martes einen solchen schon ziemlich jung in starker Ent-
Fig. 47. Steinmarder (Mustela foina Erxl.) Schädel eines erwachsenen Individuums, A von
oben, B von der Seite.
wicklung besitzt, ein älterer Edelmarder vermisst den Schädelkamm sehr selten. Die
typischen Merkmale des oberen Gebisses sind nur bei M. foina regelmässig aus-
gebildet, wogegen sie bei M. martes variiren.
Diese Verhältnisse stellt die folgende Tabelle bei 25 Schädeln beider Arten
übersichtlich dar (Seite 102).
Erklärungen zur Tabelle: (Siehe Seite 102.)
H. Höhe der Schnauze. Gemessen von der Lücke zwischen dem Fleischzahn
und Höckerzahn zu der Spitze des Stirnvorsatzes.
L. Lünge der Schnauze. Gemessen vom hinteren Rande oberhalb des Höcker-
zahns zum vorderen Rande beim zweiten Lückenzahn.
К. Länge der eigentlichen Schnauze. Gemessen vom unteren Rande der Unter-
augenhöhle im Jochbogen zum vorderen Rande oberhalb des zweiten Schneidezahns.
C. Schädelkamm. — bedeutet, dass derselbe fehlt, + dass er entwickelt ist.
102
ds T in milimetern Aat; Я
АБ tb BE wer, LO Henbisalini ноа, | € | F jib P
Mustela foina
N ZUPCWA EPIO Junge. 1910 30 21 — p ~
ЖО. м tal el 30 22'5 -— m ^
D^ dS н о А ИО 30 20°75 — ER ~
Peas, М Beet Eat 81 22°5 — „>, m
ui i ^ kou vk 20 295 22 — Ln ^
gn db BID | AO 3 22 — > т, —
"E! e poss A 32 24 — > m, =
50/90 » (a.d.Pelz)alt| 22 91 21 = >m, ~
£8 R А EI Pb | d. 99:5 — |. ^
Mustela martes
Nr. 24 (W: Fréi jung. . 195 31 24 = ns м
һы. à piso oU 32 25 — r —
4 20 Я Ж 20 82:5 26 — Së ы
$ X4 K ER ZUNG 94 26 -— kam w
3" dO " älter .| 21 92:0 25 — CG ~
EE h alt le 35 27 — Gs ~
30:14 " jung. ..|| 19:0 31 24 BR KS —
PUPA у älter .| 215 35:5 21 -H = м
VAR, , ala 1122 34 275 -- E —
KE ^ а 2 99/0 24 -F SE <
» 90 К ЧАЕК p 39:5 26 -F > mı —
9452 B poa 36 2105 BR > т, м
» 84 ^ y More T "EPIO 85 26 + > m м
к " Wb. Ж 35 25 + > m —
Coll. mus.(a.d.Pelz) | 23 84:5 24:5 -- > m, м
„Ө (We ООА И 200 35 27 ЕЕ EE м
Е. Fleischzahn. — m, bedeutet, dass er länger ist, als die Breite des Höcker-
zahns, — dass beide genannten Dimensionen gleich sind.
3. Pr. Dritter Proemolar. — bedeutet, dass dieser aussen convex ist, — dass
er gerade und ~, dass er concav ist.
Resultate dieser Messungen kann man im Folgenden zusammenziehen.
Baummarder (М. martes) unterscheidet sich im Schädel von dem Steinmarder
(M. foina):
108
1. Durch die Länge der Schnauze. Der Baummarder besitzt eine langge-
streckte Schnauze, welche Eigenschaft insbesonders in der Länge der eigentlichen
Schnauze R. deutlich ausgeprägt ist, diese Länge bewegt sich bei dem Steinmarder
nur zwischen den Zahlen 21—92:5 und übertrifft diese Zahl nur ausnahmsweise,
wogegen beim Edelmarder auch bei den jüngsten Individuen diese Länge 24 mm
beträgt, bei den älteren jedoch sich zwischen 26 .—27 mm bewegt.
9. Durch den Entwicklungsgrad des Schädelkamms, welches Merkmal jedoch
nicht so sicher ist wie das vorige. Man kann sagen, dass ein Schädel mit einem
gut entwickelten Schädelkamm, immer einem Edelmarder (M. martes) angehört;
ich fand wenigstens keinen einzigen Ausnahmsfall, wo einen Schädelkamm ein
Steinmarder besitzen dürfte. Dagegen gilt jedoch nicht, dass ein Schädel ohne
Schädelkamm immer von einem Steinmarder herrühren müsste, denn auch der Edel-
marder, besonders wenn er ganz jung ist, ohne Schädelkamm ist.
3. Durch die Lünge des Fleischzahns im Verhältniss zur Breite des Höcker-
zahns, welches Merkmal desgleichen wie voriges nicht verlässlich erscheint; man
kann wohl sagen, dass der Steinmarder immer einen längeren Fleischzahn als die
Breite des Höckerzahns besitzt, aber bei dem Edelmarder variirt schon dieses
Verhältniss derart, dass beide diese Dimensionen entweder (bei jüngeren Indivi-
duen) gleich sind, oder dass der Fleischzahn ebenfalls länger ist wie bei dem
Steinmarder (bei älteren Individuen).
4. Durch die Form des dritten Praemolars, welches Merkmal einer minderen
Variabilität unterworfen ist, als die vorigen. Bei dem Steinmarder ist dieser aussen
immer convex, bei dem Edelmarder immer concav, jedoch, wie die Nr. 14 und
28 zeigen, sind Ausnahmsfälle nicht ausgeschlossen. Beim Nr. 28 ist dieser Prae-
molar sogar auf einer Seite convex, auf der anderen concav. Wenn man das Thier
nicht im Pelz gesehen hat, kann man nicht beurtheilen, ob sich in diesem Falle
um eine Kreuzungsform handelt oder nicht.
Aus dieser Beurtheilung einzeluer Merkmale resultirt, dass man sicher be-
stimmen kann:
a) den Schädel eines Steinmarders (M. foina) nach der Kürze der Schnauze
und convexen Form der Aussenseite des dritten Praemolars, welche Bestimmung
durch Mangel eines Schädelkammes und eine grössere Länge des oberen Fleisch-
zahns als die Breite des Höckerzahns unterstützt wird.
b) den Schädel eines Edelmarders (M. martes) nach der Länge der Schnauze
und coneaven Aussenseite des dritten Praemolars im Oberkiefer; diese Bestimmung
wird durch einen gut entwickelten Schädelkamm und der Breite des Hóckerzahns
gleichende Länge des oberen Fleischzahns unterstützt.
Gattung Putorius.
Im Gebiss (Fig. 48) fehlen die vorderen Praemolaren im Oberkiefer sowie
5. 49,
D € D
im Unterkiefer ( 35131). Der untere Fleischzahn (M,) besitzt keinen Innen-
104
zacken und einen schneidenden Talon. Oberer 2. Backzahn (M,) ist klein, oval und
höckerig. Schwanz kürzer als die halbe Körperlänge. Selbst die grösste Art P.
putorius ist kleiner als Marder. Einheimische Arten gehören drei Untergattungen
an: Lutreola, Putorius und ctis.
Untergattung Lutreola.
Nörz. (Sumpfotter). Putorius (Lutreola) lutreola L.
Ein iltisartiges, jedoch dem Otter in Gestalt und Lebensweise ähnliches
Raubthier, dessen tiefbraunes, glänzendes und dicht anliegendes Pelz nur einen
kleinen weissen Brustfleck mit weissem Kinn und Lippen aufweist. Im Gebiss sind
die Höckerzähne mächtiger entwickeit.
Aus dem recenten Material kennen wir nur 2 Exemplare; eins in den Mu-
seumssammlungen aus älterer Zeit ohne näherer Bezeichnung, welches jedoch wahr-
scheinlich aus Böhmen stammt, da die Verbindung mit dem Osten, von wo er
kommen könnte, immer und besonders früher schlecht war, das zweite befindet sich
im Museum Ohrada bei Frauenberg und wurde das Thier im Jahre 1843 auf der
dortigen Schwarzenberg’schen Domaine in eine Falle gefangen.
IM UNS CS
Fig. 48. Gattung Putorius. Gebissschema.
Ohne näherer Daten wird er auch von Schmidt aus der Umgebung von Fried-
land angeführt und sollte in der neuesten Zeit auch in der Umgebung von Neu-
haus erbeutet werden.
Recentes osteologisches Material ist keines vorhanden, fossile Funde sind aut
zwei Bruchstücke beschränkt. Beide (ein Unterkieferfragment und ein Bruchstück
des vorderen Schädels) stammen aus Sudslavic ') her und charakterisieren wohl
nicht genügend dieses Raubthier. Auch anderwürts sind fossile Funde recht selten
wie überhaupt Überreste der uferbewohnenden Raubthiere. So werden solche Reste
aus Langenbrunn a. d. Donau, aus der Einhornhöhle bei Scharzfelà am Harz und
aus der Öertova Dira (Woldfich) in Mähren angeführt.
') Woldřich, Dil. Fauna von Sudslavic IL Th., S. 195, T. I. und II, Fig. 18. und 3., 4.
105
Untergattung Putorius. Cuv. Iltis.
(Syn. Foetorius Keys & Blas.)
Von den Wieseln (Ictis) unterscheiden sich die lltise im Exterieur, wenn
wir die Grösse der immer mächtigeren erwachsenen Thiere nicht in Betracht ziehen,
hauptsächlich durch die Färbung der Bauchseite, welche beim einfarbigen Pelz
immer dunkler erscheint, wogegen im übrigen Pelz das gelbliche Wollhaar auffüllig
durchschimmert.
Die Schädelform, obwohl bei beiden Untergattungen ziemlich ähnlich, weist
dennoch typische Differenzen auf. Bei den Iltisen bildet der Oberrand des Ober-
kiefers einen tiefen Einbug oberhalb den Praemolaren; die grósste Einschnürung des
Schädels, welche nur bei einigen Arten (z. В. P. Eversmanni) ganz auffällig ist,
liegt in der hinteren Hälfte des Schädels.
Im Gebiss ist der obere Fleischzahn charakteristisch, dessen Zacken jin
seiner vorderen Hälfte liegt. Unsere Fauna weist eine einzige Art auf:
Der gemeine Iltis (Ratz) Putorius (Putorius) putorius L.
(Syn. Foetorius putorius L.)
Zur Charakteristik dieser Art genügt folgendes zu bemerken :
Der Schädel verengt sich in der Stirngegend nur unbedeutend, so dass seine
seitliche Konturen hier fast parallel verlaufen; die grösste Breite des Schädels
beträgt ziemlich konstant ?/, der Basallänge. Ich verzeichne hier 7 gemessene
Schädel aller Altersstufen :
Seha d.e.
Basallänge Grösste Breite
Putorius putorius jung. . . 54:— mm 34 mm
n » » , ugs » 35 »
» » LORD a N pore » 96 ,
Я i mittelalt .61— , 39 ,
A b alt © . ey 4 ,
| AL E не y 43 ,
ТОБО Т» 44 ,
» » » y Mas
Die einzige Iltisart, welche neben dem gemeinen Iltis bei uns fossi Іуогко штеп
könnte, wäre der Sfeppeniltis Putorius Eversmanni Len., welchen man von dem
gemeinen osteologisch nur dann unterscheiden könnte, wenn ein ganzer Schädel
vorhanden wäre; dieser unterscheidet sich ganz auffällig durch die starke Ein-
schnürung der Stirngegend; seine Dimensionen bleiben dabei ähnlich wie bei dem
gemeinen Iltis (54 mm Basallänge gegen 39 mm Breite).
Diese schwierige Unterscheidung beider Arten hat in zoogeographischer
Beziehung im fossilen Zustande keine grosse Bedeutung, denn das Verbreitungs-
gebiet und die biologischen Eigenschaften beider Arten sind vollständig gleichartig.
Die Iltise sind zwar eher Wald- und Schlupfwinkelthiere, nichtsdestoweniger sind
sie in den Steppen besonders auch in den jetzigen südrussischen und wolgaurali-
schen Steppen sehr häufig und auch bei uns wählen sieoft für ihre Ansiedelung freies
Feldterrain wenn nur ein passender Schlupfwinkel vorhanden ist; besonders
106
gern halten sie sich in der Nähe der Gewässer auf und suchen ihre Beute, wie
ich mich selbst überzeugte, recht gern auch im Wasser.
Fossile Funde beschränken sich meistens im Diluvium auf solche Lagen und
Schichten, welche der Steppenperiode entsprechen und werden auch mit anderen
3 4
Fig. 49. Iltis. Putorius, 1—3. Gemeiner Iltis (Putorius putorius L.). Schädel, Oben-, Unten- und
Seitenansicht. 4. Putorius Eversmanni Erxl. Schädel von Oben. Natür. Grösse.
Steppenthierresten aufgefunden. So sind sie bekannt aus einigen dergleichen Fund-
orten Englands, Frankreichs, der Schweiz, Belgiens, Italiens und Deutschlands. Aus
Böhmen von Sudslavie (Woldřich) und aus dem Löss bei Podbaba, aus Mähren von
der Čertova Díra und Vypustek (Liebe), weiters auch aus Galizien und altaischen
Höhlen,
107
Untergattung Ietis. Wiesel.
Die Bauchfärbung ist charakteristisch weiss oder weislich, immer (freilich
im Sommerpelz, denn der Winterpelz ist oft vollständig weiss) heller als der übrige
Kórper.
Die Schüdelform unterscheidet sich von der des Iltis durch Verlauf des
Randes des Oberkiefers, weleher keinen Einbug bei den Praemolaren, sondern nur
einen sanften Bogen bildet. Die Einschnürrung in der Stirngegend folgt gleich
hinter dem Jochfortsatze und befindet sich infolgedessen in der vorderen Hälfte
des Schädels. Trotz des schlanken Schädels erscheint der Kopf im Exterieur immer
dieker als Hals und Rumpf.
Im Gebiss bietet einen auffallenden Unterschied der obere Fleischzahn,
dessen Zacken sich inmitten seiner Länge befindet. Hieher gehören zwei Arten:
Kleines Wiesel. Putorius (Ietis) nivalis L.*)
(Syn. P. vulgaris Briss. P. minutus Poml. P. minutus Woldr.)
Der kleinste und häufigste Marder Böhmens, dessen Grösse und Schädelform
in verschiedenen Altersstufen und Lebensverhältnissen sehr variirt; die Schädel
von älteren Thieren, welche ich bei der Hand habe, bestätigen vollständig diese
Variabilität. Der Schädel ist verhältnismässig schmäler als beim Iltis, namentlich
im hinteren Theil länger gestreckt und dadurch, dass die Jochbogen mehr in’s
Vorne gerückt sind, ist auch die Breite des Schädels verhältnismässig kleiner
(und beträgt weniger als °/, der Basallänge).
Die elf gemessenen Schädel ergeben in dieser Richtung folgende Re-
sultate :
Basallänge Breite Länge des Fleischzahns
u.2 Praem. des Unterkiefers
N GEET, Ce Ж 161 mm 61 mm
„ 1. erwachsen . OPI. 18'— , U— ,
ge SE 4 is QE У 18:5 ў — 2
A E Manor prr ендш, Meng,
» 2i » ‚ 86— » 29 » 79 »
40054 е ВОт 20— , OW Vë
zu dioi Вет dace Bre e Bio
›› 8. » vou BB er » 20 s 81 D
Mah оў vost Be od СТ ou 80 ,
T i m MESES » Me » jen »
Poet, minutus. Woldf. . . . — » motis gau
*) Trouessart in seinem. „Catalogus Mammalium“ führt gemäss den neuen Nomenklatur-
regeln das Wiesel als Put. (Ietis) nivalis L. auf, die Benennung vulgaris von Brisson wurde jedoch
schon im Jahre 1756—62, die Linnéische nivalis erst im Jahre 1766 und zwar nur für die weisse
Varietät in Norden publicirt.
108
Erwachsene Schädel des Wiesels variiren also in der Basallänge von
325—589 mm, d. h. um '/,—'/, ihrer Länge; die jüngeren Schädel sind verhält-
nismässig breiter als die älteren, aber bei den jungen finden wir die grösste
Breite nicht in der Jochbogengegend, sondern in der Parietalgegend. Der Schädel-
kamm ist verschieden entwickelt, bei einem erwachsenen verbinden sich die Kamm-
leisten schon in der Stirngegend, bei anderem erst in der Hälfte der Scheitelgegend
und sind auch Fälle vorhanden, wo bei ganz alten Thieren überhaupt keine Ver-
bindung besteht. N
Ein cbarakteristischer Unterschied zwischen dem Wiesel und dem Hermelin
wird in der Stellung des ersten und zweiten Praemolars des Oberkiefers gesucht;
das vergleichende Material zeigt jedoch, dass in dieser Richtung kein wesentlicher
Unterschied besteht.
Fig. 50. Kleines Wiesel. Putorius (Ietis) vulgaris Briss. Schädel von zwei Individuen von
oben, unten und von der Seite in natür. Grösse.
Beim kleinen Wiesel steht der vordere Praemolar zwar ziemlich parallel mit
der Mittellinie des Gaumens, aber die Ausnahmsfälle, wo dieser Praemolar mit
seinem Vorderende den Kieferrand überragt und so mit der Mittellinie des Gau-
mens wie beim Hermelin divergirt, sind ebenso zahlreich, wie die Ausnahmsfälle,
wo er bei dem Hermelin mit der Mittellinie des Gaumens wie bei dem kleinen
Wiesel parallel steht.
Auch die Form und Stellung des Hóckerzahns im Oberkiefer sind sehr ver-
änderlich und bei beiden Arten oft übereinstimmend.
Charakteristische Merkmale des Schädels von kleinem Wiesel sind: Flache,
oberhalb der Stirnfortsütze angeschwollene Stirn und sanft nach Vorne abfallende
Schnauze; die Basallänge bei den ältesten Individuen ist unter 40 mm.
109
Das kleine Wiesel ist heutzutage noch unseres häufigstes Raubthier und ist
es daher auffallend, dass seine fossile und subfossile Reste relativ soselten sind.
Sein Charakter entspricht den wenigstens theilweise bewaldeten oder mit
reichem Gebüsch bewachsenen Gegenden, obwohl es auch in Feldern und Steppen-
districkten nicht selten ist und sogar auch im Tundragebiete vorkommt. Sein Ver-
breitungsgebiet ist demnach sehr gross.
Sicher sind seine Reste in Böhmen bei Sudslavic, von wo es Dr. Woldfich
mit Steppenfaunaresten, theils direkt unter dem Namen Foetorius vulgaris, theils als
neue Species Foetorius minutus Woldf. anführt. Diese Art ist aber nichts anderes
als das gemeine kleine Wiesel, denn auch im recenten Materiale kommen so kleine
und doch vollständig erwachsene Individuen vor, wie es die Messungen auf der
Seite 107 zeigen.
Von der Menge und Zugänglichkeit der Nahrung hängt nicht nur die An-
zahl dieser kleinen Raubthiere, sondern auch ihre kórperliche Entwieklung und
ihre Wachstumverhältnisse ab, sodass sehr leicht in einer Zeit, wo es an Nahrung
(z. B. Mäusen) mangelt, erwachsene Individuen vorkommen können, welche ver-
kümmert sind, ohne dass dies Anlass geben dürfte, sie als neue Species zu be-
stimmen, besonders wenn bei fragmentaren Resten nichts anderes als die Grösse
dafür spricht.
Aus Mähren kennt Prof. Maška das kleine Wiesel aus der Čertova Díra.
Hermelin (Grosses Wiesel). Putorius (Ietis) ermineus L.
(Syn. Foetorius Krejčii Woldf.)
Im Exterieur unterscheidet sich der Hermelin vom kleinen Wiesel vorerst
durch die Körpergrösse und durch ein kaum längeres Haarkleid, welches nicht so
gleichartig ist wie bei dem kleinen Wiesel; das sieht man besonders am Schwanz,
dessen Ende ein schwarzes, langes, das Ende fast um 7 cm überragendes Haar
trägt. Die übrige Haarfärbung stimmt mit der des kleinen Wiesels überein; dieses
trägt jedoch einen weissen Pelz bei uns im Winter nur ausnahmsweise, wogegen
beim Hermelin es ein Regel ist. Der Schwanz erreicht beim Hermelin eine Länge,
welche '/, der Rumpflänge gleicht (bei kleinem Wiesel nur '/,).
Im Skelett sind z. B. die Grössenunterschiede deutlich schon im Schädel
ausgeprägt, dessen Basallänge immer 40 mm übertrifft.
Die Stirn ist schon bei jüngeren Individuen stärker gewölbt, öfters auch
oberhalb den Stirnfortsätzen angeschwollen, aber auch ganz flach und die Schnauze
fällt nach Vorne steiler ab, als beim kleinen Wiesel.
Es wurde schon beim kleinen Wiesel angeführt, dass die Stellung der
Lückenzähne im Oberkiefer nicht konstant und charakteristisch ist. Die Stellung
des ersten Lückenzahns ist beim Hermelin zwar oft zur Mittellinie des Gaumens
divergent, wie es die Fig. 52 A. zeigt, sodass das vordere Ende desselben oftmals
110
den Kieferrand überragt und der zweite Lückenzahn mit dem ersten einen stumpfen
Winkel bildet, aber solche Fälle, wo der vordere Lückenzahn so regelmässig (para-
lell zur Mittellinie des Gaumens) steht, wie beim kleinen Wiesel (Fig. 52 BI
sind nicht selten, sodass dieses Merkmal seine Wichtigkeit einbüsst und nur dann
nachhilflich benützt werden kann, wenn man einen Schädel in die Hand bekommt,
welcher schon durch seine Grösse auf den Hermelin ‚hinweist.
Fig. 51. Hermelin. Putorius (Ietis) ermineus L. Schädel von oben, unten und von der Seite
in der natür. Grösse.
Die grösste Einschnürung des Schädels, welche bei dem kleinen Wiesel
immer weiter hinter die Stirnfortsätze verschoben ist, erfolgt beim Hermelin näher,
oft sogar gleich hinter denselben; sie wird manchmal stärker, anderesmal schwächer
und verschwindet oft sogar fast gänzlich.
Woldřich führt unter dem Namen Fbetorius Krejčii Woldr.'!) eine Art, welche
laut Abbildungen und Beschreibung nichts anderes ist als ein ganz typischer Hermelin
(Foetorius ermineus LA.
Diese Art soll vom Hermelin unterschieden werden:
1. durch kleinere Grösse; die Basallänge des Schädels wird von Woldřich
auf 40:5 mm angegeben; ich besitze einen Hermelinschädel, der gerade auch 40:5 mm
1) Woldřich J. N. Diluviale Fauna von Sudslavic. III. T. II. f. 3, 4, II. T. II. f. 15, 20.
111
Basallänge hat, was auch vollständig mit der oben angeführten Charakteristik
übereinstimmt, nämlich dass die Basallänge des Hermelinschädels immer 40 mm
übertrifft ;
2. durch eine schwächere Einschnürrung des Schädels, welche gleich hinter
den Stirnfortsätzen erfolgt; es wurde schon höher auf die Variabilität dieser Ver-
hältnisse hingewiesen; es variiert dieses Merkmal
besonders mit der Altersstufe und oft sehr auffallend,
sodass es als ein charakteristisches Kennzeichen nicht
betrachtet werden darf;
3. durch kleinere Anschwellungen des Stirn-
knochens vor dieser Einschnürrung; in Wirklichkeit
sind auch diese Verhältnisse sehr veränderlich, wie Fig. 52. Schematische Darstellung
es auf den recenten Schädeln ersichtlich ist; eine der linken Hälfte des Oberkiefers
stärkere Anschwellung hängt auch mit der Altersstufe 4. beim Hermelin (Putorius ermi-
zusammen. Auch bei dem kleinen Wiesel, wo der E E ag
Schädel in dieser Gegend regelmässig flach ist, ent- ESCH PA ort лат éi a sede
steht im höheren Alter eine solche Anschwellung.
Bei den recenten Schädeln, welche wir besitzen, findet sich diese Anschwellung
immer deutlich bei den grösseren, also älteren Schädeln, bei dem gleich grossen
Schädel, welchen ich hier mit dem des Fbetorius Krejów verglichen habe, ist sie
ganz undeutlich ;
4. durch die Schädelkammleisten, welche sich beim Hermelin gleich hinter
den Stirnfortsätzen in einzigen Schädelkamm verbinden, wogegen sie bei dem
Foetorius Krejeii unverbunden bleiben; Dr. Woldřich selbst spricht diesem Merkmal
nicht viel Bedeutung zu, jedenfalls mit Recht, denn auch diese Verhältnisse ver-
ündern sich je naeh Geschlecht und Alter, wie es auch die vorhandenen recenten
Schädel klar beweisen. :
Es ist also kein Grund vorhanden, den Foetorius Krejéii Woldr. als eine
selbständige Art oder Varietät von Putorius (Ictis) ermineus L. zu unterscheiden.
Der Hermelin liebt ebenso wie das kleine Wiesel wenigstens theilweise be-
waldete oder mit Gebüsch bewachsene Gegenden und sucht besonders gern die
buschigen Wasserufer aus; nichtsdestoweniger kommt er auch in waldlosen Feldern,
Steppen und Tundren vor. Durch das Tundragebiet geht er weit nach Norden,
sogar bis auf die Küsten des Eismeers, wo hauptsächlich der Lemming seine Beute
wird. Auch bei uns ist er in recenter Fauna keine Seltenheit; wenigstens ein
Drittel der Anzahl, welche unter dem Namen des kleinen Wiesels ausgerottet wird,
gehört dem Hermelin an.
Dem entgegen überraschend selten sind seine Funde in diluvialen Abla-
gerungen. Mit anderen Steppenthieren führt ihn als zahlreich Dr. Woldřich
aus Sudslavie, aus der Öertova Dira in Mähren und Liebe aus der Vypustek-
höhle an.
Otter. Lutrinae.
Die Otter sind biologisch durch ihr Leben an Wasserufern gekennzeichnet,
was mit der Schwimmhaut zusammenhängt, mit welcher ihre Füsse versehen sind.
112
Ihr Schädel besitzt eine breite Parietalhóhle und eine kurze Schnauze und ist
zwischen diesen beiden Partien stark eingeschnürrt. Von unten sind die nur schwach
gewülbten, fast dreiseitigen Tympanienknochen auffällig. Die einzige Art unserer
Fauna ist
Der gemeine Fischotter. Lutra lutra L.
B 4l.
Bo21 8 2.
und vier Praemolare, im Unterkiefer 3 Praemolare und 2 Backzähne auf.
Der obere Fleischzahn (Fig. 53, p,) ist kurz, breit, dreiseitig und ähnlich
ausgebildet wie bei dem Dachs. Er besitzt einen grossen, mittleren Aussenzacken,
welcher bei älteren Thieren oft stark abgenutzt ist, dann einen sehr grossen und
breiten, jedoch niedrigen Hinterzacken und einen hóckerigen Innenansatz, welcher
infolge Abnutzung grubenartig wird. Der Hóckerzahn liegt jedoch nicht wie bei
dem Dachs in der Richtung der Zahnreihe, sondern ist er quergestellt, breiter als
länger, viereckig, mit zwei äusseren und zwei inneren Höckern versehen, deren
letzteren eins in eine mächtige Wulst umgeformt ist.
Das Gebiss weist im Oberkiefer nur einen einzigen Backzahn
Fig. 53. Der Fischotter (Lutra lutra L.). A. Schematische Darstellung des Gebisses von der
Seite; В. des Oberkiefers (rechte Hälfte) von unten. p,—p, (im Unterkiefer bis p,) Praemolare;
p, im Oberkiefer Fleischzahn: m, im Unterkiefer Fleischzahn, m, im Oberkiefer und m, im Unter:
kiefer sind echte Backzähne.
Der Fleischzahn im Unterkiefer (Fig. 53, m,) hat einen schneidenden, bei
älteren Thieren mit einer tiefen Grube versehenen Talon und einen gut entwickelten
Innenzacken im Vorne. Der kleine Backzahn (m,), wenn er nicht abgenutzt ist,
besitzt zwei spitzige Ansätze am Aussenrande.
113
Der ganze Schädel bei einer verhältnismässig grossen Breite und Länge be-
sitzt nur eine sehr kurze, schmale und stumpfe Schnauze. Der Körper selbst ist
plump, die Gliedmaassen relativ kürzer als beim Dachs, Humerus jedoch ähnlich
gekrümmt. ,
Der Fischotter gehórt noch heute zu den bäufigen Raubthieren unserer Fauna,
welche jedoch oft und auf grosse Entfernungen ihren Standort wechseln, sodass
nicht selten zu uns Fischotter über die Grenze aus den Nachbarländern kommen.
Fig. 54. Der Fischotter (Lutra lutra LA 4. Recenter Schädel von oben, В. Ein anderer von
unten, beide in ?/, natür. Gr. C. Der letztere in Seitenansicht in "/, natür. Gr.
Der jährliche Abschuss wird in Böhmen auf einige Hundert Stücke geschätzt;
insbesonders im schneereichen Winter, wie z. B. im J. 1899—1900, wurden viele
8
|
|)
|
|
114
erbeutet; in diesem Jahre wurden sie hüufig auf den Prager Markt, manchmal bis
15 kg schwere Stücke, gebracht. Einige bekannten Fischotterjäger haben damals
bis 20 und 30 Stück (ein jeder) erbeutet. Der Landesculturrath zahlt jährlich 30
bis 40 Prämien (4 К à Stück) für erbeutete Fischotter aus.
Das heutige Verbreitungsgebiet des Fischotters in ganz Europa, inNord-
Asien und Nordamerika, sowie sein immer noch zahlreiches Vorkommen ist gewisser-
maassen im Widerspruch mit den ziemlich seltenen fossilen und subfossilen Funden.
Auf einigen Stellen kommen Fischotter schon im Tertiär vor und einige
pliocäne Formen, wie z. B. die aus den Forest Beds und dem französischen Pliocün
(Lutra affinis) sind kaum von dem heutigen Fischotter zu unterscheiden, sodass die
direkten Vorfahren des Fischotters bis in die Tertiärformation zurückreichen.
Fig. 55. Der Fischotter (Lutra lutra L.). Ein fossiler Unterkiefer aus der Schlucht
bei Srbsko in natür. Grösse,
In den diluvialen Ablagerungen wird der Fischotter hauptsächlich aus einigen
Höhlen und von Rütimeyer auch aus den Pfahlbauten angeführt; aus den mähri-
schen Höhlen ist er durch Wankel bekannt geworden. Bei uns wurde er nur auf
einer Lokalität, jedoch massenhaft, in der Schlucht bei Srbsko, gefunden, wo die
nahe Nachbarschaft des Flusses die Sachlage erklärt.
Die relative Seltenheit dieser Reste erklärt sich vielleicht so, dass die Ueber-
reste des Fischotters meistens im Inundationsregion der Wasserläufe zur Ablage-
rung kamen, von wo sie wieder durch das Hochwasser weggeschwemmt wurden, sodass
sie nur in äusserst günstigen, höher gelegenen Schlupfwinkeln (so z. B. in der
Schlucht bei Srbsko) gerettet werden konnten.
Gesammtübersicht der Raubthierfauna Böhmens.
Aus der Tertiärformation weist die Raubthierfauna Böhmens verhältnismässig
nur unbedeutende Reste der Urhunde (Amphicyonidae, siehe Seite 35) auf.
Alle übrigen Formen dieser Gruppe finden wir zum erstenmale erst im Di-
luvium und ihre Anzahl vermindert sich wieder im Laufe der Zeit bis auf heutige
Tage. —
Diluvium Vorhistorische Periode. Alluvium Recente Periode
"f Varietàt Art Varietät Ars Varietät
Katzenartige. |
Felis (Uncia) leo L.. . .| spelaea Goldf. — — = — — +
„ (Lynchus) lynx L.. | = Felis (Lynchus) lynx L.. — Felis (Lynchus) lynx L. | — +
2 „ pardina Temn ! == — — — — = — —
L елын Bo s с... fera Bourg. E E ee — Ше енин ыш. ...,. . = Ez
4 = = Жа CN magna Bourg. |
2 == .-. -E Bine Schmerl | E
= = E — — — Felis domestica L. . . . —
Hundeartige.
£ f (fossilis) U Caa = Re = = = ES
Canis lupus L. . || spelaeus Goldi. | Canis jugos hae. : Canis lupus 1. . . . . |
i. i » 3 5... ж en Woldr. » famil praehistor. Kf.| decumanus Nehr. | Canis familiaris L. . . .| anglicus
Canis ferus Bourg. . . - ferus Bourgn. Š ч 3 . .|matris optimae Jeit. 24 b Do E sagax.
5 Е 2. 5 .|intermedius Woldr. n E E . (intermedius Woldr. s 5 ж == „| pecuarius
f Mikii Моја. alustris En 8
è л Um te == hereynius Wodi |, 7 = Я pen. = ® т е
Vulpes alopex L.. . . . — Vulpes alopex L.. . . . = Vulpes alopex L.
5 lagopus L. . . .| —
PER N | meridionalis Nord. = = = == = C ZE
2 meridionalis Nord. l| moravieus Woldr. E = = = - E ES
Bären. | |
Tes É d arctos L. Dm = » =
Ursus arctos L. "|| spelaeus Bimb. Ursus aretos L- . ... .|| Ursus arctos Lh. .— : — i
Hyänen. |
Hyaena crocuta Zimm. . | — Hyaena crocuta Zimm. . || — =. 2 | = E
||
Marderartige. | |
Meles taxus Bodd. . . .| — Meles taxus Bodd. . . . а Meles taxus Bodd. |
Со fuscus Tea =. #1 — Geo вена Lh. T... «= = = | ES LO
Mustela martes L. . . .| — Mustela martes L. . .. = Mustela martes L. . . . || |
» c Иней Erde. t". n ES 3 foina Erxl. . = 4 foina Erxl. . .| |
Putorius (Lutr.) lutreola L. | -- Putorius (Lutr.) lutreola L. = Putorius (Lutr.) lutreola L. || Se $?
" 5 (Put.) putorius L. | = = (Put.) putorius L. | = А (Put.) putorius L. |
* " (Ictis) vulgaris Br. | — » (Ictis) vulgaris Br. EM 4 (Ietis) vulgaris Br.
E „ ermineusL.| — B „n ermineus L. || = а „ ermineus L. e
Kirch 2. I. — Lutra lutræ L. . . . . .| = Lutra lutra L. —
il | e
Der allgemeine Charakter der diluvialen Raubthierfauna weicht nicht weit
von dem der jetzigen ab. Die diluvialen Formen stimmen bis auf einige unzahlreiche,
welche ausgestorben sind, vollständig mit den recenten überein.
\
Die ausgestorbenen Formen gehóren entweder den Gattungen an, welche
vollständig von der Oberflüche der Erde verschwunden sind (Höhlenlöwe), oder
sind es Arten, welche nur aus Böhmen oder auch aus den benachbarten Ländern
gewichen sind, oder endlich solche, welche in wildem Zustande ausgerottet, jedoch
in domesticiertem Zustande in einer veränderten Form gerettet wurden.
Die jetzt lebenden Formen haben entweder ihr früheres Verbreitungsgebiet
beibehalten oder wurden durch Klimatische Veränderungen, durch Verbreitung der
Kultur oder durch Ausrottung aus einigen Distrikten in andere kleinere oder ab-
seits liegende Gebiete verdrängt, so z. B. nach Süden (der Löwe, die Hyäne), nach
Norden (der Eisfuchs, der Vielfraass), nach Osten (z. B. Steppenfuchs) oder in die
hohen Gebirgslagen. Alle diese jetzt lebenden Formen stimmen jedoch mit ihren
diluvialen Vorfahren vollständig überein, wie es bei den Raubthieren besonders der
Wolf, der Bär und zahlreiche andere beweisen. Die Forschung muss daher zum
Vergleich und zur Identifikation der diluvialen Formen mit den recenten rechnen und
nicht unendliche Aufstellung neuer und neuer Formen und Arten unter neuen, nichts
bedeutenden und nichts bestätigenden Namen als ihre Aufgabe betrachten.
Dieses Ziel habe ich in dieser Arbeit vor den Augen gehabt und die neben
stehende Uebersicht (Seite 115.) dürfte zeigen, wie weit es mir gelungen ist, mich
ihm zu nähern oder die Wege in dieser Richtung anzudeuten.
Die bisjetzt publicierten Listen der diluvialen Raubthiere haben im Ganzen
32 Arten verzeichnet; wie aus meiner Uebersicht hervorgeht, halte ich nur 20 Arten
aufrecht; aus den übrigen sind 10 als Varietäten bezeichnet und bei den letzten 2
wurde ihre Fraglichkeit sichergestellt. Jedoch auch unter den 10 Varietäten gibt
es 6 unsichere Formen (Varietäten der wilden Katze, 2 kleinere Varietäten des
wilden Hundes und 1 Varietät des Steppenfuchses), weitere 2 sind nur Alters-
formen (Canis L. spelaeus und Ursus arctos spelaeus) und nur 2 können als wirk-
liche Varietäten aufrecht gehalten werden.
Diese 20 diluvialen Raubthiere vermindern sich schon in der vorhistorischen
Periode um 4 Arten; sehr bald sind besonders die Arten verschwunden, welche
gegen Süden gewichen sind (der Löwe und der Leopard), ihnen folgten bald auch
die Steppenformen des Fuchses, auch die Steppenformen der Katze lassen keine
sichere Spur hinter sich. So wird die Anzahl der vorhistorischen und alluvialen
Arten auf 16 mit nur 4 Varietäten beschränkt.
Diese vier Varietäten geben jedoch dieser alluvialen Fauna ein besonderes
Gepräge dadurch, dass es nunmehr keine Formen sind, welche im wilden Zu-
stande gebildet wurden, sondern schon Varietäten, welche infolge der Domestikation
(des Hundes) hervorgerufen wurden und deutlich das Eingreifen der menschlichen
Hand in diesen Entwicklungsgang bezeichnen.
Noch grössere Durchlüftung dieser Fauna erfolgt nun in der recenten Periode.
Die Anzahl der bei uns lebenden Raubthiere vermindert sich auf die Hälfte der
118
Wirklich kommen auch die Ueberreste dieser Arten in Gesellschaft mit an-
deren Tundraformen, wie z. В. mit dem Lemming, dem Schneehasen, den nordischen
Wühlmäusen, dem Rennthier und anderen vor, oder werden in den untersten Lagen
der freien Lössablagerungen angetroffen, wie ich es in dem Löss bei Podbaba kon-
statieren konnte,
Alle übrigen diluvialen Raubthierformen Böhmens kann man in den Begriff
der Steppenfauna einreihen.
Steppenzeit.
Es gibt nicht viele Raubthierformen, welche man als charakteristisch für die
Steppe bezeichnen könnte. Neben dem Eversmann’schen Iltis (Putorius | Put.) Evers-
manni Erxl) sind es nur einige Füchse und Katzen. Aus diesen charakteristischen
Formen kennen wir in dem Diluvium Böhmens nur den
Steppenfuchs (Vulpes meridionalis Nordm.),
welcher mit der Varietät Vulpes moravicus Woldf. und mit einem der jetztlebenden
Steppenfüchse (entweder mit dem Korsak — Vulpes corsac L. oder mit dem Kara-
gan — Vulpes caragan Erxl.) wahrscheinlich identisch ist.
Aus den charakteristischen Steppenkatzen, zu welchen besonders Manul (Felis
manul Pall. angehört, wurde keine in unserem Diluvium sichergestellt, wahrschein-
lich auch infolge des Mangels an vergleichendem Material. Vielleicht auch einige
© © 5 ©
Reste, welche der Wildkatze (Felis catus L.) zugerechnet werden, dürften diesem
Manul angehóren, was des Mangels am vergleichenden Material wegen überhaupt
8 › 8 8 H
schwer zu lesen ist.
Dasselbe gilt wohl auch für den typischen Steppeniltis Putorius (Put.) Evers-
manni Erxl., welcher (siehe Seite 106) im Schädel ziemlich leicht von dem gemeinen
Iltis zu unterscheiden ist, in anderen Skelettfragmenten jedoch nur beschwerlich
sichergestellt werden dürfte. Es ist daher nicht ausgeschlossen, dass auch einige
Ueberreste, welche für den gemeinen Iltis gehalten werden, dem Eversmann’schen
angehören. Diese Annahme dürfte auch in den übrigen Steppenformen, welche be-
sonders von diesem Iltis begleitet werden (die Nager), eine Unterstützung finden.
Neben diesen charakteristischen Arten kommt jedoch in der Steppe noch
eine ganze Reihea nderer Arten vor, welche da von Zeit zu Zeit auch ziemlich häufig
sind. Theils nach den Ausweisen Nehring’s,') theils nach der Analogie des biologi-
schen Charakters kann man aus unserer Fauna auch noch folgende Arten als
Steppenthiere. bezeichnen :
7) Nehring, Tundren und Steppen, Seite 68.
119
Felis (Uncia) Leo L. Gulo luscus L.
» (Lynehus) lynx L. Mustela martes L.
d N pardina Temn. Я foina L.
„баш Ш; Putorius (Lutreola) lutreola L.
Canis lupus L. " (Put.) putorius L.
, ferus Bourg. o (Ictis) vulgaris Briss.
Vulpes alopex L. з » ermineus L,
Ursus arctos L. Lutra lutra L.
Meles Taxus Bodd.
Der Löwe wird zwar als ein Charakterthier der östlichen Steppe nicht an-
geführt, denn in diesem Gebiete wird er durch den Tiger vertreten, nichtsdesto-
weniger die Lebensweise dieses Thieres und einige Funde seiner Reste in den
Lössablagerungen, welche ihren Ursprung den Anhäufungen des Steppensandes
durch den Wind verdanken, sprechen für seine Existenz in der Steppenzeit.
Andere Arten der katzenartigen Raubthiere sind in den östlichen Steppen
ziemlich viel und weit verbreitet, und wie die Wildkatze und der Luchs bis jetzt
die Steppe beleben, kaben sie es wahrscheinlich auch bei uns gethan. Es ist nicht
ausgeschlossen, dass hier noch andere Arten vorkommen konnten, und wurde schon
oben darauf aufmerksam gemacht, dass Felis catus L. sehr leicht mit dem Manul
(Felis manul) verwechselt werden kann. Aehulich auch der kleine Sumpfluchs (Felis
Chaus Güldenk.) könnte einer der Katzen entsprechen, welche als Felis magna
Bourg. (siehe Seite 32) bezeichnet wird. Mit blosser Bezeichnung Felis magna ist
der Wissenschaft wohl wenig geholfen, wenn es an genauem Studium der Form und
Vergleichung mit dem diesbezüglichen Material mangelt. Ich habe aus diesem
Grunde die fraglichen Formen zwar nicht vollständig ausgeschlossen, jedoch ihrer
problematischen Existenz wegen sie in die Gruppe der Varietüten eingereiht, solange
sich ein bestimmter Charakter derselben nicht beweisen lässt.
Die Reihe der Steppenkatzen vermehrt bei uns noch ein Leopard (Felis
[Lynchus] pardina Temn.), welcher ursprünglich von Woldfich als Leopardus
pardoides beschrieben wurde, und wahrscheinlich auf einen mächtigeren Lux des
Südens mahnt,
Aehnlich wie bei den Katzen dürfte sich die Sache auch bei den Wölfen
verhalten. Der Wolf (Canis lupus L.) ist ein regelmässiger Gast der Steppe nicht
nur in der typischen Form, sondern auch in den kleineren Formen (siehe Seite 61)
und neben ihm kommt auch der Schakal in der Steppe regelmässig vor.
Es ist sehr wahrscheinlich, dass einige, bisjetzt nur fragmentarisch bekannte
Formen unserer diluvialen Hunde und Wölfe, welche in der Uebersicht als Canis
ferus angeführt werden, jener Gruppe der kleineren Steppenwölfe angehören, wie
ich darauf auf der Seite 66 und 67 hingewiesen habe.
Aus den übrigen, oben angeführten Formen verdient noch der Vielfrass
(Gulo luscus L.) als ein Relict der Tundrazeit erwähnt zu werden, welcher, wie es
120
scheint, bei uns überhaupt selten war und zeitlich, vielleicht schon im Laufe der
Steppenzeit von hier verschwunden ist, obwohl er in Deutschland und der Schweiz
noch ziemlich lange sich aufgehalten hat.
Die marderartigen Raubthiere leben bei uns bis auf kleine Ausnahmen bis-
jetzt ebenso beisammen, wie sie bei uns zur Steppenzeit gelebt haben und wie sie
noch heutzutage in den óstlichen Steppen leben; sie halten sich immer noch in
den offenen, wenig bewaldeten oder gebüschigen Lagen, sowie in der Nachbarschaft
der Gewässer und der menschlichen Ansiedelungen (manchmal in diesen Selbst) auf.
Neben dem Fuchs sind es unsere einzigen Raubthiere, welche der recenten
Periode als unversehrte Erbschaft der Diluvialzeit hinterlassen wurden.
Register der Gattungs- und Artennamen mit ihren
Amphicyon 35.
Alactaga 10, 17, 18, 82.
Alces 16, 17, 19.
Arctomys 106, 17, 18, 82.
Arvicola 11, 18.
Atelodus s. Rhinoceros.
Bos 10, 11, 12, 13,-10, 17.
Oalcionella 17.
Canis anglieus 74.
aquaticus 44, 46, 49,
borealis 43, 46, 50, 54.
brevipilis 42, 44, 46. 50,
54.
cancrivorus 44, 50.
caragan 118.
— corsac 118.
decumanus 68.
domestieus 78.
familiaris 11, 42, 46, 49,
50, 61, 54, 55, 56, 64, 67,
68, 10, 71, 72, 13, 14, 116.
— ferus 14, 65, 66, 115, 119.
fricator 50.
grajus 49, 44, 46, 50.
gryphus 46.
hereynius `66,, 115.
hodophylax 43, 49, 50, 67.
— intermedius 10, 44, 46, 53,
54, 70.
— islandicus 44, 50.
jubatus 44, 50.
— ]aniarius 43, 46, 50.
— latrans 44, 49.
Leoninus 46, 50.
lupus 36, 37, 40, 42, 43,
45, 49, 50, 51, 54, 55, 50,
58, 61, 115, 119.
lupus occidentalis 43, 50.
synonymen.
Janis matris optimae 43, 46, 50,
53, 54, 68, 115.
— Mikii 65, 116.
molossus 43, 44, 46, 50.
— pallipes 37.
palustris 43, 46, 50, 54,
71, 115.
— pecuarius 73, 115.
— pomeranus 43, 46, 49,
praehistoricus 67, 115.
— gagax 74. 115.
sancta Bernhardi 46,
scoticus 43, 46, 50.
spelaeus 12, 40, 43,
45, 51, 53, 54, 55, 56,
OUS 110;
— fuessii 40, 43, 45, 50,
53, 54, 115.
terrae nov. Foundl. 40, 50.
vulpes s. Vulpes.
Capra 10, 11, 12.
Cervus 10, 11, 12, 14, 18.
Cionella 18.
Sricetus 11, 18.
Elephas 11, 15, 18.
Equus 11, 14, 15, 18.
Esox 11, 12.
Foetorius viz Putorius.
Felis canadensis 30.
— . catus 10, 11, 81, 88. 115,
119.
— domestica 23, 115.
fera 88, 90.
— chaus 82, 119.
160 1918,26, 115; АТ,
119.
lynx 12, 28, 116, 117, 119.
— magna 82, 115, 119.
49.
44,
58,
51,
Felis maniculata 34.
manul 34, 119.
minuta 12, 115, 119.
pardina 31, 115, 119.
ulo 19, 116, 110.
Helix 18, 19.
Hyaena 10, 12, 18, 115, 117.
Hyalinia t.
Ibex 19, 16, 18.
Ictis 107, 199.
Lagomys 5, 18, 19.
Leo s. Felis.
Leopardus 19, 81.
Lepus 10, 18, 79.
Lupus vulgaris s. Canis lupus.
Lupus spelaeus s. Canis spe-
laeus.
Lupus Suessii s. Canis Suessii.
Lutra 112.
Lynchus s. Felis.
Meles 10, 11, 12, 115, 119.
Mustela foina 100, 101, 103.
martes 98, 103.
Myodes 15, 18, 19.
Ovis 10, 16, 18.
Pupa 18, 19.
Putorius ermineus 18, 109.
Eversmanni 106.
— Krejéii 110.
lutreola 104.
minutus 107, 109.
— nivalis 107.
putorius 6, 18, 105.
— vulgaris 107.
Rangifer 11, 12, 14, 18, 19.
Rhinoceros 12, 14, 18.
Spermophilus citillus 11, 19.
fulvus 82.
Spermophilus guttatus 18, 19.
— rufescens 18, 82.
Succinea 18.
Bus: 10, 11, 19, 18,
Talpa 11.
Ursus arctos 10,83, 88, 115, 117.
Register der
Aussig a, d. E. 89.
Dáné bei Vysočan 28.
Beraun 58, 61.
Blaschim 70.
Bohdalec 89.
Bulovka 18.
Býčí Skála 82.
Öäslau siehe Hrádek.
Čertova Díra 82, A8, 70,:176,
100, 106, 109, 111.
Červený Lom 62, 89, 92, 97.
Dreméóic 89.
Hrádek (Oáslau) 68, 71, 89.
Hradiště 68, 71.
Kalvarienschlucht 7, 33, 34, 71,
19, 89, 92, 95.
115,117,
Ursus priscus 83.
— spelaeus 12, 18, 83, 84.
Vulpes alopex 10, 12, 16, 18,
78, 115, 117, 119.
Vulpes согвас 80, 82, 118.
Fundorte in Bóhmen
Kobyla 13, 92.
Kotlärka 61, 89.
Libán 70.
Lochov 79.
Neu Bydžov 89.
Neudorf bei Bakov 28.
Podbaba 98, 61, 66, 68, 89, 92,
97, 100, 106.
Předmostí 66.
Riesengebirge 95.
Reporeje siehe Kalvarien-
schlucht.
Slavikovic 65.
Schlucht am Kaéák 6.
Schlucht in Kobyla siehe Kobyla.
Vulpes caragan 81, 82, 118.
— lagopus 80, 98.
— meridionalis 80, 115, 118.
— moravicus 80, 115, 118.
— vulgaris viz alopex.
und Mähren.
Schlucht bei Srbsko 30, 34, 60,
62, 79, 32, 100, 114.
Schluchten a. d. Beraunfluss 6.
Stradonie 68, 69, 70, 71.
Sudslavic 28, 32, 65, 66, 67, 79,
82, 100, 106, 109, 111.
St. Prokop 5, 28, 84, 89, 92.
Sipka 32, 70, 76.
Türmitz 18, 28, 92.
Trebesic 92.
Tuchoric 36.
Turská Mastal 11, 28, 31,34,
60, 61, 89, 92, 79.
Vypustek 31, 33, 66, 76, 100, 106,
111.
Autorenregister der citirten Schriften.
Bourgignat 65, 75.
Brandt 27.
Brandt-Woldrich 34.
Canestrini 71.
Gaudry 13, 47.
Frič A. 29, 31, 100.
Heck 38.
Hehm 43.
Jeitteles 68, 72.
Kafka 5.
Kříž 83.
Laube 17.
Naumann 69, 71.
Nehring 16-18, 66, 73, 75, 82, 94.
118.
Nordmann 80.
Owen 30.
Rütimeyer 71.
| Schàff 83.
| Schlosser 83.
Trouessart 21, 66, 107.
Woldrich 11, 13, 18, 27, 30, 34,
48, 49, 60, 65, 66, 67, 67,
68, 69, 70, 71, 72, 80, 81,
104, 110.
Zahälka 89.
Zittel 60.
INHALT,
Seite
Vorwort us 3
Neue Beiträge zur TEN D Ablügerdngen 5
Kostelik und andere Höhlen und Felsklüften am Beraunfluss 5
Kalvarienschlucht bei Repora . 7
Turská Maätal bei Beraun . 11
Die EI mër ten ine ne RR 18
Die Lóssablagerungen bei Türmitz EN P T SAT 4 i 14
Ziegelei Bulovka bei Kosir LIS
Die Raubthire der КОДЫ Een des ража E der генов SD
riode Bóhmens. 19
Жаы ОАТ ОА ш QU VUE AON о e 91
Echte Raubthiere. Oarnivora.vera. s. e e. s.es son oi ai AE 91
Die Katzen. Felidae 25
Гашо ру e ae ET PIT GRATA S 96
Der Lówe F elis оова), Wë L. E Ge et el EE a oo A АТ
Der Luchx Felis (Lynchus) lou Ш k 98
Der Leopard Felis (Lynchus) pardina Тео ................ 30
Die Wildkatze Felis catus L. ..... 31
Die Hauskatze Felis domestica Вт. 33
Hunde. Canidae. . . . . MUN AND vs лү DRIN RC 35
1. Urhunde nI nAn А REN N 35
2. Die echten Hunde. Cáminae . ».. «= 36
AIDS a EM EN MP 87
Der Wolf. n anis Шш a NN КҮ me eram иаа ет
Der Wolf und der Hund ... 29 ol
Vergleichende Studien über das Gebiss dei И И SC бев Wolfes v 49
Canis lupus var. ...... 61
Def IUD RN 3 E 62
Dilurlaler Hund: Canis ferus Bourg. ^. S3. ete o ove d
Janis ferus var. ferus Bourg. (UA TOS 65
R s va ME W OLOT EE EE E EE
K „ var, hercynius Wold. ................ . 66
. 67
» » var. intermedius
Vorhistorischer Hund. Canis familiaris еШ уш ОЮН
Janis famil. praehist. var. lest: ak CR E e PSAL 08
Canis famil. praehistoricus var. matris optimae Jeit. . . . «. . . . 68
Canis famil. praehistoricus var. et do dd So YQ Oo Mes Sut ow
Canis famil. praehistoricus war. palustris Rütm.
Recenter Haushund. Canis familiaris . . . .
(TUS TRI УАТ GGUAEIU SO е а UV ON E No rk
h n ж ШЕШ EN e
^ ^ ЖО тусь e gr re NUR
N 4 » Anglicus
Gattuag Cuon
Alopecoida SUR
Der Fuchs. Seiten,
Der gemeine Fuchs. Vulpes Mopex yr
Kisfuchs oder Polarfuchs. Vulpes lagopus . .
Der dil. Stepenfuchs. SE? MELIUIONANSE. ои ir
Die Bären. Ursidae 4
Der be aune Bär und der Höhlenbär
Hyaenen. Die Hyaeninae .......
Hyaena. Hyaena crocuta .
Die marderartigen Raubthiere.
Unterfamilie, Melinae . h M TELE
Der gemeine CH M Meles taxus .
Unterfamilie Mustelinae
Zweig Gulonae &
Vielfrass. Gulo Breng CN
Zweig Mustelae
Baummarder. Mustela mr
Steinmarder , Mustela . foina
Р ЮРИ os ds VK ciis de A ste e INC
Nörz. Putorius tesch
Iltis. Putorius putorius S
Das kleine Wiesel. Putorius vulgaris "
Hermelin. Putorius ermineus .. .
Unterfamilie Lutrinae . . . deli Rc
Fischotter. Lira. Шил "Te? ару
Gesammtübersicht der Raubthierfauna Böhmens . .....
Zoogeographische Übersicht... . .....
Register
85
89
90
92
93
93
95
95
95
97
98
. 100
. 108
. 104
. 105
. 201
. 109
pal
M l”
. 114
a här
121
No.
SIEBENTER BAND.
Die Flechten der Umgebung von Deutschbrod von Jos. Novák. ..K 92.—
2, Studien im Gebiete der böhmischen Kreideformation. IV. Die Teplitzer,
Schichten Von Prof. Dr. Ant. Frič e K es
Über die chemische Zus sammensetzung E E er Ackererden und
Gesteine Böhmen’s und über ihren agronomischen Werth, Von Dr. Jos
Ilanamann .. VER I SAP S FU EA DN RK Дш
. Die tertiüren Land- und Süsswasser-O Jonchylien des nordw. Bóhmen von
болер Klika.. s: og AT КД
. Die Myxomyeeten Bóhmens von Dr. Und Č elakovsky (Sohn) . 23121 491990
6. Geologische Karte von Bóhmen. Section VI. Entworfen von Prof. Joh. Krejčí.
Mit: Erläuterungen von: Prof«Dr., A, Bum. Preisin rg олат агат, КОДО
A 'OHTER BAND.
Übersicht der Thätigkeit der naturw. Landesdurchforschung v. J. 1864
bis 1890 von Prof ЕТС Korsika. Denen. LT ere dE
. Untersuchungen der Fauna d. böhm. Gewässer. П. Fauna d. böhm. Teiche
von Jos. Kafka .. ыт nii. ДЖ)
. Monographie der Ostracoden Bóhmens. Von Wenzel Vávra ow COH 1e. 020
4. Prodromus der Algenflora von Böhmen, Zweiter Theil. Von Prof. Dr. Anton
6.
Hansoıra. K 6—
. Recente und fossile Nagethiere Böhmens. Verfasst von Josef Kafka. R 440
j. Untersuchungen über die Fauna der Gewässer Böhmens. I. Metamorphose
der Trichopteren. IL Serie. Von Prof Fr. Klapálek: . 2... 01 sei ros ul 800
NEUNTER BAND.
. Studien im Gebiete der böhmischen Kreideformation. V. Priesener
Schichten, Von Pron ШТО ons i MC LR
. Untersuchungen über dieFaunader Gewüsser Bóhmens. IV. Die Thierwelt
des UnterpoGernitzer und Gatterschlager Teiches als Resultat der Ar-
beiten an der übertragbaren zoologischen Station. Verfasst von Prof. Dr.
Ant. Frič und Dr. V. Vávra. і „б
. Das Moldauthal zwischen Prag und Kralup. Eine petrograph. Studie von Josef
Klvana . K $—
. Die chemische Beschaffenheit der fliessenden "Gewässer Böhmens. I. Theil.
Hydrochemie des Egerflusses. Von Dr. Jos Hanamann, ......K 3—
. Das östliche Böhmen orograph. u. hydrograph, geschildert m. einer Höhen-
schichtenkarte Section VI. von Prof. Dr. КОВ ug K 9—
5. Geologische Karte von Böhmen Section Ш. Entworfen von Prof. Dr. Ant. Frič
uud Pror GUSTAT «JUD WIE IS SW eo e uU, e Sox atiis S Oe
ZEHNTER BAND.
. Geologische Karte von Böhmen. Section II. Entworfen von Prof. br. Ant. Frié
und Prof. Dr. Gustav C. Laube... RR N LE UU
. Das ostböhmische Miocán von V. J. Procházka M {эл us
Untersuchungen über die Fauna der Gewässer Bóhmens. Ш. Untersuchung
zweier Bóhmerwaldseen, des Schwarzen und des Teufelssees. Dnrchgeführt auf der über-
tragbaren zoologischen Station. -Von Prof. Dr. Ant. Frič und Dr. V.Vávra. RK .5:—
Studien im Gebiete der bóhmichen Kreideformation. VI Die Chlomeker
Schichten. Von Dr Ant. Priči (Ap i ST UR E
“Die chemische Beschaffenheit "der fliéssenden | Gewässer Bóhmens.
IL Theil. Hydrochemie der Elbe. Von Dr».Jos'Hanamanm, . “ DUK 82s
3, Fossile u. recente Raubthiere Bóhmens (Carnivora). Verfasst von Ji Kafka, K 8—
BILETTER BAND:
‚Über die Bodenbeschaffenheit und das Иге саргы bóhmischer
Ackererden. Von Dr. Jos. Hanamann . Kp on
‚Studien im Gebiete der böhmischen Kreidefor mation. "Von Prof. Dr. Anton
Frič und Dr. Edwin Bayer . vni Zo
. Untersuchungen über die Fauna der Gewässer Bóhmens, V. Untersuchung
des E ar und seiner Altwässer. Durchgeführt Se der übertragbaren p dna
Station. Von Prof. Dr Ant. Fri und Dr.. V. Vávra ein Ee Dus
}eologische Studien aus Südböhmen. I. Aus dem bóhmisch-mührischen
Hochlande. Das Gebiet der Oberen Neäärka., Von J. №. Woldfich.K 5:—
Studien über die Permschichten Bóhmens. І., IL, ПІ. Umgebung von Bóh-
misch Brod, Wl aschim und Lomnitz. Von Johann 4,0 8.5 DR Bite, таа IR Br
ZWÖLFTER BAND.
Geologische Karte von Böhmen. Sektion V. Weitere Umgebung Prags bearbeitet
und mit Erläuterung versehen von Prof. Dr. Philipp Poéta ........K 5.60
DRITTER BAND.
I. Topographische Abtheilung.
Verzeichniss der in den J. 1877—1879 vom К. k. mil.-geogr. Institut trigonometrisch
bestimmten Höhen von Böhmen herausgegeben von Prof Dr. Karl Kořistka und
Maro u АДО bsy voti SCORE Ok vo rer evt омео S LV y oo ДИ)
IL Geologische Abtheilung.
I. Heft. Petrographische Studien an den Phonolithgesteinen EN von
Brot Dri Boricoky. Pres... ua e D n ICs.
IL Heft. Petrographische Studien an den Melaphyrgesteinen "Bóhmens von
Pron DI le Prois: an. ‹ .K2—
UI. Heft Die Geologie des böhmischen Erzgebirges (1. Theil) von Prof. Dr.
COST DEN EE EE Vor doles Re S e ar a
ПІ. Botanische Abtheilung.
Prodromus der Flora von Böhmen von Prof. Dr. Ladislav Celakovsky. (IIT. Theil
Sehluss) Prois e si yoi E E T N E E eh, EE
IV. Zoologische Абай
i Hete Die Myrropouen Bohmens von PoV: Rosicky. Рено 120
IL. Heft. Die Cladoceren Böhmens von Bohuslav Hellich. Preis. .... vK 320
V. Chemisch-petrologische Abtheilung.
Elemente wë d die chemisch-mikroskopischen Minera l- huis dae a
von quom DE BOLLER РЕ А URN ыл л IS M veu te d V Mere, QU
V IE PD RER BA Мх D.
No. 1. Studien im Gebiete der böhmischen Kreideformation. Die Weissen
berger und Malnitzer Schichten von Dr. Anton Fri& Preis. . . RB
No. 2. Erläuterungen zur geologischen Karte der Umgebungen von Pr m. von
0. Kroji und. B. Helmhacker х . K9—
No. 3. Prodromus der Flora von jóhmen von "Prof. Dr. Ladislav Sls ves
(IV. Theil.) Nachträge bis 1880. Verzeichniss und Register . . Prat aae iier ЦЕ)
No. 4. Petrologische Studien an den li Ian de Böhmens von Prof. Dr.
Em. Boricky und Jos. Klvana& . . X os WR
No. 5. Flora des Flussgebietes der C idlina und Mrdlina von Prof. Ed. Pospíchal-
No. 6. Der Hangendflótzzug im Schlan-Rakonitzer Steinkohlenbecken von Clarl
Bud TOS GENER DD E ee IR Vra Sed S dein
FÜNFTER BAND.
No. 1. Erläuterungen zur geologischen Karte desEisengebirges (Železné hor y)
und der angrenzenden Gegenden im östlichen Böhmen von J. Krejčí und
БК. Helmhacker. . . Ne E
No. 2. Studien im Gebiete der bóhmischen "Kreideformation. ПІ. Die Iser-
schtehtem Von Dr. Anton EPIO... ...K6—
3. Die mittelbóhm. Steinkohlenablagerung von C arl Feistmantel, . . K 2:40
No. 4. Die Lebermoose (Musci Hepatici) Böhmens vom Prof. Jos. Dědeček. К 2—
5. Orographisch - geotektonische Übersicht des silurischen Gebietes im
mittleren Böhmen. Von Johann Krejéí э Karl Feistmantel. . . . K 4—
No. 6. Prodromus der Algenflora von Böhmen. IL Th. Von Dr. A. Honsgirg. K 2:80
SECHSTEDR BAND.
No. 1. Über die Torfmoore Bóhmens in naturwissenschaftlicher und national-
ökonomischer Beziehung mit Berücksichtigung der Moore der Nachbar-
länder. Von Dr. Fr. Sitensky. I. Abth. Naturwissenschaftlicher Theil. . . К 560
No. 2. Die Süsswasserbryozoen Bóhmens. Von Josef Kafka. . eura Ants. MM
No. 3. Grundzüge einer Hyétographie des Kónigreiches Bóhmen. Von Dr. F. J
Studntéóka- .-. ; “леда
No. 4. Geologie des bóhmischen Erzgebirges. IL Theil. Von Dr. Gustav C. ое
£ ee
No. 5. Untersuchungen über die Fauna der Gewässer Bóhmens. І. Metamorphose
der Trichopteren. I. Serie. Von Fr. Klapálek . .. . .... (vuv I MU
No. 6. Prodromus der Algenflora von Böhmen. I. Th. Forts. Von Prof. Dr. Anton
Hansi ne у» EE UE
8
mmm